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Bachvermittlerin

24. September 2022: Ich sehe dich in tausend Bildern, Maria, lieblich ausgedrückt. (Friedrich von Hardenberg 1798, später als Novalis bekannt, ein junger Jurist: Ein evangelisches Marienlied)
 
Heute erinnere ich an Friederike Kempner, den sogenannten „schlesischen Schwan“, ein dichtendes „Fräulein“, wie man früher sagte. (Selbst ich wurde schon oft Fräulein genannt.)
 
Man verdirbt einen Menschen am sichersten, wenn man ihn anleitet, die Gleichdenkenden höher zu achten als die Andersdenkenden. (Nietzsche) Bestes Beispiel  .. na, ihr wisst schon.

Heute erinnere ich auch an Saliha Scheinhardt, türkisch.

 
Ich finde es wichtig, dass man an einer Orgel kantabel spielen kann, um klanglich inspiriert zu werden. Eine Orgel braucht also neben Gravität auch warme, sanfte, kantable Klänge.
 
Und erinnere mich sehr gern an Schloss Schönbrunn (Wien). Ich liebe Schlösser. Auch das Wasserpalais Schloss Pillnitz. Diese Schlösser Pillnitz haben etwas Japanisches. Es wurde Kunst von Chiharu Shiota ausgestellt. Der Bonbon-Teppich hat mir besonders gefallen. Ob es allerdings auch als Kunst aufgefasst worden wäre, wenn wir die Bonbons (die schrecklich geschmeckt haben) auf das ausgestellte Porzellan gelegt oder ausgespuckt hätten?
Die Parkanlage Großsedlitz war das Schönste. Auch das Coselpalais gegenüber der Frauenkirche hat mir gefallen. Und der Kuppelaufstieg. Die Kirche ist 92 Meter hoch. Die Aussichtsplattform liegt im Wind. Mit mir und Mount Everest – hm. Nee. Leider. Oder? Von oben sieht man das Rathaus, den Kulturpalast, den Zwinger, die Brücken. 
 
Ob ich bald wieder Down Under reisen und mal den Ayers Rock bewundern kann?
 

Die Kunst der Zukunft

Abends lese ich „Die Kunst der Zukunft“. Aus dem Kunstmuseum Dresden. Es geht um „den Traum einer kreativen Maschine“. Ich bezweifle, dass Maschinen wahrhaft kreativ sein können. Ich träume auch nicht davon. Das muss ein maskuliner Traum sein. Dass der Geist eine Maschine sei – das lehne ich ab. Weder eine Künstlerin noch das Universum sind eine Maschine. Großkonzerne, Massen, Maschinen, Big-Tech-Welt, Geld – das ist eben der Traum gewisser Männer. Feminine Kunst ist jedenfalls davon ausgenommen.


Ich schätze die Freigeisterei. Dass Maschinen frei und kreativ sind, glaube ich nicht.

Es ist allerdings eine spannende Frage, ob eine Glühbirne, ein Herd nicht Kunst seien.

Kunst ist nicht Selbstbefriedigung oder Selbsterlösung. (AHS)

 
Von Rauterberg stammt auch „Wie frei ist die Kunst?“
 

Wie frei ist die Kunst?

Es geht um Kunstfreiheit – vs Zensur und Gleichberechtigung? Hanno Rauterbach beherrscht perfekt die passive, indirekte Sprache und das Schreiben „vom Menschen“, das verschleiert, dass es um männliches „Kunstverständnis“ geht gegenüber moderner femininer Minderheit. Es ist für manche Männer schade, dass es nicht mehr so einfach möglich ist, frei nach Gutdünken sexistische „Kunst“ zu betreiben. 

 
Ich freue mich auf die wundervolle Bach-Orgel:
 
Ann-Helena Schlüter

Klais Orgel Heilig Kreuz Würzburg

Orgel-Information

14. September 2022

Im Unglück finden wir meistens die Ruhe wieder, die uns durch die Furcht vor dem Unglück geraubt wurde. (Marie von Ebner-Eschenbach)

Heute erinnere ich an Caren Miosga, Fernsehmoderatorin, und an Laura Boldrini, Politikerin, Italien.

