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Tourblog

14. November 2021

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Hörende Hand. Raum schaffen im Kopf. (AHS)

Oben: Laurentiuskirche Contwig, morgen bzw heute (Sontag) Konzert dort 17 Uhr

Es war ein schöner Tag (trotz Nieselregen) mit 5 neuen Orgeln. Oliver Duymel zeigte mir die Orgeln der Gegend. Wir waren an der Ott-Orgel (3 M) von 1963, meine 3. oder 4. Ott-Orgel, in der Alexanderkirche Zweibrücken (evangelisch, sehr netter, relaxter Pfarrer), auf dem Bauschutt des zweiten Weltkrieges, neben kath. Heilig Kreuz, wo ich gestern spielte, und neben der schwedischen ev. Karls-Kirche, schwedische Krone an der Pforte, ein Geschenk des schwedischen Königs (keine Orgel) – und nun soll sie verkauft werden, da sie mit 30.000 € pro Jahr an Kosten nicht mehr zu halten sei! Ich sagte, es kommen doch sicher die Schweden zum Gottesdienst? Oliver: Welche Schweden? Wo sollen die herkommen? Aus Ikea? Das einzige, was die Leute hier kennen, ist das Billy-Regal. 

(Schade, dass man bei Ikea keine Schweden kaufen kann…)

Wer kauft eine Kirche? Oh, Holland… 

Wie waren zuvor nebenan in Homburg/Saar in der kath. Rundkirche, der runden Kuppelkirche mit bunten Fenstern, St. Fronleichnam, an der Hugo Mayer Orgel von 1986 (3 M, Koppel-Manual unten). Die Akustik ist krass durch die Rundheit und Kuppel.
An der Orgel direkt geht es. Ansonsten ist die Akustik so irritierend, dass ich dauernd schlucken musste, wie wenn man im Flugzeug, auf dem Berg ist oder unter Wasser. Denn sie warf jedes Wort rund, was erstickend klang. Dennoch faszinierend. Der nette Organist ist 84. Klar, solche Generationen von Kirchenmusikern leben in einer anderen Welt als ich. Für sie ist die Gestaltung eines Gottesdienstes das Wichtigste, nicht Konzerte. Ob ich gleich ein paar Gottesdienste spielen möchte? Nun, für … 20 €? Ähm…

Hugo Mayer ist umstritten hier, was mich überraschte. Aber Gerüchte gibt es nun ja überall… Ob es alles so stimmt? Mit Gerüchten muss man vorsichtig sein. 

Dann waren wir an der hübschen kleinen Oberlinger 1959 (2 M) in Ernstweiler-Zweibrücken, Pfalz, Christuskirche, evangelisch. Sie muss wegen Schimmelbefall behandelt werden. Das ist für mich sehr interessant. Sehr netter Pfarrer.

Es gibt wohl viel Konkurrenz, Necken und Witze zwischen Pfalz und Saarland. Naja, was sich liebt, das neckt sich. 

Morgen berichte ich mehr. Bin müde. Morgen (heute) 17 Konzert. Und frühs spiele ich auch in der kath. Messe. 

Meine Kunstwerke wurden gestern auf Beamer und in den Live-Stream gesetzt. Dazu las ich meine Lyrik und spielte meine Kompositionen. 

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Oberlinger Orgel

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7. November 2021

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Ein Akt der Erkenntnis ist wirklicher als ein Kristall oder Baum. (Guardini)

Foto oben: Dornheim

Es war ein weiterer schöner, voller und anstrengender Tag in Innsbruck. Zunächst: Das goldene Dacherl habe ich wiedergesehen – mit Betonung auf Dacherl – denn es ist ja wirklich nur klein. Aber wertvoll. Jede vergoldende Kupfer-Schindel ist richtig viel wert. Eigentlich heißt es Dachl. Goldenes Dachl: ein Erker in der wunderschönen Altstadt.

