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21. Juli 2020

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Musik ist immer auch Politik; auch Bachs. (Stefan Bohman)

Ähnlich sagt es auch Törnblom. Beides Schweden. Meine Musik ist im Grunde auch etwas Politik.

Es ist spannend, wie sehr Stimme zur Persönlichkeit gehört. Schwingung ist Heilung. Klang erzeugen ist Heilung. Mit der Stimme noch mehr als am Instrument, da die Schallleiter, die Knochen noch intensiver nach außen (und nach innen) transportieren. Daher ist Sprechen und Singen so gut für uns. Es ist direkte Berührung anderer und mich selbst. Man kann also sich selbst durch Schwingung berühren. Auch am Instrument. Wir halten unsere Stimme viel zu oft an, als würden wir mit dem Kehlkopf denken und unsere Gedanken ordnen. Aber der Kehlkopf soll nicht denken, er soll entspannt sein. Wir denken ja mit dem Kopf.

Es ist also so, dass es ein physisches Gesetz ist, dass Schall, Klangerzeugung und Schwingung guttuend und heilend sind, man kann sich dem gar nicht entziehen.

Es ist schön, mit Stimme und lautlichen Eigenschaften, mit Prosodie und ihren Modi Dynamik, Agogik und Betonung (im Grunde Artikulation) zu arbeiten. So kann man als Künstler üben, wie man im Konzert mit dem Publikum kommuniziert und in Werke einführt (zB. nach dem ersten oder zweiten Stück) – persönlich, geerdet, mit Blickkontakt, frei, tief, einladend, warm, klingend, mit Bogen (ohne dass die Stimme nach jedem Satz nach oben geht, als würde man sich selbst in Frage stellen) und leicht nach hinten gelehnt. Es hilft, sich vorher zu dehnen, nach allen Seiten zu strecken, Nacken und Rücken zu spüren, auf den Fersen zu balancieren, auf den Zehenspitzen, zu singen und locker zu machen – und die Stimme sprechend bewusst einzusetzen.

Ich mag gern Griegs Anitras Dance. Ich liebe dieses Runde, in Eins zu dirigieren. Ich habe ein “Paket von großer Emotion, Persönlichkeit, Talent und Enthusiasmus” – aber Dirigieren studieren möchte ich auf keinen Fall noch. Wenn etwas sein soll, wird es schon werden. Denn es ist oft mit Leid verbunden, als etablierte Künstlerin an einer deutschen Hochschule zu studieren, da man sich außerhalb der Norm und des (autoritären) Rollenverständnisses bewegt, was für manche im System schwer zu verkraften ist.

Hm, ich mag noch immer sehr den Film Oben – ich habe ihn zuerst im Flugzeug gesehen und bin noch immer berührt vom Anfang.

Erinnern möchte ich heute an folgende wundervolle Dichterinnen und Künstlerinnen: (denn es stimmt: Es wird für nichts so viel Reklame gemacht wie für Männer: “Unentwegt erinnern sie an sich selbst: auf Geldscheinen, Briefmarken, Straßenschilder und Statuen, in Lexika und Zitatensammlungen” (insel-Taschenbuch 2783): – in denen Frauen kaum vorkommen, da Männer die weibliche Geschichte nicht sonderlich interessiert –

Camille Claudel (Bildhauerin), Germaine de Stael (politische Romane), Margarete von Navarra (Zeitdokumente), Gabriele Münter (Malerin), Mary Wollstonecraft, Gertrude Stein (Mutter der Moderne), Sor Juana Ines de la Cruz, Golda Meir – fast alle diese Frauen waren damals schon “Feministinnen”, was bedeutet, sie setzten sich dafür ein, dass Frauen Bildung und Freiheit haben durften. Und es fällt auf, dass die alle diese Künstlerinnen keine oder unglückliche Beziehungen zu Männern hatten. Sie waren mit “berühmten Männern” in Zusammenarbeit, wurden von ihnen als Geliebte benutzt, “schienen aber nur als Beigabe gesehen zu werden, als hätten Frauen kein ursprüngliches, echtes, eigenes Talent, als könnten Frauen keine schöpferischen Menschen sein.” (Gabriele Münter). Allein das von vielen Männern verächtlich angesehene Wort Feministin ist frauenfeindlich: Ist es nicht völlig normal, dass Frauen Bildung und Freiheit haben sollen? Ist es nicht im Gegenteil so, dies zu verweigern einen Namen braucht? Sexismus ist noch zu wenig. Es ist Femininhass. Diese Seite hier soll auch eine Erinnerung dagegen sein, was manchen Männern heute schon nicht passt.

