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20. April 2021

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Leicht finden wir Freunde, die uns helfen; schwer verdienen wir uns jene, die unsere Hilfe brauchen. (Saint-Exupery)

Denn ein Gut ist nicht die Summe der Einkünfte, sondern die Summe der gebrachten Opfer (Saint-Exupery). Denn es kommt nicht auf die Belehrung an, sondern auf die Werkzeuge des Erfassens. Ich könnte noch viel von ihm zitieren. Einfach sehr schön.

Ich liebe das Geigenprinzipal an der Trost-Orgel und die Mixturen. Ich mag die Hohlflöte, weiter gebaut als die Rohrflöte bei Silbermann, liebe die Thüringischen Klangfarben, die Streicher und Flöten. Und die besonderen Koppeln. Auch wenn die Kirche trotz Heizwand und Heizung sehr kalt war.

Anbei ein paar Videos von mir auf der Kultur- Seite von Marktheidenfeld: Videos St. Laurentius

Ich freue mich, dass es bald weitergeht mit den Konzerten, musikalische Andachten. Viele haben Angst, dass das Leben digital wird, auf digital umgestellt wird. Ich glaube auch an das reale Leben, auch wenn ich digital sehr gut bin.

Heute kam ein dickes Päckchen vom Furore Verlag:

Anbei mein Portrait und Interview Furore Verlag: Portrait Furore Verlag Ann-Helena Schlüter

Heute war auch mein Interview im Deutschlandfunk via Zoom, wird bald gesendet.

Der Orgel Vlog auch auf Deutsch: #4 Vlog Orgel und Flügel: Das Pedalspiel (Trost-Orgel Waltershausen)

Viel Feind, viel Ehr. (Matthias Eisenberg)

Sehr interessant war es, auf dem sauberen Holz-Dachboden gegenüber der Trost-Orgel weitere Pfeifen und die vier großen Bälge in Betrieb zu sehen (die Orgel war an), eigentlich zu weit weg von der Orgel, so gibt es gewisse Wind-Phänomene, vor allem bei romantischen Werken, gewisse “Windstößigkeit” (was mich generell noch nie gestört hat bei historischen Orgeln. Mich stört es nur etwas, manchmal, wenn etwas verstimmt ist).

Oben im Rundgang gibt es auch eine Art Museum mit dem Radial-Pedal und alten Pedal-Pfeifen.

Ich möchte gern einmal in Altenburg die kleinere Trost-Orgel sehen. Und ich liebe es, dass die Trost-Orgel eine Bach-Orgel ist. Bach-Sound.

Wen es interessiert, und wer die Trost-Orgel auf der Hauptwerk-Orgel hat, was für Register ich verwendete (die Nummern wurden sehr viel später hinzugefügt, 1998):

Grüne Taler: HW (Mitte); braun: Pedal; rot innen: OW oben; rot außen: BW unten (manchmal laut).

Mendelssohn: 1,3,10,13,16-18,32-34,38,41,51,61,62,64, Koppel zum 3. M. Dazu muss man den Stick/Knopf erst hochdrücken und dann innen runter.  Das Koppeln ist notwendig, aber macht das Manual noch schwerer.

Beethoven: HW 11, 8, 4, 45; weitere Manuale: 52,44,41 (Motor ist 47).

Ludwig van Beethoven (1770-1827):

Trost-Orgel Waltershausen, Thüringen, Transkription: AHS, Orgel 1722 eingebaut, 300 Jahre Trost-Orgel, Stadtkirche „Zur Gotteshilfe“, genialer Orgelbauer Tobias Heinrich Gottfried Trost (1680-1759), Waldstein-Sonate 2. Satz, Adagio molto Introduzione Pastorale
Größte und bedeutendste Bach-Orgel Thüringens
Größte Barock-Orgel Thüringens, 1998 restauriert
Trost und Bach kannten sich; kleine Schwester-Orgel in Altenburg,
Zur Kirche: Thüringens frühester barocker Zentralbau mit der größten Orgel der Bachzeit!
Video: Jens Gerold und Thomas Kühr, TMR-Radio.de in Waltershausen
Danke an Theophil Heinke
Soli Deo Gloria!

Ludwig van Beethoven – Trost Orgel Waltershausen, Waldstein-Sonate, Adagio, Bearbeitung: Ann-Helena Schlüter

17. April 2021

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Alles Vergängliche ist nur ein Gleichnis, das Unbeschreibliche, hier ist‘s getan: das Ewig-Weibliche zieht uns hinan. (Goethe)

Dies gefällt mir; das hätte ich Goethe gar nicht zugetraut. Aber das sagt mir zu.

