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14. Juni 2020

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Bach schwingt zwischen Kadenzen und Höhepunkten, zwischen Abkadenzieren, das meist gleichzeitig ein neues Hochschwingen, neue Anläufe und kein Ende meint – dem manchmal beinahe unerträglich langem Nichtabkadenzieren; er schwingt zwischen lebendig Festlichem und Weichem. (AHS)

Es regnet in Strömen, aber das mag ich gern. Außerdem steigt die Luftfeuchtigkeit enorm, wenn ich die Balkontür aufmache. Die Instrumente baden und glucksen vor Freude.

Ich mag sehr Messiaens Orchesterfassung L’Ascension. Der Zungenklang im Orchester. Das ist tatsächlich eine ganz andere klangliche Vorstellung als ich normalerweise am Klavier hatte. Es gibt keine Zungen am Klavier. Das gibt es wirklich nicht. Daher fand ich Zungen erst mal nicht attraktiv. Aber jetzt schon. Sehr. Es ist, als hätte ich durch die Orgel neue Sinne erhalten. Neue Geschmacksnerven. Messiaen hat dazu beigetragen.

Ich freue mich auf die neuen Orgel-Aufnahmen und dass das Reisen langsam wieder los geht. Fast muss man sich an das erneute Reisen wieder gewöhnen. Ich freue mich auf die Beethoven Klavierabende, die Interviews und auf Marktheidenfeld. Es macht Spaß, an Orgeln zu improvisieren, wenn man mit Tastenfesseln einen Hintergrund legen kann und darüber mit spanischen Trompeten oder mit Superkoppeln Rhythmen zaubern kann. Kreativität ist viel sportliches Auspowern für mich. Ich brauche das ab und zu, sonst platze ich  – wie Leute, die unbedingt joggen gehen müssen.

Erstaunlich, wieviele von den Hobbymusikern oder Semiprofessionellen den Beruf der Musiker und Künstler als den härtesten der Welt abtun, etwas, von dem man nie leben könnte – was eine Lüge ist, offensichtlich. Man muss jedoch wirklich die Berufung dafür auf sich nehmen, sehr fleißig sein und das Leben lang daran feilen. Jedoch für viele ist dies alles nur ein Hobby in der Freizeit. Das ist eine ganz andere Geschichte.

Es geht beim Musikersein nicht um Beruf allein, sondern eben um Berufung.

Eine Berufung ist nie ein Hobby. Das schließt sich aus.

26. Mai 2020

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Ich bin froh, einer dieser Menschen zu sein, die problemlos Musik hören können, ohne dabei zu joggen. (Anonym)

In Concert, erster Aufritt nach der Krise in der Krise: Die schöne renovierte, neobarocke Hey-Orgel in St. Kilian Bad Windsheim von 1986 mit vier Manualen und Setzer-Anlage, Druckpunkt, aktives Pedal, ist sehr spannend, da sie noch in dem wunderschönen alten Prospekt von 1735 steht. Die Orgel wirkt riesig, wenn sie hell erleuchtet ist. Die große schöne Kirche St. Kilian hat viele Orgeln erlebt. Nach dem Stadtbrand vor sehr langer Zeit wurde in Bad Windsheim damals eine wunderschöne Wiegleb-Orgel eingebaut (siehe Ansbach), doch leider wieder vernichtet, dafür eine Steinmeyer-Orgel eingebaut, die auch wieder vernichtet… Viel Chaos nach dem jeweiligen Zeitgeschmack. Aber der herrliche Prospekt ist erhalten geblieben: Überall pfeifentragende Engel und zwei große Männerfiguren, die die Pedalpfeifen tragen. Diese muskulösen Männerfiguren und Engel schauen so verzweifelt und ächzend unter ihrer schweren Last, dass man an der Orgel spielend nach einer Weile, da man diesen Figuren und Engeln ins Gesicht guckt, fast etwas depressiv wird. Der Prospekt wirkt sehr schwer. Viele kleine Pfeifen sind verschnörkelt. Oben auf der Orgel thront ein Engel-Orchester.