Direkt darunter und daneben wird jetzt schon emsig für Weihnachten geschmückt: Der große Weihnachtsbaum steht dort schon. Meinen ersten habe ich dieses Jahr also in Innsbruck gesehen. Und trotz 2 G und Pipapo stehen hier schon alle Buden, Lichter und Deko für den Weihnachtsmarkt. Innsbruck ist ja ohnehin so wahnsinnig schön. Jetzt zusätzlich noch mit Weihnachts-Deko – ein Traum!: Lichterketten und silberne Figuren und heimelige Buden aus Holz… Direkt vom Mozarteum geht man durch das Tor, hin zum Dom, dann beim Dacherl rechts runter zur Anna-Statue, wo die Busse zum Hotel fahren. Überall Hochbetrieb, viele Menschen. Jedes Restaurant pickepacke voll. Wir waren im Himal, Essen aus Nepal. So lecker! Ich war ja schon einige Wochen in Nepal. Und ich liebe Linsen und diesen besonderen Reis.

Innsbruck ist etwas größer als Würzburg. Und eingekesselt ist man von den Bergen (Nord-Bergkette). Wir waren auch oben auf der Hungerburg mit der besonderen Bahn, eine Art Lift. Mein zweites Mal. Oben phantastischer Ausblick auf die schneebedeckten Bergketten und auf den Inn. Es gibt auch eine „Frau Hitt“ und den „Hundskopf“ in den Bergen. Es war ein sonniger, perfekter Tag. Die Wolken hingen schräg. Die Luft ist frisch.
Das Wohnen in Innsbruck soll sehr teuer sein. Die Leute arbeiten für ihre Mieten und leben beengt. Skifahren in Tirol ist ebenfalls teuer. (Ich bin eh keine Skifahrerin. Bin da zu ängstlich.)
Dann den ganzen Tag wieder Doktorandenkolloquium. Bin erschöpft. Denn ich brauche Zeit für mich allein zum Verarbeiten und Nachdenken und für Stille. Die Gruppe pausenlos um mich zu haben, schlaucht mich. Aber alle sehr nett. Viele Tipps und Anregungen. Einige Begriffe hörte ich zum ersten Mal: „Community Music“, „Hilfskulturen“, News beim sogenannten „Klassenmusizieren“ (Bandarbeit, Pop). Auch ich habe meine Arbeit vorgestellt und wertvolle Anregungen zu Methode und Auswertung bekommen. Man kann ja von Geisteswissenschaften halten was man will – aber so eine „Qualifizierungsarbeit“ ist eine „Reifeprüfung“ in Sachen Geduld, Durchhalten, Leidensfähigkeit. Ich bin/war daran gewöhnt, vieles im „Alleingang“ zu entscheiden und auf mich selbst zu hören. Das war schon im Orgelstudium manchmal oder nicht immer gut angekommen. In einer Promotion ist es auch nicht immer willkommen, wenn man sich „entzieht“ und das eigene Ding macht. Dass ich mich entziehe, das wurde mir allgemein schon öfter gesagt in allemöglichen Dingen des Lebens. Allerdings entscheiden künstlerische Menschen gern allein.

Guardini schreibt „Über das Wesen des Kunstwerks“. Sehr interessant. Vielem kann ich zustimmen. Und sehr mag ich Gioconda Belli, eine sinnliche Lyrikerin aus Nicaragua. Sie wohnt in den USA.

Ich berichte morgen weiter.

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6. November 2021

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Ich werde hinaustreten müssen aus dem Kirchenraum, ins Freie. (Johannes Lieder)

Manche Gedanken von Lieder sind gut. Jedoch der Rest der Gedanken ist liberal, finde ich, nach dem Motto: Ich glaube, also ist Gott, vllt. aber auch nicht… Als ob Gott von uns abhängig oder erfunden wäre. 

