Archiv

14. Oktober 2021

Schlagwörter: , ,

2 Kommentare
Kommentar verfassen

Eine Meisterin der Pfeifen! (Neue Westfälische am 13.10.21 über AHS)

Foto oben: Wenthin Orgel 1818 in Halverde, Ibbenbüren, Westfalen (kath. Peter und Paul) – Dank an Erich Stoffers.

Der Artikel über mich in der Neuen Westfälischen ist eine Seite groß und schön geworden mit Foto, auch wenn manches durcheinander ging (wir waren etwas spät dran).

Ich freue mich, dass auch Erich Stoffers früher bei Audite aufgenommen hat (Schallplatten). Meine CD kommt März 2022. Trost Orgel Waltershausen. ❤️

Wieder daheim!

Anbei neu: Orgel-Information: – viele neue Orgeln –

Klaßmeyer: Raumfüllender, warmer, romantisch grundtöniger Klang. Helle, liebevoll gepflegte Kirche. Enormes Volumen trotz nur 12 Register. Erstaunlich! Auch für Bach geeignet.

Zum Klicken:

Klaßmeyer Orgel Laggenbeck

Klaßmeyer Orgel 1908 in Laggenbeck

Zum Klicken:

Ott Orgel Bad Oeynhausen

Presse Neue Westfälische

Kann man es lesen? Ansonsten: Presse ann-helena 

Steinmann Orgel Ibbenbüren

J.S. Bach – Trio-Sonate d-Moll, Steinmann Orgel Christuskirche Ibbenbüren, NRW, Westfalen, AHS

12. Oktober 2021

Schlagwörter: , ,

6 Kommentare
Kommentar verfassen

Willst du eine Raketenfrau kennenlernen? Dann AHS. So was gibt es kein zweites Mal. (Volker Hege)

Ich bin noch gar nicht hinterhergekommen, was ich noch alles erzählen möchte von den letzten vollen Tagen: 9 Orgeln in 3 Tagen! Pickepackevolle Tage! Alles evangelische Kirchen. Von Bielefeld habe ich einen sehr guten Eindruck gewonnen: Eine sehr hübsche große Stadt mit wunderbaren Orgeln und Kirchen und einer sehr netten Innenstadt. Alle reden von der großen Beckerath in Hamburg (war ich auch), dabei hat Bielefeld eine mindestens genauso schöne und große Beckerath, sogar zwei, und Albert Schweitzer spielte an beiden! Von wegen, Bielefeld gibt es nicht. Albert Schweitzer war sogar hier ❤️. Und wer weiß das? NRW darf ruhig mehr Werbung für sich machen. Ich fühlte mich von Albert Schweitzer jedenfalls umhüllt, als ich an der mächtigen (französisch angehauchten) Beckerath 1965 in der ev. Altstädter Nicolaikirche spielte – drei Manuale, das RP über mir (!) – mit dem wertvoll alten Gold-Altar 1554 (Antwerpen, Belgien) hinter mir. Die Klänge des SWs sind wunderbar. Der Schweller selbst ist schwergängig. Super Setzer-Anlage. An dieser Orgel ist alles spielbar. Ich liebe Beckerath. Schon immer. (Seitdem ich Organistin bin.)

Eine Wucht ist auch die kleine Chororgel Beckerath 1954, Schweitzer-Orgel, 2 M. Eine sehr süße und besondere Harfen-Form, zum Knutschen. Obwohl klein, hat sie enormen Wumms. Sehr direkt, sehr glockig, beinahe 🌶 scharf. Wäre sie größer als die große Schwester gegenüber, sie wäre eine Granate. Eine Klangwaffe. Danke an Daniel Debrow, Volker Hege und Martin Rieker. Schön, wenn man mindestens zu zweit ist in Orgeltouren. Denn ich will nicht nur spielen, sondern auch hören. Warum? Das Hören ist mindestens genauso wichtig wie das Spielen. Nur durch das Hören (viel Hören) erfährt und begreift man Raum und Instrument. Das Wunder Orgel. Und ich bin froh, dass es zumindest ein paar Kantoren gibt, die das begreifen. Man kann gar nicht genug hören. Die Orgel klingt bei jedem anders. (Viele Kantoren kennen ja nicht die Orgel im Nachbarort, kennen keine Zahlen zu ihrer eigenen Orgel und wissen nicht, was Hören ist. Die Orgel ist nur für den Dienst im Gottesdienst da, mehr schlecht als recht, es gibt kein/kaum Literaturspiel. Und wenn, dann kein gutes Niveau. Nur dem Chorleiten gilt das Interesse (Niveau Sonderpädagogik/Sozialarbeit). Kein Interesse, Talent oder Ehrgeiz für Orgel, Registrieren, Klänge, Virtuosität, Üben, Reisen, solistisches oder künstlerisches Instrumentalspiel. Kurz: Das totale Gegenteil zu mir.)

Dann waren wir im Bernstein essen – über den Dächern Bielefelds. Ich sah die Tauben auf der Nicolaikirche und die Sparrenburg erleuchtet. Ich erinnere mich, wie wir auf den Turm der Sparrenburg gestiegen sind und von oben die ganze Gegend bewundern konnten. Bielefeld im Teutoburger Wald besitzt den sehr kleinen Bach Lutter. Drum herum haben alle Orte richtige Flüsse. Wir tranken noch einen Bubble Tea.

Wir besuchten und spielten auch die Führer der ev. Stadtkirche in Laar/Herford. Dort gibt es eine sehr hübsche Führer-Orgel 1966, 2 M. Super in Schuss. Die Kirche ist sauber, gepflegt, mit leuchtend blauen Fenstern und einer bezaubernden Führer. Ich liebe Führer (siehe Riddagshausen).
Die Kirchenmusikhochschule in Herford (weiße Villa im Park mit Internat) besuchten wir auch und spazierten in der lauschigen Innenstadt. Wir liefen auch am grossen Fluss Werre mit seinen Villen. Dort gab es Kirmes, so auch in Bielefeld.
Auch die Paul Ott Orgel 1959 in der ev. modernen Auferstehungskirche Bad Oeynhausen (dort wimmelt es von Kliniken und Kurparks) war schön, 3 M, ein riesiges buntes Glasfenster an der Vorderfront, großes Café. Danke an den lieben Kantor! Dort wurde ich interviewt von der Neuen Westfälischen Zeitung. Kommt heute/morgen raus.

Ich spielte hier in Bad Oeynhausen früher mal in der Wandelhalle. Klavier. Mit „Welt Klassik“. Ich habe keine guten Erfahrungen mit „Welt Klassik“ gemacht: Die Künstlerinnen werden meiner Meinung nach ausgebeutet, vor allem die aus dem Ausland, die sich ausbeuten lassen. Wie kann man dies erlauben?

