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11. Mai 2020

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Nie vergesse ich deine Güte, und von deiner Treue lebe ich. (Psalm 26,3)

Ich finde das Leben des jüdischen Komponisten Edwin Geist spannend und traurig.

Empfehlen kann ich den Film Das bescheuerte Herz.

Bei Bachs Musik bin ich begeistert, dass er stets den Rahmen sprengen will – mit unglaublicher Kunst und Kraft schafft er es jedoch immer, im Rahmen zu bleiben. Bei Liszt ist es beinahe erstaunlich ähnlich. Trotz seines Schwelgens bleibt er erstaunlich gut “im Rahmen”. Das finde ich entscheidend für Kunst. 

Sehr gern mag ich Eis mit Marzipan-Geschmack. Es heisst natürlich Amadeus. Und Spargel liebe ich. Es ist gar nicht so schwer, es selbst gut zu machen, jetzt, wo man nicht essen gehen kann. Dieses Take-Away ist ja nicht so meins, macht man aber, um die lokalen Geschäfte zu unterstützen.

Mainfrankentheater

10. April

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Es kommt nicht darauf an, erfolgreich und berühmt zu sein, sondern bedeutungsvoll. (Doris Schulte)

Nicht bedeutungslos im Universum, wie manche fürchten.

Gesegneten Karfreitag!

Mit Mozarts Flötenuhr und Reinckens Fuge g-Moll habe ich nun zwei schöne Vierfüßstücke. Mendelssohns vierte Sonate ist insgesamt wie ein Liebeslied.  Es ist erstaunlich, wie unterschiedlich es interpretiert wird.

Ich habe nun meine ersten Stücke mit elektronischer Musik (Zuspielband) komponiert.

Meinen japanischen Schlitzahorn mag ich gern, Narzissen und Zitronenmelisse leuchten in der Sonne.

2. April 2020

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Das Unwort 2020 ist…

Es ist schade, dass man als Musikerin immer neutral sein muss, dass es MusikerInnen nicht “erlaubt” ist, sich politisch oder überhaupt zu etwas zu äußern, was nicht Musik, Luft und Liebe ist, zumindest nicht negativ, nicht in Frage stellend, nicht kritisierend, nicht anders, nur bejahend. Dabei sind gerade musikalische Menschen sensibel genug, nicht der Masse konform zu sein, sondern zu anderen Schlussfolgerungen zu kommen als das Grand. Ich merke nur immer wieder, dass man es gerade mir als öffentliche Musikerin übel nimmt, wenn ich nicht die Meinung der Masse teile. Dass das manche scheinbar sehr verunsichert. Das darf ich in der Musik, da wird es gestattet, manchmal. Es ist schon schwer, sich außerhalb der Norm in der “Musiker”-Szene zu bewegen, aber gar ein wenig außerhalb der gesellschaftlichen Norm? Immer zurückhaltend sein – manche Menschen sind da Profis drin, knallharte Profis. Aber sie sind auch irgendwie abgestorben. Man sieht es ihnen an. Das spürt man dann auch in der Musik. Absterben möchte ich nicht.

2020. Meinungsfreiheit etc. …. …

Insgesamt unterscheide ich meine Fans mittlerweile so:

  1. Ich habe die klaren Hass-Fans: Sie würden nie etwas liken, im Gegenteil, sie dissliken, stänkern und lästern, “verfolgen” mich dennoch durchaus leidenschaftlich digital.
  2. Ich habe die ambivalenten Hass-Fans, sie dissliken nicht, aber liken auch nicht, “stalken” mich stumm digital.
  3. Ich habe die labilen Fans. Sie lieben mich nur, wenn ich so bin, wie sie mich haben wollen oder wenn die Sonne scheint. Manchmal werden aus labilen Fans ambivalente Hass-Fans.
  4. Ich habe die stabilen Fans. Sie stehen meist immer zu mir; auch dann, wenn andere lästern – es ist eine Art Respekt, Achtung und Grundbewunderung da. Diese ermutigen mich oft sehr, auch in schweren Zeiten.
  5. Ich habe Freunde-Fans, die beides (geworden) sind. Meist andere Musiker, Veranstalter, Freunde, Vorbilder etc.
  6. Ich habe die Freak-Fans, die es übertreiben und mich pausenlos anschreiben.
  7. Und die Nicht-Fans. Das können sogar Familienmitglieder sein.

