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Ann-Helena Schlüter

11. April 2023: Die Schöpfung ist eine Künstlerin. (AHS)

Foto: Schweden

Heute war ich endlich im Film TAR. Ich bin immer noch sehr mitgenommen. Der Film ist schockierend und ich muss erst mal drüber schlafen. Nur so viel: Er hatte Überlänge und ist sehr anstrengend zu sehen. Noch dazu war ich mit einer Freundin da, in einem kleinen Programmkino in „Katakomben“, sie, die keine Musikerin ist und daher nicht so viel verstanden hat.

Cate Blanchett als lesbische Dirigentin Lydia Tar, die jung aussieht (53!), hat phantastisch geschauspielert, und auch die Kameraführung: top! Aber der Film hat auch etwas Horrormäßiges, Absurdes.

Was habe ich daraus gelernt?
1. Auch und besonders ganz oben ist die Luft dünn und man kann niemandem trauen.

2. Man sollte nie ein Charakterschwein werden, wenn man oben angekommen ist – und überhaupt nie.

3. Es ist eine Tragödie, dass Chefdirigentinnen in großen deutschen Orchestern erfunden werden müssen, weil es sie real nicht gibt, weil „die bürgerlich elitäre Klassik“ (Frankfurter Rundschau) ein „männerdominierten Beruf“ ist – ganz zu schweigen von der „Kirchenmusik“ – darüber sollte man mal einen Film drehen, was da abgeht, wie sich da Stellen und Konzerte zugeschustert werden unter Männern und Machtmissbrauch an der Tagesordnung steht 

4. Frauen sind nicht besser als Männer, aber eben auch nicht schlechter – werden aber schlechter behandelt

5. Männer werden in der elitären Klassik oft als „Genies“ gefeiert (siehe Süddeutsche) – aber Frauen, in ihrer Vita, wenn sie genauso angeben wie Männer, werden attackiert

6. Dass man nicht vielfältig sein darf heutzutage – das weckt Missgunst und wird nicht gut geheißen in einer Welt der „Spezialisten“

7. Frauen werden bei exakt gleichen Fehlern,  die auch Männer machen und die Männer ihnen vorgemacht haben, viel drastischer abgestraft. So als dürften Frauen gar keine Fehler machen. Und schon gar nicht die der Männer, die tagtäglich ungestraft gemacht werden.

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Heute erinnere ich an die Tänzerin Valeria Kratina-Köhler, und an Marta Fraenkel, Ärztin, 1896.

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10. April 2023: … aber da findet sich, das diese hochlöbliche Kunst Musica mit Irem lieblichen Thon eine Gabe Gottes ist … (N. Nützel, 1586)

Einer Nebelkerze gleich ist die Fortspinnung der Melodie, die mir ins Herz gewachsen,
in Wellen den schwarzen Orgelpunkt
angespült. (AHS)

Foto: Acryl AHS

Gesegneter Ostermontag!

Heute erinnere ich an Elisabeth Moltmann-Wendel, die das Buch „Frauen um Jesus“ schrieb. Sehr berührend.
Habe ich zu Ostern bekommen. Sie erinnert, dass in Christus weder Jude noch Grieche, weder Mann noch Frau ist. So steht es in der Bibel. Na … Wer kennt die Bibelstelle?
Oh, wie weit ist unsere Erde, insbesondere die Kirche davon entfernt.

Da sehr viele Männer in ihrem Gehirn pausenlos an Frauen denken sollen laut Studien, allerdings meist in sexueller Art, ist es ihnen vermutlich zu viel, sich auch noch in anderen Kategorien des Lebens um Frauen zu kümmern.

Sobald man Frauen also in beruflichen Kategorien etc. nach vorn holt und sich um sie kümmert, in nicht-sexueller Art, ist man „feministisch“ … was genauso ein Schimpfwort durch Männer wurde wie zuvor neutrale, schöne Worte wie „Weib“, „Frauenzimmer“ und oft schon gar das Wort „Frau“ an sich, das dann wohl wieder durch ein neues Wort ersetzt werden muss, bevor erneut abgewertet. Wie Frauen sich selbst und andere Frauen sehen und behandeln, wie sie aussehen und aussehen wollen, wird von Männern beeinflusst. 

