Startseite Nach oben

Schwedische Orgelmusik

19. Juli 2021

Schlagwörter:

1 Kommentar
Kommentar verfassen

Für schöpferische Berufung braucht es Mut, Beharrlichkeit und Vision. (AHS)

Mein Konzert im Kunstsommer Aub war sehr schön. Ich berichte morgen früh. Mir fallen die Augen zu. Gute Nacht.

Sehr empfehlen kann ich heute Alberta Ferretti, Kalpana Chawla, Stefanie Steidl und Ladislaus Boros. Dieser schreibt über den anwesenden Gott. Es stimmt, ich brauche auch viel mehr als Nur-Menschliches. Ehrfurcht.

Guten Morgen! Die Schlimbach Orgel 1863/65 ist eine wunderschöne historische “romantische” Orgel, vor drei Jahren frisch renoviert von Giovanni Crisostomo, er hat mehr oder weniger in der Orgel gewohnt, und es hat sich so sehr gelohnt. Sie hat zwar nur ein Manual, aber dennoch habe ich hier alles gespielt: Bach Piece d’Orgue, Bach Passacaglia und Fuge c-Moll, Mendelssohn B-Dur-Sonate ganz, meinen Pandemic Dance Zyklus, Bach WTK… Es geht, ist nur schwerer. Eng, klein und begrenzt (aber für mich als Frau gut machbar), samtig trockene Akustik, ich habe selbst geblättert und registriert (natürlich keine Setzeranlage), und wurde gefilmt. Und ging so darin auf. Ich zoome in die Musik hinein, fange an mitzusingen und ergötze mich selbst. Da oben bin ich ungestört.

Es gibt verschiedene Phasen des Flows (oft in dieser Reihenfolge) bei mir: Die extrovertierte, die konzentrierte, und die ganz tiefe versunkene, was die beste ist. Meist bekomme ich diese letzte Phase bei der Zugabe. Besonders schön war beim heutigen Konzert “Orgel und mehr”: Dass ich auch am Flügel spielte am Schluss: Chopin. Es war ein schöner, gestimmter Blüthner, wie ich ihn von meiner Kindheit kenne.

Der ganze malerische Ort in den fränkischen Weinbergen ist mit dem Banner Kunstsommer Aub geschmückt. Als ich später im Restaurant Der Turm einen französischen Rotwein bestellte (Merlot), fragte mich der Chef: Wo sind wir hier? – Ich bekam einen Regenten, der war auch lecker. Die Spitalkirche Zum Heiligen Geist gehört zum Fränkischen Spitalmuseum (Pilgerort). Ich habe schon öfter in Spitalkirchen gespielt. Ist es nicht verrückt, da spiele ich Orgel, gehe hinunter und spiele eine Chopin-Etüde, und das Publikum schreit Bravo. Ach, ich muss sagen, ich vermisse den direkten Publikumskontakt. Wenn ich etwas liebe: Mit dem Publikum reden, ihre berührten Gesichter sehen, connecten, verbeugen, Zugabe spielen, CDs verkaufen… Da oben an der Orgel ist das viel schwerer, aber mir gelingt es mehr und mehr, das zu ändern. Ich rede von oben, connecte von oben, und dann laufe ich runter, und dann connecte ich unten, auch wenn das noch steife Orgel-Publikum erstaunt ist und murmelt, dass da eine Frau im Kleid erscheint, redet, mit heller Stimme, lächelt. Ich werde unten die Orgelpianistin, ein Mensch, und ich möchte zeigen, wer ich bin, und dass die Orgel und Künstlersein sich nicht ausschließen. Man muss kein konservativer Mensch sein, auch kein männlicher Bezwinger, um die Orgel zum Leuchten zu bringen. Ich möchte nicht nur, dass die Menschen wegen der Orgel kommen, sondern wegen mir. Erst dann wird die Orgel ein Künstlerinstrument werden. Denn wer geht in einen Klavierabend wegen einem Steinway? Eben. (Jemand sagte mir, mein Lieblingswort sei “Eben”. Ich mag es einfach, wenn mir jemand zustimmt und wenn ich jemandem zustimme. Und wenn mir niemand zustimmt, sage ich mir selbst: Eben. Oder, wenn es ärger ist: Aus. Punkt. Basta :)..) Es ist zwar oft schwerer, mit der Königin Orgel zu konkurrieren als mit einem Steinway. Aber ich gehe mit ihr Hand in Hand.