Bad Windsheim ist viel kälter als Würzburg. Ich habe schon oft Klavierabende in Bad Windsheim gespielt. Nun Orgel. Auch in dieser schwierigen Zeit leuchtete die große St. Kilianskirche, mit ihrem Brunnen davor. Die Gäste (zwischen 80 und 90 Leute) wurden zu ihren Plätzen begleitet von lieben Damen mit Schutzmaske. Mein erstes Schutzmasken-Konzert. Die Presse war auch da in der ersten Reihe und hat Fotos gemacht. Habe CDs verkauft, mit rasch angelegter Schutzmaske, die mir eilig hinterher getragen wurde. Ich liebe es, mich hinterher schnell nach unten zu begeben und mich zu verbeugen. Die Leute finden diese Kombination “Ann-Helena und Orgel” immer erstaunlich, das merke ich. Begeisterte emails hinterher erhalten. Anschließend war alles schon zu, aber wenigstens konnten wir zwischendurch tagsüber ein Eis essen und Kaffee trinken. Das Filmen hat Spaß gemacht, auch wenn es anstrengend war. Die Videos kommen bald. Danke, Bernd! 

Eine Orgel ist ein lebendiges Wesen wie ein Tier, sagen wir, ein Pferd (da ich gern reite und auch die Orgel einen trägt). Vor allem, wenn die Orgel schon oft umgebaut wurde, muss man sensibel mit ihr umgehen. Da sie erweitert wurde (die Leute mögen immer gern laute, große Orgeln, neue Setzer-Anlage, neues Extra-Manual und mehr Pfeifen…), stehen die Pfeifen hier eng gedrängt im alten schönen Prospekt. Ich aber glaube, für die Persönlichkeit einer Orgel kommt es auf keinen Fall auf Größe und Lautstärke an. Viele Männer reden immer von Riesenorgeln, von Erweiterungen, von größeren Motoren, von Universalorgeln. Aber das ruiniert manchmal anstatt zu verbessern. Denn dadurch werden Farben und Klänge auch zerstört. Die Orgel muss atmen und ihre Individualität behalten. Mir kommt es auf das Persönliche an, auf die zarten Farben. Man muss eben nicht alles auf einer Orgel spielen können. Im Gegenteil, sonst spielt man zwar alles, aber mehr schlecht als recht, weil nichts wirklich perfekt passt. Man könnte nie mit einem Pferd oder mit einem Menschen oder mit einem Auto alles können! Ein Rennwagen ist keine Kutsche und ein SUV kein Flitzer. Gerade die Entscheidungen machen eine Orgel aus, gerade der Verzicht! Aber das verstehen viele unmusikalische Menschen nicht. Dann haben sie aber auch Musik und schon gar nicht Bachs Musik verstanden, die von Verzicht und Entscheidungen lebt. Auch eine Orgel braucht einen festen Rahmen, zu manchem ein Ja und zu manchem ein Nein.

Wenn man also an einer neuen Orgel ist, muss man sehr kreativ mit den Farben umgehen und im Gehör haben, was man hören möchte. Denn man kann oft nicht die typischen oder die eigentlich “richtigen” Kombinationen nehmen, sondern muss neue suchen, die dem Gehör nahe kommen, auch ungewöhnliche, “unrichtige”. Dabei hilft, zu koppeln, vor allem das Pedal zu koppeln, wenn man dort eine leise Zunge braucht, die es sonst nicht gibt, oder zum Beispiel mit den Händen mal im Vierfuß eine Oktave tiefer zu spielen. Natürlich muss man sich auch zudem motorisch an jede neue Orgel gewöhnen.

Wenn ich meine eigenen Stücke spiele, hilft mir das sehr, mich mit der jeweiligen Orgel anzufreunden, weil ich mich dann komplett individuell auf die Orgel einstelle. Das freut die Orgel, ich merke das. Ich werfe dann ihre Farben in die Luft und lasse sie strahlen. Ich wähle ganz instinktiv wie eine Malerin Farben aus, die zuvor noch nie oder selten kombiniert wurden. None mit Krummhorn, Plein Jeu mit 32-Fuß, Nasard mit Zimbelstern – ich komme dabei richtig in einen kreativen Flow, in Ekstase. Ich entspanne dabei. Die Orgel biegt sich mir freundlich entgegen, wie ein Pferd, dass endlich durchlässig den Rücken frei gibt. Die Orgel entspannt. Schnaubt ab. Und die Leute staunen. Natürlich ist es auch manchen Leuten zu experimentell oder zu verrückt. Das verstehe ich. Wobei mir es nicht experimentell genug sein kann. Daher habe ich auch immer ein eigenes Stück dabei, das etwas “normaler” ist. Damit belohne ich alle. 

