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Reisen

30. September 2022: Die Kunst war immer auch Gegner, Hassobjekt, das unbedingt zerstört werden muss. (Hanno Rauterberg)

Künstlerinnen auch?

Bei mir ist manches mit der heißen Nadel gestrickt. Das ist bei mir Normalzustand. Das geht bei so vielen Gaben vermutlich gar nicht anders. (AHS)

Bin unterwegs zum Konzert nach Thüringen, wieder ins geliebte Thüringen.

Chornoten

Meine Chornoten sind eingetroffen, im Eres Verlag. Meine ersten beiden verlegten Chornoten. ❤️ Excited! Es ist keine Neue Musik, sondern Worship Style Neues Geistliches Lied. Ich bin bei Kompositionen immer aufgeregt und zerre die Post auf.
Ich habe jetzt auch ein Chorwerk geschrieben Style Neue Musik. Ich mag beides – auch wenn manche meiner Liebsten bei meiner Neuen Musik wie eine Zitrone dreinschauen, bzw. die sie lutschen. Würden. Oder auch nicht. Doch ich liebe saure Zitrone!

Eres Notenpost Verlag

GEMA E

Seid ihr auch traurig über eure GEMA-Werte? Da hat Corona doch eingeschlagen. Ich bin nach wie vor in Gruppe 5, da ich schon seit 2010 Mitglied bin und viel erwirtschaftet habe, Gott sei Dank, aber meine Wertepunkte waren nur die Hälfte zu 2019! Meine höchsten (2019) und 2016) waren bisher 41 Wertepunkte in E-Musik! Das ist ziemlich gut. Jetzt 2022 waren es 19! 🥹 Jeder Punkt ist pures Geld. Kreativität, Kunst und Blut geboren.

GEMA U

In U-Musik bin ich auch vertreten und auch als Textdichterin, doch seit der Orgel ist U sehr zurückgegangen. Also, Fazit: Ich mache auch wieder mehr U und Unterhaltung und Songs und Piano und Klavier. Denn Orgel und Kirche allein wird bei der GEMA viel viel schlechter, halb so schlecht, bezahlt und ausgeschüttet. 

Heute erinnere ich an die mutigen Frauen Schwester Laudeberta und Chiara Lubich. Die Künstlerin Hilde Schürk-Frisch ehrte Gott genauso wie Inge Grüger.

Marylin Monroe konnte auch sehr schön singen. Es ist schade, dass sie nur für diese „Blondchen“-Rolle eingesetzt wurde, sie hatte so viel Potential! 90 Prozent aller Männer unterschätzen schöne Frauen oft, vor allem, wenn sie klein und mädchenhaft wirken.

Neu: Geniale Woehl Orgel München:

Woehl Orgel München Neuried

Orgel Info

29. September 2022: Gott reagiert auf unsere kleinsten Seufzer. (Ruth Graham)

Ich wurde Künstlerin, weil es für mich keine Alternative gab, daher brauchte ich auch keine Entscheidung zu treffen. Es war mein Schicksal. (Niki de Saint Phalle)

Bei mir ist das auch so.

Heute erinnere ich an Clara Hellraeth, die den ersten Fürsorgeverein gründete. Und an Helene Wessel, die sich für Frauenbildung einsetzte.

Kann mir jemand die Albert Schweitzer Briefmarke senden von 1975 für meine Sammlung? ❤️

Foto: Next Concert

Elisabeth Cruciger

Die erste Liederdichterin in einem evangelischen Gesangbuch, um 1500 geboren. Reformatorin. Beste Freundin von Katharina und Martin Luther und Bugenhagen. Luther traute sie und Caspar noch vor seiner eigenen Ehe. Sie war ebenfalls ehemalige katholische Nonne, zudem adelig und bestens ausgebildet. Während von ihrem Mann Caspar, Theologe, nichts Schriftliches überliefert werden konnte, wird das Lied seiner Frau jedes Jahr von Tausenden Menschen als Wochenlied zu Epiphanias gesungen: EG 67, etwas sperriges Lied, gebe ich zu, aber wundervoller Text, sinnlich. Damit ist ihr Traum in Erfüllung gegangen, Predigerin zu sein (was erst 450 Jahre später möglich wurde für Frauen). Sie ist die erste Dichterin, die Jesus als Morgenstern in einem Lied anbetet, in ihrer eigenen Sprache, auf Deutsch:

„Dein Süßigkeit im Herzen“

„Den alten Menschen kränke, dass der neue leben mag.“ 

Wittenberg

Was waren das damals um 1524 für spannende Zeiten! Warum habe ich damals nicht gelebt? Ich wäre so gern live dabei gewesen in Wittenberg! Luther hat viel für Frauen getan. Allein dafür soll er gesegnet sein.

 Neu: München Orgel-Information

Schmid Orgel Mariahilf München

Shortis AHS … Every Day a Shorti

21. September 2022: Wir suchen Glück außerhalb von uns im Urteil der Menschen, die wir doch als kriecherisch kennen voll Missgunst ohne Sinn für Gerechtigkeit. (La Bruyere)

Das Musikbusiness ist wettbewerbsorientiert, aggressiv, anspruchsvoll. Aber auch fantasievoll, inspirierend, erhebend. (AHS)

Heute erinnere ich an Vera Rubin, Astronomin.

