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Es ist nicht das große Ziel, das oft so weit weg und unerreichbar ist, sondern etwas Nahes, Erreichbares. (Vera Loewenherz)

Heute erinnere ich an Janica Kostelic, Ski-Rennläuferin mit Rekorden.

Ich habe heute zufällig eine Zeitlang Videos aus dem Bundestag gesehen und bin erschüttert, wie sich unsere Politiker gegenseitig behandeln. Die buhen sich gegenseitig aus, unterbrechen sich respektlos, keifen sich feindselig, misstrauisch und voll Konkurrenz an. Ich finde es auch nicht in Ordnung, wie die AfD behandelt wird im Bundestag. Man kann ja stets anderer Meinung sein, bei jeder Partei, aber es ist bei weitem nicht alles falsch oder dumm, was hier gesagt wird und sollte zum Nachdenken anregen (und immerhin, wir haben überhaupt eine Opposition) – warum kann man sich dann also nicht gegenseitig respektvoll, ruhig und anständig zuhören? Wie können diese Politiker Vorbilder für uns sein? Insgesamt würde ich den kompletten Bundestag erneuern, denn es ist eine Tragödie, was da läuft. Bei solchen Politikern wundert es mich nicht, dass wir ein Rechtssystem haben, das unmoralisch, geldgeil, ungerecht, sehr verworren und von Grund auf männerfreundlich ist. Was soll nur aus unserem Land werden?

Ich wundere mich auch über viele Philosophen, sogenannte christliche oder fromme Philosophen, die sich Gott irgendwie zusammendenken. Nach dem Motto: Gott ist, weil wir ihn denken. Kant hatte so ein Vernunftsbedürfnis, dass er mir schon heidnisch vorkommt. Dagegen gefällt mir Martin Luther gut und viel besser, und seine 26 Lieder im EG sind berührend.

Foto: Bad Windsheim

Neu:

Heinrich Schütz Haus Weißenfels

Ladegast Orgel Weißenfels

Sei dankbar für jeden Dorn, den andere auf dich schleudern, das Zeichen, dass du bald in Rosen badest. (Elif Shafak)

Türkische Schriftstellerin. Heute erinnere ich an Yvette Vaucher, Schweizer Bergsteigerin, und Erika Runge, Regisseurin (oral history) und Assia Djebar (algerische Regisseurin).

Foto: restaurierte Ladegast Orgel St. Laurentii Weißenfels, Einweihungskonzert gestern, Mai 2022: Wunderschöne zarte kleine Orgel, die spitz nach oben läuft. Sehr schönes und einzigartiges Museum in Sachsen-Anhalt, sehr zu empfehlen. Das Museum gehört zur hübschen, kleinen, roten, evangelischen Kirche St. Laurentii (Laurentiuskirche) unter großen Bäumen, ein Ort der Zivilcourage 1989. Mein Konzert am Museumstag am 15.5.2022 war sehr schön. Es war das Einweihungskonzert der 2020 restaurierten Orgel.

Die Orgel mit 14 Registern wurde im Jahr 1879 durch Ladegast in der kurz zuvor errichteten Kirche installiert und besitzt ein Kegelladesystem. 1895 nahm sein Sohn Oskar Ladegast Veränderungen und Erweiterungen vor, anstelle der mechanischen eine pneumatische Traktur.

Obwohl es zwischendurch auf Grund des Ausfalls einer Orgelbaufirma eine Verzögerung bei der Neurestaurierung gab, wurde diese Ladegast-Orgel schließlich durch die Orgelbaufirma Thomas Bochmann restauriert.

2020 saniert, seit 2010 existiert das Museum.

Friedrich Ladegast (1818 – 1905) gehört neben Heinrich Schütz und Novalis zu Weißenfels, S-A. In Ladegasts dort 1847 gegründeter Werkstatt entstanden 200 Instrumente und zogen Franz Liszt, Julius Reubke und Max Reger an. Neben Wilhelm Sauer und Eberhard Friedrich Walcker gilt Ladegast als Schöpfer der deutschromantischen, süffigen “Monumentalorgel“ im 19. Jahrhundert, besonders hier im heutigen Bundeslandes Sachsen-Anhalt. In Weißenfels und Umgebung sind viele Orgeln im Originalzustand erhalten. Diese Orgel ist klein, aber oho.