Dann spielte ich auch die wunderbare Janke Compenius Orgel (3 M) 1621/1995 (meine zweite) in der ev. Nikolaikirche in Rinteln an der Weser, einer kleinen Stadt in Niedersachsen in der Nähe von Bielefeld, Hameln, Minden und Bückeburg. Hier ist ja alles nah: NRW, Niedersachsen, Norddeutschland, Münsterland, Lipperland, Osnabrücker Land, Paderborner Land, Westfalen. Rinteln gehörte vor langer Zeit sogar mal zu Kassel (Hessen)! Mir gefiel der teilweise historische (Mittelteil), rötlich-braune und schlichte Prospekt sehr gut. Die hellen Holztasten waren schön und leichtgängig. Auch diese Orgel wird von Bente (Sudfeld) betreut. Sie ist leicht mitteltönig, „Janke Spezial“, ohne Schweller, ohne Setzer. Martin Sander spielt hier nächste Woche. Danke an Daniela Brinkmann. In Rinteln aßen wir Fisch. Die alte Innenstadt ist sehr hübsch.

Wunderschön ist die australische Orgel Rowan West (1994) in der Bartholomäus Kirche in Brackwede Bielefeld. Dort gab es ein Fest (Glückstaler Tage) vor der Kirche. Leichtgängig, wunderschöner Prospekt. Dazu morgen, auch zum Tecklenburger Land (Osnabrück). 

Eule Orgel Bielefeld

8. Oktober 2021

Schlagwörter: , ,

1 Kommentar
Kommentar verfassen

Charme ersetzt keinen Charakter. (AHS) 

Es war wieder eine Top-Stunde bei Kay Johannsen mit Liszt. Es macht immer Spaß an der Mühleisen in Stuttgart. Und über Artikulation zu reden. Vorher durfte ich die hübsche Diethelm Berner Orgel (1980, Stuttgart) in der Schlosskirche des alten Schlosses Stuttgart (Landesmuseum Württemberg) bei der Stiftskirche (Stiftsmusik) spielen. Sie wird jedoch bald ausgetauscht werden.
Es waren viele Türen und Gänge, bis ich die Orgelempore fand (kleines Labyrinth). Aber wer kann mich stoppen, wenn ich eine Orgel suche? Wenn die Orgelvampirin das Blut einer Orgel gerochen hat? Niemand.

Oberes Foto: Schuster Orgel St. Blasii Nordhausen. 

Anschließend fuhr ich nach Dortmund. Der ICE fährt durch. Ich schlief. Schlafe zu wenig. Schlafen scheint meine Zeit zu rauben. Danke, Gott, dass du mich wieder versorgt hast. Meine CD und mein Clavichord gehen in die Endrunden. ❤️ Danke an alle! Gott ist der Reichste! Und GEMA… 

In Dortmund wurde ich abgeholt. Wir liefen am Fußballmuseum vorbei. Sorry, Fußball ⚽️, bist nicht meine Leidenschaft. Keine Ahnung, welcher Fuß oder welcher Schuh von welchem Namen welchen Ball berührt hat… „Das solltest du hier in Dortmund lieber nicht zu laut sagen…“

Das Hotel Grey ist schön, die Kirche St. Petri ist direkt daneben ganz zentral. Morgen um 8 darf ich hinein. Die Orgelvampirin… wie gesagt. Wir aßen lecker in der Pfeffermühle. Morgen wird wieder ein voller Tag.

Incredible Schulte Orgel St. Petri Dortmund Today 💕 Stream und reales Konzert heute 16 Uhr:

Stream: http://YouTube.com/user/stadtdortmund

Stream Konzert Dortmund heute 16 Uhr

Foto: Strebel Orgel Hohenstein 

Berner Orgel

Neu:

Berner Orgel

 

Schulte Orgel Dortmund 

Berner Orgel Stuttgart 

1. Oktober 2021

Schlagwörter: , ,

1 Kommentar
Kommentar verfassen

Helmut Schmidt soll schon 1978 gestorben und durch einen von der Tabakindustrie gestellten Doppelgänger ersetzt worden sein. (Czech/Domzalski)

Heute waren wir beim schönsten Sonnenschein in Quedlinburg (Sachsen-Anhalts Städte haben teilweise unglaubliche Namen), am Rande des Nordharzes, in Sachsen-Anhalt, in der wunderbaren großen Marktkirche, an der genialen romantischen Ernst Röver-Orgel von 1886: 3000 Pfeifen, 3 Manuale, pneumatische Kastenlade (geschlossenes Schutzsystem, Schutz vor Staub und Schmutz, wenig störanfällig im Vergleich zu offenen Systemen wie der pneumatischen Kegellade: hier gibt es öfter Störtöne und Störgeräusche). Es ist die größte besterhaltene Röver-Orgel. Röver hat die ganze Gegend mit Orgeln versorgt, bis nach Hamburg und ins Ausland. Meine erste Röver-Orgel. Ihre bunten Registerknöpfe werden nicht gezogen, sondern nach unten gedrückt. Röver hat die Reubke-Orgelbaufirma von Adolf und Emil und Julius Reubke in Hausneindorf übernommen. Sie ist eine der klanglich schönsten Orgeln, die ich je gespielt habe. Unzählige feine und zarte historische Achtfüße, Streicher und Flöten, dazu Schweller und Walze.

