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Tourblog

22. September 2026: Da begruben sie die Sonne. Eine Sonnenfinsternis entstand. (Rose Ausländer)

Foto: Conrad Geissler Orgel 1895 ev. Kirche Drachhausen Peitz Spreewald Niederlausitz

Heute erinnere ich an den irischen Schriftsteller James Joyce, den ich mag. Sein Stephen Dedalus, der in der Kirche gelitten hat, besitzt starke autobiographische Züge.

Wer nicht beides spielt, Orgel und ein dynamisches Instrument, kann nichts spielen. Ich wusste dies bereits vor meinem Studium Orgel und Kirchenmusik. Ich merkte es an der Angst der Nur-Organisten, dass ich tatsächlich noch Orgel studiere. Und als ich im Studium war, an dem Neid und der Angst der Kommilitonen vor meiner Virtuosität und schnellen Fingern. Auch dass manche meinten, ich hätte mein Klavier aufgegeben. Vermutlich haben sie mich mit sich selbst verwechselt.

Romantische historische C. Geissler Orgel ev. Kirche Drachhausen Spreewald Niederlausitz Brandenburg, 2 M, 15 kl. Register, mech. Schleiflade

Wunderschöne große rote Backstein-Dorfkirche mit historischer Geißler-Orgel in Drachhausen, die Kirche ein neugotisch-neoromanischer Ziegelbau aus den Jahren 1894/95 nach Plänen des Cottbuser Baurats, geweiht am 20.12.1895.

Zuvor gab es hier eine Fachwerkkirche von 1513, mit Ziegeln und Turm aus Holz mit 2 Glocken.

Die Taufschüssel von 1761, Altarleuchter von 1781 und eine Kirchenlade von 1819 gingen in den DDR-Zeiten „verloren“.

Weitgehend original aus der Erbauungszeit erhalten sind neben der Orgel auch der Altar, die Kanzel, das Gestühl und die zeittypische, reich dekorierte Innenausmalung. So sind Orgel und Kirche wichtige Denkmäler und Wunder hier in der ehemaligen DDR.

Geissler aus Eilenburg war ein bekannter Meister des 19. Jahrhunderts. Sein Instrument ist Bestandteil der wertvollen historischen Originalausstattung der Kirche, die auch deshalb gut erhalten blieb, weil der Ort jahrzehntelang in einem Bergbauschutzgebiet lag und vor dem Abriss bewahrt wurde.

Die Orgel ist ein typisches Zeugnis der mitteldeutschen Orgelromantik. Der Fokus liegt auf einem warmen, grundtönigen und orchestralen Klang, dominiert von zahlreichen Registern in der 8′-Lage wie Prinzipal, Gambe, Salicional oder Gedackt).  Passend zur neugotisch-neoromanischen Dorfkirche baute Geissler in dieser Spätphase Kegelladen, die ein fließendes, dynamisches Steigern des Klangs ermöglichen; doch diese besitzt Schleifladen.

Sie wird von Scheffler/Dirk Redies betreut. Es ist sehr schön, dass diese kleine romantische Orgel so viele leuchtende 8-Füße hat, auch prinzipalisch, dazu einen 16 Fuß im HW. Weitere Spielhilfen wie Tremulant, Schweller etc. bedarf es gar nicht, sie singt von ganz allein. Der historische Spieltisch mit Elfenbeintasten und langen Registerzügen ist eine Augenweide. So etwas will ich fühlen und sehen! Keine Neobarockisierung.

Die Akustik ist schön, vokal, rund und samtig trocken. Das Dorf Drachhausen ist malerisch und schön, gepflegte Häuser, ein Drachen, ein Laden, ein niedliches Feuerwehrhaus mit Turm und – ein Wurstautomat, mit frischer Spreewalder Wurst, Gurken, Suppen hausgemacht in Gläsern.