Geschafft! CD eingespielt! 2 Tage, 11 Werke! Virtuos, schnelle Tempi, heftige Orgel, samtig-trockene Akustik (was die Sache nicht leichter macht ☺️) – super gut geworden, ich bin dankbar, zufrieden und glücklich!
Meine Hände sind geschwollen, ich sehe aus wie ein Wrack, aber glückliches Wrack. Vielen Dank an Theo! Das Pedal ist natürlich nicht gerade für Frauenfüße gebaut. Überhaupt die ganze Orgel nicht, doch von Basislager zu Basislager erklomm ich den Mount Everest. 6-8 Videos sind ebenfalls entstanden, die toll geworden sind (Drohne ….). Vielen Dank an Jens und Tom! Ludgers inspirierende Art hat mir sehr geholfen. Zudem: Er sandte mir via WhatsApp Fotos der Männer-Ahnengalerie der Sakristei, wo er saß, nach oben, immer wieder ein neues finster dreinblickendes Pfarrergesicht der Männergilde. Manchmal nah gezoomt. Dies half mir vorwärts.

Danke auch an Tillmann und Justus. Heute haben wir die Passacaglia und Fuge gemacht und Choräle. Das Frühstück war lecker, Nudeln und Pizza auch. Das tiefe C und D im Pedal war so anstrengend zu erreichen, aber mehr noch zu halten – mit der Ferse keine Chance, da kam kein Sound! Ging nur mit der Spitze, und war dann mit dem ganzen Körpergewicht zu halten. Man kann sich also vorstellen, wie es zuging in der Passacaglia! Ich war ein Ackergaul, der in der Furche sprang und schräg wieherte. Und dennoch musste ich mich immer wieder erinnern, nicht zu überdampfen, nicht als Wildpferd davon zu galoppieren. Dafür ist ein Tonmeister Gold wert: Geduld, Psychologie, die musikalische Kutsche lenken. „Und wo ist jetzt bitte das C im Altpapier?“

Diese enorme Konzentration in Aufnahmen, den FlOW, das liebe ich. Gemeinsam an einem Strang ziehen und ein Produkt erschaffen. Manche denken vielleicht, es sei eingebildet, sich in der Öffentlichkeit zu präsentieren. Aber mein Beruf geht ohne Öffentlichkeit gar nicht, bedingt im Grunde fame. Aber eingebildet ist das nicht, es gehört „zum Geschäft“. Zudem sind Fleiß, harte Arbeit, Herzblut und Mut so riesige Anteile meines Berufes, das für das angebliche Eingebildetsein gar keine Zeit bleibt.

Försök inte behaga alla. Börja med acceptera dig själv. 

Übersetzung: Versuche nicht, allen anderen zu behagen. Beginne damit, dich selbst zu akzeptieren.

Heute erinnere ich an Sophie Dahl, Hilda Geiringer (Mathematikerin), Hannelore Köhler (Malerin), Dee Rees (Autorin).

Später heute fahre ich nach Waltershausen an die geniale Trost-Orgel, um meine erste große Orgel-CD für Audite aufzunehmen. Freue mich. Es ist wieder eine enorm schwer zu spielende Orgel, aber das macht mir nichts aus, im Gegenteil. Nach vielen neuen Übestunden (Überstunden Übestunden) bin ich mit allen Wassern gewaschen. Ich freue mich auf die super lieben Leute.

Musikpädagogik und Musikvermittlung

Ich liebe die internationale Orgel-Szene; dafür muss ich mal eine Lanze brechen, die Leute sind unglaublich lieb, liken und sharen viel und begeistern sich, sind selbst bei Diskussionen untereinander von der ganzen Art her wesentlich weniger gehässig als weite Teile der deutschen Kirchenmusik-Szene im Netz. Die internationale Szene ist nicht verbittert, keine Frauenfeindlichkeit, kein Vergleich. Ob es am Kirchenmusikstudium liegt, dass dort so viele Leute so lästernd sind? Oder an den sozialen Netzwerken an sich, in denen das wahre Gesicht vieler ans Licht kommt? Ich merke, wie aggressiv, arrogant oft in den sozialen Netzwerken allgemein geschrieben wird. Das Internet deckt den schlechten Charakter vieler Leute auf, auch von denen, die Vorbild sein sollten. Im realen Leben wären diese Menschen natürlich nicht so. Aber sie sind es tief drinnen, sonst würden sie nicht so schreiben. Es kommt auch immer darauf an, wer gewisse Gruppen und Ämter leitet und anführt. Wie sagte jemand so schön: “Ist der Chorleiter ein …, wird der Chor es auch.” Die Kirchenmusik war sicher nicht immer so. Und der deutsche Orgelbau ist zum Beispiel wundervoll.