So, was ist das Besondere und Seltene an der Schlimbach-Orgel:

  1. Sie hat eine mechanische Walze. Wunderbar. Die habe ich natürlich benutzt. Was ist eine mechanische Walze? Da werden innen Klötzchen in einem Halbbogen aktiviert, die die Register mitnehmen, wenn man die Walze nach unten drückt. Sie ist rechts, sieht schön abenteuerlich aus und ist aus Holz. Ich habe mir die Funktionsweise innen angesehen.
  2. Sie hatte bis vor drei Jahren keinen Motor. Seit der Restaurierung hat sie einen Motor draußen in einem Kasten, verbunden nach innen zum Kastenbalg. Ich habe mir alles angesehen, auch innen. Geschöpfter Wind kam hier nicht in Frage, da es ein Kastenbalg ist – und für geschöpften Wind Keilbälge sich abwechseln. Außerdem wäre es viel teurer geworden.
  3. Sie besitzt eine Handkurbel, also einen Dreh-Blasebalg. Das war spannend zu sehen. Die Menschen mussten hier kurbeln (Muskeln), nicht treten.
  4. Sie besitzt innen einen abgedichteten Durchschuss vom zweiten Weltkrieg.
  5. Kegellade, mag ich sehr.

Es ist meine zweite Schlimbach nach Meiningen, Thüringen. Wunderschön ist auch meine fünfte Ehrlich Orgel – in der Kapelle in Gelchsheim (nach Bad Wimpfen 2x, Nordheim, Bad Mergentheim). Franken und fränkisches BWB ist so schön. Wir fuhren an Sonnenblumenfeldern vorbei. Es tut mir so leid, dass es so schlimme Überschwemmungen aufgrund des Klimawandels gibt. Hoffentlich wachen Männer auf und nehmen nicht mehr das Flugzeug, wenn sie von München nach Berlin reisen, sondern den Zug. Wir sind die 40 Minuten mit dem Auto gefahren. Ich hatte meine Beine oben auf der Ablage, wie ich es oft zu tun pflege. Ich bekam so viele warnende Nachrichten auf facebook mit Horrorbildern, dass ich das nicht mehr machen möchte.

ps: 15 Ladegast, 4 Sauer, Schuke ungezählt, Trost 3, Knauf 4, Hesse 3…

 

Hesse Brüheim, Thüringen 

Ich begann Filme zu machen, weil ich mich äußern wollte; ich wollte nicht politisch sein oder die erste Regisseurin, sondern mich selbst verwirklichen. (Haifaa Al-Mansour)

Genauso bei mir. Es ist nicht leicht, Pionierin zu sein.

Anbei der Link:

MDR Beitrag Orgel

Im kleinen Dorf Großneuhausen bei Sömmerda, ca. 25 Minuten von Weimar, steht die älteste Rokoko-Kirche Thüringens: St. Georg, groß, gelb, elegant. Innen rosa-hellblau-babyfarben. Nach der ältesten Kirche Thüringens und der ältesten Barockorgel saß ich nun hier spielend an der wunderbaren Thielemann-Orgel. Sie ist gut erhalten, zwei Manuale, lässt sich gut spielen. Es gab ein paar Mängel, u.a. die hängende Pedalkoppel, diese habe ich adressiert und auch ins Orgelbuch geschrieben. Vielen Dank an Herrn Köther und Herrn Günther und an die Hiob Stiftung Schop. Kaum zu glauben, dass die Musikhochschulen Weimar und Erfurt kaum hierher fahren und die Orgeln in ihrer nahen Umgebung nicht anreisen, obwohl sie kontaktiert wurden. Dabei ist diese Kirche ein Kleinod, Barock Rokoko einheitlich aus einem Guss innerhalb von einem Jahr fertig gebaut, hell und von Richter, der auch das Schloss Belvedere Weimar baute.

Es war eine Stände-Kirche, sexistisch, die Männer saßen oben, die Frauen weiter unten. Aber deswegen können wir nun wenigstens die Frauennamen mit ihren festen Plätzen sehen.

Die Winterkirche duftet frisch renoviert nach Holz. Wie gewünscht schrieb ich mich in das Gästebuch. Die Orgel ist etwas ganz Besonderes.

Anschließend fuhren wir nach Greußen, St. Martini.
Eine mächtige riesige Kirche mit renoviertem Altar und wunderschöner Decke. Es müsste noch viel an den Wänden gemacht werden. In Millionenhöhe. Vielen Dank an Pfarrerin Theresa Hauser. Kaum zu glauben, dass es Evangelische gibt, die meinen, Frauen dürften nicht ordiniert werden. In Thüringen gibt es nur ca. 7 Prozent Kirchenmitglieder. Die Frage hierbei  ist, was ist eigentlich Christsein? Ohne Pfarrerinnen hätten viele Kirchen auf dem Lande niemanden mehr. Es ist keine leichte Aufgabe, hier draußen. Ich bewundere jede und jeden hier, denn es ist geistliche Wüste, im Lutherland, im Orgelland. Wir kauften etwas zu essen, und die Menschen dort hatten Hakenkreuze auf dem Hals tätowiert. Ohne Frauen könnten fast alle Kirchen in Deutschland einpacken.

