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Ann-Helena Schlüter

Gedanke 77: Musik trinken. (AHS)

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Musik trinken

Die Beflügelung der Angst, sie zu verlieren. Sound ist etwas Weibliches, Echo erst recht, etwas Schöpferisches, etwas, das aus Herz und Bauch kommt, aus Brust, Kehle und Tiefe. Die Kunst kommt aus den tiefen Regionen des Körpers, schwingt. Ist edel.

Es tut gut, Jazz zu hören. Tiefenentspannung. Kontrabass, Saxofon. Mehr nicht. Simpel. Augen schließen.

Wie ein Amen. Singen. Hören.

Konzert in Ostfriesland und Tropea, Süditalien 

Ich freue mich auf meine Konzertlesungen in Leer. Ich spielte bereits in Aurich, Rysum und der Gegend, Emden, Juist, Langeoog und Norderney. Borkum habe ich besucht. Vielleicht diesmal Baltrum?

Süditalien vermisse ich nun, das große Meer in allen Blautönen, das gezähmt und mit salziger weißer Salzrüsche als Dekoration sanft für uns an den Strand läuft, damit die kleinen Menschen mit ihren Babies im Wasser planschen können – und doch auf offener See wild und stark ist; Schönheit und Schrecklichkeit; die Felsen und den Sonnenuntergang, den Palmen- und Kakteen-Garten der Santuario di Santa Maria dell’Isola di Tropea. Dort liefen große Hasen und Kaninchen herum in allen Farben, miteinander schmusend, in Formen und Farben, die ich noch nie so gesehen habe, Kreuzungen zwischen Meerschweinchen und Kaninchen und zahm, ließen sich streicheln und fraßen Blätter vor meiner Nase. Die Aussicht dort ist unbeschreiblich, auch die Aussicht von der hohen Stadt Tropea selbst hinunter in die Bucht. Und die schöne Castello die Murat in Pizzo und Piedigrotta

Das Eis und das Sorbet ist himmlisch in Tropea und Pizzo Vibo, besonders das Mandel- Zitronen- und Orangensorbet. Aber auch Fisch, Meeresfrüchte und Muscheln direkt frisch aus dem Ionischen Meer und der Tyrrhenischen Küste. Leider reagiere ich auf zu starke Sonne oft mit Sonnenallergie (rote Punkte) seit Australien. 

Aber am schönsten ist es, im Mittelmeer zu baden, wenn die Sonne untergeht und frau ganz allein ist. Das Wasser ist rotorange und türkis und golden und silber, leise und mysteriös, während die Planeten sich drehen und der Himmel rot ist, bevor er schwarz wird. Noch nie war mir das Universum so bewusst wie dann. Als würde das Meer direkt aus dem Universum kommen wie die Sonne und der Mond. 

Italienische Lasagne Ann-Helena Calabrese

Curinga, Calabria

Das Konzert in Curinga war sehr schön. Eine sehr spannende Tamburelli-Orgel von ca. 1845, Rotelli-Orgel in der Terme Romane Curinga (Römische Bäder von Curinga). Die italienischen Prinzipale (vor allem kombiniert mit Flöte) sind sehr weich und warm. Die Pronesti-Orgeln (Betonung auf dem i) von Salvatore Pronesti gefallen mir sehr, auch die historischen Orgeln von Rotelli, alle italienischen Napoli-Orgeln.

Zum ersten Mal spielte auf dieser italienischen historischen Orgel jemand Bach Goldberg-Variationen. Natürlich spielen die Italiener Bach anders, romantischer. Dennoch war alles sehr schön. Ich spielte zudem Muffat, Pachelbel, Frescobaldi, eigene Kompositionen, Sweelinck. Ich, meinen geliebten Steinway zuhause, spürte die Knie hart an dieser alten grünen Orgel, fiel fast rückwärts in die Tiefe, da die schwere Bank am Abgrund stand, welche Prinzipale und Lebensgefahr.

Weiche Flöte, hartes Holz.

Interview Luxembourg Remy Franck

Die Presse in Italien und auch von Pizzicato Luxemburg waren sehr gut.

Presse Italien

Venetia, Süditalien

Bei der Sicherheitskontrolle am Flughafen wurde mein Rucksack aufgrund meiner Stimmgabel durchsucht. Ich wurde gefragt, was denn die Stimmgabel sei. 🙂

Ich erinnere mich gern an das Meer, an den Pool, an die Mücken sogar, an die unglaublichen Bäume mit ihren riesigen Wurzeln. An die wunderschönen Spinetts, Cembalos, Orgeln. Ich liebe alle Tasteninstrumente. Aufgrund der Hitze habe ich meist barfuß gespielt.