Ich sende die Videos, sobald sie fertig sind. 

Meine Instrumente genießen hier zuhause Luftfeuchtigkeit 50-55 %. An den Nebel habe ich mich ebenfalls gewöhnt und niese nicht mehr. 

12. Mai 2020

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Ruhe ist die Quelle jeder großen Kraft. (Dostojewski)

Ich verstehe schon, wenn manche meinen, Liszt an der Orgel sei etwas oberflächliche, gar düstere Musik. Aber mir gefällt es schon, es hat doch etwas Wunderschönes, und ich muss sagen, das Orchestrale und die Melodieführungen ist genial: Ich übe nun Ad nos von Liszt, mein bisher längstes Orgelwerk von knapp 30 Minuten. Es ist auch historisch gesehen das erste große symphonische, experimentelles Orgelwerk. Da ist dem Franz Großes gelungen. Er hat eine neue besondere Gattung mit angestoßen und initiiert, und das in vielen Fassungen. Das Werk wird sehr unterschiedlich interpretiert, auch improvisiert. Ich vergleiche dabei oft meine neue UE-Ausgabe mit der alten Straube-Ausgabe. Schon B-A-C-H von Liszt habe ich sehr gemocht, auch wenn dieses viel kompakter ist, nicht so “redselig”.

Auch dass Liszt tutti tenuti “erfunden” hat, finde ich sehr schön. Die romantische Orgelmusik mit Reubke  und Reger, vor allem in ihrem historischen Kontext und in ihrer Zeit gesehen, hat schon etwas Faszinierendes. Und Liszt liegt mir besonders gut. Die Agogik und Dynamik und Virtuosität. Jedoch vom stundenlangen Üben tun mir manchmal wieder die Hände weh. 

Bei Bach liebe ich die Hexachorde, diese alten, heiligen Linien aus dem 17. Jhd., die er noch verwendet, vor allem in Piece, die drei Hexachorde Durum, Mollum und Naturale. Bevor er Piece schrieb, soll seine erste Frau gestorben sein. In diesem Werk ist Heiligkeit, aber auch ein Liebeslied zu hören, Zartheit, Ewigkeit, Schmerz und Glocken, als wäre bei Bach Tod und Beerdigung und Ewigkeit und Freude auf den Himmel, Aufstieg, Abstieg, Aufstieg  miteinander verwoben, als würde er vertikal und horizontal den Rahmen sprengen, so auch in der Passacaglia.

Klais-Orgel Würzburg 

18. April 2020

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Orgelspielen ist in erster Linie ein Wissen. (AHS)

In der Musik muss man an so vieles denken: Man ist Redner, Präsentationskünstler, spielt nicht nur für sich, sondern macht anderen ein Werk verständlich. Dazu gehört, dass man die nuancierte Mitte kennt, denn in den meisten Stücken ist nichts drastisch, besonders nicht in der Barockmusik. Und dann die feine Ausarbeitung: Auf der einen Seite das Metrum, auf der anderen Seite die Besonderheiten und das Charakteristische der Figuren. Dies beides in eine Einheit zu bekommen, dies macht Musik erst schön und schwingend.

Für mich ist es immer noch ein Schock, wenn Konzerte ausfallen und abgesagt werden, aber: Man darf von Kunst nicht zu abhängig sein. Mein Wert macht sich nicht daran fest, ob und wieviele Konzerte ich spiele. Und es tun sich plötzlich ganz andere Türen auf. Trotzdem habe ich es nicht geschafft, die Konzerte als “ausgefallen” in meiner Konzertliste zu markieren. Ich hoffe, ihr habt Verständnis dafür. In meiner Vorstellung sind sie gewesen, trotz C-19.

Wichtig ist, dass man in der Musik spricht und die einzelnen Stimmen, zum Beispiel den Tenor, ihn anbindet, verbindet, nicht abreißt oder zu kurz spielt, dass man eben spricht, nicht nur spielt; dass man dabei ruhig ist, nicht hektisch, sondern sich einzählt, sich einschwingt. Artikulieren bedeutet eher ein dichtes Non Legato, und Absetzen ist durchaus auch ein Verbinden.

Nur weil eine Stimme artikuliert, bedeutet es nicht, dass die anderen Stimmen das gleiche machen.