Die wunderbare, vielseitige Trost-Hesse-Orgel in Greußen gefällt mir sehr. Schwergängig, typisch Trost. Trost 1701-1704:

Flammen. Weites Pedal. Schwergängige Manuale. Die Omen der Schönheit: Trost. Selbst wenn nur noch Symbole übrig sind. Hesse und Schönefeld bauten um. Liebliche und volle Klänge. Charisma. Geschichte. Keine ist so wie Trost.

Anschließend fuhren wir nach Greußen-Großenehrich an die letzte wundervolle große Witzmann-Orgel in St. Crucis, die dringend gemacht werden muss. Ihre Klänge sind lieblich. Sie passt genau in die Kirche. Aufruf zum Spenden! Mind. 100.000 €. Vielen Dank an Ingrid Senebald und Team.

Anschließend fuhren wir zu meiner 11. Ladegast-Orgel, diesmal in Gangloffsömmern. Ein Dorf mitten in Feldern, die große alte Kirche mitten im blühenden Nichts und in einem gepflegten Friedhof. Es war eine Überraschung! Zwei Manuale, Ladegast, glänzender schwarzer Spieltisch, Lack und Holz, typisches Ladegast-Omen, Omen für Klang, wundervoll restauriert und gepflegt, in einer duftenden Stein-und Holzkirche. Außen Stein, innen Holz. Danke an Pfarrer Bernhard Schilling und an Lisa, die filmt! Ich bekam u.a. griechischen Wein. Es wurde gestreamt. Ich bin die erste Frau im Orgel-Gästebuch. Bewundernswert, wie ein beliebter Pfarrer seine große Stelle verlässt, um hier auf dem Land neu anzufangen und Menschen für Gott zu begeistern. Gott wird das sehr belohnen, glaube ich.

Ganz besonders ist die wunderbare Rommel-Orgel in St. Blasii in Zella. Dies war die erste Orgel an Tag 3 unserer wunderbaren Thüringer Orgelfahrt. Die Kirche ist aus einem einheitlichen Gesamtkonzept. Ich mag die Kanzel-Altare in Thüringen, mit Vorhang. Manche Kirchen haben bereits etwas Mainfränkisches. Danke an Sebastian Schmuck und Hiob Stiftung Schop. Es ist eine zweimanualige Orgel mit Thüringer Farben, der Prospekt nicht überbordend, das Pedal beinahe so weitdimensioniert wie die Trost-Orgel in Waltershausen. Ich mag das. Zudem besitzt das Pedal Obertasten in Schnabel-Ausführung und führt schräg nach oben, was das Spielgefühl verzerrt. Die Außenpedale wirken so weit weg wie das ewige Eis. Aber nur in den ersten Momenten. Ich mag die Herausforderung. Dann fliegt man. Schuke Potsdam hat die Orgel 1988-90 restauriert. 

Die Orgel ist mindestens einen Ton höher gestimmt.

Besonders schön ist die Hohlflöte und die Traversflöte. Wie eine Harfe wölben sich die Pedal-Ecktürme nach außen. Dadurch bekommt der Prospekt Schwung und wirkt nicht klobig. (Was man tatsächlich manchmal Orgeln “vorwerfen” kann, dass manche etwas klobig aussehen bzw. sich klobig spielen lassen.) Wunderschöne Einzelstimmen, füllige Farben wie die einer Gospelsängerin. Schöner Zimbelstern. Johann Caspar Rommel, der Erbauer der Orgel in Zella-Mehlis, wurde 1721 in Roßdorf geboren. Sein erstes Instrument ist die Orgel in Herpf; mit 21 Registern auf zwei Manualen und Pedal bereits groß. Im Juni 1755 wurde der Vertrag über den Neubau in Kaltenlengsfeld geschlossen, und zugleich mit dem Orgelbau in Kaltenlengsfeld arbeitete er an der in 1756 fertiggestellten Orgel in Hümpfershausen und Wohlmutshausen. Meist handelt es sich bei Rommels Werken um zweimanualige Orgeln mit ca. 20 Registern. 1779 erstellte Rommel seine bedeutendste Orgel hier in Zella-Mehlis, 25 Register. Die letzte Orgel aus seiner Werkstatt steht in der Kapelle des Dorfes Geba, 1793 vollendet. Eine schöne große Rotbuche steht direkt vor der gelben Kirche, an der ein Schild prangt, dass der Schüler von Bach, Zang, hier getauft wurde.

Der Stream wurde wieder direkt ins Netz gestellt.

Wir fuhren also die ganze Gegend Meiningen, Suhl, Zella Mehlis, Schmalkalden, Arnstadt bis Sömmerda ab. Leute unterwegs waren stets fasziniert-erschrocken von meinen Noten.


