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Tourblog

10. Juni 2022

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Instrumente sprechen immer meine Liebessprache. (AHS)

Heute erinnere ich an Carmen Sylva (1843). Deutsche Schriftstellerin.

Foto: Stilvoll zum Konzert. Ein süßer Trecker! 

Neu: Die Hirtenwonne – eine musikalische Geschichte. Von Wonne zum Donner und zurück. Ob das auch eine Anspielung ist wie das abgepflückte rote Heidenröschen? 
Eule Orgel Greifswald:

https://youtu.be/how4CVLRTCk

Heute bin ich in die Massen geraten. Ich bewundere manche Schaffner. Auf was für Leute man trifft mit dem coolen 9 € Ticket. Neben mir saß tatsächlich wieder ein Drogendealer. Gras. Er kifft, seit er 14 ist. Jetzt sei er 38. Das sind mittlerweile ca 400 € im Monat an Gras. Ich habe ihm vorgeschlagen, eine Berufung zu finden, die ihm mehr taugt als Joints. Ich ertappe mich oft dabei, dass ich anderen Rat geben will, vor allem Fremden. Er sagte, er will nicht sein Leben mit Arbeiten vergeuden. Ich habe gesagt, das verstehe ich. Aber eine Berufung sei etwas anderes als Arbeiten und Geld verdienen. Er sagte, seine Berufung sei Faulsein. Strand. Rauchen. Pina Colada. Die böse Welt verdrängen. Ich sagte ihm, das glaube ich nicht. Jeder hat etwas, das er liebt. Wie wäre es mit Musik? Er sagte, ja, das mache er auch. Also hören. Nicht Selberspielen, da sei er ein Honk. In dem Moment dachte ich mir, jetzt hilft nur noch Gott. Aber da hielt der Zug.

Ich kenne seinen Namen nicht. Und dann hielt der Zug in Würzburg. Ich verlor ihn in den Massen. Ich brauche also eure Hilfe. Betet für ihn! Danke!

Kennst du das auch, dass dir ein anderer Mensch leid tut, so dass es sticht?

Am meisten aber sticht es, wenn ich in einem Moment nur meine Welt und meinen Willen sehe. Nicht die der Menschen. Ich wollte mir in Nürnberg schnell etwas zu essen holen, und es war ein Ehepaar unendlich langsam an der Kasse, und hinter mir bildete sich eine lange Schlange. Mir platzte der Geduldsfaden und ich “bat“ den Ehemann, sich doch etwas mehr zu beeilen. Ich war wirklich genervt. Dann sah ich, dass er eine behinderte Tochter im Rollstuhl hatte und müde aussah. Es stach ganz arg in mir. Es ist, als würde Gott einen Schleier wegziehen und mir die andere Seite zeigen. Ich flüsterte innerlich: Segne ihn, Gott.

Ich muss meine Ungeduld bekämpfen. Denn eine Sache ist die, die Gott liebt: Erbarmen. Gott liebt Erbarmen. ❤️❤️❤️ Erbarmen hat viele Gesichter: Wahrnehmen. Warten. Ertragen. Aushalten. Verstehen. Kontakt aufnehmen. Den anderen ansehen. Zuhören. Lächeln. Freundlich sein. Und zwar gerade dann, wenn der andere nervt. Gerade dann! Jetzt muss ich etwas Verrücktes äußern: Manchmal erscheint es mir, als würde Gott die, die es besonders nötig haben, gesegnet zu werden, und die er liebt, mit mir (und meiner Ungeduld) kollidieren lassen. Denn es passiert fast immer, dass ich nach einer ungeduldigen Kollision wie oben beschrieben, reuevoll und aus ganzem Herzen flüstere: Gott, bitte segne ihn!

Meine Kompositionen umgehen bewusst typische Muster, Proportionen, Strukturen (männlich) vorgefertigter, festgelegter Form, um neuen Formen Platz zu geben in Freiheit, Weiblichkeit und Klang, auf der Suche nach einem neuen Genre, nach einem neuen Geist. Innovation statt Variation und Nachahmen. (AHS)

Ich habe das 9 Euro Ticket, und es hat mir auch schon getaugt und gedient. Da ich viel ICE fahre, bin ich glücklicherweise noch nicht in die Massen geraten. Ich mag Massen nicht.

