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30. März 2020

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Federn lassen und dennoch schweben – das ist das Geheimnis des Lebens. (Hilde Domin)

Dem kann ich nur voll zustimmen! Schweben, auch wenn manche Eisenkugel an den Fußgelenken hindern will.

Reger und Mendelssohn. Komponieren. Schreiben. 

Im gelben Anti-Stress-Gedichte-Buch von Herder sind nur Gedichte von Männern (immer den gleichen). Innen Männerbildchen im Sonnnstuhl dazu. Ich empfinde das als Betrug, denn das Buch ist von außen so aufgemacht mit Blumen etc., dass es für Frauen zu sein scheint. Statt einem Mann liegt draußen auf dem Cover ein Pinguin im Sonnenstuhl. Tarnung. Ich bezweifle, dass Männer solche Bücher kaufen. Noch dazu kommen in den Männergedichten Frauen seltsam vor – als “Girls”, “Damen mit Hinterteilen” etc. – ein sexistisches Buch, nett und unschuldig getarnt.  

Steinmeyer Würzburg

16. Februar 2020

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Wir brauchen keine Evolution, sondern Revolution. (Stephen Covey)

Ich glaube auch, dass die Dinge viel mehr Revolution als Evolution sind.

Von John Cage bin ich fasziniert.

Unterwegs zu neuen Konzerten… Ich freue mich auch auf das Klaviermusik-Festival in Wilhelmshaven im Oktober mit Beethoven, Chopin, Schluter. Am selben Tag spiele ich in Fulda im Dom mittags die wunderschöne Orgel.

Empfehlen kann ich den Film Frühlingssinfonie. Grönemeyer spielt Schumann. Sehr gut. Der Film ist recht alt, aber gut. Zwischen den Zeilen ist viel zu lernen über Robert, Clara und ihren Vater, über die Zeit in Leipzig, Deutschland, Franck, Liszt, Mendelssohn, Grillparzer, Beziehungen… mit Vorstellungskraft, Hintergrundwissen und Phantasie. Was waren das für Zeiten gewesen? Wie ist das Leben der Komponisten gewesen?

Aber schon damals gab es aufgeblasene “Meister”, die die Kreativen hindern, Entmutiger, Zweifler, aus dem engsten Kreis; aber auch Förderer, Unterstützer, Genies, Halb-Genies, Viertel-Fausts, Lyriker, Virtuosinnen, Schöpfer, Geschäftsleute, Dilettanten, musikalische Freundschaften und harte und gute Lehrer. Eigennutz und Neid. Dieser Film wirft wieder ein anderes Licht als der Film Geliebte Clara. Er zeigt die Anfangszeit. Geliebte Clara Mitte und Schluss. Es gab damals Doktortitel für Künstler, Kunst, Eleganz und Kompositionen. Und heute nur für trockene Schriften.

Schumann war nicht bei der Beerdigung der Mutter. Er hatte eine schwere Familie, litt angeblich unter Trunksucht.

Mich inspirieren Biographien und biographische Filme über Künstler und Künstlerinnen, den Schleier zu lüften: Es waren Menschen aus Fleisch und Blut wie ich mit gleichen Problemen. Zeit finden für das Schöpferische. Geld und Kunst. Die Berufung finden. Träumen. Kämpfe. Zukunft. Mehrere Gaben haben. Was ist Erfolg? Was ist langfristig, was kurzfristig? Was ist langfristiger Erfolg? Zeitloses?

Clara gab Roberts Musik heraus und spielte und feierte sie noch vierzig Jahre nach seinem Tod. Das ist Liebe. Er wurde nur 46 Jahre alt.

Natürlich gibt es in dem Film wieder zu viel Vulgäres, als ob Schumann ein Lustmolch gewesen ist.

Anbei die für mich mit bisher schönsten Orgeln:

Lieblings-Orgeln von Ann-Helena

11. Februar 2020

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Tausend Künste kennt der Teufel, aber Singen kann er nicht. Denn Gesang ist ein Bewegen unserer Seele nach dem Licht. (Max Bewer)

Ich bin wieder zuhause, war eine Woche lang weg. Die Hyazinthe ist aufgeblüht und duftet. Ich höre Perahias Beethoven. Die ersten Geschenke sind eingetroffen. Merci! Mein Geburtstag ist am Freitag, dem Valentinstag.

Hier daheim muss ich mich erst wieder akklimatisieren und die Abenteuer verarbeiten. Orkan Sabine hat mich ziemlich in Frankfurt festgehalten, bevor ich endlich wieder heimkommen konnte. Allerdings lobe ich die Deutsche Bahn, die Kaffee, Essen und Wartezüge bereit hielt. Bahnfahren für Fortgeschrittene. Sehr nette türkische Mitarbeiter: “Willkommen zu Deutsche Bahn.”