UND DIE GRÖSSTEN FANS YIPPIEH

Natürlich ist immer die Frage, was “Fans” eigentlich genau sind und ob man solche braucht als Musikerin oder nicht.

Ich könnte zu mir selbst eine Studie erstellen.

12. Februar 2020

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Wer Musik hört, fühlt seine Einsamkeit bevölkert. (Robert Browning)

Die Orgelwerke von Mozart sind Spätwerke. Das spüre ich, sie sind anders als die meisten Klaviersonaten.

Im April werde ich in Darmstadt interviewt.

Ich mag das Tränenstück von Sweelinck, das Troststück, die Fantasia crommatica. Das Original. Der Niederländer Sweelinck war der Vorgänger von vielen. Ich mag seine Form, die sich immer weiterentwickelt. Ich schätze es, wie er imitatorisch arbeitet, in Augmentation, in Diminution. Wie er verdichtet, Engführung, wie er entspannt, wie er mit Chromatik umgeht, mit Tempo:

Auf der einen Seite sehr meditativ, dann plötzlich brillante Läufe und Sextolen. Er hat wichtige Musiker vor Bach inspiriert: Scheidemann, der an der Pest gestorben ist (warum machte die Pest nicht Halt vor diesen Künstlern?), Praetorius, Scheidt, Scheidemanns Nachfolger Reincken… Der Komponist aus Amsterdam hat seine norddeutschen Künstler vermutlich auf plattdeutsch unterrichtet.  

Es ist nicht so leicht, das interpretatorisch Künstlerische zeitlich gut unterzubringen mit dem wirklich Künstlerischem: dem eigenen Schaffen. Das Üben ist dringlich für die Konzerte etc. – aber das eigene künstlerische Schaffen ist wichtig. Zwischen wichtig und dringlich gibt es einen großen Unterschied: Das Dringliche aufdringlich, drängend, fordernd. Jedoch das Wichtige zart, still, wartend, nie aufdringlich. Dem Wichtigen muss ich mich hingeben.

Aber wir sind dem Dringlichkeitswahn verfallen, eine Dringlichkeits-Sucht. Ich glaube, dies ist der Grund, warum große Künstler viel geschafft haben: Sie haben das Wichtige erkannt. Und das Dringliche beiseite geschoben. 

Die Werke von Reger sind nicht unverständlich und anstrengend: Die Choräle und Fantasien und kürzeren Werke sind eigentlich sehr klar und angenehm.  

Der Bachfilm von The Great Composers wird zwar dominiert von den subjektiven Aussagen der alten, männlichen Hasen der Bachszene, jedoch jedesmal lerne ich sogar durch diese Ausschnitte über Johann Sebastian, wie er wohl gewesen sein könnte – ich lerne zwischen den Zeilen. Bach muss das Komponieren der 200 Kantaten geliebt haben. Er muss geliebt haben, dass die Werke, noch warm, direkt geprobt und aufgeführt wurden, auch wenn oder gerade weil es oft Laien waren. Ich glaube, dass dies ihn lange inspiriert und ermutigt hat, denn gerade das “gemeine Volk” schätzte seine Musik. Ob seine Musik später “galant” wurde – ich würde das so nicht sagen. Im Gegenteil. Und Bachs Stil ist so eigen. 