Am Freitag bin ich wieder in Salzburg. Doktorandenforum. Mozarteum. Ich liebe mein Thema und spreche gern darüber. Schon am nächsten Tag fahre ich wieder zurück zum Konzert in St. Marien in Weißenfels an die große neue Ladegast-Orgel in Sachsen-Anhalt.

Ich kann schon wieder singen, vorsichtig und leise, aber es geht. Ich habe festgestellt: Was wirklich gut für die Seele ist, ist Chorsingen und Liturgisches Singen. Das ist richtig auferbauend. Sogar, wenn man erkältet ist.

Heute war Greifswald recht warm. Es blüht der rote Klatschmohn, kleine Kühe und Fohlen toben.

Heute erinnere ich an Anneke Kim Sarnau, Schauspielerin. Vielschichtige Frauenfigur in einer Branche, in der Männerstimmen in Quantität noch immer vorherrschen, auch in Filmen, in denen Frauen die Hauptrolle spielen. Achtet mal darauf, wie oft und wieviel Frauen und wie oft Männer sprechen in Filmen.

Heute erinnere ich auch an Donna Strickland, Physikerin aus Kanada. 1959 geboren. Stellt euch vor, das frauenfeindliche Wikipedia hat 2018 (!) abgelehnt, einen Eintrag über sie anzunehmen, sie sei zu “unbedeutend”. Kurz danach bekam sie als dritte Frau den Nobelpreis. Dann erst bekam sie einen Wikipedia Eintrag. Jetzt wundert mich gar nichts mehr. Wikipedia hat auch nichts unternommen, als durch Attacken (die Verdächtigen kennt ihr bereits durch meine Blog-Einträge, und schaut euch die Aggressionen in der Ansgar Kreutz Gruppe an und ihr wisst Bescheid) eingeladen wurde, Vandalismus auf meiner Wikipedia-Seite zu betreiben. Damit ist meine Wikipedia Seite die erste in der Orgelwelt und Kirchenmusik, die (so) attackiert wurde. Ist es hierbei ein Zufall, dass ich eine Frau bin? Sicher nicht. Ich bin definitiv in vielem rekordverdächtig. (Es wird von Bier gefördert. Ich mag Bier nicht.)

Foto: Greifswald

Neu: Konzertplakat Sehnsuchtsort Orgel

und 11. Amberger Orgelmusik

2. Juni 2022

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Die Formen der Kunst verzeichnen die Geschichte der Menschheit gerechter als Dokumente. (Adorno)

So ist es.

Heute erinnere ich an Yasmina Reza. Dramatikerin. Und an Dorothy Hodgkin, Chemikerin. Ihre Kinder sind ihre “Hobbies”.

Foto: Stralsund

Ich bin auf der Playlist von OrganRoxx.

Es stimmt, es gibt Orgeln mit Charakter. Man will alles liegen und stehen lassen, um diesen Klang zu hören. Und dann gibt es Orgeln, bei denen ist das nicht so der Fall. Angepasste Orgeln, gezähmte Orgeln, veränderte Orgeln. Orgeln, bei denen gegen sie vorgegangen wurde, nicht mit. Dort, wo der Kantor aus einem Schaf einen Ochsen machen wollte oder aus einer Ente einen Schwan. Auch wenn eine Orgel nicht perfekt ist, muss man mit ihr registrieren, nicht gegen sie. Natürlich kann man sich ärgern, wenn gewisse Klänge genau auf den falschen Manualen liegen oder wenn der Prinzipalchor zu dünn oder zu schwach ist oder wenn französische Romantik nicht spielbar ist oder wenn es nicht genug Flöten gibt oder keinen Nasard. Aber es ist dennoch wichtig, sie zu akzeptieren, ihre Stärken zu sehen und nicht gegen sie zu spielen, weder vom Repertoire her noch von der Registrierung. Manche Orgeln mögen vor allem die Orgelbewegungsliteratur; das sind genau die Komponisten, die ich nicht mag: Distler… wobei… seine Chorwerke sind gut, aber die Orgelwerke mag ich gar nicht, noch weniger Ernst Pepping… Aber Hindemith, Bartok und Genzmer mag ich gern. –  Eine Orgel mit Charakter anzutreffen ist ein sinnliches Erlebnis, berührend, verändernd, zu Tränen rührend. Vor allem, wenn es eine Überraschung ist. Wenn du nicht damit rechnest. Ich habe noch nie solche Gefühle für ein Instrument gehabt wie für die Orgel. Ich liebe Instrumente. Aber die Orgel hat mein Herz erobert.