Schöne samtig trockene Akustik, griffiger und sinnlicher Spieltisch.

Mir gefallen Haydns Flötenuhren sehr. Am meisten aber liebe ich Haydns Schöpfung und seine Klaviersonaten.

Es hat viel Spaß gemacht, die 2020 restaurierte Ladegast Orgel von 1879 in der Laurentiuskirche einzuweihen, gut besuchtes Konzert, Blumen, liebe Leute, die bis aus dem Harz gekommen sind. Wir waren lecker essen (Spaghetti, Spargel, Eis…). Museumstag 2022. Die Stasi-Lampe direkt neben der Orgel spendete mir Licht.

Sehr schön war hinterher das Konzert im Heinrich Schütz-Haus, mit dem Ensemble “suonArte”, das ich sehr empfehlen kann. Wundervolle Instrumente, schöne Atmosphäre, Schlüsselfideln, Gamben, Clavichorde und Schütz‘ wunderbare geistliche Musik, sich auf ihn und seine Zeit einzulassen. Was mir zudem gefiel: Auch optisch war das Ensemble angepasst an die Zeit von Schütz, kein moderner Schmuck, schöne, schlichte Kleidung von damals, und auch die Noten waren in Hüllen und Umschlägen, die keine moderne Zeit verrieten – also alles angenehm und schlicht. Dazu die Instrumente: eine Schlüsselfidel (Key Fidel), Viola da Gamba, Blockflöten in allen Formen und Größen, und eine schöne Stimme ohne massives Vibrato von Friederike Urban. Von allen wunderbaren Komponisten stach Schütz in seiner Genialität doch immer wieder heraus, wie ich fand. Das Programm war rein weltlich, was mich etwas gestört hat. Ich liebe nun mal geistliche Musik. Nur am Schluss, als Zugabe, gab es einen Choral, was meine Laune erheblich steigen ließ. Begeistert hat mich auch die gespielte Komponistin Barbara Struzzi (1619-1677). Eine der wenigen Frauen (ein Adoptivkind), die damals Kompositionsunterricht nehmen durfte. Obwohl sie unglaublich gute Madrigale komponierte und sehr talentiert war, durfte sie nicht wie die Männer am Hofe als Komponistin arbeiten, sondern nur als eine Art höher gestellte Hof-Geliebte, als eine Art Edel-Prostituierte dort wohnen. Das ist die Männerwelt mit ihrer buchstäblich aus allen Poren tropfenden Geschlechter-Ungerechtigkeit, sowohl damals als auch heute. Es gibt sicher nicht viele Frauen, die Einweihungskonzerte von restaurierten Orgeln spielen.

ps: “Ohne Schuld” von Charlotte Link kann ich empfehlen, spannend als Hörbuch, wenn auch sehr lang, aber perfekt für das Auto. Und CDs mit geistlicher Chormusik von Heinrich Schütz.

Um wieder rechtzeitig in Greifswald zu sein, musste ich um 3 Uhr früh aufstehen (da es dort um 10 Uhr weitergeht heute) und wurde nachts nach Berlin gefahren. Danke für alle Hilfe, allein würde ich das organisatorisch nicht schaffen.

Neu: Haydn Flötenuhr an der Ladegast Orgel

Jehmlich Orgel in Plauen

Ladegast Orgel Museum Weißenfels

Haltungen im Leben sind unerlässlich: Attitude. (Julia Koschitz)

Heute erinnere ich an Wendie Renard, Fußballerin.

Foto: Hey Orgel Bad Windsheim

Am meisten liebe ich die Choräle “In dir ist Freude” und “Bewahre uns Gott, behüte uns Gott”. Wenn ich Texte von Paul Gerhardt wie “Nun ruhen alle Wälder” betrachte mit seinen wunderschönen Strophen, eine schöner als die andere, oder noch schöner, “Der Mond ist aufgegangen” von Matthias Claudius, dann sind die Texte unserer heutigen deutschen Lieder ein Witz. Es geht hierbei nicht nur um die Auswahl der Wörter, sondern um die innerliche Erkenntnis, die Reife. Da ist es besser, sich auf lateinische Texte zurück zu beziehen, wie Bruckner oder Arvo Pärt in „Da pacem Domine“ oder in schlichte, wahre Texte wie “Herr, erbarme dich”. Sehr schön ist Sweelincks “Herr Gott, höre mein Flehen”. Ich finde, diese alten, wahren Texte wunderschön in Musik zu setzen, ist eine Kunst, auch heute. Oder biblische Texte zu vertonen. Psalmen. “Wie ist die Welt so stille und in der Dämmrung Hülle so traulich und so hold als eine stille Kammer, wo ihr des Tages Jammer verschlafen und vergessen sollt.” Dies ist nicht von Herbert Grönemeyer, sondern von Matthias Claudius.

