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13. April 2021

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Tradition ist nicht das Halten der Asche, sondern das Weitergeben der Flamme. (Morus)

Das verstehen viele nicht.

Als Musikerin und Influencerin ist es wichtig, sowohl praktisch begabt zu sein als auch abstrakt denken zu können. Beides.

Heute empfehle ich Elsa Bernstein, Literatin, und Deborah Barnhart, NASA, und Anne Schwanewilms (Oper). Frauen auf Weltniveau mag ich, vor allem Senkrechtstarterinnen.

Es ist absolut unmöglich für mich, Atheistin zu werden. Es ist, als müsste ich leugnen, dass es Luft zum Atmen, Musik, Farben gibt. Gott hat mich gefangen, eingenommen, gecatched. Selbst wenn ich ihn hasse, muss ich ihn loben. Da hilft leider nichts dagegen. Er ist Teil meiner DNA geworden. Ich könnte ihn nur loswerden, wenn ich mich, wenn man meine DNA zerstört. Wenn man unter der Erde liegt und sich begraben fühlt, denkt Gott ganz anders: Er hat einen gesät, und das erste Grün bricht hervor.

ps: Wegen Corona kosten Pakete in die USA ab 55 € (nur Premium Versand erlaubt)! Heute ging ein solches los mit meinen CDs an einen amerikanischen Fan.

4. April 2021

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Die gelungenen Formen des In-der-Welt-Seins sind nicht die abgeschnittenen, sondern die verbundenen. (H. Rosa)

Ich bin nicht in Thüringen, sondern in Ost-Sachsen. Und zwar in Bischofswerda, Bautzen, Görlitz und Elstra. Bach war auch in Görlitz. Einmal. Um sich über die Orgel zu beschweren. Mir gefiel alles wunderbar. Ich spielte vor einiger Zeit in Zittau und Herrnhut. Heute war ich zunächst einige Stunden an der wundervollen, seltenen, historischen Abraham Strohbach Orgel 1751-1755 in der ev. St. Michaelis zu Elstra. Sie sieht aus wie eine späte Silbermann, weiß, golden, klingt mit Power, selbe Range, kein d, leichtgängig, sehr gerades Pedal, 2 M. Ich war dort mit Matthias Eisenberg, der sich für sie eingesetzt hat. Strohbach arbeitete in einer Mühle, die haben wir auch besucht. Es ist ein großes Geheimnis, wie er Orgelbau gelernt hat. Anschließend besuchten wir das große schöne Nonnenkloster St. Marienstern mit der Eule-Orgel, die sich links (!) an der Wand befindet. Es gibt hier in der Gegend natürlich sehr viele Eule-Orgeln. Wie fuhren am ehemaligen Wohnhaus/Werkstatt Eule vorbei. Die Region Lausitz ist sorbisch und katholisch, nah an Polen und Tschechien. Abends waren wir im Dom zu Bautzen. Dort spielte in der ellenlangen Ostermesse Matthias Eisenberg an der Kohl-Orgel (romantisch, 2 Manuale). Gegenüber vom Altar steht noch die größere Eule-Orgel.
Ich habe viel von ihm gelernt. Er ist ein besonderer Mensch. Anders als alle konservativen Organisten. Mir tut die unkonventionelle Art gut. Und es ist wirklich lustig und musikalisch. Er hat mir gezeigt, wie man Trio-Sonaten auf einmanualigen Orgeln spielt. Und er spielt mit Socken. Mir gefallen seine Aufnahmen ungemein.
Zuhause hat er u.a. eine unfassbar witzige Allen-Orgel aus den USA, die richtig laut werden kann. Aufgrund bestimmter Ereignisses habe ich meinen Glauben in Gott an Karfreitag abgelegt, weil ich zu erschüttert bin.

Auftritte und Persönlichkeit sind wichtig, die Musik ist nur das i-Tüpfelchen  – ja und nein. Nein, wenn es um Klassik geht. Ja, wenn es um Populärmusik geht. Und ja immer bis zu einem gewissen Grad. In der Öffentlichkeit bekommt “jeder alles mit”.

27. März 2021

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Orgeln unter die Fittiche nehmen. (AHS)

Den Film Die Neunte von Salfati, über Beethoven, finde ich bedenklich, da Beethoven durchgehend als sehr politisch, humanistisch, gar als Freimaurer dargestellt wird. Der Film erscheint mir insgesamt atheistisch. Ich liebe Beethovens Talent, Klänge und mag nicht, wenn Beethoven als politischer Philosoph dargestellt wird. Schiller soll diesem Film nach ebenfalls Freimaurer gewesen sein, er, der Ode an die Freude schrieb. Ich mag Choräle. Ich sehe Beethoven nicht als Politiker.

