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31. Januar 2021

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Beim Orgelspiel muss man sich weg vom Spieltisch denken, hinein in den Raum, hinein ist die Orgel. Besonders dann, wenn der Spieltisch nicht schön ist. (AHS)

Gestern: Die wunderschöne, viermanualige Stumm-Klais-Orgel in St. Wendel besitzt keine historischen Pfeifen mehr und wurde 1933 zu einer romantischen Orgel von Klais, dann später wie viel romantische Orgeln als verpönt geltend umgestaltet mit vielen hellneobarocken Registern. Dann wieder verändert: Nun ist sie sozusagen beides, romantisch und (neo)barock. Noch bis letztes Jahr wurde sie erweitert und erhielt eine Klarinette. (Apropos Klarinette: Ich mag bei Schubert, dass er den Klang von Oboe und Klarinette mischt zu einem neuen Klang – das, was sich beißt, eint. Die sanfte Klarinette ohne Vibrato und die Oboe, die heute ohne Vibrato nicht leben kann.) Nun ist das HW (unten) sowohl für Barock als auch für Romantik farblich gesetzt, das zweite Manual ist der Nebenprospekt links, dann kommt das schöne Schwellwerk (3. Manual) und dann oben der Nebenprospekt rechts. Die beiden oberen (alle) sind hervorragend für Romantik geeignet, Mendelssohn, Brahms… Perfekt. Es gibt ein Diaspon (ein englisches Prinzipal), herrliche Flöten und Zungen (momentan nicht gestimmt, da sehr kalt), einen moderner Heizstrahler hinten, der rot leuchtet, damit man ihn nicht vergisst, einen orgelspielenden Engel. Das Licht geht mit einer fancy Lichtbedienung an, das man dimmen kann.
Es ist ein breites Radialpedal (radiating pedalboard), sternenförmig, kaum Wiederstand. Der Klang oben mit seinen romantischen Mixturen ist wunderbar, unten dreimal so schön. Glockenspiel, Zimbelstern, süffiger Sound, schöne Plena und Soloflöten, alles mischt sich geschmeidig. Auch der Spieltisch gefällt mir. Elektrische Verbindung zur Orgel.

Ein unglaublich netter Kirchenmusiker! Danke!

Heute: Am nächsten Tag war ich wieder bei der wunderbaren Tholey. Nun soll man Orgeln nicht vergleichen. Das mache ich auch nicht. Aber ein wenig möchte ich sie verarbeiten, vor allem direkt am nächsten Tag mit gleichen Werken: Die beiden Orgeln, Hugo Mayer Tholey und die romantische Klais, sind unterschiedlich wie Tag und Nacht. Man kann auf keinen Fall sagen, welche schöner ist. Auch wenn manche meinen, die Orgel in Tholey sei schöner. Was man sagen kann ist, dass die Orgel in Tholey leicht und perfekt zu spielen ist, straight pedalboard, sie einem liebevoll entgegenkommt, sie wirkt unglaublich edel und stabil und wie gepuffert. Die Klais-Orgel aber hat ein besonderes  Charisma, ist eine Herausforderung, das liebe ich.

Ganz liebe Brüder.

Morgen: Sandtner-Orgel Schongau bei München. Ich freue mich! Ebenfalls ein wunderbarer Kirchenmusiker.

Durch eine Krise, egal, ob sie Covid, Corona oder sonst wie heißt, zeigt sich, wer oder wie man ist. Die einen machen nichts, geben auf. Wieder andere sind froh, endlich legal faul sein zu dürfen und machen ohnehin kaum mehr, als sie müssen (Dienst nach Vorschrift). Wieder andere werden depressiv, andere sogar aggressiv, weil durch die Krise ans Licht kommen, wie neidisch, gelangweilt, eifersüchtig und bitter sie sind.

Und dann gibt es die, die durch eine Krise wachsen, mehr werden, als sie vorher waren. Die sich fokussieren. Die beflügelt werden. Die geistlich wachsen. Deren Leidenschaft für Musik größer geworden ist, die kreativer werden, denen eine Krise hilft. Die wissen: This is not going to keep me down!

Ich werde für eine Zeitung interviewt bezüglich, wie Corona meine Karriere beeinflusst hat, vor allem als Konzertkirchenkünstlerin. Das Wort habe ich erfunden. Ich halte euch auf dem Laufenden.

ps: zum Thema Bescheidenheit wollte ich ja noch etwas schreiben. Ich glaube, dass es viel bescheidener ist, zuzugeben, dass man nicht bescheiden ist, als Bescheidenheit von anderen zu verlangen. Und selbst nicht bescheiden zu sein. Wer andere verurteilt, weil sie nicht bescheiden genug sind, ist selbst weit entfernt. Wer sich selbst für bescheiden hält, hat gar nichts begriffen. Wenn Männer von Frauen Bescheidenheit fordern, hat dies in meinen Augen meist eine sexistische Komponente. Es ist die deutsche Version von „Kopftuchtragen“: Bleib im Hintergrund! Verhülle dich!

Ich muss aus gegebenem Anlass, egal, wo ich bin, sämtliche Leute vor den Stalkern vorwarnen, dass sie vielleicht von diesen angeschrieben werden, um mich schlecht zu machen, meine Inhalte zu verdrehen oder mit Pseudonymen zu stänkern.

Ich habe festgestellt, alles, was international ist, ist viel weniger frauenfeindlich. Viel weniger Geklüngel. Manche sind seit acht Jahren in Foren, in denen in dieser ganzen Zeit keine Frauen Thema oder aktiv waren.

25. Januar 2020

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Die eine Trompete ist die andere nicht. Will sagen, nicht jede Trompete ist schön und eignet sich als Solostimme. (AHS)

Was denkt ihr, was ich gerade für Orgel transkribiere? Nun?

Chopin.

Nein, es muss danach kein Krankenwagen gerufen werden.