Es ist im Grunde pervers: So wie die Sache mit dem Kastratengesang: Frauen durften nicht in der Kirche singen, um Männer nicht von Gott abzulenken. Wie pervers ist das! Und dann wurden Jungs kastriert, damit sie wie Frauen singen. Doppelt pervers. Und doppelt doof. Und letztendlich hieß dies dann „Schöner Gesang“ oder „Belcanto“ – 3x pervers. Und das ist in der Kirche! 4x pervers.

Doch am liebsten würde man so auch heute noch verfahren? Die wenigen Professorinnen in Hochschulen sind gerade mal die für hohen Gesang, weil Kastraten leider … nicht mehr erlaubt sind.

Und heute: wie Frauen verschleiert herumlaufen müssen, damit Männer nicht getriggert und „abgelenkt“ werden und nicht alle 5, sondern sonst gar alle 3 Sekunden an Sex denken müssten…

Kurzum: das Leben von Frauen wird im Beruf und privat eingeschränkt, weil Männer sich nicht im Griff haben, für deren eigenen egoistischen „Schutz“? Und das auch in Europa. Das egoistischste Geschöpf im kompletten Universum ist neben Luzifer daher der Mann, stelle ich hiermit ganz sachlich und stoisch und ohne Gefühl fest.

Natürlich gibt es dennoch auch ein paar nette Exemplare ☺️🌷hihi

Ich mag den Beruf der Bauern, u.a. weil die Vorfahren vieler „großer Menschen“ Bauern waren, so auch die Vorfahren Luthers.

Ende des Jahres kommt mein Buch HATER auf den Markt.

Ich habe mich übrigens gestern eine Weile mit dem Maler Marc Chagall (1887) auseinandergesetzt, da ich zu Ostern ein tolles Buch über Chagall bekam.

Was viele nicht wissen: Er ist kein französischer Maler so wie Monet (1840), den ich liebe. Er ist ein jüdischer Russe, der später den französischen Pass annahm, was etwas völlig anderes ist. Er hieß eigentlich Schagal und kam aus einer armen russischen Familie „im Nirgendwo“.

Er hatte ein unfassbar spannendes, emotionales, unkonventionelles Leben und ist eigentlich Weltbürger, Kosmopolit, sehr politisch, und er bestand die Aufnahmeprüfung an der Kunsthochschule nicht.

C. Bornheimer & Hater hätten vermutlich hier gelästert. Ob auch Chagall seine Bornheimer hatte? Bestimmt.

Ein Jahr darauf schon malte Chagall ein Bild, das später weltberühmt wurde. So viel zu unseren Hochschulen.

Er hatte auch keine Liste von Preisen, die er vorlegen konnte. Er malte einfach und hatte Gönner, die ihn finanziell unterstützten…

.. Nun, wehe, frau hat Sponsoren, da lästern die Hater & Co. …

… und ihm Reisen und Ausstellungen und Material ermöglichten…

… was für Hater kein richtiger Beruf ist.

Lebende deutsche Künstlerinnen sind für manche Deutsche nicht viel, da sind Ausländer mehr (Ausländer ist übrigens hierbei ein neutrales Wort, kein Schimpfwort.) Deutsche Künstler werden erst dann für Deutsche wertvoll, wenn fest steht, was aus ihnen am Ende geworden ist – meist nach ihrem Tod.
So simpel gestrickt sind sie.

So ging Chagall nach Paris. Und ab da ging es erst richtig los. Ich bin fasziniert von seinen Farben. Übrigens, er war auch Dichter!

Foto: Phoenix, Graduation Master of Music, Arizona State University, USA

ps: der nationale Vogel Schwedens ist übrigens die wunderschöne Amsel.

9. April 2023: Lieben und Wachsen. (Carol Ann Hierl)

Ostersonntag. ❤️ Ich bin bei meiner Family und genieße Ruhe. Auch wenn meine Mom schon um 6 Uhr früh im Posaunenchor spielt …

Der Herr ist auferstanden! Er ist … 

Wahrhaftig auferstanden! 

Ob man Bachs Kirchenkantaten aus Weimar irgendwann finden wird?

Foto: Hamburg 

Ich höre björk. I love her voice.

Musik ist Wort. Eine Nach-Schöpferin schreibt mit der Tinte der Hände. Sicher arbeiten. Künstlerinnen und Künstler schaffen meist aus der Not, aus dem Tiefpunkt heraus. Daran kann man sie erkennen.

Gut, dass echte Kunst zu viel Tiefe, zu viel Not hat, um zur Sucht zu werden. Im Gegenteil, sie heilt.  

Art must go on.