Schloß Pillnitz

Heute bin ich mit dem Raddampfer (Maschinenanlage PD Leipzig, 1929) von Dresden zum Schloss Pillnitz gefahren. Es war sehr schön. Wir fuhren an den drei Schlössern an der grünen Elbpromenade vorbei, an den Villen, unter dem Blauen Wunder durch (eine Brücke, die dem WW II stand hielt), durch Blasewitz und Bachwitz („witz“ oder „itz“ bedeutet Dorf oder Ort) hin zu den Parkanlagen von Pillnitz.

Hier gibt es ein Orgelpositiv von 1725 von Johann Heinrich Gräbner, Cembalo und Spinett. Die Palmen und die Orangerie waren beeindruckend, auch die große Magnolia und die uralte Kamelie aus dem 18. Jahrhundert, die im Winter in ein fahrbares Glashaus kommt, extra für sie angefertigt. Sie wird gehegt und gepflegt, damit sie in Winter und Frühjahr blüht.

Schlosskapelle Pillnitz

Die drei Pillnitz Schlösser gefielen mir, der große Kuppelsaal, die katholische Kapelle mit Jehmlich Orgel 1855, die Kunstausstellungen, der englische Garten. Die malende Mathilde. Das Wetter war unbeständig, dennoch immer gerade schön genug. Gute Führung durch die Anlage.

Kunstgalerie Dresden

Dann besuchten wir mal wieder die Alten Maler wie Rubens, Cranach, Rembrandt, Rafael. Besonders gefällt mir das brieflesende Mädchen von Vermeer van Delft. Das mochte ich schon als Kind. Zu viel Alte Kunst jedoch löst bei mir ein unangenehmes Gefühl aus, da ein Museum voll überladener Bilder unheimlich wirkt auf mich, düster.

Die Semperoper hatte heute leider Pause/Ruhepause.

Übrigens ist die Wolke des Himmelreichs wie ein Kreuz geformt in der Frauenkirche. Untendrunter Jesus in Gethsemane.

Ich habe von F. Reichheld „Der Loyalitätseffekt“ gelesen, denn ich mag die Bücher von Campus. Als ich über Loyalität nachdachte, fiel mir folgendes auf: Frauen gelten in der Business-Welt, in der oft Männer-Loyalität herrscht, als „illoyal“, wenn sie nicht tun, was man ihnen sagt. Für manche Konservativen sind Frauen, die Karriere machen wollen, an sich schon illoyal. Warum? Weil sie sich nicht an Männer binden, auch nicht an deren Meinung. Männer bieten Frauen eine Art „Zuhälterschutz“ an, aber nur, wenn frau tut, was man erwartet.

Neu: Video: Choral

Neu: Orgel-Information Frankfurt am Main

Albiez Orgel Frankfurt Niederrad

In 100 Tagen Weihnachten: Es kommt ein Schiff, geladen bis an sein‘ höchsten Bord – Advent Improvisation Fantasia, Schnitger Ahrend Orgel St. Cosmae Stade

Foto: Zeichnungen

20. September 2022: Gott: Mein Herz ist eine Uhr, die an seinem Herzen hängt wie ein Pendel. Sein Herz aber steht über Raum und Zeit. (AHS)

Das Altern soll uns Demut und Gott lehren. Mein Herz ist eine Uhr, die an seinem Herzen hängt wie ein Pendel. Sein Herz aber steht über Raum und Zeit. (AHS)

Heute erinnere ich an Nina Hugendubel, die wie ich Bücher liebt.

Foto: Klais Orgel Köln-Rondorf

Frauenkirche Dresden

Heute war ich spontan den ganzen Tag in der evangelischen Frauenkirche. Und es wurde mir nicht eine Sekunde langweilig. Sie ist die größte Kuppelkirche nördlich der Alpen. Zudem ist sie weltweit die einzige Kirche, deren Kuppel eine Sandstein-Glocke ist.

Zuerst nahm mich Matthias hoch zur Orgel. Er hatte mich schon mal hoch zur Orgel mitgenommen vor längerer Zeit, aber wir konnten nicht spielen, weil Führung war (was gefühlt den ganzen Tag ist). Diesmal hörte ich sie von oben. Oben klingt sie natürlich anders als unten. Unten ist sie viel zarter, „leiser“, wie ich bei der Abendandacht später hörte. Oben hat sie ganz schön Wumms, besonders das Pedal. Singend, tief.

Ich liebe tiefes, singendes Pedal. Das Gehäuse ist exakt nach der damaligen Silbermann Orgel  gebaut worden. Das erste und zweite Manual ist Silbermann, außer dass im zweiten noch ein romantisches Salicional dazu gekommen ist von Daniel Kern. Das dritte ist neu und romantisch, das vierte wieder Silbermann, mit herberen Zusatzklängen für norddeutsche Musik.. Eine „Universalorgel“ im besten Sinne.