Zudem ist hier nah der größte künstliche See Deutschlands: der Tagebausee „Cottbusser Ostsee“ oder Cottbusser Meer, noch nicht gesichert, und die größten Teiche und Karpfenteiche Deutschlands. Und es gibt frischen Fisch rings um Peitz. Die Forelle schmeckte lecker.

Es war sehr schön, hier zu spielen. Ich freue mich, dass die Kirche nicht zerstört wurde in den bösen Zeiten. Unter der Kirche befindet sich nämlich wertvolle Braunkohle. Daher war die Orgel unter “Bergbauschutz” – was jedoch ein perfider Ausdruck war, denn die Kirche stand damit zum Abschuss frei. Jedoch die Russen hatten hier ihren Übungsplatz, daher durfte der Kirche Gott sei Dank nichts angetan werden. Nun steht sie Gott sei Dank unter Denkmalschutz.

Man darf gar nicht zählen, wieviele hervorragende Orgeln mutwillig zerstört, rausgeflackt und Kirchen verbaut, zerstört oder verschandelt wurden. Wo zu viel Geld und die Nase im Wind war. Wo der Zeitgeist anstatt Verstand und Wahrheit dominierte.
In Peitz flog die romantische, große und geniale Dinse-Orgel raus. Sie wurde nicht mal aufbewahrt oder verkauft. Stattdessen kam eine kleine neobarocke Sauer-Orgel hinein, die den Raum nicht füllen konnte. Sie musste ebenfalls weichen.

Auch die hübsche Schuke-Orgel in Leipzig war plötzlich nicht mehr gut genug und wurde verkauft. Genauso auch die Ladegast-Sauer-Orgel. Man wollte eben einen Porsche.

Die Disposition ist hier zum ersten Mal im Netz:



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21. September 2026: Gott liebt mich immer. (AHS)

Foto: Barockorgel Johann Wilhelm Schmerbach der Ältere Kirche Fürstenhagen Hessisch Lichtenau Konzert 2026

Historische blaue Barockorgel Schmerbach 1750 ev. Kirche Fürstenhagen Hessisch Lichtenau bei Kassel, 2 M, 12 R

Was für ein wunderschöner Prospekt mit den sogenannten „Orgelohren“! Bunt, geschnitzt, mit seitlichem Schnitzwerk;  ich trug ähnliche Farben. Die Orgel thront in der kleinen hellen schlichten Dorfkirche auf der Westempore.

Das historische mechanische Schleifladen-Instrument wurde unter anderem 1969 durch die Firma Bosch aus Kassel einer Generalinstandsetzung unterzogen, neobarockisiert und umfassend umgebaut, was sehr schade ist. Es wurde sogar ein Schweller eingebaut.

Wie wohl die originale historische Barockorgel klang?

Die nordhessische Orgelbau-Familie Schmerbach war eine bedeutende deutsche Orgelbauerdynastie, die über vier Generationen hinweg im 18. und 19. Jahrhundert den Orgelbau in Nordhessen im Eichsfeld und in Südniedersachsen maßgeblich prägte – bis 1860.

Ihren Sitz und ihre Hauptwerkstatt hatte die Familie in Frieda bei Eschwege. Da die Hauptvertreter der Familie alle den Namen Johann Wilhelmtrugen, werden sie heute chronologisch unterschieden.

Johann Wilhelm Schmerbach der Ältere (I.) (1705–1789) baute die Orgel in Fürstenhagen. Er lernte das Handwerk bei seinem Vater Conrad und baute die Werkstatt zu regionaler Berühmtheit aus. Er wirkte von 1745 bis 1789.

Samtig-trockene, vokale Akustik in der kleinen Dorfkirche.

Orgelbau Schmerbach d. Ä. war bekannt für seine oft steilen Dispositionen im Manual und den Einsatz hochliegender, charaktervoller Farbregister, die den Instrumenten einen sehr klaren, strahlenden Klang verleihen

Als die Orgel umgebaut wurde, wurde dennoch auf den barocken Stil geachtet, allerdings ist Neobarock und Historisch-Barock ein Unterschied wie Tag und Nacht. Leider wurden Orgeln oft im Geschmack des Zeitgeistes verändert, nicht rekonstruiert.