Der Film Michael Nyman ist, wenn man zuvor Beethoven gehört hat, ein Gruselkabinett für meine Ohren.

Sehr gut ist der Film Spielweisen. Akademie der Künste, Berlin. Interviews mit Schauspielern an Theatern. Genial sind hier Sandra Hüller mit Yvonne Büdenhölzer. Aber auch Signa Köstler und Ulrich Matthes. Man lernt enorm über das Künstlersein. Hervorragend gefilmte Interviews mit weisen Menschen. Alles, was die reden, kenne ich von mir selbst:

  1. “Mutig und frech genug sein, sich anstarren zu lassen.”
  2. “Damit umgehen können, wenn andere Lust daran haben, einen Scheiße zu finden.”
  3. “Dem Publikum die Last der eigenen Emotionen abnehmen.”
  4. “Dass Zuschauer sich so entspannen können, dass sie beim Zuhören abschalten können, dass ihnen plötzlich einfällt, wo sie morgens ihren Füller hingelegt haben.”
  5. “Handwerk und Persönlichkeit.”
  6. “Energie!”
  7. “Es gehören immer zwei Seiten dazu: Der, der gibt, und der, der konsumiert. Wenn der andere die Vision brechen will, dann ist das seine traurige Entscheidung.”

Ich mag Künstler. Sie sind so sensibel. Ich liebe das. Der verletzliche Blick. Kindlich, eitel und größenwahnsinnig. Und gleichzeitig immer auf Schutz angewiesen.

Die Zeit fliegt. Ich arbeite an meiner Doktorarbeit im Bett statt am Tisch. Ich weiß, das macht sonst niemand. Aber ein wenig gemütlich muss es sein. Ich bin von Büchern umgeben. Es ist anstrengend und schlaucht. Ich nutze es auch, meine Bücher zu ordnen. Bin durchgehend gereizt und schlecht gelaunt. Ich muss sagen, es ist wie eine Krankheit. Irgendwie tröstet es mich, ab und zu eine Pause einzulegen und ein YouTube-Video von Kranken anzuhören, die kämpfen. Ich fühle mich genauso. Von manchen Videos bin ich dann aber so geschockt und kann es nicht fassen. Dann bin ich noch depressiver. Ich hoffe sehr, dass es bald fertig wird. Ich weiß noch, wie ich einer Freundin sagte: “Wenn man die Dissertation nicht macht und vor sich herschiebt, altert man”. Sie sagte: “Man altert erst recht, während man sie macht.” Na toll! Ein Lichtblick: Ich unterrichte wahnsinnig gern Orgel. Habe ein paar neue interessierte Kids. Im Gegensatz zum Klavier weiß ich genau, wie es war, als ich es lernte. Das inspiriert mich sehr.

Heute Vertrag Bachfestival und Tagung in München. Und schön ist: Ich habe die Sprache, die man für eine Diss braucht, endlich verstanden. Schwere Geburt für eine Lyrikerin. Es ist eine Sprache, die irgendwie vom Gehirn kommt. Meine andere Sprache kommt von Herz und Niere.

Gedanke 85

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Upprörd Meditation

En storm får kvarnens vingar att vilt gå runt

i nattens mörker, malande intet.  – Du

hålls vaken utav samma lagar.

Gråhajens buk är din svaga lampa.

Diffusa minnen sjunker till havsens djup

och stelnar där till främmande stoder.  – Grön

av alger är din krycka. Den som

vandrar till havs vänder styvnad åter. 

(Thomas Tranströmer, 1954: Dikter)

Aufgewühlte Meditation

Ein Sturm lässt die Schwingen einer Mühle wild herumgehen

in das dunkle, antreibende Nichts der Nacht. – Du

wirst wach gehalten von dem gleichen Gesetz.

Nur der Bauch des Grauhais ist deine schwache Lampe.

Diffuse Erinnerungen sinken in die Tiefe des Meeres

und versteinern dort zu fremden Säulen. – Grün

von Algen ist deine Krücke. Die, die wandert,

bis das Meer sich steif wieder dreht.

(Ann-Helena Schlüter)

20. August 2019

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Dygnkantring 

Stilla vaktar skogsmyran, ser i intet

och intet hörs utom dropp från dunkla

lövverk och det nattliga sorlet djupt i sommarens canyon

Granen står som visaren på ett urverk,

taggig. Myran glöder i bergets skugga.

