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Tourblog

17. Juli 2024: Der einen wachsen Adlerflügel, wo dem andern brecherlich und flau zumute wird. (Raabe)

Foto: Rastenberg

Es wird oft gesagt, dass sowohl die Glocken als auch die Orgel die Stimme der Kirche, die Stimme Gottes seien. Sie würden erinnern und rufen. Ich persönlich glaube, dass Gott sehr vielfältig ist und auch ganz leise ins Herz der Menschen spricht, vor allem in der Stille. Zudem sind die Stimme Gottes und die Stimme der Kirche oft verschiedene Dinge. 

Ich habe gehört, dass man heute nicht mehr frische und neue Steinways im Werk Hamburg spielen und ausprobieren könne, bevor man sie kauft.  

 

 

15. Juli 2024: Flötentöne und Sehnsuchtsorgel

Foto: Westfälische Nachrichten

Schöne Presse: 

https://www.wn.de/muenster/schoene-floetentoene-beim-orgelsommer-in-muenster-3033923?&npg


Es gab Standing Ovations, Zugabe und eine schöne Presse 😊


Ott Orgel Apostelkirche Münster

 

13. Juli 2024: 2 Concerts in 1 Day 

Foto: Paul Ott Orgel ev. Apostelkirche Münster 2024

Heute Vormittag spielte ich die Orgelmusik in Bad Neustadt an der Saale an der wunderschönen Barock Orgel in der Karmelistenkloster-Kirche am Markt. Die Kirche war voll, die Orgelreihe ist sehr gut besucht. Dann jumpte ich mit Drop, meinem treuen Beetle, die 400 km nach Münster über Kassel. Ich bin nicht die Raserin und treffe auf der Autobahn manchmal auf Voll-Raser, die meinen kleinen Beetle am liebsten von der Bildfläche wegschubsen würden. Ich lasse mich nicht einschüchtern. Ich kam pünktlich in Münster an und spielte mich ein und habe noch unterrichtet.

Das Konzert im Münsteraner Orgelsommer war sehr schön und gut besucht. Ich fand die Orgel sehr leicht zu spielen. Es war auch die Presse da und hat Fotos gemacht. Hinterher waren wir italienisch essen mit den Veranstaltern. Ich bin wieder im Hotel Internationale. Es gab Standing Ovations, Zugabe und eine tolle Presse 😊

Ott Orgel Apostelkirche Münster

12. Juli 2024: Wie nämlich das Größte, so ist auch das Kleinste schwer zu begreifen. (Seneca)

Und zu ergreifen. An dem größten Künstler ist übrigens gerade das Kleine, Zarte das, was am unbegreiflichsten ist. Die Mischung aus Groß und Klein und die perfekte Balance und Wertschätzung hierin, das macht Kunst aus. 

Foto: Ott Orgel Apostelkirche Münster 2024

Die Mischung aus und die Balance zwischen Routine und Abwechslung, Knochenarbeit und Kunst – das macht Kirche und Kirchenmusik aus, das macht das Leben aus. Kunst gehört in die Kirche, Virtuosität und Exzellenz. Die Zeit der „Ackergäule“ ist vorbei. 

Heute wurde der neue Steinway Hammerstil der 88. Taste, also das C 5. Oktave, mit köchelndem heißen Knochenleim (Rind) geleimt, golden wie Honig, da der Hammerstil beim Transport einen Riss bekommen hat (er ist gebrochen):

11. Juli 2024: Manches begreift man nicht aus Beschränktheit, manches nicht aus Weisheit. (Marie von Ebner-Eschenbach) 

Es ist auch sehr gut, nicht alles begreifen zu müssen. Gerade das, was ich nicht begreife, zieht mich magisch an, verzaubert mich, fesselt mich, fasziniert mich. Das, was ich begreife, kann schnell langweilig werden. Wie kann man Gott begreifen? Oder die Schöpfung? Wiederum doch gibt es Dinge, die man dringend begreifen muss. Wer sich weigert, bestimmte Dinge begreifen zu wollen, hat den Sinn des Lebens verpasst. 

Foto: Ott Orgel Apostelkirche Münster 2024

Zuvor stand hier 1875 eine geniale Ladegast Orgel. Sehr schlimm, dass diese zerstört wurde!

Münster erinnert mich an Würzburg, nur das Fränkische fehlt und einiges mehr. Es gibt sogar einen Nachtwächter wie in Würzburg, aber der singt nicht. Der Ratskeller, wo wir gestern essen waren, ist bei weitem nicht so gut wie der in Würzburg. Die fränkische Küche fehlt ganz und natürlich auch der Wein. Der Bahnhof ist gleismäßig etwas durcheinander. Doch Münster ist eine schöne und freundliche Stadt mit vielen Restaurants, Orgeln, schicken Fahrrädern und Kirchen. Die Ott-Orgel gefällt mir gut, die lichte Kirche besitzt viele moderne Akzente und Impulse und wirkt hell, frei und einladend.

Die beeindruckende Orgel 1968/2008 mit großem Zimbelstern steht tief auf breiter Westempore in raumfüllender, schwebender Akustik. Meine 12. Ott-Orgel. Die Empore wurde 2000 überarbeitet. 
Das Hotel war auch ganz ok, nur ohne Jalousien.

7. Juli 2024: Wichtig ist, dass das Orgelspiel zart bleibt, keine Unwucht besitzt wie eine Waschmaschine, die schleudert. (AHS) 

Foto: neue Ehrlich Rensch Orgel 1772/2023 im katholischen Münster St. Johannes in Bad Mergentheim 2024

Heute erinnere ich an Caroline Schlegel. 