Der Zeitgeist ist leider oft das Gegenteil von dem, was wahr ist. Was 1960 unwichtig war, wird heute als sehr wichtig erachtet – weil es wichtig ist.

Bosch-Orgeln sind sehr stabil und zuverlässig. Doch typisch für den neobarocken Bosch-Klang ist beispielsweise, dass es keinen Principal 8-Fuß gibt, der aber doch sehr wichtig ist; statt dessen sehr viele hohe Principale, eine recht laute Mixtur, dazu Quinte und Sesqui – alles etwas spitz.

Die barock-historischen Orgeln sind viel blühender und singender, selbst wenn sie direkt oder scharf klingen sollten. Und die historischen kleinen romantischen Orgeln haben viele warme 8-Füße, sogar 16-Füße im Manual, selbst dann, wenn sie viel kleiner sind als diese Orgel. Neobarocke Orgeln aber wirken oft eher etwas aggressiv im Klang, während die sanften Klänge oft blass und dünn sind und die Flöten wie mit einem Schleier überzogen.

Es war sehr schön, hier zu konzertieren. Mein Konzert war gut besucht. Ich moderierte von oben, von der Empore aus, ohne Mikrofon. In der Mitte des Konzertes gab ich auch, wie gewünscht, eine kleine musikalisch-spirituelle Andacht.

Es ist meine zweite Schmerbach-Orgel. Die erste spielte ich in Niederbeisheim im Knüllwald in Hessen, von 1775. Diese Orgel wurde ebenfalls umgearbeitet, mit romantischen Klängen versehen: 1851 baute Valentin Möller die Orgel um. Daher klingen jetzt einige Register samtiger-romantisch. Damit habe ich etwas weniger Sorge, wenn eine Orgel einige runde, romantische Klänge hinzu bekommt, als wenn sie neobarockisiert wird.

Auch diese Orgel wird von Orgelbau Bosch betreut.

Die Disposition ist hier zum ersten Mal im Netz:

Schmerbach Orgel Fürstenhagen Hessisch Lichtenau

Schmerbach Orgel ev. Kirche Niederbeisheim Hessen


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20. September 2026

Foto: Kemper Orgel ev. Kirche Peitz Spreewald Brandenburg Niederlausitz

Große schöne Kemper Orgel 1956 / 2006 ev. Kirche Peitz Spreewald Niederlausitz Brandenburg, 3 M, 47 R, über 3500 Pfeifen, Walze, elektrische Trakturen, Glocken, Horizontale

Willkommen im Spreewald!

Diese große, raumbeherrschende Orgel mit freiem Spieltisch ist etwas Besonderes. Sie steht im Landkreis Spree-Neiße, Brandenburg, in der roten Stüler-Kirche im historischen Peitz und ist klanggewaltig und bedeutend. Ursprünglich konzipierte man das Instrument für die ev. Nikolaikirche in Berlin–Spandau, wo sie damals als die bedeutendste Nachkriegsorgel Berlins galt.

Da die Spandauer Gemeinde einen Neubau plante und die Orgel dort nicht mehr optimal in den Raum passte, wurde sie 1995 an die Kirche in Peitz verschenkt und zog nach Brandenburg. Sie hat eine bewegende Geschichte. 

Der Transport und Wiederaufbau in Peitz erfolgte 1995/1996 in rein ehrenamtlicher Arbeit durch lokale Orgelfreunde um Orgelbauer Dirk Redies.  Zu Pfingsten 1996 wurde sie hier wieder eingeweiht. Sie gehört zu den kirchenmusikalisch wertvollsten und größten Orgeln im Süden Brandenburgs.

