Seuffert Orgel Heilig Kreuz Kirche Lauda Königshofen Gerlachsheim
kath. Pfarrkirche Lauda Königshofen Gerlachsheim (1730)
Orgelbauer:
Philipp Seuffert (Würzburg) / Vleugels
Baujahr:
1730 / 1754 / 1988
Datum des Erstbesuchs:
August 2026
Disposition und Spielhilfen
Historische große Barockorgel Johann Philipp Seuffert Vleugels Orgel kath. Hl. Kreuz Klosterkirche in Lauda Königshofen Gerlachsheim, Taubertal, 2 M, 30 R, über 1700 Pfeifen
Die historische prachtvolle Johann-Philipp-Seuffert-Orgel mit neunachsigem Prospekt in der Pfarrkirche Hl. Kreuz im Stadtteil Gerlachsheim (Lauda-Königshofen) wurde im Jahr 1730 vom Würzburger Hoforgelmacher Johann Philipp Seuffert erbaut. Das barocke Meisterwerk besitzt heute 30 Register auf zwei Manualen und Pedal und wurde von der Orgelbaufirma Vleugels umfassend restauriert. Sie wird von Vleugels betreut.
Allerdings fügte Vleugels 1988 ein zweites Manual hinzu und erweiterte die Orgel.
Für mich sind die fränkisch-schwäbischen Orte an der Grenze im Main-Taubertal noch alle Franken.
Die barocke Orgel mit flankierenden Pedalladen in dieser ehemaligen Prämonstratenser-Propstei-Klosterkirche zählt zu den wertvollsten Orgelschätzen in Süddeutschland. Sie hat mechanische Schleifladen.
Die ursprüngliche barocke Farbfassung des Gehäuses wurde in den Jahren 1984 bis 1985 freigelegt und gesichert.
Die große Orgel besitzt lebensgroße Engel, die auf dem Gehäuse musizieren; Wappen und Schmuck.
Die Heilig-Kreuz-Kirche mit ihren Muschelnischen an der Außenfassade gehört heute zur Seelsorgeeinheit Lauda-Königshofen, die dem Dekanat Tauberbischofsheim des Erzbistums Freiburg zugehörig ist.
Auch die Sakristei ist mit reichem Rokoko-Schnitzwerk ausgestattet.
Die rotgelbe Gerlachsheimer Kirche ist eine barocke Pfeilerbasilika mit Haupt- und Querschiff, zwei Seitenschiffen; Zwiebelhauben.
Die gepflegte helle Kirche, innen cremig weiß, gelb und saniert, besitzt eine wertvolle Rokoko-Kanzel von 1788 mit Schalldeckel, ein fünfstimmiges Glockengeläut von 1950, viel Stuck, Altäre von 1739 und große Deckengemälde.
Unter der Orgelempore befindet sich ein wunderschöner Windfang.
Seit 2018 dient das Kloster als Bürogebäude.
Die Disposition ist hier zum ersten Mal im Netz.



Links
1 Salicional 8 Baß II
2 Spitzflöte 4 II
3 Waldflöte 2 II
4 Coppel 8 II
5 Tremulant I
6 Tenoroctav 4 P
7 Gedacktbaß 8 P
8 Subbaß 16 P
9 Salicional 8 Diskant II
10 Fugara 8 II
11 Pifaro 8 II
12 Quintatön 8 II
13 Flageolet 2 I
14 Querflöte 4 I
15 Flöte 8 I
16 Bourdon 16 I
Rechts
17 Principal 8 II
18 Quinte 2 2/3 II
19 Cornet 3f. II
20 Cymbel 2f. 1/3 II
21 Mixtur 4f. 1 1/3 I
22 Viola 4 I
23 Gamba 8
24 Gedackt 8
25 Octav 4 II
26 Superoctav 2 II
27 Mixtur 5f. 1 3/5 II
28 Clairon 4 I/P
29 Trompete 8 I / P
30 Posaune 16 P
31 Principalbaß 8 P
32 Contrabaß 16 P








Sehr schön ist das geteilte Salicional im oberen Vleugels-Manual. Schön ist auch die Tenor-Octave 4 im Pedal, die Querflöte 4 im M I und ebenso der Bourdon 16 im Manual I.
Die Koppeln sind Pistons (Normalkoppeln).
Die größte Pfeife ist hier der Contrabaß 16′ mit ca. 5 m (Frequenz 33 Hz); die kleinste Pfeife ist die Cymbel 1′ mit ca. 1,9 cm ohne Fuß (Frequenz 8448 Hz).
Klang und Akustik

Die Akustik ist brillant und vokal. Es war sehr schön, hier auf der Hochzeit zu spielen.
In der Grotten-Kapelle vorne geht das Licht um Maria an, wenn man ihr näher kommt.
Die Registerzüge sind aus Ebenholz gedrechselt, mit Porzellanplättchen handgeschrieben. Die Registertraktur besteht aus Eisen und Eiche. Die Seuffert-Pfeifen sind 1007, darunter 38 stumme Prospektpfeifen. Die Vleugels-Pfeifen sind 702 Pfeifen.
Persönliche Note

Wenn man so eine stattliche, mächtige, kühne Barockorgel sieht, in so einem kleinen Ort, staunt man; wenn man jedoch oben ist und den modernen Spieltisch entdeckt, ist man doch etwas enttäuscht.
Ich habe oben etwas ganz anderes erwartet: einen rekonstruierten barocken Spieltisch: Dies ist nicht der Fall leider. Das betrübt das Prachtstück. Für mich ist dadurch nicht mehr ganz klar, was original ist an Disposition und Klang.
Das Instrument besitzt wunderschöne Zungen, Flöten, Tremulant. Wie die Orgel aber original geklungen hat, das hätte mich interessiert.
Der Orgelbauer Johann Philipp Seuffert stammte aus einfachen, bäuerlichen Verhältnissen und arbeitete sich hoch zum Würzburger Hoforgelmacher.
Er machte seine Lehre bei Johann Hoffmann (1600-1725), dessen Orgeln ich auch schon gespielt habe, zum Beispiel in Arnstein, Oberzell und Fulda. Der Würzburger Hoforgelmacher Hoffmann ist nicht zu verwechseln mit Ostheimer Firma Hoffmann aus der Rhön.
Johann Hoffmann starb 1725 in Würzburg. Er begründete die Würzburger Orgelschule, das mainfränkische süddeutsche Erbe.
Besonders wichtig waren ihm hierbei die eng-mensurierten Streicherstimmen wie die Gambe. Ich liebe schöne Gamben-Sounds, die es ja nicht immer gibt.
Der junge Seuffert ging auf Wanderschaft nach der langen Lehre (6 Jahre) und lernt viel über Klang unterwegs, in Italien, Österreich und Ungarn besonders.
Seuffert und Hoffmann standen stets in enger Verbindung.
Die süddeutsche Orgellandschaft zeichnet sich durch prachtvolle kleine Instrumente in Barockkirchen aus. Je kleiner die Orgel, umso ausgewogener musste sie sein. Seuffert verkörperte den fränkisch-schönborn’schen Barock.
Andererseits sehr geehrte Musikkollegin ist obwohl die Spielanlage modern ist zu loben dass man versucht hat die historische Substanz in wie weit aufbewahrt an uns weiter zu vermitteln. Natürlich ist der historische Klaviatur an schönsten, jedoch muss man bedenken daß auch in Süddeutschland viel historisches Werk verlorengegangen ist während der Periode 1955 -2000!!
Ja, das stimmt!
Wunderbar ! Danke für deine Kirchenvermittlung und Dokumentation!