Und was für Chopin?
Wer es errät, bekommt meine neue CD for free.

(Dass ausgerechnet ich transkribiere, und dann noch Chopin! Ich komme mir wie Cameron vor.)

Ich liebe sehr die hanseatische Vogel-Scherer-Fritzsche-Flentrop-Orgel 1542/2013. Ich mag den künstlerischen großen Scherer-Prospekt. Für mich ist es auch eine Scheidemann-Reincken-Orgel. Ein wunderbarer Wiederaufbau mit historischen Pfeifen. Und Bach war hier, der die Zungenstimmen rühmte. Ich fühle mich mit ihm hier sehr verbunden. Und was für eine wunderbare Holzbildhauerin Christiane Sandler. Die Trio-Sonaten können hier jedoch meist nicht mit 4-Fuß oktaviert werden, was eng ist.

Was ich bei Mendelssohn liebe: Body, filigran und dennoch monumental, Rezitative bleiben im Fluss, Reprise weich, kein Wagner, aber voll Power, entspannt, auch in den Punktierungen, doch genau und klar.

Die Übergänge in der Brahmsfuge (nicht in Katharine) sind wichtig, so dass alles im Fluß bleibt, weich und gut abphrasiert, Timing. Wenn ich mir viel notiere und das Papier dünn ist, entsteht schnell ein Loch, und Papierstaub segelt herab. Besonders schön bei Brahms sind die letzten zehn Takte und Takt 42. Ich liebe es, wenn er am Ende nach dem weichen Minithema zur Umkehrung im Tenor das Pedal die Vergrößerung bringt. Ich liebe die Seufzer nach dem Ruhepunkt, espressive, unerträgliche Seufzer voll Verlangen, mit einem geheimnisvollen Pedal. Innerlich mitsingen.

Wie man den Klang des Pedals bewertet, ist wichtig: seine Lautstärke gut einzuschätzen. Das Pedal ist kein Discobass. Auch kein Düsenjet (besonders nicht bei Messiaen). Das Tüfteln bei Messiaen ist mentales Üben: Was muß ich haben, was geht nicht, auf was kann ich und muß ich verzichten, welche Klänge darf ich nicht verlieren, wo kann und muß ich den Schweller auf welche Weise ersetzen, welche Klänge möchte er überhaupt haben, welche Manuale muß ich tauschen, was muß ich dabei beachten – es macht Spaß, alles einmal ausprobiert zu haben. Man kommt dadurch der Orgel näher. Wichtig bei Banquet ist, dass der Klang des Pedals nicht in den Manualen klingen darf. Sechzehntel-Triolen innerlich fühlen.

Bald wird es ein paar sehr schöne Live-Streams meiner Konzerte geben. Ich halte euch auf dem Laufenden und poste euch die Links.

Die Musikfilme Oskar und die Groschenbande und Bis zum letzten Moment kann ich sehr empfehlen – es ist bewundernswert, was ein Studentenorchester alles so auf die Beine stellt, vor allem Frauen darin.

Der Film Score über Filmmusik ist ok, aber ein reiner Männerfilm (wie man schon von außen erkennen kann). Als ob es keine Filmmusikkomponistinnen gäbe. Es scheint eine Lobby zu sein. Die Männer wirken mit ihren gefärbten Haaren und bunten Hemden recht eitel. Es scheint sie nicht zu stören, dass sie Frauen keinen Raum geben, während hinter ihnen eine halbnackte Meerjungfrau den Raum „dekoriert“. Dabei sind diese Filmmusikkomponisten oft keine Musiker, sondern geschickt am Computer. Ihre Computer sind ihre Instrumente, was auch etwas hat. Dennoch muss man diese „Instrumente“ beherrschen und sie üben. Die armen Orchestermusiker, die solche „Werke“ spielen „dürfen“. Es scheint auch eine Rolle zu spielen, dass eine Gay-Szene nicht unerheblich groß ist. Inwiefern dies für Frauen gut oder schlecht ist, weiß ich noch nicht zu sagen. Aber es erscheint ja nicht hilfreich zu sein, wie man sehen kann. Oder wo sind die Frauen? Frauen sprechen vom Stil her oft eine andere Sprache. Warum das so irritierend ist, weiß ich nicht. Frauen lassen sich viel zu viel gefallen, zum Beispiel für Männer in Badeanzügen zu posieren, um “Miss Germany” zu werden. Wie kann man bei einem solchen System mitspielen? Gott sei Dank gibt es das heute nicht mehr.

NEW: II Pandemic Dance Nr 2 Mutation Fanfare 2021, Pandemonium, Orgel (Synclavier), Spessart

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14. Januar 2021

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Es ist Krafttraining fürs Leben, unangenehme Dinge zu tun. (AHS)

Ich bin in Hamburg, es ist wieder sehr schön.

Hinter die Bezahlgrenze wandern immer die Artikel, die auf großes Interesse stoßen, die Mainpost ist ja ein Wirtschaftsunternehmen, verstehe ich: Interview Mainpost Ann-Helena

Es haben mehrere den Artikel versucht zu posten in der Kirchenmusikgruppe von facebook, aber jedesmal haben die Hater “zugeschlagen”: Oliver Horitz bellte wie ein getroffener Hund (dabei flog er auf, denn er wusste scheinbar sofort, dass er gemeint ist?), Martin Schmitz hat an Mitglieder aufdringliche Verleumdungs-PNs geschickt, die mir diese weitergeleitet haben. Daraufhin, als er aufflog, hat er sich wohl mit einem Fake-Account eingeloggt, wie es ja auch im Strupat-Forum üblich ist, und hat mit Pseudonym weiter gestänkert. Sich dafür extra angemeldet. Die Admin Beate Winkler der Kirchenmusikgruppe schaut zu, wie fake-Accounts dort lästern. Und Läster-PNs geschrieben werden. In keiner anderen Gruppe wäre so was möglich. Diese Leute würden gesperrt werden. Aber in dieser Gruppe haben die sogar das Sagen. Das Macho-Gerede ist auch groß in dieser Gruppe.