Doch so lauten Texte von heutigen christlichen Liedern: Ich weiß, wer ich bin … Gott, nimm mich so, wie ich bin, denn ich … und ich .. und ich… Gott, mach das… und das… und am besten noch das…

Nunja. Ein Unterschied wie Tag und Nacht.

Ich bin gespannt, ob das 9 Euro Ticket Auswirkungen auf mich hat. Ich berichte.

Mein Konzert in Weißenfels war sehr schön und gut besucht. Ich liebe die Friedrich Ladegast Orgel und das schöne dazugehörige Museum.

Die Verbündeten gegen langweilige Massenware sind Künstler und Kinder. (Friedl Dicker)

Österreich-tschechische Künstlerin, die in Ausschwitz starb. Heute erinnere ich auch an Violeta Dinescu, rumänische Komponistin.

Foto: Reitstall Gondelsheim bei Karlsruhe

Morgen ist mein Konzert an der wunderschönen und frisch restaurierten Ladegast Orgel 1879 in St. Laurentius Weißenfels in Sachsen-Anhalt, der Schütz-Stadt, im Rahmen der Museumsnacht. Ich bin schon in Sachsen-Anhalt und genieße die Ruhe, den Vollmond (den ich spüre) und die schönen Häuser und Kirchturmspitzen. Das Konzert ist erstaunlicherweise schon um 14 Uhr. Danach sind wir noch im Schütz-Haus eingeladen. Heute habe ich es noch daheim geschafft, Blumen, Balkon, Radl, Wäsche, Post usw. einigermaßen noch den Überblick zu haben. Die Ladegast in aus der selben Zeit wie die wunderschöne Mehmel Orgel in Pommern. Ob sich Ladegast und Mehmel kennengelernt haben? Es gab schon einige schöne Ankündigungen in der Zeitung.

Aufgrund des Kabelbrands bei der Deutschen Bahn war meine Fahrt etwas eine Odyssee – denn von Greifswald aus ist schier alles eine Odyssee. Obwohl ich ansonsten schnell und quirlig bin, verfalle ich, was die Deutsche Bahn angeht, sofort in einen stoischen Ertrage-Zustand und wundere mich über gar nichts mehr. Und oft lernt man interessante Leute kennen. Einmal saß neben mir einer, der tütete eine seltsame gelbe Flüssigkeit in kleine Plastikbehälter und machte dabei ein finsteres Gesicht. Ich fragte ihn, ob er ein Drogendealer sei. Dann fuhr leider tatsächlich mal mein verspäteter Zug ein und ich weiß bis heute nicht, ob er einer war.

Neu: Geniale Mehmel Orgel Opus 180 um 1888 (ein sehr persönlicher Vlog):

Mehmel Orgel Groß Bisdorf bei Greifswald

Ladegast Orgel St. Laurentius Weißenfels (Weissenfels)

Das Konzert morgen

Gott sei Dank wurde meine Erziehung vernachlässigt. (Beatrix Potter)

Englische Schriftstellerin, 1866 geboren. Heute erinnere ich auch an Bettina Volkens, deutsche Managerin und Juristin.

Foto: Dom Greifswald

Mir gefällt es im Posaunenchor. Auch wenn ich noch “Narrenfreiheit” habe und manchmal geschmunzelt wird. Wir spielen das Stück einer Komponistin, Frieda Fronmüller. Manchmal übe ich mein Bariton draußen. Es macht Spaß, in Sonne und Wind zu üben. Als ich abends in Eldena/ Wieck Orgel unterrichtete, in der Nähe vom schönen Kloster Eldena, wurde ich mit einem Tandem abgeholt. Da wir auch noch mein Bariton mitnehmen mussten.

Es macht auch Spaß, Haydns Schöpfung und Carmina Burana zu dirigieren.