Es ist sehr nett hier in Innsbruck. Wir sind im 5. Stock im „Haus der Musik“ der Universität Innsbruck, Mozarteum Innsbruck, Department Musikpädagogik, Zweigstelle vom Mozarteum Salzburg. Hier haben wir eine großartige Aussicht rundum auf die Berge von oben aus, da der Raum einen Knick hat. Seit wenigen Tagen haben die Berge Schnee. Schnee!  ❤️ Man denkt, es ist ein Plakat. Beim Üben am Flügel blickte ich auf die Berge, Wolken und die Kirchen. Super Kulisse! Es ist warm hier in Innsbruck, 8 – 10 Grad, ich habe nackte Beine zum Kleid. Und das im November!
Österreich macht ab Montag teilweise dicht, mit 2 G und Dauer-Maske, so wir haben bis Montag noch Luft und Glück gehabt und können uns frei bewegen ohne Maske und sogar Kekse essen. Dennoch ist die scharfe Maske in Österreich Pflicht, die die Ohren abknickt (ich habe kleine Ohren). Ich ertrage das nicht lange.
Ohne Impfpass kommt man hier nicht weit.
Mein Zug fuhr weiter nach Italien. Um nach Bologna einreisen zu können, muß man viele Extra-Papiere vorweisen und sich Sachen downloaden oder vom Handy aus zeigen, keine Ahnung, was alles. Aber ich stieg ja schon in Innsbruck aus. An der Grenze muss man mitten im Zug auf die scharfe Maske umsteigen (Kufstein). Es gibt auch Masken-Spitzl, die mit Röntgenaugen jede Maske ihrer Umgebung kontrollieren. Früher habe ich darauf reagiert. Mittlerweile habe ich nur ein müdes Lächeln dafür übrig. Ich genieße die „Masken-Freigeister“.
Wenn Leute sich pausenlos mit stinkender Desinfektion einreiben, kriege ich meist keine Luft mehr, es riecht nach Chemie. Nach Gift. 

Zurück zu Innsbruck: Alle Leute sind sehr nett. Es macht mir Freude, mit so vielen klugen Leuten in einem Raum zu tun zu haben. Jedes Promotions-Projekt ist spannend und interessant. Sei es Kirchenmusikgeragogik, Online-Proben für Chor, Bachvermittlung, Orgelvermittlung, Popchor usw. Es sind alles gestandene Leute mit Beruf und Karriere. Alle kommen von woanders her. Die Diskussionen sind sehr fruchtbringend. Es sind einige Orchester-und Kirchenmusiker dabei. Kai Koch ist sehr nett. Vechta liegt bei Oldenburg da oben. Er spielte ein Kennenlern-Spiel mit uns. Ich liebe Spiele, es macht Spaß, und man wird warm miteinander. Nebenan probte das Orchester Beethovens 5. Unten ist das Landestheater. Mein Hotel Rufi‘s ist auch schön. 

Mein Konzert / Klavierabend abends war schön. Es war auch etwas Besonderes für mich, da es ein moderiertes Konzert war. Hinterher durften mir die Leute Fragen stellen. Es war sehr voll, da auch viele Studenten des Department gekommen sind. Ich spielte am Bechstein Flügel. Auch was Besonderes, nicht immer nur Steinway. Ich spielte Chopin, Beethoven, Bach. Und vor allem: Sprechen. Mein Thema war: Was macht Bachs Musik so besonders? So anders?
Spielen UND Sprechen ist anstrengend. Aber da ich frei rede und es ist mein Herzensthema ist, sind die meisten Leute sehr berührt.

Neu: Reubke Orgel:

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5. November 2021

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Von niemand wird der Mensch so leicht und so gründlich getäuscht wie von sich selbst. (Nardini)

Morgen früh nach Innsbruck. Ich freue mich auf die Orgeln in Tirol, die Berge, das goldene Dach und mein Konzert. Na, und der Rest ist natürlich Musikpädagogik und Promotion. Bin gespannt auf die Leute aus Vechta. Und auf das schöne Hotel. Früh aufstehen ist nicht gerade immer super. 
Neu:

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Späth Orgel Maikammer, Pfalz, neu restauriert

Ich lese Monika Maron: Flugasche.

Und Carolin Kebekus. Sie schreibt darüber: Eine Frau reicht, mehr brauchen wir nicht – das Gesetz der Männer.

