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Ann-Helena Schlüter

7. November 2020

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Kreativität ist mein Lebenselixier. (AHS)

Schade, dass ich heute in Hannover nicht konzertieren kann wegen der Pandemie. Nicht jedes Konzert kann als musikalische Andacht umgetauft werden.

Ich freue mich, dass die Anthologie des Ulrich Grasnick-Lyrikpreises heute angekommen ist, mit Belegexemplare für mich.

Das Symposium, wie man Musik älteren Leuten anbietet, Pflicht im Rahmen der Promotion, ins Innsbruck via Webex war und ist interessant. Weiter hatte ich sehr wichtige Zoom-Meetings.

6. November 2020

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Eingekehrt bist du bei mir,
du  Zuversichtler, du Fernegott.
Doch nah bist du und täglich hier,
für immer und nimmer nie fort. (AHS)

Heiliger Geist von Bach, ich liebe die Absprache, die Stimmkreuzungen. Ich bewundere Pieters ruhige, konzentrierte Art. Er hat mit den besten Weg gefunden, mit dieser Welt und mit Musik umzugehen. Ich suche noch.

Anbei:

Management Böttger / AHS

Mag sein, dass mein Blog vielen zu direkt ist. Aber ich bin offen, ehrlich und mutig und berichte mit meinem Namen und nie hintenrum. Ich halte es für wichtig, der Welt meine Version der Geschichte zu erzählen. Nicht, weil ich keine Fehler habe. Ich mache jeden Tag Fehler. Doch viel zu oft wird diese Welt aus Männersicht festgehalten. Ich hoffe, dass mein Blog eines Tages eine Hilfe ist, zu verstehen. Und um Fakten festzuhalten. Hierfür habe ich eine gute Beobachtungsgabe, schriftstellerisches Talent, Mut und Energie geschenkt bekommen. Warum nicht nutzen für diesen guten Zweck? Ich glaube, die meisten Künstler sind ein Stück weit selbstverliebt, um sich selbst bei der Stange zu halten und sich selbst zu ermutigen. Es ist eine Art Selbstschutz, die Berufung zu schützen, wie einen Spatz in der Hand oder in einer Futterkrippe. Schämen sollten sich Kunstbanausen, die keine Liebe zur Musik haben.

Hier wurde mir gerade einer der Berichte über folgende Altherren zugemailt: Mobbing im Orgelforum. Was mich stutzig macht: Es tummeln sich auch Menschen wie Küchler-Blessing schon lange in diesem Forum (Forum siehe obiger Link), in dem, wie einige hoffen, unerkannt über andere hergezogen werden kann. „Kirchenmusiker“ sind hier dabei, die anonyme Kommentare schreiben, anstatt direkt und mutig wie ich zu sagen, was sie meinen und was ihnen nicht passt. Kein Aushängeschild für die Kirche, der Kirche unwürdig, so ein Forum und so ein Verhalten. Eine Männertruppe, einige bekennend homosexuell oder bisexuell, viele Hilfsorganisten, die mehr Zeit für mich verwenden als meine Fans. Haß-Fans. Ich habe nichts gegen homosexuelle Menschen. Das Forum ist ein Ann-Helena-Läster- Forum geworden. Viele darin kommen mir psychisch labil oder krank vor. Vielleicht fühlen sie sich unterdrückt in anderen Lebensbereichen. Damit meine ich nicht, dass es falsch wäre, manchmal labil zu sein, das ist jeder von Zeit zu Zeit. Sondern ich meine einen ungefestigten Charakter, Menschen, die in ihrem Vorgehen primitiv sind.

Es sind Leute dabei, die bei einer Bank arbeiten oder in einem Seniorenheim oder Krankenhaus oder Anwaltsbüro oder sonst wo und die sich überhaupt nicht vorstellen können, wie es ist, von der Kunst zu leben. Die so weit entfernt davon sind, von der Musik zu leben wie der Mond von der Sonne. Denn von Musik zu leben ist nicht leicht. Anstatt sich über jeden zu freuen, der von der Kunst lebt und das zu unterstützen, jeden Künstler im eigenen Land, denn welche Frau lebt schon von der Kunst, schäumen sie vor Gift und Galle, um am nächsten Tag wieder bequem und sicher hinter ihrem Bankschalter oder im gutbürgerlichen Anwaltssessel 9-5 zu sitzen. Oder in ihrem Kirchenbüro. 