Zeit ist ihr Maß, Rhythmus und Zyklus eine Gebärmutter. Nachschöpferin. Melancholie und Leidenschaft gehören zusammen.

Foto: Los Angeles

Ich mag schwedisches Design so gern. Die Sofas von Carl Malmsten… ahh ❤️

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Mozart

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8. April 2023: Wie schwer wiegt Berufung? (AHS)

❤️

Karsamstag. Seit ich Kind bin, nenne ich es Ostersamstag, denn in Schweden 🇸🇪 heisst es Ostersamstag (påskafton).

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Relax

Berufung

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Universalsein? Behutsam, sorgfältig mit sich dem Kunstwerk sein. Gnade und Leichtigkeit. Zur Künstlerin geboren und Kunst als Profession?

Farben und Freiheit zum Glühen bringen.

ps: Das Leben ist zu 90 Prozent Pünktlichkeit?
Ich bin entsetzt. 

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Bald nehme ich Reubke auf. Da sieht man ja fast nur Männer mit auf YouTube. 

7. April 2023: Für mich liegt die Kunst zwischen der realen Welt und Gott, der diese reale Welt ordnet. (Johann Sebastian Bach, 1730)

Karfreitag ❤️

Geboren werden ist ein Resultat der Liebe. Auf diesem Punkt sind Leben, Tod, Schmerz und Liebe deckungsgleich. Die Spannung ist der Kernpunkt von Kunst und wird leider oft missverstanden oder kleingehalten.

Widerspiele und Akustik gehören zusammen.

Heute erinnere ich an die schwedische Künstlerin Ulrica Hydman Vallien.

Foto: Hohenmölsen

Meine neuen Kompositionen:

Kompositionen AHS

Was mir immer wieder auffällt, ist, dass Tempo so wichtig ist. Bei manchen Werken ist das Tempo so unschön gewählt (meist die schnellen Sätze zu langsam und die langsamen Sätze zu schnell, so dass alles gleich klingt), so dass ich abgestoßen bin. Ich liebe die Extreme bei Tempi! Alles andere ist lau, verwässert und easy, zum Ausspucken.

Besonders bei Beethoven muss es fetzen einerseits und leiden andererseits. Die Hörner und Klarinetten müssen jubilieren im Allegro. Doch in der Melancholie muss einem das Leid in den Mund kriechen. Liebt ihr den 2. Satz der siebten Sinfonie? Vielleicht habe ich deswegen auch im realen Leben Extreme? Da ich es von der Musik nicht anders möchte?

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Moderne, populär-christliche Musik ist oft ohne Schmerz trivial und eintönig, aus Floskeln bestehend, Spannung, Moll und Schmerz verneinend und vermeidend.

Doch Wahrheit hat keine Angst vor Schmerz, davor, geprüft, kritisiert und bezweifelt  hinterfragt zu werden. Zweifeln, abstrakt denken und sinnlich beobachten empfinde ich als wichtig. Ich liebe die alten Choräle und ihre Tiefe.

Ob das Universum voller Tonleiter und Intervalle ist? Ich glaube, mein Gesang ist Echo im Universum; vielleicht kennen mich die Planeten? Ich glaube schon. Ich singe mit ihnen. Sie sind musikalisch.

Foto: Litauen

Orgeln sind für mich singende Worte, Musik und Wort miteinander kombiniert, dekorativ und präzise. Die Klänge der Pfeifen inspirieren mich, werden Intervalle und Rhythmen, eine vielfach instrumentale Variierung. Zeitgenössische Musik, Lyrik der Gegenwart.

Auf meinen Konzertreisen weltweit habe ich seit 2017 Tausende von Orgeln kennengelernt und gespielt. In viele Orgeln habe ich mich nach gespielten Konzerten verliebt, besonders in historische mit besonderer Geschichte. In Unikate.

Das Besondere an Orgeln für mich sind deren Zärtlichkeit und Zerbrechlichkeit, die man erst oben auf der Empore erlebt und spürt. Unten wirken Orgeln mächtig, beinahe einschüchternd für manche Menschen, jedoch oben aus Holz und Pfeife zart, aus Schmuck und Zierwerk, aus Engeln und Tasten – viel zerbrechlicher wirkend als ein schwarzer Lackflügel von Steinway, die ich zuvor mein Leben lang kannte.

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Ich liebe Kirchen, bin gläubige Christin und fühle mich an der Orgel Gott besonders nah.

Einige wunderschöne Orgeln mit ihren edlen Dispositionen stelle ich hier in diesem besonderen meinen ersten Orgelführer vor.