Der dunkle, spitz zulaufende Prospekt erinnert mich an meine geliebten Ladegast-Orgeln. Sie besitzt Dynamik-Knöpfe als „Setzeranlage“, die nicht immer direkt ausstellen, dazu sogar eine Art Tastenfessel (historisch), Koppeln, Koppeln aus, Auslöser und (so wie die Reubke Orgel in Görsbach/Thüringen, wo ich gestern war und von der ich noch berichten werde) einen ganz besonderen Schweller mit Schnappfalle, einen Tritt mit Widerstand. Es sind kreative und nette Lösungen. Das dritte Manual ist das Schwellwerk mit hellblauen Registerknöpfen. Es gibt dort für Liszt eine feine, leise, durchschlagende Zunge Aeoline (kein Streicher!). Im zweiten Manual (rosa Registerknöpfe) gibt es die durchschlagende Zunge Clarinette, sehr gesanglich und melodiös. Alle Prinzipale und Mixturen sind warm, grundtönig und dunkel. Das HW ist das erste Manual mit weißen Registerknöpfen wie das Pedal. Ich spielte Liszt.
Anschließend aßen wir chinesisch am Marktplatz, bummelten durch die wunderschöne Altstadt. Ich habe zuvor noch nie von Quedlinburg gehört, aber damit bin ich wohl die Einzige. Es ist eine Stunde von Leipzig entfernt. Der nette Kantor Markus Kaufmann erzählte mir, dass er der neue Kantor der Leipziger Nikolaikirche wird. Das wusste ich nicht, das finde ich schön, schade nur, dass erneut beide großen Leipziger Kirchen 2021 nur von Männern besetzt werden. Hier waren noch nie Frauen fest Kantorinnen, und alle sprachen schon zuvor nur vom „Kantor“, vom „Organisten“. Wann wird sich das jemals ändern? Er lädt am 1.10.22 Kay zum Konzert ein.
Es wimmelte bei dem absolut herrlichen Spätsommerwetter von Touristen. Kaum zu fassen, dass morgen der 1. Oktober ist!
Quedlinburg (bei Halberstadt, SA) wurde nicht wie Nordhausen (T) zerbombt: überall hübsche schiefe Fachwerkhäuser, efeubewachsen, herbstlich verfärbt, ein Rathaus mit einem Roland (Zeichen freier Kreisstädte, wie in Nordhausen), und der Aufstieg zur Stiftskirche (auf einem Hügel) war bezaubernd. Es gibt hier die schmalsten Häuser der Welt, die wie bunte Plätzchen aussehen, wie Hexenhäuschen, wie halbe Häuser, wie Kuchenstücke oder Puppenstuben, liebevoll geschmückt. Ein gelbes Häuschen hatte einen gelben Stuhl draußen an der Wand oben angebracht. Dran stand: „Für böse Weiber.“ Ich fotografierte es und sagte laut: Guck mal, ein frauenfeindliches Haus! – – Kamen ein paar Typen vorbei und grinsten. Und dabei ist Gelb noch meine Lieblingsfarbe.
Alles ist mit Blumen dekoriert, besonders die Stiftskirche St. Servatii in Quedlinburg mit Schatz oben mit weißen Rosen. Man hat von oben einen wunderbaren Ausblick auf den Harz und den Wald, der in der Sonne leuchtet, und auf all die Fachwerkhäuser und Kirchen. Die Stiftskirche selbst ist innen voll Bauarbeiten trotz Eintrittspreis und erschreckend klein und nichtssagend im Vergleich zur Größe der Stiftskirche von außen. Ich hatte Pompöses erwartet. Dort ist die kleine Schuke Potsdam Orgel mit Bronzepfeifen, die genau gestern 50 geworden ist.
Der Hausmeister erklärte mir entschuldigend, Himmler hätte hier eben gewütet. Aber die Größe kann er doch nicht verändert haben!

Dann fuhren wir nach Hausneindorf ca. 12 km entfernt zur Orgelbaufirma Reubke und Röver. In der ehemaligen Burg liegt das wunderbare Museum. Ich konnte auf diesen alten Steinen spüren, dass Julius Reubke hier herum gelaufen sein muss, hier im goldenen Harz, im Grenzgebiet Niedersachsen und Sachsen-Anhalt, am Rande des nördlichen Harzes. Das hat mich sehr berührt.

Ich habe in 5 Tagen 14 Orgeln im Harz gespielt. Wir sind dabei vom Südharz zum Westharz, vom Unterharz, Oberharz  und Nordharz durch drei Bundesländer (Thüringen, Sachsen-Anhalt und Niedersachsen) gefahren. Der bewaldete und hügelige Harz hat mich nun eine ganze Woche begleitet: Die Harz-Tour:

– Strebel Knauf Orgel Liebenrode, T

– Deppeé Orgel Obersachswerfen, T

– Friedrich Knauf Orgel Bleicherode, T

– Reubke Orgel Görsbach, T

– Röver Orgel Quedlinburg, SA

– Engelhardt-Orgel Herzberg, NS

– Ital. Barockorgel St. Nicolai Herzberg, NS

– Klais Orgel Dom Nordhausen, T

– Schuster-Orgel Nordhausen, T

– Schulze Orgel Heringen, T

– Bente Orgel Kloster Walkenried , NS

– Goll Orgel Stabkirche Hahnenklee, NS

– Schuke Potsdam Stiftskirche Quedlinburg, SA

– Werner Orgel Limlingerode

Dazwischen Weigle Orgel Mannheim, also 15 Orgeln in 6 Tagen.

Beautiful Andreas Engelhardt Orgel Herzberg, Niedersachsen, Harz, ev. St. Nicolai – Orgel Date AHS

29. September 2021

Schlagwörter: ,

Kommentar verfassen

Die Länge der Gesänge ist viel zu lang für ihres Ohres Länge. (Wilhelm Busch) 

Schreibe morgen früh. Mir fallen die Augen zu.

Geheime Denkmäler:

Zuerst besuchten wir in Limlingerode die hübsche evangelische Kirche (aus Gips und Bruchstein, beinahe 1000 Jahre alt), die die letzte erhaltene große Johann Christoph Werner-Orgel (1810; 2011 restauriert) besitzt. Werner kam aus Steina bei Bad Sachsa aus einer Töpfer-Familie. Er sollte den väterlichen Töpfer-Betrieb übernehmen. Aber er liebte den Orgelbau und brachte sich diese Fertigkeiten extern und autodidaktisch bei, was natürlich manchen ein Dorn im Auge war. Quereinsteiger sind oft nicht willkommen. Dabei war er sehr talentiert: Die Orgel in Limlingerode ist eine wunderschöne zweimanualige weiße Orgel, geschmückt mit Blumen (diese eventuell sogar noch von älterem Jahrgang), dunklen und näselnden, mittelalterlich klingenden und warmen Klängen. Die Kirche ist hell und ebenfalls mit Blumengirlanden geschmückt, der Altar von 1695, der Taufengel von 1710. Da der Turm zu klein ist, sind die drei großen schönen Glocken außerhalb der Kirche angebracht. Die wertvollste wurde leider verkauft. Es ist das erste Mal, dass ich in einer Gegend so viele Kirchen ohne Turm antreffe. Dadurch sehen manche Kirchen nicht wie Kirchen aus. Die Glocken sind draußen im Glocken-Gehäuse. Alle „rodes“ sind ca. 1000 Jahre alt. Die wunderschöne Werner-Orgel wird auch im Thüringer Orgelsommer gespielt. Im zweiten Weltkrieg wurde die Kirche beinahe zerschossen, der Turm und das Dach fielen ein, es regnete in die Orgel. Der Dachreiterturm, der gerade über der Orgel saß, wurde abgeschossen und diese Lücke dann mit einer Hilfskonstruktion gedeckt. Dennoch hielten einige Register dieser tapferen Orgel bis 1970 durch! Danach ging nichts mehr. 40 Jahre lang schwieg diese Orgel. Eine biblische Zahl. An dieser Orgel kann mensch viel erkennen und lernen und sich ein Beispiel nehmen. Wie geduldig sie alles ertrug. Jugendliche kletterten in ihr herum. Kirche und Orgel wurden in der Nachkriegszeit grau und etwas düster angemalt. Dann DDR – Grenzzone und Sperrgebiet. Nach dem Zweiten Weltkrieg und der anschließenden notvollen Hungerzeit 1946-48 kam mit dem „Aufbau des Sozialismus“ durch die sowjetisch angeleiteten Kommunisten die nächste Unterdrückungswelle mit der Einführung der 5km-Sperrzone an der Grenze. Unbotmäßige wurden deportiert, viele Menschen enteignet, die Bauern in die „Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften“ gepresst, all das verbunden mit einer scharfen antichristlichen Propaganda. In dieser Zeit hat die Gemeinde das Kirchendach repariert und die Kirche neu ausgemalt. Das war eine enorme Widerstandsleistung, die für die Christen auch mit dem persönlichem Risiko des Verlustes von Heimat und Eigentum verbunden war. Dass ihnen das nicht mit fröhlichen Farben gelang, kann ich gut verstehen.