9. Februar 2020

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Sei reizend zu deinen Feinden, nichts ärgert sie mehr. (Carl Orff)

Nachdem ich das Konzert in der Marktkirche Wiesbaden gespielt habe, durfte ich die kleinere Walcker-Orgel in der wunderschönen Ringkirche Wiesbaden spielen. Die Kirche ist groß und rund mit bunten Fenstern, Gemälden an Wänden und Decke und einem leuchtenden Altar, über den direkt die Orgel thront wie in der Christuskirche Karlsruhe. Mir gefällt das Modell, dass die Orgel über dem Altar ist, also mit das erste ist, was man sieht, wenn man durch die Vordertür eintritt. Die dreimanualige, romantische Orgel original von 1894 ist apart und klangvoll, mit schön geschnitztem Schmuck, ideal für Mendelssohn, Reger, Brahms, Messiaen, Liszt, Mozart… Sie soll erweitert und umgebaut werden, auch in Verbindung mit dem kleinen Fernwerk gegenüber. Wiesbaden hat viel zu bieten, Bergkirche, Lutherkirche, die griechische Kapelle… Selbst der Hauptbahnhof sieht wie eine Kirche aus.

Und überall schießt kochend heißes Wasser aus dem Boden: die heißen, schwefelhaltigen Quellen, die gesund sein sollen zum Baden und Trinken. Ein Kollege meinte, meine Virtuosität würde Geysire generieren :). Und in den Bäumen rund um die Marktkirche zwitschert und singt es ohrenbetäubend laut, ohne dass man die Vögelchen sieht. Tritt man an den Baum, wird es kurz für Sekunden ganz still. Dann geht es von vorne los. Die Vögel können nicht anders als singen.

Ich frage mich, warum Menschen in Zeiten der Umweltkrise ihre Autos anlassen, wenn sie gar nicht fahren, sondern irgendwo halten. Sogar, wenn sie aussteigen, lassen sie ihr Auto Schadstoffe in die Luft pumpen.

Auch in Wiesbaden kennen die Menschen ihre Kirchen nicht. Als ich spazieren war, wollte ich zurück zur Kirche.

“Wie komme ich zur Marktkirche?”

“Hä?”

“Zum Markt?”

“Supermarkt?”

In Heilbronn bin ich angekommen, obwohl Züge schon mal prophylaktisch wegen Orkan Sabine ausfielen, obwohl es nirgends windet. Gleich findet das Konzert statt: Klavierabend diesmal, gestern Orgelkonzert. Genauso wie ich es wollte.

Heute Klavier, morgen Orgel.

5. Februar 2020

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Gott hat auf seiner Harfe ein Lied gespielt, und ihre Saiten gehen durch meine Seele. (Hildegard von Bingen)

Es war sehr spannend, die schöne Beckerath Orgelbaufirma Hamburg heute zu besuchen. Die große Werkstatt duftete nach Holz und Sägespänen. Diese Späne werden an den riesigen Säge-Maschinen durch Schläuche nach draußen gepumpt. Dies ist gesetzlich vorgeschrieben, da Sägespäne gesundheitsschädlich für Mitarbeiter sind. Sie können ins Auge gehen, eingeatmet werden etc. Andere große Schläuche dienen zur Beheizung der Werkstatt. Dieselben Späne werden zu Pellets gepresst (sie haben eine eigene Pressmaschine dafür), und mit diesen wird im Ofen geheizt. Alle trinken sehr gern schwarzen Tee mit Milch (oder Zitrone) und Zucker. Wie ich. Sie hatten noch nie einen Gast, der genauso gern und viel Tee getrunken hat wie ich. Überall hängen Bilder von tollen Orgeln. Um eine Orgel zu planen, gehen viele Schritte als Grundschritte voraus. Es wird oft mindestens ein Jahr geplant, bevor gebaut wird. Und das dauert dann auch noch mal ca. ein Jahr. In welchen Raum kommt die Orgel? Wie groß soll sie sein, also wieviele Register? Wer bezahlt sie? Wieviel Geld steht insgesamt zur Verfügung? Heute sind 50 Register schon groß. Ein Register kostet ca. zwischen 13.000 und 17.000 €. Was für ein Spieltisch? Radialpedal oder nicht? Ich mag es lieber, wenn das Pedal nicht versetzt ist. Ich finde das unnötig. Wenn die Orgel Raum und Platz hat, nicht nur für die Pfeifen, sondern vor allem für die Spielenden vorne für Hände und Füße. Nichts darf eng und sperrig sein. Viel Umfang. Neue Klänge. Erst zum Schluss geht es um Pfeifen, Winddruck und Intonation. Diese drei Dinge aber sind das Kernstück der Orgel. Lebendiger Wind oder nicht, Keilbalg oder nicht? Welche Klänge? Was ist realistisch? Was ist keine gute Idee? Alle Werke sollten gut miteinander korrespondieren. Nicht einfach von berühmten Orgeln zusammenkopieren und zusammenstückeln. Jede Orgel hat ihr eigenes Gesicht.

