Archiv

25. Juni 2020

Schlagwörter: ,

Kommentar verfassen

Vertrauen ist oft das Gegenteil von Performance. (AHS)

Mir gefällt an Liszt, dass er wie ich viel gereist ist in seinem Leben. Er hatte mit Ad nos als Erster ein echtes Wagnis kreiert: Ein sinfonisches Gedicht, das nirgendwo zum Schluss kommt außer ganz am Schluss – nach 45 Minuten Spielzeit (bzw. 28 Minuten (!), wie es heute üblich ist). Das Stück basiert auf einen Text. Auf den Text der Oper “Der Prophet” eines jüdischen Musikers: Meyerbeer aus Paris. Und das, obwohl Liszt plötzlich Wagner in der Familie hatte, der aus Neid, weil Meyerbeer Paris musikalisch fest im Griff hatte, recht antisemitisch war. Die Verbindung der Oper Meyerbeers zum Orgelwerk Ad nos ist interessant.

1859 wurde Ad nos zur Ladegast-Einweihung in Merseburg durch den jüdischen Virtuosen Winterberg (der später etwas unter die Räder kam) uraufgeführt. Zum ersten Mal wurde hier offiziell dokumentiert, dass es Registranten gab, drei Stück an der Zahl: Liszt, Ladegast und der Organist der Kirche.

Da ist also dieser wagemutige Liszt, der überall seine Soireen gegründet hatte (bei denen es anders zuging als heutzutage), Juden wohlgesinnt, und schrieb Ad nos, das sowohl ein Gedicht, eine Oper als auch eine Sinfonie ist.

Auch Liszt-Schüler Reubke baute sein Werk auf den dramatischen Text des Psalm 94 auf, nicht auf eine Melodie.

Lustig ist: Bei Zoom und Skype, dass ich da wohl angeblich immer “schreie” – als wäre der andere taub. Es fragte mich mal jemand, wie alt mein Gegenüber gewesen sei, weil ich so laut geredet hätte. Irgendwie mache ich das instinktiv, um die räumliche Entfernung zu überbrücken – selbst wenn das Meer dazwischen liegt.

Neu: Bach BWV 527 d-Moll, Video: Lingualpfeife, von Würzburg gefördert:

Von YouTube erstellt:

13. Juni 2020

Schlagwörter: ,

Kommentar verfassen

Es geht beim Musikersein nicht um Beruf allein, sondern um Berufung. Eine Berufung ist nie ein Hobby. Das schließt sich aus. (AHS)

Nun schreibe ich den 13. Juni auf den letzten Drücker. Es war ein schöner Tag mit schönen Orgel- Aufnahmen. Es ist sehr interessant zu sehen, was auf einer Orgel geht und was nicht. Auch gerade was nicht geht, bringt einem die Orgel näher. Jede Orgel hat ihre Eigenarten, ihre Stärken und Schwächen, genau wie ich. Die Hoffmann-Orgel in Heidingsfeld mit ihrem leuchtenden Licht gefällt mir sehr gut, und Ludwig alias Lingualpfeife hat diese Orgel mit seinen Videos berühmt gemacht, und die Leute pilgern hierher.

Auch die Hochzeit in St. Kilian Bad Windsheim war sehr schön. Eine tolle große Orgel, ganz anders als die Hoffmann-Schindler-Orgel – es macht Spaß, jeden Tag eine andere, neue Orgel-Persönlichkeit kennenzulernen und sie automatisch positiv miteinander zu vergleichen. Dadurch lernt man selbst sehr viel für das eigene Spiel. Es macht mir Spaß, mich an die Orgeln anzupassen. 

Überall um die beiden Kirchen herum blühen die Rosen. Ich habe auch schöne Rosen bekommen. Und natürlich waren wir Spargelessen, ich könnte jeden Tag Spargel essen. Fränkischen Spargel natürlich. 

Ich glaube, durch das Aufnehmen lernt man auch enorm viel. Ich fokussiere mich ganz anders. 

25. April 2020

Schlagwörter: ,

Kommentar verfassen

Möge der Wille Gottes hundertmal willkommen sein. (Irischer Segenswunsch)

Mir sagte jemand, ich würde ja jede Orgel schön finden. Genau, stimmt. Finde ich auch. An jeder Orgel ist was Wahres dran.

Ich freue mich, von der Stadt Würzburg, Fachbereich Kultur, für kulturelle Projekte gefördert worden zu sein. 

Gott ist mein Fels, meine Hilfe und mein Schutz, dass ich nicht fallen werde. (Psalm 62,7)

13 Orgeln in vier Tagen! Ich freute mich schon lange auf die sehr schöne Orgelzeit ab 18.3., schon seit Dezember. Für mich ist es ein Wunder, dass es geklappt hat trotz der bizarren Zeit gerade. Es ist so schön, die reiche Orgellandschaft Thüringens kennenzulernen. Es gibt in Thüringen über 200 Orgeln allein aus dem 18. Jahrhundert. In beinahe jedem Dorf steht eine wunderbare Orgel.