Natürlich mag ich es sehr, zu improvisieren. Meine “Haussprache” ist romantisch, spätromantisch bis hin zu ganz zeitgenössischen Gefilden; dennoch finde ich es sehr spannend, in allen (alten) Stilen zu improvisieren, und in diesen Stilen jeweils auch zu bleiben.

Momentan liebe ich die Zeitreise hin zu Bach an “giftigen” alten Orgeln mit spitzen Klängen – für mich sind diese Klänge einfach lieblich. Und jeder Stil, jeder Klang ist anders und hat seine Stärke und ist zu finden und aufzufinden und zu kennen und auszuprobieren, dazu die jeweiligen Komponisten – ich probiere all das momentan mit viel Phantasie an meiner Hauptwerk-Orgel, mit Setzern und Kombinationen – man muss neugierig bleiben. Die unterschiedlichsten Stile in dieser Zeitreise zu kennen, das macht den Reiz aus. Bei all dem darf man nicht vergessen, um was es letztendlich geht.

Ich freue mich, dass die neue hübsche Lupe, die Such-Funktion (die Lupe oben rechts eingebaut) auf meiner Seite seit heute ganz frisch erschienen ist, dort könnt ihr alles ersuchen über mich. Und Spotify ist ebenfalls neu als Button auf der Frontseite. Zudem sind die Header-Bilder bei den Terminen abgegrenzt zum Tourblog-Headerbild und die Links unterstrichen. Ich hoffe, dies sorgt für mehr Durchblick auf dieser großen Seite.

Mit gemütlichen Düften (frisch gewaschene Baumwolle, Regenluft oder geliebter Haut) kann man sich übrigens am besten entspannen.

ps: Ich habe darüber nachgedacht, dass Begriffe und Inhalte wie Zufall, “Wissenschaft” und “Toleranz” männliche Begriffe und Inhalte sind und meist einen Atheismus gegensätzlich zur Bibel dokumentieren und sehr hoch gehalten als höchste Werte überhaupt, meist normativ, einen (Ersatz-) Glauben darstellen. Und es heißt sogar, Irren sei wissenschaftlich. Ich freue mich, wenn sich die Milliarden Jahre, die manche Steine und Wesen alt sein sollen, als Irrtum herausstellen. Aber bis heute darf man sich das in Museen anhören, und das von sterblichen Menschen, die nicht mal wissen, was morgen ist. Im Grunde sind alle lebenden Menschen immer jung. Was wissen wir schon von Millionen von Jahren? Die meisten kennen nicht mal hundert Jahre, persönlich.

aus meinen Orgel-Videos Hamm

11. April 2020

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Jedem Künstler ist es recht, spricht man von andren Künstlern schlecht. (Georg Kreisler)

Und Georg Kreislers Bruder Fritz hat fröhlich dazu gegeigt.

Manche Musiker sind wirklich kindliche Diven. (Ich sage leider nicht, dass ich davon ausgeschlossen oder davor gefeit bin.

Jedoch in der Kunst gibt es keinen Shutdown.

Ganz neu LISZT B-A-C-H:

8. April 2020

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Fingersätze sind ausgeschriebene und umgesetzte Pädagogik. Selbst-Pädagogik sozusagen. (AHS)

Ich vergleiche Mendelssohns 4. Sonate aufgrund der Akzentbögen und Phrasierungsbögen in den Ausgaben Bärenreiter, Henle und Breitkopf; alle sind gut, doch finde ich Breitkopf am nächsten und besten. Erkenntnis durch Kunst! Die Artikulation sind die Einzelnoten, die Atome. Die Phrase sind viele Töne, die Moleküle sozusagen.

Ich mag meinen ersten Klangart-Orgel-Kalender 2020. Hintendrauf steht: “Die Orgel ist ohne Zweifel das größte und kühnste Instrument aller Zeiten.” (Honore de Balzac). (Den Teil mit dem menschlichen Genius habe ich weggelassen, da ich dieser Meinung nicht bin.)

Empfehlen kann ich die Bücher Schöne neue Welt von Aldous Huxley, Verhandeln von Daniel Shapiro (um diplomatischer zu werden, und die Campus-Bücher sind spitze) und Musik lernen von Gruhn. Sehr gern mag ich den Käse Saint Albray, hmmm.

