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31. Januar 2020

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Es liegt im Lied ein wenig Klang, ein wenig Wohllaut und Gesang und eine ganze Seele. (Marie von Ebner-Eschenbach)

Ich freue mich sehr, dass nach langer Abstinenz aufgrund von Tauben die wilden Kohlmeisen zu ihrer Futterstelle auf dem Balkon zurückgekehrt sind. Leider sind die Kohlmeisen bei weitem nicht so schlau wie die Tauben. Ich musste schon tüfteln, um die Tauben fern zu halten. Oder besser: Die Kohlmeisen sind vielleicht nicht dumm, aber schüchtern und zurückhaltend und sehr unschuldig. Sie melden sich immer mit Gesang an, sitzen auf meinem Trampolin und schauen ins Zimmer. Wenn ich eine neue Futterstelle anlege, brauchen sie eine Weile, sie zu finden. Die Tauben aber brauchen nicht mal eine Millisekunde. Sie melden sich nicht mit Gesang an, sondern mit Lärm, weil sie aggressiv irgendwas vom Tisch gefegt haben.

Ich habe festgestellt, dass die Orgel eher ein Alt ist und man mit dem Baßschlüssel sehr befreundet sein muss. Ich würde deswegen nicht sagen, dass die Orgel männlich ist (der Flügel ist für mich sehr feminin, der Fokus liegt hier auf dem brillanten Sopran), aber da Pedal und linke Hand und damit eindeutig Tenorlagen nun mal das Fundament sind, stelle mir vor, dass ich an der Orgel meine tiefen, ruhigen Stimmlagen und die Bruststimme trainiere.

Es kostete natürlich viel mehr Demut, mich zu unterrichten. An der Orgel war ich von Anfang an eine externe Exotin. Ich erinnere mich an den Anfang, an meine C-Prüfung, wieviel Misstrauen mir entgegengebracht wurde: Warum will eine Konzert-Pianistin noch Orgel lernen? Oder besser: “Mal eben” noch Konzert-Organistin werden? Was die langjährigen Kirchenmusiker ja schon oft nicht sind? Es ist klar, dass umgekehrt dieselben Organisten, die mich unterrichteten, nie quereinsteigend Konzert-Pianisten hätte werden können. Ich glaube, die meisten Musiker möchten sehr gern noch ein zweites Instrument professionell erlernen und können. Das liegt so in uns. Die wenigstens schaffen es. Allein zeitlich. Warum sollte man mir dies gönnen? Und dann noch mir als Frau in der konservativen Orgelwelt? Ohne meine mir typische Leidenschaft wäre ich geflüchtet, da ich wirklich nicht willkommen war, sogar beschimpft wurde.  Aber ist die Orgel nicht ein Instrument der Liebe in einer Kirche? Ein Verkündigungsinstrument? Je mehr sie nicht wollten, dass ich es schaffe, desto mehr wußte ich, ich soll und werde es schaffen. Beide Instrumente.

In einem künstlerischen Haus sollte nicht Leistung auf Knopfdruck auf dem Fließband abgeliefert werden, da sonst immer der selbe Stil interpretiert wird (für neue Interpretationen oder Tempi gibt es gar keine Probenzeit mit und für das Orchester), das Standard-Programm der immer gleichen Leute. Sondern Neues. Aber Orchester sind meist schon recht eingefahren.

Es ist seltsam, wenn gewisse Feste veranstaltet werden, Beethoven-Fest, Mozart-Fest, und dabei würden diese Häuser die jeweiligen Komponisten, die sie feiern, würden sie noch leben, also im realen Leben verachten und über sie lästern, da sie mit echten Künstlern nicht umgehen können, bestenfalls mit Handwerkern. Oder mit denen, die auf Knopfdruck abliefern können. Diese Feste werden also oft zum Zweck der Selbsterhaltung durchgeführt. Die Musik wird missbraucht. Sind dies dann noch künstlerische Häuser?

Was mir auffällt:  Menschen tun Böses und sind sich dessen nicht bewusst sind, wie böse sie sind. Für sie ist ihr Verhalten normal. Sie müssten es wissen und wissen es nicht (mehr).

Inwiefern können musikalische Menschen böse sein? Leider, sie können.

Künstlerische auch. Sind künstlerische Menschen eigentlich immer auch musikalisch?

Gedanke 95

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Musik ist Kunst in der Zeit

Menschsein und Musikmachen gehören zusammen. Menschsein und Klavierspielen sind eine Einheit: Geschliffen werden, Echtheit, Demut, übernatürliche Kraft.

Hörende Hand. Raum schaffen im Kopf.

Verinnerlichte, zärtliche Hände haben.

 

 

Gedanke 93

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Gesteuerte Wege des Windes

Was ich an der Orgel mag? Ich mag den Wind. Den gesteuerten Weg des Windes. Senkrechte und waagrechte Wege. Bewegungswege, übertragene Wege. Klangwege.

Dass sich die Luft am Oberlabium bricht, oberhalb der Kernspalte, und durch diese Brechung schwingt und Ton erzeugt. Die Orgel mit dieser Brechung symbolisiert: Einheit im Gegensätzlichen.

Gedanke 92

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Süßigkeit ist der Gottesgeschmack

Bachs Musik ist nicht nur Heftpflaster und Aspirin, sondern Raum zwischen Reiz und Reaktion.

Musik bringt den Menschen in Berührung mit Liebe, die im Herzen schlummert. Süßigkeit ist der Gottesgeschmack.

 Großartige Musik ist nicht zu hören, ohne das Herz zu weiten.

Musik deckt mir den Adel meiner Seele auf.

Das Lied verwandelt den Menschen.

Gedanke 91

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Gestalterin sein in den Schnittstellen

Originär schaffen in einer Zeit, in der Musik wie fließend Wasser ist, in der Applaus eine Knautschzone des ritualverliebten Publikum ist, in der wir in einem Zeitalter der Verfügbarkeit leben – Außergewöhnliches schaffen. Kunst schaffen, Kunst machen. Für die Öffentlichkeit.