Gestern war wieder viel Hass und Schlammschlacht in der Kirchenmusik-facebook-Gruppe, eine Gruppe, die die Kirchenmusik in Deutschland abbildet. Einige haben die Gruppe verlassen, weil das Stänkern so schlimm geworden ist. Christoph Bornheimer behauptete dort gestern massive Attacken gegen mich, ich musste ihn anzeigen und abmahnen, auch wegen seines fehlenden Impressums, Jan Wilke behauptete, “ich würde nur Aufmerksamkeit haben wollen” und sei doch nicht der Rede wert. Alles wurde abfotografiert. Da scheint der Neid wohl besonders groß, wie ich es auch erlebte. Es ist eine bösartige Szene in meinen Augen, die Kirchenmusikhochschule in Heidelberg, da gab es viel Streit, Lästern und Mobbing, unter dem ich wirklich litt. Ich habe dort kaum atmen können. Eine Studentin hat sich das Leben genommen und sich im Kleiderschrank erhängt. An ihrer Beerdigung hatte ich Prüfung. Aber selbst an diesem Tag gab es kein Einsehen der Beteiligten, es war nach wie vor eine unfreundliche, schlimme Atmosphäre für mich. Ich kannte diese, die sie ausgegrenzt haben, u.a. Studenten von Jan Wilke und Christoph Bornheimer. Das war mein erster Kontakt mit einer Kirchenmusikhochschule. Ich habe mich nach einer staatlichen Hochschule zurückgesehnt. In all meiner Hochschulzeit, und ich studierte in sehr vielen im In- und Ausland, war meine erste und einzige Kirchenmusikhochschul-Erfahrung die mit Abstand schlimmste. Alle anderen Hochschulen waren super. Jan Wilke und Christoph Bornheimer waren damals schon nicht nett zu mir. Jan Wilke hat mir katastrophale Insider berichtet, die ich vorher nicht hatte wissen können. Jeder schien dort Dinge über mich zu wissen, die ich nie erzählt hatte. Man konnte sich nicht bewegen, ohne dass jemand alles über einen herausfinden wollte. Ich konnte mich kaum auf Musik konzentrieren.

Strupat selbst war wohl auch mit einem Pseudonym in der Diskussion dabei, der ja im Grunde benutzt wird, damit sich hinter seiner Administration im “blauen Forum” andere verstecken können. Einer muss wohl der Dumme sein, der froh und stolz ist, den aus seiner Sicht etwas mehr Bekannten dienlich zu sein, dem jammernden Karl-Bernhardin Kropf oder Küchler-Blessing. Im Grunde scheint es eine Haß-Liebe zu sein, was die für mich haben. Wahnsinn. Der Neid treibt seltsame Blüten, auch bei anderen Leuten dieser Gruppe wie Jan Wilke und Markus Wilke, die Liszt nicht spielen und meiner Meinung nicht dirigieren können, trotzdem stänkern, und Thomas Engler, der es schade findet, dass nicht er, sondern ich so viel Raum bekomme. Sehr viele sind wie Fähnchen im Wind. Sagt der eine X, sagen sie auch X. Sagt jemand Y, sagen sie auch Y, u.a. Benjamin Frensel, der offenbar mehr Macht in dieser Gruppe möchte und mich als homophob bezeichnet hat. Das geht innerhalb von Sekunden, dass die Seite gewechselt wird. Dabei share ich oder Fans nur meine Videos oder Interviews von mir. Meine Seite ist fast zusammengebrochen, weil so viele lesen. Ich bekomme alles als pdf und Fotos zugeschickt und dokumentiert, was in dem Forum und fb abgeht, und lache manchmal auf, wie böse das ist. Irgendwie kreisen die um mich. Wie sagte mir jemand: Ich hätte die Motten aufgeschreckt. Ich melde mich da nie an, in diesem sogenannten “blauen Forum”.

Dass Leute wie Küchler-Blessing und Karl-Bernhardin Kropf und andere solche Foren seit Jahren nutzen, und wie sie sie nutzen, dass sie dieses Forum aktiv nutzen und verteidigen, fast reines Männerforum, wo Sexismus und Verleumdung an der Tagesordnung sind, und dass sie Unbekannte als Admins den Kopf hinhalten lassen, damit sie selbst evtl. gedeckt sind, weil es ja “eine Kasse gibt bei Klagen” – das finde ich erschreckend, damit wird die ganze Kirche, in der sie angestellt sind, beschmutzt. Ich frage mich, wie viele Domorganisten und Orgelprofs mit einem Deckmäntelchen hier mobben. Die brauchen die Kleinen, Unbekannten, Harmlosen, Arglosen als Admins, die “dickeren Fische”, sie selbst wollen ja die Verantwortung nicht übernehmen.

Ich glaube, dass die deutsche Kirchenmusikszene durch dieses Verhalten der Männer, die mobben und lästern, dem Verfall preisgegeben ist und einmal Rechenschaft ablegen muss, ich meine auch am Ende, nicht nur hier auf der Erde.

Anbei meine neue CD und Bog bei Audite: Audite Front CD und Blog

Auch bei Audite Verlag schreibe ich einen kleinen Blog, einmal pro Woche, aber nicht so ausführlich oder täglich wie hier.