Und über Helena Demuth und über Marx.
Erstaunlich, dass Fehler, Versagen und Erfolg so dicht beieinander liegen und sich beinahe bedingen: Mark Twain zum Beispiel „versagte“ als Unternehmer/ Verleger (mit 60!), unternahm deswegen eine Lese-Weltreise und wurde mit dem Buch darüber berühmt. Unternehmerin sein UND Künstlerin sein ist auch wirklich schwer. Es sind völlig andere Gehirnhälften, Motive, Talente. Eigentlich muss man ein Stück weit crazy sein, um beides zu können.

Neu: Wundervolle Orgeln:

Trost Hesse St. Martini Orgel Greußen (Greussen)

Konzert soon in Zweibrücken

Welches Cover hier unten findet ihr schöner?  Welches CD Cover gefällt euch besser? Durch die Original-Größe meines Gemäldes hat sich der Ausschnitt verschoben:

27. Oktober 2021

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Frauenmorde sind politische Morde, Frauenhass ist eine Waffe. (EMMA)

Foto oben: Schulze Orgel.

Bin etwas erkältet. Stimme tief. Kopf weht. Bisschen Temperatur. Trinke Erdbeer-Sahne-Tee. Und das paar Tage nach meiner Grippeimpfung (für Barmer-Punkte). Hoffe, morgen wieder fit. Am Freitag Konzert will ich komplett fit sein. Leider mache ich selbst angeschlagen nicht viel langsamer. Mein Motor brennt heiß. Aber ich spüre immer, dass mich Gott beschützt. Ein Beispiel: Einmal hatte ich mein ganzes Portemonai vergessen im Zug nach Österreich. Ich wurde auf dem Weg nicht kontrolliert. Nicht mal an der Grenze. Und als ich Hunger hatte, hat mir jemand Brötchen und Kaffee spendiert. Und auf dem Rückweg drückte die Schaffnerin ein Auge zu. So ist Gott. Ein Beschützer. ❤️
Mein Stipendiats-Clavichord von der Deutschen Clavichord Societät DCS wurde heute nach einem Jahr abgeholt. Ein Jahr schon rum! Heiko Hansjosten, der mir das Instrument als ehemaliger Vize vermittelte, von der DCS, und eine Studentin (Korrektur: Ehefrau) holten es bei mir ab. Es ist ein schönes Burkhard Zander, ein Nachbau von Leipzig Nr. 10. C/E – c3 mit kurzer gebrochener Bassoktave, kurze Oktave plus Fis und Gis, Temperatur modifiziert mitteltönig, 2-fach Bindung, D und A bundfrei, ein tolles Instrument, nur der Tastenumfang war zu klein für mich, siehe:

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Aber ich bekomme ja bald mein eigenes großes von Sander. Zwei Manuale und Pedal. Das Specken mit Eibeklaviatur ist wunderbar. Rötlich hell. Farblich eine Wucht. Uiii, Vorfreude.
Heute bekam ich wieder ein künstlerisches Stipendium. Ich freue mich.
Ich lese gerade viel über Albert Schweitzer. Sehr interessant. In einem der Bücher schreibt Hermann Busch bereits 2009 vom dramatischen Rückgang von Kirche und Kirchenmusik, was schon damals von vielen  verdrängt worden sei. Heute ist es eher noch schlimmer und wird noch immer verdrängt. Ich halte die Verkommenheit vieler Kirchenmusiker für den Grund: Neidisch, frauenfeindlich. Es geht nicht um „heilige oder unheilige Orgel“, sondern um heilige oder unheilige Menschen. Und damit ist nicht gemeint, dass „heilig“ konservativ, streng, spießig und männerbevorzugend ist. Sondern barmherzig, freundlich und gläubig. Eine Orgel kann nicht heilig oder wahr oder unwahr sein. Nur Menschen können das. Da lag Schweitzer falsch. Es ist nicht die Konnotation der Orgel oder der Orgelliteratur. Es ist die Atmosphäre der Härte, Kälte, Gleichgültigkeit und des Unglaubens, die nicht einladend ist, egal, welche Orgel. Die Vision eines „heiligen Instruments“ lenkt ab von der Vision Jesu: Die der heiligen Menschen. Denn Orgeln können nicht in den Himmel oder in die Hölle kommen. Menschen schon. Auch wenn das viele Kirchenmusiker nicht glauben. Nun, Schweitzer war Mystiker und Philosoph, vielleicht kein Christ im biblischen Sinne, eher „christlicher Humanist“. Er hatte seine eigene Lehre, seine eigene universelle Ethik, mit der er viel Gutes tat. 