Schließlich aber wurde die Orgel endlich in Angriff genommen und aus ihrem Schweigen herausgeholt. Jedoch – was kann man von Orgelsachverständigen anderes erwarten – hielten die Gutachten der „Orgelsachverständigen“ die Orgel für nicht reparierbar. Die letzte Werner-Orgel! Die Gemeinde und Frau Neubert gaben nicht auf. Da kam Orgelbaufirma Hüfken aus Halberstadt. Innerhalb eines Jahres stellten diese die Werner-Orgel wieder her! Es wurden alte Pfeifen gefunden, die der frühere Pfarrer dem ersten Welt-Krieg vergeblich anbieten wollte, die Bälge erneuert, es wurde restauriert, die alten herrlichen Farben mit den Blumen und dem wunderbaren Grün wiederhergestellt. Die Manualkoppel und die Pedalkoppel sollten noch restauriert werden. Dies ist jedoch sehr teuer. Es gibt eine wundervolle Posaune 16 und Quintadena und in samtiger Akustik die Flöten. Besonders berührend ist für mich, dass direkt neben dem Glockenstuhl das Geburtshaus der Lyrikerin Sarah Kirsch steht, die bekannteste Dichterin der DDR. Übrigens, die Tagebücher von Pfr. August Rönnefarth hat Pfarrer i. R. Dr. Ehrhart Neubert als Büchlein verlegt – eine spannende Quelle darüber, was der Krieg im Alltag eines Dorfes anrichtete und für die einfachen Menschen bedeutete. Der treibende Motor an der Renovierung und der Orgelfrage war er. Der Gottesdienstbesuch in Limlingerode ist vergleichsweise gut, die Politik und DDR-Schulbildung haben hier nicht ganz so durchgeschlagen wie in anderen Gebieten der ehemaligen DDR.

Der Kirschkuchen aus dem heimischen Bäcker schmeckte übrigens vortrefflich. Schade ist, dass so viele Menschen dieser wunderbaren Gegend die Gottesdienste nicht besuchen. Es ist leider eine sehr säkularisierte Gegend, vielleicht eine der säkularisiertesten Gegenden der Welt.