Heute war ich beim Friseur.
Wien wurde leider auf den 23.4.21 verlegt.
Noch immer ersticke ich unter der Maske. Wie schaffen das die anderen? Ich glaube, extrovertierte Vielatmer wie ich schaffen das kaum mit der Maske und leiden. Atem ist so wichtig. 

5. November 2020

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Je größer die Orgel, desto zärtlicher muss man sie spielen. (AHS) #afterconcert

Und dabei meinen manche, es wäre genau anders herum. Dass man schlagen müsse. Dass zur großen Orgel Mut gehöre. Aber ich glaube, dass Mut und Zärtlichkeit zusammengehören. Oder besser: Lieblichkeit und Sound. Und die Zärtlichkeit ist im Anschlag. Im Atem.

8fuss.de Orgel-Podcast mit Ann-Helena Schlüter  – das Rennauto in der Fabrik 🙂

Wichtig finde ich, eine Liebesbeziehung zu einem Stück zu haben, nicht nur eine Arbeitsbeziehung. Oder sagen wir so, eine Liebesbeziehung zum Komponisten. Zu Bach. Ich kann sagen, dass ich glaube, dass Bach mich gemocht hätte. Wenn ich ein neues Werk von ihm spiele, ist es wieder wie ein neues Date mit ihm.

Die Arbeitsbeziehung darf die Liebesbeziehung nicht erdrücken.

Orgelspielen ist nicht Langsamspielen. Als Rennwagen muss ich jedoch das Tempo der Zärtlichkeit der Orgel gegenüber anpassen, denn das richtige Tempo ist Exzellenz. Die Lieblichkeit federt das Tempo ab.

youtube Ann-Helena

4. November 2020

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Die einzig wahre Traurigkeit ist das Fehlen der Sehnsucht. (Charles-Ferdinand Ramuz)

Das Interview im Orgelpodcast war sehr schön, sehr lustig mit Benjamin Hartwich. Zwischendurch habe ich mich kaputtgelacht.

Ich bin dankbar, dass Gott mir kurz vor dem erneuten Lockdown sehr viel Möglichkeiten gab, zu konzertieren und aufzunehmen. Ich hatte am Tag vor dem erneuten Lockdown sogar mal wieder zwei Konzerte an einem Tag, und davor die tollsten, verschiedensten Orgeln in kurzer Zeit mit wunderbaren Aufnahmen. Es war zwar etwas Stress. Aber mit dem Wissen, dass dann wieder Berufsverbot eintrudelt, habe ich den gern in Kauf genommen. Man lernt die wunderbarsten Menschen und Gegenden beim Reisen und Konzertieren kennen, erlebt Bewunderung und Berufung. Dafür bin ich dankbar. Jetzt im November ist fast alles abgesagt worden. Schade. Es waren tolle Sachen dabei. Was nun im Dezember ist, weiß ich nicht. Aber sicher ist es auch mal gut, etwas zur Ruhe zu kommen und neues, wichtiges Repertoire in ganzer Ruhe einzustudieren.

Ich hoffe, dass es klappt, dass der Literaturwettbewerb in Österreich stattfinden kann, bei Wien. Hier sollen die Finalisten vorlesen wegen Preisen. Die Podcasts, Zooms und Interviews finden ja dennoch weiter statt.

Anbei ein weiteres Interview mit mir:

BOEGAZIN 2020 Interview

Diesen Tag möchte ich Silvia Seidel widmen, die sich das Leben nahm. Eine wunderschöne Frau, die mit dieser Welt nicht klar kam, was sie sehr sympathisch macht – jedoch wäre es noch wichtiger gewesen, sie wäre geblieben.

