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4. Juni 2021

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Unsere Zeit ist eher schwachsinnig. Der Idealzustand, dem wir uns nähern, ist, alles über nichts zu wissen. (Chargaff)

Da ist was dran. Wir erkennen weder die großen noch die kleinen Dimensionen, wie auch Fritzsch feststellte. Und Gott erscheint mir sowohl unendlich groß wie unendlich klein. Ich denke momentan noch über Ernst Cassirer nach.

Sehr mag ich Jacqueline du Pré. Wen ich nicht mag: Barenboim.

Entdeckt: Tash Sultana. Wow!

26. Mai 2021

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Wenn man noch keine Neider hat, hat man es noch nicht geschafft. (Hiob Stiftung Schop)

Ich habe das Gefühl, dass ich schon mein ganzes Leben lang Neider habe. KünstlerInnen mögen zwar egoistisch sein, aber träumend und kindlich; etwas verrückt, aber verletzlich. Empfinden neidische Nichtkünstler dagegen als egoistisch und blind; nüchtern und gefährlich. Was die Verletzlichkeit von KünstlerInnen steigert. 

Bin wieder zuhause. Vermisse die Sauer-Kleuker-Oberlinger-Schuke-Orgel in Berlin.

War beim Friseur. Und erinnere mich an die hitzig-netten Diskussionen in Mariahilf München letzte Woche, welche Komponisten katholisch und evangelisch seien („und dass seit Bach die Evangelischen keine wirklich Großen mehr vorzuweisen haben“). Selten habe ich die Luft um mich herum katholischer empfunden und hoffte, dass meine Glaubensrichtung meinen Gesprächspartnern nicht bekannt war).

Was ich nett finde: Es gibt viele kleinere Stücke für Orgel, die gut und majestätisch klingen, durch die Registrierung und Akustik. Anders als am Klavier, bei dem kleinere Stücke oft belächelt werden.

Ich bin im Finale des Literaturwettbewerbs Nürnberg „Blumenorden“ (etwas seltsamer Name) und lese am 5. Juni um den Preis. Kein Stream, sondern real.

Sehr empfehlen kann ich die Bücher von Karl-Heinz Baum: Mit Kerzen haben sie nicht gerechnet. Das Ende der DDR.

Und: Kein Indianerspiel. DDR-Reportagen. 2. Auflage.

Ein super Mensch auch! Ich habe ihn in Berlin kennengelernt. Er hat mir heute früh die Bücher in meine Tasche gesteckt, heimlich, als Geschenk.

Nicht empfehlen kann ich die Herder-CD mit Rilke-Gedichten. Warum muss hier plumpe Jazzmusik im Hintergrund laufen? Das passt gar nicht zu den Gedichten. 