SchIosskirche WeißenfeIs, Förner-OrgeI

20. März 2021

Schlagwörter: ,

Kommentar verfassen

Ein Küken bin ich. Die Schale meines Lebens birgt sorglich den Geist. (Marie-Luise Stangl)

Die Orgelwerke Himalaya und Meereszyklus erscheinen bald.

Unter e-Books habe ich neu eine Anthologie von einem Literatur-Wettbewerb (Thema Vegan), dort ist ein Gedicht von mir, auch wenn ich nicht vegan bin. Aber ich bewundere Menschen, die das sind, zum Beispiel auch Freunde von mir und welche aus meiner Familie. Das e-Book hat eine Schutzgebühr.

Empfehlen kann ich den Film Rush Hour Date; es ist zwar nicht meine Welt, aber irgendwie lustig. Mein Beetle muss morgen in die Werkstatt.

Flügelschlag:

13. Januar 2021

Schlagwörter: ,

Kommentar verfassen

Der Tropfen höhlt den Stein nicht durch Kraft, sondern durch stetes Fallen. (Ovid)

Kraft ist Loslassen, ist Heiliger Geist. Diese neue Art von Kraft finden, das ist es. 

Auf der Seite audite bin ich nun auf der Startseite: Audite Startseite Künstlerin Ann-Helena Schlüter

Neue CD 2021 

Ganz neu der Mainpost-Artikel über Orgel, Fans und Hater im Netz: Ann-Helena Schlüter Mainpost Artikel über Orgel, Fans und Hater im Netz

Danke an Mathias Wiedemann!

Da der Artikel große Aufmerksamkeit bekommt, ist er ein Bezahl-Artikel, wird aber vielleicht auch mal kostenlos zu lesen sein, und es gibt bald pdfs und print, halte euch auf dem Laufenden. 

Erstaunlich ist, dass die Moderatorin der Kirchenmusikgruppe auf facebook von einzelnen dieser Hater so bedrängt wurde, dass sie die Kommentarfunktion zu diesem oben genannten Artikel ausgeschaltet hat, weil sie “sonst Ärger” bekommt (Zitat). 

Ich habe keine Namen genannt im Zeitungsartikel, was diese Männer erleichtert hat, beim nächsten Mal, dann, wenn alles geklärt ist, was wohl noch Monate dauern kann. Es gibt große Zeitungen, die interessiert sind. Es ist ja auch schlimm und unseriös, wenn eine Frau in der Kirchenwelt attackiert wird. Da schlagen die Wellen schon hoch. Das ist so richtig Anti-Kirche.

Kaum zu glauben, dass manche der Hater Töchter haben. Ob die wollen würden, dass deren Töchter von Männer-Hatern im Netz belästigt werden? 

Bedenklich finde ich die Leute, die schweigend mitverfolgen, ohne etwas zu tun. Ich glaube, die würden genauso weggucken, wenn jemand auf der Strasse vor ihrer Nase misshandelt wird. Kann man “neutral und sachlich” zusehen, wie jemand fertig gemacht oder zusammengeschlagen wird? Schweigen und Zusehen und ein Nichteingreifen ist auch Aktivsein. Besonders bei Sexismus in Foren, in denen es kein Impressum gibt. Daher sind Leute und Angestellte der Kirche, die sich seit Jahren in solchen Foren herumtreiben und “zusehen”, kein Vorbild, schon gar nicht für die Kirche.

Einer schrieb mir, dass es bei Organisten oft um Futterneid geht, nach dem Motto: “Warum wird jetzt sie eingeladen und nicht ich?” Vor allem die, die meinen, es würde immer nur um Tausch-Konzerte gehen. “Altherrenclub-Tausch-Konzerte…”.. liebe Zeit. Ich mache das nicht so. Ich spiele da, weil sie mich wollen. 

Ich glaube, manche denken auch, Frauen seien selbst schuld darin, gestalked, gedisst und beleidigt zu werden. Frei nach dem Motto: Wer einen Minirock trägt, muss damit rechnen, vergewaltigt zu werden. Wer Karriere macht in einer Männerwelt, muss damit rechnen, attackiert zu werden. Ist doch “normal”. Außer man bleibt still und leise in der Ecke. 

Morgen fahre ich nach Hamburg, ich freue mich. Zu Pieter van Dijk. HfMT Hamburg.  

Sehr empfehlen kann ich Pinimenthol zum Baden. 

Neu: Bach 

 

An der wunderschönen Trost-Orgel Waltershausen, Thüringen, erscheint offiziell Mai 2022 (Release)

Holy Spirit, Holy Ghost, KOMM, HEILIGER GEIST

audite Künstlerin Ann-Helena Schlüter

Vielen Dank an Theophil Heinke und Ludger und Agnes Böckenhoff. 14 Tracks. Booklet 22 Seiten mit Fotos, deutsch und englisch. 