Auch hier: Audite Ann-Helena englisch

3. Dezember 2020

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Alle sind gegen mich. Sie hassen mich, klagen mich an, verabscheuen meine Musik. (Franz Liszt, 1885)

Ich lese Stegemanns Buch Franz Liszt. Dieser beklagt den Ruf des Genies. Jedoch ist Stegemann mit seinen wiederholten Aussagen, dass “Liszt ein Popstar der Klassik sei, ein Frauenschwarm” nicht hilfreich, Liszts Ruf zu ändern. Für mich ist Liszt kein Popstar und Frauenschwarm. Er ist ein Künstler, der revolutionäre Musik geschrieben hat und Musikgeschichte. Erstaunlich ist, dass selbst er unter einer systematischen Demontage, unter Verriss und Spott von Neidern und Konkurrenten gelitten hat. Es scheint also so zu sein: Ist man genial begabt, auf der Suche nach der eigenen musikalischen Ästhetik, wird Demontage kommen. Das gehört zusammen, wenn man anders ist, dann hat man Gegner. Die wirklich entscheidenen Dinge, warum Liszt ein Genie ist, wird in Stegemanns Buch gar nicht angesprochen: Liszts Poesie, seine Programmmusik, sein Ad nos, was er schuf, was er einläutete, seine symphonischen Dichtungen. Oberflächlichkeiten über das Pariser Haifischbecken der Virtuosen, Tratsch und Klatsch, Politik und menschliche Beziehungen werden in den Vordergrund gestellt. Es ist mir nicht so wichtig, ob und wie Liszt mit Wagner Umgang hatte, wie oft er seine Tochter sah, ob er mit Schumann in Konkurrenz stand, ob er bei der Presse scheiterte. Liszt hat Zukunftsmusik geschrieben. Das macht ihn genial. Dass er dabei Protest erlebte, ist leider… normal. Dass er selbst auf der Suche nach Gott war, ein Doppelleben lebte, ein verletzter Künstler war – normal. Dennoch sollte man das Besondere seiner Werke in den Vordergrund stellen.

Empfehlen kann ich den Film: That Sugar Film. Voll verzuckert. Es stimmt: Wir essen viel zu viel Zucker. Es ist eben nicht egal, woher Kalorien kommen, sondern der Ursprung ist sehr wichtig. Ich glaube, dass der hohe Zuckergehalt vor allem etwas mit dem Gehirn macht. Ich glaube: Menschen, die viel Zucker essen, werden viel weniger nach Gott fragen.

Oft gibt es heute Bücher oder Filme, sogar Spiegel-Bestseller, in denen es heißt, das Universum würde uns helfen, uns vorwärts zu bringen oder uns zu heilen. Man könnte auch sagen, Bäume oder die Sonne oder Sterne oder Wolken würden uns helfen. Das ist die neue Art, von Gott zu sprechen. Teile seiner Schöpfung werden hierbei als Gottheiten ausgegeben.

Das war der verzuckerte Mitternachtsblog.

Hier findet ihr meine Lyrik:

Lyrik Ann-Helena 

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Gott ist mein Fels, meine Hilfe und mein Schutz, dass ich nicht fallen werde. (Psalm 62,7)

13 Orgeln in vier Tagen! Ich freute mich schon lange auf die sehr schöne Orgelzeit ab 18.3., schon seit Dezember. Für mich ist es ein Wunder, dass es geklappt hat trotz der bizarren Zeit gerade. Es ist so schön, die reiche Orgellandschaft Thüringens kennenzulernen. Es gibt in Thüringen über 200 Orgeln allein aus dem 18. Jahrhundert. In beinahe jedem Dorf steht eine wunderbare Orgel.

Wir sind über 1400 km gefahren und haben 13 Orgeln in 4 Tagen gespielt. Einmal waren wir auch in Sachsen-Anhalt (Köthen) und Sachsen (Leipzig). Organisiert habe ich die Reise seit Januar. Meine erste selbstorganisierte Orgelfahrt. Aufgrund des Virus ist zwar einiges durcheinander geraten, manches hat nicht geklappt, aber über die Hälfte schon, dafür bin ich sehr dankbar.

Allein die Zugfahrt mit dem Express über Neudietendorf war genial. Alles war still, friedlich, lag glitzernd in der Sonne. 10:57 kam ich an, wurde abgeholt, und ab dann ging es los. Danke an alle! Die orgelverrückte Sorglose aus der Brötchengasse on Tour.

Am 18.3. (Mittwoch) habe ich die Wender-Schuke-Orgel in der ev. Davi Blasii-Kirche (Bachkirche) Mühlhausen gespielt, die schön und friedlich in der Sonne lag, man sitzt dort als Organistin direkt unter dem Rückpositiv, anschießend die wunderschöne Wender-Orgel (die Bach abgenommen haben soll) in St. Vitus Ammern (gefahren über die B247), und zuletzt an diesem Tag fuhren wir nach Buttstädt bei Sömmerda in Thüringen über die B84 und L1058. Dort steht die wunderschöne Heroldt-Orgel in der prunkvollen Michaeliskirche Buttstädt.

Diese große Heroldt-Orgel, die Bach, als sie neu war 1702, kennengelernt haben soll! Viele kennen diese beiden letztgenannten Orgeln und Kirchen nicht, kennen auch den Bach-Bezug zu diesen Orgeln nicht. Dort in Buttstädt habe ich auch den wunderschönen Friedhof, der einzigartig nördlich der Alpen mit seinen Gräbern über 400 Jahre alt ist, im Abendlicht besucht. Erstaunlich, dass Buttstädt einen solchen Friedhof Campo Santo besitzt. Überall hier in Thüringen sind die Menschen so engagiert, ihre Kirchen, Orgeln und Friedhöfe wunderschön zu erhalten. Hut ab! Dennoch brauche  diese Menschen dringend Hilfe. Sowohl die Michaeliskirche als auch vor allem die Orgel brauchen dringend finanzielle Unterstützung zur Sanierung. Kirche, Turm und Orgel fallen sonst zusammen. Der Turm ist schief, die äußere Wand fällt ein und kann die tonnenschwere Orgel nicht mehr halten.