Ich liebe es, dass der Mensch auf Vollkommenheit angelegt ist, Proportionen, Verhältnisse, das universale System. Es war sehr schön, italienische Orgelbauwerkstätten kennenzulernen.

Mir gefallen die Filme Yaya con Dios und Was auch geschehen mag und Das Leben ist schön.

24. Juni 2019

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Pizzo Vibo, Italien

In Italien war ich nun schon so ziemlich überall (genau wie in den USA und Europa, besonders Schweiz, Österreich, Skandinavien, Deutschland, Osteuropa): In der Mitte (Toskana, Rom, Neapel in Kampanien, Cesenatico, mein Kindheitsurlaubsort, weiter runter nach Venedig und Venetien, auf der Insel Sardinien bei Korsika) und im Norden, Milano, Florenz, Bozen… Natürlich war ich auch schon in Südtirol, am Gardasee, an der Adria. Nun auch in Kalabrien, Sizilien (nur die Meerenge nach Messina, der schmutzigen Großstadt) im Süden, fast bei Afrika, „an der Spitze des Schuhs“ :). Süditalien liebe ich sehr: Berge, Meer, Serpentinen, Farben, der chaotische, wilde Verkehr.  

Gern möchte ich noch die Gegenden Molise, Latium, Umbrien und Abruzzen mehr kennenlernen. Und im Vatikan war ich auch noch nie. Hier habe ich aber viel Schlimmes gehört: Frauenfeindlichkeit, homosexuelle „Elite“, Parties mit „Boys“ etc. Was sagt nur der Papst dazu? Es geht wohl viel um Macht und Geld. Beispielsweise kann man dort für 15.000 € eine Ehe annullieren lassen, wie mir jemand aus eigener Erfahrung berichtete. Unfassbar. In Italien gibt es wohl auch in der Orgelwelt eine starke frauenfeindliche, homosexuelle „Orgel-Elite“.

Mir hat in Pizzo in Calabria die Piedigrotta besonders gut gefallen mit ihren Steinfiguren und sanften, lokalen und geheimen Buchten mit klarem Wasser. Auch dass in den Gärten in Öfen und Grills, die wie kleine Häuschen aussehen, Pizza selbst gemacht wird, so lecker, ich habe einige Ann-Helena Calabrese selbst kreiert mit Mozzarella, Oliven, den frischen Pfefferschoten (dem roten Symbol von Kalabrien), Basilikum, italienischer, scharfer Wurst und roten Zwiebeln in allen Größen. Dazu frische selbst frittierte Zwiebelburger und Zwiebelfritten, Salat, Eierkuchen, Wein und Prosecco – in der Orgel-Factuary Salvatore Pronesti. 

23. Juni 2019

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Sizilien

Es war schön, mit der Fähre zu fahren, von Villa S. Giovanni nach Messina, obwohl ab Messina Marittima die Großstadt chaotisch und schmutzig wirkte, von Bettlern durchsiebt, man konnte kaum die Straße überqueren, ohne Angst vor dem Verkehr zu haben, da es kaum Ampeln gab. Jedoch blieb das Meer wunderschön, und der Dom mit seiner größten Orgel in Sizilien und fünf Manualen war spannend, der Platz und der Turm, das Theater und die Aussichten der Stadt. 

Die Kunst an sich hat einen Generalbass, eine lodernde Matrix, eine Sequenz.

22. Juni 2019

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Heilbronn

Das Konzert in der Harmonie war sehr schön. Ich kam zuvor von Hannover. Dennoch hat es zeitlich gut geklappt. Ein Wunder der Zeitgleichheit, und dank der ICE, der Bahn, über die sonst jeder schimpft. Wer von Stuttgart über Würzburg nach Hannover und dann nach Heilbronn reisen muss, ist froh, dass die Zeit stehen bleibt, wo sie ist. Ich freue mich aber immer, wenn ich Menschen auf der Bühne mit Fuge begeistern kann, mit Musik, mit vibrierender Leidenschaft. Ich bin geradezu auf die Bühne gesprungen.

16. Juni 2019

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Neue Bach-CD im Class: aktuell

Freue mich über die Rezensionen zu meiner neuen Bach-CD im Class: aktuell; es ist mein zweites Solo-Album bei Classic Hänssler; gestern in der „Crescendo“.

Üben ist ein Denksportspiel. Aber im Üben schildere ich auch meine Geschichten und Gefühle – auch und zuerst für mich. Ich lote meine Grenzen aus, Kontraste. Nachtfantasien, aber auch Einfachheit, Menschlichkeit, Frisches, Juwelen, Farben, Erbe, Unvergessenes, Klangwolken, Schweigen und Humor. Üben ist der Soundtrack zu meinen Gedanken.