Konzert Wilhelmshaven

3. November 2020

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Liszt Ad nos – zwei Fassungen: Goll-Orgel 2020 und Sauer-Orgel 2020:

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Anbei zwei unterschiedliche Liszt-Fassungen:

Hannover und Mönchengladbach

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Liszt Ad nos

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Liszt B-A-C-H

2. November 2020

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Das Pedal ist der Dirigent. (AHS)

Die Villa Lug ins Land von 1904 hier in Wilhelmshaven mit 450 Quadratmetern und einem sehr schönen Garten, vielen Balkons und einem Teehaus, in dem wir frühstückten, veranstaltet das Klavierfest jedes Jahr. Das Meer ist nur eine Viertelstunde von hier, Jadebusen: Nordsee, mit Ebbe und Flut. Wir waren hier ein wenig spazieren in Sonne und Wind. Nur hier in Wilhelmshaven gibt es einen sogenannten Südstrand an der Nordsee. Hinter dem Jadebusen kommen die Inseln. Ich liebe die Inseln an der Nordsee und kenne viele gut, besonders Langeoog. Nach dem Konzert gestern kam eine Dame und flüsterte mir ins Ohr: Gott schütze Sie, und drückte mir einen kleinen Engel aus Marmor in die Hand und verschwand.

Vor allem meine eigenen Werke kamen sehr gut an. Ich finde, meine Art zu komponieren und zu improvisieren hat sich durch die Orgel verändert, mein gesamtes Klavierspiel hat von der Orgel profitiert. Ich bin ruhiger, tiefer, habe das Pedal – das Orgel-Pedal – im Herzen, während ich am Klavier konzertiere. Etwas nie vorher dagewesenes für mich! Es ist eine Revolution, diese Veränderung durch die Orgel zu spüren. Besonders nachhaltig nach den vielen Orgelkonzerten.

Ich habe auch das Haus des ehemaligen Orgelbaus Führer gesehen hier in Wilhelmshaven. Was für wundervolle Orgeln haben diese gemacht! Und nun? Sind sie verschwunden? Dass einer der Verantwortlichen seinem Leben eine neue Wende gab, indem er die Familie für eine andere Frau verließ, war eventuell nicht unbedingt hilfreich für den Fortbestand von Orgelbau Führer. Schade!

Wundervoll war gestern die Clewing Orgel (1898) in Hünhan in Osthessen. Ich bin um sieben Uhr aufgestanden, in meiner kleinen Kammer im Priesterseminar (ein wunderschönes Riesen-Gebäude mit wunderbaren Sälen und Öfen) nach der Nacht an der Dom-Orgel, um diese Orgelschätze in Hessen bewundern zu können. Eine hochromantische Orgel, die mich an die Walcker-Orgel in Hoffenheim erinnerte, auch optisch. Die kleine Kirche ist ein kleines Wunderwerk, die mich wiederum als eine Art Miniformat des Doms zu Kevelaer erinnert hat, ein warm-bunter Nazarener-Stil (wie Jugendstil), wie in einer Weihnachtskugel. Wer kennt Clewing-Orgeln? Ein Genie. Wer kennt diese Kirche? Ein Schmuckstück. Ein lokales Kunstwerk in jeder Hinsicht, kaum beachtet, kaum bekannt. Ich hoffe, dass ich zur Bekanntheit dieser wundervollen Orgel mit beitragen kann und bin dankbar, dass Thorsten Pirkl solche Orgeln vorstellt und dokumentiert.

Fraurombach sehen wir uns noch an. Sehr schön sind auch die Kreienbrink Orgel (1965), neobarock, in Steinbach und die wunderschöne, romantische Euler-Orgel (1888) in Burghaun. Ich freue mich auf meine Konzerte dort im März. Die Orgelbank an dieser Euler-Orgel wackelt und steht senkrecht dicht an der Orgelwand, so dass man fürchterlich unbequem sitzt. Für große Männer ist es noch schlimmer, da sie mit dem Kopf gegen die Wandbrüstung kommen. Das wenigstens war bei mir nicht der Fall. Dennoch schaukelt die Bank beim Pedalspiel bedenklich. Doch sind die bunten Registerzüge (an Walcker erinnernd) ein Augenschmaus.