Als der Orkan nachts in Heilbronn am Haus rüttelte und mit tausend Stimmen zischte, war das schon beunruhigend. Doch denke ich, dass uns Deutschen oft bewusst Angst gemacht wird, also übertriebene Angst geschürt: German angst. Dabei müssen wir eigentlich vor nichts Angst haben. Die meisten unserer Probleme sind Luxusprobleme.

Was passiert eigentlich nach unserem Leben? Das Himmelreich ist Hoffnung und Realität. Existenz und Hoffnung gehören zusammen, sind keine Gegensätze. Ich weiß, dass Himmel und Hölle oft dazu gebraucht wurden, Menschen zu manipulieren und ihnen Angst zu machen. Manche Menschen geben mit ihrem Glauben an. Andere wiederum analysieren Bachs Glauben und glauben selbst nicht. Kompensieren ihren Nichtglauben und ihr Misstrauen mit der Analyse des Glaubens anderer. Wie oft höre ich: “Das mit Jesus ist mir zu einfach.” Zu einfach? Auch Albert Einstein war dies nicht zu einfach. Wir sind jenseits der erdrückenden Vorstellung von Verlust. Wir sind oft böse auf Gott. Verstehen ihn nicht. Aber der Himmel ist nicht nur ein Ort. Der Himmel ist Gott. Was glauben wir? Was glauben wir nicht? Unser Herz sehnt sich. Haben wir den Himmel nicht schon längst gesehen? Wie im Himmel so auf Erden. Sterben und zurück zu Gott reisen ist der Höhepunkt des Lebens.

Ich erinnere mich gern an die Zeit in Saarbrücken, auch an den Orgeln von St. Josef Wehrden und St. Paulinus Warndtdom Lauterbach. Die unterschiedlichen Orgeln von Walcker, Walcker und Cie, Walcker und Mayer…

Empfehlen kann ich heute den Film Heaven is for real. Und meine Lieblingspflegeserie von Estee Lauder Perfectly Clean. 

24. Januar 2020

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Ich lasse das Leben auf mich regnen. (Rahel Varnhagen von Ense)

Saarländischer Rundfunk: Die nächsten beiden Konzerte im Großen Sendesaal gestern im Funkhaus Schloss Halberg, Saarländischer Rundfunk, waren sehr schön. Es macht Spaß, die jungen Menschen mit Musik von Beethoven abzuholen. Roland Kunz war als Beethoven verkleidet, und am Schluss hat der ganze Saal gesungen (9. Symphonie). Es waren Filmleute vom SR Kulturradio da, ein koreanisches Filmteam, das schon bei den Proben gefilmt hat, und Fotografen. Und natürlich die Tontechniker.

Es ist schön, im Klangkörper des Orchesters zu sitzen. Es ist ein großes, erfahrenes Orchester, und die einzelnen Musiker sind Teil eines großen Ganzen, und ein Klavierkonzert mit ihnen zu spielen ist vor allem eines: Kammermusik. Das Denken von Solist und Orchester ist irreführend. Es ist im Grunde Kammermusik, und jeder hört auf den anderen, und ich auf das Orchester.

Es ist berührend, in die Gesichter der Musikerinnen und Musiker zu blicken, es sind bescheidene, hingegebene Gesichter, authentisch, ungeschminkt, nackt. Die große Musik wird im Kollektiv ohne viel Firlefanz und Druck mächtig und erhaben. In diesem Mächtigen, Erhabenen sitze ich und lasse Beethoven auf mich regnen und hinaus ins Publikum, hinaus in die Welt.

Die Musik fließt durch das Gefühl wie ein Bach. Die Stimmführungen in den Symphonien und im Klavierkonzert, das runde und gebündelte Gemisch von Hoch und Tief, von Streichen und Blasen, von großen und kleinen Stimmen, dieses Orchester mit seinen tiefen und hohen Klängen wird eine  Menschen-Orgel mit unzähligen Registern. Ich verstehe jetzt das Denken an der Orgel. Das Orchesterdenken. Während ich so dasitze, habe ich eine unbändige Leidenschaft, für Orchester zu komponieren und diese Farben und Klänge neu zu bündeln. Ich fürchte mich vor der Arbeit, und dass man noch seltsamer werden könnte. Ich hatte schon als Kind die Sorge, ein “Musiker-Freak” zu werden wie beispielsweise Tschaikowski, Beethoven oder Schubert.

Nun sind wir in Kaiserslautern angekommen, und heute gehen die Konzerte weiter, im SWR. Ich berichte mehr nach dem Frühstück.

Großer Sendesaal Saarländischer Rundfunk Saarbrücken

Gedanke 95

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Musik ist Kunst in der Zeit

Menschsein und Musikmachen gehören zusammen. Menschsein und Klavierspielen sind eine Einheit: Geschliffen werden, Echtheit, Demut, übernatürliche Kraft.

Hörende Hand. Raum schaffen im Kopf.

Verinnerlichte, zärtliche Hände haben.