Anbei neu gestaltet: Brahms Präludium g-Moll auf der Führer-Orgel Konzert Klosterkirche Riddagshausen bei Braunschweig:

29. März 2020

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Unruhe im Alltag ist Gift. Kreative Unruhe ist gut. (AHS)

Hüter, ist die Nacht bald hin?

Ich übe Mendelssohn IV, meine Teetasse hat riesige Augen, und ich denke mir: Kunst statt Klopapier!

Und noch so einiges mehr.

Für die Nacht-und Früh-Fans:

Dieses Video wird ab morgen veröffentlicht, ist aber für euch schon zugänglich: SWR Interview Ann-Helena, Das Beethoven-Projekt

28. März 2020

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Stile brauchen Zeit, bis man sie erkennt und versteht, man muss sie üben und trainieren. Stile sind Handwerk und Sprache. (AHS)

Ich liebe es, verschiedene Stile zu können und zu beherrschen. In jeder Kunstrichtung. Ich liebe diese Vielfältigkeit, Wahl, Entscheidung und Freiheit. Und die Verbindung Literatur und Musik. Denn Stil ist eine Sprache, wie ein Text, den man erkennen und verstehen muss (siehe auch Meueler). 

Es ist schön, wie die kreativen Köpfe jetzt zusammen halten in der Krise, Musiker, Unternehmer, Selbständige… Ich denke, die kreativen Köpfe werden aus dieser Krise besser hervorgehen als die meisten: mit neuen Top-Ideen. Ich habe mich jetzt auch mal an das herangewagt, was ich noch nicht machen konnte. Das Leben ist mehr als Reisen und Konzertieren. 

Ich war nun in allen wichtigen Bachorten: Eisenach, Arnstadt (leider war letzte Woche dort alles zu wegen der Krise, auch das Bachhaus, aber ich war schon mal drin), Ohrdruf, Köthen, Dornheim, Leipzig, Wechmar, Erfurt, Hamburg, Berlin, Mühlhausen, Lüneburg, Dornheim, Ammern, Weimar.

Es gibt natürlich auch in Arnstadt und Umgebung wundervolle Frauen und Prinzessinnen der Geschichte: Katharina, Auguste Dorothea, Elisabeth Albertine, Fürstenmutter Wilhelmine,  Schriftstellerin Friederike Eugenie John, Stiftsgründerin Marie von Schwarzburg und viele andere.

Man möge mir verzeihen, dass ich ab und zu gern Rosamunde Pilcher lese. Vielleicht weil ich weiß, dass es gar nicht so leicht ist, so zu schreiben, wie sie schreibt. Das muss man erst mal können. 

Sehr empfehlen kann ich das Buch Mama Shekinah von Hedwig Rossow, ein Buch über eine Missionarin in Afrika, bewegend. 

Wenn das Innenministerium auffordert, Masken zu nähen, sind damit auch Männer gemeint? Erstaunlich ist, dass erst ein dämonischer Virus Kriminalität (immer Männerkriminalität): Kindesmissbrauch, Vergewaltigung, Mord, Raub, Drogen, Luftverschmutzung und häusliche Gewalt eindämmt.  

Ich bin auch auf Instagram und freue mich, wenn ihr mir dort folgt. Ich werde dort alle Videos meiner Orgelreise posten. Ich habe jede Orgel aufgenommen zum Vergleich. Merci! Ich gebe zu, dass mir die Konzerte und Reisen für mein Wohlgefühl fehlen und nichts Digitales dies ersetzen kann. Immerhin scheint auf dem Balkon die Sonne, und ich esse Fischstäbchen.

F.E. Walcker Scheffler Orgel 1913 Ilmenau, größte Orgel Thüringens 

Gott ist mein Fels, meine Hilfe und mein Schutz, dass ich nicht fallen werde. (Psalm 62,7)

13 Orgeln in vier Tagen! Ich freute mich schon lange auf die sehr schöne Orgelzeit ab 18.3., schon seit Dezember. Für mich ist es ein Wunder, dass es geklappt hat trotz der bizarren Zeit gerade. Es ist so schön, die reiche Orgellandschaft Thüringens kennenzulernen. Es gibt in Thüringen über 200 Orgeln allein aus dem 18. Jahrhundert. In beinahe jedem Dorf steht eine wunderbare Orgel.