Achtung: Wenn jemand eine Fetzen Signier bestellt, dann sage ich: Nur, wenn eine CD mit bestellt wird.

Nun zu etwas anderem: Noch vor wenigen Jahren war sexueller Übergriff nicht mal eine eigenständige Straftat, und auch heute, nach me too, werden viele Fälle eingestellt, wie ich las. Das Rechtssystem ist nach wie vor ein Männer-„Recht“-System.

Dabei würde ich sagen, es sollte noch eine andere Sache eine Straftat werden: Es gibt emotional-sexuelle Übergriffe, das heißt, verbale und auch berufliche Übergriffe, die vor allem sexuell motiviert sind, also nicht mal „nur“ sexistisch, sondern sexuell. Das heißt, manche Männer schreiben, reden, reagieren und agieren auf und mit Frauen auf eine sexuell motiviert Weise, wie sie nie mit anderen Männern reden, agieren und schreiben würden. Und zwar auf eine negativ-sexuelle Weise, vor allem, wenn die jeweilige Frau für sie nicht verfügbar ist, dennoch interessant ist, oder sie gegen ihren Willen fasziniert und vor allem, wenn sie sich unterlegen fühlen, was Wut oder Frust oder Unsicherheit auslöst, oder wenn ein Mann gewisse sexuelle Gefühle nicht kontrollieren kann. Diese emotional-sexuelle Übergriffigkeit, die dann folgt, kann für Frauen negative Folgen haben, auch in der Kommunikation.

Und dennoch ist me too für manche Männer noch immer mit Spott-Gefühlen verbunden. Ich betone hier, dass es leider auch Frauen gibt, die andere Frauen nicht unterstützen.

Ich muss sagen, dass sehr viele Unterstützer in meinem Leben Männer sind. Das heißt, es sind auf der einen Seite Männer, die mich unterstützen, und auf der anderen Seite Männer, die mir schaden wollen. Es ist für mich nicht leicht, das zu verarbeiten. Viele Frauen dagegen hängen sich gern in den Windschatten von Männern; daher ist auf ihre Unterstützung wenig zu hoffen. Man muss als Frau eine weiblich-eigene Unabhängigkeit selbst 2020 noch erkämpfen.

Ich kann allerdings verstehen, dass es vielen Männern schwer fällt, meinen Lebenslauf nachzuvollziehen, weil er sehr ungewöhnlich ist.

Erstes Stade-Video:

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31. Oktober 2020

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Gesegneter Reformationstag 2020!

Die Kritik, die Wolfgang Gourgé exklusiv für das Pfeifenorgelforum.net schrieb, war ganz gut. Merci! Allerdings weiß ich, dass er aktiv in diesem Pfeifenorgelforum.net ist, indem sehr viel gelästert wird. Gourgé scheint zudem mit Karl-Bernhardin Kropf und anderen, die lästern, in engem Kontakt zu sein. Wichtig ist bei seinem Bericht zu korrigieren: Die italienische Orgel ist von einer Frau gestiftet bzw. entliehen. Und Muffat (süddeutsch wie ich) ist spektakulär, wird nämlich äußerst selten im Norden gespielt, Buxtehude und Lübeck dafür rauf und runter. Warum sollte ich das wiederholen? Ich mag gern besondere Programme auswählen, die eben nicht so von anderen dargeboten werden. Die Frage ist auch immer: Was ist spektakulär? Dass ich „Spektakuläres“ spielen kann, ist wohl klar, siehe Liszt Ad nos oder Liszt h-Moll-Sonate. Aber die Mischung Muffat, Mozart, Schlüter ist an einer Huß-Schnitger-Orgel eher außergewöhnlich.

Ebenso speziell ist Mozart. Wer spielt schon Mozart an einer Schnitger? Und noch dazu ist es mindestens genauso schwer wie Buxtehude.