Reubke Orgel Görsbach

28. September 2021

Schlagwörter: , ,

Kommentar verfassen

Orgeln sind wie Wein, so unterschiedlich wie Wein. (AHS)
Heute Nordhausen. Lutherstadt. In der Kreisstadt Nordhausen (ehemalige Kaiserpfalz und freie Reichsstadt) sind zwar bei den Bombenangriffen in den letzten Kriegstagen fast alle Orgeln zerstört worden, aber in den beiden größten Kirchen gibt es gute neue Orgeln: In St. Blasii eine dreimanualige Orgel der Fa. Schuster, Zittau 1995, 3 Manuale, 37 Register; im tausendjährigen Dom eine Orgel von Johannes Klais (1996, 3 Manuale, 56 Register).
Heute besuchte und spielte ich die schöne große  Schuster-Orgel (Zittau) von St. Blasii Nordhausen: Die größte evangelische Orgel in Nordhausen (eine sehr hübsche Stadt mit Fachwerkhäusern voll Efeu „im Osten“). St. Nikolai wurde zerstört. Rückpositiv, Schwellwerk. Neobarock, jedoch weich, neu: mit romantischer Gambe und Schweller. Drei Manuale, 2. M ist HW, unten RP, schwarze „Lacktasten“, leichtgängig, doch hohe Obertasten, sehr lange Registerzüge, glitzernde Akustik. Die Kirche von 1234 (2004 saniert) ist hell mit steinernen Gurtbögen. Auf der grünen Empore steht die Orgel in Holz. Lutherweg Nordhausen. 
Jede Orgel hat ihr eigenes Gesicht. Die einen sind schrill, trocken, die anderen fruchtig, manche weich. Und zur Musikalität muss man ein Cockpit-Gedächtnis haben: Wie ist die Bank eingestellt, habe ich die richtigen Schuhe, Noten, Hose… wo ist was, wie weit weg ist was, kann ich es noch erreichen, wo ist das SW, wie ist die Anordnung … Der Spieltisch ist nicht die Orgel. Der Spieltisch ist nur das Cockpit.
Man kann hier an der gereinigten Schuster von 1995 wunderbar Bach spielen, aber auch Mendelssohn, sogar Liszt (jedoch Vorsicht, es gibt keine Setzeranlage, das hätte 50.000 € mehr gekostet. Das heißt, wenn man es alleine machen will, dann muss man sich beschränken). Ich mag jeden Tag einen anderen Wein. Warum sollte ich wie Kirchenmusiker 18 oder 24 Jahre lang den gleichen Wein trinken? Manche Orgeln haben etwas „Verstaubtes“, was aber total sympathisch ist. Andere sind etwas kalt und kühl von ihrer modernen Eleganz her. Wieder anders sind teure Oldtimer, die mehr „Sprit“ kosten als sich die Leute leisten können. Da kostet die Reinigung schon 100.000 €. Wie hier an der Klais Orgel im Dom. Immer spannend.
Die Kirche hat rotglitzernde Fenster.
Nordhausen besitzt tolle alte „Villen“ wie die Post und das Rathaus, vor dem „der Roland“ steht, der das Reichswappen mit dem Adler hält. Barfüßer Tor. Nordhausen wurde drei Wochen vor Kriegsende von den Amerikanern und Engländern total zerbombt, und es wurden dabei auch Zivilsten und Kinder ermordet.
Die Ossis sind ganz lieb und lustig.
Nach der Schuster spielte ich die große Klais Orgel im katholischen Dom Nordhausen, die größte Orgel in Nordhausen. Völlig andere Orgel, Johannes Klais 1964/1996. Der Dom ist wunderschön, helle Pfeiler, geschmückte Decke, wertvoller Altarbereich mit Holzschnitzereien. Krypta, Chorraum, Sandsteinfiguren, Wappen-Schlusssteine an der Decke. Enormer Nachhall (7 Sekunden). Die Orgel ist eine Wucht! Sie stammt aus Kassel und wurde nach Nordhausen verkauft. Sie ist eigentlich eine Konzert-Orgel. Oben ist das Oberwerk. Sie thront wie eine extra kleine Orgel oben auf der Orgel. Und eine extra Orgel sie ist, eine kleine extra Orgel. Sie wirkt süß da oben, aber hat enorme Power. Klein, aber oho. 3. Manual. Sie schallt direkt und ohne Abdeckung an die Decke und ist oft lauter als das Schwellwerk (1. Manual). Sie mischt sich nicht ganz so gut mit dem Rest der Orgel und hat erstaunlich wenig leise 8-Füße.
Der Prospekt ist sehr kreativ: Unter der kleinen süßen OW-Orgel zeigt sich das HW, darunter das rote Schwellwerk mit den 16-Füßen davor, und rechts und links das Pedal, die großen vorne und die kleinen Solostimmen dahinter. Die Orgel hat einen schönen sanften Schwung durch diese Aufteilung. Sie wurde sehr gut angepasst an die schwarzen Bänke hinten an die Hinterfront. Sie hängt tief, und der Spieltisch ist ebenerdig und exponiert. Daran sieht man deutlich den enormen Unterschied zwischen großer Orgel und dem kleinen braunen Spieltisch (dem Cockpit). Mein erster Gedanke war: Schneewittchen-Orgel: Schwarz wie Ebenholz ist die Zierdeleiste und die Bank, rot wie Blut das Schwellwerk, auch die Zierdefarbe, und „weiß wie Schnee“ die silbernen Pfeifen. Aufgrund des Nachhalls ist es wichtig, langsam und ruhig und „bodenständig“ zu spielen. Stretta geht hier gar nicht, vor allem nicht bei Fugen. Die „romantischen“ und ruhigen Werke Bachs klappen gut, Fugen und Virtuoses können anstrengend sein. Alle Läufe müssen mit Bedacht gespielt werden. Es gibt Walze und Schweller und 64 Setzer. Auch das Mischen der Farben braucht hier viel Erfahrung. Alle Register sind links, weiße Kippschalter. Dazu Vorpleno, Pleno, Zungen-Pleno, Tutti für jedes Werk. Morgen berichte ich weiter.
Die fluffigen Klangfarben sind mit zeichnenden schön zu mischen, das ist wichtig. Die Orgel besitzt trotz ihrer reichen Palette wenige (leise) 8-Füße. Das Pedal zeichnet schön und kann ohne Koppeln gut verwendet werden. Vorsicht vor Tutti-Knöpfen im Allgemeinen, besonders in starker Akustik. Lieber ein ausgewähltes Plenum nehmen. Es gibt auch eine Walze, die jedoch etwas springt und neu programmiert werden muss, da scharfe Register zu früh und zu abrupt gezogen werden und sich manche Register beißen. Erstaunlich finde ich, dass man wenig Walzen antrifft, die schön programmiert sind. An jeder Orgel muss man neu denken. Selbst wenn man kommt und seine Werke kann, ist damit oft nur die Hälfte geschafft, da eine Passacaglia von Bach hier ganz anders gespielt werden muss in starker ebenerdiger Akustik (ruhig, durchsichtig, aber nicht spitz) als in trockener Akustik. Kippschalter sind anders als lange Züge, die Anordnung sehr unterschiedlich…  
Nach dem Dom „Heiliges Kreuz“ besuchten wir das Haus von Christian Gottlieb Schroeter, Organist, der Bach verteidigt hat. Es wird renoviert. Lutherplatz.
Die Kantoren waren sehr nett. Danke auch an Manfred Machlitt und Team!
Die dritte Orgel heute hier im Südharz ist die kleine einmanualige Heinrich Deppe Orgel (Zweibrücken/Nordhausen, 19. Jahrhundert) in Obersachswerfen: St. Marien.

Die Orgel ist das lauteste und leiseste Instrument. (Spielerinnen gesucht)

Keine „Spielertypen“.
Diese kleine Dorf bei Liebenrode besitzt eine Kirche aus Bruchsteinen ohne Turm mit einer absolut niedlichen Dorforgel, 2000 restauriert. In den Dörfern ringsum gibt es manch reizvolle, meist einmanualige Orgel, oft kaum mehr spielbar.
Ich übernachtete beim Ritter von Lievenroth. Die Kirche St. Petri ist auf einem Hügel erbaut,
auf dem sich wahrscheinlich ein Heiligtum für den germanischen Gott Donar (Thor) befand. Im Pfarrhaus wurde um 1535 der Dichter Johannes Mylius geboren. Er wirkte später in Krakau, Litauen, Wien und an der Universität Jena. Außerdem die Gelehrten Martin und Johann Friedrich Schweser (17. Jh.). Letzterer war auch Lautenspieler, lebte später als Berater des Markgrafen Christian Ernst von Brandenburg in Bayreuth.
Knauf-Orgeln sind toll! Seit 1835 besaß die Petri-Kirche Liebenrode eine zweimanualige Orgel von Friedrich Christian Knauf (Groß-Tabarz/Gotha), die 1926 von Georg Kiessling (Bleicherode) umgebaut wurde und in den 1980er Jahren völlig verfiel. Das Dorf lag im Grenzgebiet, das Kirchendach stürzte ein, die Orgelpfeifen wurden geklaut. Nur Gehäuse und Prospekt blieben halbwegs erhalten, in die Thomas Hübener 2019 die Königsberger Strebel Orgel aus der Oberpfalz mühevoll einpasste. Er musste dabei einiges an der Strebel-Orgel verändern. Die Kirche ist von einer Mauer umgeben, eine Art Kirchenburg. Aber man kann über die nicht mehr sehr hohe Mauer in die Landschaft sehen, auf die Hainleite, ins Ohmgebirge (Eichsfeld).
Die Kirche ist innen schlicht, barocke Kanzel und Altar sind in den Nachkriegswirren
verschwunden. Mir gefällt sie so. Nichts lenkt ab, die Akustik ist angenehm, nicht zu hallig. Schnelle und filigrane Passagen verwischen nicht.
Es gibt hier einige interessante Orgeln, etwa in
Eichsfeld (St. Marien Heiligenstadt, Gebr. Späth, Fulda 1941), in Bleicherode (Friedr. Knauf, 1837;
erneuert von Robert Knauf, 1898, restauriert 2013 durch Fa. Brode, Heiligenstadt); dann die klassizistische Orgel in der Welfenstadt Herzberg (Nicolaikirche, Joh. Andreas Engelhardt, 1845; steht unter Denkmalschutz), die wunderbare Orgel von Christoph Junge (1681) in der Trinitatis-Kirche Sondershausen, der einstigen Hofkirche der Fürsten von Schwarzburg-Sondershausen, einst von Andreas Werckmeister abgenommen
(3 Register aus der Bachzeit existieren noch, 1997 wurde die Orgel von der Fa. Hey (Rhön) modernisiert, 3 Manuale, 40 Register, Schwellwerk.
Im Kloster Walkenried (4 km von Liebenrode) gibt es eine neue Orgel (2017) von Jörg Bente (2 Manuale, 29 Register).
In Nordhausen gab es vom 17. – 19. Jh. mehrere Orgelbauer-Dynastien. Auch der Miterfinder des Hammerklaviers Christoph Gottlieb Schröter (1699 – 1782) lebte in der Stadt als Organist der Hauptkirche St Nicolai. Er war auchKomponist, Musiktheoretiker, Schriftsteller und Instrumentenbauer, entwickelte um 1717 nicht nur eine eigene Hammerklaviatur, die er am sächsischen Hof vorführte, sondern auch 1740 das Modell eines Schwellwerks für die Orgel. Er war mit Bach bekannt, schrieb für ihn 1749 eine Verteidigungsschrift im Streit mit Rektor Bidermann. Schröter ist leider fast vergessen.
Christoph Brückner möchte hier auch gleich konzertieren und schrieb meine Veranstalter an.