Ich bin unglaublich berührt, dass ich (“zufällig”) neben einer wunderbaren Orgel wohnen darf: Ich habe mir das gar nicht ausgesucht, es ist einfach passiert. Ich liebe solche schönen Überraschungen. Wenn sich gute Sachen einfach “ergeben”. Wunderbarer Klavier-Spieltisch, Elfenbeintasten. Der Friedhof  besitzt große, denkmalgeschützte alte Bäume mit knorrigen Stämmen mitten im leuchtenden Maigrün. Der Kuckuck singt. Die Orgel wird bald restauriert. Zuerst brauchte es Geld für die Restaurierung der Decke (50.000 Euro).
Viele große Kirchen in Städten mit Orgeln (für die Gelder zur Verfügung stehen) werden gesehen und verehrt. Und dabei gibt es noch viel größere Schönheiten, die verborgen und unbekannt sind. Mit Menschen ist es oft genauso. Diese: Friedrich Albert Mehmel Orgel opus 180: Neu:

Mehmel Orgel Groß Bisdorf bei Greifswald

Da wohnte ich eine ganze Woche neben dieser Kirche und war mit meinen Sachen so beschäftigt und wusste nicht, dass dort, so nah, eine so schöne Orgel nach mir rief  – und war erst heute dort. Ich musste weinen. Manche Schätze brauchen im Leben eine Weile, entdeckt zu werden. Der Altar hat ein großes blaues Becken ringsherum, was ich auch noch nie zuvor gesehen habe. Die tiefe, mit biblischen Figuren verzierte blaue Kanzel ist wunderbar restauriert. Ein Klein Bisdorf gibt es nicht. Aber Griebenow. Das ist der Ort nebenan. Und hier gibt es im Wald eine komplett erhaltene, vierzehneckige Schlosskapelle (was besonders und selten ist) mit kleiner Orgel. Und weiter nebenan in Levenhagen eine seltene Kapelle (die kleinste in Pommern) und eine kleine Kirche mit Holzturm.

Der Chor der dreischiffigen Backsteinhalle in Groß Bisdorf stammt aus dem 13. Jahrhundert, Langhaus und Sakristei aus dem 14. Jahrhundert. Die Kanzel (1703) zeigt Apostel und Landschaftsgemälde. Der Kirchhof ist umrundet von einer niedrigen Steinmauer mit einem barocken Friedhofsportal (1784). Auf dem Kirchhof kann man ein Denkmal für die Gefallenen des Ersten Weltkrieges bestaunen. Eine Patronatsloge blieb erhalten. Die Ostwand schmückt ein Triumphkreuz. Auf der Westempore erklingt die Orgel von Friedrich Albert Mehmel Sohn aus Stralsund (mit einer Filiale in Wismar). Sie wurde vermutlich von Vater und seinem Sohn Paul gebaut.

Samtig-trockene Akustik in einer Kirche mit wunderschön bemalten Holzdecken. Süffiger Klang trotz überschaubarer Register, viele warme Achtfüße, kaum Nebengeräusche. Der Schalter ist versteckt ganz hinten. Schwarzweiße runde Registergesichter.

Diese Kirche wirkt ganz anders als süddeutsche oder thüringische und norddeutsche Kirchen. Es ist eine geheimnisvolle blaue pommersche Ostseekirche mit schwedischem Touch hinter weiten, gelben Rapsfeldern. Die wunderschöne bemalte Holzdecke bis mittig direkt hinter die Orgel und hier ein Engelskopf und die bemalten Wände sind berührend und beeindruckend. Die kleine Loge rechts aus Holz ist ganz aus Holz gehalten. Hier in diesem urigen kleinen Ort gibt es Bauern, die ihr kleines Kartoffelfeld vor ihrem Haus ganz langsam mit einem Pferd bewirtschaften. Es ist so schön altertümlich und drollig. Als ich fragte, was sie da machen, sagten sie, es hätte zu viel geregnet, es gäbe kaum Kartoffeln. Da taten sie mir so leid.

Wer würde vermuten, dass hier, im Niemandsland, verborgen, eine solche Orgel steht? Ich bin eine Mehmel-Liebhaberin geworden.