Es regnet in Greifswald. Es ist Juni geworden, und ich habe es gar nicht gemerkt. Ich bin zu müde, 30 km am Tag mit dem Radl zu fahren und werde in letzter Zeit immer gebracht und abgeholt. Dafür bin ich dankbar. Aber ich weiß, dass ich manchmal auch radeln muss.

Es gibt wie beim Liturgischen Singen auch beim Lästern Vorlästerer und Nachlästerer. Über manche Nachlästerer (die im Dialog mit den Vorlästerern stehen) wundere ich mich, denn mit einigen habe ich mich zuvor gut verstanden. Daran sieht man, dass die Bibel recht hat: Das Dichten und Trachten von Menschen ist von Geburt an böse. Apropos Bibel:

Wisst ihr, was wirklich seltsam ist? Glaubenslehre/Theologie/Dogmatik. Ich merke, dass ich es schwer abkann, wenn Jesus angezweifelt wird. Wenn angezweifelt wird, dass Jesus Gott ist. Dass er unser Retter ist. Dass er auferstanden ist. Dass er Mensch geworden ist. Dass nur gerettet wird, wer an ihn als den Erlöser glaubt. Wenn Heiden oder Kritiker das anzweifeln, habe ich damit kein Problem. Denn es sind Heiden. Viele wissen es nicht besser. Aber wenn Pastoren, Theologen, Kirchenmusiker dies anzweifeln, dann muss ich mir die Ohren zuhalten, denn es ist für mich Ketzerei, Blasphemie. Es ist, als würde jemand Unanständiges äußern. Als würde jemand den beleidigen, den ich liebe.

Wenn man jemand ehrlich ist und sagt: Ich habe es schwer, das zu glauben, ich habe es schwer, Jesus zu vertrauen – damit habe ich kein Problem. Das verstehe ich. Diese Gefühle kenne ich. Aber es ist ein Unterschied, ob man es manchmal schwer hat, Jesus zu lieben oder ob man anzweifelt, wer er generell ist. Wenn ein Theologe sagt: In der Bibel sagt Paulus nicht, dass Jesus Gott ist. Und was ist das für ein Gott, der ein Opfer nötig hat?  – dann bin ich sprachlos. Oder besser: Ich bin nicht sprachlos. Ich bin empört. Bin ich altmodisch oder ein Fundi? Was meint ihr? Bitte betet, dass ich geduldig und mit Erbarmen sein kann für alle Kritiker mit ihren Deutungen, die sich wissenschaftlich nennen. Ich komme mir vor wie ein Königskind, dass den König gesehen hat, aber schmutzig geworden ist und kein weißes Kleid mehr trägt. Wenn ich jetzt von dem König berichte, dann sagen die anderen: Schau dich an. Du willst den König kennen? Das glauben wir dir nicht. – Aber ich kenne den König. Glaubenslehre sollte sich mit dem König beschäften und nicht mit menschlicher Kritik.

Ich habe manchmal das Gefühl, ich kenne mich besser in der Bibel aus als die meisten. Und die Bibel hat viele Kritiker. Aber dennoch: Sie legt sich selbst aus. Ich verstehe, es ist ein krasses Buch. Aber es ist eben mehr als ein Buch. Es ist eben viel mehr als Literatur. Ihr Inhalt entscheidet über Leben und Tod im Finale.

MORGEN VÖ MEINER CD. HOLY SPIRIT.

Neu: Video, Choral in Greifswald

Schuke Orgel Neubaukirche Würzburg

27. Mai 2022

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Kann man von Gott sprechen, ohne sich an Gott zu wenden? (Jean-Luc Nancy)

Ja. Und doch: Nein, das geht natürlich nicht. Ob dies der Philosoph, 1940 geboren, verstanden hat?