Kern Orgel vs Silbermann Orgel

Klar, sie ist wundervoll. Fast 5000 Pfeifen, 68 R, 4 M. Dennoch ist es so traurig, dass die unvergleichliche Silbermann nicht mehr da ist, an der Bach saß. 1945: Die angloamerikanischen Flieger bombten 16 Stunden (!!) auf Dresden ein. Und die als unzerstörbar geltende Frauenkirche, die WW I  ertragen hatte, hielt bis zum Schluss durch ❤️ Doch dann.

Sie wurde in der Nacht vom 13. auf den 14. Februar (also in der Nacht zu meinem Geburtstag, nur 1945) attackiert und fing Feuer. Das Feuer kam durch die geborstenen Fenster. Und sie stand noch meinen ganzen Geburtstag lang. Aber am Morgen des 15.2.45 fiel sie in sich zusammen 😥 Die Glut war ringsum so heiß, 1000 Grad (!!), aufgrund der Feuersbrunst, dass der Sandstein VERGLÜHTE und die Sandsteinpfeiler die tonnenschwere Kuppel nicht mehr tragen konnten und alles einstürzte. Die Orgel war da schon längst komplett verbrannt. Der Ort, an dem Bach vor 2000 Menschen spielte. Nur das Kuppelkreuz ließ Gott zwar beschädigt und verformt, aber nicht zerstört zurück. Und dieses steht nun innen.

Die Frauenkirche stürzte. Ich habe selbst heute noch alte Dresdnerinnen und Dresdner in der Kirche erlebt, die heute noch darüber weinen. Und selbst mir kommen die Tränen, während ich dies hier schreibe.

Mahnmal und Wende

200 Jahre stand sie, dann ein Trümmerfeld. Und sie blieb dies 48 Jahre: Ein Mahnmal. Zudem war die DDR an Gott und Kirche kaum interessiert. Doch dann kam sie. Die Wende. Und der christliche Glaube schwappte auch wieder zurück nach Mitteldeutschland. Die Zeit war reif. Gott ist gnädig. Er hat innerhalb von 11 Jahren mit nur 180 Millionen alles wieder aufbauen lassen, mit 2/3 Spenden; es kostete allein 13 Millionen, die Trümmer korrekt zu enttrümmern. Ein Jahr früher als geplant war sie fertig. Kein Vergleich mit der Elbphilharmonie, die immer teurer und länger wurde.

Frauenkirche vs Elphi

Bei der Frauenkirche flossen die Spenden. Nobelpreisträger gaben ihr ganzes Preisgeld. Engländer schenkten Geld und Gold. Alle gaben alles. ❤️ Es berührt so sehr. Ich konnte die Kirche nicht verlassen. Ich war bei der Emporenführung dabei und oben auf der Kuppel und unten in der Unterkirche, und bei allen Andachten. Das habe ich alles schon mal gemacht, aber abends, nach einem Konzert, in dem ich war, und schon lange her. Und ich finde, tagsüber ist es etwas anderes. Vor allem habe ich mich geändert: Ich behalte alles und dokumentierte ganz anders als früher. Die Orgel hat mich verstehen lassen und mich Geschichte lieben gelehrt.

Ich liebte Geschichte in der Schule schon, weswegen andere dachten, ich sei eine Streberin. Aber das wirkliche Leben ist mehr als Schule.

2022:

Frauenkirche-Dresden

14. September 2022

Im Unglück finden wir meistens die Ruhe wieder, die uns durch die Furcht vor dem Unglück geraubt wurde. (Marie von Ebner-Eschenbach)

Heute erinnere ich an Caren Miosga, Fernsehmoderatorin, und an Laura Boldrini, Politikerin, Italien.

Femizide: Fakten

Ich bin erschüttert, wieviele Femizide es in Europa gibt. Es sind über 100 pro Jahr pro Land, auch in Deutschland: Männer, die ihre Frauen töten, besonders, weil sie sich trennen wollen. Wenn man diese mit Sex-Morden (Vergewaltigung, Menschenverschleppung) addiert, werden Hunderte Frauen pro Jahr pro Land von Männern ermordet, von der Dunkelziffer und von der weltweiten Situation ganz zu schweigen.

Dies ist ein sehr krasses Zeichen des immer noch stark existierenden Patriarchats. In Deutschland ist das Wort Femizid noch gar nicht etabliert bei Polizei und Justiz. Wen wundert es. Ermordung von Frauen sind in Europa die wesentlich größere Bedrohung als Terror. Terror-Morde sind um ein Vielfaches geringer: 7 zu 149 Femiziden pro Jahr!

Der tief sitzende Haß gegenüber Frauen ist enorm. Die Gewalt gegen Frauen ist um ein Zehnfaches höher als rechte oder linke Gewalt. Europa vertuscht diese Zahlen. Die Strafen sind in Deutschland lächerlich. Frauen in der Justiz haben nicht geholfen.