Übernachtet haben wir in Gotha, sind von Buttstädt aus über die A71 und B7 (175 km) gefahren.

Am 19.3. spielte ich zunächst einige Stunden auf der grossen, schönen Schuke-Orgel in der Margarethenkirche Gotha, Thüringen. Dann fuhren wir ins kleine, malerische, grüne Dörna über die B247 und L1006 zur schmucken Wender-Orgel in St. Georg, die früher in Mühlhausen stand. Auch hier spielte ich einige Stunden. Wender stammte aus Dörna. Die Kirche und die Orgel werden liebevoll vom Freundeskreis vor Ort gepflegt und jeden Abend die Glocke aufgezogen. Gleichzeitig kümmern sich diese lieben Männer auch um Bienen. Viele kennen auch diese Orgel nicht, obwohl Bach diese Orgel kannte und schätzte!

Abends fuhren wir dann zur Ladegast-Orgel nach Köthen über die K201 und L145 zur Kirche St. Jakob. Diese große Orgel mit Walze in Sachsen-Anhalt hat mich sehr beeindruckt. Ich habe schon einige herrliche Ladegast-Orgeln nun gespielt, in Schwerin, Rudolstadt, Leipzig. Merseburg nur von unten. Nur Buxtehude ist hier natürlich nichts. Wir fuhren zurück über Leipzig (Sachsen) nach Thüringen über die B183 und L3004. Wir übernachteten in Arnstadt.

Am 20.3. spielte ich ab 10 Uhr dann in der Bachkirche Arnstadt an Wender und Steinmeyer und an der Schuke in der Liebfrauenkirche, dann in der Bachkirche Dornheim an der Schönefeld (über L1048), abends 19 Uhr an der schönen, bemalten, dreimanualigen Ladegast-Orgel von 1636 der evangelischen Stadtkirche St. Andreas Rudolstadt (über die B90), Kantor der sehr nette Frank Bettenhausen. In Rudolstadt, Bad Blankenheim und Saalfeld habe ich schon oft gespielt, Orgelkonzerte und Klavierabende. Mir gefällt die bergige Gegend. Wir übernachteten in Rudolstadt. Überall schöne Schlaflunken in gemütlichen Spelunken.

Dann die super herrliche Trost- Orgel in Waltershausen, die wahrscheinlich meine Lieblingsorgel auf der gesamten Tour war. Sie hat den schönsten Spieltisch, den ich je gesehen habe. Alle Windladen, Trakturen, Manualklaviaturen und fast alle Register wurden erhalten. Die Tasten sind sehr lang und schwarz, ähnlich lang wie an meiner Prüfungsorgel in Frankfurt am Main, und hätte ich nicht kleine Hände, würde man zwischen den schmalen, langen Tasten hängen bleiben. Gottfried Trost hat die Orgel mustergültig gebaut. Hier war das Gute, dass es kein Geld gab, sonst hätte man sie – wie viele andere Orgeln – “umgebaut” (=zerstört), wie es Mode war. Nur leider wurde die Balganlage umgebaut, wurde aber von Stade sehr gut rekonstruiert. Wie verletzlich die mächtigen, tonnenschweren Orgeln sind, sieht man erst oben. Die Kirche Zur Gotthilfe Waltershausen besitzt zudem eine wunderschöne Decke und Akustik, und der Verein Orgelsommer ist noch immer sehr aktiv. Ich habe alle Journale des Orgelsommers gelesen. 

Dann fuhren wir von der größten Barockorgel Thüringens zur allgemeingrößten Orgel Thüringens: Die letzte Orgel der Reise war die große Walcker-Orgel in Ilmenau in der St. Jakobuskirche (weißer Schrickel-Prospekt). Es ist ein Wunder, dass diese so wundervoll restauriert werden konnte, dass das Geld hierfür da war durch die Wende, sonst wäre die Orgel kaputt gegangen. Vor dieser Walckerorgel gab es noch viele andere schöne Orgeln in Ilmenau, die aber leider zerstört wurden. Die Walckerorgel besitzt einen Notspieltisch, so dass man im Duett spielen kann. Um sich warm zu halten, gibt es dort einen Fön, ein Heizkissen und einen Infrarot-Strahler.

Es gibt in Thüringen noch sehr viele wunderschöne Orgeln und sehr nette Kantoren. An den sehr netten Kantoren sieht man erst, wie unfassbar un-nett andere sind, die Orgeln interessierten Geistern und begabten Fingern vorenthalten, obwohl diese Orgeln nicht ihr Eigentum sind. Ich weiß, dass es auch in Frankreich, Italien usw. tolle Orgeln gibt, aber ich habe erst mal eine Leidenschaft für die Orgeln meines Landes. Erst mal möchte ich diese kennenlernen. Dafür schlägt erst mal mein Herz. Und die neuen Bundesländer kennen viele “im Westen” noch immer nicht, sie fahren lieber nach Paris.

Dann zurück ins abgesperrte Bayern. Ich lasse mich ungern einsperren und war schon immer sehr freiheitsliebend. Ich glaube, das liegt daran, dass ich als Kind einmal aus Versehen eingesperrt war. Da war die Klinke eines Zimmers abgebrochen und ich kam nicht raus. 

An jeder Orgel habe ich unglaublich viel gelernt. Jedoch Lernen bedeutet, immer weiter dazuzulernen. Es hört nie auf. Die motorischen, kognitiven und klanglichen Erlebnisse haben sich in meinem Gedächtnis abgespeichert. Man kann sagen, dass eine Orgel träger ist als ein Flügel, das stimmt, jedoch liebe ich das Gravitätische der Orgel und das Farbenspiel. Die Orgel an sich ist mein Orgellehrer. Dazu Gott, der größte Organist.