Heute erinnere ich an Elise Deroche, Pilotin. Es geht beim Fliegen um Koordination, nicht um Kraft.

Foto: Dom Greifswald, die Uhr, die im Treppenwerk lautstark tickt

Ist es nicht schön, dass nette Trends von Stadt zu Stadt schwappen? Bücherschränke, aber auch, dass Leute Kisten und Kartons mit Geschenken und Kruusch (manche sagen Sperrmüll) vor die Türen stellen, aus denen sich bedient wird und die immer wieder aufgefüllt werden. Süß.

Es passiert immer öfter, dass mich fremde Organisten oder Musiker erkennen, wenn ich irgendwo bin: “Ach, Sie sind doch Ann-Helena Schlüter, ich kenne Sie von Youtube!” Oder dass ich angeschrieben werde: “Warst du gestern da und da, ich habe dich erkannt.” Gestern ist es mir passiert, als ich mich bewusst einsam in eine Wiese setzte und vor mich hin dirigierte, denn ich suche gern ruhige Plätze draußen, zum Beispiel auf einer Mauer. Ich fühle mich aber überhaupt nicht als YouTuberin. Ich finde, man ist erst YouTuber mit mehr als 20.000 Abonnenten. Trotzdem freue ich mich. YouTube gefällt mir. –  Doch ich finde es nervig, dass ständig die katastrophalen Amber-Johnny-Videos untergejubelt werden. Ich schaue mir das nicht an, sehe aber die Headlines, und die sind jedes Mal widerlich. Johnny Depp hat eine Affäre mit seiner Anwältin, Videos seiner betrunkenen, aggressiven Art, und dann natürlich wird über Ambers Aussehen gelästert, als ob man nicht traurig oder ängstlich aussehen dürfe, wobei ich sagen muss, dass ich das Aussehen von Johnny Depp viel erschreckender finde. Heißt er eigentlich wirklich Johnny oder hat er seinen Spitznamen zu seinem wirklichen Namen gemacht? Soll das alles ausgefallene Kinofilme ersetzen? USA beschämt sich selbst mit Veröffentlichen von Schlammschlachten dieser Art.

Ich lese zur Entspannung “Ostfriesen Schwur” von Klaus-Peter Wolf. Es ist keine literarische Sprache, sogar manchmal bedenklich, da das erzählende Ich ständig wechselt, was keine Dichte aufkommen lässt, dennoch hat er Erfolg, weil er sehr kurzweilig berichtet. Es ist einfaches Entertainment.

Wenn ich Headlines, Überschriften oder das, was man sonst so schnell überfliegend lese, am Handy, in Social Medials, in Werbung, auf Produkten – bekomme ich immer mehr den Eindruck, dass unsere Gesellschaft verblödet. Da wird man auf Duschgel-Flaschen  aufgefordert, sie umzudrehen, damit man den letzten Tropfen herausbekommt. Muss man dazu aufgefordert werden? Oder es ist von “nervösen Anlegern an der Wall Street” die Rede. Sind Anleger nervös tänzelnde Araberpferde oder Idioten, die in jeder Krise mit Verlust verkaufen, um danach wieder teuer einzukaufen?

Mein neues Werk “West in War” bereite ich gerade vor.

Bei mir ist manches mit der heißen Nadel gestrickt. 

Täglicher Orgel-Impuls:

24. Mai 2022

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Ich bin nicht mehr so sehr wie früher darauf angewiesen, dass man mich mag. (Elisabeth Stöppler)

Regisseurin. Heute erinnere ich an Ana Fidelia Quirot, kubanische Läuferin. Und Margrethe Vestager, Politikerin.

Foto: Bad Windsheim, Hey Orgel

Bin wieder in Greifswald. Musste um 5 aufstehen. Es ist nicht so schwül hier, es weht immer eine leichte Brise, vom Meer her. Es gibt viele verschiedene Wege, nach Greifswald zu gelangen. Diesmal bin ich über Hamburg gefahren. Morgen wartet ein anstrengender Tag auf mich. Wie gefallen euch die schönen Lieder EG 135 und 121?