Ein wunderschönes Dorf in Pommern an der Ostsee zwischen Rügen und Stralsund, 15 km von Greifswald entfernt, ca. 80 Einwohnerinnen. Die weiße, schwedisch anmutende Kirche mit Turm mit schwarzem, hohen Helm und gepflegtem Friedhof drum herum besitzt eine wertvolle historisch romantische Mehmel-Orgel Opus 180, 2 Manuale. F.A. Mehmel war ein berühmter Orgelbauer in Pommern zusammen mit seinem Kollegen Barnim Grüneberg, der viel auf Rügen gebaut hat. Mehmel arbeitete vor allem in Stralsund, wo er auch starb. Er wurde in Thüringen geboren. Im Wonnemonat Mai besuchte ich diese herrliche Orgel, die mir überraschend wie als ein Geschenk gemacht wurde. Bänke und Einrichtung innen sind blau gehalten. Die größte Mehmel Orgel steht in St. Marien Greifswald und gilt als beste Orgel Greifswalds.

Nicht empfehlen kann ich die Johanneskirche und die OJC/Daniel Schneider in Greifswald. Erstens haben sie keine Orgel und zweitens kommen sie mir heuchlerisch vor: Zu Ukrainern und Flüchtlingen sind sie nett und machen auf fromm, weil sie hierfür wohl teilweise Geld bekommen oder weil das fromm wirkt, aber zu Leuten aus ihrem eigenen Land sind sie unfreundlich und verlogen.

Ist es nicht erstaunlich, dass viele Zeitungen als Frontbild irgendwelche sich balgenden Männer einer Männersportart präsentieren – egal, was in der Welt los ist? Auch der Sportteil der Zeitungen ist meist überwiegend von Männersport dominiert.

Neu:

13. Mai 2022

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Natürlich müssen Frauen in den Vorstand. (Jennifer Morgan)

Heute erinnere ich an Corinna Hölzer, Biologin, und an Julia Morgan, mit ihren großen wunderschönen Bauten.

Foto: Dom Greifswald

Ich mag Scarlatti. Seine Musik ist meiner Meinung nach noch immer unterschätzt. Manche Pianisten missbrauchen seine Musik als Fingerübungen – und selbst dann ist es noch schwer. Es wird auch an der Orgel viel zu wenig italienische Musik gespielt (im Gegensatz zu französischer Musik). Scarlatti mit seiner unglaublich kreativen und gesanglichen Musik übertrifft bei weitem die Musik von Bachs Söhnen, die galant, aber nicht in diesem Sinne kreativ ist wie Scarlattis Sonaten. Besonders wunderschön sind K. 213, K. 109, K. 138. Und am allerschönsten: K. 380. Besonders schön ist Scarlattis Musik am (italienischen oder französischen) Cembalo.

Neu: Nussböcker Orgel

Nussbücker Orgel Greifswald

Es fragen mich manchmal Leute, wie es für mich als Wunderkind war – ich denke, es ist vor allem die Förderung, die Gene, die Kontinuität, die besondere Leistung hervorruft – egal, in welchem Alter, aber besonders als Kind (Familie, Umfeld). Das, was unterscheidet, ist, ob man zu etwas hingeschleppt werden muss oder die Förderung freiwillig annimmt.

Ich lese Hans Fagius “Johann Sebastian Bachs orgelverk” – ein schwedisches Buch über Bach (was es eher selten gibt).

Neu: Ladegast Orgel Harz

Ich lasse nicht zu, dass andere bestimmen, ob ich dazugehöre oder nicht. Das mache ich selbst. (Serap Güler)

Heute erinnere ich an Megan Rapinoe und Kazuyo Sejima, die schrieben, dass Architektur bedingt, wie Menschen sich im Raum begegnen. Sehr wahr.

Foto: Bach und Ann in Leipzig

Ich habe meine Fingernägel rot lackiert. Äußert selten mache ich das.

Also, es sind 30 km jeden Tag mit dem Radl. Anstrengend. Obwohl es hier kaum Hügel gibt. Die Nummernschilder sind HGW, NVP, RÜG, VPR – nett. Heute habe ich auch mit audite telefoniert.

Und war mein Interview mit Backstage Podcast. Es war schön. Ich musste es schon mal verschieben.