Wir sind über 1400 km gefahren und haben 13 Orgeln in 4 Tagen gespielt. Einmal waren wir auch in Sachsen-Anhalt (Köthen) und Sachsen (Leipzig). Organisiert habe ich die Reise seit Januar. Meine erste selbstorganisierte Orgelfahrt. Aufgrund des Virus ist zwar einiges durcheinander geraten, manches hat nicht geklappt, aber über die Hälfte schon, dafür bin ich sehr dankbar.

Allein die Zugfahrt mit dem Express über Neudietendorf war genial. Alles war still, friedlich, lag glitzernd in der Sonne. 10:57 kam ich an, wurde abgeholt, und ab dann ging es los. Danke an alle! Die orgelverrückte Sorglose aus der Brötchengasse on Tour.

Am 18.3. (Mittwoch) habe ich die Wender-Schuke-Orgel in der ev. Davi Blasii-Kirche (Bachkirche) Mühlhausen gespielt, die schön und friedlich in der Sonne lag, man sitzt dort als Organistin direkt unter dem Rückpositiv, anschießend die wunderschöne Wender-Orgel (die Bach abgenommen haben soll) in St. Vitus Ammern (gefahren über die B247), und zuletzt an diesem Tag fuhren wir nach Buttstädt bei Sömmerda in Thüringen über die B84 und L1058. Dort steht die wunderschöne Heroldt-Orgel in der prunkvollen Michaeliskirche Buttstädt.

Diese große Heroldt-Orgel, die Bach, als sie neu war 1702, kennengelernt haben soll! Viele kennen diese beiden letztgenannten Orgeln und Kirchen nicht, kennen auch den Bach-Bezug zu diesen Orgeln nicht. Dort in Buttstädt habe ich auch den wunderschönen Friedhof, der einzigartig nördlich der Alpen mit seinen Gräbern über 400 Jahre alt ist, im Abendlicht besucht. Erstaunlich, dass Buttstädt einen solchen Friedhof Campo Santo besitzt. Überall hier in Thüringen sind die Menschen so engagiert, ihre Kirchen, Orgeln und Friedhöfe wunderschön zu erhalten. Hut ab! Dennoch brauche  diese Menschen dringend Hilfe. Sowohl die Michaeliskirche als auch vor allem die Orgel brauchen dringend finanzielle Unterstützung zur Sanierung. Kirche, Turm und Orgel fallen sonst zusammen. Der Turm ist schief, die äußere Wand fällt ein und kann die tonnenschwere Orgel nicht mehr halten.

Übernachtet haben wir in Gotha, sind von Buttstädt aus über die A71 und B7 (175 km) gefahren.

Am 19.3. spielte ich zunächst einige Stunden auf der grossen, schönen Schuke-Orgel in der Margarethenkirche Gotha, Thüringen. Dann fuhren wir ins kleine, malerische, grüne Dörna über die B247 und L1006 zur schmucken Wender-Orgel in St. Georg, die früher in Mühlhausen stand. Auch hier spielte ich einige Stunden. Wender stammte aus Dörna. Die Kirche und die Orgel werden liebevoll vom Freundeskreis vor Ort gepflegt und jeden Abend die Glocke aufgezogen. Gleichzeitig kümmern sich diese lieben Männer auch um Bienen. Viele kennen auch diese Orgel nicht, obwohl Bach diese Orgel kannte und schätzte!

Abends fuhren wir dann zur Ladegast-Orgel nach Köthen über die K201 und L145 zur Kirche St. Jakob. Diese große Orgel mit Walze in Sachsen-Anhalt hat mich sehr beeindruckt. Ich habe schon einige herrliche Ladegast-Orgeln nun gespielt, in Schwerin, Rudolstadt, Leipzig. Merseburg nur von unten. Nur Buxtehude ist hier natürlich nichts. Wir fuhren zurück über Leipzig (Sachsen) nach Thüringen über die B183 und L3004. Wir übernachteten in Arnstadt.

Am 20.3. spielte ich ab 10 Uhr dann in der Bachkirche Arnstadt an Wender und Steinmeyer und an der Schuke in der Liebfrauenkirche, dann in der Bachkirche Dornheim an der Schönefeld (über L1048), abends 19 Uhr an der schönen, bemalten, dreimanualigen Ladegast-Orgel von 1636 der evangelischen Stadtkirche St. Andreas Rudolstadt (über die B90), Kantor der sehr nette Frank Bettenhausen. In Rudolstadt, Bad Blankenheim und Saalfeld habe ich schon oft gespielt, Orgelkonzerte und Klavierabende. Mir gefällt die bergige Gegend. Wir übernachteten in Rudolstadt. Überall schöne Schlaflunken in gemütlichen Spelunken.