Ich habe eine Traumorgel im Kopf. Sie muss nur noch realistisch werden. Es braucht Visionäre, Erfahrene, Bodenständige, Weise. Eben ein Team. Ich habe die Vision. “Hast du nicht erst mal versagt mit deinem Traum, also bist du nicht zunächst gescheitert, war dein Traum, deine Vision nicht groß genug.” So sagen weise Worte. Man darf und soll und muss aus Fehlern lernen! 

Die Werkstatt ist in viele Teilwerkstätten unterteilt. In einer werden die Pfeifen hergestellt. Sie sind mit das Herz der Firma. Die Pfeifen in allen möglichen Größen bis hin zu offenen 32-Füßen werden nicht irgendwo in Rumänien oder anderswo bestellt, also keine zusammengestückelten Orgeln, sondern selbst gegossen, geschnitten und angefertigt, vorintoniert. Ich habe eine Hausorgel gesehen, Orgeln, die gerade restauriert werden, Beckerath opus 1 (mittlerweile gibt es opus 500) für die Elisabethkirche neben dem katholischen Dom Hamburgs (Marienkirche), die drei neue Werke bekommen soll, von 14 Register auf 45 aufgestockt, Truhenorgeln usw. Und viele, viele Pfeifen.

Es hängen auch Gemälde mit Brahms, da Johannes Brahms mit Beckerath befreundet war. Die Firma gibt es also schon sehr lang. Brahms, wie er pfeiferauchend mit Bart am Flügel hängt – ein völlig anderer als der Charmeur aus dem Film Geliebte Clara – ja, diesen Bart-Brahms habe ich auch zuhause als Postkarte, schon als Kind. Das Original befindet sich im Besitz des Hauses Beckeraths. Leider hat Brahms wenig für die Orgel komponiert. Und am Klavier auch ganz anders, viel intensiver. Ganz im Gegenteil zu Bach. Seine Orgelwerke empfinde ich als die Krönung seines Schaffens. Diese Erkenntnis hat mich zur Orgel geführt! 

Ich habe schon einige schöne Beckeraths gespielt, in Würzburg, Wetzlar, Saarbrücken, Frankfurt am Main… Und bald in Heessen. Sehr unterschiedliche, alte und neuere. Und es werden viele neue gebaut, zum Beispiel auch ins Ausland, besonders USA. Auf dem Tisch lag das brandneue, weiße Buch Die Orgeln Hamburgs.

Ich wurde von Dammtor abgeholt, weil gerade ohnehin eine geliehene Truhenorgel (um die 40.000 €) zurück nach Wandsbek geliefert werden sollte. So eine Truhenorgel hätte ich auch gern. 

Ja, die Welt der Orgeln ist wohl bedroht. Beispielsweise war die Elbphilharmonie-Orgel ursprünglich nicht geplant gewesen, wurde nachträglich durch einen einzigen Privatspender eingebaut. Sonst gäbe es keine Orgel dort. Viele Kirchen in Hamburg und Umgebung sind vom Schließen bedroht. Und die Orgeln? Sollen als Gebrauchtorgeln verscherbelt werden. In den Osten. Ins Ausland. Das geht doch nicht. Es gibt einen riesigen Gebrauchtorgel-Markt. Es wundert mich, dass die Kirchen dennoch sperrig, unfreundlich und konservativ bleiben, anstatt aufzuwachen und die jungen Leute in die Kirche zu holen, damit sie nicht dicht machen müssen. Stattdessen gibt es oft Streit, Lästereien, Regeln und Verbote, viele schlecht bezahlte, neidische Kirchenmusiker, die dann auch noch die letzten willigen Musiker vergraulen, und gut bezahlte Pfarrer, die von Musik keine Ahnung haben.