  • Bach Choräle Heiliger Geist F-Dur und G-Dur BWV 651 und 652
  • Bach Passacaglia und Fuge c-Moll
  • Bach Piece d’Orgue Fantasie G-Dur
  • Bach Toccata und Fuge d-Moll BWV 565
  • Bach Trio-Sonate d-Moll
  • Scheidemann Choral Heiliger Geist
  • Reincken Fuga g-Moll
  • Eigene Werke: Shades (Schatten) und Rapture (Entrückung)

Soli Deo Gloria

   

Orgel-CDs bei audite, Klavier-CDs bei hänssler Classic

Fortsetzungs-CD: B-A-C-H von Liszt, Reger, Schlüter

Ich habe mich so gefreut. Ich kam spät von Luzern nach Hause, und da standen die beiden großen Pakete mit den CDs. Sie ist wunderschön geworden, ein tolles Booklet mit 22 Seiten, Fotos, Dispo, Vita, Übersetzung von Wolfgang Rathert. Wunderschön ist der Klang. Es ist meine erste große Orgel-CD; meine zweite Orgel-CD insgesamt, meine erste habe ich schon 2018 bei Classicophon gemacht. Aber diese ist eine Wucht. Ich liebe sie. Sie ist süffig im Klang, perfekt registriert, perfekt aufgenommen, und das Pedal klingt so genial. Brausend, dass man Gänsehaut bekommt. Und es sind sogar zwei Werke von mir darauf. Am schönsten aber sind Track 8-14, die großen berühmten Bach-Werke, BWV 565 d-Moll und die Passacaglia. Natürlich hat die CD 14 Tracks wie fast alle meine CDs. Denn 14 ist die Bach-Zahl.

Ihr könnt sie jetzt schon bei mir bestellen und vor Weihnachten geliefert bekommen vor offizieller Veröffentlichung (März 2022), mit meiner Signatur, wenn gewünscht, 20 € inklusive Porto (außer Ausland, da kommt noch Porto dazu).

Ich selbst kann mich an meiner CD nicht satthören. Die wunderschöne Trost-Orgel. Die CD ist bunt, voller Freude und Energie und Leuchtkraft.

Die CD ist gelb. Die gelbe CD. Gelb ist meine Lieblingsfarbe. Das Gelb steht für Freude, für Gold, für mein Haar, für den Heiligen Geist. Das Kunstwerk auf der Frontseite ist von mir, Acryl auf Leinwand und kann man ebenfalls als Kunstdruck kaufen. 

Erzeuge, aber nimm nicht in Besitz. Fördere, ohne zu beherrschen. (Lao-Tse)

Das Konzert gestern war sehr schön, wieder hatte ich Standing Ovations. Die Leute sind begeistert und schauen mich von oben bis unten an, als würden sie sich wundern, dass ich die große Orgel gespielt habe. Ich gebe zu, ich wundere mich selbst darüber. Ein von Mozart durchwebtes Programm von 75 Minuten. Beide Fantasien f-Moll und das Andante. Der März hat sehr gut begonnen.

Man hätte in einem Päuschen Mozartkugeln anbieten können, ganz recht. Es war ein Frauenpower-Konzert: Thalea ist die beste Blätterin, oder Blätteresse, die ich je hatte, und Anke eine der tollsten und bescheidenste Kantorin. Man erkennt am Blättern, wie musikalisch jemand ist. Ich habe bei Thalea gar nicht gemerkt, dass sie blättert, so gut war es, samtig und unsichtbar. Da die Orgel etwas auf einem Podest steht, musste sie um mich herum springen, da meine Noten besonders geklebt sind, lange Bandwürmer, da ich immer darauf gefasst sein muss, allein blättern zu können. Ich bin froh, dass Tobias auf die Idee kam, die Noten als Kompaktes, Ganzes zu blättern, indem man sie übereinander legt, vor allem bei Mozart und Liszt B-A-C-H.

Die Setzer habe ich alle selbst bedient, das ist mir sicherer. Dennoch habe ich das Gefühl, es gibt Heinzelmännchen (böse) in Orgeln: Es ist oft mindestens ein Setzer spurlos verschwunden. Ich habe sogar das Gefühl, es sind Heinzelmännchen in Noten: Plötzlich sind Fingersätze verschwunden. Es ist immer ein spannendes Abenteuer.