Sehr empfehlen kann ich den Film RBG – Ruth Bader Ginsburg. Was für eine Frau! Klein, unter Männern, und sich um ihren schwerkranken Mann kümmernd und dennoch Karriere als Richterin machend. Ich bewundere sie. Sie erzählt davon, dass viele Frauen (Männern zuliebe) ihre Klugheit unterdrücken. Das ist wahr. Viele Männer sind sehr unsicher, wenn Frauen begabt und präsent sind. Sie versuchen, das zu zerstören. Auch Ruth hatte einen schweren Weg. Sie berichtet: „Nette Mädchen wehren sich nicht und stellen keine Forderungen. Das wird so erwartet“. Wenn frau sich wehrt, ist frau für Männer nicht mehr so nett. Dass sie sich überhaupt wehren muss! Das Patriarchat klebt. Ich erinnere mich an die Anfeindungen gegen mich. Einige dieser Personen habe ich bereits im Oktober angezeigt, aber bis heute ist der Fall nicht fertig bearbeitet, nach 8 Monaten. Dass Attacken gegen Frauen im Netz von Polizei und Staatsanwaltschaft nur sehr langsam und schleppend bearbeitet werden und es bis heute nicht fertig ist, zeigt und vermittelt mir den Eindruck, wie wenig ernst solche Cyber-Attacken genommen werden. Ich wünschte mir, Frauen wie Ruth würden in der Staatsanwaltschaft und im Gericht sitzen! Dann sähe das alles anders aus. Es wäre sofort und schnell bearbeitet worden. Ich bin jedenfalls überrascht und enttäuscht von dieser Ungerechtigkeit im Rechtssystem und glaube, dass dieses selbst 2021 noch unterschwellig frauenfeindlich ist. Ich finde, bisher hat die Polizei bei Internet-Hetze allgemein versagt. Oder sie sind überfordert. Ich gehe sehr davon aus, dass die, die ich angezeigt habe, auch die sind, die monatelang meine Wikipedia-Seite attackierten. Mich mit Fake-E-Mails belästigten. Eigentlich gipfelt darin der Neid und der Haß: auf meine aussergewöhnliche Vita. Denn ich habe mich für deren Wikipedia-Seiten nie interessiert, falls sie überhaupt eine haben, nicht mal meine eigene beachtet oder aktualisiert. Ich habe die Hasser ungehindert zerstören lassen, ohne einzugreifen. Wenn sie denn unbedingt wollen, zu zerstören. Interessant, wie falsch Neider und Hater mich einschätzen. Am meisten stört sie wohl, dass ich mich für sie nie interessiert habe, aber sie für mich. Sie attackierten mich, dass ich mein Alter auf Wikipedia nicht angeben möchte (=Altersdiskriminierung, besonders gegen Frauen.) Ich habe auch diesen Fall mit Wikipedia der Staatsanwaltschaft gemeldet. Wikipedia ist von seiner ganzen Struktur her leider sehr frauenfeindlich in meinen Augen, besteht fast nur aus Männern, sowohl hinter als auch vor der Kulisse. Was den Hatern gut zugespielt hat. Es ist interessant und fatal, was 2021 an Hetze alles möglich ist, generell und in der Kirchenmusik. Ich recherchiere hier. Hetze sieht 2021 anders aus als früher. Mobbing soll 2022 eine Straftat werden. Die Frauen, die im „Rechtssystem“ arbeiten, haben „das Recht der Männer“ gelernt und wissen genau, was diese wollen.

Viele Dinge, die ich tue, tue ich im Namen von Frauen, die schweigen, und Ruth ist mein Vorbild. Oder jedenfalls ist das mein Wunsch und Bestreben. Menschen nach mir sollen wissen, wie es Frauen wie mir erging. Ruth war ja ganz anders als ich: Ruhig. Abwartend. Introvertiert.

Start-Up-Frauen sollen meist nur gut aussehen und ansonsten ruhig sein, da die meisten Start-Ups scheinbar von Männern gestartet werden. Ich aber habe den Beruf der deutschen Konzertorganistin neu erfunden, neu definiert. Das passt einigen gar nicht. Dabei habe ich gerade erst angefangen.

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23. März 2021

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Von was dir nie Verlust war, geh. (Russische Seele)

Ich mag die Musik von Bessie Smith. Interessant ist der Film Zwischen den Stühlen. Es geht um das Lehrersein.

Schön ist auch Engel der Langsamkeit und Juan.

Ich erinnere heute an Segolene Royal, Politikerin, und an Diane Hendricks, super Geschäftsfrau. Und an die Lyrikerin Sarah Kirsch.

Sehr gerne höre ich Volodos.

Mein Auto läuft wieder wie am Schnürchen.

Ein wenig Jazz-Piano:

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26. Januar 2021

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Musik ist Wechselwirkung, ist integer. (AHS)

Neue weitere Künstlerseite:

Künstlerseite prKulturBecker

ps: ich finde viele Domorganisten übrigens super. Es sind nur ein paar, mit denen ich sehr seltsame Dinge erlebt habe…

Neu: Kleines Corona-Impro at home: am Flügel

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1. März 2020

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Das Leben ist zu kurz, um Deutsch zu lernen. (Oscar Wilde)

Wie labil das Männergemachte und ihre Wirtschaft ist, sieht man nun spätestens am Virus.