Aber ohne Kirchen und Kirchenmusiker sind die Orgelbaufirmen existenziell bedroht. Konzertorgeln werden viel zu selten in Auftrag gegeben. Die Orgel ist nicht abgekoppelt von der Kirche. In den USA sieht es da anders aus. Ich hoffe, Deutschland wird wieder ein christliches Land. Die vielen Orgel-Fans und Orgelfreaks bringen nicht das Geld und die Aufträge für die Orgelbauer. Was weiter hier noch wichtig ist: Neue Kompositionen für die Orgel! 

Das Team ist jedenfalls sehr nett, ich wurde anschließend in die Kreuzkirche Wandsbek gefahren und habe dort an der Kemper-Beckerath-Orgel Mozart und Bach geübt. Sie ist neu restauriert; drei Manuale, schöne Zungen. Die Firma Kemper aus Lübeck gibt es leider nicht mehr, wie so viele Firmen nicht mehr. 

Ich habe gefragt, warum bei großen aufwendigen Restaurationen die neue Orgelfirma nicht angeschlagen steht. “Das macht man nicht.” Das finde ich demütig. Geübt habe ich am Ende des Tages auch in Altona St. Petri an der Schuke-Orgel. Dafür mussten wir quer von Wandsbek nach Altona fahren. Durch Hamburg durchfahren dauert mit dem Auto manchmal eine Stunde.

Es gibt in der Hauptkirche St. Petri eine große Beckerath-Schuke-Orgel, d.h. Schuke hat sie verändert, erweitert. Es gibt viele solcher “Misch-Orgeln”. 

Ich habe oft das Gefühl, dass sich Orgeln freuen, wenn man kommt. Orgeln sollten immer viel gespielt werden. Es ist ja sogar schlecht für ein Auto, wenn es nur herumsteht.

Nun, die Traktur lächelt, wenn eine Frau spielt. 

Haerpfer-Orgel im französischen Forbach Saint Remi

10. Dezember 2019

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Impuls 7:

Komponieren

Läuft nicht alles, was ich über Musik lerne mein Leben lang, darauf hinaus zu komponieren? Ist es nicht das, um was es geht? Ist nicht dies letztendlich der einzige wirklich künstlerische Weg? Waren nicht früher die Musiker Komponisten? Ließen sie sich nicht sogar ihr aktives Konzertieren (ein Stück weit oder ganz) zurück, um zu komponieren? Immer mehr soll dies mich drängen. Schreiben ist Komponieren, und Komponieren ist Schreiben. Ach danke, wunderschöne Kadenz.

Konzerte sind alles sehr gut gelaufen. Morgen wird das Beethoven-Jahr im Detail geplant.

Das Adventskonzert in der Pfarrkirche Biebelried war sehr schön, eine schöne entzückende Orgel. Advent… Adventskalender, Gans, Kerzen, Rosen, Brettspiele, Schach, Kuhstall, Regen. Aber vor allem das Lukasevangelium.

Schön ist, mehr über meine Stimme zu erfahren und kennenzulernen. Ich habe nie darüber nachgedacht, dass man mit absolutem Gehör die Tonlage der eigenen Stimme hören und auch ein Stück weit kontrollieren kann. Ich liege also entspannt bei fis klein, vor allem im Zweiergespräch, kann aber, wenn ich aufgebracht bin, weit über das e1 hinausgehen. Schon sobald ich vor anderen Menschen spreche, wird meine Stimme deutlich höher: c1. Es ist wichtig, die Anbindung zu behalten, Wärme, Zwerchfell, Brust, Bauch, mich. Spricht nicht die Bibel von Eingeweide? Von Nieren? Bruststimme bei Frauen: g klein bis d1.