Dann die super herrliche Trost- Orgel in Waltershausen, die wahrscheinlich meine Lieblingsorgel auf der gesamten Tour war. Sie hat den schönsten Spieltisch, den ich je gesehen habe. Alle Windladen, Trakturen, Manualklaviaturen und fast alle Register wurden erhalten. Die Tasten sind sehr lang und schwarz, ähnlich lang wie an meiner Prüfungsorgel in Frankfurt am Main, und hätte ich nicht kleine Hände, würde man zwischen den schmalen, langen Tasten hängen bleiben. Gottfried Trost hat die Orgel mustergültig gebaut. Hier war das Gute, dass es kein Geld gab, sonst hätte man sie – wie viele andere Orgeln – “umgebaut” (=zerstört), wie es Mode war. Nur leider wurde die Balganlage umgebaut, wurde aber von Stade sehr gut rekonstruiert. Wie verletzlich die mächtigen, tonnenschweren Orgeln sind, sieht man erst oben. Die Kirche Zur Gotthilfe Waltershausen besitzt zudem eine wunderschöne Decke und Akustik, und der Verein Orgelsommer ist noch immer sehr aktiv. Ich habe alle Journale des Orgelsommers gelesen. 

Dann fuhren wir von der größten Barockorgel Thüringens zur allgemeingrößten Orgel Thüringens: Die letzte Orgel der Reise war die große Walcker-Orgel in Ilmenau in der St. Jakobuskirche (weißer Schrickel-Prospekt). Es ist ein Wunder, dass diese so wundervoll restauriert werden konnte, dass das Geld hierfür da war durch die Wende, sonst wäre die Orgel kaputt gegangen. Vor dieser Walckerorgel gab es noch viele andere schöne Orgeln in Ilmenau, die aber leider zerstört wurden. Die Walckerorgel besitzt einen Notspieltisch, so dass man im Duett spielen kann. Um sich warm zu halten, gibt es dort einen Fön, ein Heizkissen und einen Infrarot-Strahler.

Es gibt in Thüringen noch sehr viele wunderschöne Orgeln und sehr nette Kantoren. An den sehr netten Kantoren sieht man erst, wie unfassbar un-nett andere sind, die Orgeln interessierten Geistern und begabten Fingern vorenthalten, obwohl diese Orgeln nicht ihr Eigentum sind. Ich weiß, dass es auch in Frankreich, Italien usw. tolle Orgeln gibt, aber ich habe erst mal eine Leidenschaft für die Orgeln meines Landes. Erst mal möchte ich diese kennenlernen. Dafür schlägt erst mal mein Herz. Und die neuen Bundesländer kennen viele “im Westen” noch immer nicht, sie fahren lieber nach Paris.

Dann zurück ins abgesperrte Bayern. Ich lasse mich ungern einsperren und war schon immer sehr freiheitsliebend. Ich glaube, das liegt daran, dass ich als Kind einmal aus Versehen eingesperrt war. Da war die Klinke eines Zimmers abgebrochen und ich kam nicht raus. 

An jeder Orgel habe ich unglaublich viel gelernt. Jedoch Lernen bedeutet, immer weiter dazuzulernen. Es hört nie auf. Die motorischen, kognitiven und klanglichen Erlebnisse haben sich in meinem Gedächtnis abgespeichert. Man kann sagen, dass eine Orgel träger ist als ein Flügel, das stimmt, jedoch liebe ich das Gravitätische der Orgel und das Farbenspiel. Die Orgel an sich ist mein Orgellehrer. Dazu Gott, der größte Organist.

Wunderschön ist das ganze Land: Thüringer Becken, das Harzvorland, der Thüringer Wald, die langen Tunnel und der Rinnstein-Tunnel (der längste mit über acht Kilometern, der den Hauptkamm des Thüringer Waldes durchquert), die DDR-Überbleibsel (Orte, in denen der Letzte das Licht noch ausmachen muss bzw. in denen nur noch “alte” Menschen leben), brillant Restauriertes, manches Zerfallene, das Nebeneinander von alt und neu (neue Autobahnen, der hell erleuchtete Frachtflughafen Leipzig, die Neubaustrecken der Bahn und auch Züge, die wie durch ein vergessenes Land rauschen), das Mansfelder Land und seine Bergbauhalden. Ich glaube, die Eltern von Martin Luther hatten ein Bergwerk im Mansfelder Land. Auch an Wechmar fuhren wir an Bachs Geburtstag vorbei – dort fanden die lustigen Bach-Familienfeiern statt, hier entstammt die Familie Johann Sebastians.