Und die Leute haben sofort Angst. Wenn ich lese, dass manche davon reden, dass “deren Waschmittel aus Kastanien für zwei Jahre ausreicht und dass sie Angst haben, dass es keinen Strom mehr gibt”, denke ich mir: Klar, der Strom ist auch vom Virus befallen, aber es gibt Kastanien-Strom, der reicht für zwei Jahre.

Oder diese Hysterie mit Aktien. Ich glaube, viele haben die Börse nicht verstanden. Nichts von Warten, Aushalten und Disziplin gehört. Da lobe ich mir das Üben. Das bereitet auf Krisen vor.

Für mich aber ist klar, ich werde lieber krank, als ein Konzert nicht zu spielen. Zudem fühle ich mich beschützt. Ich habe noch nie erlebt, dass Gott nicht auf mich aufgepasst hat. Vor langer Zeit, als ich am letzten Tag eines Meisterkurses Klavier in Salzburg kein WG-Zimmer mehr hatte, es aber schon spät war und dunkel wurde, kamen zwei Nonnen auf mich zu, als ich etwas ängstlich durch die Straße lief, und quartierten mich im Kloster ein. Sie kamen wie Engel aus der Dunkelheit.

Heute habe ich gelesen, dass für Frauen das Immunsystem eines Mannes attraktiv ist. Dass Frauen in den ersten drei Minuten spüren, ob ein Mann ein starkes Immunsystem hat oder nicht. So was! Sachen gibt es. Doch heutzutage ziehen hasenfüßige  Männer eine Banane und eine Unterhose im Rollköfferchen hinter sich her und erleiden, wenn die Sonne etwas stärker scheint, einen Kreislaufzusammenbruch. Das Einzige, was stark zu sein scheint, sind die Füße so groß wie Schiffe. Die Füße dieser Männer werden immer länger und ihr Immunsystem immer kürzer.

Ach, wenn ich bedenke, dass Männer früher edle Ritter waren… Oder zumindest in meiner Vorstellung.

Nun, das war ein etwas ironischer Beitrag. Jetzt registriere ich für heute Abend ein. Konzert 18 Uhr. Ich mag die Klais-Orgel in Heiligkreuz, sie ist nur ein wenig trompetig insgesamt.

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Messiaen, Beckerath-Orgel HfMDK Frankfurt

22. Februar 2020

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Wirf deine Angst in die Luft. Noch bist du da. Gib was du hast. (Rose Ausländer)

Wunderschön ist die neue, große Bach-Orgel in Hannover in der Neustädter Hofkirche bei Waterloo: weiß, drei Manuale, mit goldenen Flügeln an den Seiten und braunen, sinnlichen Registerknöpfen. Sie erinnert mich sehr an die Bach-Orgel Ansbach und an Katharinen Hamburg natürlich. Und auch an Silbermann hier und da. Sie ist nach dem Vorbild mitteldeutscher Orgeln von der belgischen Orgelfirma Thomas (Thoma ausgesprochen) gebaut und besitzt ein gerades, angenehmes Pedal, Gambe, Gemshorn, Salicional, Schalmey, viele schöne Flöten, Streicher und Zungen. Aber auch die Prinzipale sind weich und warm. Das Hauptwerk ist in der Mitte, Oberwerk oben, Hinterwerk unten. Sie wurde von der Hannover Musikhochschule in Auftrag gegeben.

Weiter hinten seitlich steht die spanische, rote Orgel. Auch sie ist wunderschön, ein Kunstwerk, bei dem man den Wind betätigen kann, wenn man möchte, bemalt, wie ein Acrylbild von mir, mit spanischen Trompeten, mitteltönig, ein Manual mit dem Bruch in der Mitte, kurze Oktave, und auch im “Stummelpedal” für Liegetöne kurze Oktave. Schön für spanische Musik, aber auch für Sweelinck und moderne, zeitgenössische Werke. Die Trompeten haben enormen Drive und Lautstärke. Ich habe an diesen beiden Orgeln über fünf Stunden geübt, und es war wie drei Minuten. Die Bach-Orgel ist natürlich völlig anders als die romantische F. E. Walcker im Saal des musikwissenschaftlichen Instituts Hamburg. Aber genau diese Unterschiedlichkeit ist faszinierend. Die Unterscheidlichen – nicht nur die Farben, auch die Orgeln an sich.