NEU: BACKSTAGE PODCAST Kulturpodcast: Es ist sehr schön geworden, finde ich. Ich klinge etwas erschöpft, was mich nicht wundert, aber auch sehr nüchtern und klar, was mir gefällt.

Hüttenheim, gestern, Konzert

19. Mai 2022

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Wenn du oft gewinnst, lernst du nicht viel. Durch Hochs und Tiefs habe ich viel gelernt. (Tina Maze)

Heute erinnere ich an Vera Grabe Loewenherz, Friedensaktivistin aus Bogota.

Foto: HfMT Köln

Heute war wieder Akademische Orgelstunde: Improvisation, Orgelliteratur und Dirigat. Diesmal in St. Jacobi Greifswald. Extrovertierter Klang, leuchtend, neobarock. Sie klingt etwas spröder als die Domorgel. Schöne Akustik mit angenehmem Nachhall. Auch für elegische Stücke ist die Orgel gut geeignet, auch wenn sie nur zwei Manuale hat. Die schöne Orgelbewegungs-Orgel erbaut 1968/69 durch Fi. Schuke Potsdam; die ursprüngliche Orgel 1822 durch Fi. Buchholz wurde 1955 leider durch Brand zerstört. Die Kirche befindet sich in der Innenstadt der kleinen Hansestadt Greifswald in der Nähe der Universität und des Doms. Der neobarocke Klang hier in Jakobi ist schon (auch von der Lautstärke) entschärft worden. Früher war die Orgel noch lauter und schärfer. Süffige, große Pedalpfeifen und Zungen. Helle, rötliche Kirche, wunderschöner Altar. Ich liebe Schuke-Orgeln. Die Bank hat ein hochinteressantes Verstellsystem: Man muss in der Mitte heben und erst ganz nach oben und dann unten und dann verstellen, was etwas Krach machen kann bei der Akustik. Und man muss einiges an Aufwand betreiben, bis die Orgel “läuft”. 

Wenn ich 30 km am Tag radle, fahre ich durch Vorpommern-Greifswald und Vorpommern-Rügen. Ich sehe Hasen, Rehe und Störche. 

Neu: Orgel-Information, schöne Jacobi Kirche Greifswald 

Schuke Orgel St. Jacobi Greifswald

Neu: WORLD WAR III

 

Neu:

 

9. Mai 2022

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Keine Frau, die versucht, ein Ideal auf ihre eigene Weise zu verfolgen, ist ohne Feinde. (Daisy Bates)

Das stimmt. Heute erinnere ich an Mursal Hedayat, Unternehmerin aus Kabul, und an Annie Lööf, schwedische Politikerin.

Foto: Geniale Buttstädt Orgel, die dringend saniert werden muss

Ich bin nun in Plauen. Ich wurde von meinen lieben Harz-Gastgebern von Liebenrode nach Erfurt gefahren (sie machen sich dort einen schönen Tag), von dort fuhr ich über Jena und Gera nach Plauen (Sachsen, Vogtland). Heute 18 Uhr, am Muttertag, Konzert. Auch hier gibt es viele Rapsfelder. Ich habe meine schönen Konzertblumen im Gepäck. Schade, dass ich sie heute nicht meiner Mom geben kann.

Plauen ist eine schöne kleine Stadt, ungefähr so groß wie Greifswald, bei Zwickau. Die hübsche sächsische Stadt feiert ihr 900jähriges Jubiläum, das Alte Rathaus ist angestrahlt, noch dazu gibt es den 25. Plauener Frühling, endlich wieder, nach Corona. Wir bummelten durch die Stadt, sahen das Wende Denkmal, den Marktplatz, das Vogtlandtheater, St. Johanniskirche und Konvent, die Lutherkirche, die eine neue Orgel von Wolf bekommt (nach dem Vorbild von Mende), die vielen Vater und Sohn-Figuren von Erich Ohser, der kein Freund von Hitler war. Berühmt ist auch die “Plauener Spitze” – keine Schokolade, sondern Textilien, handgemachte Deckchen usw. Und Plauen hat einen Bücherschrank: eine rote Telefonzelle, liebevoll gestaltet. Ich liebe diese Bücherschränke und suche sie immer auf, egal, wo ich bin, um eine “fette Ausbeute” zu machen, heißt, besondere Bücher zu finden, die interessant oder anders sind. Eine Stadt ohne Bücherschrank ist mir nicht sympathisch. Komisch, in Greifswald habe ich noch keinen gesehen. Ich weiß, nicht jeder kann etwas mit Büchern oder den Bücherschränken anfangen. Einmal sagte mir jemand: Was willst du denn mit diesen alten Büchern? 
D. Buxtehude – Praeludium g-Moll BuxWV 148, Erlöserkirche Plauen, Jehmlich Orgel Vlog:

 

Die Flohmärkte waren spannend, auch wenn wir nur noch das Ende mitbekommen haben: alte Platten, Dosen, Fächer aus DDR-Zeiten. Ich mag das: Krimskrams und Kruuusch. Die Stadt hat auch viele andere hübsche Figuren, zum Beispiel die “Nei-deitel” (=traschende Leut).  

Das Konzert war sehr gut besucht, ca. 100 Leute. Blumen und Wein. CDs verkauft. Die dreimanualige, ebenerdige, pneumatische Jehmlich Orgel (meine 12.) gefiel mir sehr gut. Ich habe auch ein wenig aus meinem Leben erzählt, das mögen die Leute gern. Vor allem, wenn die Orgel und ich sichtbar vorne sind wie am Flügel. Vielen Dank an Kathrin Nürnberger und Norbert! Hinter der Orgel heizte die Heizung. Zum ersten Mal dachte ich, ich bekomme an einer Orgel einen Hitzeschlag. Hinterher waren wir lecker essen beim Italiener. 

Großer Klang, samtig-trockene Akustik, neobarock mit romantischen Tendenzen, meine 12. Jehmlich Orgel, schönes Schwellwerk

Schöne große Kirche. Die ebenerdige, pneumatische Orgel, Tutti und zwei freie Kombination, weiße Tasten, Kippschalter: generalsaniert 2019, 3 M, freier Spieltisch links, 31 Register, 2160 Pfeifen, 2 hohe Schallöffnungen beim Altarraum, elektropneumatische Traktur. Die HW-Pfeifen rechts an der Wand, Schwellwerk links.

Der Spieltisch der Orgel befindet sich nicht wie üblich auf der Empore, sondern neben dem Altarraum, mit dem Blick in den Altarraum. Konzert am 8. Mai. Eine große schöne Kirche, hell mit leuchtenden Fenstern, die Pfeifen der Orgel wie ein geschwungener Engelflügel.

Ist es bei euch auch so, dass wenn jemand sagt, dass Gottes Engel mich begleiten… dass ihr dann denkt: Was will ich denn mit Engeln? Ich will, dass Gott persönlich mich begleitet. Es ist, als wärst du verliebt in jemanden namens John, und jemand sagt dir: Johns Hunde begleiten dich überall und beschützen dich. – Hallo? Ich will John, nicht seine Hunde.  – So ist es mit mir und Jesus und seinen Engeln. Seine Engel sind schön und gut. Aber ich will Jesus. Keinen Ersatz. 

Sehr empfehlen kann ich das neue Nivea Parfüm, frisch für den Alltag. 

Eigentlich hätte ich heute zwei Gottesdienste spielen sollen. Mir sagte jefraud: Wenn man deinen Terminkalender so ansieht – wie kann man an drei Orten gleichzeitig sein? Meine Antwort: Ach, das ist mein Spezialgebiet, an drei Orten gleichzeitig zu sein. 

Neu: Orgel-Information: Ladegast 1876 Neustadt im Harz (Thüringen)

Ladegast Orgel Neustadt im Harz (Thüringen)

Neu: St. Marien zu Bergen, Orgel Vlog AHS

Orgel Vlog St. Marien zu Bergen

Zur Ladegast Orgel in Neustadt: 1893 gab es hier eine schöne Strobel-Orgel. Die wurde von Weimar übernommen. 1983 wurde die Ladegast Orgel von Neustadt übernommen. 1712 gab es hier die erste Orgel.