Mir fällt auf, es gibt Orgel Nerds, die sind wie Autofans, oder Maschinenfans, oder Flugzeugfans, also Nerds für Technik, Geräte, Maschinen, Cockpits usw. Um Musik geht es ihnen dabei gar nicht. Solche Nerds können auch komplett unmusikalisch sein. All das alles ist weit entfernt von mir. Denn es geht immer natürlich in allererster Linie um Musik. Meine Liebe zur Orgel ist weit darüber hinaus vor allem die Liebe zur Musik an der Orgel. Die Orgel ist nur Mittel zum Zweck, heißt, die Orgel, so schön sie ist, ist das Instrument (kein Gerät), an der die Musik erklingt. Meine Liebe zur Orgel ist die Liebe zur Orgelmusik. Konkret gesagt, die Liebe zu Bachs Musik. Ich glaube, das ist der große Unterschied zwischen Nerds und Künstlern: Die einen reden pausenlos über das Gerät. Sie kommen nie darüber hinaus. Die anderen machen Musik. Es ist ein riesiger Unterschied, über einen Fußball zu reden oder Fußball zu spielen. Über Kochtöpfe zu reden, oder Essen zu kochen und zu essen, wozu man Kochtöpfe braucht. Über die Voraussetzung zu philosophieren oder das Brillante, das große Etwas, das Unsichtbare, Herrliche hinter der Voraussetzung zu sehen und zu lieben und anzustreben. Es ist eine Frage der Erkenntnis, der Gabe, der Priorität. Die Orgel ist sichtbar, irdisch, materiell. Die Musik ist unsichtbar, geistlich, geistig, himmlisch. Niemand, der sich mit dem Zweiten mit Herzblut beschäftigt, wird ein gewissenloses Lästermaul sein oder bleiben. Sehnsuchtsort Orgel. Hier bleibe ich niemals beim Sichtbaren stehen.

Neu: Ilfeld

Hätten Schlachthäuser Glaswände, wäre die ganze Welt vegetarisch. (Linda McCartney)

Heute erinnere ich an Yvonne Ryakiye aus Busoro. Googelt sie mal.

Ich wohne nun auf dem Dorf. In einem wunderschönen Dorf. In Groß Bisdorf. Ich fahre also mit dem Radl, 14 km. Nach Greifswald. Über Felder und durch Dörfer. Gestern bin ich mit einem roten Hollandrad geradelt. Jedoch war der Sattel zu hoch. Mal sehen, wie lange ich mit dem schwarzen Klapprad brauche.

Heute wurde die Domorgel Greifswald gestimmt. Ich übte derweil auf der Nussbücker Orgel im Dom.

Ich freue mich auf das WE und das Konzert.

Neu: Ladegast Orgel Harz

Foto: Richter Orgel Pomßen (Pomssen) bei Leipzig

Richter Orgel Pomßen (Pomssen) bei Leipzig

Tabubrüche sind für viele schwer auszuhalten. Aber Kunst stößt ständig in Bereiche vor, die schmerzen, schmerzen müssen. (Marion Ackermann)

Das stimmt. Kunsthistorikerin. Heute erinnere ich an Germaine Krull, deutsch-niederländische Fotografin.

Foto: Greifswald, Dom

Ich bin wieder in Greifswald, über Leipzig gereist.

Ich mag den Parallelismus Membrorum in den Psalmen: Wenn dasselbe mit verschiedenen Worten gesagt, wiederholt wird, in unterschiedlichen Formen. Das mache ich auch oft. Wie die Psalmen wohl gesungen wurden? Wie ein Psalterium wohl geklungen hat? 

Es ist wahr, dass, wenn eine Sache zu lang geht, beispielsweise der Männer-Hype in Kompositionen oder in der Orgel-Welt, dann entsteht, wie Wellen in einem Meer, das Bedürfnis, dagegen zu wirken, etwas Neues zu wagen, zu riskieren, zu beginnen, es auszugleichen. Es ist, als würde die Erde an sich für Ausgleich suchen wollen und sich dafür Menschen aussuchen. I can feel it. 

Neu: Orgel-Information: Jehmlich Orgel in der einzigen katholischen Kirche in Greifswald, St. Joseph:

Jehmlich Orgel St. Joseph St. Otto Greifswald

Neu: Orgel-Information Jehmlich Orgel Plauen:

Jehmlich Orgel Erlöserkirche Plauen

 

 

Wenn Sie glauben, ich habe schon sehr viel über Frauen gesprochen, dann sei Ihnen versichert: Ich habe gerade erst angefangen. (Sahle-Work Zewde)

Äthiopische Politikerin. Heute erinnere ich auch an Mildred Scheel, deutsche Ärztin.