Was macht denn so Spaß an einem Orgelkonzert? Das Unberechenbare, das Bedienen der Tasten, Schweller und Setzer mit Händen und Füßen, das Glücksgefühl, wenn eine Setzerkombination noch da ist und funktioniert, das Einregistrieren, ja, das Verstehen der Orgel und des Raumes und das Sich-Verbinden mit Orgel und Raum, denn der wichtigste Registerzug ist die Akustik, die Artikulation, die Frage, wie es den Zungen geht und ob etwas verstimmt ist, das Verschmelzen und Kommunizieren und Aufeinanderabstimmen der Werke, das Mischen der Farben –

Kurz, das Technische und Komplexe an der Orgel, und dass Leute hin und wieder gern ohrenbetäubend gerauscht sein wollen inklusive mir. Ja, der Klangrausch. Nach fünf Stunden Einregistrieren höre ich auch nichts mehr. Ersetzt jede Disco und jedes Rockkonzert.

Empfehlen kann ich die Heizdecke stoov – sie ist relativ kabellos. Zum Üben gut zu verwenden (jedoch nicht im Konzert. Im Konzert geht auch keine Miniheizung. Aber das braucht man dann auch nicht mehr). Meine Stücke Snö und Längtan kamen auch gut an.

Was schrieb Mozart? “Als ich Herrn Stein sagte, ich möchte gern auf seiner Orgel spielen, denn die Orgel sei meine Passion, so verwunderte er sich groß und sagte: Was, ein solcher Mensch wie Sie, ein großer Clavierist und Pianist, will auf einem Instrument spielen, wo keine Expression ist?” So ähnlich sprechen Leute auch zu mir. Aber die Orgel hat Expression. Man muss sie nur zu beherrschen wissen.

29. Februar 2020

Schlagwörter: ,

Kommentar verfassen

Ein Tropfen Liebe ist mehr als ein Ozean Verstand. (Blaise Pascal)

Es ist ja eigentlich seltsam, dass manche meinen, es sei schwer, beides, Orgel und Klavier, gut unterzubringen. Nun, zeitlich sicher. Aber war nicht auch Marcel Dupré Pianist gewesen, Organist und Komponist? Natürlich lernt man erst mit der Zeit, welche Orgel und welche Klänge zu welchem Stück passen. Aber noch später kommt man, wie ich hörte, dahin, dass man gerade das, was traditionell nicht passt, passend macht oder gerade deswegen schön findet, weil es anders und nicht-traditionell ist – ich habe sozusagen das Normale übersprungen und bin schon dort :).

Was mir auffällt: Viele Organisten sind eher gemütlich, eher langsam und haben es gern gemütlich. Ich komme mir vor wie ein Rennwagen, der mit 250 um die Ecke schießt, oder ein Rennpferd, und die Organisten springen empört zur Seite. Anfangs hat mich das irritiert, dieses Langsame. Ich scharrte mit den Hufen. Aber jetzt merke ich, dass es mir und meinem Spiel gut tut, wenn etwas Ruhiges hineinkommt. Wie wichtig das für mich ist. Ich bin dankbar für die geduldige Ruhe, die manche ausstrahlen, immer wieder – es erreicht mich seltsamerweise vor allem zuerst durch die Ohren – ich muss es hören, dass das Ruhige anders klingt. Ich bin ein Sample-Set, ein Schwamm, ein Spiegel, ein Stempelkissen.

Ich habe ein neues Stück an der Orgel kreiert: Tempelruf. Eigentlich krass, ein Muezzin auf der Orgel. Aber ich meine es eigentlich anders: Ich meine ein jüdisches Tempelgebet.

Empfehlen kann ich (bin dort neu) Pipes and Posts – eine Community für Organistinnen, MusikerInnen und Liebhaber der Musik.

Am Sonntag um 18 Uhr ist mein Konzert in Heiligkreuz Würzburg.

Anbei das neue Video vom SR-Sendesaal Saabrücken: Beethoven “Für Elise”.

Sich des Lebens zu freuen, ist die beste Kosmetik. (Rosalind Russell)

Es war spannend, die wunderschöne, dreimanualige Walcker-Schuke-Orgel in der evangelischen Versöhnungskirche Völklingen/Saarbrücken an der Saar zu spielen, eine der klangvollsten Orgeln, die ich bisher kennengelernt habe. Die Kirche hat eine edle, hohe, oval wirkende Decke durch ein majestätisches Deckengemälde “über die Siegkraft des Evangeliums”, die Kirche ist jedoch oben nicht rund, es scheint nur so. Die unten thronende Orgel mit den ca. 55 Registern und den Löwenköpfen ist optisch sehr ansprechend angelegt. Ich liebe die Farben dieser Orgel und das Rückpositiv. Man kann hier alles spielen, Bach, Liszt, Neue Musik… Ich war von Anfang an eine Verehrerin von Walcker und Schuke. Hier in dieser Orgel von 1930 findet man beide Künstler vereint.