18. Juli 2020

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Jedoch dieses Insistieren, mal vollmundig, mal zart, ist das Schönste bei Bach, das typisch Bache- dieser Nachdruck, die Intention. (AHS)

Sehr gute Registrierung ist komplexer als ich dachte, vor allem bei langen und großen Werken. Gestern und vorgestern habe ich mich den ganzen Tag mit Registrierung beschäftigt an einer neobarock-französischen Orgel in einer großen Kirche mit viel Hall. Dies kam dabei heraus – wobei man beachten muss, dass es manchmal leichter ist, in die Theorie verliebt zu sein als in wirkliche Praxis, zudem hat jeder eine eigene Philosophie:

  1. Jede Registrierung und Kombination wirkt und ist bei jedem Spielenden anders. Denn wie man auf die jeweilige Registrierung reagiert, spielt eine wichtige Rolle. Wenn man auf eine Registrierung nicht entsprechend im Raum reagiert, also mit Anschlag etc., hat die jeweilige Registrierung einen Großteil der Wirkung verfehlt oder klingt einfach anders hier als bei anderen. Wie man mit einer Registrierung arbeitet, hat auch mit Charakter und Typus zu tun. Man muss sich einlassen auf die jeweilige Registrierung. 
  2. Wichtig beim Registrieren sind die kleinen Schritte: Da die Registrierschritte aufeinander aufbauen, ist es entscheidend, immer den vorherigen Schritt im Ohr zu haben. Nicht darauf eine völlig neue Klangfarbe aufbauen, wenn der Klang insgesamt steigernd und rund sein soll. Dann bricht der Klang und damit auch die Phrase. Eigentlich ist das klar, aber welche kleinen Schritte kann man gehen? Um zu lernen, ist es gut, wirklich jedes einzelne Register einzeln zum bisherigen Klang zu testen, was den Klang runden kann in der Steigerung. Meist reicht ein Register aus, max. zwei, um im nächsten Schritt die Steigerung zu vollziehen. Und damit ist nicht unbedingt eine Mixtur oder eine Zunge gemeint, sondern zum Beispiel eine Quinte.
  3. Weniger ist mehr. Es geht nicht um Dezibel. Vorsichtig sein davor, zu früh viel zu laut zu werden. Achte auf die Akustik, den Hall und die Größe des Raumes.
  4. Finde heraus, ob ein Klang scheppert. Und dann finde, was den Klang scheppern macht. So wie andere ihren Klang auf der Violine finden, so muss ich ihn auf der Orgel finden. Das wird dann mein Klang.
  5. Finde heraus, ob ein Klang quietscht (Mixturen, 2-Füße) oder zu dünn ist oder nicht genügend zeichnet oder schmutzig ist durch zu viele Verdoppelungen oder ob sich etwas beißt oder Verstimmungen hervorruft, vor allem bei Zungen.
  6. Es mag sein, dass man eine nicht so gute Technik durch gute Registrierung ein Stück weit “wett machen kann”. Aber es kommt noch schlimmer: Eine sehr gute Technik kann durch schlechte Registrierung sinnlos oder unmöglich gemacht werden.   
  7. Vorsicht bei Zungen: Diese nicht, vor allem, wenn sie verstimmt sind, mit Prinzipalen mischen, sondern lieber mit Flöten und Aliquoten.
  8. Wenn Zungen verstimmt sind, was immer mal sein kann, diese lieber versuchen, zu vermeiden. Es ist eine Kunst, laute (verstimmte) Zungen zu vermeiden und dennoch eine gute Registrierung zu erreichen.
  9. Wenn die Zungen verstimmt sind, suche nur leise Zungen, Aliquoten, gute Ersatz-Kombinationen und versuche, Zungen zu kombinieren mit “reinigenden” Flöte und Quinten.
  10. Wenn in der Steigerung der Klang ohnehin schon sehr hoch ist, füge keine Mixturen ein, die noch heller machen, sondern versuche den Ton bodenständiger in der Steigerung zu bekommen, “tiefer”, abdunkelnd beispielsweise durch 16-Füße oder (leise) Zungen oder (mehrere) 8-Füße.
  11. Wenn der Klang “schwimmt”,  also nicht greift, entferne alles Überflüssige. Manchmal ist einfach ein Register zu viel – dieses eine finden. Es kann die 4-Fuß-Flöte sein, die unnötig ist. Spiele hierzu nicht nur ein paar Takte, sondern eine ganze Passage. Oft lassen sich Dinge erst im längeren Spiel erkennen bzw. erhören. 
  12. Oder manchmal fehlt ein Register, um den Klang runder zu bekommen. Finde dieses eine Register. Das ist anstrengend, vor allem, wenn das Abhören von Orgelregistern ungewohnt ist. Oft ist es eine Nuance, also ein Register, nicht eine ganze Gruppe. Eine einzige Nuance kann den ganzen Klang verändern! 
  13. Achte immer auf den Schweller, in welcher Position er sich befindet. Es ist verheerend, den Schweller zu vergessen! Achte auch darauf, dass er, wenn du ihn brauchst, auch angewählt ist durch eine Koppel etc. Sonst bewegt man den Schweller umsonst. 
  14. Achte immer auf die Koppeln! Diese nicht vergessen: Habe ich wirklich alle mir zu verfügenden Koppeln ausgeschöpft? Oder eine vergessen? Koppeln sich nicht scheuen, zu verwenden.
  15. Mixturen und laute Zungen bewusst als Höhepunkt einsetzen. Vorher nicht. Achte hierbei auch darauf, welche Mixtur gerade die passendste ist. Wenn man drei zur Verfügung hat, sind diese drei unterschiedlich. Welche ist die schärfste, welche die rundeste? Meist auf keinen Fall einfach alle drei ziehen, sondern auswählen.
  16. Verwende keine bereits gesetzten Setzer anderer, auch wenn sie frei sind. Meist sind sie unpassend oder schlecht.
  17. Achte darauf, was du zur Mixtur ziehst. Meist sind dann nicht noch zusätzlich 2-Füße notwendig, wenn die Mixtur atmen will. Sei überhaupt vorsichtig und sparsam mit 2-Füßen.
  18. Achte auf das Rückpositiv. Es ist meist nah am Publikum und dadurch beispielsweise für Begleitung nicht geeignet. Es klingt meist im Raum viel lauter als am Spieltisch. Für Begleitung das dritte Manual (Schwellwerk) verwenden. Achte hierbei auch auf alles, was an das Rückpositiv gekoppelt ist! Die Koppeln nicht vergessen. Beispielsweise eine Quintadena ist hier für eine Solostimme gut geeignet. Nicht “einfach so” einbauen.
  19. Das Schwellwerk ist sehr gut für alle pp-Stellen und für Begleitung.
  20. Vorsicht bei manchen Manualwechseln: Oft entsteht hier ein größerer klanglicher Bruch, als wenn man umregistriert.
  21. Manchmal oder oft sind Manualwechsel an  manchen Orgeln nicht möglich. Das macht nichts, einfach akzeptieren.
  22. Bei gewissen Klangvorstellungen (beispielsweise dass es glitzern soll), reicht eine oder zwei richtige Knöpfe- unnötige Verdoppelungen vermeiden. Eliminiere das, was den Klang nicht verbessert oder nicht verändert.
  23. Zu viel Schweller-Aktivität und Schwebung bei Liszt vermeiden.
  24. Kurzum: Achte darauf, alles was ungewollt schmetternd, scheppernd, scharf, schmutzig, laut, quietschend klingt zu vermeiden. Orgelspielen heisst nicht, laut spielen. Es heisst nicht, Zungen und Mixturen ziehen. Auch nicht im Pedal. Sei sehr sparsam mit Mixtur im Pedal. Sei sparsam mit Zunge im Pedal. Achte besonders darauf, wie und wann du welche Zunge einsetzt. Eine zarte Oboe ist häufiger einsetzbar als ein Fagott Basson 16 oder eine Posaune oder ein Krummhorn.
  25. Baue erst mal so viel wie möglich ohne Mixtur und Zungen und nehme diese dann noch vereinzelt, wenn es passt. Alles, was hinzu zu Zunge und Mixtur gemischt wird, muss passen und abgestimmt sein. 
  26. Wenn du eine Registrierung hast, wende sie auch entsprechend spielend im Raum an, was Anschlag und Absprache etc. angeht.
  27. Lieber weniger und gut registrieren als zu viel, zu laut, Phrasen zerstörend oder verkleinernd.
  28. Oft kann man im Pedal auf zwei 16-Füße verzichten in leisen Stellen der Romantik. Eine reicht. 
  29. Besondere Vorsicht vor (besonders bei neobarocken Orgeln mit französischem Zusatz): Mixtur, Krummhorn, Zymbel, Cornet, Vox Humana kurzbechrig, Tierce, Vox Celeste Schwebung, Posaune, Basson… Vorsicht mit der Quinte, wenn sie gekoppelt ist, beispielsweise Pedalkoppel. Und immer Vorsicht mit Mixtur im Pedal, da sich die Manuale dann komplett anpassen müssen. 
  30. Lieber weniger beim Anpassen nehmen als (heftiges) Aufregistrieren. Generell Vorsicht beim Aufregistrieren! Immer sensibel, erst mal nur eins dazu, max. zwei. Auch wenn man meint, am Spieltisch keinen Unterschied zu hören, so hört man es doch unten. Nie massiv aufregistrieren, außer es soll so sein. Oft ist es nur ein Hauch, ein Mü, was den Unterschied und die Steigerung tatsächlich ausmacht. Zudem muss man beachten, dass es einen Unterschied macht, ob viele oder wenige Menschen in der Kirche sind. 
  31. Am nächsten Tag ausgeruht noch mal hin und Registrierungen überprüfen, wenn alles verdaut ist. Wie, wenn man gemalt hat, das Bild über Nacht trocknet und man es am nächsten Tag prüft. 
  32. Schweller: Immer ganz sachte bedienen, die Wirkung ist oft stärker unten als gedacht, es muss ganz sachte immer zur Phrase passen. Den Schweller stark im Griff haben, um ihn sachte bedienen zu können. 
  33. Spaß dabei nicht vergessen! Registriere die Freude im Kopf. 