Fågel skrek! Och äntligen. Långsamt börjar molnforan rulla.

(Thomas Tranströmer)

Horizontlinie

Still wachen Waldameisen, sehen ins Nichts

hinein. Und nichts zu hören außer das Tropfen aus dem dunklen

Laubwerk und das nächtliche Säuseln tief im Canyon des Sommers.

Die Tannen stehen als Zeiger des Uhrwerks,

zackig. Die Ameisen glühen im Schatten des Berges.

Vogelschrei! Und endlich.

Langsam beginnt der Wolkendeich schräg zu rollen.

(Ann-Helena Schlüter)

Sammanhang

 Se det gråa trädet. Himlen runnit

genom dess fibrer ned i jorden –

bara en skrumpen sky är kvar när

jorden druckit. Stulen rymd

vrides i flätverket av rötter, tvinnas

till grönska.  – Det korta ögenblicken

av frihet stiger ur oss, virvlar

genom parcernas blod och vidare.

(Thomas Tranströmer, 1996: Dikter)

Zusammenhang

So der graue Baum. Der Himmel geflossen

durch dessen Rindstücke hinab tief in die Erde –

nur ein Stück Himmel ist übrig,

wenn die Erde trinkt. Gestohlener Raum

gedreht in ein Flechtwerk von Wurzeln, eingezwirbelt

ins Grün.  – Der kurze Augenblick

von Freiheit steigt auch aus uns, wirbelt

durch Zellen, Blut und weiter.

(Ann-Helena Schlüter)

Ich liebe die Gedichte Tranströmers! Es gibt Leute, die verstehen kein Wort. Dabei habe ich das Gefühl, mit jedem Gedicht erzählt er eine ganze Geschichte voller Weisheit und Gefühl.

1. April 2018

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Nürnberg Niemöller und Martinskirche

Ich freue mich, dass Leguano sowohl die Loops als auch die weißen Amalfi für mich angefertigt hat. Größe 36, mini. 

Ich freue mich auf das nächste Kinderkonzert in der Niemöller-Kirche in Nürnberg und auf die Orgel in der Martinskirche. Heute habe ich auch die Orgel der Katharinen-Kirche Frankfurt besucht und die Goll- und Rieger-Orgel in der Stuttgarter Musikhochschule. 

31. Dezember 2016

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Konzertjahr 2016

Fingersatz ist meine Mathematik.

Ein intensives Jahr, USA, Schweiz – Rapperswil, Haus Wäckerling, Zürichsee, Wittenbach, Aargau, St. Gallen – , Französischer Dom Berlin, Orgelkonzerte München, München-Germering, Lüneburg, Ravensburg, Wilnsdorf, Geiselwind, Stadtoldenburg, Russland, Red Square, Kvasnaya Ploshad, Nordkap, Duokonzerte Frauenliebe mit Kathrin Duschek, und viele Konzerte im deutschsprachigen Raum. Dieses Jahr war ich kaum zuhause und habe eher im ICE gewohnt.

19. Dezember 2015

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Kunst und Energiewerkstatt

Ich bin in meiner Energiewerkstatt, ich laufe dort mit grüner Schürze und Kohle im Gesicht herum. Kaum habe ich 40 Prozent Energie auf Leinwand gebracht, wächst sie schon wieder nach. Ich bin erleichtert, wenn ich energieleichter werde. Mit Kohle zu zeichnen ist eine schnelle, zarte und kraftvolle Angelegenheit. Ich mache die Augen zu, zeichne ganz leicht mit der Kohle auf Papier oder sogar rauer Leinwand, schaue wieder hin, sehe etwas, und das, was ich sehe, male ich. Es kommen erstaunliche Dinge dabei heraus. Ich zeichne mit den Augen und der Imagination.

In dem Film Klang des Herzens heißt es, dass Musik überall um einen herum ist. Ja, wenn ich viele Stunden am Tag übe und den Rest des Tages spüre.

Auch im Malen: Acrylfarbe mit Salz, Sand und Seidenfarbe auf Leinwand zu mischen. Ich genieße eine Fülle von Pinseln. Manchmal kippe ich pure Farbe auf die Leiwand. Improvisieren am Flügel oder auf der Orgel ist, wie Leinwand mit Farbe zu tränken, Salz und Kaffee darauf zu streuen und mit einem dicken Pinsel dazwischen zu tanzen.