Der Boden der Kirche wird gerade erneuert. Besonders schön ist für mich, Bach an einem Instrument zu spielen, dass er so hatte oder haben wollte und das auch heute absolut genial ist. Ich kam spät nach Hause und fiel völlig erschöpft ins Bett. Ich spiele momentan jeden Tag über 6 Stunden an verschiedensten Orgeln.

Empfehlen kann ich den Film 90 Minutes in heaven.

Fotos der Bach-Orgel Hannover:

 

27. Januar 2020

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Die Welt muss ich verachten, die nicht ahnt, dass Musik höhere Offenbarung ist als alle Philosophie. (Ludwig van Beethoven)

Andacht oder Tanz, so beschreibt Goethe Musik. Für mich ist sie beides gleichzeitig. Der Tanz ist das Kind der Musik und der Liebe. Ich habe Ohrwürmer von den Beethoven-Orchesterwerken dieser Woche, als hätten sich diese in mich eingebrannt. Es ist sehr schön, Klavierkonzerte mit Orchester zu spielen, und es hat auch seine Vorteile, solo zu spielen. Aber mit Orchester: Dass der Flügel ein verselbständigtes Individuum ist, habe ich umso mehr erkannt. Ein Klavier nimmt seine eigene Rolle im Gesamtgeschehen ein. Es erkämpft sich seinen Freiraum in einem ideologischen System. “Aber ich kann den Geist der Musik nicht anders fassen als in Liebe” (Richard Wagner).

Ein Vermittlungskonzept ist für mich etwas enttäuschend, wenn es um Show und Selbstdarstellung des Moderatoren, der Moderatorin geht, zumal dies auf Kosten der Musiker hinausläuft: Mir wurde in die Musik geredet, der Klang-Deckel zugeklappt mitten im Spiel, Stücke verkürzt, mein Name sollte verändert werden in Richtung Elise, wogegen ich mich wehrte, und musste Dinge sagen, hinter denen ich nicht stand, und zwischendurch spielen – nicht für Beethoven oder für die Kids, sondern ich musste mich für die Moderatoren “zum Affen machen”, oder besser: Es wurde über mich und den Flügel verfügt als wäre ich eine weitere Requisite auf der Bühne. Die Moderatorin wollte den Flügel aus der Mitte in die Ecke verbannen, was die Orchesterwarte verhinderten. Ich glaube, meine Ideen sind besser, denn die Musik sollte im Mittelpunkt stehen. Die Diskrepanz zwischen der Schönheit der Musik und dem Theater darum herum war für mich nicht leicht zu ertragen. Die Vermittlung deckte sich nicht für mich mit der Realität hinter der Bühne. Wäre Beethoven nicht davon gelaufen vor diesem Konzept? Ich schämte mich Beethoven gegenüber. Auch der verkleidete Beethoven war für mich das Klischee pur: Der wirre, griesgrämige Beethoven in Perücke. Nicht die Kinder vermitteln verlorengegangene Kultur, sondern in meinen Augen die, die solche Konzepte “hervorragend” finden oder verlangen. Offensichtlich waren die Konzepte früher ganz anders und besser. Man muss sich erst kennenlernen, wie weit man zu gehen bereit ist. Ich bin gespannt, was das Filmteam aus Tokio daraus gemacht hat.

Klautern und Saarbrücken… Leider hatte ich keine Zeit, die Orgeln in Kaiserslautern kennenzulernen. Aber vom Hotel SAKS am Stiftsplatz aus konnte ich oben im schönen Spa-Bereich in der verglasten Dach-Sauna die Stiftskirche und die kleine Skyline der Stadt sehen als warmen Kontrapunkt zur Kälte der Kirche. Ob es stimmt, dass katholische Kirchen um zwei Grad kälter sind als evangelische Kirchen? Christkönig war kalt, die Basilika jedoch angenehm warm. Es ist interessant, mit anderen Organisten und Musikern über PR zu reden. Das Frühstück im Hotel Leidinger Saarbrücken fand ich übrigens viel besser als im SAKS Kaiserslautern, dafür haben die einen Spa-Bereich.