Johann Heinrich Deppeé Orgel 1824/2000 in Obersachswerfen

27. September 2021

Schlagwörter: , ,

Kommentar verfassen

Flöte spiel ich mit links und mit den Füßen Posaune. (Spielertypen an der Orgel)

Heute schönes Konzert 19 Uhr an der Weigle Orgel Echterdingen 1954 Opus 995 in der evangelischen  Markuskirche Mannheim-Zentrum (helle, warme Holzkirche), 2021 von Orgelbau Popp renoviert, festliches Einweihungskonzert mit Sekt heute, gut besucht trotz Wahl und Regen. Blumen. CDs verkauft. Pandemic Dance kam gut an. Meine vierte Weigle. 
Eine liebe Pfarrerin, die Indien liebt und mir richtig Lust auf Indien gemacht hat. Zudem hat sie indisch gekocht. Die pneumatische dreimanualige Orgel, wie ein großer Kamm aufgefächert, besitzt Walze und Schweller, freie Kombinationen, Absteller, hat gewisse „neobarocke“ Schrillheit hier und da, was ich jedoch gut abfedern konnte. Zudem macht sie Holz-Nebengeräusche, die ich oben kaum gehört habe, und pfeift etwas beim Treten von Tutti. Ich informiere Popp.
Mitte Oktober spielt hier Johannes Michel – dessen Stücke mir nicht gefallen, zu gefällig, weniger originell, nach dem Zeitgeist mit einer Prise „Jazz“, U. Pop an der Orgel ist nicht so meins. Die meiste sogenannte neue „Klassik“ heute in Kirchen ist U. Vor allem Chor und Orgel. Gefälliges.

Ich stehe auf E. Auf Neue Musik.

Die Weigle ist völlig anders als die Strebel Orgel gestern. Es macht großen Spaß, als Konzertorganistin Orgeln zu bereisen und zu erobern. Es gibt ja kaum Konzertorganistinnen. Ich bin eine absolute Rarität. Jedes Mal ein Abenteuer: Diesmal heute habe ich neu Liszt Weinen, Klagen, Sorgen, Zagen (WKSZ) das zweite Mal gespielt, heute komplett mit Walze. Auch Ritter d-Moll zum ersten Mal komplett mit Walze. Und Schweller.
Walze ist ja eine Welt für sich. Es ist wirklich interessant, es zu trainieren. Wichtig ist hier, alle Koppeln und Register vorher zu entfernen. Die Walze ist schwergängig, sie visuell beobachten und mit der Ferse betätigen, sonst tut sich da nichts. Man muss mit der Walze eins werden. Nach unten wird es lauter. Man muss ein Gespür bekommen, unsichtbar dafür, wo die Nähte und Brüche der Klänge sind. Man muss mit der Walze atmen.

Ich achte meist darauf während eines Konzerts, alle Register hervorgehoben präsentiert verwendet zu haben. Ausnahmslos. Keines soll vergessen werden. Das gelingt mir besonders durch Pandemic Dance, bei dem ich ganz neu mische.
Danach Käseplatte und jetzt dringend schlafen. 

Sind Sie eigentlich schwul? (AHS)

Konzert Mannheim AHS

AHS

Weigle Orgel Mannheim

15. September 2021

Schlagwörter: , ,

1 Kommentar
Kommentar verfassen

Heute ist der No-Pants-Day. Endlich haben auch Exhibitionisten ihren Feiertag. (Czech/Domzalski)

Jemand sagte mir gestern, meine Homepage würde mindestens 3 Frauen zeigen. Wie ich das alles in einer Person sein kann?

Ich freue mich auf das Konzert in Rothenburg/Tauber. Es ist am 29.10. an der Steinmeyer Orgel in Heilig Geist.

Die Konzerte 28. und 29.9. sind auf 30. und 31.10. gelegt. Rudolstadt ist ebenfalls im Oktober.

„Die Verwandlung“ von Kafka ist hervorragend. Klug, ironisch, sehr witzig, verrückt, psychologisch, sarkastisch. Und vor allem originell. Das Besondere und Originelle ist der sagenhafte Humor, der natürlich bissige Kritik ist. Jedoch solch einen genialen Umgang mit Kritik habe ich selten so klug und witzig erlebt. Denn es ist ganz ernst und erschreckend und doch so lustig, dass man den Kopf schütteln muss. Gleichzeitig traurig. Es ist eine unfassbare Mischung. Kafka schreibt viel aggressiver, wilder und sarkastischer als Zweig, der wehmütig und lyrisch ist. Kafka bleibt bis zum Schluss „böse“ und beißend. „In der Strafkolonie“ – sehr gut komponiert. Beide schreiben keineswegs politisch und doch sehr politisch. Besonders in Zweigs Essays.

Apropos Kompositionen. Meine neuen Werke sind eingetroffen. In DIN A 3 vor mir liegend – wunderbar. Furore und Stringendo.

NEU: Wiegleb Orgel Ansbach:

Wegen Lazy Load werden alle neuen Fotos und Texte bei Orgel Infos jeweils erst nach ca. 24 Stunden online zu sehen sein. Dadurch läuft die Webseite schnell.

