Nach dem Kirchentag in Wittenberg (den ich trotz Hitze sehr genossen habe) und dem Konzert in Wuppertal-Cronenberg Ibach-Orgel auf zum Saal Salles de Pologne, Leipzig und Luther-Stammtisch Bad Blankenburg. Ich bin so gern in Sachsen und Thüringen.
Das Meer hat jeden Tag ein anderes Gesicht, ein anderes Gemüt, eine andere Würde, wenn ich am Deich spazierengehe zu den unterschiedlichsten Tageszeiten, zu Zeiten von Ebbe und Flut, zu Zeiten von großen Dampfern und kleinen Sportschiffen, in den Farben Dur und Moll. Ich spiele auch jeden Tag anders — jeden Tag andere Farben.
Am Nachmittag regnete es, so besuchten wir das U-Boot Wilhelm Bauer in Bremerhaven — es war eng und wie ein Zwergenboot innen, man kann kaum glauben, dass dieses U Boot im Zweiten Weltkrieg als gefährliche Waffe gedacht war. Dann gingen wir ins Mediterraneo, teuer, da kein Outlet, aber im italienischen Stil. Am nächsten Tag besuchten wir den Zoo am Meer, auch wenn ich eingesperrte Eisbären, Pinguine und Puma nicht mag — ich spüre ihre traurigen Seelen und fühle, dass sie den Lärm hassen wie ich. Ich erinnere mich zu sehr an die bernsteinfarbenen, leuchtenden Raubtier-Augen der wilden, schönen Löwin im Nationalpark Uganda, dem Murchison Falls-Nationalpark auf meiner Safari — das ist kein Vergleich zu irgendeinem traurigen Augenpaar in irgendeinem Zoo. Heute abend gehen wir in das Berliner Musical Linie 1. Überall sehen wir auch die Besucher des Kirchentags in Bremen — so nah — und haben plötzlich Gospel-CDs geschenkt bekommen. Dann mein Konzert.
Ich freue mich, dass ich in Lettland mit Jugendlichen in Kontakt gekommen bin. Recherchearbeit macht mir Spaß, zu erfahren, wie es Jugendlichen und Kindern vor Ort geht. Durch meine Verwandte und meinen Cousin konnte ich mit vielen Kids in Kontakt kommen. Sie sind sehr offen und lieben Musik, vor allem Songs und Lieder. Durch das Fernsehen können sehr viele sehr gut Deutsch.
Nur kurz… da nicht viel Zeit: St. Paul’s London, Themse in immer wieder anderem Licht, Tower Bridge, Trafalgarsquare, Westfield-Stratford, in einem indischen Laden eine bunte Punjabi gekauft, Tower Hamlets Borough, der beste Borough ever. London ist sehr schön.
1. Preis Literaturwettbewerb Vallendar, Österreich
Freue mich über den 1. Preis, Klagenfurt, Faaker See, dann Starnberger See, Lyrik-Hörbuch. Konzerte gespielt in Wuppertal, Ludwigsburg, Vallendar und Marktheidenfeld.
Gelesen im Literaturhaus Darmstadt. Bald Konzert in der Festhalle Wilnsdorf. Fotos am Trettstein Gemünden.
Freiheit ist weder Chaos noch Zufall. Bekenntnis und Plan gehören zur Freiheit. Beschreibungen sind in der Musik wie auch in der Literatur eine Form von Bekenntnis, eine noch anfängliche, sei es die Beschreibung des Meeres oder des Universums, und führen zu größeren, tieferen. Beschreibende Musik wie Debussys, Ravels, Strawinskys sind keine bekenntnislose Musik.
Auch die Geburtsstunde der ’seriellen oder vororganisierten‘ Musik, zum Beispiel Stockhausen, ist nicht Anti-Bekenntnis. Musik von Messiaen geht weit über Reihenmusik hinaus, weit über die Organisationen von Skalen. Atonalität, fixierte musikalische Punkte und Konzepte und absolute Musik tropfen und tränen vor Bekenntnis. Konzepte allein sind keine Kunst.
Selbst Stockhausen bewegte sich aus seiner fatalistischen, dogmatischen Gruppe der elektronisch und seriell determinierten Musik, in der nicht anders komponiert werden durfte und die viele begabte Menschen vertrieben hatte (heute nicht viel anders), fort und heraus.
Gedichte von Eichendorff, Rückert, Keller, Celan, Fried, Augustinus, Rilke und vor allem Georg Trakl — zärtliche, dunkle Literatur, die etwas Ruhiges, Zynisches, Suchendes hat — genauso Thomas Bernhard, oder Musik Hindemiths.
Bachs Musik aber spricht rund und frei von Trost, von Liebe, als könnte ich mitschreiben, jeden Tag etwas anders, tröstend, doch immer im Niedergehen die große Kraft, im Beugen die größte Spannung und Ermutigung. Seine Musik ist eine Einladung zur Ewigkeit, zum Loslassen, Vertrauen, Glauben.
Der Quintenzirkel ist für mich eine Art Gottesbeweis. An Gott zu glauben ist nicht intellektuell anspruchslos. Die Wissenschaft ist nicht der Feind oder Gegner des Glaubens und der Literatur.
Genauso wenig wie Musikwissenschaft Gegner der Musik ist, auch wenn es oft so scheint. Bach war ein großer Dichter und Denker; viele andere, die unser Land beeinflusst haben. Sie arbeiteten oft auch mit verborgener Symbolik. Symbolik addiert sich in meinen Gedanken wie verselbständigte Kunst, um auf den rechten Zeitpunkt zu warten.
Seinen Kelch des Lebens muss man erst ein wenig kennen, das heißt, sich selbst ein wenig kennen, bevor man ihn halten, erheben und trinken kann.
Toskana
Leonard Bernstein behauptet, dass ein Komponist immer dasselbe Stück schreibt, immer mehr sich annähert seinem wirklichen, einzigen Anliegen. Das bedeutet für mich, dass Kunst dann stattfindet, wenn der Komponist in diesem Anliegen und die Interpretin, wie sie die Musik des Komponisten versteht, in eine musikalische Verbindung, in eine ‚Ehe der Gaben‘ zusammen fließen, die das Notenpapier verwandelt in Leben.
Es war wieder ein aufregendes Jahr. Mozart Klavierkonzerte im Gewandhaus zu Leipzig, Piano-Salon Dresden, Barocksaal Rostock, Dom Berlin, Recitals Klosterkirche Oberndorf, Orgelkonzert zum Deutschen Orgeltag, Lesung in Pinzette versus Kneifzange Leipzig, Rysum, Metzingen, Nettersheim, Dozentin Konservatorium Magdeburg, Videos mit Zugabe-TV und Markus Reinheckel, Allianzkonferenz, Spring-Festival, Konzerte für die Adenauer-Stiftung, Holocaust-Remembrance Bad Blankenburg, Soundcheck von TV Touring, Konzert Alte Wache Lauenburg, Bethlehemskirche Hannover, Bad Karlshafen Rathaussaal, Notenspur-Konzerte Leipzig, Mauerfall-Konzerte, Recitals in Schloss Gohlis Leipzig, Schlosskonzerte Hurlach, Landesakademie Hessen, Lesung mit Volly Tanner… Fotos für Yunolia, Donata und Wim Wenders… Meine Schwester heiratete…