Das Thüringer Burgenland ist einfach zum Anbeißen, an jeder Ecke eine Burg und eine Kirche, romantische Dörfer und Wanderrouten.

Es ist schade, die Reise unterbrechen zu müssen wegen der Krise, aber es war bis dahin wundervoll. Und nun bin ich in der Ausgangssperre, die mich heimtrieb.

Erinnerung: Orgeln in Not: SOS-Orgel-Dörfer: Orgeln in Not

Ladegast-Orgel Rudolstadt 1636/1882

26. März 2020

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Lernen bedeutet jedoch, immer weiter dazuzulernen. Es hört nie auf. (AHS)

Orgeln in Not, SOS-Orgeldörfer, SOS für die wunderschöne Herold-Orgel in Buttstädt, Thüringen:

Die wunderschöne, große Michaeliskirche in Buttstädt bei Sömmerda braucht dringend finanzielle Hilfe. Der Turm ist schief, wird der neue Turm zu Pisa, die Mauern fallen ein, haben starke Risse. Diese Kirche mit edlen, bemalten, geschmückten Emporen und ihren Skulpturen, in der man die dort aufgeführte Musik noch hören kann, eine Konzertkirche, ein Kunstwerk, die mit ihren Stockwerken an ein Theater erinnert, muss dringend erhalten werden. Sie kann kaum mehr die tonnenschwere Orgel tragen, deren Pfeifen hinten ausgelagert worden sind und die ebenfalls dringend saniert werden muss, die nicht mehr spielbar ist. Auch der Prospekt dieser wundervollen Herold-Orgel ist ein Meisterwerk, passt farblich hervorragend zu den Emporen und muss dringend von Schnitzern und Künstlern saniert werden. Insgesamt ist dies, Kirche, Glocken, Turm und Orgel, ein millionenschweres Sanierprojekt, das dringend begonnen werden muss, bevor es zu spät ist und alles zerfällt. SOS!

Die Orgel wurde von Bach und Bachschüler Krebs und dessen Vater gespielt. Es ist eine geschichtsträchtige Kirche und Orgel in einem malerischen Ort in Thüringen. Das kleine Dorf mit seinem Verein und dem sehr engagierten Horst Mey haben nicht das Geld, diese Sanierungen vorzunehmen. Da müssen Weimar, Leipzig, Erfurt und andere und Bachgesellschaften und Bundesgartenschaus und Privatpersonen einspringen. Der einzigartige Camposanto-Friedhof mit Gräbern vierhundert Jahre alt neben der Kirche ist sehr gut erhalten und gepflegt. Bei Interesse und Ideen, dieser Orgel finanziell zu helfen, möge man sich wenden an das Pfarramt in Buttstädt und an Horst Mey.

Wunderschön ist auch die Wender-Orgel in Dörna; diese hat Bach gespielt. Es kommt nicht auf die Größe einer Orgel an, sondern auf ihre klangliche Schönheit und Stimmgewalt, und beides hat diese wunderbare Orgel zu bieten. Sie muss ebenfalls dringend saniert werden; der Putz fällt auf die Tasten. Der Freundesverein in Dörna ist sehr lieb, engagiert und bemüht, die Orgel vollständig zu sanieren, hier bei Interesse, finanziell zu helfen, bitte an Herrn Forst in Dörna wenden.

Auch die große Ehrlich-Orgel in Bad Wimpfen in der Dominikanerkirche muss dringend restauriert werden, sich hier bitte an Herrn Astfalk und Frau Schreiber in Bad Wimpfen wenden.

Das Geld für unsere Kirchen, Orgeln, Kultur und Geschichte ist sehr gut eingesetzt. Ich möchte jeden motivieren, sich hier zu engagieren. Thüringen ist ein Kulturort, und ich freue mich auf die BUGA Erfurt 2021. Bis jetzt spielte ich auf BUGAs in Heilbronn, Schwäbisch Gmünd und Würzburg.

Orgeln in Not: SOS-Orgel-Dörfer: Orgeln in Not