Wunderschön ist das ganze Land: Thüringer Becken, das Harzvorland, der Thüringer Wald, die langen Tunnel und der Rinnstein-Tunnel (der längste mit über acht Kilometern, der den Hauptkamm des Thüringer Waldes durchquert), die DDR-Überbleibsel (Orte, in denen der Letzte das Licht noch ausmachen muss bzw. in denen nur noch “alte” Menschen leben), brillant Restauriertes, manches Zerfallene, das Nebeneinander von alt und neu (neue Autobahnen, der hell erleuchtete Frachtflughafen Leipzig, die Neubaustrecken der Bahn und auch Züge, die wie durch ein vergessenes Land rauschen), das Mansfelder Land und seine Bergbauhalden. Ich glaube, die Eltern von Martin Luther hatten ein Bergwerk im Mansfelder Land. Auch an Wechmar fuhren wir an Bachs Geburtstag vorbei – dort fanden die lustigen Bach-Familienfeiern statt, hier entstammt die Familie Johann Sebastians.

Das Thüringer Burgenland ist einfach zum Anbeißen, an jeder Ecke eine Burg und eine Kirche, romantische Dörfer und Wanderrouten.

Es ist schade, die Reise unterbrechen zu müssen wegen der Krise, aber es war bis dahin wundervoll. Und nun bin ich in der Ausgangssperre, die mich heimtrieb.

Erinnerung: Orgeln in Not: SOS-Orgel-Dörfer: Orgeln in Not

Ladegast-Orgel Rudolstadt 1636/1882

20. Januar 2020

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Lese-Konzerte und Recitals und Saarland

Die intensivste Beziehung, die wir haben können, ist die mit uns selbst. (Shirley MacLaine)

Und zu Gott. Freue mich auf die Klavierabende in Heilbronn und Böckingen.

Ich bin nun in Saarbrücken, das Hotel ist sehr schön, und abends habe ich die Stumm-Mayer-Orgel in St. Josef Wehrden (Schleiflade) und die katholische, pneumatische, historische Späth-Orgel in Lauterbach (Kegellade) kennengelernt (Reißer-System) mit einer Sexquialter (für Organisten unter 18 nicht geeignet), dazu eine Klosterflöte. Und in St. Josef rauchiges, streichendes, weiches 16-Holzprinzipal im Pedal (Prinzipalbass 16 aus Holz). Und ein extra Spieltisch für das zweite Manual direkt unter den Pedalpfeifen. Das Saarland ist schön, das Theater übrigens von Hitler gebaut, Stahlwerk Saarland, verpeilte Priester, gutes Essen.

Warum ich Orgel spiele? Orgel ist meine Verlangsamungstherapie. Man kann sie auch als Kur verschrieben bekommen. Orgel ist mein Pilgerweg.

Ich bin gespannt, morgen den Dirigenten kennenzulernen.

http://www.bach-festival.de

21.03.2020 12.00 Uhr in der Johann-Sebastian-Bach-Kirche
Mittagsmusik auf der Wender-Orgel und Steinmeyer-Orgel, Werke von Bach, Bruhns und Buxtehude. 21.03.2020 17.00 Uhr in Bachs Traukirche in Dornheim. Bachprogramm auf der Gerhardt-Orgel (aus Bach Kunst der Fuge und Wohltemperierten Klavier I)

Erklärungen zum WTK I und zur Kunst der Fuge 
Aus dem WTK I :

Präludien und Fugen C-Dur, D-Dur, e- Moll, g-Moll, h-Moll 

Aus der Kunst der Fuge:

Contrapunctus I bis VII 
Vier Kanons
Contrapunctus XIV

Improvisation zu B-A-C-H

30. November 2019

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Hus/Schnitger-Orgel Stade/Hamburg St. Cosmae et Damiani

Die mitteltönige Schnitger-Orgel mit kurzer Oktave (Manual und Pedal) von 1670 im gerade adventlichen Stade bei Hamburg (3 Manuale, das Hauptwerk in der Mitte (2) und Springlade) ist traumhaft und wunderschön. Es braucht Erfahrung und Training, gut mit ihr umzugehen und sie zu kennen. Die meisten Pfeifen von 1670 sind bis heute erhalten! Es hat mir sehr gefallen, dass ich auf dem Weg nach Stade durch Buxtehude gefahren bin. Ich bin sogar ausgestiegen und habe mir dort einen Chickenburger geholt und genoss den Bahnhof und die Strassen in Buxtehude. Unglaublich, dass es dort ganz normale Menschen gibt; und nicht alles Musiker oder Buxtehude-Fans. Viele Buxtehuder kennen Buxtehude nicht mal. Und dabei gibt es in dieser ganzen Gegend viele viele wundervolle historische Orgeln; auch norddeutsche romantische wie Furtwängler; und es werden auch hier händeringend Organist*innen gesucht!

“Kennen Sie Buxtehude?” “Klar. Ich wohne hier.” “Und Dietrich? “Wie bitte? Ich kenne keinen Dietrich und weiß nicht, ob hier einer wohnt.” “Kennen Sie Dietrich Buxtehude?” “Dietrich? Wie gesagt, ich kenne keinen Dietrich.”

Es gibt auf dem Weg nach Stade viele Felder, Pferde und Schrebergärtchen, weites Land: ein Highlight sicher für Hamburger Stadtmenschen. Ich eilte durch den Weihnachtsmarkt und durch den Geruch von Mandeln zur Kirche St. Cosmae.

Ich war nun schon das zweite Mal in Stade (das erste Mal mit der HfMDK Frankfurt) und hatte nun beim zweiten Mal alleine ein viel intensiveres Erlebnis mit ihr, der Cosmae-Orgel, da ich in Ruhe alleine mit ihr sein und sie etwas für mich zähmen konnte. Die Orgel ist ein Wildpferd, das man zähmen muss. Ich hatte das Gefühl, dass die Orgel auf Martin, den Dompteur, ganz anders reagiert, weil die Orgel ihre “Besitzer” bzw. ihre alten Meister kennt. Jedoch sehnt sie sich nach neuen. Man muss sich selbst bei jeder Orgel erst zur Meisterin erspielen. Die Orgel selbst ist die Lehrerin. Und ich bin ihre Kulturbotschafterin. Welche Frau schreibt sonst schon über Krummhörner?