Wir sind über 1400 km gefahren und haben 13 Orgeln in 4 Tagen gespielt. Einmal waren wir auch in Sachsen-Anhalt (Köthen) und Sachsen (Leipzig). Organisiert habe ich die Reise seit Januar. Meine erste selbstorganisierte Orgelfahrt. Aufgrund des Virus ist zwar einiges durcheinander geraten, manches hat nicht geklappt, aber über die Hälfte schon, dafür bin ich sehr dankbar.

Allein die Zugfahrt mit dem Express über Neudietendorf war genial. Alles war still, friedlich, lag glitzernd in der Sonne. 10:57 kam ich an, wurde abgeholt, und ab dann ging es los. Danke an alle! Die orgelverrückte Sorglose aus der Brötchengasse on Tour.

Am 18.3. (Mittwoch) habe ich die Wender-Schuke-Orgel in der ev. Davi Blasii-Kirche (Bachkirche) Mühlhausen gespielt, die schön und friedlich in der Sonne lag, man sitzt dort als Organistin direkt unter dem Rückpositiv, anschießend die wunderschöne Wender-Orgel (die Bach abgenommen haben soll) in St. Vitus Ammern (gefahren über die B247), und zuletzt an diesem Tag fuhren wir nach Buttstädt bei Sömmerda in Thüringen über die B84 und L1058. Dort steht die wunderschöne Heroldt-Orgel in der prunkvollen Michaeliskirche Buttstädt.

Diese große Heroldt-Orgel, die Bach, als sie neu war 1702, kennengelernt haben soll! Viele kennen diese beiden letztgenannten Orgeln und Kirchen nicht, kennen auch den Bach-Bezug zu diesen Orgeln nicht. Dort in Buttstädt habe ich auch den wunderschönen Friedhof, der einzigartig nördlich der Alpen mit seinen Gräbern über 400 Jahre alt ist, im Abendlicht besucht. Erstaunlich, dass Buttstädt einen solchen Friedhof Campo Santo besitzt. Überall hier in Thüringen sind die Menschen so engagiert, ihre Kirchen, Orgeln und Friedhöfe wunderschön zu erhalten. Hut ab! Dennoch brauche  diese Menschen dringend Hilfe. Sowohl die Michaeliskirche als auch vor allem die Orgel brauchen dringend finanzielle Unterstützung zur Sanierung. Kirche, Turm und Orgel fallen sonst zusammen. Der Turm ist schief, die äußere Wand fällt ein und kann die tonnenschwere Orgel nicht mehr halten.

Übernachtet haben wir in Gotha, sind von Buttstädt aus über die A71 und B7 (175 km) gefahren.

Am 19.3. spielte ich zunächst einige Stunden auf der grossen, schönen Schuke-Orgel in der Margarethenkirche Gotha, Thüringen. Dann fuhren wir ins kleine, malerische, grüne Dörna über die B247 und L1006 zur schmucken Wender-Orgel in St. Georg, die früher in Mühlhausen stand. Auch hier spielte ich einige Stunden. Wender stammte aus Dörna. Die Kirche und die Orgel werden liebevoll vom Freundeskreis vor Ort gepflegt und jeden Abend die Glocke aufgezogen. Gleichzeitig kümmern sich diese lieben Männer auch um Bienen. Viele kennen auch diese Orgel nicht, obwohl Bach diese Orgel kannte und schätzte!

Abends fuhren wir dann zur Ladegast-Orgel nach Köthen über die K201 und L145 zur Kirche St. Jakob. Diese große Orgel mit Walze in Sachsen-Anhalt hat mich sehr beeindruckt. Ich habe schon einige herrliche Ladegast-Orgeln nun gespielt, in Schwerin, Rudolstadt, Leipzig. Merseburg nur von unten. Nur Buxtehude ist hier natürlich nichts. Wir fuhren zurück über Leipzig (Sachsen) nach Thüringen über die B183 und L3004. Wir übernachteten in Arnstadt.

Am 20.3. spielte ich ab 10 Uhr dann in der Bachkirche Arnstadt an Wender und Steinmeyer und an der Schuke in der Liebfrauenkirche, dann in der Bachkirche Dornheim an der Schönefeld (über L1048), abends 19 Uhr an der schönen, bemalten, dreimanualigen Ladegast-Orgel von 1636 der evangelischen Stadtkirche St. Andreas Rudolstadt (über die B90), Kantor der sehr nette Frank Bettenhausen. In Rudolstadt, Bad Blankenheim und Saalfeld habe ich schon oft gespielt, Orgelkonzerte und Klavierabende. Mir gefällt die bergige Gegend. Wir übernachteten in Rudolstadt. Überall schöne Schlaflunken in gemütlichen Spelunken.

