Ladegast Orgel Rudolstadt

in ev. Stadtkirche St. Andreas (1636)

Orgelbauer:

Friedrich Ladegast

Baujahr:

1636/1882

Datum des Erstbesuchs:

16. März 2020

Disposition und Spielhilfen

Die Ladegastorgel der Stadtkirche St. Andreas in Rudolstadt. Einweihung der Kirche: 1636
Hauptwerk Manual II C-f”’
Bordun 16′
Principal 8′
Doppelflöte 8′ (*)
Flauto Amabile 8′
Viola di Gamba 8′ (*)
Principal 4′
Gemshorn 4′
Quinte 2 2/3′
Octave 2′
Cornett 2-3fach
Mixtur 4fach
Trompete 8′ (**)
Oberwerk  Manual I  C-f”’
Lieblich Gedackt 16′
Geigenprincipal 8′
Rohrflöte 8′
Salicional 8′ (*)
Octave 4′
Flauto Minor 4′
Progressio 2-4fach
Clarinette 8′ (*)
Echo Manual III C-f”’
Lieblich Gedackt 8′
Flauto traverso 8′
Viola d’amour 8′
Aeoline 8′
Salicional 4′ (*)
Pedal  C-d’
Principalbaß 16′
Violon 16′ (*)
Subbaß 16′
Baßflöte 8′
Cello 8′
Quinte 5 1/3′
Octave 4′
Posaune 16′
Koppeln: III/II, I/II, II/P
Feste Kombinationen: pp, p, mf, f, ff, Auslöser
Prolongement
Walze
Echo mit Tritt schwellbar

= Neubau Firma Eule
** = die heutige Trompete ersetzte 1979 die auf 4′-Länge gekürzte Ladegast-Trompete

Die Ladegastorgel wurde 1882 von Friedrich Ladegast in das historische Gehäuse von 1636 eingebaut mit rein mechanischen Trakturen. Der Sohn Oskar Ladegast versetzte die Orgel im Jahre 1915 teilweise auf den technischen Standard der Zeit, indem er durch Pneumatisierung der Registertraktur Spielhilfen wie feste Kombinationen, sowie eine Walze für eine “zeitgemäße” Dynamik ermöglichte.
Die unter anderem von Albert Schweizer initiierte “Orgelbewegung” strebte eine Erneuerung des Orgelklangs und der Orgeltechnik an.
Der sogenannte “neobarocke” Zeitgeist (nicht zu verwechseln mit dem originalen Klangideal der Barockzeit) führte dazu, dass die romantische Klangebung der Orgel nicht mehr zufrieden stellte.
1949 wurde die Orgel durch die Firma Heintze aus Stadtilm radikal in Richtung neobarocke Orgel umdisponiert. Ein Großteil der Pfeifen wurde gekürzt.
Die Restaurierung der Orgel von 2003 – 2005 wurde durch die Orgelbaufirma Eule aus Bautzen nach modernen denkmalspflegerischen Gesichtspunkten ausgeführt. Jetzt ist die originale Disposition wiederhergestellt. Zusätzlich wurde zur Verringerung des Tastengewichts für die Koppeln ein Barkerhebel eingebaut. 2005 wurde das Instrument durch Frank Bettenhausen im Festgottesdienst eingeweiht.

Neben der Heidecksburg spielte ich in den schönen Kirchen der Gegend. Ich mag die helle „Zur Ehre Gottes“ St. Andreas Kirche, 3-Schiff-Hallenkirche, Langhaus, Renaissance Hochaltar, Engelhimmel, Gemäldesammlung (1636), barocker Altar von Friedemann aus Erfurt, Fürstenstand, Gräber, kleine Orgel im Altarraum, Schmiedearbeit, Sarkophag, großer Mose, Wappen von 1597. Wunderschöne Altstadt am Berg mit Gassensystem.

Einweihung der Kirche: 1636

Die erste Orgel der Kirche: Orgelbau Adam Dietrich um 1636

Orgelneubau: 1882/1883

Friedrich Ladegast: 1879 Vertrag

Ladegast verehrte Silbermann. Die Schleiflade hielt Ladegast für die beste Lade. Die Ronneburg Orgel von 1879 drei Jahre später hat nur Schleifladen. Rudolstadt bekam die moderne Mischform: Kegellade Manuale, Schleifladen Pedal. Aber nur, weil so gewünscht und alle „kegeltoll“ waren, wie Ladegast betonte. 1911: elektrischer Wind-Erzeuger

1906 bekam die Lutherkirche Rudolstadt eine Steinmeyer Orgel mit 27 Registern (Taschenladen), vollpneumatisch. Da nichts Bestand hat, galt Ladegast schon wieder als „altmodisch“. 

Der Sohn Oskar Ladegast erneuerte 1915 die Orgel milde, sie bekam fünf feste Kombinationen und eine pneumatisierte Register-Traktur. Die Herzstücke einer Orgel sind die Windladen.

Doch: 1949:  Heinze: Umdisponierung nach dem Klangideal der Orgelbewegung – das alte Wesen der Orgel war nun nicht mehr erkennbar, sie war entstellt. Ladegast vergessen. Die denkmalwerte Orgel wurde ohne Respekt nach den Moden behandelt. Andere wurden beseitigt. Doch diese wurde wiederbelebt.

Klang & Akustik

Warm, brillant, süffig, bezaubernd Es ist sehr schön in Rudolstadt, ich habe hier jetzt schon das 5. Mal gespielt, auch im Schloss bzw. der Burg. Der sonnige Marktplatz ist voller Brunnen, Stände, Fachwerkhäuser, und ich übernachte im Hotel Adler. Es ist ein sehr schönes, romantisches Zimmer mit dicken, schweren, hellen Vorhängen, was ich liebe. Die große Ladegast-Orgel in der evangelischen St. Andreas mit ihrer schön programmierten Walze (von Frank), Barker und ihrem besonderen originellen Schwellertritt rechts für das dritte Manual liebe ich. Die hohe Kirche mit dem Lebensbaum ist für Erntedank geschmückt. Morgen um 19 Uhr ist das Konzert. Das HW der Orgel befindet sich im 2. Manual. Rechts sind die Register für HW und SW, links für das 1. Manual, Pedal und die Koppeln. Die Walze kann man anhand eines „Thermometers“ links beobachten. Wenn dieses oben anschlägt, ist auch die Mixtur Progressio in Kraft getreten. Zuvor Zungen. Die Setzer pp, p, mf, f und ff sind recht stabil, nur manchmal kann es passieren, dass sie nicht richtig auslösen. Register können sowohl bei diesen Setzern als auch bei der Walze additiv hinzugenommen werden, was gut ist, was man aber planen muss, und so auch bei der historischen Tastenfessel. Die Walze ist leichtgängig, da sie in Metall gelagert ist. Die Walze der Weigle Orgel Mannheim ist wohl in Holz gelagert, dadurch eventuell gequollen und schwergängig geworden. Wichtig beim Walzen ist, präzise und langsam zu walzen, mit ihr zu schwingen. Denn auch die beste „Programmierung“ einer Walze bringt nichts ohne gut gehörtes Walzen. Natürlich ist keine Walze komplett ohne Sprünge, weil es vielleicht keine Orgeldynamik ohne Sprünge gibt? Vielleicht sind Sprünge typisch für Orgel? Eigentlich schade. Aber die Nahtstellen gut hören. Im SW sind Aeoline und die Gedackten besonders schön. Die breiten weißen Tasten erinnern mich an alte Klaviere. Es gibt immer einen visuellen Anzeiger oben, eine Uhr, ein Thermometer, Zahlen oder Lichter. Das hilft. Einen tutti-Knopf gibt es natürlich nicht. Das ist auch nicht nötig. Wichtig ist – trotz der historischen pneumatischen Setzer – alle Klangfarben und ihre Verortungen zu kennen: wo welches Register ist.

Persönliche Note

Eine Orgel mit enormem Charakter.

Hell leuchtend thront sie über einem. Der Spieltisch, mächtig, edel, bemalt, eine Mischung aus majestätisch, kindlich, zärtlich und stark. Wunderbare Kirche, mit großem Altar, Lebensbaum.

Am 20.3. spielte ich ab 10 Uhr dann in der Bachkirche Arnstadt an Wender und Steinmeyer und an der Schuke in der Liebfrauenkirche, dann in der Bachkirche Dornheim an der Schönefeld (über L1048), abends 19 Uhr an der schönen, bemalten, dreimanualigen Ladegast-Orgel von 1636 der evangelischen Stadtkirche St. Andreas Rudolstadt (über die B90), Kantor der sehr nette Frank Bettenhausen. In Rudolstadt, Bad Blankenheim und Saalfeld habe ich schon oft gespielt, Orgelkonzerte und Klavierabende. Mir gefällt die bergige Gegend. Wir übernachteten in Rudolstadt. Überall schöne Schlaflunken in gemütlichen Spelunken.

Ich bin dankbar, diese Orgel kurz vor Corona-Ausbruch hatte spielen zu können. Es war eine echte Begegnung. Die Orgel und ich haben sofort connected. Es war eine Begegnung mitten in der Nacht. Heilig. Und 2021 wieder.

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