Es gibt Momente, in denen sich plötzlich die Zeit öffnet, dann kann man sie von allen Seiten ansehen. (Joachim Meyerhoff)

Ich mag sehr die Komponistinnen und Pianistinnen Maria Theresia von Paradis, Ingeborg Starck-von Bronsart, Germaine Tailleferre, Teresa Carreno, Agathe Backer-Grondahl; ich habe schöne, alte Aufnahmen von ihnen. Und Emilie Mayer, die erste „Berufskomponistin“, „weiblicher Beethoven“, mit Klavier-Trios.

Es ist erstaunlich, wie völlig anders Weinberger Liszt Ad nos spielt.
Heute erinnere ich an Martina Merz (Maschinenbauerin) und Ewa Kopacz (Ärztin und Politikerin).
Ich lese „Die Nadel“ und höre Platten, sehr gern Schütz-Motetten, lieblich, beruhigend, klagend. Aber meist arbeite ich. = Üben CD und Diss.

Heute wird mir ein Thermomix vorgestellt. Es geht darum, dass ich will, dass eine Maschine gesund kocht, während ich übe, das spart Zeit.

Sonnenorgel Görlitz

6. April 2021

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Unser Leben ist abschiedlich. Wird vom Tod nicht  nur beherrscht, sondern durchherrscht. (Theunissen)

Doch ist Michael Theunissen nicht zum richtigen Fazit gekommen, wie es bei Philosophen leider der Fall ist: Er schreibt, die Zeit würde bestimmen und unser Ende daher bevorstehen. Das Gegenteil ist aber der Fall: Es herrscht die Ewigkeit, und unser Ende ist nur der Anfang. Ich glaube, ich habe keine Angst vor dem Tod, weil ich die, die ich bewundere und liebe, (wieder)sehen werde. Angst habe ich vor Krankheit und Schmerz, weil ich so empfindlich und ängstlich bin und meinen Körper mag, nie etwas gebrochen habe, nur einmal oder zweimal krank war.
Mir fällt auf, dass Philosophen oft von Vernunft und Individuum und Macht sprechen – damit meinen sie Männer. Männer aber haben oft das Fetisch Gewalt, in Worten, in Positionen, im Gewinnen- und Rechthabenwollen. Und wollen nicht von Frauen besiegt werden. Oft gewinnen Männer mit Hilfe von Frauen, auch gegen Frauen.

Heute bin ich wieder daheim (nachdem ich in der Lausitz mein erstes veganes Schnitzel gegessen habe, von Matthias gebraten) und erinnere an Anna Schudt, Verena Kast, Maria Tallchief (Ballerina), Almudena Grandes (spanische Schriftstellerin).

Es ist seltsam, plötzlich Atheistin zu sein. Irgendwie gelingt es mir nicht ganz so gut.

Ich liebe Onkel Tom‘s Hütte von Harriet Beecher-Stowe, ich bewundere sie sehr.

Empfehlen kann ich Acta Organologica. Ich habe erst vor kurzem davon erfahren; ist zwar eine absolute Männerreihe, aber ich habe einiges gelernt. Ist Spannend. Sammle es. Sendet mir eure Doppelheiten, habe Band 13 und 24.

Jetzt bin ich auf dem Lebensschiff den Winden der Welt ausgesetzt. (Josef Angster, Orgelbauer aus Ungarn)

Sehr empfehlen kann ich das Buch „Das Tagebuch eines Orgelbauers“: Josef Angster schreibt von 1834-1918 über sein Leben. Wie ich.

Es ist Ostern, sonnig, und ich bin noch in Ost-Sachsen. Meine Osterhasen esse ich immer vom Ohr her.

Es stimmt, dass der letzte Teil von Piece d’ Orgue ein ungarisches Cymbal ist. Dass mir das nicht vorher aufgefallen ist! Dadurch verändern sich Spielweise und Betonung, weil beim Cymbal (Percussion) der Schwung von unten kommt und es „kräftige Männer“ braucht. Mir gefällt das Ungarische in Bachs Musik. Und das Jüdische in Mendelssohns Musik. Es macht wirklich etwas aus in der Interpretation, wenn man dies heraushören kann.


Heute am Ostersonntag fuhren wir von Lausitz nach Schlesien. In Görlitz habe ich einige Stunden meine mit bisher schönste Orgel gespielt, die wunderschöne Sonnenorgel in Görlitz, 4 Manuale, Nachtigall, Kuckuck, Tamburin, Vogelgezwitscher und Pedalsonnenmixtur mit Terz und Zunge, 12fach, Zimbelstern, 32-Fuß, Recit, eine unfassbar singende Ondamaris im OW (2. M) noch vom genialen Casparini aus Lausitz/Schlesien, schwebend zusammen mit Grobgedackt, und auch schön zusammen mit Quintadena 16 oder 8 im OW. Görlitz ist wunderschön. Ich war schon ein paar Mal da, sogar oben auf der Empore, aber noch nie gespielt. Heute ja. Matthias Eisenberg war auch hier maßgeblich an Wiederherstellung und Weiterbau beteiligt.
Die grün-silberne Orgel in der Peterskirche mit schöner Akustik besitzt einen herrlichen Spieltisch und einen aussergewöhnlich kreativen Prospekt mit 17 klingenden Pfeifen-Sonnen, Engeln, grünen Holzverzierungen, Palmblättern, und man kann fast alles auf ihr spielen, Bach, Buxte, deutsche und französische Romantik… Die erste Orgel mit einer Trommel, die mir gefällt. Warm und freundlich spielbar. Süße Klänge. Nichts ist spitz. Perfekter Winddruck und Hohlflöte im HW (1. M) genial. Orgelbau Mathis hat dies hervorragend gemacht. Dagegen gefällt mir die Mathis-Orgel in Freiburg bei weitem nicht so gut.
Brahms, Bach und Mendelssohn gespielt. Matthias hat improvisiert. Ich mag seinen Stil. Er ist sehr echt. Er hat eine eigene Aura entwickelt. Die Leute dachten, ich sei seine Tochter.

Ich habe durch Matthias Eisenberg ein Gefühl für Winddruck bekommen. Eine Orgel muß springen, darf nicht zäh sein, das heißt, der Winddruck nicht zu niedrig (Gewicht auf den Balg erhöhen). Wie eine Orgel „katholisch“ oder „evangelisch“ klingt, habe ich auch von ihm gelernt. Damit ist die Gegend gemeint, aus der der Orgelbauer kommt, und die Ansprache des Klangs.

Jehmlich Dresden hat die schöne, einzig erhaltene Strohbach-Orgel wiederhergestellt (es gab ursprünglich vier). Besonders schön sind die Registerzüge. Ach, ich mag den Osten!

Empfehlen kann ich Erich Stoffers (Orgel-CDs). Er hat typische Dorforgeln unterstützt, besonders auch vollpneumatische Kegelladen-Orgeln, die zuvor als verpönt galten. Der Organist und Kirchenmusiker Erich Stoffers war lange vor meiner Zeit der erste Mann meiner Mutter. Wer hätte gedacht, dass auch ich einmal Organistin werde? Nun habe ich Erich nie kennengelernt. Aber Matthias hat CDs von ihm und kannte ihn. Falls ihn hier jemand unter meinen geschätzten Leserinnen und Lesern kennengelernt hat, bitte meldet euch bei mir mit euren Erlebnissen.

Von Matthias habe ich einige lustige Insider-Geschichten von früher erfahren, ich habe Tränen gelacht. Wir waren Eis essen und betrachteten die Brücke nach Polen. Er kennt auch ein paar meiner Hater. Durchschnitt hat wohl schon damals gern gelästert? Viele Kirchenmusiker werden schlecht bezahlt, müssen irgendwie mit der Kirche klarkommen, buckeln oder leiden unter dem Pfarrer, üben nicht und sind verbittert – oder hassen ihren Brotberuf. Das ist oft die Ausgangssituation für Neid. Matthias hätte immer witzige Antworten parat gehabt. „Natürlich hatte ich keine 1,0. Es war ein Tippfehler. Es war eine 5.0.“ Oder: „Stimmt, es war in Wirklichkeit noch viel schlimmer als ihr denkt…“ Aber er ist auch an Anfeindungen gewöhnt. Ich war es nicht. Ob man sich daran gewöhnt? Er ist auf jeden Fall demütig geworden. Viel demütiger als die meisten, die ich kenne. Viel demütiger als ich. Top-Lehrer. Und hier endlich mal ein richtiger und künstlerischer Orgelsachverständiger, und wie!

Matthias kennt die ganze Szene. Er war auch in Kropfs Vorspiel in Lübeck dabei…

Die ungarischen Notenausgaben von Liszt gefallen mir.

9. März 2021

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Für heute nacht nehme ich die Schöpfung zurück. (Günter Kunert)

Danke für die Blumen und Grüße zum Frauentag, ich fühle mich ja fast, als hätte ich Geburtstag. ❤️
Danke für das Lob, dass ich mutig und kompromisslos bin.

Ich werte die Interviews aus für meine Promotion. Es ist erstaunlich, zu sehen, wie Jugendliche auf Bachs Musik reagieren, in ihrem ersten Kontakt. 

Ich liebe es, die alte Sehnsucht in mir in neuen Dingen zu entdecken. In Klang, Wundern. Dem wilden Verhängnis Musik ausgeliefert zu sein.

Verbindung und Wechselwirkung zwischen Pianistin und Organistin  

In einer schwedisch-deutschen Pianistenfamilie bin ich aufgewachsen und habe Konzertfach Klavier (Konzertexamen) und Orgel (gerade zweiten Teil abgeschlossen) studiert – zwei sehr unterschiedliche Instrumente, die jedoch eine Einheit bilden, sich ergänzen und bereichern. Die Orgel mit ihrer Kraft und Größe fängt meine Energie anders auf als der Flügel, den ich zuerst liebe, da er meine Kindheitsliebe ist, der eher brillant, kompakt, spitz zulaufend ist, ein Muskelpaket von Klang. Die Orgel dagegen wartet und ist beinahe feminin. So groß sie (von unten gesehen) oben auf der Empore wirkt, so zerbrechlich ist sie, wenn man oben bei ihr angekommen ist. Sie singt und bläst einem warm entgegen. Ihren Klang suche und finde ich ganz anders, denn ihre Farben muss ich durch Wissen erfahren und erlernt haben, um die Register „zu beherrschen“ und zu kennen: Orgelspiel ist Wissen. Die Orgel ist meine zweite große Liebe, die größere vielleicht. Für mich als Pianistin war es spannendes Neuland, zu erfahren, wie eine Orgel aufgebaut ist, Prinzipale, Flöten, Zungen, das Mischen und das Zusammenspiel – hier geht es um musikalische Erfahrung. Am Flügel, da ich diesen schon seit meinem dritten Lebensjahr kenne und spiele, hatte ich stets das Gefühl, ich kann den Klang instinktiv und aktiv führen und bestimmen, das Klavier biegt sich mir hier entgegen. Jedoch an der Orgel ist es klares (beinahe sachliches) Wissen, Kalkül im besten Sinne. 

Auch die Technik in meinen pianistisch trainierten Händen braucht an der Orgel einen anderen Twist, teilweise eine gegensätzliche Herangehensweise: Am Klavier zählt vor allem, wie ich in die Taste hineingehe. An der Orgel ist wichtig, wie ich aus der Taste herausgehe. Das weiche Absprechen ist grundlegend wichtig an der Orgel für Dynamik und Artikulation. Je größer die Orgel, desto zärtlicher muss man sein. 

Das sehen viele Organisten (die meisten sind Männer) anders, da geht es viel um Macht und Lautstärke. Jedoch an einer Orgel musikalisch und virtuos und auch leise spielen zu können, das ist die Kunst. 

Mir macht es Freude, Chopin und andere virtuose Stücke auf die Orgel zu übertragen. Ich orientiere mich nicht an eine bestimmte festgelegte Strömung wie die, die nur eine Art Spiel oder eine Art Orgel akzeptieren und nichts anderes gelten lassen („nur Franzosen“; „nein, nur Bach“; „nein, nur Reger, sonst ist man kein richtiger Organist“ usw.). Da ich als Neueinsteigerin erst seit ca. 2018 in der “Szene” bin, bin ich dankbar dafür, dass ich nicht gebunden, festgelegt, manipuliert oder beeinflusst war oder werden konnte. Dadurch sehe ich die Orgel mit freien Augen, und ich sah sie automatisch als Konzertinstrument. Warum? Weil ich es vom Flügel nicht anders kenne. Es war für mich überraschend, dass die Orgel für viele (für mich nun neue) Kollegen nicht als Konzertinstrument gesehen wird oder gilt. „Spiele nicht zu schnell, sondern langsam, spiele nicht virtuos!“

Ich studierte Konzertfach Orgel zunächst in Franfurt am Main, dann in Heidelberg, Würzburg und Hamburg, und ich bin Christin, gläubig, noch überraschter, dass in der Kirchenmusik viele Kommilitonen an Gott nicht glaubten. In der pianistischen Welt spielt der Glaube kaum eine Rolle. Ich hoffte, dass es in der Kirchenmusik anders wäre; ist es oft leider nicht. Jedoch meine Liebe für die Musik, die Orgel und Gott überwand diese Hindernisse. Warum? Man kann auch mit schnellen Fingern, auch als Frau und Künstlerin mit einem konzertanten Willen die Orgel als heiliges Instrument begreifen und sprechen lassen. Gerade die Orgel kann in einem Konzert Gottesdienst sein. 

Dass ich meine Technik am Klavier an der Orgel einsetzen kann, freut mich sehr. Das Pedal musste ich neu lernen; hier einen guten, klugen Lehrer zu finden, war zunächst nicht leicht. Und das Zusammenspiel, die Koordination – den Raum der Kirche als Resonanzkörper der Orgel empfinden, die Wichtigkeit der Artikulation begreifen – dies lernte ich in sehr kurzer Zeit deswegen, weil ich seit 2017 über 240 Orgeln unter den Fingern und Fittichen hatte und wunderbare Orgelmeisterkurse besuchte und viele Konzerte spielte von Anfang an – auch Videos aufnahm, wofür ich dankbar bin. Ich liebe es, zu reisen, so konnte ich an allen Orten die Orgeln kennenlernen. Jede Orgel ist eine Lehrmeisterin. Sie hat mir geholfen, Raum, Register, Aufbau, Klang und Artikulation schnell umsetzen zu können, direkt vor Ort, auch an fremden Instrumenten. Meine virtuose Art vom Klavier war manchmal eine Hilfe, jedoch manchmal auch ein Hindernis. Warum? An der Orgel geht es nicht in erster Linie um Beeindrucken, sondern um Berühren: Um Fühlen des Raumes, der Resonanz, der Pfeifen, bis unter die Decke, bis hinter zum Altar. Die Kraft der Orgel, gleichzeitig ihre Zartheit – diese Kombination inspiriert mich, denn ich bin genauso. Daher habe ich neue Werke für die Orgel komponiert, um den „neuen Sound“ einzufangen (Laurentius-Verlag Frankfurt am Main, Furore-Verlag Kassel…). Dem Verhängnis Musik ausgeliefert. Orgeln unter den Fittichen haben.

5. März 2021

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So schlaf! Dein Name bleibt vom Untergang frei! Die Schüler deiner Zucht und ihrer Schüler Reih‘ bereiten für dein Haupt des Nachruhms Ehrenkrone. (Telemann über Bach) 

Wie schön und prophetisch, dass Telemann Bach ehrte und liebte, an das kollektive Musikergedächtnis dachte.


Das Finale des Literaturwettbewerbs Zeilen.lauf in Österreich findet online statt. Bin gespannt.

Bald kommt mein vierter Lyrikband heraus.

Ich freue mich, Orgeln im Ausland kennenzulernen. Und ich hoffe, dass Ende 2021 mein Clavichord kommt, das „sanfte Clavier“, das empfindsam ist, expressiv, Lieblingsinstrument vieler Musiker heute, damals. Manche schreiben über das Clavichord, es würde beruhigen, trösten, versüßen, eine Vertraute sein, zum Lächeln bringen.

Es sind einige neidisch auf meine Sponsoren. Aber es ist wichtig zu wissen: Sponsoren unterstützen, worin sie Potential und Kunst sehen. Harte Arbeit und Fleiß sind absolute Voraussetzungen. Zudem braucht es Kraft und Talent, Sponsoren zu generieren. Und eine Beziehung zu Gott, dem alles gehört und für den Millionen nichts sind. Vertrauen in Fülle muss man trainieren. Ich war einmal vor längerer Zeit auf einer teuren Bibelschule im Ausland mit Jugend mit einer Mission. Damals wusste ich noch gar nicht, dass ich Organistin werde. Ich ging bewusst hin ohne einen Cent, um Gott zu vertrauen, ans Ende der Welt, nach Australien. Das war eine enorm wichtige Übung für mich. Eine schwere, verrückte. Am Ende hat Gott die gesamte Bibelschule (über 30.000 Dollar) nicht nur bezahlt, sondern ich hatte noch 10.000 übrig. Ab da vertraute ich ihm große Summen an. Ich bekam wenig später meinen nagelneuen Steinway-Flügel. Er war schon in den USA extrem großzügig zu mir. Gott ist zu jedem großzügig, er ist unendlich reich. Aber das Geld ist es gar nicht. Oft kommt die Summe auf den allerletzten Drücker. Es braucht Vertrauen, viel Fleiß, Kraft, Mut, Arbeit und Hingabe. Denn ich bin abhängig von Gottes Segen, was mir eine Ehre ist. Als ich klein war, sagte er mir: Du wirst große Dinge tun. Das mag für Atheisten verrückt klingen. Aber wir werden am Ende sehen, wer recht hat.

Eine Frau hatte 2013 eine Art Vision und sah mich “mit den Füßen spielen”. Ich dachte: Wie verrückt, mit Füßen auf der Klaviertastatur, wie soll das gehen. Dass ich Organistin werde, habe ich nicht mal im Traum gedacht.

Empfehlen kann ich das Bach-Buch von dem leider verstorbenen Klaus Eidam, großartiger Mensch.

Es ist ja so, sagte mir jemand: Wenn man Erfolg oder Talent oder beides hat, möchte eine Art “finsterer Schatten” andere besiegen. Daher muss man immer stärker sein als dieser Schatten und an seiner Herzlichkeit genauso arbeiten. – Ich sehe bei mir diesen Schatten nicht, aber andere vielleicht haben Angst oder sehen ihn. Was ich sehe: Wenn man etwas hat, was andere wollen, tanzt man auf einem Hochseil. Doch kann ich mir nicht vorstellen, was bei mir diesen Neid oder dieses Missfallen auslöst, meine Fehler sammeln zu wollen, mir hinterher zu schnüffeln.

Manchmal gibt es Missverständnisse: Meine Offenheit wird von manchen Männern als Interesse gedeutet oder facht etwas an, was ich überhaupt nicht “in mind” hatte. Dann sind manche Männer beleidigt und nachtragend, weil sie etwas erwartet haben, was von mir überhaupt nicht so gemeint war, beispielsweise, dass ich sie heirate. Die Mischung von Verletzlichkeit und Stärke, die ich habe, irritiert manche Männer. Daher habe ich auch Fans, die Hater geworden sind. Das sind übrigens die schlimmsten Hater und die hartnäckigsten Fans. Weil jemand wie ich sucht, fragt, bittet, kindlich ist, Fehler macht, unbekümmert ist und trotzdem macht, was sie will – das ist ja nicht so normal in der heutigen Gesellschaft. Da ist ja jeder recht abhängig. Freiheit ist mir wichtig.