Hey-Orgel Bad Windsheim 2020

16. Juli 2020

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Gesundheit ist so musikalisch, dass alle Krankheiten nichts anderes als Misshelligkeiten sind. (J. G. Mattheson)

Ich freue mich auf das Konzert in Erlangen, auf das Interview im Kessener und Interview im Buch von Siranus Sven von Staden (gestern erst Zoom-Meeting Innsbruck, dann Zoom-Meeting Ibiza). Leider muss die Aufnahme Hannover wegen Corona verschoben werden.

25. Juni 2020

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Vertrauen ist oft das Gegenteil von Performance. (AHS)

Mir gefällt an Liszt, dass er wie ich viel gereist ist in seinem Leben. Er hatte mit Ad nos als Erster ein echtes Wagnis kreiert: Ein sinfonisches Gedicht, das nirgendwo zum Schluss kommt außer ganz am Schluss – nach 45 Minuten Spielzeit (bzw. 28 Minuten (!), wie es heute üblich ist). Das Stück basiert auf einen Text. Auf den Text der Oper “Der Prophet” eines jüdischen Musikers: Meyerbeer aus Paris. Und das, obwohl Liszt plötzlich Wagner in der Familie hatte, der aus Neid, weil Meyerbeer Paris musikalisch fest im Griff hatte, recht antisemitisch war. Die Verbindung der Oper Meyerbeers zum Orgelwerk Ad nos ist interessant.