Foto: Seufert Orgel, Dom Würzburg

Muttertag ❤️Das Konzert im Südharz hier in Thüringen war sehr gut besucht, die Kirche voll. Presse war auch da. CDs verkauft. Blumen bekommen. Danach kamen alle draußen zu einem kleinen Empfang mit Sekt und Snacks und Dips zusammen. Leider konnte ich deswegen nicht mit auf das Proben-WE nach Binz (auf Rügen), schade, nicht mitfahren. Ich war schon mal in Binz mit der Fähre bei meinen Rügen-Konzerten. Sehr schön. Aber die Orgeltour hier in Thüringen war auch wieder sehr genial. Ich liebe den Harz. Wir waren in Neustadt im Harz an der wunderschönen Ladegast Orgel von 1876 (meine 18te) und an der Jehmlich Orgel in ev. St. Georg-Marien im malerischen Ilfeld (Harztor, bei Nordhausen), aus den 50iger Jahren, die nun gereinigt wird, nachdem die ganze Kirche restauriert wurde. Beide Orgeln werden von Hüfken (Halberstadt) betreut. Die Orgeln sind auch innen sauber und gepflegt. Vielen Dank an Christine Heimrich und Klaus Rödiger.

Letztes Mal waren wir Quedlinburg und in Hahnenklee. Der Südharz ist Karstgebiet mit Gips als Untergrund. Der kleine Fluss Wieda und der Fluss Bere versickern im Sommer im Gips. Ganz in der Nähe ist das KZ Dora. Hier wurde die V-2 Rakete im 2. WK als Vergeltungswaffe entwickelt. Und natürlich sieht man den Berg Kohnstein, die Burgruine Hohnstein mit Restaurant und den Brocken, den Goethe für seine Hexen-Stories verwendet hat. Goethe soll auch in Ilfeld abgestiegen sein. Dort hinauf auf den Brocken fährt die teure Harzer Schmalspurbahn mit echtem Dampf.

Es sind sehr viele Motorradfahrer unterwegs, die in Tunneln Gas geben. Die stärken sich dann im Netzkater. Die Thüringer Bratwurst hat das besondere Gewürz, das schon in Sachsen-Anhalt nicht mehr dasselbe ist.

Alles voller hübscher Fachwerkhäuser, Biergärten und gelber Rapsfelder. Pollen überall. Meine Nase juckt. Ich niese. „Haben Sie Corona?“ „Nein, ich habe Heuschnupfen“. Skeptischer Blick. Als ob Niesen etwas mit Corona zu tun hätte. German Angst. Ich habe leider eine ganz andere Angst: Wir waren nach den Orgeln auf der berühmten großen Hängebrücke im benachbarten Sachsen-Anhalt (Rappbode Talsperre). Die schaukelt ganz schön in ca. 70 m Höhe an der Staumauer. Ich konnte leider keine Fotos machen, weil die Höhenangst meine Knie weich macht, ich musste mich den ganzen Weg an beiden Geländern festhalten. Da die Brücke recht breit ist, hatte ich danach lahme Arme. Ein Mitarbeiter hat mich beobachtet und sagte hinterher, wenn er das gewusst hätte – er hätte mich auch beauftragen können, wenn ich schon mal dabei bin, die Geländer mit einem Tuch zu wischen. Manche haben die Brücke extra schaukeln lassen, was natürlich verboten ist. Neben uns sausten die nach unten, die das Fliegen gebucht haben. Man bot es mir an, aber ich konnte mich nicht dazu durchringen. Es erinnerte mich an meine Münsterbesteigung in Ulm, als sich die ganze Bagasch hinter mir stapelte, weil ich wegen HA im Schneckentempo hochstieg. Zurück konnte ich auch nicht mehr. In Ilfeld hätten wir auch auf den Turm gehen können. Es sind dort 7 Glocken. Es ist dort nicht ganz gesichert, sehr steile Treppen. Ich habe es nur bis zur ersten Glocke geschafft, trotz guten Zuredens. Spät abends schauten wir dann noch 2 Krimis.

Danke an alle lieben Leute hier! Vielen Dank an Sabine Wegner und Gemeinde Obersachswerfen.
Gute Nacht! Und morgen auf nach Plauen!

Neu: St. Marien zu Bergen

Ladegast Orgel Neustadt im Harz