Mir fiel schnell auf: Viele orgelnde Laien und Semis, die ich in der Orgelwelt „kennenlernte“, lehnen kleinere Orgeln ab und verehren nur die großen bekannten Orgeln, besonders die in anderen Ländern und von ganz bestimmten großen Orgelbauern. Das fand ich dumm.

Auch kleine, historische Orgeln sind kostbar, wertvoll und haben oft eine außergewöhnliche Geschichte unseres Landes und unserer Kultur. Gerade solche „vergessenen“ Orgeln und verborgene Dorforgeln fand ich stets besonders anziehend und schick.

Soli Deo Gloria!

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Trost Orgel Schloss Altenburg, Schlosskirche Thüringen

6. April 2023: Hätte ich früher erkannt, dass der winzige Palast meiner Seele einen so großen König beherbergt, dann hätte ich ihn nicht so oft allein gelassen. (Terese von Avila)

Heute sind meine Noten-Socken von Many Mornings angekommen, rechts gelb und links blau ❤️Äh, umgekehrt. Danke ! Ich mag Many Mornings, weil man da das Gefühl hat, man hat 2 Paar Socken an oder 4 Füße 🤣

Sehr empfehlen kann ich auch die interessante Literatur zu Kinderchor.

Es ist spannend, sich mit horizontalem und vertikalem Hören zu beschäftigen: Melodische Linien, Artikulation im Detail-Kontext zu hören, nicht nur vertikal Charakter, Klang, Tempi insgesamt. Hören ist Denken und Wahrnehmen.

Neu: VÖ: 1. Mai GESUNGENE SEHNSUCHT

Mein 4. Lyrikband. Glare Verlag Frankfurt

Bestellen für eine signierte Ausgabe könnt ihr bei mir.

Neuer Lyrikband 2023 Gesungene Sehnsucht

Eine Pianistin und Organistin ist meist gewissenhaft und diszipliniert; pedantisch war ich noch nie, eher Klang. Jetzt aber stelle ich fest, dass der Schlüssel Artikulation hilft, um von hinten sozusagen, vom Kleinen aus alle Räume aufzuschließen. Bisher arbeitete ich meist vom Großen ins Kleine.

Foto: Bonn

Brahms: (Transkript AHS)

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Trost Hesse Orgel St. Martini Greußen (Greussen), Thüringen

Merci für Youtube. Mein Bestseller dort mein BWV 543 mit fast 30.000 Aufrufen.

5. April 2023: Nicht daran, wie einer von Gott redet, erkenne ich, ob seine oder ihre Seele durch das Feuer der göttlichen Liebe gegangen ist, sondern daran, wie sie von irdischen Dingen spricht. (Simone Weil)

Lothar Zenetti schreibt, zu glauben macht nicht satt, im Gegenteil, es verhindert, dass man satt wird. Es macht sogar hungriger. Doch Hunger und Durst nach Gerechtigkeit ist Glaube und der beste Koch. Und wenn wir dann Wasser schöpfen, wird Wasser Wein.

Musik ist zu meinem Leben geworden, denn fast nichts von dem, was ich tue, hat nicht irgendwie mit Musik zu tun. Auch Stille ist Musik. Was ich gerade besonders gern höre zum Dirigat: Valse Triste und Beethovens 7. Welche ist eure Lieblings-Sinfonie?

Fotos: Luisengarten

Es ist nicht gut, mit geglückten Halbheiten zufrieden zu sein. Zwang zur Perfektion jedoch macht Kunst trotzig und nicht offen.

Nur im hungrigen Sattsein wird Musik weich und nicht gewaltsam in der Suche nach Sinn und Tiefe.

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Das Klavier und die Orgel sind wissenschaftliche Instrumente. Darauf übend zu forschen ist ein großer Teil jeder pianistischen Entwicklung. Denn Forschung und Wissen sind kreativ, jede Forschung.

Warum kommt es mir vor, als würde man in Instituten eine Subwelt fern der Realität betreten, eine geheimnisvolle Bibliothek der Geschichte, ein Archiv der Ideologie, aus der man Formeln und Regeln zusammenträgt, als würde man an den wirklich wichtigen Dingen vorbeiwissen, an der Musik vorbei?

Um nicht betriebsblind zu sein und um sich Kreativität zu erhalten, sollte man auch auf Reisen, im Ausland und in der freien Marktwirtschaft tätig sein, künstlerisch, selbständig. Viele Menschen scheinen ihr ganzes Leben in Schule und Uni zuzubringen und damit in einer umzäunten Welt der Anpassung, Abhängigkeit und Machtspielchen.