1859 wurde Ad nos zur Ladegast-Einweihung in Merseburg durch den jüdischen Virtuosen Winterberg (der später etwas unter die Räder kam) uraufgeführt. Zum ersten Mal wurde hier offiziell dokumentiert, dass es Registranten gab, drei Stück an der Zahl: Liszt, Ladegast und der Organist der Kirche.

Da ist also dieser wagemutige Liszt, der überall seine Soireen gegründet hatte (bei denen es anders zuging als heutzutage), Juden wohlgesinnt, und schrieb Ad nos, das sowohl ein Gedicht, eine Oper als auch eine Sinfonie ist.

Auch Liszt-Schüler Reubke baute sein Werk auf den dramatischen Text des Psalm 94 auf, nicht auf eine Melodie.

Lustig ist: Bei Zoom und Skype, dass ich da wohl angeblich immer “schreie” – als wäre der andere taub. Es fragte mich mal jemand, wie alt mein Gegenüber gewesen sei, weil ich so laut geredet hätte. Irgendwie mache ich das instinktiv, um die räumliche Entfernung zu überbrücken – selbst wenn das Meer dazwischen liegt.

Neu: Bach BWV 527 d-Moll, Video: Lingualpfeife, von Würzburg gefördert:

Von YouTube erstellt:

13. Juni 2020

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Es geht beim Musikersein nicht um Beruf allein, sondern um Berufung. Eine Berufung ist nie ein Hobby. Das schließt sich aus. (AHS)

Nun schreibe ich den 13. Juni auf den letzten Drücker. Es war ein schöner Tag mit schönen Orgel- Aufnahmen. Es ist sehr interessant zu sehen, was auf einer Orgel geht und was nicht. Auch gerade was nicht geht, bringt einem die Orgel näher. Jede Orgel hat ihre Eigenarten, ihre Stärken und Schwächen, genau wie ich. Die Hoffmann-Orgel in Heidingsfeld mit ihrem leuchtenden Licht gefällt mir sehr gut, und Ludwig alias Lingualpfeife hat diese Orgel mit seinen Videos berühmt gemacht, und die Leute pilgern hierher.

Auch die Hochzeit in St. Kilian Bad Windsheim war sehr schön. Eine tolle große Orgel, ganz anders als die Hoffmann-Schindler-Orgel – es macht Spaß, jeden Tag eine andere, neue Orgel-Persönlichkeit kennenzulernen und sie automatisch positiv miteinander zu vergleichen. Dadurch lernt man selbst sehr viel für das eigene Spiel. Es macht mir Spaß, mich an die Orgeln anzupassen. 

Überall um die beiden Kirchen herum blühen die Rosen. Ich habe auch schöne Rosen bekommen. Und natürlich waren wir Spargelessen, ich könnte jeden Tag Spargel essen. Fränkischen Spargel natürlich. 

Ich glaube, durch das Aufnehmen lernt man auch enorm viel. Ich fokussiere mich ganz anders. 

25. April 2020

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Möge der Wille Gottes hundertmal willkommen sein. (Irischer Segenswunsch)

Mir sagte jemand, ich würde ja jede Orgel schön finden. Genau, stimmt. Finde ich auch. An jeder Orgel ist was Wahres dran.

Ich freue mich, von der Stadt Würzburg, Fachbereich Kultur, für kulturelle Projekte gefördert worden zu sein. 

Gott ist mein Fels, meine Hilfe und mein Schutz, dass ich nicht fallen werde. (Psalm 62,7)

13 Orgeln in vier Tagen! Ich freute mich schon lange auf die sehr schöne Orgelzeit ab 18.3., schon seit Dezember. Für mich ist es ein Wunder, dass es geklappt hat trotz der bizarren Zeit gerade. Es ist so schön, die reiche Orgellandschaft Thüringens kennenzulernen. Es gibt in Thüringen über 200 Orgeln allein aus dem 18. Jahrhundert. In beinahe jedem Dorf steht eine wunderbare Orgel.

Wir sind über 1400 km gefahren und haben 13 Orgeln in 4 Tagen gespielt. Einmal waren wir auch in Sachsen-Anhalt (Köthen) und Sachsen (Leipzig). Organisiert habe ich die Reise seit Januar. Meine erste selbstorganisierte Orgelfahrt. Aufgrund des Virus ist zwar einiges durcheinander geraten, manches hat nicht geklappt, aber über die Hälfte schon, dafür bin ich sehr dankbar.

Allein die Zugfahrt mit dem Express über Neudietendorf war genial. Alles war still, friedlich, lag glitzernd in der Sonne. 10:57 kam ich an, wurde abgeholt, und ab dann ging es los. Danke an alle! Die orgelverrückte Sorglose aus der Brötchengasse on Tour.

Am 18.3. (Mittwoch) habe ich die Wender-Schuke-Orgel in der ev. Davi Blasii-Kirche (Bachkirche) Mühlhausen gespielt, die schön und friedlich in der Sonne lag, man sitzt dort als Organistin direkt unter dem Rückpositiv, anschießend die wunderschöne Wender-Orgel (die Bach abgenommen haben soll) in St. Vitus Ammern (gefahren über die B247), und zuletzt an diesem Tag fuhren wir nach Buttstädt bei Sömmerda in Thüringen über die B84 und L1058. Dort steht die wunderschöne Heroldt-Orgel in der prunkvollen Michaeliskirche Buttstädt.