Beim Aufbau in der Niederlausitz wurde das ehemalige Rückpositiv als Fernwerk auf der Südempore aufgestellt und eine Spanische Trompete ergänzt – eine für die Region eher ungewöhnliche und klanglich reizvolle Besonderheit. Sie besitzt Schleif – und Kegelladen. 


Durch Orgelbauer um Dirk Redies wurde die Kemper Orgel umfangreich umgebaut. Seit dem Umzug wurden viele klangliche Anpassungen und Registeranpassungen vorgenommen, um den Charakter des Instruments stetig zu verfeinern und mit romantischen und historischen Klängen und Zungen zu erweitern. Die ursprüngliche Kemper-Orgel wurde im Geist der „Orgelbewegung“ erbaut, die sich an barocken Klangidealen orientierte. Nun hat sie viele warme Klangfarben, strahlend und edel. Die Akustik ist phantastisch!

Das große sakrale rote Backstein-Gebäude selbst ist das Wahrzeichen der Stadt und ein Meisterwerk des Historismus in der Niederlausitz. Es wurde von 1854 bis 1860 nach Plänen des berühmten preußischen Architekten Friedrich August Stüler im oberitalienischen Rundbogenstil errichtet. 

Es ist meine 5. Kemper-Orgel. Sie ist nun eine  Art universale Orgel, eine kreative, freie Patchwork-Orgel. Das größte Register misst 5 Meter, der neue Prinzipal 16, welcher aus Holz links an der Orgel seitwärts angebracht wurde und aus dem Dom zu Bergen stammt. Die Westempore ist sehr breit und ausladend, mit Fotos der Jazz-Konzerte und Tischen und Stühlen für Meetings.

19. September 2026: Musik muss zur inneren, eigenen werden. (Gerhart Hauptmann)

Foto: Rothermel Orgel 1861 ev. Wehrkirche Wersau Brensbach Odenwald Südhessen, Pedal 2026

Heute erinnere ich an Josephine Butler und an Bertha von Suttner; sie kämpften für Frieden, gegen Menschenhandel und staatlich regulierte Prostitution, für Frauen. Auch in Deutschland gibt es staatlich regulierte Prostitution, was schrecklich ist. Dabei hatte Josephine bereits 1906 gegen staatlich regulierte Prostitution gekämpft. Aber in Deutschland ging es weiter; jedoch in den USA ist Prostitution meist verboten.

Historische seitenspielige Rothermel Orgel 1861 ev. Kirche Wersau Brensbach Odenwald Südhessen, 1 M, 9 R, Altarorgel

Es ist meine erste Georg Christian Rothermel-Orgel. Die Wehrkirche ist eine Augenweide.

Die historische seitenspielige Rothermel-Orgel ist ein besonderes denkmalgeschütztes Instrument von dem bekannten großherzoglich-hessischen Hoforgelbauer Georg Christian Rothermel aus Zwingenberg an der Bergstraße. Man sitzt an der Seite des Orgelgehäuses, was typisch für kompakte Orgelbauten dieser Epoche im ländlichen Raum ist.

Sie besitzt mechanische Schleifladen sowie eine weitgehend im Originalzustand erhaltene historische Winderzeugung im Dachstuhl der Kirche: 2 Seilzüge. Die Orgel befindet sich in einer seltenen Anordnung auf der Mittelachse im Nordosten, direkt über dem Altar und der Kanzel. Ich mag solche Kanzelaltar-Anordnung. 

Die Kirche selbst ist eine ehemalige, mittelalterliche Wehrkirche auf dem Kirchhügel von Wersau, deren markanter, separater Torturm als Wahrzeichen des Ortes gilt.

Die Disposition ist hier zum ersten Mal im Netz:

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18. September 2026

Foto: Historischer Bechstein Prospekt 1895 Kirche Ober-Klingen Odenwald Hessen

Heute erinnere ich an Maria Katharina Kasper, 1820.