Aber es hat mich gefreut, was er zu meiner Registrierung, Farben, Art der Überlegung und zu meinem Werk geschrieben hat. Denn es stimmt: Die Orgel ist nicht so leicht zu handeln. Sie ist eigenwillig. Wie ich. Eine Diva. Das gefällt mir. Ich mag Diven. Außer männliche Diven. Die mag ich nicht.

Gestern durfte ich auf der wunderschönen Philipp Furtwängler-Orgel in Buxtehude hier im Alten Land spielen, in dem es von wundervollen historischen Orgeln nur so wimmelt.

Was für ein Instrument! Hoch ragt es zart und spitz wie ein Schmuckstück auf, optisch völlig anders als Huß-Schnitger im nahen Stade. Furtwängler war ursprünglich Uhrmacher, das sieht man an der Orgel, und das meine ich positiv: Sie hat etwas von einer frühromantischen Orgel-Rolex. Früher, vor dem Brand, als der Blitz in den Turm einschlug (was auch noch heute geschieht), stand dort eine große Schnitger. Sie wurde zerstört. Furtwängler nun, von Schnitger beeinflusst, nutzte sein Wissen: Es sind im Grunde zwei Orgeln in einer, eine Schnitger-inspirierte als Basis und eine frühromantische mit wunderschönen 8-Füßen dazu. Hier werde ich bald Liszt Ad nos, Bach Heiliger Geist und eigene Werke spielen. Der Spieltisch erinnert mich sehr an Ladegast, ebenso die schwarzen Registerköpfe, rund, und auch noch mit Goldkringel.

Ich mag die Tastatur, sie erinnert mich an meine alten Klaviere, als ich Kind war: Uneben, formig, eigenwillig. Völlig anders als die Tastatur eines Steinways, aber pianistisch. Das Pedal ist radial, aus Holz und speziell; das Fernwerk recht weit weg. Aber alles nach Huß-Schnitger in Stade erscheint leicht zu spielen. Das Pedal besitzt zwei Mechanismen, so dass man ein erstes und ein zweites Pedal einstellen kann als eine Art Spielhilfe, um von leise zu laut durch einen (recht lauten) Registerzug sofort wechseln zu können, beispielsweise im Choral. Von Steinmeyer bin ich auch an Radial-Pedale gewöhnt, wobei ich die andere Sorte Pedal lieber mag.

Kein Schweller, keine Setzeranlage, keine Setzerhilfen (bis auf eine spezielle im Pedal), alles voll mechanisch mit den entsprechenden Nebengeräuschen und entsprechend schwergängig, was ich mag (und die Nebengeräusche, die man unten jedoch kaum hört). Jedoch sollte man alles so zart behandeln, dass die Nebengeräusche auf das Unvermeidliche begrenzt werden. Das HW ist unten und besitzt eine tiefe Mixtur wie St. Katharine Hamburg – die natürlich viel größer ist mit viel mehr Zungen und Registern – , zu der man auch hier den 16-Fuß ziehen muss. Jedes Werk hat auch hier zumindest einen 16-Fuß.

4 Zungen insgesamt. Furtwängler war nicht der aktivste Zungenbauer. Aber ich mag die „bäuerliche“ Posaune 16-Fuß im Pedal. Die Zungen sind völlig anders als in Stade mit Krummhorn, Dulzian und Trechterregal. Hier sind es Trompeten.

Das 2. Manual besitzt eine hohe Mixtur und ein tiefes Scharff. Die Zimbel ist eine Klangkrone, die man ganz zum Schluss nimmt, zum Beispiel im Choral am Ende von Ad nos. Typisch und einzigartig für Furtwängler ist Spitzig, eine wunderschöne Klangkrone mit Oktave und Terz. Wunderbar ist im Fernwerk die Gambe 16 Fuß (sehr selten), alle wunderschönen 8-Füße im zweiten Manual wie Gambe, Flöte, Gedackt. Man sollte die 8-Füße nicht alle zusammen ziehen unbedingt, sondern eine delikate, bewusste Auswahl treffen, was wo am besten passt. Die Pedalkoppeln und überhaupt alle nicht ziehen, während man spielt! Und immer zart spielen, um Heuler zu vermeiden. Dies gilt auch für das Pedal. Zum Prospekt: Das HW ist vorne, das 2. Manual steht links dahinter, das Fernwerk rechts. Die Farben im Fernwerk sind perfekt für den 2. Satz Ad nos.