Diese große Heroldt-Orgel, die Bach, als sie neu war 1702, kennengelernt haben soll! Viele kennen diese beiden letztgenannten Orgeln und Kirchen nicht, kennen auch den Bach-Bezug zu diesen Orgeln nicht. Dort in Buttstädt habe ich auch den wunderschönen Friedhof, der einzigartig nördlich der Alpen mit seinen Gräbern über 400 Jahre alt ist, im Abendlicht besucht. Erstaunlich, dass Buttstädt einen solchen Friedhof Campo Santo besitzt. Überall hier in Thüringen sind die Menschen so engagiert, ihre Kirchen, Orgeln und Friedhöfe wunderschön zu erhalten. Hut ab! Dennoch brauche  diese Menschen dringend Hilfe. Sowohl die Michaeliskirche als auch vor allem die Orgel brauchen dringend finanzielle Unterstützung zur Sanierung. Kirche, Turm und Orgel fallen sonst zusammen. Der Turm ist schief, die äußere Wand fällt ein und kann die tonnenschwere Orgel nicht mehr halten.

Übernachtet haben wir in Gotha, sind von Buttstädt aus über die A71 und B7 (175 km) gefahren.

Am 19.3. spielte ich zunächst einige Stunden auf der grossen, schönen Schuke-Orgel in der Margarethenkirche Gotha, Thüringen. Dann fuhren wir ins kleine, malerische, grüne Dörna über die B247 und L1006 zur schmucken Wender-Orgel in St. Georg, die früher in Mühlhausen stand. Auch hier spielte ich einige Stunden. Wender stammte aus Dörna. Die Kirche und die Orgel werden liebevoll vom Freundeskreis vor Ort gepflegt und jeden Abend die Glocke aufgezogen. Gleichzeitig kümmern sich diese lieben Männer auch um Bienen. Viele kennen auch diese Orgel nicht, obwohl Bach diese Orgel kannte und schätzte!

Abends fuhren wir dann zur Ladegast-Orgel nach Köthen über die K201 und L145 zur Kirche St. Jakob. Diese große Orgel mit Walze in Sachsen-Anhalt hat mich sehr beeindruckt. Ich habe schon einige herrliche Ladegast-Orgeln nun gespielt, in Schwerin, Rudolstadt, Leipzig. Merseburg nur von unten. Nur Buxtehude ist hier natürlich nichts. Wir fuhren zurück über Leipzig (Sachsen) nach Thüringen über die B183 und L3004. Wir übernachteten in Arnstadt.

Am 20.3. spielte ich ab 10 Uhr dann in der Bachkirche Arnstadt an Wender und Steinmeyer und an der Schuke in der Liebfrauenkirche, dann in der Bachkirche Dornheim an der Schönefeld (über L1048), abends 19 Uhr an der schönen, bemalten, dreimanualigen Ladegast-Orgel von 1636 der evangelischen Stadtkirche St. Andreas Rudolstadt (über die B90), Kantor der sehr nette Frank Bettenhausen. In Rudolstadt, Bad Blankenheim und Saalfeld habe ich schon oft gespielt, Orgelkonzerte und Klavierabende. Mir gefällt die bergige Gegend. Wir übernachteten in Rudolstadt. Überall schöne Schlaflunken in gemütlichen Spelunken.

Dann die super herrliche Trost- Orgel in Waltershausen, die wahrscheinlich meine Lieblingsorgel auf der gesamten Tour war. Sie hat den schönsten Spieltisch, den ich je gesehen habe. Alle Windladen, Trakturen, Manualklaviaturen und fast alle Register wurden erhalten. Die Tasten sind sehr lang und schwarz, ähnlich lang wie an meiner Prüfungsorgel in Frankfurt am Main, und hätte ich nicht kleine Hände, würde man zwischen den schmalen, langen Tasten hängen bleiben. Gottfried Trost hat die Orgel mustergültig gebaut. Hier war das Gute, dass es kein Geld gab, sonst hätte man sie – wie viele andere Orgeln – “umgebaut” (=zerstört), wie es Mode war. Nur leider wurde die Balganlage umgebaut, wurde aber von Stade sehr gut rekonstruiert. Wie verletzlich die mächtigen, tonnenschweren Orgeln sind, sieht man erst oben. Die Kirche Zur Gotthilfe Waltershausen besitzt zudem eine wunderschöne Decke und Akustik, und der Verein Orgelsommer ist noch immer sehr aktiv. Ich habe alle Journale des Orgelsommers gelesen. 

Dann fuhren wir von der größten Barockorgel Thüringens zur allgemeingrößten Orgel Thüringens: Die letzte Orgel der Reise war die große Walcker-Orgel in Ilmenau in der St. Jakobuskirche (weißer Schrickel-Prospekt). Es ist ein Wunder, dass diese so wundervoll restauriert werden konnte, dass das Geld hierfür da war durch die Wende, sonst wäre die Orgel kaputt gegangen. Vor dieser Walckerorgel gab es noch viele andere schöne Orgeln in Ilmenau, die aber leider zerstört wurden. Die Walckerorgel besitzt einen Notspieltisch, so dass man im Duett spielen kann. Um sich warm zu halten, gibt es dort einen Fön, ein Heizkissen und einen Infrarot-Strahler.