Seitenspielige kleine Bechstein Bosch Orgel 1895 / 1963 ev. Kirche Ober-Klingen Odenwald, Südhessen, 1M, 5 R, Schleifladen

Die wunderschöne Dorfkirche steht in einem großen Friedhof erhöht auf einem Berg. Sie ist innen schlicht und hell und wurde frisch renoviert. Historische Gemälde wurden frei gelegt im Chorraum.

Der historische Bechstein-Prospekt ist eine Augenweide, beige mit Frauenköpfen und Schleierbrettern verziert.

Die Orgel in der evangelisch-reformierten Kirche, Oberklingen, 64853 Otzberg (Südhessen), ist eine seitenspielige Orgelanlage mit Schleifladen. Im Zuge der Umgestaltung durch Bosch verlor das Instrument im neobarocken Zeitgeschmack seinen ursprünglichen 8-Fuß-Prinzipal (Prinzipal 8′), weshalb das klangliche Spektrum heute stark von helleren, stabilen und klaren Register-Höhen („Piepstönen“) geprägt ist.

Eine vollständige Register-Disposition in schriftlicher Reinschrift ist für diese spezifische Bosch-Änderung in Oberklingen in den offiziellen Registern öffentlich-technischer Datenbanken bislang nicht im Detail publiziert worden.

Es ist meine 14. Bechstein-Orgel. Gerne hätte ich diese originale romantische Bechstein-Orgel gehört, bevor sie von Bosch neobarockisiert wurde im Zeitgeschmack der ”Orgelbewegung”. Die Orgel ist gepflegt und gestimmt im schönen historischen Bechstein-Prospekt.

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17. September 2026: Das sieht man schon bei Gott, was uns angeht. Man kann auch sagen, Kunst ist Imperfektion.

Foto: Historische barocke Müller Orgel 1740 Quellkirche Güttersbach Hessen

Heute erinnere ich an Maria Sybilla Merian, 1647.

Historische hellblaue Müller Orgel Quellkirche zu Güttersbach Mossautal Südhessen Odenwald, 1 M, 10 klingende Register, Denkmalorgel

Die hübsche Kirche hier in Hessen ist eine der ältesten Kirchen im Odenwald. Die kleine Dorfkirche wurde 2023 / 2024 frisch saniert, was man sofort sieht: die grünen, weißen und roten Farben leuchten, alles sieht frisch und gepflegt aus, wie ein Schmuckkästchen präsentiert sich die Kirche. Hier steht die original erhaltene Barockorgel.

Die tonnendicken Mauern sind sehr alt, was man auch um die Fenster herum sieht.

Auf der Westempore steht die niedliche kleine historische Orgel von 1740 mit ihren alten Pfeifen. Es ist meine erste Müller-Orgel. Die Kirche wurde bereits ab 1668 dokumentiert renoviert, und zwar auf den Innenmauern im Chorraum.

Die Kirche im Mossautal wurde im Hochmittelalter direkt an oder über einer natürlichen Quelle erbaut, daher heißt sie Quellkirche. Sie wurde vor über 800 Jahren auf einer inzwischen trocken gefallenen Quelle gegründet.

Der Begriff „Quellkirche“ ist im Odenwald auch für andere Kirchen gebräuchlich, bei denen Quellen entspringen oder entsprangen. Dieses Gotteshaus gilt als die älteste Kirche im südlichen Odenwaldkreis.

Die historische Müller-Orgel von 1740 in der Güttersbacher Quellkirche ist ein außergewöhnliches und überregional bedeutendes Musikdenkmal im Odenwald.

Die Orgel ist – bis auf eine sehr behutsame, spätere Erweiterung um ein Pedal – fast vollständig im Originalzustand erhalten geblieben. Das ist für Instrumente dieses Alters extrem selten!