Femizide: Fakten

Ich bin erschüttert, wieviele Femizide es in Europa gibt. Es sind über 100 pro Jahr pro Land, auch in Deutschland: Männer, die ihre Frauen töten, besonders, weil sie sich trennen wollen. Wenn man diese mit Sex-Morden (Vergewaltigung, Menschenverschleppung) addiert, werden Hunderte Frauen pro Jahr pro Land von Männern ermordet, von der Dunkelziffer und von der weltweiten Situation ganz zu schweigen.

Dies ist ein sehr krasses Zeichen des immer noch stark existierenden Patriarchats. In Deutschland ist das Wort Femizid noch gar nicht etabliert bei Polizei und Justiz. Wen wundert es. Ermordung von Frauen sind in Europa die wesentlich größere Bedrohung als Terror. Terror-Morde sind um ein Vielfaches geringer: 7 zu 149 Femiziden pro Jahr!

Der tief sitzende Haß gegenüber Frauen ist enorm. Die Gewalt gegen Frauen ist um ein Zehnfaches höher als rechte oder linke Gewalt. Europa vertuscht diese Zahlen. Die Strafen sind in Deutschland lächerlich. Frauen in der Justiz haben nicht geholfen.

Erweitert: Orgel-Information Pomssen

Richter Orgel Pomßen (Pomssen) bei Leipzig

Pomßen

Kostbare, spätromanische Dorfkirche mit großem Westturm im Leipziger Land der Vereinigten Mulde: Die Wehrkirche in einem gepflegten Friedhof besitzt die älteste spielbare Orgel Sachsens und ist reich ausgestattet im Stile des Barock und der Renaissance unter der Herrschaft von Ponickau. Sie ist ein Zeichen europäischer, kulturhistorischer Kunst. Sehr schön ist das Schloss Pomssen mit dem Wappen der herrschenden Familie von Ponickau.

Engelschor, Loge, Renaissance

Die herrschaftliche, zweietagige Patronatsloge in der Wehrkirche an der Nordwand gehörte ebenfalls dieser Familie und wurde von ihr 1686 errichtet. Sie ist verziert mit Stuckarbeit und Bogenfenstern, nur vom Friedhof zu erreichen.

Die drei großen Glocken im Glockenstuhl wurden 1660 und 1685 als neues, prächtiges Geläut ebenfalls von Ponickau eingesetzt, von Johann Jakob Hoffmann aus Halle gegossen.

Das spätgotische Kruzifix steht leider hinten in der Ecke.

Wertvolle Epitaph, Sarkophag als Denkmäler, eine wunderschöne ocker-weiße Kassettendecke im Langhaus, barocker Taufengel, der älteste Teil ist die Taufkapelle mit  romanischem Taufstein.

Gegenüber der wertvollen Orgel steht der Renaissance-Altar mit der Heilsgeschichte Gottes.

Der Engelschor auf den sieben Feldern der Empore und den Flügeltüren: Die Engel spielen Harfe (Gemeine Harff), Fidel, Cello, Alt-Posaune, Bass-Pommer, Clavichord…

Älteste Orgel Sachsens

Gottfried Richter (1643 – 1717) aus Döbeln in Sachsen, Orgelbauer, Bürgermeister und Stadtrichter, baute die Orgel in Pomßen 1671, mit einem Alter von 350 Jahren Sachsens älteste spielbare Orgel. Wunderschöne Renaissance Orgel in einer weißen Dorfkirche (13. Jahrhundert), ca. 14 Jahre vor Bachs Geburt errichtet und geweiht.

Sie gehört zu den ältesten Orgeln der Region in Sachsen und Leipziger Land. Ein Manual mit 13 Registern und frühbarockem Klang. Die Orgel wurde erbaut 1671 durch G. Richter (Döbeln), restauriert 2006 durch Fi. Wegscheider, und besitzt einen wunderschönen Prospekt.