Es gibt in Thüringen noch sehr viele wunderschöne Orgeln und sehr nette Kantoren. An den sehr netten Kantoren sieht man erst, wie unfassbar un-nett andere sind, die Orgeln interessierten Geistern und begabten Fingern vorenthalten, obwohl diese Orgeln nicht ihr Eigentum sind. Ich weiß, dass es auch in Frankreich, Italien usw. tolle Orgeln gibt, aber ich habe erst mal eine Leidenschaft für die Orgeln meines Landes. Erst mal möchte ich diese kennenlernen. Dafür schlägt erst mal mein Herz. Und die neuen Bundesländer kennen viele “im Westen” noch immer nicht, sie fahren lieber nach Paris.

Dann zurück ins abgesperrte Bayern. Ich lasse mich ungern einsperren und war schon immer sehr freiheitsliebend. Ich glaube, das liegt daran, dass ich als Kind einmal aus Versehen eingesperrt war. Da war die Klinke eines Zimmers abgebrochen und ich kam nicht raus. 

An jeder Orgel habe ich unglaublich viel gelernt. Jedoch Lernen bedeutet, immer weiter dazuzulernen. Es hört nie auf. Die motorischen, kognitiven und klanglichen Erlebnisse haben sich in meinem Gedächtnis abgespeichert. Man kann sagen, dass eine Orgel träger ist als ein Flügel, das stimmt, jedoch liebe ich das Gravitätische der Orgel und das Farbenspiel. Die Orgel an sich ist mein Orgellehrer. Dazu Gott, der größte Organist.

Wunderschön ist das ganze Land: Thüringer Becken, das Harzvorland, der Thüringer Wald, die langen Tunnel und der Rinnstein-Tunnel (der längste mit über acht Kilometern, der den Hauptkamm des Thüringer Waldes durchquert), die DDR-Überbleibsel (Orte, in denen der Letzte das Licht noch ausmachen muss bzw. in denen nur noch “alte” Menschen leben), brillant Restauriertes, manches Zerfallene, das Nebeneinander von alt und neu (neue Autobahnen, der hell erleuchtete Frachtflughafen Leipzig, die Neubaustrecken der Bahn und auch Züge, die wie durch ein vergessenes Land rauschen), das Mansfelder Land und seine Bergbauhalden. Ich glaube, die Eltern von Martin Luther hatten ein Bergwerk im Mansfelder Land. Auch an Wechmar fuhren wir an Bachs Geburtstag vorbei – dort fanden die lustigen Bach-Familienfeiern statt, hier entstammt die Familie Johann Sebastians.

Das Thüringer Burgenland ist einfach zum Anbeißen, an jeder Ecke eine Burg und eine Kirche, romantische Dörfer und Wanderrouten.

Es ist schade, die Reise unterbrechen zu müssen wegen der Krise, aber es war bis dahin wundervoll. Und nun bin ich in der Ausgangssperre, die mich heimtrieb.

Erinnerung: Orgeln in Not: SOS-Orgel-Dörfer: Orgeln in Not

Ladegast-Orgel Rudolstadt 1636/1882

25. März 2020

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Man bewältigt ein Gebirge und stolpert über einen Stein. (Gertrud von Le Fort)

Ich gehe kaum ohne Orgelschuhe aus dem Haus. Noch vor drei Jahren undenkbar, wäre komisch gewesen. Doch jetzt: Schöne Normalheit. Normalzeit. In einer bizarren Zeit. Nun gehe ich aus dem Haus, wenn ich zum Zahnarzt gehe. Mit Orgelschuhen. Da man sonst nicht aus dem Haus gehen darf, gehe ich jetzt jeden Tag zum Zahnarzt. Nein. Ich mag Zahnarzt nicht.

Die vorletzte Orgel der Tour, am 21.3. dann spielte ich einige Stunden an der wundervollen, mächtigen, dreimanualigen Trost-Orgel von 1724 in Waltershausen, Thüringen, der größten Barockorgel Thüringens, an der man auch (mit zwei Bio-Setzern=Menschen) klanglich perfekt mit etwas Umarbeitung Liszts B-A-C-H spielen kann, und natürlich Bach, Mozart, Mendelssohn… Die Fugara ist hier eine Flöte, normalerweise Streicher. Die Mixturen sind fett, groß und tief. Super Zungenbatterie. Die langen Register bestehen aus dicken, bunten Chiptalern wie aus dem Casino. Die grünen sind für das Hauptwerk in der Mitte und oberhalb des Spieltisches. Die braunen sind in der Mitte und für das Pedal. Die roten sind außen für Brustwerk und Oberwerk.

