16. Oktober 2026: Gott flüstert in der Tiefe. Er schreit nicht, wo der Geräuschpegel zu hoch ist. (AHS)
Foto: meine neue Skulptur
Ich gehe gern japanisch essen. Heute bekam ich dazu ein Ramune, ein “Fun Marble Drink” in einer Glasflasche, die oben eingedrückt wird, dann fällt eine Kugel nach unten; ich dachte zuerst, es wäre ein Eiswürfel.
Für die reale Chorleitungsarbeit im Beruf wird man im Studium nicht wirklich vorbereitet. Ich erinnere mich, wie bei Frank Dittmer der Flügel zugesperrt wurde und wir mit der Stimmgabel dastanden. Damit wäre ich mit keinem einzigen Chor, den ich jetzt habe, weitergekommen. Es ist natürlich wichtig, dass man das kann. Aber das immer und nur ist realitätsfern und unnatürlich; es ist im Gegenteil wichtig und hilfreich, sehr gut Klavier spielen zu können als Chorleiterin, und es wäre viel hilfreicher, im Studium zu lernen, wie man vom Klavier aus dirigiert und dennoch virtuos spielt. Das ist nämlich eine andere Art, Klavier zu spielen. Die meisten Pianisten sind gewöhnt, beim Spielen nach unten, nach innen, auf die Noten zu schauen oder die Augen zu schließen. Das alles ist ja völlig anders, wenn man noch einen Chor dirigiert.
Es ist wichtig zu wissen und zu können, wieviel mal spielen muss und wie wenig man spielen kann; im Stehen zu spielen; aufzustehen, hinzusetzen beim Spiel; mindestens einen Arm auch frei haben zu können zum Zeigen, zum Heben; auch in der Probenarbeit ist das Klavier wichtig: Zartes, filigranes Spiel, rhythmisch, aber mit so viel Sound, dass ein unsicherer Chor sich sicher fühlt. Es geht letztendlich nicht um ein System, ein Dogma, ein Prinzip oder eine Methode. Es geht darum, was dem jeweiligen Chor am besten dient. Jeder Chor will ein Erfolgserlebnis; er will auch auftreten; er will rasch vorwärts kommen; viele nehmen sich Zeit nach der Arbeit und wollen einen schönen Abend haben; manche können keine Noten lesen. Was ist spannender, eine leckere Soße mit Pilzen oder Speck oder eine trockene Brotstange, mit der ich vorne herumfuchtle? Jede Katze will nicht nur Trockenfutter haben. Nicht, dass ein a capella Chorklang Trockenfutter wäre, das meine ich überhaupt nicht, im Gegenteil, das ist das Schönste mit, was es gibt – aber die Art, etwas zu proben, muss nicht immer nur minimalistisch mit Stimmgabel passieren. So probt Frank Dittmer übrigens auch nicht.
Natürlich muss das Klavier auch schweigen. In der Einsingphase verwende ich es sehr wenig; zwischendurch immer wieder a capella; besonders dann, wenn einzelne Stimmen geprobt werden. Singt ein Chor ausschließlich a capella, sieht die Sache natürlich anders aus. Aber die Mischung macht’s.
Spiele ich nicht Klavier, müssen die Chöre eine extra Pianistin bezahlen. Es ist Luxus, wenn man Klavier und Dirigat aufteilen kann auf zwei Personen. Aber das ist nicht immer die Realität.
Ich sehe es so, dass hervorragendes Klavierspiel und Partiturspiel ein wichtiger Bestandteil von Chordirigat und Chorleitung ist. Frank Dittmer hat auf die zu viel Rücksicht genommen, die nicht gut Klavier spielen können (die meisten) und hat die gezwungen, es ganz zu unterlassen, die es konnten. Die Fächer Partiturspiel und GB wurden in der realen Praxis bei Frank Dittmer gar nicht umgesetzt.
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