Leipziger Land

Die Kirche, von Schloss und Rittergut Pomßen geprägt, wurde nach einem Sturm 1660 leider beschädigte. Sophia von Ponickau gab den Auftrag, eine neue Orgel zu bauen, die sich bis heute erhalten hat, eine Orgel des Orgelbauers Gottfried Richter (1643 – 1717) aus Döbeln in Sachsen. Dieser hatte in Sachsen einige Orgeln gebaut. Von 1671 existiert die früheste belegte Disposition der Orgel, die ich während der Orgelakademie kennengelernt habe.

Die mitteldeutsche Orgel ist weiß mit weiß-gelbgoldenen, großen Flügeltüren mit Engeln, die musizieren (Engelskonzert), verzierte Pfeifen, vor allem die mittleren, Zimbelstern. Gelbverziert und dekoriert mit einem aufgeschlagenen Buch (Noten) ist auch der kleine, enge Spieltisch mit schwarzen Tasten.

Die Orgel steht perfekt angepasst auf der zweiten, runden Empore unter einer reich verzierten, flachen Kassettendecke (56 Kassetten). Auch die Brüstung um die Orgel ist voller Engel, die musizieren. Die gesamte Kirche ist weiß-gelb verziert und farblich ein runder Guss und eine Einheit wie eine Torte. Die Orgel und die Empore wirkt wie ein riesiges Porzellangeschirr. So schlicht die Kirche von außen wirkt, so reich verziert ist sie innen. Die Prospektpfeifen haben gedrehte Füße und vergoldete Labien, die Ober- und Unterlabien der Prospektpfeifen haben verzierte Kielbögen.

Der Taufstein der sehr alten Kirche mit dem breiten, quergestellten Turm stammt aus dem 15. Jahrhundert.

Bachkirche

Die Kirche ist für mich eine Bach-Kirche, denn: Am 6. Februar 1727 soll hier JS Bach seine Kantate “Ich lasse dich nicht, du segnest mich denn” aufgeführt haben, BWV 157. Er soll an der Orgel gesessen sein. Beweisen kann man das nicht.

Somit ist auch die Orgel eine Bach-Orgel, denn es gibt nicht viele historisch erhaltene Orte und Instrumente, an denen Bach war.

Der Glockengießer Johann Jakob Hoffmann aus Halle an der Saale baute die drei Glocken dieser Kirche.

Chris Watts – Analyse True Crime AHS. Was war passiert? Shannan Watts

9. September 2022: Manche Männer haben einen so dünnen Hintern, sie könnten keine Ameise gebären.

(AHS)

Die ganze Ausrichtung der Natur verweist auf eine Vorwärtsbewegung, auf ein höheres Leben. (Helena Petrovna Blavatsky)

Russische Schriftstellerin, 1831. Heute erinnere ich auch an Dorothea Schlegel, 1764. Kluge Frauen haben unsere Welt verändert, haben sie erst möglich gemacht, denn sie bringen das Leben. Männer dagegen bringen oft den Tod durch Krieg, Waffen, Haß und Egoismus.
Und erinnere an den von Nazis verfolgten Kölner Künstler Franz Seiwert (1894-1933). Sein Vater war Pfarrer, der ebenfalls von Nazis attackiert wurde.

Ich höre Werner Jacob an “meinen“ Silbermann Orgeln (alte Platten). Frischer als Wachowski, finde ich.

Platten sind soo viel besser als iTunes, Leute! Schallplatten it is ❤️ Das spontane Knacken, das Drehen, der warme Sound.

Foto: Riesenland Bad Sobernheim


Ich freue mich auf mein Konzert beim Heinrich-Schütz-Fest (350. Todestag).

Bouxwiller

Ich vermisse Bouxwiller. Warum?

Galant, monumental, majestätisch. 1968 hat Alfred Kern die Orgel von Jean André Silbermann (Sohn vom berühmten Andreas Silbermann) hier in Alsace, Frankreich „wiederhergestellt“, nachdem sie 1914 Opfer eines Umbaus wurde.