Erweitert: Orgel-Information Pomssen

Richter Orgel Pomßen (Pomssen) bei Leipzig

Pomßen

Kostbare, spätromanische Dorfkirche mit großem Westturm im Leipziger Land der Vereinigten Mulde: Die Wehrkirche in einem gepflegten Friedhof besitzt die älteste spielbare Orgel Sachsens und ist reich ausgestattet im Stile des Barock und der Renaissance unter der Herrschaft von Ponickau. Sie ist ein Zeichen europäischer, kulturhistorischer Kunst. Sehr schön ist das Schloss Pomssen mit dem Wappen der herrschenden Familie von Ponickau.

Engelschor, Loge, Renaissance

Die herrschaftliche, zweietagige Patronatsloge in der Wehrkirche an der Nordwand gehörte ebenfalls dieser Familie und wurde von ihr 1686 errichtet. Sie ist verziert mit Stuckarbeit und Bogenfenstern, nur vom Friedhof zu erreichen.

Die drei großen Glocken im Glockenstuhl wurden 1660 und 1685 als neues, prächtiges Geläut ebenfalls von Ponickau eingesetzt, von Johann Jakob Hoffmann aus Halle gegossen.

Das spätgotische Kruzifix steht leider hinten in der Ecke.

Wertvolle Epitaph, Sarkophag als Denkmäler, eine wunderschöne ocker-weiße Kassettendecke im Langhaus, barocker Taufengel, der älteste Teil ist die Taufkapelle mit  romanischem Taufstein.

Gegenüber der wertvollen Orgel steht der Renaissance-Altar mit der Heilsgeschichte Gottes.

Der Engelschor auf den sieben Feldern der Empore und den Flügeltüren: Die Engel spielen Harfe (Gemeine Harff), Fidel, Cello, Alt-Posaune, Bass-Pommer, Clavichord…

Älteste Orgel Sachsens

Gottfried Richter (1643 – 1717) aus Döbeln in Sachsen, Orgelbauer, Bürgermeister und Stadtrichter, baute die Orgel in Pomßen 1671, mit einem Alter von 350 Jahren Sachsens älteste spielbare Orgel. Wunderschöne Renaissance Orgel in einer weißen Dorfkirche (13. Jahrhundert), ca. 14 Jahre vor Bachs Geburt errichtet und geweiht.

Sie gehört zu den ältesten Orgeln der Region in Sachsen und Leipziger Land. Ein Manual mit 13 Registern und frühbarockem Klang. Die Orgel wurde erbaut 1671 durch G. Richter (Döbeln), restauriert 2006 durch Fi. Wegscheider, und besitzt einen wunderschönen Prospekt.

Leipziger Land

Die Kirche, von Schloss und Rittergut Pomßen geprägt, wurde nach einem Sturm 1660 leider beschädigte. Sophia von Ponickau gab den Auftrag, eine neue Orgel zu bauen, die sich bis heute erhalten hat, eine Orgel des Orgelbauers Gottfried Richter (1643 – 1717) aus Döbeln in Sachsen. Dieser hatte in Sachsen einige Orgeln gebaut. Von 1671 existiert die früheste belegte Disposition der Orgel, die ich während der Orgelakademie kennengelernt habe.

Die mitteldeutsche Orgel ist weiß mit weiß-gelbgoldenen, großen Flügeltüren mit Engeln, die musizieren (Engelskonzert), verzierte Pfeifen, vor allem die mittleren, Zimbelstern. Gelbverziert und dekoriert mit einem aufgeschlagenen Buch (Noten) ist auch der kleine, enge Spieltisch mit schwarzen Tasten.

Die Orgel steht perfekt angepasst auf der zweiten, runden Empore unter einer reich verzierten, flachen Kassettendecke (56 Kassetten). Auch die Brüstung um die Orgel ist voller Engel, die musizieren. Die gesamte Kirche ist weiß-gelb verziert und farblich ein runder Guss und eine Einheit wie eine Torte. Die Orgel und die Empore wirkt wie ein riesiges Porzellangeschirr. So schlicht die Kirche von außen wirkt, so reich verziert ist sie innen. Die Prospektpfeifen haben gedrehte Füße und vergoldete Labien, die Ober- und Unterlabien der Prospektpfeifen haben verzierte Kielbögen.

Der Taufstein der sehr alten Kirche mit dem breiten, quergestellten Turm stammt aus dem 15. Jahrhundert.

Bachkirche

Die Kirche ist für mich eine Bach-Kirche, denn: Am 6. Februar 1727 soll hier JS Bach seine Kantate “Ich lasse dich nicht, du segnest mich denn” aufgeführt haben, BWV 157. Er soll an der Orgel gesessen sein. Beweisen kann man das nicht.

Somit ist auch die Orgel eine Bach-Orgel, denn es gibt nicht viele historisch erhaltene Orte und Instrumente, an denen Bach war.

Der Glockengießer Johann Jakob Hoffmann aus Halle an der Saale baute die drei Glocken dieser Kirche.

Chris Watts – Analyse True Crime AHS. Was war passiert? Shannan Watts

13. September 2022: Gib mir Schutz vor den Sternen. (AHS)

Über jede neue Falte sollte man sich freuen, weil sie die Glätte nimmt. (Sky du Mont)

Die „arrogante“ Glätte. Und frau soll sich auch freuen. Warum rennen so viele zu Schönheits-OPs und Botox? Warum bietet TikTok selbst Kids Schönheits-OPs an? Schönheit? Es geht meist um Sex-Appeal, welches Männer definieren. Jede Frau ist schön und sexy, in ihrer ganz eigenen Art.