Dann die super herrliche Trost- Orgel in Waltershausen, die wahrscheinlich meine Lieblingsorgel auf der gesamten Tour war. Sie hat den schönsten Spieltisch, den ich je gesehen habe. Alle Windladen, Trakturen, Manualklaviaturen und fast alle Register wurden erhalten. Die Tasten sind sehr lang und schwarz, ähnlich lang wie an meiner Prüfungsorgel in Frankfurt am Main, und hätte ich nicht kleine Hände, würde man zwischen den schmalen, langen Tasten hängen bleiben. Gottfried Trost hat die Orgel mustergültig gebaut. Hier war das Gute, dass es kein Geld gab, sonst hätte man sie – wie viele andere Orgeln – “umgebaut” (=zerstört), wie es Mode war. Nur leider wurde die Balganlage umgebaut, wurde aber von Stade sehr gut rekonstruiert. Wie verletzlich die mächtigen, tonnenschweren Orgeln sind, sieht man erst oben. Die Kirche Zur Gotthilfe Waltershausen besitzt zudem eine wunderschöne Decke und Akustik, und der Verein Orgelsommer ist noch immer sehr aktiv. Ich habe alle Journale des Orgelsommers gelesen. 

Dann fuhren wir von der größten Barockorgel Thüringens zur allgemeingrößten Orgel Thüringens: Die letzte Orgel der Reise war die große Walcker-Orgel in Ilmenau in der St. Jakobuskirche (weißer Schrickel-Prospekt). Es ist ein Wunder, dass diese so wundervoll restauriert werden konnte, dass das Geld hierfür da war durch die Wende, sonst wäre die Orgel kaputt gegangen. Vor dieser Walckerorgel gab es noch viele andere schöne Orgeln in Ilmenau, die aber leider zerstört wurden. Die Walckerorgel besitzt einen Notspieltisch, so dass man im Duett spielen kann. Um sich warm zu halten, gibt es dort einen Fön, ein Heizkissen und einen Infrarot-Strahler.

Es gibt in Thüringen noch sehr viele wunderschöne Orgeln und sehr nette Kantoren. An den sehr netten Kantoren sieht man erst, wie unfassbar un-nett andere sind, die Orgeln interessierten Geistern und begabten Fingern vorenthalten, obwohl diese Orgeln nicht ihr Eigentum sind. Ich weiß, dass es auch in Frankreich, Italien usw. tolle Orgeln gibt, aber ich habe erst mal eine Leidenschaft für die Orgeln meines Landes. Erst mal möchte ich diese kennenlernen. Dafür schlägt erst mal mein Herz. Und die neuen Bundesländer kennen viele “im Westen” noch immer nicht, sie fahren lieber nach Paris.

Dann zurück ins abgesperrte Bayern. Ich lasse mich ungern einsperren und war schon immer sehr freiheitsliebend. Ich glaube, das liegt daran, dass ich als Kind einmal aus Versehen eingesperrt war. Da war die Klinke eines Zimmers abgebrochen und ich kam nicht raus. 

An jeder Orgel habe ich unglaublich viel gelernt. Jedoch Lernen bedeutet, immer weiter dazuzulernen. Es hört nie auf. Die motorischen, kognitiven und klanglichen Erlebnisse haben sich in meinem Gedächtnis abgespeichert. Man kann sagen, dass eine Orgel träger ist als ein Flügel, das stimmt, jedoch liebe ich das Gravitätische der Orgel und das Farbenspiel. Die Orgel an sich ist mein Orgellehrer. Dazu Gott, der größte Organist.

Wunderschön ist das ganze Land: Thüringer Becken, das Harzvorland, der Thüringer Wald, die langen Tunnel und der Rinnstein-Tunnel (der längste mit über acht Kilometern, der den Hauptkamm des Thüringer Waldes durchquert), die DDR-Überbleibsel (Orte, in denen der Letzte das Licht noch ausmachen muss bzw. in denen nur noch “alte” Menschen leben), brillant Restauriertes, manches Zerfallene, das Nebeneinander von alt und neu (neue Autobahnen, der hell erleuchtete Frachtflughafen Leipzig, die Neubaustrecken der Bahn und auch Züge, die wie durch ein vergessenes Land rauschen), das Mansfelder Land und seine Bergbauhalden. Ich glaube, die Eltern von Martin Luther hatten ein Bergwerk im Mansfelder Land. Auch an Wechmar fuhren wir an Bachs Geburtstag vorbei – dort fanden die lustigen Bach-Familienfeiern statt, hier entstammt die Familie Johann Sebastians.