Die frisch gestimmte neue Rensch Orgel bekommt noch einen Schweller und ein voll bestücktes OW. Sie ist das Gegenstück zur süffigen Späth Orgel der Marienkirche und zur Universal-Orgel im Schloss. Sie steht nun nah an der neugotischen Brüstung auf der ersten Empore. Es wurde lange überlegt, bevor die zweite Empore abgerissen wurde, auf der die Orgel zuvor stand. Ich erinnere mich noch gut an die Baustelle. 

Wir haben uns hinterher beim Essen noch über die Zusammenarbeit von Profis und Laien unterhalten. Es stimmt, dass es sehr verständige und kluge Laien gibt, die sich selbst einschätzen können in dem, was sie können, sei es nun gut oder schlecht. Aber es gibt auch welche, die genauso schnell beleidigt sind, wenn sie kritisiert werden wie empfindliche Profis – nur mit dem Unterschied, dass diese Laien nichts oder kaum etwas können. Das ist die schwierigste Gruppe. 

 

Ehrlich Orgel Münster St. Johannes Bad Mergentheim (Rensch Orgel)

 

6. Juli 2024: Am Abend schweigt die Klage des Kuckucks im Wald. (Georg Trakl) 

Foto: neue Ehrlich Rensch Orgel 1772/2023 im katholischen Münster St. Johannes in Bad Mergentheim 2024

Heute erinnere ich an Louise von Plönnies.

Hebel ist nicht mit Hegel zu verwechseln. Johann Peter Hebel ist ein ganz anderer Geist als Georg W. Friedrich Hegel, der unsinnige Sachen wie „Das reine Sein und das reine Nichts ist also dasselbe“ schrieb. 

Ach, ich liebe die Sprache von Trakl. Ein schöneres Deutsch ist kaum zu finden. Ich sehe Farben, höre Musik, rieche Erde und liebe mein Land, wenn ich seine Gedichte lese. 

Das Konzert heute im hübschen badisch-fränkischen Bad Mergentheim war sehr schön. Ich war die Konkurrenz zum Fußball. Dieses Jahr habe ich mir bewusst nichts von der EM angesehen, weil ich dem gesellschaftlich auferlegten, emotional aufgeheizten Suchtpotential und Suchtstoff der Männer nicht dienen will. Ich war stolz auf jeden im Publikum, der lieber in ein Orgelkonzert geht und damit gegen den Strom schwimmt. ❤️ Konzerte, die wegen Fußball abgesagt oder verschoben werden – da graust es mich. 

Die unglaublich schöne weiße neue Rensch Orgel im barocken Gehäuse spielte sich butterweich. Ich berichte morgen mehr. Bin müde! 

Ehrlich Orgel Münster St. Johannes Bad Mergentheim (Rensch Orgel)

4. Juli 2024: Es kann der Frömmste nicht im Frieden bleiben, wenn es dem bösen Nachbar nicht gefällt. (Schiller)

Freue mich morgen auf das Konzert im Münster St. Johannes in Bad Mergentheim 19 Uhr an der neuen Orgel. 

Heute erinnere ich an Selma Meerbaum-Eisinger.

Das Thema Gehör. Es ist für andere erstaunlich, dass gerade ich als Musikerin all die vielen Tools, Soundbars, Sonos und Boxen eigentlich nicht brauche (auch wenn es schön ist, sie zu haben). Wenn ich ohne technischen Firlefanz Musik höre, sagen wir zufällig irgendwo durch die Wand oder leise ums Eck oder nur auf dem Handy, so ist meine Vorstellungskraft so groß, dass ich mir den Klang, den ich haben möchte, vorstelle – so wie ich es brauche und will. Als Kind übte ich oft auf meinem alten, braunen Yamaha-Klavier in meinem Zimmer, und doch war ich in meinem Kopf in einer großen Klangwolke in riesigen Sälen. Dieses Hören habe ich immer noch: Da stört mich kein schlechtes Instrument, wenn es sein muss, ich hole das Beste heraus. Ich habe innere Ohren, die von meiner Vorstellungskraft getragen werden und die Realität beeinflussen. 

Aber wenn ich hässliche Geräusche höre, sagen wir mal, es kratzt jemand mit einem Messer auf Porzellan oder auf einem Teller, dann zucke ich zusammen und es vergeht mir der Appetit. Zuviele Geräusche stürzen mich in eine Reizüberflutung, auch und gerade in der Stadt. 

2. Juli 2024: Wo von innen Sklaverei ist, wird sie von außen bald kommen. (Seume)

Heute wird mein Steinway gestimmt, weil er durch den Umzug ca. 3 Hz verloren hat, denn ich liebe 444, nicht 440. Er wurde also wieder hochgezogen. Zunächst aber musste er einige Wochen buchstäblich stehen. Und dadurch „kalibriert“ werden bzw. sich selbst kalibrieren.

Er ist ein wilder, extrovertierter Flügel, den ich mir im Hamburger Werk ausgesucht habe 2016, ein Jahr vor meinem Orgel-Studium (was ich damals überhaupt noch nicht ahnte oder wusste). Er war der erste, den ich an jenem Tag spielte, und zu dem ich nach stundenlangem Dauerhören aller Flügel wieder zurückkam.

My Steinway & Sons B Grand Piano Flügel daheim Nr 604174