Die Inschrift auf der Rückseite der Spieltischverkleidung zeigt: „Im Auftrag des Herrn Alexander Anger auf Eythra gebaut und beendet am 14. Mai 1876 von Friedrich Ladegast in Weißenfels. Friedr. Wiegand dabei geholfen.“

Die Orgel erlebte im Herbst 2004 eine gründliche Reinigung und Überholung durch die Firma Schuster aus Zittau und wird nun von Hüfken betreut.

Aus Unterlagen der Kirchengemeinde Eythra:

„Am 29. Mai 1876 wurde die neue, von Friedrich Ladegast aus Weissenfels gebaute Orgel geweiht. Sie soll 5.478 Goldmark gekostet haben.

David Anger, Rittergutsbesitzer auf Zweinaundorf, Eythra Mausitz (Großdalzig) seit 1819 und Patron der Kirche zu Eythra, hatte testamentarisch die Schenkung einer Orgel bestimmt. Die Ausführung erfolgte durch seinen Enkel Dr. Otto Alexander Anger.“

Dank an Christine Heimrich.

Wunderschöne rote Kirche im malerischen Neustadt im Südharz in Thüringen: 1871 bekam die Kirche ihren Turm mit dem hohen Helm. Die vier Nebentürmchen wurden 1972 entfernt. Barocker Kanzelaltar von 1705 mit Gemälden von 1959, Inschrift von 1678, Turmuhr von 1912. Die Orgel hat 2 Manuale, 17 Register und zwei Nebenzüge, 980 Pfeifen, wurde 1983 übernommen aus Eythra. Taufengel um 1700, 1960 übernommen, 3 Läuteglocken und eine Uhrschlagglocke, große Glocke 1998, 878 kg, mittlere Glocke, 1928, 722 kg, kleine Glocke, 1960 gegossen, 399 kg. Neben der Kirche gibt es den berühmten Roland in einer Ecke, ein Bierzelt und hübsche Restaurants und Fachwerkhäuser. 1678 ging die Kirche im Brand kaputt, 1686 wurde sie wieder neu aufgebaut, 1708 Einbau der Orgelempore – und 1712 entstand die erste Orgel hier. 

Sehr samtig-trockene Akustik, hübsche schlichte weiße Orgel mit Engeln verziert, typisch schöner Ladegastspieltisch mit geliebten weißen Klaviertasten (Heimat), wunderbare süffige Achtfüße und Flöten, sehr gerades Pedal.

3. Mai 2022

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Alles Heilige hat etwas Kindliches. Gott selbst. (AHS)

Heute erinnere ich an Sara Seager, Astrophysikerin, kanadisch-amerikanisch.

Foto: Kirschsocken im Kino

Bin wieder im Norden. Es ist nun schon etwas wärmer hier. Es gibt sogar Löwenzahn. Nach einem langen Tag schaue ich 9-11. Es ist zwar komplett unrealistisch, aber entspannend und berührend. Ich selbst lebe hinter dem Mond, was Serien, Netflix, Amazon Prime und Disney Plus oder wie das heißt angeht. Ich habe dafür keine Zeit. Aber hier im Norden werde ich mit hineingezogen, die Leute haben all das schon seit Jahren und haben alles schon durchgesehen. Man glaubt kaum, dass das geht. Es scheint süchtig zu machen.

Ich liebe Scarlatti. Ist es nicht erstaunlich, dass er mit Bach lebte und so ganz andere wundervolle Musik schrieb?

Der apokalyptische weiße Reiter. Physharmonica Solo. Edition Merseburger Verlag

Neu: Orgel Information Greifswald

26. April 2022

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Der Weltstoff Bach ist resonante Bildung. (AHS)

Heute erinnere ich an Mette Frederiksen, die um Grönland kämpft, obwohl sie dänische Politikerin ist.

Foto: Ladegast Porsche Orgel St. Nikolai Leipzig

Sehr empfehlen kann ich den Film “Im Himmel, unter der Erde” – ein Film über den jüdischen Friedhof Berlins in Weißensee. Berührend und gute Filmmusik.

Und empfehle den spannenden Film “The East” (Thriller). Starke Frauen.