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4. April 2023: Dichtkunst ist wie ein Tanz. (AHS)

“Das Entscheidende bleibt aber: die Musik als Musik. Sie ist da, weil sie eben etwas ist und nicht, weil sie etwas bedeutet oder gar auf etwas verweist.” (Elmar Lampson)

Nun bin ich überzeugt, dass Musik und Kunst in ihrem Dasein auf etwas verweisen wie es auch Menschen tun: auf die Ewigkeit. Musik möchte Herzen verändern, ist eine Botschaft, da auch jeder Mensch eine Botschaft ist. Ich bin auch wie ein Perpetuum Mobile, komme immer wieder zurück zu meinen Leidenschaften.
Doch von der Frauenfeindlichkeit bin ich entsetzt.

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Foto: Salzburg

“Alles, was ich einmal war, all mein Schein fällt zu Boden. Meine Gerechtigkeit, meine guten Vorsätze, meine rechten Motive, sie fallen von mir, Schicht für Schicht. Der Liebhaber meiner Seele ist es, der mich entblößt. Wie die verborgenen Dinge meines Lebens sichtbar werden und die nur äußerlichen Vorzüge von mir abfallen, sehe ich, dass ich nicht bin, was ich dachte zu sein.” (Dahlhaus)

“Darum siehe, ich will sie locken und in die Wüste führen und dort freundlich mit ihr reden.” (Hosea 2, 16) 

“Wenn ich nur dich habe, frage ich nicht mehr nach Himmel und Erde.”

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Menschen in einer spirituellen Wüste verdienen höchsten Respekt, keine Verachtung, da man Wüsten durchaus umschiffen kann, was für viele „besser“ aussieht: am Strand des Lebens mit Dauererfolg, Lächeln und scheinbarem Wachstum.

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3. April 2023: Jeder Tag ist ein kleines Leben. (Liselotte Nold)

Heute erinnere ich an die Komponistin Henriette Renie.

Fotos: Uganda, by AHS

Schön, dass Bach auch in Weißenfels war. Er war dort auch Pate bei der Taufe des Sohnes eines Freundes. Weissenfels ist nicht nur Schütz-, sondern auch Bach-Stadt. Zudem waren Bach und Telemann gut befreundet und Telemann Patenonkel für CPE. Nur der eingebildete Händel meldete sich nie.

Ein Sinn von Literatur und Kunst ist, dass der Mensch sich selbst erfährt. Die Voraussetzung, mit dem Sinn des Lebens in Kontakt zu kommen, ist, zu spüren, dass und wer man ist. Wenn ich Musik höre, höre ich, dass es Sinn macht, für etwas zu leben:

“Es ziehen die Fehler und Sünden meines Lebens wie verschleierte Gesichter an mir vorbei und eine Hand legt sich auf meinen Kopf und jemand sagt: Mein Kind.” (Sydney Lanier)

C. A. Schwarz schreibt, dass wir uns bedanken können, wenn jemand wie Nietzsche sagt, Gott sei tot, denn der Gott, den wir uns so oft erdenken, der Gott unserer Traumata oder unserer Ängste, der ist wirklich tot.

Wenn ich reise, begegne ich Gott unweigerlich. Die Welt ist so viel und gleichzeitig so zart und klein, überall erstaunliche Möglichkeiten und Menschen. Mit jeder Reise wache ich, im Fühlen, Denken und Erleben. Politisch und geographisch. Die Welt ist so viel. Mit jeder Reise wache ich.

Jede Sichtweise hat damit zu tun, was man im Bauch, in den Nieren, im Zentrum des (Wahrheits)empfindens spürt und erkannt hat. Das hängt unmittelbar mit einem prozessartigen Erleben zusammen. Die wichtigsten Dinge kann man nicht in Büchern erlernen — es braucht Begegnungen und Reisen. Besonders mit Gott.

Jesus ist meine Rückendeckung, mein Kollege, mein „Lasttier“, einer, der weiß, dass Kunst einen Brutplatz braucht. Denn Kunst ist ein Bote.

Hebräisch ist Dichtung. Typisch für den Teufel und seine Boten (= Hater): Entmutigen. Hindern. Schaden. An Ermutigen oder Entmutigen erkennt man stets, ob jemand von Gott oder vom Teufel geboren ist.