Stimme sagt viel über Seele aus; spiegelt sie; wie spüre ich mich selbst? Wie ist mein “Wohlfühlmodus?” Wenn ich angespannt bin, habe ich “Nebengeräusche in der Stimme”. Es ist jedoch viel besser, klar zu sprechen. Ich dachte immer, meine Stimme sollte ein unangetastetes Kunstwerk bleiben. Aber der Gedanke stimmt so nicht; meine Seele und Stimmung sind ja auch kein “unangetastetes Kunstwerk” – sondern Dinge, an denen ich arbeiten kann. An und mit meinen Händen arbeite ich auch. Tempo, Lage, Atmung. Nicht rennen. Königin sein. Zunge vorne. Kauen. Schwingen.

Seele in die Hand nehmen. Spiegel und Stimme in die Hand nehmen. 

Ich ahnte nicht, dass Frauen im Brustbereich Stimme so viel dünner ausgestattet sind als Männer (Gott??). Aber das bedeutet nicht, dass ich nicht daran arbeiten sollte, im Brustbereich mehr Stimme zu involvieren, also das Zwerchfell; sie und sich zu spüren; denn wenn ich gleich in die Kopfstimme gehe, gebe ich eventuell weniger von mir preis, sondern verstecke mich. Support, Stütze. Denn: Bin ich eine große Pfeife? Oder eine kleine? Das ist hier die Frage.

Ich denke also darüber nach, wo fühle ich mich wohl?; kann meine Stimme auch im Brustbereich schwingen?; gebe ich mehr von mir preis, will ich, ohne Druck?; dann kann ich auch mit der Stimme entspannt sein und wesentlich mehr als Kehle involvieren. Musik und Wohlfühlen – das muss mehr in meine Seele. Erstaunlich, dass dies eine Musikerin sagt.

20. August 2019

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Dygnkantring 

Stilla vaktar skogsmyran, ser i intet

och intet hörs utom dropp från dunkla

lövverk och det nattliga sorlet djupt i sommarens canyon

Granen står som visaren på ett urverk,

taggig. Myran glöder i bergets skugga.

Fågel skrek! Och äntligen. Långsamt börjar molnforan rulla.

(Thomas Tranströmer)

Horizontlinie

Still wachen Waldameisen, sehen ins Nichts

hinein. Und nichts zu hören außer das Tropfen aus dem dunklen

Laubwerk und das nächtliche Säuseln tief im Canyon des Sommers.

Die Tannen stehen als Zeiger des Uhrwerks,

zackig. Die Ameisen glühen im Schatten des Berges.

Vogelschrei! Und endlich.

Langsam beginnt der Wolkendeich schräg zu rollen.

(Ann-Helena Schlüter)

Sammanhang

 Se det gråa trädet. Himlen runnit

genom dess fibrer ned i jorden –

bara en skrumpen sky är kvar när

jorden druckit. Stulen rymd

vrides i flätverket av rötter, tvinnas

till grönska.  – Det korta ögenblicken

av frihet stiger ur oss, virvlar

genom parcernas blod och vidare.

(Thomas Tranströmer, 1996: Dikter)

Zusammenhang

So der graue Baum. Der Himmel geflossen

durch dessen Rindstücke hinab tief in die Erde –

nur ein Stück Himmel ist übrig,

wenn die Erde trinkt. Gestohlener Raum

gedreht in ein Flechtwerk von Wurzeln, eingezwirbelt

ins Grün.  – Der kurze Augenblick

von Freiheit steigt auch aus uns, wirbelt

durch Zellen, Blut und weiter.

(Ann-Helena Schlüter)

Ich liebe die Gedichte Tranströmers! Es gibt Leute, die verstehen kein Wort. Dabei habe ich das Gefühl, mit jedem Gedicht erzählt er eine ganze Geschichte voller Weisheit und Gefühl.

16. August 2019

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Essen und Düsseldorf

Ich freue mich auf die nächsten Konzerte und auf die Orgel im Dom Essen.