Ich habe die flockigen, flauschigen Flöten der Schuke-Walcker-Orgel noch im Ohr, wie Kolibris, dazu die klagenden, sanften Zungen, die blubbernden Solostimmen, waldromantisch, die tiefen Stimmen ehrwürdig und gutmütig, die gelassenen und ausgelassenen Prinzipale, elegische Streicher, die wie in einer Gondel schweben. Tapsige Klänge, Pfeiler-Klänge, Signalfarben, bewegliche, durchdringende und strahlende Klänge, alles verbunden.

Sehr empfehlen kann ich den Zoo Saarbrücken. Da es Mittagszeit war, konnte ich die Fütterungen der Pinguine, der Schlangen, der Seehunde und der Giraffen beobachten. Sehr gefiel mir das Tier “Das wandelnde Blatt”. So etwas habe ich noch nie gesehen. Es fraß. So auch die Lisztaffen mit ihren empörten Gesichtchen. Sehr eindrücklich war meine Begegnung mit einer Giraffendame. So nah war ich noch nie an einer Giraffe. Sie betrachtete mich neugierig, verdutzt und schüchtern mit ihren warmen, mandelförmigen, riesigen, dunklen Augen. Nur ein schmales Gatter war zwischen uns. Ich war aus Versehen auf einen verbotenen Weg abgebogen.

Mir gefielen auch die Heu kauenden Tapire. Der ganze Zoo futterte. Natürlich war ich auch im Streichelzoo bei den Ziegen, auch wenn gewisse männliche Zungen fragten, ob dies ein “Verwandtenbesuch” sei, und “so eine Spezies wie mich hätten sie noch nicht angetroffen”. Die tanzenden Seehunde und schnatternden Pinguine gefielen mir.

Ich muss meine Meinung von Frauen und Männern etwas revidieren. Frauen sind zwar weniger bedrohlich, aber sie können genauso gemein sein, so dass das Ergebnis recht identisch ist. Das Problem ist, dass sehr viele Frauen nicht wie Männer zusammenhalten. Es ist zu wenig Zusammenhalt unter Frauen da, sondern das ewige Kreisen um den Mann. Viele Frauen tendieren im Ernstfall dazu, sich an Männer zu halten. Frauen trauen Frauen nicht. Wie fatal. Es sind die Hormone, die Frauen vorgaukeln, bei Männern sicherer zu sein. Frauen agieren aktiv hintenrum gegen andere Frauen. Männer lügen meist aus Feigheit und Bequemlichkeit, aber Frauen lügen aus Angst, weil sie sich an die Welt der Männer anpassen und diesen gefallen wollen. Das Ergebnis ist leider gleich schlecht. Vernunft und Erkenntnis können über Hormone siegen. Höfliche, nette, schmeichelnde, charmante Männer bieten genauso wenig Sicherheit wie arrogante, abstoßende, gefährliche. Wie lange missbilligen Frauen sich gegenseitig noch immer aufgrund von Illusionen?

Ich mag die Orchesterwerke von Genzmer.

Nicht sonderlich empfehlen kann ich den Roman “Jesus liebt mich”. Er ist zwar lustig auf den ersten 20 bis 30 Seiten, flacht dann aber aus meiner Sicht sehr ab und wird dümmlich. Außerdem hat das Buch so eindeutig ein Mann aus der Pseudo-Sicht einer Frau geschrieben, dass ich mich überhaupt nicht identifizieren kann. Vielleicht wären Frauen aber gern so cool wie dargestellt…

SWR-Studio Kaiserslautern

25. Januar 2020

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Wo man am meisten fühlt, weiß man am wenigsten zu sagen. (Annette von Droste-Hülshoff)

Die nächsten Konzerte in Kaiserslautern geschafft: Die Akustik ist trocken, der Flügel im SWR- Studio anders als im Sendesaal Saarbrücken, vor allem motorisch, aber auch vom Klang. Die Lichttechnik ist ohne mich abgesprochen, so tanzten blaue und gelbe Flecken und deren Schatten auf meinen Tasten. Im winzigen Solistenzimmer gibt es kein Sofa, so habe ich mich zum Ausruhen auf den Tisch gelegt. Das Dirigentenzimmer ist im Vergleich dazu eine Suite.