Es kann gern kommentiert werden:

Wiegleb Orgel Ansbach

Rainer Goede erzählte mir, Architekten können manchmal durchaus auch ein Problem sein beim Orgelbau. Das hätte ich nie vermutet. Die grünen Schleier innerhalb der Stiftskirche Stuttgart dienen dem Klang. Denn Orgelbau Mühleisen wollte keinen Freipfeifenprospekt. Gehäuse und Schleier helfen, Klang zu bündeln, zu sammeln, zu sortieren. Aber die Architekten suchen nicht die Organisten und Orgelbauer aus, sondern Juristen und Theologen im Amt. Da wird oft der Hausarchitekt ausgesucht. Einen hervorragenden Freipfeifenprospekt (Werke übereinander) zu bauen, der dem Klang nicht schadet, ist schwer und viel Arbeit. Um dem Klang zu helfen, gab es zumindest ein Rückpositiv und die grünen Schleier. Das Zusammenspiel von Kirche, Klang, Orgelbauer, Gewölbe, Architekt, Sachverständiger, Organist – ist enorm! Als Organistin ist man also auch Akustikerin. Es gibt viel zu wissen und zu kennen. Und dann muss man noch diplomatisch sein, denn der Bau einer Orgel oder die Rekonstruktion ziehen sich Jahre hin, man muss mit den unglaublichsten, widersprüchlichsten Leuten zu tun haben.

Ich bin verblüfft, dass die Bälge in der Decke über der Wiegleb Orgel liegen (fallender Wind, Schwerkraft). Der mächtige 32-Fuß (offen, Holz) hinter der Orgel ist begeisternd.

Dass eine so wunderschöne Orgel im Prospekt ohne Gott und Anbetung ist, sondern idealtypisch für männlichen Absolutismus – das ist erschreckend. Nur die Musik und doch die Musik werden Gott preisen. Denn der Markgraf ist trotz seiner Monogramme längst im Totenreich. Gott aber wird nie sterben. Kann er gar nicht.

Heute habe ich mit Hans-Ola Ericsson (er ist gerade in Linköping) gesprochen, das Haus in Schweden nehme ich leider nicht 😭, zu weit weg, und wegen Registrierung:

  • immer aufschreiben in die Noten (nicht spontan und mündlich die Orgel inhalieren), was wo will
  • auch wenn es keine Nummern gibt, sich im Kopf Nummern (er hat mir eine immer gleiche Strategie genannt) „notieren“ (=merken)
  • jedes Register EINZELN durchgehen, dann mischen, die Chöre usw., erst dann in die NOTEN SCHREIBEN (auch wenn meine „awful“ wären 🎋🦜)- nicht spontan
  • sollte was schief gehen, gleich korrigieren (den FlOW stoppen!) – sollte aber nur 3 x im Leben passieren (was bedeutet, dass es mir nie mehr passieren darf)

Ich mag Manualschiebekoppeln und Sperrventile wie bei Ladegast. Wiegleb hat dies „edler“ gelöst.

Ps:

In den Lektürevorschlägen der Lehrpläne für Deutsch in Bayern sind immer noch viel zu wenige Autorinnen erwähnt, meistens max. 2-3, aber es überwiegt immer noch der Eindruck, dass hauptsächlich (ältere) Männer schrieben, erst recht gute Literatur/ Weltliteratur. In einer Diskussion darüber bemerkte letztens ein Mann, dass das wohl daran liegt, dass Frauen eben anders und insbesondere nicht so gut schrieben wie Männer und deshalb in Vergessenheit geraten wären und auch nicht in der Schule gelesen werden. Ich finde jedoch, dass dies genauer untersucht werden müsste und heutige Schülerinnen unbedingt auch viel mehr Texte von Autorinnen lesen sollten. Es geht mir dabei vor allem um eine Balance, kein entwederoder. Erst dann entzerren wir auch diesen doch noch immer sehr patriarchalen Blick auf Literatur, Geschichte und Kunst. Das Bild ist aber viel bunter, und die Kenntnis dieser Autorinnen würde uns alle sicher bereichern. Zudem bestimmen nach wie vor Männer, was „gut“ sei. Der einzige Lichtblick: Männer schreiben über Frauen. Es geht in der Literatur zu 90 Prozent um Frauen.


Aber auch Frauen können Weltliteratur schreiben.

Ebenfalls neu Ladegast: Es kann gern kommentiert werden:

Ladegast Orgel Weißenfels

Ladegast Orgel Marienkirche

Wiegleb Orgel Ansbach

Dortmund Konzert

14. September 2021

Schlagwörter: , , ,

Kommentar verfassen

Die Erde ist ein atmendes Lebewesen. Ob sie fühlen und hören kann? (AHS)

Wenn man selbst registriert, ist es wichtig, dass man registriert. Also nicht zu wenig. Sondern farbig. Dass einem dabei Fehler unterlaufen können, sollte nicht abschrecken davor, farbig und viel zu registrieren, so als hätte man zwei Registranten oder als gäbe es eine Setzeranlage oder Nummern. Inhaliere die Registernamen!
Was ich bisher jedoch noch nicht wusste: Wenn man beim Selbstregistrieren einen Fehler macht, zB eine Mixtur vergisst oder im Pedal plötzlich zu viel oder zu wenig hat – was tun? Soll man stoppen und sofort korrigieren? Oder so tun, als wäre alles gewollt so und erst bei der nächsten Chance korrigieren? Im Studium lernt man so etwas nicht, denn wer konzertiert schon viel im Studium? (Außer mir) Rainer Goede aber gab mir darauf eine Antwort, ohne dass ich fragte: Zum Fehler stehen und sofort oder bei der nächsten Eins korrigieren. Dies würde auch ein Dirigent tun. Ich war erstaunt. Am Klavier ist es eine Todsünde, stehen zu bleiben.
Wunderbar war auch, dass er mir eine lange private Orgelführung gab zu dieser wundervollen Wiegleb Orgel, die er seit über 18 Jahre betreut. Und auch zur Rieger-Orgel in der Nachbarkirche St. Johannis. Die Rieger-Orgel ist im Stil eines entwickelten Neobarocks, hell, aber nicht grell und scharf. Sie ist ganz anders als die historische Barock-Bach-Orgel Wiegleb, die einzigartig ist: Gambenchor, 2-Fuß-Gambe, Echo im Schwellkasten, Flagiolett 2 im Prospekt, ein Prospekt des reinen Absolutismus.