Der Prospekt ist reich verziert und denkmalgeschützt, Rundtürme wechseln sich mit Flachfeldern ab. Vor der Silbermann Orgel gab es hier eine kleine Baldner-Orgel von 1668, die nun in der katholischen St. Leodegarkirche in Buchsweiler steht und die ebenfalls sehr schön ist. Jean André befand sich beim Umbau auf dem Höhepunkt seiner Karriere.

2015 restaurierte Quentin Blumenroeder aus Haguenau die prächtige Orgel. 

Besonders mochte ich die Voix humaine und die warmen Montre und die Farben des Rückpositiv. Und die wunderschönen Zungen. Die Bank ist recht hoch und unbequem, aber man gewöhnt sich daran. 

Die Kanzel ist aus den Jahren 1579 und 1614, ein Kunstwerk aus Sandstein, mit spätgotischen Figuren (Engel, Löwen). Die Renaissance-Säule, geschmückt und mit Geländer im spätgotischen Stil; der Altar ist von 1914, die 27 Tafeln mit Szenen aus der Bibel sind denkmalgeschützt.

Die ursprünglich gotische Marienkirche wird nach der Reformation 1544 evangelisch als eine der ersten Kirchen im Elsass.

Wie immer hoffe ich, mit diesem Blog die Richtigen zu erreichen. Ich möchte meine Reichweite dazu nutzen, auf bestimme Dinge aufmerksam zu machen. Eure Ann!

Neu: Bouxwiller Silbermann Orgel

7. September 2022: Ich sehe und höre ein Mixtürchen. (AHS)

Die Ausübung der Kunst ist ein großer Teil meines Ichs, mehr als die Luft, die ich atme. (Clara Schumann)

Heute erinnere ich auch an Berthe Morison, Malerin 1841, die das gleiche sagte, an Marianne Bachmann und an Elisabeth von Braunschweig-Wolfenbüttel, die „prominenteste Schülerin“ von Heinrich Schütz.

Foto: Silbermann Orgel Strasbourg

Ich höre die Platte Schreier und Richter mit Schemelli.

Den Witzemann Heinz Erhardt (eine alte Platte, geschenkt bekommen) finde ich nicht witzig. Ich verstehe nicht, wie andere Frauen darüber lachen können, wenn ein Mann Witze über Frauen macht. So war das früher, früher war das normal. Manchmal denke ich, der Grund, warum Leute Komödianten mögen ist, weil sie ansonsten nicht genug lachen.

Schön: Albert Schweizer findet es schlimm, wenn man sich „sterbende Blumen“ (= Schnittblumen) als Dekoration ins Zimmer stellt. „Wie kann man sich an sterbenden Blumen erfreuen?“ Leider kann ich das auch, teilweise. Obwohl ich lebende Blumen noch viel schöner finde.

Wenn mich Leute beobachten, wie schnell ich (immer nur mit dem linken Daumen tippend) ins iPhone schreibe, sind sie verblüfft.
Ich habe viele Linkshänder-Tendenzen.

Interessant ist Keplers Mysterium cosmographicum: Auf der Suche nach der Harmonie der Welt.

Harmonie der Welt seit 1595

Die Bibel, aber auch der heidnische Goethe berichten von singenden Planeten, von der Harmonie und den harmonischen Proportionen im All. Als erster versuchte Kepler, dies um 1590 zu ergründen. Wo Heiden von „Mutter Natur“ sprechen, von „Göttern“ usw. – sprechen gläubige Musiker wie Heinrich Schütz von der Harmonie in Gottes Welt.

Heinrich Schütz ist viel gereist. In allen Städten und Orten, wo er war, war auch ich, außer in Telgte und Teplitz.