Das Thüringer Burgenland ist einfach zum Anbeißen, an jeder Ecke eine Burg und eine Kirche, romantische Dörfer und Wanderrouten.

Es ist schade, die Reise unterbrechen zu müssen wegen der Krise, aber es war bis dahin wundervoll. Und nun bin ich in der Ausgangssperre, die mich heimtrieb.

Erinnerung: Orgeln in Not: SOS-Orgel-Dörfer: Orgeln in Not

Ladegast-Orgel Rudolstadt 1636/1882

25. März 2020

Schlagwörter: , ,

Kommentar verfassen

Man bewältigt ein Gebirge und stolpert über einen Stein. (Gertrud von Le Fort)

Ich gehe kaum ohne Orgelschuhe aus dem Haus. Noch vor drei Jahren undenkbar, wäre komisch gewesen. Doch jetzt: Schöne Normalheit. Normalzeit. In einer bizarren Zeit. Nun gehe ich aus dem Haus, wenn ich zum Zahnarzt gehe. Mit Orgelschuhen. Da man sonst nicht aus dem Haus gehen darf, gehe ich jetzt jeden Tag zum Zahnarzt. Nein. Ich mag Zahnarzt nicht.

Die vorletzte Orgel der Tour, am 21.3. dann spielte ich einige Stunden an der wundervollen, mächtigen, dreimanualigen Trost-Orgel von 1724 in Waltershausen, Thüringen, der größten Barockorgel Thüringens, an der man auch (mit zwei Bio-Setzern=Menschen) klanglich perfekt mit etwas Umarbeitung Liszts B-A-C-H spielen kann, und natürlich Bach, Mozart, Mendelssohn… Die Fugara ist hier eine Flöte, normalerweise Streicher. Die Mixturen sind fett, groß und tief. Super Zungenbatterie. Die langen Register bestehen aus dicken, bunten Chiptalern wie aus dem Casino. Die grünen sind für das Hauptwerk in der Mitte und oberhalb des Spieltisches. Die braunen sind in der Mitte und für das Pedal. Die roten sind außen für Brustwerk und Oberwerk.

Wir fuhren über die A71 und A4 nach Waltershausen. Der Kantor Theo ist super. Ich bin, obwohl die Orgel schwer zu spielen ist, sofort sehr gut mit dieser zurecht gekommen. Theo sagte, es sei erstaunlich, wie schnell ich mit ihr zurecht gekommen wäre, das würden die wenigstens können. Die meisten haben Angst vor dieser Orgel. Cembalisten kämen gar nicht mit ihr klar. Das Hauptwerk ist sehr schwergängig, alles sehr weit auseinander gezogen, man muss als kleine Frau die Arme enorm strecken, vor allem das oberste dritte Manual ist weit weg (mit den herrlichen Farben), und das Pedal ist doppelt so breit und weit als bei “normalen” Orgeln – und dazu lässt sich die Bank nicht verstellen, ist viel zu hoch für kleine Frauen. Um zu D und C im Pedal zu kommen, muss man sich zu beiden Seiten enorm strecken wie auf einer Streckbank. Dazu kommt, dass man die Töne des Pedals mit ziemlichem Gewicht drücken muss – beim kleinsten Nachgeben des Beines lässt der Ton sofort nach. Und die tiefsten Töne, die so unendlich weit weg sind, kommen klanglich auch noch verspätet. Ob der wundervolle Trost dies alles absichtlich gemacht hat? Nicht um Frauen zu ärgern, denn damals gab es wohl keine Frauen an den Orgeln, aber er haßte den Organisten Ritz, für den er bauen sollte. Dieser Ritz hat ihm das Leben zur Hölle gemacht. An der Orgel hat er kaum etwas verdient. Ritz wollte Trost sogar an den Galgen bringen. Daher ließ der liebe Trost auch zwei schwarze Teufel an die Seiten des Spieltisches bauen. Früher hatten diese Teufelsgesichter weiß blitzende Zähne und Augen und lange Hörner, dass sich Organist Ritz sehr schnell ritzte beim Spielen. Nun sehen diese schwarzen Gesichter eher mahnend aus, dass man Orgelbauer gut behandeln sollte, denn diese sind Künstler. Ritz hat vergessen, dass man ihn nicht mehr kennen wird, Trost aber schon. Mir gefielen sehr die Flammen zwischen den Pfeifen, auch bei den Pedalpfeifen.

Die Trost-Orgel ist ein experimentelles Wunder. Die erste Orgel mit so vielen Grundtönen und Achtfüßen – sieben Achtfüße und drei Sechzehnfüße (!), dazu überblasene Flöten: Die Vorlage zu allen romantischen Orgeln.