Neu:

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2. April 2023: Ein guter Rat ist wie Schnee. Je sanfter er fällt, desto länger bleibt er liegen und desto tiefer dringt er ein. (Simone Signoret)

Heute erinnere ich an die ersten Frauen an Universitäten: Clara Immerwahr, Marie Curie, Elisabeth von Thadden, Charlotte von Kirschbaum und Rosalind Franklin. Und daher auch: Freiheit für die Orgel und mehr Frauen an das Instrument. 

Könnt ihr mir sagen, ob es noch andere Instrumente gibt, die so von Männern dominiert werden mit großer homosexueller Clique in der „Kirche“?

Heute war the day of the year: kein Aprilscherz! Nachdem ich Musikerkollegen in der Nähe eines Waldes besucht hatte, kam mir spontan die Idee, für Pesto Bärlauch zu sammeln. Ich liebe den Geschmack von frischem Bärlauch und Knoblauch. Daheim wusch und pürierte ich die Blätter. Dann leckte ich den Finger ab, mit dem ich die Klinge des Pürierstabes reinigte. Das Pesto schmeckte seltsam. Etwas bitter und nach Wiese.

Ich bekam einen Schreck. Jetzt erst erinnerte ich mich, dass Maiglöckchen ähnlich wie Bärlauch aussieht. Plötzlich kam es mir vor, als würde meine Mundschleimhaut pelzig werden.

Ich googelte es und bekam in meiner Panik Symptome, die Google für Vergiftung feilbot. Ich konnte nur noch schwer schlucken und rief die Gift-Hotline an. Die Frau sagte, ich solle in die Apotheke, Aktivkohle trinken und dann in die Uniklinik in die ZNA, zur Sicherheit. Es war Samstag 14 Uhr, ich hatte Glück: Die Apotheke direkt bei mir hatte auf.

Das nette Ehepaar der Apotheke mischte mir 50 g Aktivkohle in 400 ml Wasser und gab es mir zu trinken. Beim Öffnen der grossen Packung mit Schnabelstrohhalm wurden sie mit Kohle versprüht. Die Kohle schmeckte nicht schlecht. Mein Mund, Zähne, Zunge, alles wurde schwarz vor Kohle. Der Apotheker sagte, in 35 Jahren hätte er noch nie diese Aktivkohle verkauft und schon gar nicht, dass es in seiner Apotheke getrunken wird, das hat er noch nie erlebt. Warum um Himmels Willen ich nicht Bärlauch auf dem Markt kaufen würde!?

Ich werde nie wieder Kräuter oder Pilze im Wald sammeln.

Ich fuhr dann zur Uniklinik, noch panisch. Dort wurde mein Herz überwacht, Blutdruck, Blut abgenommen etc. Mir ging es dann schon wieder gut und alle Werte waren top. Ich wollte wieder heim und los, aber das wurde nicht erlaubt. Ich musste bis zum Abend bleiben und wurde getröstet, ich hätte „etwas Ruhe gebucht“.

Insgesamt verbreitete sich mein „Maiglöckchen-Pesto“ in der ganzen Abteilung im Krankenhaus. So etwas gab es da auch noch nie. Es kamen mind. 5 Schwestern und 3 Ärztinnen, die mich neugierig betrachteten. Ein Mann sagte belustigt, man könne Maiglöckchen auch trocknen und rauchen. Google würde aber übertreiben und die Menge wäre viel zu gering für eine Vergiftung. Hm…. 😎

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Gedichte sind Balladen mit Musik im Klang und werden manchmal von mir vertont. Musik heute kommt mir heute oft nicht wie Musik, sondern wie Unterhaltung oder eine Art Spiegel des gesellschaftlichen oder individuellen Herzens vor.

Aber Musik ist mehr: sie ist Sprache für und aus einer anderen Welt, einer Welt in uns und einer, die gleichzeitig nicht von dieser Welt ist, von einer Welt, nach der wir uns so sehr sehnen. Musik ist für mich die eindrücklichste Form von Literatur und Sprache.

Was werden will, muss man sein lassen.

Foto: Köln

Was ist positiver Zerbruch?

“Die meisten betrachten die Victoria Fälle von Zambia aus. Aber um ihre volle Pracht erleben zu können, muss man ganz nach unten, nach Zimbabwe.”(Stefanie Flamm)

Loszulassen, nach unten zu gehen, ins Nichts, ins Tal – doch im Verborgenen entdeckt man endlich die Tiefe, die man braucht für alles.