Ich verstehe nicht, dass Menschen im Zug ihre Brezeln oder Brote etc. aus der Tüte essen. So knistert jeder Bissen. Das macht mich halberta wahnsinnig. Aber ich kann ja nicht sagen: Könnten Sie bitte aufhören, Ihr Brötchen aus der Tüte zu essen? Nehmen Sie es doch gleich ganz heraus. Hören Sie nicht, wie grässlich das sonst ständig knistert?

Am Ende knüllen die Leute dann ihre Tüten unter Wahnsinnsgeknister als Finale schließlich zusammen. Erst dann kann ich mich wieder anderen Dingen zuwenden, wenn dieses gruselige Crescendo in sich zusammengefallen ist. In der Hoffnung, dass nicht der nächste anfängt, aus der Tüte zu essen. Ich bin immer auf der Hut vor hässlichen, nervigen Geräuschen. Mit am schlimmsten ist es, wenn Leute im ICE dauernd die Nase hochziehen. Ich kriege die Krise. – Könnten Sie bitte bitte bitte ein Taschentuch verwenden? Ich … garantiere … sonst für nichts mehr…

Noch schlimmer ist Schnarchen im Zug. Einmal hat hinter mir so ein Typ geschnarcht. So nervig mittellaut. Ich habe mal gelesen, dass hohe Töne Männer wecken. Ich summte leise ganz hohe Töne bis zum hohen C. Es hilft tatsächlich.

Was ich auch seltsam finde, sind die riesigen Parship-Werbeplakate an den Bahnhöfen. Da werden angebliche „Matches“ abgebildet, die teilweise abstrus sind und überhaupt nicht zusammenpassen. Wie Ameise und Baum. Oder Pfütze und Container. Oder Apfel und Staubsauger. Die Leute lassen sich genau so unglaublich verarschen, finde ich.

Organistin sein bedeutet nicht, dass sieben Zwerge hinter den Bergen auf mich warten. Organistin sein bedeutet nicht, unsichtbar zu sein. Wusstet ihr, dass im Verhältnis 1 zu 10 Frauen in Deutschland Orgelkonzerte geben im Vergleich zu Männern? Das ist meine Schätzung. Das sieht man allein an den Orgelplakaten. Und das ist noch optimistisch gewertet. Und als ich beispielsweise Christian Bischof fragte, der wie ich in Würzburg studiert hat (ob er auch eine 1,0 erhalten hat?), meinte dieser, es ginge ja nicht um die Geschlechterfrage, sondern um künstlerische Qualität. Heißt es also, dass einige Männer denken, Männer wären künstlerisch wertvoller oder qualitativ besser als Frauen? Die Wahrheit ist: Viele Männer organisieren Gegeneinladungen. Es geht ihnen sehr häufig um Tauschkonzerte und den eigenen Vorteil, nicht um künstlerische Qualität. Männer tauschen mit Männern. Beim Bierchen oder anderswo werden sich Vorteile verschafft. Es geht darum, sich gegenseitig beliebt zu machen. Männer besetzen ja fast alle guten Stellen. Männer machen sich gern bei anderen Männern beliebt. Das ist für Männer auch leichter, die sind schnell Kumpel und per Du. Das ist für Frauen viel schwerer. Wenn ihr also solche Plakate seht, denkt folgendes: Hier spielen die, bei denen der Kantor hofft, selbst ein Konzert spielen zu können. Dort, wo er eingeladen werden möchte. Dort, wo er einen Vorteil erhält. Bei denen, die sich bei ihm beliebt gemacht haben. Es geht nicht in erster Linie um künstlerische Qualität.

Wenn ich die Geschlechterfrage anspreche, heißt es plötzlich zufällig: Oh nächstes Jahr, ja, im Herbst – oder in zwei Jahren – ja, da spielen Frauen. Ja, da lade ich Frauen ein. Ja, im Herbst, im Winter, im nächsten Frühjahr … “da lade ich überwiegend Frauen ein” – “Ja, in einer extra Frauenreihe”..

Neu: Orgel-Information Leipzig:

Ladegast Orgel Nikolaikirche zu Leipzig