Im Pedal gibt es einen akustischen 32-Fuß, das bedeutet, einen Quintenhals, der, gezogen zu den tiefen Registern, Obertöne eng zusammenzieht, akustisch hörbar macht und eine tiefe, brummende Frequenz generiert. Es gibt nicht wie an der großen St. Katharine 32-Füße. Aber das muss hier auch nicht sein. Die Akustik trägt wundervoll, eine sehr schön angelegte Kirche mit einem wundervollen Kirchenraum. Es ist die zweitgrößte Furtwängler, nur sechs Register weniger als Gronau, jedoch mit einer viel besseren Akustik.

Die Register (alles ohne Zahlen) des Fernwerks sind rechts – dort verwendet man am besten gelbe Blättchen, links rosa. Man kann also nach einem gewissen System für die beiden Registranten agieren: 31 gelb bedeutet: 3. Reihe rechts, erster Registerzug.

Nun bin ich im ICE nach Fulda zum nächsten Konzert. Ich übernachte im Priesterseminar in Fulda. Ich bin ja gespannt. Ich bin ja das Gegenteil von katholischen Priestern, nämlich eine evangelische Frau. Nunja. Dieser Wechsel von Fuß-Schnitger zu Furtwängler zu Rieger innerhalb kürzester Zeit, das ist einfach pures Abenteuer, was mich glücklich macht. Morgen zeigt mir Thorsten Pirkl exklusiv seine Lieblingsorgeln der Gegend. Dafür stehe ich schon um 7 Uhr auf, da das Konzert ja schon um 12 Uhr ist. Was tut man nicht alles für die Orgel. Orgel-LOVE.

Ich freue mich, dass ich gefragt wurde, dieses Lied/Video öffentlich abspielen zu dürfen:

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30. Oktober 2020

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Kunst und Musik entstehen auf Umwegen. (AHS)

Das Konzert war sehr schön. In meinem Stück konnte ich wiederum Kontraste ziehen zum flötigen Scarlatti, Mozart, Rathgeber. Schön war, dass die Tageslosung der Kirche zufällig Sehnsucht als Thema hatte – genau der Titel meines Stückes. Martin hat sehr schön gelesen. Worte dieser Art inspirieren mich sehr. Ich konnte mich hinterher in die Orgel versenken.

Wenn man in Cosmae gut spielen kann, dann in Wilhadi erst recht, denn es ist butterweich, dort zu spielen. Das Hotel liegt direkt bei Wilhadi, und ich kann die mächtige, schöne Kirche vom Fenster aus sehen.

Musik ist Leben und nicht Überleben. Kein Formel 1, kein Rasen. Die Orgel vermittelt mir genau das, sie kommuniziert und reagiert. Sie sagt mir, was sie mag und was sie nicht mag. Ich muss hören. Ich liebe das sprechende Spiel. Und dass das Pedal der Dirigent ist. Im Grunde ist es so, als hätte ich lange die Früchte von Bäumen gegessen, die im Garten X stehen (Klavier). Und nun lerne ich die Früchte im Garten Y kennen (Orgel). Die habe ich aus der Ferne immer nur geahnt. Und plötzlich kenne ich beide Früchte und beide Gärten. Sie sind nicht nur verschieden, sie sind konträr. Und genau das, dieses Konträre, eröffnet einen dritten Garten. Dieses Konträre eröffnet einen Garten der Einheit, ein XY. Und daraus ergeben sich unglaubliche Möglichkeiten. Ich stehe noch im Tor. Und es ist schwer. Nicht, weil es aktiv schwer ist. Es ist mehr deswegen schwer, weil es zwar nicht passiv, aber ruhig ist. Ruhig, zart und delikat. Bevor X und Y nicht verbunden werden, stoßen sie sich eher ab. Dieses Abstoßen zu überwinden, das ist das Programm. Ein neues Herz. Ein neues Organ. Neues Blut. Mein Immunsystem muss es annehmen. Dass die Orgel eine solch mächtige Lehrerin sein könnte, wer hätte das gedacht. Sie vermittelt mir eine unglaubliche Ruhe und Majestät, wie ein Baum, wie ein großer Vogel, der seine Fittiche ausbreitet. Sie mag mich. Ich merke das. Ich fühle mich geborgen bei ihr. Sie ist geheimnisvoll, sensibel, zart, flötend, farbig, wunderschön, und sie sagt: Ich habe lieb die Stätte deines Hauses, Herr. Und ja, auch ich habe diese Stätte lieb. Wir sind uns einig, die Orgel und ich. Wir haben den gleichen Ort, das gleiche Ziel: Anbetung. Worship.