Pedal, Oberwerk und Rückpositiv sind alles Schleiflade. Man sitzt hinter dem Rückpositiv verschanzt und verborgen, das Farben wie ein zartes Regal (Zunge) auf dem unteren Manual (1) aufweist; es gibt ein schönes Glockenspiel (mit Gedackt und Flöte zusammen besonders schön) und eine Querflöte im Oberwerk (Manual 3), die hell und gleichzeitig erdig wie eine Traversflöte klingt und die nur bis zur Hälfte des oberen Manuals tönt, mit Gedackt 8 (Begleitung) ein Klangerlebnis. Auch der süddeutsche Georg (und Gottlieb) Muffat klingen hier wunderschön sowie Mozarts Andante, Rathgeber, Scarlatti, italienische und spanische Musik, natürlich Buxtehude, Bruhns und Bach, Scheidemann und allgemein norddeutsche Musik, die aber mittlerweile dort kaum noch einer mehr hören will, da viel zu viel gespielt. Natürlich ist Muffat in Maihingen noch viel schöner. Die Streicher entwickelten sich eher im Süden Deutschlands. Im Norden Europas kommen Streicher (Viola da Gamba) erst zu Beginn des 18. Jh. in Mode. Darum hatte Schnitger keine Veranlassung, Streicher zu bauen. Die Zungen als Streicherersatz bauen erst die Söhne Schnitgers. So hat die Martiniorgel in Groningen und die F.C. Schnitger-Orgel in Alkmaar eine Viola da Gamba, was aber ein Zungenregister ist. Bei A. Schnitgers Orgeln kann man kaum ein Zungen-Register als Streicherersatz nehmen. Da passt dann eher die Quintadena 8‘ zusammen mit einer Flöte oder einem P 8‘ als Streicherersatz. Wir haben zwar keine schöne fauchende Gambe oder Streicher in Stade für Muffat, aber Flöten und Zungen. Das heisst, gewisse Streicher können “ersetzt” werden. Man muss kreativ sein; genauso wie man Mozarts Andante mit reinem Vierfuß an manchen Orgeln spielen kann wie Katharinen Flentrop, Maihingen und Schnitger, weil beispielsweise Schnitger in Stade eine besondere Blockflöte hat; man muss alles eine Oktave tiefer spielen, da man sonst vom Tonumfang nicht hinkommt. Aber es geht wunderbar!

Insgesamt muss/kann man hier manchmal fehlende Töne jeweils durch Pedal-oder Manualtöne ausgleichen.

Es gibt aufschlagende und durchschlagende Zungenpfeifen. Die normale Zungenkonstruktion ist die aufschlagende. Die aufschlagende Klarinette klingt wie ein weicher Dulcian. Die durchschlagenden Klarinette hat eine langsamere Ansprache und der Ton ist weicher und noch klarinettenähnlicher. In Süddeutschland mischt man sich die Klarinette durch Streicher und Flöten zusammen. Stade besitzt gar keine Klarinette.

Ich muss mich daran gewöhnen, dass es an den Orgeln zum Üben oft unbeheizt ist, das heißt, man muss lernen, mit Mantel und Jacke und Mütze zu spielen und nicht dadurch irritiert zu sein – weil man vor lauter Mantel kaum die Pedale sieht oder der Mantel in den Daumen hineinhängt etc.

Hauptwerk und Oberwerk können gekoppelt werden (aber nicht während des Spiels), die Springladen-Registerzüge müssen gut eingehängt werden, sonst klingt die Orgel verstimmt. Im Hauptwerk gibt es eine schöne 16-Quintadena, im Pedal eine super 16-Posaune, im Oberwerk ein norddeutsches Krummhorn (das zarter klingt als ein französisches Krummhorn). Viele Orgeln heute bauen ein französisches Krummhorn ein in eine vom Vorbild her norddeutsche Orgel, und diese mischt sich dann gar nicht mit den anderen Farben, da oft zu grell. Die Farben der Schnitger-Orgel sind allgemein eher erdig und kräftig. Mir gefallen die Zungen und die Grundtönigkeit, vor allem auch, dass die Oktaven 4  wohlklingend sind. Wie oft passiert es, dass an einer Orgel ausgerechnet Oktave 4 nicht gut klingt, sondern viel zu scharf und zu grell! Dann ist meist auch Oktave 2 viel zu schrill (ganz zu schweigen dann von Aliquoten und Mixturen).

Die Mixturen an dieser Schnitger-Orgel sind ohne Terz, aber es gibt auch schöne Extra-Terzen, die man hinzu ziehen kann. Die Register des Rückpositiv sind hinter mir. Ob Bach auch noch nach Stade gelaufen ist, wagt man eher zu bezweifeln. Vielleicht aber doch?

Ich konnte auch die Gewinde, die Ledermütter, die Lamellen aus Holz, die Abstrakte und die mechanische Traktur (leicht zugänglich) hinter dem Spieltisch sehen und kletterte auch in den “ersten Stock” anhand einer Leiter, um dort die konischen Pfeifen (Nasard…) und die Springlade zu besichtigen. Das Metall der Pfeifen ist sehr weich und wirkt grünlich. Die Pfeifen mit dem weichen Metall sind die Trompeten im Hauptwerk. Aber auch alle anderen Pfeifen außer den Principalen im Prospekt sind aus dieser weichen Metalllegierung gemacht. Zum Besichtigen musste ich wieder meine Höhenangst überwinden. Das Absteigen ist ja besonders schlimm.