Wir fuhren über die A71 und A4 nach Waltershausen. Der Kantor Theo ist super. Ich bin, obwohl die Orgel schwer zu spielen ist, sofort sehr gut mit dieser zurecht gekommen. Theo sagte, es sei erstaunlich, wie schnell ich mit ihr zurecht gekommen wäre, das würden die wenigstens können. Die meisten haben Angst vor dieser Orgel. Cembalisten kämen gar nicht mit ihr klar. Das Hauptwerk ist sehr schwergängig, alles sehr weit auseinander gezogen, man muss als kleine Frau die Arme enorm strecken, vor allem das oberste dritte Manual ist weit weg (mit den herrlichen Farben), und das Pedal ist doppelt so breit und weit als bei “normalen” Orgeln – und dazu lässt sich die Bank nicht verstellen, ist viel zu hoch für kleine Frauen. Um zu D und C im Pedal zu kommen, muss man sich zu beiden Seiten enorm strecken wie auf einer Streckbank. Dazu kommt, dass man die Töne des Pedals mit ziemlichem Gewicht drücken muss – beim kleinsten Nachgeben des Beines lässt der Ton sofort nach. Und die tiefsten Töne, die so unendlich weit weg sind, kommen klanglich auch noch verspätet. Ob der wundervolle Trost dies alles absichtlich gemacht hat? Nicht um Frauen zu ärgern, denn damals gab es wohl keine Frauen an den Orgeln, aber er haßte den Organisten Ritz, für den er bauen sollte. Dieser Ritz hat ihm das Leben zur Hölle gemacht. An der Orgel hat er kaum etwas verdient. Ritz wollte Trost sogar an den Galgen bringen. Daher ließ der liebe Trost auch zwei schwarze Teufel an die Seiten des Spieltisches bauen. Früher hatten diese Teufelsgesichter weiß blitzende Zähne und Augen und lange Hörner, dass sich Organist Ritz sehr schnell ritzte beim Spielen. Nun sehen diese schwarzen Gesichter eher mahnend aus, dass man Orgelbauer gut behandeln sollte, denn diese sind Künstler. Ritz hat vergessen, dass man ihn nicht mehr kennen wird, Trost aber schon. Mir gefielen sehr die Flammen zwischen den Pfeifen, auch bei den Pedalpfeifen.

Die Trost-Orgel ist ein experimentelles Wunder. Die erste Orgel mit so vielen Grundtönen und Achtfüßen – sieben Achtfüße und drei Sechzehnfüße (!), dazu überblasene Flöten: Die Vorlage zu allen romantischen Orgeln.

Ich spielte überall meine Bach-Trio-Sonate d-Moll und Bach 542 und Piece d’Orgue,  so konnte ich die Unterschiedlichkeit der Orgeln am besten spüren. Denn jede Orgel ist völlig anders. Wie ganz anders zur Trost-Orgel dann eine Stunde später die Walcker-Orgel in Ilmenau! Es ist erstaunlich, dass die Trost-Orgel jünger ist als die Ladegast-Orgel in Rudolstadt, das wirkt nicht so. Das liegt natürlich an der Restaurierung der Ladegast 1882. Nur die Vorgänger-Orgel ist von 1636.

Bach liebte nachweislich Trost-Orgeln. Es gibt nur vier erhaltene Trost-Orgeln überhaupt: Altenburg, Großengottern, Eisenberg und Waltershausen. Ich bin nun auch Fan von diesem Tobias Heinrich Gottfried Trost.

Auch die Ladegast-Orgel in Köthen liebte ich, an der ich abends am 19. spielte. Sie ist männlich, tief, dunkel, aus braunem Holz geschnitzt und mit brausenden Klängen. Ganz anders die helle und weibliche Schuke-Orgel in der Margarethenkirche in Gotha am Morgen, in der auch Bach war. Diese ist glockig brillant, lächelnd, fein und ganz anders mächtig. Mir wurde sogar Tee und Kaffee nach oben gebracht, es war eine wundervolle Zeit in dieser Kirche, in der unten der Chorraum und das Pfarrbüro direkt in der Kirche sind, durchsichtig in Glaswänden, was ich sehr schön und einladend finde. Jede Kirche hat ihr Bonbon.

Ich mag die alte Platten, von Perahia, vom Evangeliums-Rundfunk… – so nett und beruhigend. Ich mag auch von Janacek die Glagolitische Messe (Platte).

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24. März 2020

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Wie verletzlich die mächtigen, tonnenschweren Orgeln sind, sieht man erst oben. (AHS)

Weil sich viele Sorgen machen oder wundern: Ich bin wieder daheim. Die fränkisch-bayerische Ausgangssperre hat mich verschluckt, yeah.

Die letzte Orgel dieser wunderbaren, besonderen Orgeltour war die große Walcker-Orgel opus 1609 in Ilmenau in Thüringen in der gelben Jakobuskirche mit seinen wunderschönen Farben für Messiaen, Liszt, Reger und Bach und seiner Walze und dem “umgekehrten” Schweller, die mir Hans-Jürgen zeigte. Danke! Wir fuhren über die L1025. Diese schöne, elektro-pneumatische, symphonisch angelegte, spätromantische Walcker-Orgel von 1911 bekam 1917 neue Pfeifen, ebenso 1929, und besitzt nun über 65 Register. Das Ziel war hier, Deutsches und Französisches zu vereinen, eine Vermählung dieser beiden, und auch eine Vermählung von Barock und Romantik. Das Pneumatische ersetzt das Sostenuto-Pedal und kommt mir als Pianistin gut gelegen, man muss dennoch bei Fugen sehr aufpassen. Die Orgel besitzt zudem Appelle wie in Frankreich: Damit werden Zungen, vor allem helle, und sogar Mixturen (also alles, was “Lärm” macht) per Tritt hinzugesetzt und abgesetzt, um klangliche Brüche zu vermeiden. Das Arbeiten mit der Walze macht mir Spaß; sonst ist ja auch ein Spielen von Reger nicht wirklich möglich, wenn man das Spielen mit der Walze ablehnt. Koppeln und Zungen können zur Walze hinzugenommen oder hinausgeworfen werden. Diese Walcker-Orgel mit drei Manualen ist ganz und gar anders als beispielsweise die in Hoffenheim.