Heute erinnere ich an Dorothy, Vaughan, Mathematikerin.

Neu: Bad Köstritz

Heinrich Schütz Geburtshaus Bad Köstritz

Klang

Was gefällt mir an Orgelklang? Immer wieder anders und unterschiedlich. Der große, ernste, mystische und runde Klang bei Ladegast gleitet schwebend schon in die Ferne, verlockend, nicht eilig, würdevoll und mit großer Kraft. Wunderschöne Trompetenbecher, die Schallbecher, Wellenrahmen im HW, angehängte Metallpfeifen, Expressionsschlitze, Trakturdetails, Registerschilder, Abstrakte, neue Holzpfeifen, rekonstruierte Pfeifen, restaurierte Windkästen und Bälge. Rohrflöten und Gemshorn sind besonders schön.
Bei Ladegast kann man lückenlos von pp bis ff registrieren, was ich liebe, mit vielfältigen Streichern, raumfüllender Terrassendynamik, durchschlagenden Zungen, besitzt jedoch auch spätbarocke mitteldeutsche Klänge für Bachs Musik, neben Flötenschwebung und ätherischem Schwellwerk.

Was ich an Albert Schweitzer, der Ladegast ebenfalls liebte, so bemerkenswert finde, ist, dass er trotz ausgefülltem Leben mit Musik und Theologie noch mal von vorn anfing und 1904 Medizin studierte. Ich weiß, was das bedeutet. Ob man ihm auch vorgeworfen hat, er sei wohl vorher nicht genug ausgefüllt gewesen? Wie mir? Aber er war zuvor damals schon zuvor mehr ausgefüllt gewesen als die meisten anderen im Leben. So wie ich. Er ist einfach seinem Herzen gefolgt. Wie ich.

Ausgefüllt

Der Kongo war medizinisch komplett unterversorgt und er und seine Frau gaben alles. Sie gingen als hochgebildete Menschen in den Urwald, hörten nie auf, dieser gebildete Mensch zu sein. Auch ich habe nie aufgehört, Pianistin zu sein. Ich bin wie Schweitzer, beides und mehr. Organistin und Pianistin. Er Mediziner und Theologe. Nicht dass die Kirchenmusik ein unterversorgter Kongo ist, obwohl es mir manchmal so vorkommt, aber auch ich war vorher mehr als ausgefüllt, als die Orgel wie der Blitz mein Leben traf. Und auch ich habe wie Schweitzer Opfer gebracht.

Gunsbach, Elsass

Es gab schon lange vor 1932 eine Orgel hier in Gunsbach, die Schweitzer als Kind spielte. Schweitzer hatte diese frühe Orgel geliebt. Leider wurde sie im Ersten Weltkrieg stark beschädigt. Albert sammelte Geld, um eine pneumatische Orgel zu bauen, mit doppelter Tastatur und 20 Registern. Dann wurde die Orgel erneut im Zweiten Weltkrieg stark beschädigt.

Albert sammelt und gibt Geld

Diesmal konnte nur das Notwendigste repariert werden. Schockierend, dass die Kriegsmänner jedes Mal in dieses kleine Dorf mit Granaten eindrangen und den Kirchturm beschossen! Wozu? Was hatten sie davon? War dieses friedliche Dorf eine Bedrohung für sie?

1959 jedoch hatte Albert erneut Geld gesammelt, um seine geliebte Orgel zu reparieren. Diesmal spendete er selbst viel Geld und ließ sich den Rest zum 85. Geburtstag schenken.

Er hatte einen Renovierungsplan ausgetüftelt, den Alfred Kern 1961 ausführte. Albert nannte dies „sein letztes Werk“. Da er in Lambarene starb, konnte er leider dieses letzte Werk nie hören und sehen. Die Orgel gehört der evangelischen Kirche. 1993 und 2020 wurde sie erneut renoviert.

Simultankirche

Die besondere Kirche ist interkommunal (Gunsbach und Griesbach) und seit 1751 interkonfessionell bis heute eine Simultankirche, ein Zeugnis, einfach, treu, mit schönen Glocken von 1413 und 1951 „Christe Gloria“ und Orgel, die 2020 neu gemacht wurde. Der Turm der Kirche wurde nach 1945 wieder aufgebaut.

Lambarene 

Durch Schweitzer (Günsbacher und Weltbürger) wurde die Kirche weltberühmt. Schweitzer hat bereits seine frühe Kindheit in Gunsbach verbracht. 1925 starb sein Vater, Pfarrer der Kirche. Schweitzer war zu der Zeit Schüler im Lyzeum Mulhausen. Gunsbach war Schweitzers Zuhause. Er starb 1965 in Lambarene.