Man ist ab hier ganz nah an der Grenze zu Frankreich, ganz nah an Forbach. Überall gibt es schon französische Bäckereien und französische Lidls. Es gibt auch das Weltkulturerbe Völklinger Hütte. Es ist interessant, Industrie als Kultur zu bezeichnen, und Saarstahl. Am Anfang, als ich das Wort Hütte ständig im Gespräch mit mir hörte, dachte ich, es wäre ein Slang, der hier für Haus verwendet wird, nach dem Motto Bude. Vielleicht fehlt es mir trotz meiner Reisen doch an Weltgewandtheit für andere Dinge als Musik. Onkel Toms Hütte? Oder Die Hütte, in der Gott eine schwarze Frau ist?

Die Saar fließt in die Mosel. Ich wurde dann ins französische Forbach gebracht. Dort gibt es in der großen, gotischen katholischen Kirche Eglise Saint Remi eine beeindruckende monumentale Orgel mit ca. 60 Registern, über 3000 Pfeifen und vier Manualen, eine Haerpfer-Orgel. Sie thront ganz weit oben, klingt mächtig ins Kirchenschiff hinein und besitzt im Prospekt viele Kupferpfeifen. Hier klingt vor allem französische Musik gut, französische Romantik und französischer Barock. Mozart und Bach eher weniger. Es war spannend, sie zu spielen, denn sie hat heftige spanische Trompeten und andere (scharfe) Zungen, als hätte man eine Ladung Chili in die Orgel gekippt. Die 32-Füße und eben dieses Chamade-Register machen die Orgel ohrenbetäubend laut. Mein erster kleiner, musikalischer Auslands-Ausflug 2020.

Das kleine Saarland ist eine beeindruckende Orgellandschaft. “Gehst du an einer Kirche vorbei und hörst du Orgel darin spielen, so gehe hinein und höre zu. Wird es dir gar so wohl, dich selbst auf die Orgelbank setzen zu dürfen, so versuche deine kleinen Finger und staune vor der Allgewalt der Musik” (Robert Schumann).

Außerdem kann man hier wunderbar shoppen, obwohl ich nun wirklich kein Shopping-Typ bin. Aber mir wurden zwei besondere Läden schmackhaft gemacht, die es sonst nicht gibt, süße Läden alle rund um den St. Johanner Markt, dort habe ich mir in YaaYaa einen Samtschal von Monk & Anna gekauft, eine Stola, weich, in einem rauchigen hellen, etwas glitzernden Blau. Ein Blau, das sehr gut zu meinen Augen passt. Die Stola kann man sehr gut an der Orgel in Konzerten tragen, wenn es kalt ist. Es gibt Schalbinde-Apps auf dem Handy. Und man kann sich hineinkuscheln. Es gibt Leute, die behaupten, dass ich mich gern “verstecke”, hinter meinen langen Haaren oder in langen Ärmeln und Pulswärmern und daheim mit Kissen – und dieser Schal eignet sich ebenfalls hervorragend. Und warum sollte man sich nicht vor dieser Welt ein- und wegkuscheln?

Außerdem kaufte ich mir ein neues schwarzes Konzertkleid, zart-glitzernd, und ein rotes Tüll-Jäckchen von der israelischen Designerin Alembika in Autre Chose. Ich wurde sehr liebevoll von allen Seiten beraten und bekam am Ende dazu eine schöne grüne Tasche. Ich liebe zwar mein altes Samtkleid aus den USA, das ich auf allen Konzerten trage. Aber…

Essen waren wir im Luuc in der Türkenstrasse und in der Kartoffel, in der es typisch saarländische Kartoffelgerichte gibt, aber auch Lachsauflauf, den ich genommen habe. Es gab auch leckere Waffeln mit Mascarponecreme. Das Saarländisch ist ein lustiger Dialekt.

Es hat Spaß gemacht, die Mittagsmusik mit Mozart an der großen Beckerath-Orgel in der Ludwigskirche (1762-1775  von Stengel erbaut) zu spielen. Danach waren einige Kinder oben an der Orgel, denen vor allem mein eigenes Werk gut gefallen hat. Sie haben in Snö (Schnee) ein Stück gehört, in dem sie sie eine Maus erkannt haben, die in der Orgel herumgelaufen ist. 🙂 Die Erwachsenen haben den Schnee gehört, sie sagten, sie hätten “das weiße Rauschen” und das Nordlicht erkannt, und wie unterschiedlich Schnee fallen kann und dass Schnee unterschiedliche Temperaturen hat. Das hat mir sehr gefallen. Das Stück ist eine Kompensation dafür, dass wir leider keinen Schnee mehr haben.

Danach waren wir auf dem Markt hinter der Ludwigskirche, auf dem ich zum ersten Mal saarländischen Mispelbrand probiert habe (ich konnte ihn nicht trinken, schon gar nicht “kippen”) und Bliesgau (Kirschbrand), der schon besser geschmeckt hat, da er süßer war. Der Mispelbrand wird aus Riesenmispeln hergestellt, erklärte man mir, und diese würde man “Hundsärsch” nennen. Es gab auf dem Markt aber auch Eier, Wurst, Obst, Oliven… Es gibt auch ein Restaurant in Saarbrücken, das eine englische Karte hat, in der bestimmter Wein als “furzdry” angekündigt wird (=furztrocken).