Morgen kommt wohl schon ein neues Stade-Video.

Anbei Früchte aus dem Garten X ( = Klavier):

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Anbei die neue Presse 44. Bochum Orgeltage:

 

Presse 44. Bochumer Orgeltage 2020

29. Oktober 2020

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Musik die Resonanzquelle Nummer 1. (Hartmut Rosa)

Die Aufnahmen hier in Stade sind sehr schön geworden, wir sind durch ein großes Programm recht schnell durchgekommen: Scarlatti, Bach, Rathgeber, Mozart, Schlüter, Muffat Sohn und Vater, Reincken, Knecht – und Weihnachtslieder. Die Glocken kamen immer im richtigen Moment. Die Dohlen waren leise. Die etwas sperrige Höhe der Tasten ist spannend; und auch der Winkel, in dem man sitzt, vor allem, was das 3. Manual angeht, lässt nur Konzentration zu. Und die kurze Oktave mit all den Konsequenzen darf man nicht vergessen. Und alles zart, damit nichts hängt. Was warm und gut klingt, ist Mendelssohn, habe ich noch nicht aufgenommen. Ich habe den ganzen Tag an der Orgel gesessen. Sie macht süchtig. Hinterher verlässt man sie im Delirium. Auch die italienische Orgel mit den drei Vögelchen hat mir sehr gut gefallen. Wie in Heiligenhafen (200 km von hier, Konzert) hängt hier ein riesiges Segelschiff von der Decke. Ich fühle mich heimisch, wenn es Meer, Hafen und Schiffe gibt. Dann spüre ich mein Wikingerblut. Morgen Zoom an der Orgel und um 16 Uhr Konzert. Dann darf ich am Freitag die wunderschöne Furtwängler-Orgel in Buxtehude hier nebenan spielen. Ich freue mich sehr. Und dann ab nach Fulda. Es sind so unterschiedliche Orgeln, in Hannover, Hamburg, Stade, Fulda, Buxtehude, Mönchengladbach… es ist für mich ein Erlebnis, diese motorisch zu erfühlen und klanglich zu verarbeiten. Ich merke, dass ich Klänge wie Farben verarbeite. Gehirnforscher hätten an mir wohl Spannendes zu entdecken.

Kristalle ist fertig und wird im Dezember in Druck gehen (Furore Verlag Kassel). Ich freue mich.

Nicht so empfehlen kann ich das Sakralorgelforum, in dem es zu wenig um sakral = Musik und Kunst und Gott geht.

Wie schreibt das BOEGAZIN 2020? Sie würden keine Künstlerin kennen, die in diesen Zeiten so viel unterwegs sei. Ich sei ein Segenskind, ein Sonntagskind der Musik.

Ich bin gespannt, wie es weiter geht. Man hört ja wieder so einiges… Ob es mit dieser Zeit zusammenhängt, dass viele Menschen aggressiv sind? Es sind seltsame Zeiten. In diesen Zeiten und Krisen kann man entdecken, wie andere sind, wie man selbst ist.

Vielen Dank auch für eure Bestellungen in meinem Shop.