Schütz wurde 87 (!) Jahre alt und starb in Dresden nach einem Schlaganfall. Ich möchte 129 Jahre alt werden. Ich war übrigens eine Hausgeburt – zu einer Zeit, in der es maximal ein Prozent Hausgeburten gab. Mittlerweile sind es zwei Prozent.

ps: im Papierkorb meiner Webseite liegen Zehntausende von Kommentaren, die ich nicht freischalte, weil sie meistens …. nun ja, dämlich sind. Ich hoffe, mein Blog wird von klugen Menschen gelesen, von Menschen, die mich verstehen. Das ist meine Hoffnung und Zielgruppe. Hallo, ihr da draußen, gibt es euch? Wie geht es euch? ❤️

Neu: Pachelbel – Praeludium, Ladegast Orgel Braunsbedra bei Merseburg – dramatisch, wild

25. August 2022: Orgelvermittlerin. Unsere Ohren wieder auf 0 kriegen. (AHS)

Es ist unmöglich, in die Sonne zu schauen, ohne dass das Angesicht hell wird. (Friedrich von Bodelschwingh)

Heute erinnere ich an Elisabeth Lutyens, Komponistin. Sie wurde geliebt, verhöhnt, geehrt.

Es ist erschreckend: Immer mehr Mädchen wollen Jungs werden. Was sagt das über unsere Gesellschaft aus?

1992 wurden Petra Kelly und Gert Bastian tot aufgefunden. Es hieß „Doppelselbstmord“, obwohl er sie erschossen hatte im Schlaf – und dann sich. Es war also ein Femizid.
Wie oft wurde ein Femizid nicht richtig benannt? Tötete ein Mann seine Frau, hieß es „ein Familiendrama“ (siehe Fall Horst Witt) oder „Affekthandlung“ (Fall Ali C), und die Männer wurden nur minimal bestraft.
Wo sind Anwältinnen und Richterinnen, die die Welt verändern?

Moseltal, Hunsrück, Rheinland

Wir waren gestern in Karden Treis, Moseltal, in der kath. spätgotischen St. Castor, an der Stumm-Klais Orgel von 1728, 3 M, Rückpositiv. Prospekt wie Katharinen in Hamburg, nur klein. Menschengrosse Musikengel oben. Bach gespielt. Später gingen Hans-Wolfgang und ich Kaffee trinken.

Dann fuhren wir alle zusammen zur genialen Stumm-Orgel in Treis in kath. St. Johannes, eine romantische, süffige Orgel um 1837 mit 2 Manualen, 23 Registern, zischenden Streichern, getuschten Flöten, Zinnkehlen, seitenspielig. Nach Teschemacher hat mir diese bisher am besten gefallen. Ein runder Prospekt, ein Halbkreis in einer blauen neugotischen Kirche. Der phantastische Architekt Lassaulx hat alle Formen in dieser Kirche außen und innen aufeinander abgestimmt, runde und besondere Formen bei Treppe, Eingangshalle, Türen und Orgel.

Karden Treis oder Treis Karden

Die großen Pfeifen, die Holz-Prinzipale, hat Stumm nicht aufgestellt, sondern hingelegt, damit sie hineinpassen in das Rund, in den Bogen, den Schwibbogen oder Schwebebogen, leuchtender (erzgebirglicher) Lichterbogen, in den runden Prospekt – hat er die Pfeifen übereinander gestapelt! Um sie stapeln zu können, hat er sie aus Holz gebaut. Ich finde das so genial! Denn auf den Klang hat das Hinlegen erstaunlicherweise keinen Einfluss. Und noch schöner, wenn man den Wind selbst tritt. Dann wird der süffige Klang besonders mild, wie warmer Apfelsaft im Herbst.

Ober Kostenz und Simmern

Wir übernachteten in Ober Kostenz im Haus Stumm und fuhren am nächsten Tag nach Simmern im Rheinland, zwischen Mainz und Koblenz, südlich der Mosel, im Mittelgebirge, ca 40 km entfernt von der Lorelei (auch Loreley), Felsen am Rhein. Dort steht in der ev. schlichten Stephanskirche die wunderbare seitenspielige Stumm Orgel von 1782 aus der galanten Zeit, 2009 von Orgelbau Müller restauriert; goldene Barockohren, braun-beige-golden das Instrument. Hier verbrachten wir den ganzen Tag und genossen die Klänge und das sinnliche Gefühl. In 3 Tagen 9 Orgeln so far.