Die Kinder im Publikum waren aufmerksam. Hinterher versammelten sie sich spontan um den Flügel und spielten mir etwas vor, wollten ein Autogramm haben, einige erzählten mir, wie lange sie schon Klavier spielen “und Keyboard” oder dass sie anfangen möchten. Dort entstand endlich Kontakt. Ich frage mich, ob man mit Shows dieser Art Kinder wirklich erreicht, da sie doch weit weg sind. Es ist aus meiner Sicht zu wenig persönlicher Kontakt da, dafür viel Zirkus, den die Kids ja ohnehin schon im Alltag haben. Die Musik selbst tritt zu sehr in den Hintergrund, als Hintergrundsmusik zur Pantomime.

Sie lernen, dass Bratschen “Bratschomaten” und Geigen “Geigomaten” heißen, und dass Beethoven “Frauen liebte und unordentlich war” und zu Symphonien beliebige Texte und Storys aufgrund von Klischees. Inwiefern das wirklich dazu führt, sich dieser Musik zu nähern?

Hinterher habe ich die größte Orgel in Saarbrücken gespielt, die viermanualige Johannes-Klais-Orgel mit 77 Registern in Christkönig. Die große Orgel hat einen versteckten Contra-32-Fuß oben rechts und ein imaginäres fünftes Manual, also Register, die zu einem gewünschten Manual gezogen werden. Sie ist cremig weich auch im Tutti und sehr schön für Mozarts Fantasien f-Moll. Es ist angenehm, dort vier Stunden zu sitzen und in der nächtlichen Stille, von Kerzen umgeben, Musik zu machen. Was ist das, Musik zu machen? Mit Entertainment wird man diese Liebe zur Musik nicht erreichen. Sie entsteht aus Begegnung.

Sie muss echt sein. Was nützt es, “alle Menschen werden Brüder” (und Schwestern) aus der 9. Symphonie zu singen, aber hinter der Bühne wird etwas ganz anderes gelebt? Daher darf diese Begegnung nicht mit Entertainment verknüpft werden, denn die wird nur blass bleiben, da zählen nur Leistung, Hierarchie, Geld und Tratsch.

Für eine echte Begegnung darf man nicht nur von Heiligtum singen, es muss auch etwas Heiliges da sein, Raum, Liebe.

Musik und Liebe sind so eng miteinander verknüpft, merke ich, wenn es wirklich Impact haben soll. Aber heute wird Musik in diesen Häusern mit Ruhm und Angst verknüpft, jeder denkt nur an seinen Namen und an seinen Job, den er nicht verlieren will, und wenn das Team neu ist, geht es jedem nur um sich selbst und um seinen Marktwert. Es geht dann nicht um Liebe und Musik, es ist nur ein Überlebenskampf. Warum sollte das schmackhaft gemacht werden oder schmackhaft sein?

In Musik geht es um Schönheit. Hinter der Bühne war es meist hässlich. Nach außen hin Solistin, aber hinter der Bühne, wieviel wert?

Schuke-Walcker Völklingen/Saar

13. Januar 2020

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Musik tröstet.

Meine Seele weigerte sich, getröstet zu werden.

(Psalm 77)

Schmerz hat tiefe Wurzeln. Musik ist Lebendigkeit und Handwerk.

Ja, ich muss oft bei Musik aufseufzen, als würde durch sie Sauerstoff und Entspannung in mich kommen.

Das Hin-und Her-Wechseln von Orgelspiel und Klavierspiel ist mehr als Switchen.

Denn: Staccato, Non Legato, Legato, Anschlag, Rubato, Tempo – alles ist anders.

Was denkt wohl Bach über den französisch interpretierten Bach von Latry und Dupre und Widor? Manche Deutsche mögen diesen französischen Bach lieber und nennen ihn… sensibler. Andere sagen, dass man diese Interpretationen einem Star wie Latry verzeihen müsse, aus Respekt.