Das barocke, einmanualige Instrument wurde 1740 von dem kurpfälzischen Hof- und Landorgelbauer Johann Friedrich Ernst Müller, teilweise auch als Friedrich Heinrich Müller dokumentiert, aus Heidelberg geschaffen.

Nachdem die Quellkirche nach einer umfassenden, mehrjährigen Gebäudesanierung im Januar 2024 feierlich wieder eingeweiht wurde, musste die Orgel zunächst schweigen. Zum Schutz vor Baustaub war sie komplett eingehaust worden.

Da spezialisierte Orgelbaubetriebe lange Vorlaufzeiten haben, wurde eine umfassende Reinigung, Restaurierung und Neustimmung des kostbaren Musikschatzes 2025  angesetzt.

Das Instrument verfügt noch heute über die historische Werckmeister-III-Stimmung. Zudem liegt ihre Tonhöhe etwa einen Halbton höher als der moderne Standard-Kammerton, was ihr einen ganz eigenen, strahlenden barocken Klangcharakter verleiht.

Neben dem barocken Klang zeichnet sich die Orgel durch eine besonders kunstvoll gearbeitete, geschmückte, historische Tastatur aus.

1950 versetzte die Orgelbaufirma Gebr. Link das Instrument auf die Westempore und ergänzte ein separates Pedal mit eigener Windlade. Seither verfügt die Orgel nicht über 8, sondern über 10 klingende Stimmen.

Die 8 erhaltenen Manualregister zeichnen sich durch einen direkten, silbrigen und  strahlenden Barockklang aus, verstärkt durch die originale Werckmeister-III-Stimmung.

Ich liebe den Odenwald mit seinen kostbaren, verborgenen  Schätzen. Ich liebe es, diese wertvollen Orgeln zu dokumentieren und hier zu spielen.

Die Disposition ist hier zum ersten Mal im Netz:

Noli Me Tangere

(übersetzt: bitte nicht herausziehen. – Es passiert aber nichts, es ist leider nur leer und schweigend)



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16. September 2026

Foto: Romantische historische Heinrich Bechstein Orgel 1907 im Rokoko-Prospekt von 1747 Kirche Nieder-Klingen Odenwald Südhessen

Historische romantische blaue Heinrich Bechstein Orgel 1907 ev. Kirche Nieder-Klingen Odenwald Südhessen, 1 M, 8 R, Altar-Orgel, seitenspielig, im barocken historischen Prospekt von 1740, Kegelladen, Kulturdenkmal

Die Westseite hat eine auffällige, vierläufige Freitreppe. Auf der Chorempore steht eine historische Rokoko-Orgel von 1747, die ursprünglich aus Hähnlein in Südhessen stammt. Diese schöne blaue Rokoko-Orgel stammt von dem bedeutenden Frankfurter Orgelbauer Johann Christian Köhler. 

Das romantische Kegelladen-Instrument sitzt in dem alten schönen Prospekt. Die historische Rokoko-Orgel kam durch Kauf und Umzug in die Kirche. Als der Neubau der Kirche in Nieder-Klingen in den Jahren 1907 fertiggestellt wurde, benötigte die Gemeinde ein passendes Instrument.

Zu dieser Zeit trennte sich die Kirchengemeinde in Hähnlein in Südhessen von ihrer alten, 1747 gebauten Rokoko-Orgel, da sie ein neues Instrument anschaffte.

Nieder-Klingen übernahm das historische Instrument, transportierte es in den Odenwald und baute es auf der Chorempore über der Kanzelwand auf.

So erhielt die damals neu errichtete Kirche ein wertvolles Stück Barock- und Rokoko-Kultur, das bis heute dort zu sehen und zu hören ist.

Heinrich Bechstein hat nichts mit dem Klavierbauer Bechstein zu tun. Es ist meine 14. Bechstein-Orgel.

Beim Umzug 1907 wurde das Pfeifenwerk im Inneren vom Hanauer Orgelbauer Heinrich Bechstein erneuert, während das äußere Rokoko-Gehäuse von Johann Christian Köhler erhalten blieb.