Besonderheiten sind und gelernt habe ich:

Kirchen und Klang einschätzen können:

  1. Teppich 
  2. Putz (glatt ode rau)
  3. Farbe (körnig oder glatt)
  4. Bögen, Rippen, Gewölbe (Gleichmäßigkeit, Höhe)


Feinde“ von Orgeln:

  1. Schmutz, Wurm, Feuchtigkeit (oder Trockenheit)
  2. Klanghinderer (siehe obiger Hauptpunkt Kirche)
  3. Gewisse Architekten und Orgelsachverständige

Orgelbau und Komponieren:

  1. Kapieren
  2. Kopieren
  3. Eigenes machen 


Man kann auch 1 und 2 tauschen: Solange kopieren, bis man kapiert. Denn Kapieren ist der Knackpunkt, finde ich.

Die Professionalität der GEMA hinterfrage ich manchmal, die die Schlagerbranche ehrt und eher primitive Musikdigitalisierungen fördert.

Ich lese/höre Kafka. Anstrengender Stil.

Was mir an den (schwedischen) Märchen und Sagen nicht gefällt, sind die „Magie“ (oder Trolle im Schwedischen), dass alles „vertrollt“ ist, witchcraft und Hexerei. Muß das wirklich sein? Es gibt doch auch eine gute, heilige Spiritualität. Muß es denn die gottlose Magie sein? Oft wird sie romantisch gefärbt (Disney).
Überhaupt gefällt mir in angeblich romantischen Märchen die angeblich romantische Rolle der Frau nicht: Sie muß stets schön und bescheiden sein und sich alles gefallen lassen (siehe Aschenputtel). Ihr einziges Ansinnen: Ball, König und Heirat, anstatt sich gegen Stiefmutter und (komplett schweigenden, devoten) Vater durchzusetzen oder davon zu gehen in die Welt. Nur Magie und Aussehen helfen ihr, den König zu heiraten. Katastrophales Rollenbild. Zudem sind es immer die bösen anderen Frauen, die Frauen das Leben schwer machen (Schneeweiß, Aschenputtel…). Man muss bedenken, dass alle diese Märchen von Männern beeinflusst wurden und dass die Könige in den Märchen meist schweigen.
Selbst jetzt, 2021, gibt es eine Shampoo-Werbung, die behauptet, das Haar gäbe Frauen Selbstbewusstsein! Frauen sollen wohl mit solcher Werbung verdummt und in ihre Rolle verwiesen werden. Glaubt mir, Frauen, es ist nicht euer Haar, was euch Selbstbewusstsein gibt. Das ist eine Lüge der Männerbranche.

Aber es gibt auch Männer, die verstehen, was Sache ist. Neben Stefan Zweig auch Moa Martinson. Er schreibt darüber, dass Frauen, die von Männern verführt, belogen und geschwängert wurden (ehelos), bestraft und verachtet wurden, auch von der Kirche, während nach den Männern niemand fragte und diese logen, dass sich die Balken bogen. Bei Männern konnte man ja die weiteren Folgen von Sex nicht sehen.
Es gibt selten aufrichtige und mutige Männer. Die meisten sind leider eher schwach, weich und feige.

ps: „Süßsein“ scheint für viele Männer gleich mit Antikönnen zu sein. Süß und Können ist für viele Männer schwer zu kombinieren. Scheint sich für sie geradezu zu widersprechen. Man und besonders frau darf nicht süß (oder unschuldig) sein und doch mehr können.

The Beatles – Yesterday – Piano and Voice (mit Gesang und Klavier) in Berlin. Ann-Helena

Yesterday mit Gesang
Pandemic Dance

13. September 2021

Schlagwörter: , , ,

Kommentar verfassen

Niedrigkeiten und pöbelnde Männer entlarven sich von selbst. (Alice Schwarzer)

Die schwedischen musischen „Klassiker“ sind interessant: Roman, Bellmann, Kraus, Berwald, Rangström, Nilsson, Attenberg, Hallström…

Schön ist, dass St. Gumbertus Ansbach, evangelische Stifts- und Hofkirche, auf einem Johann Sebastian Bach– Platz steht… mitten in der Innenstadt, am Schloss, in der sich die Regierung Mittelfrankens befindet. Nah der Orangerie. Und dass das kleine Ansbach (bei Nürnberg) ein eigenes feines Theater hat.
Ich fragte den Taxifahrer, wo St. Gumbertus sei. (Wir waren zwar schon mal mit Christoph Bossert da, ist aber schon lange her). Der Taxifahrer sagte, am besten mit Taxi. Ich antwortete, es sei doch nur 7 min zu Fuß entfernt. Er sagte: Wer verrät denn so was?
Ich lachte: Sie hätten wahrscheinlich mit dem Taxi 30 min gebraucht. Klar, lachte er.

Eine schöne Stadtführung hätte ich da bekommen…

Ich finde, an jeder neuen (fremden) Orgel muss frau sich erst wieder neu eingrooven, Hüfte, Gelenke, Körper, sich strecken. Sich streckend dem jeweiligen Instrument entgegenbiegen und anpassen. Nicht zu schwungvoll sein. Anti-Stretta. Ruhe. Wissen, wo man die Ferse platziert. Die Hand merkt schon vorher, wenn und dass etwas unangenehm wird.
Man muss so vieles an der Orgel beachten: 

Frau muss das jeweilige Werk als Tastatur, aber auch als Register begreifen und auch als Klang, als Pfeifen. Dreifach! 

In Ansbach ist das Schließwerk ähnlich wie in Wiesbaden, ein Chip mit Doppelpieps.
Ich mag den schlichten, hellen Raum, in dem das Schmucke einzig und allein die Orgel ist.

In meinem eigenen Stück hatte ich im Mittelwerk (3. Manual) einen Heuler (evtl. wegen den Glissandi). Es war ein a und perfekt und passend, wie er weiterklang. Ich baute mein Stück um den Heuler herum. Man muss flexibel sein. Ich dachte mir nur: Ich muß zudem auch schauen, dass und wie ich ihn im Spiel kreativ wieder wegbekomme. Das ist mir gelungen. Ich war stolz auf mich selbst. Es war ein kreativer Heuler.
Ansonsten hat mir der Ritter besonders Spaß gemacht. Ich habe alles allein gemacht. Der Kantor sagte mir, es sei ein Horror für einen Registranten, hier zu registrieren. Der könne seitlich die Schilder kaum lesen. Setzer und Hilfen und Nummern gibt es nicht. Das finde ich auch schön.
Rainer Goede sagte mir hierzu: In der Bibel steht: Ich habe dich bei deinem Namen gerufen, nicht bei einer Nummer. – So ist es: Man muss alle Register vom Namen (und Klang) her kennen, nicht von einer Nummer. Gembshorn, Petitt, Oboe, Gambe… Ich bin das Register Ann-Helena.

High Risk SOS Pandemic Dance XIV – Wiegleb Orgel Ansbach live in Concert. Uraufführung AHS

 

 

 

Wiegleb Orgel