Neu: Orgel-Information Gunsbach

Albert Schweitzer Orgel Gunsbach

12. September 2022: Identity is Destiny. (AHS)

Zählen werden nur die, die bereit sind, sich weder mit einer Ideologie noch mit einer Macht zu identifizieren. (Hannah Arendt)

Sich durch Jesus mit Gott als Macht zu “identifizieren”, das ist ein Geschenk. Es gibt zwar Leute wie Max Born, die behaupten, dass man nicht Besitzer einer einzigen Wahrheit sein könne, dies würde nur das Übel der Welt hervorrufen – dennoch könnte ich nicht leben, wenn es keine Wahrheit gäbe und damit keine Gerechtigkeit. Wahrheit ist sehr wichtig.

Ich finde, es ist wichtig, für sich und andere Beraterin und Mentorin zu sein, Schwerpunkte zu haben, Lernende zu sein, ein Stück weit “Politikerin“, Vernetzerin und Redakteurin (und seien es Blogs, Vlogs, Lyrik…), öffentlich, interdisziplinär und international, mit Raum für Forschung. Selbstmanagerin. Aber auch mit Managern und Helfern, die mir helfen. 😊

Ich habe heute zum ersten Mal die Zeitung Ars Organi gelesen. 2022. Die Zeitung wird geführt von der GdO, Gesellschaft der Orgelfreunde. Auf der letzten Seite werden deren Organe und Gremien aufgeführt. Und – wer hätte sich gewundert – es sind nur männliche Organe. Redaktion, Inserate, Arbeitskreise, Beilagen, Hauptausschuss, Schriftführer: Nur Männer. Alle Autoren des Heftes September 2022: Nur Männer. Männer wollen unter sich sein? Das ist sehr schade.

Ist diese Gesellschaft eine Art moderne Freimaurerei für Orgeln? Da waren auch nur Männer zugelassen.

Heißt diese Gesellschaft deswegen „Orgelfreunde“? Ich bin eine Orgelfreundin.

Und wenn man nun schnell eine Frau herholen würde, als Alibi-Frau, es ändert nichts. Im Gegenteil. Diese eine Frau wird eine ausgesuchte sein, eine, die das Spiel mitmacht.
Wo sind die engagierten Frauen? Frauen müssen willkommen sein.
Ich hoffe, ich habe das nicht zu scharf kritisiert.

Foto: Oberlinger Spieltisch Rhaunen

Neu: Älteste Stumm Orgel-Information

Neu: Orgel News:

Dalstein und Haerpfer Chororgel St. Thomas Strasbourg

Orgel Information Strasbourg St. Thomas Chororgel

Neues Video:

Vincent Lübeck d. Ä. – Praeludium & Ciaconne in d – Dance Variations, Ladegast Orgel bei Merseburg

Ladegast Orgel


6. September 2022: Das ganze kleine Gemüse im Echowerk. (AHS)

Durch die Gasse der Vorurteile muss die Wahrheit ständig Spießruten laufen. (Indira Gandhi)

Und das 1917. Als Frau ist es nicht so leicht, gegen männlichen Vorurteile anzugehen. Ich habe überlegt: Wie kommt es, wo haben Frauen es gelernt, sich gegenseitig abzuwerten? Es ist die Sprache der Männer, die Sicht der Männer über Frauen. Und Frauen erlernen diese Sicht gegen andere Frauen, von Männern abgeguckt, und wiederholen sie. Es ist also angelernte männliche Abwertung, die sie anderen Frauen entgegenbringen, und auch die Sprache, die sie von Männern gelernt haben. Sie verwenden dabei typisch männliche Abwertungsworte. Wann wachen Frauen auf?

Heute erinnere ich an die ermordete Edith Stein und an Marie Antoinette. Und an Matthias Claudius‘ Frau. Wie schreibt der Biograph Hans-Jürgen Benedict „Mit seiner Frau bekam er 12 Kinder…“ Er. (Er, der übrigens eine Zeitlang bei den Freimaurern war.) Ich denke, die 12 Kinder bekam vor allem seine Frau.
Und ich erinnere an „Johanna, die Schwachsinnige“, die reiche Erbin, die von ihrem sie betrügenden Mann verstoßen wurde.

Foto: Pomssen, Gottfried Richter Orgel 1671

Empfehlen kann ich „The Chosen“ Staffel 2, jetzt auch auf Deutsch. Eine Serie über Jesus, sensibel gefilmt.

Ich wurde gefragt, ob ich Filmmusik mag. Ja, höre ich manchmal zur Entspannung, zB beim Blog schreiben, da brauche ich manchmal etwas „Theatralisches“ 😊. Hans Zimmer etc.

Hans Zimmer ist für mich „Klassik für Dummies“. Aber ich möchte auch manchmal ein Dummie sein dürfen und Kaffeehausmusik hören. Wie jetzt gerade. 😇

Apropos Kaffeehausmusik. Mir fällt auf, dass Kirchenmusiker oft von „gediegen“ sprechen im Zusammenhang mit Musik. Was nicht „gediegen“ klingt, wird zum Teil abgewertet. Dass es manchen Komponistinnen und Komponisten überhaupt nicht darum geht, gediegen zu komponieren, ganz im Gegenteil – darauf kommen Gewisse gar nicht.