“Die Finger machen, was der Kopf will, nicht umgekehrt.” (Schumann)

Ich schätze gerade sehr den Roman Anna Karenina von Tolstoij – obwohl die Rolle der Frau doch sehr bedenklich ist. Aber wunderschön geschrieben. Ich gehe mein Leben in beständigen Kreisen.

 

4. August 2019

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Landesakademie Kloster Ochsenhausen: Gabler-Orgel

Nun bin ich schon seit über einer Woche in der Landesakademie in Ochsenhausen in Oberschwaben mit ISAM-Masterclasses Komposition und Orgel. Es macht sehr viel  Spaß. Gestern Abend habe ich den Pianistin Grigory Sokolov mit Beethoven und Brahms gehört; an diesem Steinway im Bibliothekssaal spielte ich auch meine Komposition Snö (Schnee). Jeden Tag lernen wir andere Orgeln kennen. Am schönsten ist natürlich die Gabler-Orgel hier in St. Georg mit vier Manualen, aber auch die Barockorgel Holzhey in St. Verena in Rot an der Rot ist wunderschön (drei Manuale). Geübt habe ich aber auch in Heilig Geist und Dreifaltigkeit Biberach, in Ringschnait, an der schönen Sandtner-Orgel in der erstaunlichen Klosterkirche Gutenzell und in Hürbel, auch in Schloss Zell mit der schönen, alten, schwarzen Chor-Orgel, umarmt von Engeln. Jede Orgel ist ganz anders und sehr interessant, jede hat eine andere Windversorgung, einen anderen Touch, andere Klänge. Besonders gern mag ich hier an der Gabler-Orgel im Kloster die Vox Humana (im dritten Manual) im Tenor zusammen mit dem Tremulanten. Muffat, Knecht, Klassik, italienische, spanische, süddeutsche und norddeutsche Musik und auch Bach klingen hier sehr schön. Auch Improvisation und Contemporary Classical Music. Man ist sehr inspiriert von den vielen Kunstwerken an den Decken und Seiten, dazu Skulpturen, Schnörkel und Engel (teilweise in Rosa). Es ist viel zu tun, so dass wir kaum Zeit haben, die schöne Gegend mit Wiesen und Wäldern zu erkunden. Jedoch habe ich schon Rehe und Hirsche gesehen. Und Pferde. 

Auch Komposition ist sehr spannend. Wir haben jeden Tag Unterricht, dazu Gruppenunterricht und Überzeiten. Da ich zwei Klassen managen muss, schlafe ich kaum, da ich ja komponiere jeden Tag. Dazu kommen noch viele Abend-Konzerte und Matineen und Gottesdienste, die alle spannend sind, eines davon im Ulmer Münster und Kunsthalle Weishaupt. 

In Komposition habe ich sehr viel über die Instrumentierung von Percussion, Body Percussion und die vielen Klänge der Querflöte gelernt (Romantic Flute, Traverso, Modern Flute, Alto, Piccolo…) mit Flutter Tongue, Jet etc. Sehr spannend, große Scores zu schreiben.

Ansonsten ist es hier sehr international, was schön und lehrreich ist: Iran, Indien, USA, Türkei, Serbien, Kolumbien, Ukraine, Russland… So viele verschiedene Rhythmen! Ich finde, die Scores sagen bereits viel über jemanden aus. Ich schreibe oft am liebsten handschriftlich. Die Männer hier schreiben mit Note Performer Sibelius.

Jedoch gehen die Frauen immer noch massivst unter. Es wundert mich: In Schule und Studium sind Frauen meist die Besten und werden dann im “richtigen Leben” von Männern beiseite gedrängt. Und niemand sagt etwas. Es ist “ganz normale” Diskriminierung und im Grunde viel eingefleischter und schlimmer (da subtil) als die Diskriminierung zwischen Schwarz und Weiß. Ob ich dagegen kämpfen kann? Es wirkt wie ein riesiger Berg. Zudem: Die Frauenrolle in der Männerwelt haben Homosexuelle übernommen.