Springlade mit Leder und Löchern wird aus Kostengründen heute kaum noch gebaut, war aber sehr interessant zu sehen. Auch zu erfahren, was beim Stimmen von Zungen schief gehen kann. Ich saß anschließend viele Stunden übend mit Bach und Mozart an der Orgel und genoss die Klänge und die kurze Oktave. Natürlich ist das Hauptwerk anders schwergängig als die Tasten jeden Flügels – daran muss man sich eben gewöhnen. Auch an die reinen Terzen und an die Mitteltönigkeit, und dass eben nicht jedes Stück spielbar ist. Durch die Mitteltönigkeit gibt es spezielle Tonartcharakteristik, und diese Charaktere sind wichtig fürs Ohr. Natürlich gibt es keinen Schweller, jedoch kann man die Türen des Spieltisches schließen (die erst nachträglich hinzukamen) und so klangliche Effekte erzielen.

Ein Schnitger-Plenum ist wirklich etwas Besonderes. Mir kann dies gar nicht “zu laut” sein, da sich alles sehr schön mischt, auch die Mixturen mit den Zungen. Auch die Mechanik ist nicht laut. Die Prinzipale sind sinnlich und geben somit das Fundament. Heutzutage wissen die jungen Leute nicht mehr, wie ein Krummhorn oder ein Regal oder eine Hohlflöte klingen, also historische “ausgestorbene” Instrumente, und daher sind die historischen Orgeln sehr wichtig und wertvoll, da sie diese Klänge noch widerspiegeln und präsentieren. Sozusagen ist eine Orgel eine Art Schaustück oder auch ein Kultur-Zoo, da hier ausgestorbene Arten noch klanglich zu bewundern sind. Sagen wir mal, es werden Orgeln gebaut mit Klängen von E-Gitarre und E-Bass etc., und im Jahr 2166 gibt es keine E-Gitarren mehr, dann hätten wir jedoch noch Orgeln mit diesen Klängen. Wäre das nicht eine Idee, eine neue Orgel mit E-Gitarre und Schlagzeug, also nicht wie ein Orchester, sondern eher wie eine Band aufzubauen? Als Experiment?

Dass keine Terzen bei norddeutschen Orgeln eingesetzt werden können und das “Equalverbot” generell erscheinen mir manchmal schwierige Informationen zu sein. Ist die Orgel nicht emanzipiert? Klingt nicht hier in Stade eine Sesquialtera vom Rückpositiv wunderschön im Plenum? Bach liebte wohl den Einsatz der vielen verschiedenen Achtfüße zusammen, die nun nicht alle Solostimmen sind. Warum sollte man sie nicht zusammenziehen können, wenn man dies möchte und braucht? Man sollte natürlich nicht übertreiben und das Ohr schulen. Genauso wie man sich selbst trainiert, stets die leisen Obertöne (Oktave, Terz, Quinte, Septime…) in einzelnen Tönen heraus hören zu können.

Welche Orgel nun wirklich eine Bach-Orgel ist, so wie Bach es sich vorgestellt hat, wissen wir nicht, können wir aber ahnen. Ich persönlich glaube, dass Bach keinen Orgel-Prototyp hatte, sondern dass ihm wie mir viele unterschiedliche Orgeln gefallen, weil er musikalisch gesehen ein Revoluzzer war. Ihm gefiel die schöne Arnstädter Bach-Orgel, aber natürlich war er auch fasziniert von den 17 Zungen der Katharinen-Orgel oder der Schnitger-Orgel in Hamburg oder von Naumburg, der Erweiterung einer Silbermann-Orgel, die er sehr gelobt hat. Ich denke, Bach war wie bei allen Tasteninstrumenten immer auf der Suche nach mehr und nie wirklich schon befriedigt oder zufriedengestellt. Unabhängig davon sollte die Arnstädter Bach-Orgel unbedingt (wieder) als Vorbild für neue Orgeln heute dienen. Ich freue mich, dass die Bossert-Klais-Orgel Würzburg die Arnstädter Orgel als Vorbild genommen hat.

Bach (und Buxtehude) hatten wohl eine himmlische Vision einer Orgel und eines Flügels im Kopf, die wir vielleicht erst im Himmel kennenlernen werden. Ich glaube, dass es im Himmel die besten Orgeln und durchaus exotische geben wird. Vielleicht ist ja der ganze Himmel eine riesige Orgel?

Und Bach sitzt schon drin und dran. Wait for me!

Orgelkonzert Kunst der Fuge, Heiligenstadt, Oberfranken

Es war schön, gestern die Kunst der Fuge in Heiligenstadt zu spielen, an der schönen, roten Orgel mit Gold in St. Michael/St. Veit. Es war ein besinnliches Konzert mit Andacht. Im Gottesdienst habe ich heute dort auch morgen gespielt. Ich liebe es hier, denn alles ist voll Herbst, die Menschen sind sehr lieb auf dem Land, ich habe hier schon das dritte Mal gespielt und viele Fans und Freunde gewonnen, wir gehen reiten und mit dem Esel Fridolin und Leo, dem Golden Retriever, spazieren, der schon alt geworden ist, ich füttere und pflege die Tiere, wir kochen und essen. Die Gegend ist so unschuldig, zart und weit, selbst die Glocke wird noch selbst geläutet, allerdings schon um sechs Uhr, und ich werde von Fridos Iah geweckt. Wenn ich Klavier übe, deckt mich Leo mit der Gardine zu. Er bringt mir auch ständig meine Stiefel.

Vogelerkundungen II

Es kommt mir manchmal vor, als würde es schneien, weil die Vögelchen auf meinem Balkon immer so hoch und runter fallen. Der Mutigste, Dickste und der am Stück 15 Minuten bleibt heißt Johann. Eine Kohlmeise. Er pickt herum und macht dabei einen runden Rücken.

Stadttauben mag ich übrigens nicht sonderlich.