Übrigens, im Vorwort des Orgelbuchs des Klosters Walburg zu Eichstätt geht Raimund Schächer davon aus, dass Anna Maria Barbara Schmaus (1653-1730) nichts selbst komponiert habe. Begründung: keine. Weil sie eine Frau war? Es muss Mann alles komponiert haben. Welcher? Hm. Der oder der vielleicht. Das weiß man nicht so genau. Eine Frau jedenfalls nicht. Dazu ist die Musik zu „gediegen“? zu betulich… ?

Neu: Pachelbel – Choralvorspiel „Durch Adams Fall ist ganz verderbt“, Ladegast Orgel

5. September 2022: Mit einer Fliege klappen. (AHS)

Profis müssen sich ihrer Vorbildfunktion stärker bewusst sein. Egoismus und Menschenfurcht sind oft zu stark. (AHS)

Heute erinnere ich an Luise Zietz, mutige Politikerin.

Foto: Pomssen, Gottfried Richter Orgel 1671

Bad Köstritz

Heute waren wir in Bad Köstritz bei Gera (Kleinstadt im thüringischen Vogtland an der Weißen Elster) im Museum Geburtshaus Heinrich Schütz, Bad Köstritz. Wir fuhren von Braunsbedra ab. Es war schön und ist zu empfehlen: Viele alte, historische Instrumente und Nachbauten, dazu ein kleiner Saal, ein Pedal-Clavichord, eine Truhenorgel, ein zweimanualiges Cembalo, Blockflöten… Alles etwas kleiner als im Heinrich-Schütz-Haus in Weißenfels. Ach, ich liebe Schütz‘ Musik. Danach waren wir auf dem Markt vor Ort, auf dem eine Bläsergruppe spielte.

In der Nähe liegen Hermsdorf und Klosterlausnitz, da habe ich schon gespielt.

Nun bin ich wieder daheim, und der Lilien-Strauss duftet stark und hat bis jetzt überlebt.

Neu: Domenico Alberizi (1700) – Toccatina, Fuga inversa, Fuga | Ladegast Orgel Braunsbedra, Organ Vlog AHS

Museum Heinrich Schütz Bad Köstritz:

Museum-Heinrich-Schuetz-Geburtshaus-Bad-Koestritz

3. September 2022: Guds löften är som stjärnor. (Frost)

Man muss nicht alles an einem Tag erreichen wollen. (Teresa von Avila)

Heute erinnere ich an Adelheid Popp, 1869 geboren, die einer großen Sache mit Begeisterung diente, was ihrem Leben Wert gab, nämlich das Frauenwahlrecht zu fördern. Viele Frauen scheinen politisch unreif zu sein, schreibt sie, aufgrund der Erziehung, da sie nicht verstehen, dass unsere Welt von Basta und Testosteron regiert wird. „Schwimmen lernt nur die, die ins Wasser geht“, wie auch Lida Gustava Heymann feststellte, 1868 geboren, aus Hamburg, die sich ebenfalls für Frauenrechte als Menschenrechte einsetzte.

Foto: Silbermann Orgel Abteikirche Marmoutier

Heute Abend: Konzert an der Ladegast Orgel. Bin in Braunsbedra angekommen.

Gottfried Richter Orgel (13 Register) in der Wehrkirche zu Pomssen

Gottfried Richter aus Döbeln (Sachsen) baute diese wunderschöne Renaissance-Orgel (von Hildebrand und Wegscheider restauriert), auf der zweiten Empore mit verzierten Prospektpfeifen mit frühbarockem Klang, mitteltönig: herb eingetrübte und scharfe, helle Klänge, mit Zimbelstern und Vogelgesang (die Pfeifen stehen blubbernd umgekehrt in Wasser), Pedalkoppel (Tritt links unten), mit Tremulant (man muss sofort spielen, kaum dass man ihn gezogen hat, damit er wirkt), mit wunderschönen Flügeltüren mit Engeln, die musizieren, ockergelb, weiß-grau, direkt unter der flachen, verzierten Kassettendecke – die erste mitteltönige Orgel auf unserer Reise, die erste mit kurzer Oktave in Manual und Pedal. Sie ist doch leichtspieliger als ich es in Erinnerung hatte vom letzten Mal. Bach soll hier gesessen sein, aber es ist nicht hunderprozentig erwiesen. Aber ich glaube es schon. Wir sahen die 4 Keilbälge oben. Es machte Spaß, die alten Holzstiegen hochzulaufen. Oben ist der Spieltisch mit aufgeschlagenen Noten verziert.

Wie früher Gottesdienst gefeiert wurde, ist erschreckend: Eine Pflichtveranstaltung, ein Event der Hierarchien, man musste sich Sitze unten mieten und bezahlen, ansonsten stundenlang stehen, die reiche Familie Ponickau saß in den Logen, die Armen standen unten. Gibt es nicht gewisse Hierarchien dieser Art noch immer, nur versteckter?

Es ist dennoch schön, wieder daheim zu sein. Jedoch nicht lange, es geht weiter zu den nächsten Konzerten.