Bonn Schlosskirche:

9. August 2022

Liebe wächst wie Weizen und ihr Halm ist grün. (EG)

Heute erinnere ich an Lore Kadden-Lindenfeld, 1921 geboren.

Foto: Schweinfurt St. Kilian

Morgen kann ich mich freitesten. Ich freue mich auf Strassbourg und Hunsrück.

Ich lese „Judasfrauen“, aber leider gibt es keine Namen im Buch. Und lese Schweitzers Deutsche und Französische Orgelbaukunst. Es ist ja eine andere Art „Richtungskampf“, gebe ich zu. Ich mag die alte Sprache, die man heute kaum noch hört. Ob es stimmen könnte, dass „zu viel Verkehr“ das Künstlerische stört? Schweitzer hat eine lustige, ironische, nett-spöttische Art. Es klingt allerdings auch nicht wie die Sprache einer Pianistin. Sehr trocken. Selbst der gute Schweitzer wurde attackiert. Man sagte ihm, er sei reif fürs Irrenhaus. Aber er wehrte sich gegen das Morden alter Orgeln und hasste (verständlicherweise) die deutsche „moderne Art“. Jedoch nicht gegen das Morden neuer Orgeln, aufgrund seiner Bachanbetung. Wenn jemand Bach liebt, werde ich manchmal eifersüchtig und denke mir: Mein Bach. Nur meiner. ❤️

Ab Mitte September/Oktober komme ich in die intensive „Turbo-Endphase“ meiner geliebten Kirchenmusik und muss daher viel dafür tun und werde ab da vor allem dafür alles geben. Gelingt es mir, ist es auf jeden Fall ein schöner (einmaliger) Rekord. Berichten kann ich meist erst danach, also nicht wundern (falls ich mal eine Zeitlang Funkstille habe). Betet für mich. Ich hoffe, dass ich meine Konzerte trotzdem gut schaffe.
Neu:

23. Juli 2022: Musik und Strand

Wer Frauen hasst, wie kann der leben? (Goethe)

Heute erinnere ich an Anna Frebel, Astronomin, die Neues entdecken will.

Foto: Schönes Logo von Christoph Ermisch mit AHS, Tastatur und Pfeifen. Wie findet ihr es?

Basilika Amberg

Sehr interessant war letzte Woche für mich die pneumatische E. F. Walcker Orgel von 1966 in der großen Basilika St. Martin in Amberg. Ich mag solche Orgeln mit Eigenarten. Die Orgel wirkt in der schmal-langgezogenen katholischen Basilika winzig von unten. Man sieht sie kaum. Die Lücke ist so schmal, und die Orgel steht weit hinten. Man sieht zunächst nur das Schwellwerk in drei Flügeln. Aber wenn man bei ihr oben ist, befindet man sich auf einer Orgel-Insel in einer anderen Welt. Hier oben regiert die Orgel. Der freie Spieltisch ist eine Art Cockpit mit bunten freien Kombis, Kippschaltern, Schweller, Walze, Radialpedal, Liedschalter aus Würzi und extra viertem Manual via Schalterreihe rechts oben: Die Zungenbatterie. Diese spanischen Trompeten wurden später eingebaut. Sie stehen in Bronze rechts vom Spieltisch separat, zusammen mit dem mächtigen Bronze-und Holz-Pedalwerk und seinen dicken Schläuchen und Kabeln. Sehr schön ist das Kronwerk mit echter Sesqui mit Septim, das Schwellwerk mit Oktävlein, hoher Mixtur (auch in der Schulkirche gibt es an der Funtsch Sandtner Orgel zwei verschiedene Mixturen). Schön für Romantik, Französik und Moderne.

Prozessionskirche

Die Basilika ist eine Prozessionskirche. Man kann tatsächlich sowohl oben als auch unten einmal herum laufen. Das ist etwas Besonderes und daher denkmalgeschützt. Dieser Weg darf nicht gestört oder durch Hinternisse blockiert werden. Auch nicht durch eine Orgel. Es ist nämlich in der Überlegung, eine neue Chororgel zu bauen, ebenerdig. Dafür muss der geeignete Platz gefunden werden.
St. Georg Amberg dagegen bekommt eine neue Klais.