Ich spielte überall meine Bach-Trio-Sonate d-Moll und Bach 542 und Piece d’Orgue,  so konnte ich die Unterschiedlichkeit der Orgeln am besten spüren. Denn jede Orgel ist völlig anders. Wie ganz anders zur Trost-Orgel dann eine Stunde später die Walcker-Orgel in Ilmenau! Es ist erstaunlich, dass die Trost-Orgel jünger ist als die Ladegast-Orgel in Rudolstadt, das wirkt nicht so. Das liegt natürlich an der Restaurierung der Ladegast 1882. Nur die Vorgänger-Orgel ist von 1636.

Bach liebte nachweislich Trost-Orgeln. Es gibt nur vier erhaltene Trost-Orgeln überhaupt: Altenburg, Großengottern, Eisenberg und Waltershausen. Ich bin nun auch Fan von diesem Tobias Heinrich Gottfried Trost.

Auch die Ladegast-Orgel in Köthen liebte ich, an der ich abends am 19. spielte. Sie ist männlich, tief, dunkel, aus braunem Holz geschnitzt und mit brausenden Klängen. Ganz anders die helle und weibliche Schuke-Orgel in der Margarethenkirche in Gotha am Morgen, in der auch Bach war. Diese ist glockig brillant, lächelnd, fein und ganz anders mächtig. Mir wurde sogar Tee und Kaffee nach oben gebracht, es war eine wundervolle Zeit in dieser Kirche, in der unten der Chorraum und das Pfarrbüro direkt in der Kirche sind, durchsichtig in Glaswänden, was ich sehr schön und einladend finde. Jede Kirche hat ihr Bonbon.

Ich mag die alte Platten, von Perahia, vom Evangeliums-Rundfunk… – so nett und beruhigend. Ich mag auch von Janacek die Glagolitische Messe (Platte).

Alle meine Bücher und Noten auf Amazon: Bücher und Noten Amazon Ann-Helena

24. März 2020

Schlagwörter: , ,

Kommentar verfassen

Wie verletzlich die mächtigen, tonnenschweren Orgeln sind, sieht man erst oben. (AHS)

Weil sich viele Sorgen machen oder wundern: Ich bin wieder daheim. Die fränkisch-bayerische Ausgangssperre hat mich verschluckt, yeah.

Die letzte Orgel dieser wunderbaren, besonderen Orgeltour war die große Walcker-Orgel opus 1609 in Ilmenau in Thüringen in der gelben Jakobuskirche mit seinen wunderschönen Farben für Messiaen, Liszt, Reger und Bach und seiner Walze und dem “umgekehrten” Schweller, die mir Hans-Jürgen zeigte. Danke! Wir fuhren über die L1025. Diese schöne, elektro-pneumatische, symphonisch angelegte, spätromantische Walcker-Orgel von 1911 bekam 1917 neue Pfeifen, ebenso 1929, und besitzt nun über 65 Register. Das Ziel war hier, Deutsches und Französisches zu vereinen, eine Vermählung dieser beiden, und auch eine Vermählung von Barock und Romantik. Das Pneumatische ersetzt das Sostenuto-Pedal und kommt mir als Pianistin gut gelegen, man muss dennoch bei Fugen sehr aufpassen. Die Orgel besitzt zudem Appelle wie in Frankreich: Damit werden Zungen, vor allem helle, und sogar Mixturen (also alles, was “Lärm” macht) per Tritt hinzugesetzt und abgesetzt, um klangliche Brüche zu vermeiden. Das Arbeiten mit der Walze macht mir Spaß; sonst ist ja auch ein Spielen von Reger nicht wirklich möglich, wenn man das Spielen mit der Walze ablehnt. Koppeln und Zungen können zur Walze hinzugenommen oder hinausgeworfen werden. Diese Walcker-Orgel mit drei Manualen ist ganz und gar anders als beispielsweise die in Hoffenheim.

Ich liebe die Einzelstimmen der romantischen Ilmenauer Walcker-Orgel, der Ilmenauer Königin, die Große von E.F. Walcker & Cie Ludwigsburg von 1911, von Edwin Schmuck initiiert, mit starkem, französischem Einfluß, mit großem Schwellwerk und schönem Spieltisch, von der Firma Scheffler 1993 restauriert.

Ich liebe diesen symphonischen Klang, 4000 Pfeifen und mehr, perfekt für Liszt, Ritter, Reger, Messiaen, Mendelssohn, Bach und eigene Werke; die edlen Aliquoten und den typisch deutschen Klang der Zungen. Die gelbe St. Jakobuskirche besitzt zudem eine sehr schöne Akustik. Mozart wurde hier noch nicht gespielt, dafür gibt es mich.