Es handelt sich um eine kleine, einmanualige Dorfkirchenorgel mit eigenständigem Pedal. Typischerweise besaßen Köhler-Orgeln dieser Größe für kleinere Dorfkirchen (wie das ursprüngliche Hähnlein) meist zwischen 8-13 Register. 

Johann Christian Köhler war dafür bekannt, seine Orgeln mit mehreren warmen Registern in der sogenannten Äquallage (8-Fuß-Bereich, z. B. Gedackt, Principal, Gamba) auszustatten, kombiniert mit typischen barocken Klangkronen (Mixturen) für den typisch strahlenden Festtags-Klang.

Heinrich Bechstein passte das Pfeifenwerk dem damaligen Zeitgeschmack der Romantik an. Das bedeutet, dass die Disposition um grundtönige, sanftere Stimmen ergänzt wurde, um den typischen, fülligen und gravitätischen Klang des frühen 20. Jahrhunderts zu erzeugen. In der schönen samtig-trockenen Akustik klingen und singen die Flöten. Im Gegensatz zu Ober-Klingen besitzt diese originale Bechstein-Orgel, trotz dem sie klein ist, einen süffigen Prinzipal 8 und zwei weitere 8-Füße.

Die Register-Kippschalter befinden sich „über Kopf“ an der links-spieligen Orgel über dem Kanzelkorb. Das Besondere ist, dass an beiden Seiten, rechts und links, ein winziges, herzallerliebstes Pfeifen-Rund heraussteht, was ich so noch nie gesehen habe.

Die von Bosch neobarockisierte Bechstein-Orgel in der evangelisch-reformierten Kirche in Oberklingen besitzt keinen Prinzipal 8-Fuß mehr, was Bechstein nie getan hätte, sondern im Vergleich dazu vor allem nur hohe „Piepstöne“, wenn auch stabil und klar. Es war sehr schön, hier zu spielen. Ich liebe Odenwald und die Orgeln in Südhessen.

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Bechstein Orgel Niederklingen Kirche

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15. September 2026: Eile tötet alles, was uns teuer ist. Eile ist ein Raubtier. (John Mark Comet)

Foto: Link Orgel Reichelsheim ev. Michaelskirche Odenwald

Heute erinnere ich an die baltische Freifrau Juliana von Krüdener, adelige, pietistische Schriftstellerin.

Nach Ilmenau starteten wir wieder unsere schöne Orgel-Tour durch Hessen:

Neobarocke Link Orgel 1964 Michaelskirche Reichelsheim Odenwald, 2 M, 1306 Pfeifen, 20 R

Die mechanische Schleifladenorgel in Reichelsheim (ca. 9000 EW) besitzt schöne Zungen und erstreckt sich über zwei Emporen. Zuvor gab es hier in der schönen weißroten Kirche eine wunderschöne romantische Heinrich Bechstein-Orgel wie so oft in der Gegend. Jedoch im Gegensatz zu den Dorfkirchen rings um Reichelsheim hatte Reichelsheim zu viel Geld, so dass in der sogenannten Orgelbewegung leider eine neue neobarocke Orgel eingebaut wurde nach dem Geschmack des Zeitgeistes.

Die Bechstein Orgel war von 1887, sie kostete 5495 Mark, hatte zwei Manuale, Kegelladen, welche ich liebe (“3 Laden mit einschlagenden Kegeln”, wie Bechstein 1907 notierte), Magazingebläse zum Drehen, schöne romantische Klänge wie Flute harmonique 8 und Aeoline 8 …  Selbst der Bechstein-Prospekt, also das Gehäuse, wurde radikal vernichtet, was unvorstellbar ist.

Die grüne Bechstein-Orgel stand in der Mitte der Kirche.

Vor der Bechstein-Orgel gab es in der Kirche eine kleine Orgel von 1626.