Es war natürlich auch sehr schön, in der Basilika St. Johann direkt am Johanner Markt die herrliche, fünfmanualige romantische Mayer-Orgel zu spielen. Sie hat ganz besondere Solostimmen, man kann unzählige Farbkombinationen zusammenstellen, und besonders Spaß macht es, Register zusammenzuziehen, die eigentlich nicht zusammengehören. Man kann hier wundervoll ausprobieren und improvisieren. Allein die vielen zarten Vierfüße, die es gibt… auf jedem Manual mindestens einen. Wenn ich eine neue Orgel kennenlerne, probiere ich momentan immer erst Mozarts Flötenuhr mit den Vierfüßen und arbeite mich von dort nach außen. Anhand der Vierfüße kann ich sofort erkennen, “wie die Orgel klingt und tickt”. Wir waren auch kurz in der Schlosskirche und in der schönen HfM und in der Musikschule. Es gibt noch einige tolle Orgeln, die hier kennenzulernen sind, die englische Orgel und die Orgel in St. Michael, der Silbermann-Nachbau in Forbach, den der Niederländer Koopmann einweihte, die Kuhn-Orgel in St. Arnual… Der Tourblog hilft mir, meine Gefühle und Erinnerungen zu reorganisieren für einen Gesamtsinn im Leben. Vermummen und ein-igeln und doch öffentlich sein, das ist kein leichter Gegensatz. Sind Menschen nicht etwas verrückt?

Das Saarland ist eine Erfahrung. Ich habe dort vor langer Zeit schon mal gespielt, jedoch war ich noch keine intensive Woche dort, und kenne nun mehr Orgeln und Kirchen als die meisten Saarbrücker. Interessant sind auch die Kompositionen von Theo Brandmüller.

Die Orgelpfeifen brauchen den Luftstrom genauso wie die Welt den Geist Gottes. Die Orgel steht zwischen Himmel und Erde wie wir.

2. Januar 2020

Schlagwörter: , ,

Kommentar verfassen

Eisberg

Jede Gabe ist eine Aufgabe. (Käthe Kollwitz)

Tun. Loslassen. Aufgeben. Machen. Opfern. Erarbeiten. Angehen. 

Die Konzerte sind schön gewesen, wenn auch das Instrument einmal etwas bedenklich war. Silvester war lecker gewesen, ich liebe französischen Raclettekäse. Ich denke, man muss die Pfännchen oben und unten mit Käse belegen und dazwischen Gemüse legen. Das Wetter war wunderschön, neblig, sonnig, rötlich, farbig. Meine ersten Tasten 2020 waren im Konzert. Durch die Rhön zu fahren war herrlich. 

Empfehlen kann ich heute den berührenden Film Die Wildente (The Daugther), ein Drama nach einem skandinavischen Theaterstück von Ibsen.

Oft komme ich mir wie ein Eisberg vor: Die Spitze lugt hervor, aber der mächtige Eisberg ist unter Wasser. Ich versuche manchmal, ihn zu verbergen und zu tarnen. Aber gerade dadurch wird er noch mächtiger, wenn er dann gegen meinen Willen doch entdeckt und auf ihn gestoßen wird. Ich werde nicht erst ein Eisberg, da ist er schon. Ich komme mir vor wie ein Eisbrecher, der durch dickes Eis fährt, ein Kursschiff, mit festem Ziel, durchs Eis, eine Grenzgängerin, eine Tabubrecherin. Wie kann ein Eisberg ein Eisbrecher sein? Das Umfeld der Orgel ist in vieler Hinsicht Konservatismus. Die Welt der Pianisten, von denen ich komme, ist und war nie so konservativ. Introvertiert ja, aber nicht konservativ. Aber ich mache mir selbst Mut. Ohne Verpflichtung der Frauenquote hätten viele Führungsgilden von Firmen niemals freiwillig Frauen an der Spitze zugelassen. Es gibt zwar keine Frauenquoten an der Orgel. Aber es gibt Eisbrecher. Ich gehöre nicht zu den Frauen, die keine anderen Frauen wollen oder die die einzige sein und bleiben wollen. Ich will viele andere Frauen. Wir leben nicht mehr im Neandertal. Es können sicher Heerscharen von Menschen bestätigen, dass ich nicht die Bescheidenste bin, aber es ist ein Irrglaube, den Frauen bis heute haben: durch Bescheidenheit und durch Opfer, durch Zurücknehmen und Bravsein von Männern entdeckt zu  werden. Männer entdecken Männer, aber nicht Frauen. Daher: Volle Kraft voraus!