Selbst bei Bachs Musik hört es also nicht auf mit Show und Business. Geht es um Spektakuläres aus menschlicher Sicht? Mehr um Future als um Bach?  Aber wer weiß schon, was Bach dazu sagen würde. In Latrys Bach höre ich mehr Latry als Bach. Und in Widors Bach nur Widor, der aus Bachs Tränenstücke Triumphstücke macht. Wäre Bach sonst zu… langweilig?

Musikantentum und Dilettantismus. Oder positiv ausgedrückt: Bach bearbeitet.

Katholischer Bach. Klingt nicht immer so. Was ist ein Superstar an der Orgel? Spielen nicht alle Pianisten auswendig? Was ist an einer Vierne 6. Symphonie schwerer oder besser als an einer Chopin-Sonate…?

Wenn man Bachs Leben mit dem von Vierne und Dupre vergleicht, Viernes inszenierten Tod oder Selbstmord, seine Feindschaft mit Dupre, Neid, Wut, Eifersucht… Hier erscheint mir “das Katholische an hoher Stelle” Bach-fremd.

Im Latry-Kurs waren wir Evangelischen die Evangolen. (Das habe ich ja auch noch nie gehört.) Meine Freunde sind dennoch oft Katholen.

Heute las ich die Kunst des Sterbens – über Geheimnis, Schweigen, Begegnung, über Scheingeborgenheit (Verwöhnung), “Magentypen” und Symptome, jedoch keinerlei Antworten auf die Ewigkeit.

Schlimm finde ich, dass in dem Buch Auf der Tonleiter zum Himmel. Anekdoten zur Musik (benno-Verlag) nur Männer-Sprüche zu lesen sind, als hätten Musikerinnen zum Thema Musik nichts zu sagen, ja, als gäbe es gar keine Musikerinnen. Dies ist eine Tonleiter des Sexismus direkt in die Hölle.

Dass es heute noch immer solch “normale Diskriminierung” gibt!

Manchmal schaue ich auch gern romantische Liebesfilme wie The Best of me. In all diesen Filmen gibt es immer einen Plan, nichts ist Zufall, alles geführt, genau das, was ich im wirklichen Leben so vermisse. Es ist in diesen Filmen wie früher als Kind, als ich mir Geschichten ausgedacht und alle Figuren geführt habe.

 

6. Januar 2020

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Jeden Augenblick

Eigentlich ist jeder Tag wie eine große Schlacht, mit einigen Lichtblicken. (Franziska zu Reventlow)

Feiertag. Auch bei der Orgel spielt der Klang-Fingersatz eine Rolle so wie am Klavier, nur dass hier der Fingersatz danach gewählt wird, wie man aus der Taste herausgeht, nicht hinein wie am Flügel. Heute den ganzen Tag Beethoven am Steinway geübt, nun Musik an der Orgel. Ich bereue die Orgel nicht, sie hat meinen musikalischen Horizont erheblich erweitert. Wer immer den Tag des geringsten Anfangs verachtet hat, wird doch mit Freuden den Schlussstein sehen. (Sacharja 4,10)

iTunes Ann-Helena Schlüter

Ich lese Aspekte der Orgelbewegung. Wen dürfte es wundern, dass alle vierzehn Autoren Männer sind? Ich frage mich, wieviele Frauen es in den “Orgelgesellschaften” Deutschlands gibt. Weltweit sieht es besser aus. What is wrong with Germany?

In der Presse war heute wieder vom Männerhass auf mächtige Frauen zu lesen. Dabei reicht es zum Hass schon aus, wenn Frauen ehrgeizig und begabt sind, das ist für viele schon zu gefährlich. Nach dem Motto: auf dass diese nicht mächtig werden. Wahrscheinlich, weil viele Männer ihre Macht missbrauchen. Diese denken, Frauen würden in einer Machtposition genauso ihre Macht missbrauchen wie sie selbst. Aber Frauen sind nicht wie Männer. Mehr Macht von Frauen würde der Welt gut tun. Zumindest sollten sie eine reale Chance haben.

Ich mag den Jazz-Song Confirmation von Charlie Parker. Ob ich dieses Jahr durchhalte, jeden Tag zu schreiben?