Ich liebte auch die Ladegast-Orgel in St. Jakob Köthen, an der ich am Tag zuvor viele Stunden abends übte – hier war Bach ebenfalls. Zu fast all den bisher besuchten Orgeln hatte Johann Sebastian Bezug, auch in Gotha zu allen Orgeln, auch zur Schuke-Orgel dort in der Margarethenkirche (historisches Gehäuse). Bisher spielte ich Ladegast in Schwerin, Leipzig, Köthen, Rudolstadt und gesehen von unten in Merseburg.

Meine Orgel-Noten Stille och Snö neu auf Amazon Amazon Kompositionen Ann-Helena

Freue mich auf Bestellungen, Rezis und Likes.

23. März 2020

Schlagwörter: , ,

Kommentar verfassen

Der Schönheit bis in ihre Schlupfwinkel folgen, an den traurigsten Orten Freude finden, wach hinsehen und verstehen. (Arundhati Roy)

Es war sehr schön, nach der wunderbaren Schuke-Orgel in der Bachkirche Mühlhausen (Thüringen), wo Bach Stadtorganist war, nach Ammern (ein Dorf fünf Kilometer von Mühlhausen entfernt) zu fahren und dort in der entzückenden, evangelischen Dorfkirche St. Vitus mit Turm die Wenderorgel zu besuchen und einige Zeit zu spielen, die Bach abgenommen haben soll laut Christoph Wolff. Die Unstrut fließt unten vorbei. Ein alter Baum mit weiten Zweigen verdeckt das Tor. Die Wender-Orgel oben sieht aus wie ein Schmuckstück, die Registerzüge sind schwarzweiße, dicke, runde, unschuldige Kegel wie Gesichtchen, die man küssen möchte, vor allem die Gambe. Die ganze Orgel, so niedlich sie aussieht, hat eine klanglich majestätische und erwachsene Wucht und Fülle. Sie ist vom Umfang verhalten, aber Bach, Homilius etc., sogar Mozart sind hübsch zu spielen, wenn man gut abwägt und entscheidet.

Mühlhausens Divi Blasii, eine gotische Hallenkirche, besaß zuvor auch eine Wenderorgel, wurde aber von Schuke nach Bachs Dispositionsentwurf von 1708 neu gebaut und erweitert; das historische Gehäuse blieb. Ich bin wirklich nun Fan von diesem Johann Friedrich Wender aus Dörna. Mühlhausen, Dörna, Ammern, Arnstadt – allein die wunderschöne Wender-Orgel in der Georgenkirche zu Dörna ist klanglich himmlisch, obwohl so klein. Ich habe auch dort einige Stunden geübt. Zuvor stand diese Wender in der Brückenkirche Mühlhausen.

Und die unglaublich schöne Wenderorgel von 1703, 2000 rekonstruiert, in der Saalkirche Arnstadt der Neuen Kirche Arnstadt mit seinen schönen weißen Emporen. Bach war in Arnstadt von 1703-1707. Unter der Wenderorgel steht die schöne und sanierte Steinmeyer-Orgel von 1913, die Pfeifen hinter der Gitterung. Insgesamt eine erstaunliche Westwand der Kirche. Natürlich ist die “Bach-Orgel” nicht mehr das, was sie zu Bachs Zeiten war. Allerdings besitzt sie noch Pfeifen und Klänge, die Bach gekannt  und benutzt hat.

Aber auch die große, dreimanualige Schuke-Orgel von 1979 in der Basilika Liebfrauenkirche Arnstadt ist sehr schön, sie steht nun unten und ist sehr angenehm und sinnlich motorisch im Spielgefühl an den Tasten. Diese beeindruckende Kirche mit Türmen, Langhaus, Kanzel von 1589, Schnitzaltar von 1498, Madonna und gotischem Hallenchor gefiel mir trotz Kälte sehr gut.

Ich liebe Orgeln von Walcker, Wender, Schuke, Ahrend, Ladegast, Schnitger, Beckerath, Ehrlich, Stellwagen, Lenter, Silbermann, Steinmeyer und Klais. Und alle mitteltönigen Orgeln.

Bach muss auf jeden Fall romantisch gewesen sein, das sieht man am Datum seiner Hochzeit mit Maria Barbara: 17.10.1707!

Anbei meine neue Top-Liste von Orgeln, die sich sicher noch ergänzen wird:

Sehr schöne Orgeln, Lieblingsorgeln 

22. März 2020

Schlagwörter: , ,

Kommentar verfassen

Man darf von der Dummheit anderer profitieren, aber nicht von deren Unglück. (AHS)

Bachs 335. Geburtstag 🙂 Und ich bin in Bachs World. 