 

 

4. Januar 2020

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Kompass

Echte Kunst ist eigensinnig. (Gabriele Münter)

Potentiell sind alle Menschen Spitzenkönner. Man muss allerdings Könner mit viel Geduld “heran züchten”. Dazu gehören verschiedene Führungsstile. Erstaunlich ist, wie wenig Lehrende diagnostizieren wollen oder können. Die Kompetenz, Potential und Engagement nicht erkennen oder unterscheiden können. Die Kompetenz kontrollieren, die Engagement bestrafen, Potential hemmen, die keinen Respekt haben. Die Mischungsverhältnisse nicht sehen. Die Fehler und Feuereifer nicht zulassen. Die falsch führen und anleiten. Weil sie nur an sich und ihre eigene Karriere denken. Die selbstmotivierte und selbstsichere Frauen fürchten.

Wichtig ist dennoch, dass man selbst weiß und prüft, was man anstrebt, was einen treibt, inwiefern das eigene Handeln wesentlich ist, wie der eigene Kompass tickt, ob man aus dem Gleichgewicht geraten und ob man stimmig und aufgeschlossen ist.

Empfehlen kann ich heute die Krimis  von Arno Strobel, besonders Das Wesen, auch wenn ich schon nach wenigen Seiten weiß, wie es ausgehen wird. Ich mag Hörbücher. Manchmal höre ich sogar beim Üben Hörbücher.

Momentan höre ich u.a. gern Murray Perahia und Edgar Krapp.

Ich finde Silvesterböllerei und den Lärm und den Gestank schrecklich. Es sollte wirklich verboten werden. Natürlich war ich empört, dass das Affenhaus abgebrannt ist. Doch muss ich sagen, ich finde es sehr mutig von den Frauen, sich freiwillig gemeldet zu haben. Manchmal tröstet es mich, dass es eine Hölle gibt, wenn ich an die Menschen denke, die hintenrum viel Böses tun und nichts bereuen.

31. Dezember 2019

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Rückblick und Jahresende 2019 Teil 2

Vielen Dank für alles, was ihr mir Gutes 2019 getan habt, merci! Es war ein unglaublich spannendes und lehrreiches Jahr, etwas crazy auch hier und da.

Ohne Meditation wird die Lectio trocken, ohne Lesung die Meditation irrig, ohne Gebet die Meditation ängstlich, ohne Mediation das Gebet unfruchtbar. (Kartäuser Mönche 1083-1136)

Kontemplation.

Wenn ich Liszts B-A-C-H auf dem Flügel spiele, hat dies so wenig gemeinsam mit dem B-A-C-H auf der Orgel von Liszt, dass es mir immer mehr wie ein ganz und gar anderes Stück vorkommt, der Liszt auf der Orgel und der Liszt am Klavier. Manchmal blitzt eine Gemeinsamkeit von einer Sekunde auf – aber es ist motorisch und klanglich ein völlig anderes Werk. Und ich dachte, ich könnte Zeit sparen… Weit gefehlt. Allein das Auswendiglernen bedeutet eine andere Herangehensweise. Insgesamt bin ich nun viel lockerer beim Einstudieren geworden. Ich gebe nur noch die Hälfte an Kraft und Tempo und verlagere meine Spielfreude auf die Konzentration und das Verstehen. Die Orgel an sich ist meine Verlangsamungs-Therapie. Langsam ist mehr. Langsam ist der Königsweg. Ich fühle und spüre mehr.

Dann denke ich an die Hexachorde (Naturale, Molle, Durum), sieben, die das ganze Universum der Musik abdecken und Dur und Moll mit allen Vorzeichen und auch die Kirchentonarten festlegen. Sogar das weit entfernte und Pelegrine werden zusammengeführt, Plus und Minus, wie zwei Magnete, wie zwei Dreiecke, die sich kreuzen.

Schön finde ich, dass es doch ein weibliches Buch in der Bibel gibt: Das Hohe Lied der Liebe. Schön, erotisch.

Insgesamt wünsche ich mir, dass klassische Musiker*innen mehr Öffentlichkeitsarbeit starten, damit junge Leute auf klassische Musik aufmerksam werden und auf den Geschmack kommen. Im Grunde ist dies auch schon Musikvermittlung. Gut, dass ich Freunde in der Jazz- und Songwelt habe, für die Werbung und Marketing normal sind. Deswegen sind sie keineswegs eingebildet, dagegen bin ich noch völlig harmlos und gesittet.

Gedanke 83

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Baldachin von Klang

Musik ist sinnliche Wahrnehmung. Ein Baldachin von Klang, ein Firmament der Töne. Leere gibt es gar nicht: Das Universum singt: In Musik baden. Wir können uns auf unsere Sinne verlassen. Wir sind ein Instrument. Ein sinnlicher Globus. Kunst wird nie überholt sein; wird immer gedeutet werden.

Innen-Wahr-Nehmung: zwischen Wahrheit und Sinnen. Staunend. Dankbar. Die Ebene der Kunst: Mutterboden der Unschuld: Alle Heiligkeit ist Unschuld.