Walcker Amberg 


Neu: Ankerbass künstlerisch: 
Benedetto Marcello – Sonata I Allegro, Orgel plus, Duett Geige und Orgel, Maurice Hannemann, Violine

22. Juli 2022: Kunst

Weil ich bei dir Schutz finden wollte, übersah ich, dass du der Sturm bist und hätte Schutz vor dir suchen müssen. Andererseits, wer will schon ohne Stürme leben? (Frida Kahlo)

Foto: Bodden Greifswald 

Frida 

Bin unterwegs nach Würzburg.
Es ist so schön, wie Frida Kahlo über Farben schreibt. Sie hat sich oft wie im Korsett gefühlt. Was mir nicht gefällt, ist die Beziehung zu Diego. Sie ist 20 Jahre jünger und „von ihm berauscht“. Das nervt. Laut “Das Leben ist ein Fest” ist er nämlich ein sehr egoistischer Mann. Ich möchte nicht von ihm und ihrer Abhängigkeit von ihm lesen, wenn ich ein Buch über Frida lese, sondern von ihrer Kunst. Von wegen, sie war so frei. Ich bin enttäuscht und lese hier ständig, dass sie sich von ihm vorschreiben ließ, ob sie Kinder bekommt oder nicht, ob sie abtreibt oder nicht, und ob er noch neben ihr im Bett liegt. Es ist mir unbegreiflich, wie manche Frauen ihr Leben um einen Mann wickeln, wie wenn man einen Schal oder eine Bürde oder ein Joch anlegt, so wickeln sich manche Frauen einen Mann um. Anstatt zu leben.

Erschreckend ist, dass jede vierte Frau aller “Schichten” mind. einmal in ihrem Leben Gewalt erlebt hat von Männern, von Partnern!  Dies erwähnt selbst Sebastian Fitzek in einem seiner Gewalt-Romane. Wenn ich ein Mädchen sehe, dass irgendwie verletzt aussieht, ein blaues Auge hat oder ähnliches, spreche ich es an. Häusliche Gewalt ist ein Massendelikt, über das in unserer Gesellschaft noch immer viel zu wenig gesprochen wird. Angst ist für viele Frauen ein ständiger Begleiter weltweit. Was für eine Welt. Eine Männerwelt. 

Schulsystem

Wusstet ihr, dass das Schulsystem besonders in Deutschland so verkopft ist? In Schweden ist es ganz anders. Manche Ausbildungsstätten in Deutschland sind so verschult, dass man für jeden Atemzug eine Note bekommt. Da wundert es nicht, dass man notenfixiert und dadurch herabgewürdigt  und selbst als Vollblutmusikerin wieder „ein Kind“ wird. Man lernt im schlimmsten Fall nicht für die Leidenschaft, sondern für Punkte und Noten und im Vergleich zu anderen. Das Notenfixiertsein wird dadurch ungünstig gefördert, was nicht die Schuld der Studentinnen ist. Es macht hektisch. Auf der anderen Seite motiviert es natürlich. 

Neu: Fantasy Easter Hymn 

Fantasy Hymn
Orchesterwerk AHS
Gesang AHS

29. Juni 2022: Dritter Corona-Sommer

Das stimmt. Wie schwer muss es Clara Schumann gehabt haben. Eine Frau hat so viel zu beachten. (Clara Schumann)

Foto: Dersekow

Warmes Greifswald. Aber immer noch angenehm.

Heute erinnere ich an Suli Puschban, die Kinderlieder schreibt, in denen Mädchen Heldinnen sind.

Und an Sabine Ball, die mutig 1949 nach dem Krieg allein in die USA auswanderte, dort den reichen Clifford heiratete, aber merkte, dass diese Heirat nicht glücklich macht, und dann einen ganz neuen Weg einschlug und für andere Menschen da war. Sie hatte es damals in ihrer Zeit nicht leicht. Es ist für manche auch heute maximal verdächtig, wenn Menschen individuelles Verhalten an den Tag legen. Nicht angepasst sind. Es gibt Verbände, Bewegungen und Zünfte, die ein angepasstes Verhalten verlangen und fordern.