Sehr schön ist die Traukirche Bachs in Dornheim. Ich liebte es, dort heute zu üben. Das kleine Dorf freut sich, dass JSB damals Zerwürfnisse in Arnstadt und Mühlhausen hatte und lieber bei einem befreundeten Pfarrer in Dornheim getraut werden wollte. So kommt dieses Dorf zu Ehren. Auf dem Stadtschild ist ein Wappen mit den Noten B-A-C-H. Die Kirche St. Bartholomäus wird vom Förderverein und Freundeskreis liebevoll und sehr gut erhalten. Auf den weißen Bänken liegen dunkelrote Samtkissen. Die weißen barocken und gotischen Altäre sind noch von damals, viele Kunstwerke und Kruzifixe noch viel älter. Die originale Orgel ist leider zerfallen. So kam die schöne Schönefeld-Orgel mit 18 Registern und zwei Manualen von Erfurt nach Dornheim. Sie sieht ähnlich einer kleinen, edlen, zweimanualigen Silbermann-Orgel aus, weiß-golden mit Trompeten und Schleifen. Ihr Umfang ist nicht sonderlich gross, aber das Pedal recht bequem, und sie ist insgesamt angenehm zu spielen. Ich habe dort ca. drei Stunden geübt. Man sagt zwar, sie sei nicht so sexy zu spielen wie die Orgeln in Arnstadt, das mag sein, und die Orgeln in Arnstadt sind wirklich wunderschön, aber allein schon in Bachs malerischer Traukirche zu sitzen und zu spielen ist für mich “sexy” genug. Zudem ist die Akustik wunderschön, und die Orgel gefällt mir sehr gut. Auch heute noch kommen Leute von außerhalb, um dort getraut zu werden. Letztes Jahr haben über 2000 Leute von außerhalb die Kirche besucht. Ich bin dort in Dornheim noch ein wenig spazieren gegangen, obwohl es kalt war, am Friedhof vorbei – alles schön gepflegt. Die Oberkirche mit ihrer Orgel in Arnstadt wird bald eingeweiht. Ich liebe die Wiesen und die Weite dieser Gegend. Das romantische Datum Bachs Hochzeit mit seiner Maria Barbara: 17.10.1707! Johann Sebastian war romantisch. 

Abends haben wir dann die dreimanualige Ladegast-Orgel von 1636 in Rudolstadt besucht, ich habe auf ihr noch mal ca. drei Stunden geübt. Nach Schuke liebe ich Ladegast mit am meisten. Schuke-Orgeln sind für mich meist weibliche und Ladegast meist männliche Orgeln. Jedoch die Ladegast in Rudolstadt ist ein Zwitter. Man kann sie nicht als rein männlich bezeichnen. Ingesamt fällt mir auf: Die Orgeln, so fern und mächtig sie von unten aussehen (sollen), so zerbrechlich sind sie von oben. Schnell ist dort mal etwas abgerissen oder zerbrochen. Schnell muss sie gereinigt und gepflegt werden. Orgeln muss man von Herzen lieb haben.

Die evangelische Stadtkirche St. Andreas in Rudolstadt ist herrlich. Ein riesiger Lebensbaum mit Wappen (zuerst dachte ich, es seien Bienen) rankt sich nach oben, und die Orgel mit ihren bemalten Pfeifen passt sich farblich und förmlich perfekt ein zu den Gemälden auf den Tribünen. Die Posaune im Pedal und die vielen schönen Achtfüße und auch die Walze gefielen mir sehr, perfekt ist die Orgel für Mendelssohn, Mozart, Liszt, Reger, aber auch für Bach. Vielen Dank, Frank! 

21. März 2020

Schlagwörter: , ,

Kommentar verfassen

Ich habe mich aufgerafft, zu schmollen, dann konnte ich schon einen Blues schreiben. (Duke Ellington)

Die Wender-Orgel in der Bachkirche Arnstadt ist wunderschön. Das Pedal ist aufgrund der weiten Abstände nicht leicht zu spielen. Auch die Manuale sind, wenn man sie koppelt, nicht leicht – aber insgesamt eine klangliche Schönheit, an die man sich schnell auch motorisch und spieltechnisch gewöhnt. Besonders schön ist die Quinte 6 zusammen mit Gedackt als Solostimme, sehr schöne Gambe, wunderschöne Zungen. Sehr passend und glockig für Bachs Triosonaten. Schade, dass es Orgelbau Wender nicht mehr gibt, der in Dörna gewohnt hat, wo ich auch war. Er hat sehr schöne Orgeln hergestellt. Die ganze Bach-Orgel glänzt weiß und golden mit Engeln und Putten in einer hellen, weißen, beinahe durchsichtigen Kirche. Ich bin nicht nur ein Orgel-, sondern auch ein Kirchenfan. Zur Zeiten Bachs war alles braun wie in einer überdimensionalen Zigarrenschachtel. Die Fenster glitzern heute türkis-silber wie Opale. Die Logen sind noch wie damals, auch Taufbecken und das Gestein von außen. Die Akustik ist klar und fein, besonders wenn man unten die Steinmeyer-Orgel spielt.