Sehr schön ist die Fürstenloge vorne links, die Kanzel rechts, die Wappen vorne im Chor von Erbach-Erbach Odenwald, die weit laufenden zwei Emporen, der verschobene Chorraum mit den bunten Fenstern. Die Akustik ist samtig-trocken und vokal unter der weißen Stuckdecke, auch sehr gut für Chormusik. Sechsstimmiges variables Geläut. Direkt neben der Kirche steht das historische Schlachthaus von 1835.

Die Orgel wird nicht mehr von Link betreut, sondern von Orgelbau Rothenburg. Die Orgel auf der breiten Westempore ist sehr stabil und gepflegt, die Zungen (die zuletzt eingebaut wurden) sind schön gestimmt. Die romantischen historischen Link- Orgeln mag ich besonders gern; genau wie Orgelbau Sauer hat auch Link ab den 60er Jahren neobarocke Orgeln gebaut. Es ist meine 16. Link-Orgel. Sie wurde 2000 für ca. 40.000 DM gereinigt und saniert. Es war sehr schön, hier zu spielen. Ich liebe Südhessen und den Odenwald. Ich war schon einige Male in Reichelsheim und habe es sehr genossen.

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Register Link Orgel Reichelsheim



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14. September 2026

Foto: Schmaltz Holland Orgel Ilmenau Wümbach Konzert 2026

Mein Konzert am Denkmaltag war sehr schön und gut besucht. Kinder, Familien und ältere Leute liefen vor dem Konzert in der Kirche herum, bestaunten die Orgel, aßen in der Winterkirche Kuchen, bewunderten die beiden Glocken, die man hinten selber ziehen, und den Jupiter-Kronleuchter von 1698, der herunter gefahren werden kann.

Leider ist die Orgel wegen dem Umbau keine Barockorgel mehr. Besonders mag ich die weichen Flöten. Die Orgel muss wieder saniert werden. Mit der Manualkoppel ist das Instrument recht schwergängig.

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13. September 2026: Das Herz ist der Schlüssel der Welt und des Lebens. (Novalis aka Friedrich von Hardenberg)

Heute erinnere ich an Margarete Steiff, 1847.

Bin wieder unterwegs nach Ilmenau bei Arnstadt zu meinem Konzert. Heute sollte ich auch an 2 Orten woanders spielen, aber das wurde verschoben. Leider kann ich mich nicht aufteilen.
Arnstadt ist die älteste Stadt in Ostdeutschland.

Ich bin hier in der wunderschönen Barockkirche. Die Kirche ist von 1599, die Orgel von 1758. Sie thront auf der Westempore. Es handelt sich um eine wertvolle historische Orgel der Barockzeit, die mit ihrem charakteristischen Klangbild oft bei besonderen Veranstaltungen wie dem Tag des offenen Denkmals im Mittelpunkt steht. Ich liebe Denkmäler!

2007 wurde sie von Schönefeld aufwendig und originalgetreu restauriert, um den ursprünglichen Klangcharakter für nachfolgende Generationen zu sichern. Der Orgelbaumeister Johann Stephan Schmaltz baute das Instrument im Jahr 1758 ein. Seine Werkstatt befand sich zu dieser Zeit in Arnstadt, weshalb er in historischen Dokumenten häufig als „Schmaltz aus Arnstadt“ bezeichnet wird.
Später, um 1860, wurde die Schmaltz-Orgel noch einmal durch den Orgelbauer Friedrich Wilhelm Holland aus Schmiedefeld umgebaut, bevor sie im Jahr 2007 aufwendig restauriert wurde.

Geboren wurde Schmaltz hingegen im thüringischen Wandersleben, weshalb Quellen ihn auch als Orgelbauer aus Wandersleben aufführen.
Es ist meine dritte Schmaltz-Orgel, nach Elleben und Kornhochheim. Eine Holland Orgel spielte ich in der Kirche Osthausen Wülfershausen in Thüringen.



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