Ich liebe die Einzelstimmen der romantischen Ilmenauer Walcker-Orgel, der Ilmenauer Königin, die Große von E.F. Walcker & Cie Ludwigsburg von 1911, von Edwin Schmuck initiiert, mit starkem, französischem Einfluß, mit großem Schwellwerk und schönem Spieltisch, von der Firma Scheffler 1993 restauriert.

Ich liebe diesen symphonischen Klang, 4000 Pfeifen und mehr, perfekt für Liszt, Ritter, Reger, Messiaen, Mendelssohn, Bach und eigene Werke; die edlen Aliquoten und den typisch deutschen Klang der Zungen. Die gelbe St. Jakobuskirche besitzt zudem eine sehr schöne Akustik. Mozart wurde hier noch nicht gespielt, dafür gibt es mich.

Ich liebte auch die Ladegast-Orgel in St. Jakob Köthen, an der ich am Tag zuvor viele Stunden abends übte – hier war Bach ebenfalls. Zu fast all den bisher besuchten Orgeln hatte Johann Sebastian Bezug, auch in Gotha zu allen Orgeln, auch zur Schuke-Orgel dort in der Margarethenkirche (historisches Gehäuse). Bisher spielte ich Ladegast in Schwerin, Leipzig, Köthen, Rudolstadt und gesehen von unten in Merseburg.

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23. März 2020

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Der Schönheit bis in ihre Schlupfwinkel folgen, an den traurigsten Orten Freude finden, wach hinsehen und verstehen. (Arundhati Roy)

Es war sehr schön, nach der wunderbaren Schuke-Orgel in der Bachkirche Mühlhausen (Thüringen), wo Bach Stadtorganist war, nach Ammern (ein Dorf fünf Kilometer von Mühlhausen entfernt) zu fahren und dort in der entzückenden, evangelischen Dorfkirche St. Vitus mit Turm die Wenderorgel zu besuchen und einige Zeit zu spielen, die Bach abgenommen haben soll laut Christoph Wolff. Die Unstrut fließt unten vorbei. Ein alter Baum mit weiten Zweigen verdeckt das Tor. Die Wender-Orgel oben sieht aus wie ein Schmuckstück, die Registerzüge sind schwarzweiße, dicke, runde, unschuldige Kegel wie Gesichtchen, die man küssen möchte, vor allem die Gambe. Die ganze Orgel, so niedlich sie aussieht, hat eine klanglich majestätische und erwachsene Wucht und Fülle. Sie ist vom Umfang verhalten, aber Bach, Homilius etc., sogar Mozart sind hübsch zu spielen, wenn man gut abwägt und entscheidet.

Mühlhausens Divi Blasii, eine gotische Hallenkirche, besaß zuvor auch eine Wenderorgel, wurde aber von Schuke nach Bachs Dispositionsentwurf von 1708 neu gebaut und erweitert; das historische Gehäuse blieb. Ich bin wirklich nun Fan von diesem Johann Friedrich Wender aus Dörna. Mühlhausen, Dörna, Ammern, Arnstadt – allein die wunderschöne Wender-Orgel in der Georgenkirche zu Dörna ist klanglich himmlisch, obwohl so klein. Ich habe auch dort einige Stunden geübt. Zuvor stand diese Wender in der Brückenkirche Mühlhausen.

Und die unglaublich schöne Wenderorgel von 1703, 2000 rekonstruiert, in der Saalkirche Arnstadt der Neuen Kirche Arnstadt mit seinen schönen weißen Emporen. Bach war in Arnstadt von 1703-1707. Unter der Wenderorgel steht die schöne und sanierte Steinmeyer-Orgel von 1913, die Pfeifen hinter der Gitterung. Insgesamt eine erstaunliche Westwand der Kirche. Natürlich ist die “Bach-Orgel” nicht mehr das, was sie zu Bachs Zeiten war. Allerdings besitzt sie noch Pfeifen und Klänge, die Bach gekannt  und benutzt hat.

Aber auch die große, dreimanualige Schuke-Orgel von 1979 in der Basilika Liebfrauenkirche Arnstadt ist sehr schön, sie steht nun unten und ist sehr angenehm und sinnlich motorisch im Spielgefühl an den Tasten. Diese beeindruckende Kirche mit Türmen, Langhaus, Kanzel von 1589, Schnitzaltar von 1498, Madonna und gotischem Hallenchor gefiel mir trotz Kälte sehr gut.

Ich liebe Orgeln von Walcker, Wender, Schuke, Ahrend, Ladegast, Schnitger, Beckerath, Ehrlich, Stellwagen, Lenter, Silbermann, Steinmeyer und Klais. Und alle mitteltönigen Orgeln.

Bach muss auf jeden Fall romantisch gewesen sein, das sieht man am Datum seiner Hochzeit mit Maria Barbara: 17.10.1707!

Anbei meine neue Top-Liste von Orgeln, die sich sicher noch ergänzen wird:

Sehr schöne Orgeln, Lieblingsorgeln