Unter der Wender-Orgel thront der Spieltisch der romantischen Steinmeyer-Orgel (Spieltisch Laukhuff) mit Pfeifen u.a. von Hesse. Die Pfeifen sind versteckt in der weißen Wand. Hier klingen Werke von Liszt und Messiaen wunderschön, habe hier gleich ich Liszt B-A-C-H gespielt, Jörg hat geblättert. So kann man hier in der Bachkirche wunderschön alte und neue und romantische Musik spielen, beinahe alles. Auf den begrenzten Umfang der Bach-Orgel Arnstadt muss man sich einstellen, da oben im Pedal (und auch im Manual) cis und d  fehlen, die ja in Bachs Werken fast immer auftauchen. So muss man diese Stellen anders spielen und bearbeiten, nach unten versetzen, so auch bei der Trio-Sonate d-Moll und bei Bach 542, sogar Bach 543. Es war schön, Mittagsmusik zu spielen für die vereinzelten Menschen, die noch in der Krise Zuflucht suchen dürfen in der Kirche und andächtig lauschen. Den “lümmelnden Bach” auf dem Vorplatz mag ich nicht so gern.

Sehr schön ist auch die Schuke-Orgel (Potsdam) in der Liebfrauenkirche. Wenn es dort auch sehr kalt war. Ich bin wirklich ein absoluter Schuke-Fan, war ich von Anfang an, auch wenn mir manche Menschen das “austreiben” wollten. Aber alle drei Schuke-Orgeln der letzten drei Tage – in Gotha, Arnstadt und Mühlhausen, waren jede für sich einzigartig und wunderschön. Eine klangliche Wucht. Vielen Dank, Jörg!

Schlimm finde ich, dass unser Land dabei ist, alle Unternehmen, Selbständigen zu zerstören – alle diese Menschen haben sich viel aufgebaut. Diejenigen, die die Läden leer kaufen und jammern, sie würden sterben, sind hysterische Angestellte, die nichts zu verlieren haben. Da Homeoffice viel gemütlicher ist, plädieren sie darauf, dass alles still steht und zerstören damit das Land.

Ann-Helena Youtube

Menschen sind für das Jenseitige geschaffen, für das Erhabene. (Desmond Tutu)

Es war sehr schön, gestern an der wunderschönen Wender-Schuke-Orgel in Mühlhausen zu spielen (historisches Gehäuse). Für mich ist das alles heiliges Gemäuer, fast ein wenig wie in Israel zu sein, wo ich schon zweimal war, obwohl der Vergleich natürlich hinkt. Aber immerhin war hier der, der in meinen Augen die schönste Musik der Welt geschrieben hat. Und er hatte es nicht leicht hier. Bach.

Der Altar und der Taufstein sind noch original aus Bachs Zeit. Die Orgel samt Prospekt wurde von Schuke nach Plänen Schweitzers rekonstruiert.

Einer der Kantoren hat dort eine schöne selbstgebastelte Wärmewand aufgestellt, und eine Orgel aus Strohhalmen lächelt vom Schrank herunter, sehr kreativ. Da es warm war, brauchten wir diese Schutzschleuse nicht. Die Menschen feiern dort Andacht, was ich sehr gut finde, sie lassen sich nicht von heidnischen Verboten abhalten, während überall anders säkulare Privatparties gefeiert werden und Ostern näher rückt. Ich habe gespürt, dass Gott daran Wohlgefallen hat, wenn eine kleine Schar, ca. zehn  Menschen zusammenkommen und beten. Es liegt letztendlich in seiner Hand, was passiert. Ich habe ein Passionslied mit ihnen gespielt und hatte Gänsehaut. Und Bach natürlich. Das Pedal ist anfangs nicht ganz leicht an dieser Orgel, aber nach einer Weile zieht sie einen hinein in den Klang, und alles gewinnt an automatischer Gravität. Ich habe sehr genossen, an ihr zu spielen, und am Schluss war die Orgel “leicht”, so soll es sein. Gravität und Leichtigkeit, Klang, Fülle und zarte Verspieltheit. Ich liebe es, wenn ich spüre, dass auch meine Füße virtuos werden. Die Divi-Blasii-Kirche lag majestätisch in der Sonne auf dem Bach-Platz. Die Tür zum Orgelaufgang zu öffnen und zu schließen brachte mehr Übung als das Orgelspielen an sich.

Anbei von meinem 1. Semester damals in HfMT Hochschule für Musik Köln Cologne: