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23. Februar 2020

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Wer Angst hat vor der Kritik der Leute, wird nie imstande sein, etwas Wertvolles und Beständiges zu tun. Widerstand formt den Menschen. (Mahatma Gandhi)

Ich freue mich auf mein Konzert beim Amberger Orgelsommer an der Sandtner-Orgel Amberger Orgelsommer

und auf das Frei und los – Festival Hamburg, dort spiele ich am 1.Mai um 20 Uhr: 

Katholische Akademie Hamburg, Herrengraben 4, 20459 Hamburg.  https://www.freiundlos.de

Sehr gefallen hat mir auch die romantisch-pneumatische Steinmeyer-Orgel in Hamburg-Barmbek (die sich sogar für Gospelmusik eignet) und die schöne Mühleisen-Marcussen-Orgel in St. Johannis-Harvestehude Hamburg. Diese Vielfalt überall!

Gerade besucht:

Beckerath opus 1 Hamburg
Neue Bach-Orgel Hannover
Spanische Orgel Hannover
Walcker opus 736 in Institut Hamburg

Und alles wieder ganz anders als Steinmeyer oder Klais… Was wohl noch alles für tolle Orgeln auf mich zukommen? Wenn man reist, muss man genauso mit den Augen wie mit den Füßen reisen. Gottes Kraftquellen versiegen nie. 

Anbei die Liste einiger meiner Lieblingsorgeln:

Lieblingsorgeln aktualisiert

Empfehlen kann ich den Film über Hudson Taylor. 

Es hat Spaß gemacht, heute an der Klais-Orgel in Heilig Kreuz Würzburg aufzunehmen:

Klais-Orgel in Heilig Kreuz Würzburg

21. Februar 2020

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In der Beschränkung zeigt sich erst der Meister. (Goethe)

Es hat mir sehr gefallen, die schöne, romantische zweimanualige F. E. Walcker-Orgel Ludwigsburg von 1895 opus 736 im Saal des musikwissenschaftlichen Instituts Hamburgs zu spielen. Der Schweller ist mit einem Stopper zu verschließen, die Pfeifen singen mir direkt schön ins Gesicht, die Setzer und Registerzüge haben die typischen Farben gelb-rosa-türkis, sie braust und singt mit Streichern, Zungen und Flöten. Mir gefällt das authentisch Direkte. Die Orgel erzählt eine lange Geschichte der Schönheit und des Schmerzes, die nicht von der Stange ist und die etwas mit Demut zu tun hat. Es ist eine sehr musikalische Orgel Walcker & Cie. 

Ich wünsche mir ein Pedalclavichord. So etwas hatte Bach auch. Und man kann immer damit üben. 

Oft habe ich sehr schöne, aber manchmal auch seltsame Erlebnisse mit Kantoren. Ich habe den Eindruck, weil ich eine Frau bin, meinen manche, wenn ich die Orgel kennenlerne, müssten sie die ganze Zeit dabei sitzen, während männliche Kollegen dort allein ein und aus gehen. 

Walcker-Orgel opus 736 Hamburg:

 

17. Februar 2020

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Wer Ohren hat, der höre. (Matthäus 11, 15)

Der Spiegelsaal des Museums für Kunst und Gewerbe in Hamburg ist sehr schön. Rote Sitze, blaue Decke, schwarzer Steinway. Ich habe auch ein Stück von mir gespielt. Mittlerweile denke ich: Warum sollte ich stets die Stücke anderer spielen, die andere auch spielen? Warum nicht lieber meine Musik? Das macht viel mehr Spaß. Und es macht mehr Sinn. Denn sonst werden nur männliche Komponisten gespielt.

Die Ausstellung Beauty im Museum für Kunst und Gewerbe gefiel mir nicht, obwohl ich die anderen Ausstellungen dieses Museums sehr schätze, besonders die der Instrumente und der modernen Kunst. Doch Beauty ist so ein armseliger Abklatsch von Schönheit, die man mehr und besser auf einem Spaziergang antrifft in der freien Natur und in der Schöpfung. Was soll ich mit einem computergesteuerten Vogelschwarm und mit Plastiktüten, die von künstlichem Wind aufgeblasen werden – überall Beamer, Filmchen und Animationen über Natur. Künstliche Natur. Was soll daran schön sein? Wissen die Menschen nicht mehr, was schön ist? Echtheit ist schön. Meinen sie, die Farbe Quietsch-Rosa von einem Beamer auf schwarze Wand geworfen soll schön sein und ersetzt einen Wald oder Blumen? Nur das Wort Fugue versteckt auf einer Tafel kam dem Thema etwas näher.

Später war ich im Pro-Log-Konzert in der Laeisz-Halle. Hier habe ich auch schon gespielt. Heute haben die Hamburger Symphoniker konzertiert. Es war sehr interessant. Nur zwei Frauen habe ich im Orchester gesehen.

Noch nie ist mir die Orgel  – Beckerath opus 1, Walcker-Prospekt (ursprüngliche Walcker-Orgel verschollen)  – in der Laeisz-Halle aufgefallen. Früher war ich so ausschließlich Pianistin, dass mir eine Orgel nicht mal dann aufgefallen ist, wenn sie direkt vor meiner Nase war: Damals für mich starre, kalte Pfeifen, Deko, kein Instrument. Das ist nun ganz anders.

Ich wurde heute schon früh aus den Federn geworfen, weil ich Mendelssohns Verleih uns Frieden gnädiglich und Hör mein Bitten an der Schuke-Orgel mit Chor spielte.

Was ist Poesie? Originalität? Flatternde Farben? Was ist gekünstelt? Poesie kommt aus dem Unbewussten. Sie darf nicht tüchtig, nicht durchgeführt sein. Denn will ich wirklich von jedem verstanden werden? Nicht das Talent macht die Kunst, sondern Charakter. Unter all dem gewöhnlich Ordinären sticht Bach hervor. Beginnt alles Große mit dem ABC? Nicht eher mit BACH? Alles andere sind unmusikalische Buchstaben. Dornige Worte.

Nicht empfehlen kann ich den Film Gigi. Es gibt kaum Werte in diesem “Musical”. Es wird Oberflächlichkeit vermittelt. Die Rolle der Frau wird von Männern auf manipulative Art und Weise auf Spielzeuge für deren Amüsement festgelegt. Und das 1958. Der Film wurde neunmal für den Oscar damals nominiert. Von Männern natürlich. Ein Film, in dem Mädchen und Frauen maximal auf drollige, naive Häschen reduziert werden und als Entertainment fungieren. Der Film ist ein Paradespiel von normalem Sexismus, der so normal ist wie kalter Kaffee oder Tee zum Frühstück.

Nicht empfehlen kann ich das IntercityHotel Dammtor. Es ist viel zu weit weg vom Bahnhof Dammtor, als dass es sich IntercityHotel nennen könnte.

Ich mag immer noch die Nivea-Creme. Ich habe sogar eine mit der Elbphilharmonie abgebildet auf dem Deckel.

13. Februar 2020

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Viel langsam üben. Dann kurz schnell üben. Dann wieder viel langsam üben. (Itzhak Perlman)

Was brauche ich eigentlich alles Schönes zum Üben? Gespitzte Bleistifte, Spitzer, Tesafilm, über den man drüber schreiben kann mit Bleistift und Buntstift, einen gemütlichen, wolligen, warmen “Hausanzug” oder Schlafanzug, Pulswärmer, Tee, Kaffee, Schere und ein Kopiergerät, wenn man Noten zurechtschneiden muss wegen Blättern etc., bequeme Orgelschuhe und Socken, Metronom, Uhr, Notizbuch, Kerze, Zeit, einen nahen Ort, wo man sich gleich kurz hinlegen und ausruhen kann, einen Plan. Und da ist ein Berg von neuem Repertoire. Waiting. Heute aber war ich etwas kränklich. Ich liebe die Trio-Sonate d-Moll, sie liegt mir, und ich freue mich, dass sie kein Buch mit sieben Siegeln ist oder eine Reihe von Dogmen, sondern wunderschöne Musik. Ich freue mich auf mein Konzert in Heilig Kreuz Würzburg am 1.März. Der Klang dort ist einfach fluffig.

Den Fim Johannes-Passion von Hugo Niebeling (ArtHaus) kann ich nicht empfehlen. Es ist für mich unerträglich, Bachs Musik (unglaublich gut interpretiert) als Hintergrundmusik zu missbrauchen. Es ist für mich Blasphemie, wenn geprobt wird, wie und wo Jesus am Kreuz hängen soll und wie er aussehen soll (mit welcher Perücke), während im Hintergrund die Chöre mit Inbrunst die Johannes-Passion singen. Noch dazu ist Jesus hier so schlecht geschauspielert, dass er fernab der Bibel wird: Cholerisch, stolz, eigensinnig, laut, glatzköpfig, nur menschlich-männlich. Damit ist der Sinn des Passion verfehlt. Bachs Musik ist so gut, dass man hierzu auch Hund und Katz filmen könnte, aber ich brauche diese Ablenkungen nicht. Ich möchte die Musik hören. Und nicht davon abgelenkt werden. Schon gar nicht von schlechten Versuchen, daraus ein Musical zu machen. Wenn es wenigstens gut gemacht gewesen wäre…

Nach dem Konzert Marktkirche Wiesbaden

10. Februar 2020

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Musik überhaupt ist für Kenner. Und es sollte jeder ein Kenner sein. (N. Harnoncourt)

Der Klavierabend im Großen Saal Petrus-Gemeindehaus Heilbronn, evangelische Kirche Böckingen (neobarocke Plum-Orgel), war sehr schön und gut besucht. Ein kleiner Bechstein. Das gläubige Kantoren-Ehepaar Astfalk ist einfach spitze, Bettina und Thomas. Super Künstlerbetreuung. Ich habe mich wohl gefühlt.

Ich spielte Chopin, viel Beethoven, Bach, meine eigenen Stücke, erzählte etwas über mein Leben und das der Komponisten, sang auch meine Lieder.

Klavierabend ev. Kirche Heilbronn-Böckingen

Böckingen ist ein wichtiger Stadtteil Heilbronns und sehr eigenständig.

Das besondere Geschenk war, dass ich morgens im Gottesdienst in Bad Wimpfen an der historischen wunderbaren Ehrlich-Orgel mit ihren 1363 Pfeifen spielen durfte. Das habe ich erst gestern Abend erfahren und war sofort Feuer und Flamme. Ich habe schon von dieser Orgel gehört und brenne für wundervolle historische Orgeln. Ich bin sofort mit der Orgel gut zurecht gekommen. Viele sollen wohl erst mal dran “baden gehen”. Aber ich hatte gleich eine gute Verbindung. Vielleicht durch Schnitger und Walcker Hoffenheim, Gabler Ochsenhausen und Klosterkirche Maihingen. Ich mag die süddeutschen und auch die alpenländischen Orgeln, die aus Wien und aus dem Allgäu…

Was ist das Besondere an dieser Ehrlich-Orgel von 1747/48? Sie ist sinnlich, empfindsam. Es ist zunächst der Raum. Die Akustik ist wie Samt und Seide. Die Akustik an sich besitzt schon Obertöne: Sie ist brillant im Diskant und abgefedert und gehalten in der Mitte und in den Tiefen. Mitten hinein in diese wundervolle Akustik klingt dieses Juwel, die Orgel von Johann Adam Ehrlich, niemals zu laut, selbst wenn alles gezogen ist, und sie füllt die große Stadtkirche Bad Wimpfen. Ihre Obertöne mischen sich samtig, perfekt aufeinander abgestimmte Farben, ein Klang voll kerniger und sanfter Brillanz in einer Akustik aus Samt und Seide. Mit der fauchenden Gambe. Mit der schönen Zunge im Pedal – klingend, als hätte die Orgel viele unsichtbare Zungen. Die sie ja eben nicht hat, aber sie “kompensiert” sie mit ihren Farben. Die Kirche und auch der Ort sind ebenso wertvoll, die Wandmalereien mit den Aposteln, Altar, Gewölbe, Fresken und Decke, die weißen Musikerengel an der Orgel.

Es tönt so, als hätte das Plenum im Hauptwerk oben einen Sechzehn-Fuß im Prinzipal. Jedoch auch das wird durch Farben erwirkt, also den Eindruck geweckt. Den geschmackvollen Eindruck von vielen Zungen und Sechzehnfüßen, die gar nicht da sind. Auf diese Weise wird die kleine Ehrlich-Orgel sehr groß. Ein Klang-Wunder. Ein süddeutscher Diamant.

Vollkommen klingen hier Pachelbel, Steigleder, Muffat, Kerll, Froberger, Knecht, Krebs, Böhm, Zachow, Vogler, aber auch Sweelinck und Bach. Das Pedal ist sehr angenehm, auch wenn der Umfang manchmal gerade etwas zu klein ist, beispielsweise für Bachs Trio-Sonaten.

Das Unterwerk besitzt eine warme, helle Flöte. Durch die Kälte heulte das Hauptwerk zunächst etwas, und die Tasten sind in der Mitte aufgewölbt.

Es gibt dort ein kleines Büchlein namens Störungsprotokoll, das noch ganz frisch ist, und in dieses kann man eintragen, was einem aufgefallen ist. Das um diese Jahreszeit die Zunge verstimmt ist, muss man nicht notieren, das ist normal. Man muss diese Orgel einfach liebhaben! Ich freue mich, dass ich als bisher einzige Frau auf der Webseite zum Orgelverein zur Orgel zitiert werde. Orgelverein Bad Wimpfen

Auch die große, rote Ehrlich-Orgel in der katholischen Dominikanerkirche Heilig Kreuz ist eine Pracht in perfekter Akustik, vielleicht sogar noch wertvoller, noch stimmiger – wenn sie nicht lieblos kaputt-restauriert worden wäre von einer Firma, die daraufhin pleite ging. Es würde um die 600.000 € kosten, diese Orgel wiederherzustellen. Diese Summe ist nicht groß. Es muss möglich sein, dieses Geld für diese wundervolle Orgel aufzutreiben. Und dann: Orgelbau Rensch? Oder eine andere wundervolle Firma in der Nähe?

Ich bewundere, mit wieviel Sorgfalt und Liebe der Orgelverein vor Ort sich um diese beiden Orgeln kümmert gegen alle Widerstände. Im Dezember spiele ich dort ein Konzert: Ein festliches Weihnachtskonzert mit Kerzen, am 26.12. – Gott ist voller Überraschungen. Noch 24 Stunden davor wusste ich von all dem nichts.

Ich sehe schon, mein Tourblog wird manchmal zum Orgelblog. Am 11. Juni spiele ich wieder Klavier in Heilbronn, in der Harmonie (Stadthalle).

3. Februar 2020

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Die Musik wurde nicht nur als Pflanzstätte nationaler Gesinnung, sondern auch als Kunst für sich eine Macht im deutschen Volksleben, die bewies, dass dieses unser Volk musikalisch begabt ist und musikalisch empfindet. (Theobald Ziegler, 1846)

So etwas wäre heutzutage nicht möglich zu sagen. Nationale Gesinnung ist in Deutschland etwas sehr Schlechtes geworden.

Sehr empfehlen kann ich den französischen Film Das Konzert, wenn er auch eher ein Märchen ist. Aber: Moralisch. Witzig. Sehr berührend. Es handelt im Grunde darum, seiner Berufung und seinen Menschen treu zu bleiben. Egal, was passiert. Am besten ist: 1:22:10-05 (also im Grunde die zwanzig Sekunden hier).

Mein Tipp für heute: “Verhandeln ist wie Fahrradfahren. So etwas verlernt man nie”. Selbst Beethoven war ein Businessmann. Also: Kapriziös sein.

Verliebt habe ich mich in Bach BWV 688.

Ich finde es schön, durch die Orgel all die Komponisten vor Bach intensiv kennenzulernen: Sweelinck, Froberger, Muffat, alles inspirierende, wichtige Musik mit eigener Tonsprache.

Nicht empfehlen kann ich den Film Mahler von Ken Russell, denn mir kommt der Film zu abstrus vor. Ich glaube, der arme Mahler sollte hier einen Touch von John Lennon bekommen, verheiratet mit Agneta oder Frida von ABBA. Bedenklich finde ich auch den Film Händel. “Es gibt in Händels Leben keine Bett- und Klatschgeschichten und er war nicht verheiratet, was hatte er also zu verbergen?” Was ist das für eine Schlussfolgerung? Händel ist zwar niemand, den ich besonders bewundern würde, ich vermisse die Tiefe und Spiritualität in seiner Musik, wie ich bei Bach vorfinde, zudem hat er verpasst, Bach zu begegnen… aber ob er nun homosexuell war oder nicht, spielt für mich keine Rolle. Wie kann man da auf “Spurensuche” gehen, wie sein Sexleben war? Bewundernswert finde ich, dass er ein Kämpfer war, und dass er als Lutheraner nicht aus Erfolgsgründen katholisch wurde und nicht Lakai, sondern frei. Er war wohl “fame-geil”, wie manche sagen würden, aber er hatte auch seine Talente, vornehmes Leben anzuziehen. Seine Gönner wurden jedoch manchmal seine Gegner.

Seltsam finde ich viele Semi-Professionelle: Auf der einen Seite hatten sie nie den Mumm, Musik zu studieren, geschweige denn, davon zu leben. Sie haben irgendwo einen “sicheren Job”, beispielsweise als Steuerberater. Und am WE spielen oder singen sie umsonst! Und brüsten sich noch damit. Sie haben gar kein Herz für professionelle Musiker.

30. Januar 2020

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Was ist wohl schöner, als die eigenen Gefühle in Töne zu kleiden? Welcher Trost in trüben Stunden, welcher Genuss. (Clara Schumann)

Meine Mozarts beginnt zu grooven.

Das Wichtige an der Orgel:

Man regelt den Klang über Zeit, nicht über Gewicht. Armgewicht. Am Flügel aber breite ich meine Arme aus. 

Klang über Zeit?

Also die Längen der Töne in ihren verschiedenen Tempi und Eigenarten.  Man muss bei der Orgel die Töne immer noch orten können, sonst ist da nur Geräusch. Anders als am Flügel. Also nicht zu kurz.

Ich fange an, das Drehen an der Orgel (das Pedaldrehen) zu mögen. Es ist nicht mehr seltsam und unangenehm.

Ich singe an der Orgel, aber nüchterner. Töne nicht wegrupfen. Das Pedaldrehen, die Knie, das Aufrichten, die Organisation der Längen machen zusätzliche Bewegungen, die vom Klavier her normal sind, wie vor allem meine Ellenbogen, die sich für den Klang wie Flügel ausbreiten, unnötig. Flügel ausbreiten mache ich am Flügel.

Es tut gut, nach dem Üben zu entspannen, ich mag Feldenkrais und Atmen und in meinen Körper spüren. Die Orgel schenkt ein anderes Körpergefühl. Ich bin dankbar für die guten Helfer und Trainer, die ich habe.

Wenn ein großer Führer sein Werk vollbracht hat, sagt das Volk: Wir haben alles selbst getan. 

28. Januar 2020

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Eben sehe ich, dass Ehe eine sehr musikalisches Wort ist und zugleich eine Quinte. (Schumann an Clara)

Weil Liebe ein süßer Ton ist und ein Klang, den wir brauchen?

Anbei das Interview mit mir im SR Kulturradio (Saarländischer Rundfunk Mediathek):

Interview über Beethoven im Saarländischen Rundfunk SR2

Einige haben mir letzte Woche beim SR und SWR gesagt, dass ich eine wunderschöne Sprechstimme habe, eine Melodie in der Stimme, dass ich Hörbücher sprechen sollte, und einen besonderen Klang am Flügel habe. Ich suche meine eigenen Klang-Schwingungen und fühle, dass es wie beim Singen ist: Ich empfinde das Öffnen des Ventils, kontrolliere die Luftzufuhr. Das Singen ist ein Register, während ich bei der Orgel eine Klangwelt von vielen Registern mit Luftstrom zu versorgen habe. Beim Spielen und Singen öffne ich die Rückseite meines Körpers, die Flanken, den Nacken. Das Relaxen hinten und an den Seiten kommt von unten, von meinen Füßen, von der Erdung. Ich stoße mich von unten ab. Nun kann die Energie und die Luft durch meinen Körper fließen. So auch in Bachs Musik an der Orgel und am Flügel. Die Ordnung und die Erdung liegen im Generalbass, richten sich von hier aus auf. Ich muss meinen Hals, meine Kehle und meine Handgelenke nicht festhalten, den Klang nicht drücken, den Schwung nicht lähmen, um Volumen zu erhalten.

Es ist schön, wenn das Leben fließt. Jemand sagt Z und ein anderer ergänzt zum Z ein A und wiederum eine andere fügt an ZA ein B hinzu oder ein Y. Alles wird wie ein großer, schwingender, schwerer Reifrock. Das Leben ist ein Reifrock. Von unten her ein Kreis, ein Strömen. Gerade habe ich noch privat etwas gedacht, und jemand spricht die Ergänzung aus, als hätte Gott eine Antwort auf mein Denken. Und so ist es auch. Gott hört mein Denken. Er kennt mein Denken.

Ich freue mich, dass ich nun einen offiziellen Künstler-Kanal auf YouTube habe, das bedeutet, dass der CD-Kanal von Naxos und Hänssler Classic mit meinen CDs mit meinem persönlichen Musikkanal verschmolzen wurde: Offizieller Youtube-Kanal Ann-Helena Schlüter

“Wie kann ich jemals deine Art begreifen? Du hast die Macht, doch du missbrauchst sie nicht. Du lässt die Freiheit langsam in mir reifen, und ich gewöhne mich allmählich an dein Licht.” (Johannes Nitsch über seine Beziehung zu Jesus)

Beckerath-Orgel Saarbrücken

27. Januar 2020

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Die Welt muss ich verachten, die nicht ahnt, dass Musik höhere Offenbarung ist als alle Philosophie. (Ludwig van Beethoven)

Andacht oder Tanz, so beschreibt Goethe Musik. Für mich ist sie beides gleichzeitig. Der Tanz ist das Kind der Musik und der Liebe. Ich habe Ohrwürmer von den Beethoven-Orchesterwerken dieser Woche, als hätten sich diese in mich eingebrannt. Es ist sehr schön, Klavierkonzerte mit Orchester zu spielen, und es hat auch seine Vorteile, solo zu spielen. Aber mit Orchester: Dass der Flügel ein verselbständigtes Individuum ist, habe ich umso mehr erkannt. Ein Klavier nimmt seine eigene Rolle im Gesamtgeschehen ein. Es erkämpft sich seinen Freiraum in einem ideologischen System. “Aber ich kann den Geist der Musik nicht anders fassen als in Liebe” (Richard Wagner).

Ein Vermittlungskonzept ist für mich etwas enttäuschend, wenn es um Show und Selbstdarstellung des Moderatoren, der Moderatorin geht, zumal dies auf Kosten der Musiker hinausläuft: Mir wurde in die Musik geredet, der Klang-Deckel zugeklappt mitten im Spiel, Stücke verkürzt, mein Name sollte verändert werden in Richtung Elise, wogegen ich mich wehrte, und musste Dinge sagen, hinter denen ich nicht stand, und zwischendurch spielen – nicht für Beethoven oder für die Kids, sondern ich musste mich für die Moderatoren “zum Affen machen”, oder besser: Es wurde über mich und den Flügel verfügt als wäre ich eine weitere Requisite auf der Bühne. Die Moderatorin wollte den Flügel aus der Mitte in die Ecke verbannen, was die Orchesterwarte verhinderten. Ich glaube, meine Ideen sind besser, denn die Musik sollte im Mittelpunkt stehen. Die Diskrepanz zwischen der Schönheit der Musik und dem Theater darum herum war für mich nicht leicht zu ertragen. Die Vermittlung deckte sich nicht für mich mit der Realität hinter der Bühne. Wäre Beethoven nicht davon gelaufen vor diesem Konzept? Ich schämte mich Beethoven gegenüber. Auch der verkleidete Beethoven war für mich das Klischee pur: Der wirre, griesgrämige Beethoven in Perücke. Nicht die Kinder vermitteln verlorengegangene Kultur, sondern in meinen Augen die, die solche Konzepte “hervorragend” finden oder verlangen. Offensichtlich waren die Konzepte früher ganz anders und besser. Man muss sich erst kennenlernen, wie weit man zu gehen bereit ist. Ich bin gespannt, was das Filmteam aus Tokio daraus gemacht hat.

Klautern und Saarbrücken… Leider hatte ich keine Zeit, die Orgeln in Kaiserslautern kennenzulernen. Aber vom Hotel SAKS am Stiftsplatz aus konnte ich oben im schönen Spa-Bereich in der verglasten Dach-Sauna die Stiftskirche und die kleine Skyline der Stadt sehen als warmen Kontrapunkt zur Kälte der Kirche. Ob es stimmt, dass katholische Kirchen um zwei Grad kälter sind als evangelische Kirchen? Christkönig war kalt, die Basilika jedoch angenehm warm. Es ist interessant, mit anderen Organisten und Musikern über PR zu reden. Das Frühstück im Hotel Leidinger Saarbrücken fand ich übrigens viel besser als im SAKS Kaiserslautern, dafür haben die einen Spa-Bereich.

Ich habe die flockigen, flauschigen Flöten der Schuke-Walcker-Orgel noch im Ohr, wie Kolibris, dazu die klagenden, sanften Zungen, die blubbernden Solostimmen, waldromantisch, die tiefen Stimmen ehrwürdig und gutmütig, die gelassenen und ausgelassenen Prinzipale, elegische Streicher, die wie in einer Gondel schweben. Tapsige Klänge, Pfeiler-Klänge, Signalfarben, bewegliche, durchdringende und strahlende Klänge, alles verbunden.

Sehr empfehlen kann ich den Zoo Saarbrücken. Da es Mittagszeit war, konnte ich die Fütterungen der Pinguine, der Schlangen, der Seehunde und der Giraffen beobachten. Sehr gefiel mir das Tier “Das wandelnde Blatt”. So etwas habe ich noch nie gesehen. Es fraß. So auch die Lisztaffen mit ihren empörten Gesichtchen. Sehr eindrücklich war meine Begegnung mit einer Giraffendame. So nah war ich noch nie an einer Giraffe. Sie betrachtete mich neugierig, verdutzt und schüchtern mit ihren warmen, mandelförmigen, riesigen, dunklen Augen. Nur ein schmales Gatter war zwischen uns. Ich war aus Versehen auf einen verbotenen Weg abgebogen.

Mir gefielen auch die Heu kauenden Tapire. Der ganze Zoo futterte. Natürlich war ich auch im Streichelzoo bei den Ziegen, auch wenn gewisse männliche Zungen fragten, ob dies ein “Verwandtenbesuch” sei, und “so eine Spezies wie mich hätten sie noch nicht angetroffen”. Die tanzenden Seehunde und schnatternden Pinguine gefielen mir.

Ich muss meine Meinung von Frauen und Männern etwas revidieren. Frauen sind zwar weniger bedrohlich, aber sie können genauso gemein sein, so dass das Ergebnis recht identisch ist. Das Problem ist, dass sehr viele Frauen nicht wie Männer zusammenhalten. Es ist zu wenig Zusammenhalt unter Frauen da, sondern das ewige Kreisen um den Mann. Viele Frauen tendieren im Ernstfall dazu, sich an Männer zu halten. Frauen trauen Frauen nicht. Wie fatal. Es sind die Hormone, die Frauen vorgaukeln, bei Männern sicherer zu sein. Frauen agieren aktiv hintenrum gegen andere Frauen. Männer lügen meist aus Feigheit und Bequemlichkeit, aber Frauen lügen aus Angst, weil sie sich an die Welt der Männer anpassen und diesen gefallen wollen. Das Ergebnis ist leider gleich schlecht. Vernunft und Erkenntnis können über Hormone siegen. Höfliche, nette, schmeichelnde, charmante Männer bieten genauso wenig Sicherheit wie arrogante, abstoßende, gefährliche. Wie lange missbilligen Frauen sich gegenseitig noch immer aufgrund von Illusionen?

Ich mag die Orchesterwerke von Genzmer.

Nicht sonderlich empfehlen kann ich den Roman “Jesus liebt mich”. Er ist zwar lustig auf den ersten 20 bis 30 Seiten, flacht dann aber aus meiner Sicht sehr ab und wird dümmlich. Außerdem hat das Buch so eindeutig ein Mann aus der Pseudo-Sicht einer Frau geschrieben, dass ich mich überhaupt nicht identifizieren kann. Vielleicht wären Frauen aber gern so cool wie dargestellt…

SWR-Studio Kaiserslautern