Die Denker des Glaubens

Seltsam, dass die “Denker des Glaubens” (fast) nur Männer sein sollen? Mir kommt es vor, als seien Männer weiter vom Glauben entfernt als Frauen. Ähnlich formuliert es auch Albert Schweitzer, der zeit seines Lebens Frauen besonders schätzte und mit ihnen besonders befreundet war.
Ich stelle es mir schön vor, dass er “im Urwald” Bach gehört und von Jesus erzählt hat. Es könnte sicher noch mehr im Schweitzer-Archiv in Günsbach geforscht werden. Ich lese die vielen Briefe.

Gedanken erschaffen

Bewundernswert ist es, dass er bewusst die akademische Laufbahn (er hielt Dozieren für viel weniger erstrebenswert als Handeln) auf den Haufen warf und lächerlich machte und als “Privatdozent” noch mal spät studierte und Prüfungen ablegte (alle mit “sehr gut”) – irgendwie erinnert mich das durchaus auch an mich.

Wenn ich die vielen Briefe lese, die Schweitzer geschrieben hat, besonders die an Helene, dann merke ich, dass er mehr Philosoph war als Theologe – oder Christ (es ist ja nicht dasselbe: Es gibt sehr viele Theologen, die keine Christen sind, und noch viel mehr Philosophen, die keine Christen sind). Auf der einen Seite hat Albert Recht, dass es eine gewisse Denkfeindlichkeit gibt unter Christen (besonders in Freikirchen, finde ich, dazu eine falsche Unterwürfigkeit). Auf der anderen Seite finde ich Schweitzers philosophische Gedanken zu Jesus bedenklich unchristlich und entgegengesetzt zur Bibel: Er nennt Jesus den größten Philosophen und glaubt nicht, dass Gott eine Person ist. Er deutet den christlichen Glauben ethisch und philosophisch und ist damit oft fern der Bibel.

Die meisten sogenannten “Denker des Glaubens” waren Pfarrerssöhne oder Söhne von Theologen oder Philosophen. Das merkt man deutlich. Albert Schweitzer nennt Jesus im selben Atemzug wie Kant oder Sokrates und weiß, „dass dies Ketzerei ist“. Er bezeichnet sich in seinen Briefen an Helene sehr oft als Atheist und als Ketzer und macht Witze über Himmel und Hölle. Er redete lieber von Schicksal als von Gott. Ist das nicht erstaunlich? Er bezeichnet den Atheismus als Religion. Durchgehend ist zu spüren, dass er Gott sucht, wer er überhaupt ist. Seinen Gehorsam, seine Pflicht zu tun und Menschen zu dienen in Afrika, nannte er als Wiedergutmachung für seine Ketzerei und seinen Atheismus. Er wollte in Lambarene Gott finden. Ob er ihn gefunden hat? Wenn all diese Briefe bekannt wären oder in einem Blog ständen – was würden gewisse Leute von ihm denken, seine Neider und Feinde?

Was ich sehr sympathisch an Schweitzer finde, ist seine kindliche Art, die mich an mich erinnert. Ich kenne auch die Widersprüche, in einem, die wie eine Zange zwickt. Er nannte sich Heimwehkind (wie ich), immer auf der Suche – radikal, fast besessen von eigenen Gedanken und Ideen.

Heimwehkind

Vieles an ASB finde ich bemerkenswert. Dass er den Professoren vorwarf, dass sie “einen zu geschickten Handwerkern machen wollen, aber nicht höher mit einem hinauswollen.” Wie oft habe ich dies auch schon gedacht und denke es noch. Dass man auf diese Weise seinen eigenen Gedanken “entläuft”, von ihnen entfremdet wird. Das ist die größte Gefahr grundsätzlich im Studium. Es gibt neidische Lehrer und Kommilitonen, die gern alles kontrollieren. Denen es eine Plage ist, wenn jemand ein ganz anderes Level hat.

Bewegend sind seine Briefe an Helenes Eltern, als er sie nach Jahren des Verzichts und des Wartens endlich heiratet. Und dass sie ihn “Beri” nennt und er sie “meine Große”. Etwas bedenklich finde ich jedoch, dass er sie so geformt hat, wie er es wollte. Sie war ihm trotz allem sehr untertan und ganz auf ihn ausgerichtet. Sie betete ihn an. Hielt ihn für den Privilegierten. Albert Schweitzer gibt selbst zu, er hatte Sorge um sie und hielt sich selbst nicht für bescheiden. Er hielt sich selbst immer für einen Großen.
Wehe, eine Frau hält sich für eine Große.

Albert Schweitzer über Deutschland

Das Urteil Schweitzers über Deutschland ist korrekt. Ich wünschte, man hätte an diesem Punkt mehr auf ihn gehört, nicht nur, wenn er über Orgeln urteilte. Er schätzt Deutschland sehr, sagt aber, Deutschland würde seine Berufung verfehlen, weil das Land mehr auf äußeren Ruhm und Ehre aus sei, als ein geistliches Vorbild zu sein, was es absolut wäre. Das sehe ich auch. Das Potential von Deutschland ist riesig, und das war es schon immer.

Lorenzkirche Nürnberg vorgestern:

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