Wusstet ihr, dass Radfahren für Frauen lange verboten war? Frauen auf dem Rad wurden noch Ende des 19. Jahrhunderts verhöhnt, bedroht und verspottet. Es wurde behauptet, dass es unschicklich sei für Frauen, zu radeln. Auch im Radsport heute werden Profisportlerinnen auf dem Rad als radelnde Hausfrauen belächelt, während im Radsport die Männer als Stars gefeiert werden. Ähnlich im Fußball. Amelie Rother gründete als erste Frau 1894 in Berlin einen Radfahrklub für Damen, trotz enormer Widerstände in der Männerwelt. Ich merke noch immer Auswirkungen: Es ist eine Katastrophe, einen weichen, angenehmen Fahrradsattel zu finden. Ein Fahrradsattel für Frauen – ein Skandal. Wenn ihr einen solchen findet, sendet ihn mir.

Und ich erinnere an Christine Preißmann (es gibt so viele wunderbare Frauen, ich komme mit dem Erinnern kaum nach), die sich mit Asperger beschäftigt, da sie selbst betroffen ist, und hier Mädchen und Frauen hilft. Es ist wirklich erstaunlich, dass immer noch davon ausgegangen wird, dass Mädchen und Frauen schüchterner und stiller sind, und dass Frauen still zu leiden haben – so still, dass es oft gar nicht auffällt, dass sie leiden. (Bis sie austicken oder ersticken.) Frauen wollen oft nicht weiter auffallen. Flüchten. Passen sich stark an. Schlucken. Weichen zurück. (Zum Beispiel im Gedränge beim Einsteigen in den ICE, wenn sich unhöfliche, dicke Riesen-Männer vor kleine Frauen in den Zug pressen.) Dass auch Frauen und Mädchen genauso von Asperger etc. betroffen sein können wie Männer, wurde lange gar nicht angenommen, da Frauen stiller und schüchterner sind / zu sein haben.

Anders sein, verletzt, krank, alt sein – Frauen fürchten den Makel oder das Stigma in der Männerwelt – selbst bei Vergewaltigung leiden Frauen still, da sie das Stigma fürchten, dass die Männergesellschaft erfunden hat, so wie die katholische Kirche das Fegefeuer erfand. Das Stigma lautet: Wenn ein Mann eine Frau vergewaltigt, dann ist die Frau schuld, nicht der Mann. Dann ist sie schmutzig, nicht er.

Es verletzt und berührt mich als Frau, wenn andere Frauen sich von Männern erniedrigen lassen. Oder von ihnen verletzt werden. Wenn Frauen benachteiligt werden. Dass Prostitution noch immer nicht abgeschafft ist weltweit. Und wenn andere Menschen obrigkeitshörig sind, das verletzt mich als Mensch.

Ich wurde gefragt, warum ich gewisse Kommentare freischalte, vor allem von Leuten, die anonym bleiben wollen. Ich finde es zwar auch feige grundsätzlich, wenn man anonym schreibt. Es ist manchmal so witzig, dass ich Tränen lache. Was Leute sich einfallen lassen. Es sind zwar in vieler Hinsicht Insider-Sachen, die andere gar nicht wissen können, was jetzt damit gemeint ist. Aber ich finde, dieser ironische Humor, den manche haben, hilft mir, mit gewissen Lästereien humorvoll oder ironisch umzugehen. Humor jedenfalls hilft mir sehr. Wenn ich lache, ist alles wieder in Ordnung.

Neu: Pachelbel

Neu: Wetterleuchten für Orgel:

25. Juni 2022: Orgel Welt

Heute paktieren viele Männer miteinander und nennen das “Treue”. Viel davon ist gut gemeinte Bevormundung. Gut gemeint ist meist schlecht.

Foto: Großkorbetha Weissenfels, Sachsen-Anhalt

Neu: Storchi in Greifswald