Verleumdung geht schnell: Horlitz und seine Lästerkumpane zweifeln meine Note an, nennen sie erfunden, er ruft Bossert an, beide lassen bewusst die Frage, ob meine Note 1,0 korrekt ist, in der Luft stehen und reden schlecht über mich. Bosserts Motiv: Wir hatten Streit, da ich zwei Konzerte auf einen Tag legte. Dabei ging mir das Solo-Konzert notgedrungen vor. Ich weiß, dass ich Bossert wichtig war, sonst hätte er sich nicht so wahnsinnig darüber aufgeregt. Überhaupt sind die, die am meisten motzen, Leute, die zuvor sehr bewunderten, wer ich bin. Und es wahrscheinlich immer noch tun. Die Note 1,0 habe ich dennoch geschafft. Öffentlich gibt Oliver Horlitz das Gespräch wieder, negativ, zweideutig, was meine Note und meinen Abschluss angeht, was Bossert wusste. Martin Schmitz griff dies auf, verbreitet bei Kluck und der bei Rothe, ich hätte die Note “erpresst”; daraufhin nennt mich Bornheimer kriminell und hochstaplerisch bei 6300 Mitgliedern einer Gruppe, was von Ansgar Kreutz und seinem “Stab” gedeckt wurde. Hauptmotive in meinen Augen: Neid und Frauenfeindlichkeit. Zudem behaupteten Benjamin Frensel und Jan Wilke, ich würde Pornoseiten benutzen, um mich selbst zu liken. Das sind schon eklige Männer in meinen Augen, voller Niedertracht. Und das bei mir, die wie ein Engel lebt. Und jetzt sind sie sauer, dass ich mich wehre. Sehr interessiert an mir ist auch der Laienmusiker Rochus Schmitz aus Münster, der mich belästigt und jede Seite im Netz über mich erliest. Meine Antworten auf seine Emails veröffentlichte er dann und spottet. Er ist derjenige, der seit Oktober 2020 mehrfach Beleidigungs-Threads gegen mich losgetreten hat. Zu seinen Kumpanen gehören auch sogenannte Kirchenmusiker wie Kropf, die amüsiert sind, wenn Konkurrenz angegriffen wird, und manche waren zuvor schon persönlich beleidigt, ein Trupp gelangweilter Männer, viele homosexuell im Sinne von frauenfeindlich (es gibt ja auch homosexuelle Männer, die Frauen wunderbar finden).
Es wäre vielleicht nett gewesen, mit diesen Menschen in einem konstruktiven, wertschätzenden Austausch zu stehen. Ich habe nichts gegen Laien, im Gegenteil, viele Laien sind sehr musikbeflissen und lieben auch meine Kunst, wie Profis. Sie bringen oft respektable Leistungen. Noch haben diese Männer es nicht geschafft, mir freundlich, höflich und anständig zu begegnen. Ihr Interesse an meiner Kunst trauten sie sich bisher nur negativ auszuleben. Ich hoffe, dass sie es irgendwann schaffen, sich zu entschuldigen, und dass es eine Ebene gegenseitigen Respekts gibt und sie mir mit meinen Leistungen höflich, achtungsvoll begegnen, wir uns gegenseitig. Das würde der ganzen Szene gut tun und wäre dann so etwas wie Kirchenmusik. Würdig des Kirchenmusikalischseins. Jedenfalls bin ich nicht nachtragend. Ein gutes Gespräch, und sicher beruhigt es sich dann, und das Böse verblasst und nimmt eine positive Richtung. Versöhnung finde ich generell schön und christlich. Und durch das Mobbing habe ich viel gelernt. Das war neu für mich. Ich habe halt bisher noch nie Laien wie Lucas Kluck und Martin Schmitz erlebt, die mir so abstruse Nachrichten senden. Jungs. Ich wünsche euch alles Gute auf eurem Weg, und sicher können wir eines Tages einen fairen Austausch über Musik haben, das würde mich freuen.
Da ist auch ein Wigbert Traxler, der im Netz lästert: Die Kluft, den Dozenten zu geben und Kindern etwas beibringen zu wollen, und nachmittags auf facebook heimlich Künstlerinnen zu schikanieren ist erstaunlich. Weil er beleidigt ist? Sie wissen dabei selbst, dass sie nicht die gleichen Qualifikationen haben wie ich, dass ich ein ganz anderes Kaliber bin. Es ist, als würde eine Herde Rinder (sehr schöne Tiere, ich mag alle Tiere, auch Spinnen) gegen ein hochgezüchtetes Sportpferd anpöbeln.

Meine Registrierungen für St. Katharinen habe ich in ein Buch namens „Kaiser Konstantins Taufe“ geschrieben, zwischen die Geschichte. Das kleine, braune Buch bewahre ich auf. Hans-Ola hat Recht: Man muss lernen, alles selbständig zu registrieren und zu blättern. Alle seine Studenten machen alles allein. Ich hasse Blätterer und Registranten, sie machen mich kirre. Ich werde mich in Zukunft daran halten und alles allein machen, so wie Hans-Ola sagt. Tack!

4. März 2021

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Bach hört nie auf, in einem zu loben und zu wachsen. (AHS)

Für viele Schreiber ist es geradezu Scharlatanerie oder Musikantentum, wenn Musik „etwas ganz Bestimmtes“ ausdrückt. Für sie ist es bis heute wichtig, dass Musik „abstrakt“ bleibt. Auch beim unbegrenzten Werk Bachs.
Was ich an Bachs Musik so mag? Sie scheut nicht, sie lispelt nicht, sie bringt Licht und Zuversicht, klares Ja und Nein, sie weist auf etwas anderes hin, wie eine Glocke ruft sie.
Sehr empfehlen kann ich Martin Petzoldts (Leipzig) Erzählung zu Bachs 60. Geburtstag. Martin Petzoldt habe ich wegen meiner Doktorarbeit noch kennengelernt. Ein wunderbarer Mensch.

Kaputtgelacht habe ich mich bei Süskind „Der Kontrabaß“. Was für ein Buch! 🤣

Ich freue mich auf das Komponistinnentreffen im Oktober.

23.2.2021, St. Johannis Harvestehude Hamburg