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Trost Hesse St. Martini Orgel Greußen (Greussen)

ev. Kirche St. Martini Greussen

Orgelbauer:

Compenius/Trost/Hesse

Baujahr:

1624/51/1704/1842

Datum des Erstbesuchs:

2020

Disposition und Spielhilfen

99718 Greußen, Thüringen. 1624 erhielt der Orgelbauer Ezechiel Groitzscher (Groitsch, Greutscher, Grütscher: 1575/80 – 1627) aus Eisleben den Auftrag, eine neue Orgel einzubauen, die 1627 fertig gestellt war. Der Krieg hinterließ Spuren an der Orgel, so dass 1651 eine Erneuerung durch den Erfurter Orgelbaumeister Ludwig Compenius (1603 – 1671) geschah, auch bekannt als Naumburger Orgelbauer Ludwig Comparius (Ludovico Campenio, auch Camperius), der bis 1632 dort ansässig und nach 1647 Orgelbaumeister in Erfurt war. Mit dem Brand 1687 wurde auch die Orgel zerstört.
Daher kaufte die Innung des Handwerks der Tuchmacher sofort in Ohrdruf ein Orgelwerk, das 1691 auf die Empore gebracht wurde. Diese war vorher in der Michaeliskirche, die 1675 eine Orgel erhielt, aber 1706 fertig gestellt wurde. Johann Christoph Bach, der ältere Bruder von J.S. Bach, spielte auf dieser Orgel. Daher wurde Johann Tobias Gottfried Trost (1651 – 1721) aus Halberstadt (Sachsen-Anhalt) mit seinem Sohn Tobias Heinrich Gottfried Trost (1680 – 1759) aus Tonna beauftragt, die mittlerweile neu gebaute Kirche mit einer Orgel auszustatten, die auch Bach gefallen würde, von 1701 bis 1704 mit 21 Registern, Pedal und zwei Manualen. Das fünfteilige Gehäuse wurde von einem Bildhauer aus Bad Frankenhausen 1705 geschaffen. Der Hoforganist Johannes Christian Blättermann und der Stadtorganist Johannes Valtin Eccold prüften die Orgel und stellten deren Vertrag und Gebrauch fest. In den Jahren darauf  zeigten sich Mängel, indem die Zinnpfeifen ihrer eigenen Last nicht standhielten und zusammengedrückt wurden. So überarbeitete 1719 der Orgelbauer Northen aus Bad Frankenhausen die Trost-Orgel. 1842 baute Johann Michael Hesse II (1806 – 1858) aus Dachwig eine neue Orgel mit 29 Registern. In dieser neuen Orgel wurden aus der Trost-Orgel sieben Register übernommen; der Prospekt wurde vom Bildschnitzer Elle aus Stadtilm dabei verändert. Die Zinnpfeifen wurden im Ersten Weltkrieg entnommen und zu Kriegszwecken verwendet. 1978 führte Orgelbaumeister Karl-Heinz Schönefeld aus Stadtilm auf Empfehlung moderne Restaurierungen durch. Eine Wiederherstellung und Rückführung der Greußener Trost-Orgel wurde leider nicht ins Auge gefasst.
In anderen Orten wurden (wie zum Beispiel in Dornheim die 1858 erbaute Hesse-Orgel mit 2 Manualen und 19 Registern) wertvolle Orgeln durch die zuständigen Orgelsachverständigen und der Landeskirche ganz aufgegeben, was eine Katastrophe ist. Heute hat diese Orgel 30 Register und 1821 Pfeifen. Ich liebe die schwergängige Trost-Traktur.

 I. Manual (Hauptwerk) C-f³

 II. Manual (Oberwerk) C-f³

 Pedal: C-d¹

 30 Register

Hauptwerk

Prinzipal 16’ Prinzipal 8’ Hohlflöte 8’ Bordun 8’ Oktave 4’ (T) Rohrflöte 4’ Quinte 2 2/3’ Oktave 2’ (T) Waldflöte 2’ Terz 1 3/5’ Mixtur 4-5f. Trompete 8’

Oberwerk

Quintatön 16’ (T) Engprinzipal 8’ Hohlflöte 4’ Gedackt 8’ Oktave 4’ Oktave 2’ Sesquialter 2f. (T) Quinte 1 1/3’ Sifflöte 1’ Zimbel 3-4f.

Pedal

Prinzipalbaß 16’ Subbaß 16’ (T) Oktavbaß 8’ (T) Offenflöte 8’ Choralbaß 4’ Flöte 2’ Mixtur 4f. Posaune 16’ (T)

Manualklaviaturen C,Cis-g3; Pfeifenwerk C,Cis-f3 Pedalklaviatur C,Cis-f1; Pfeifenwerk C,Cis-d1.

T: Register mit Pfeifenwerk von T.G. Trost

Eine leichtgängige Tontraktur, eine Spielanlage mit zeitgemäßem Tonumfang sowie der Stimmtonhöhe a 880 Hz bei 15 °C waren plötzlich das Hauptanliegen, also gravierenden Eingriffe der DDR. Gott sei Dank konnte die Orgel dennoch erhalten werden.

Klang und Akustik

Wunderschöner Hesse-Trost-Klang. Ich liebe die schwergängige Trost-Traktur. Hier zeigt sich erst wahre Virtuosität.

Persönliche Note

Anschließend fuhren wir nach Greußen, St. Martini.

Eine mächtige riesige Kirche mit renoviertem Altar und wunderschöner Decke und wunderbare Akustik. Es müsste noch viel an den riesigen Wänden gemacht werden. In Millionenhöhe. Vielen Dank an Pfarrerin Theresa Hauser. Kaum zu glauben, dass es Evangelische gibt, die meinen, Frauen dürften nicht ordiniert werden. In Thüringen gibt es nur ca. 7 Prozent Kirchenmitglieder. Die Frage hierbei  ist, was ist eigentlich Christsein? Ohne Pfarrerinnen hätten viele Kirchen auf dem Lande wohl niemanden mehr. Es ist keine leichte Aufgabe hier draußen. Ich bewundere jede und jeden hier, denn es ist geistliche Wüste, im Lutherland, im Orgelland. Wir kauften etwas zu essen, und die Menschen dort hatten Hakenkreuze auf dem Hals tätowiert. Ohne Frauen könnten fast alle Kirchen in Deutschland einpacken.

Die wunderbare, vielseitige Trost-Hesse-Orgel in Greußen gefällt mir sehr. Schwergängig, typisch Trost. Trost 1701-1704:

Flammen. Weites Pedal. Schwergängige Manuale. Die Omen der Schönheit: Trost. Selbst wenn nur noch Symbole übrig sind. Hesse und Schönefeld bauten um. Liebliche und volle Klänge. Charisma. Geschichte. Keine ist so wie Trost.


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