Es ist leichter, „heilige Orgeln“ als „Ideal“ herzustellen und zu wollen als heilige Menschen. Aber was nützt die heiligste Orgel, wenn ein unheiliger Mensch dran sitzt?

Schweitzer war kein Virtuose, aber ich mag seine Aufnahmen.

Neu: Orgel-Information: (ich lerne selbst immer viel dabei) 

Bach Schönefeld Orgel Traukirche Dornheim bei Arnstadt

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Janke Orgel Bückeburg

14. Oktober 2021

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Eine Meisterin der Pfeifen! (Neue Westfälische am 13.10.21 über AHS)

Foto oben: Wenthin Orgel 1818 in Halverde, Ibbenbüren, Westfalen (kath. Peter und Paul) – Dank an Erich Stoffers.

Der Artikel über mich in der Neuen Westfälischen ist eine Seite groß und schön geworden mit Foto, auch wenn manches durcheinander ging (wir waren etwas spät dran).

Ich freue mich, dass auch Erich Stoffers früher bei Audite aufgenommen hat (Schallplatten). Meine CD kommt März 2022. Trost Orgel Waltershausen. ❤️

Wieder daheim!

Anbei neu: Orgel-Information: – viele neue Orgeln –

Klaßmeyer: Raumfüllender, warmer, romantisch grundtöniger Klang. Helle, liebevoll gepflegte Kirche. Enormes Volumen trotz nur 12 Register. Erstaunlich! Auch für Bach geeignet.

Zum Klicken:

Klaßmeyer Orgel Laggenbeck

Klaßmeyer Orgel 1908 in Laggenbeck

Zum Klicken:

Ott Orgel Bad Oeynhausen

Presse Neue Westfälische

Kann man es lesen? Ansonsten: Presse ann-helena 

Steinmann Orgel Ibbenbüren

J.S. Bach – Trio-Sonate d-Moll, Steinmann Orgel Christuskirche Ibbenbüren, NRW, Westfalen, AHS

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12. Oktober 2021

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Willst du eine Raketenfrau kennenlernen? Dann AHS. So was gibt es kein zweites Mal. (Volker Hege)

Ich bin noch gar nicht hinterhergekommen, was ich noch alles erzählen möchte von den letzten vollen Tagen: 9 Orgeln in 3 Tagen! Pickepackevolle Tage! Alles evangelische Kirchen. Von Bielefeld habe ich einen sehr guten Eindruck gewonnen: Eine sehr hübsche große Stadt mit wunderbaren Orgeln und Kirchen und einer sehr netten Innenstadt. Alle reden von der großen Beckerath in Hamburg (war ich auch), dabei hat Bielefeld eine mindestens genauso schöne und große Beckerath, sogar zwei, und Albert Schweitzer spielte an beiden! Von wegen, Bielefeld gibt es nicht. Albert Schweitzer war sogar hier ❤️. Und wer weiß das? NRW darf ruhig mehr Werbung für sich machen. Ich fühlte mich von Albert Schweitzer jedenfalls umhüllt, als ich an der mächtigen (französisch angehauchten) Beckerath 1965 in der ev. Altstädter Nicolaikirche spielte – drei Manuale, das RP über mir (!) – mit dem wertvoll alten Gold-Altar 1554 (Antwerpen, Belgien) hinter mir. Die Klänge des SWs sind wunderbar. Der Schweller selbst ist schwergängig. Super Setzer-Anlage. An dieser Orgel ist alles spielbar. Ich liebe Beckerath. Schon immer. (Seitdem ich Organistin bin.)

Eine Wucht ist auch die kleine Chororgel Beckerath 1954, Schweitzer-Orgel, 2 M. Eine sehr süße und besondere Harfen-Form, zum Knutschen. Obwohl klein, hat sie enormen Wumms. Sehr direkt, sehr glockig, beinahe scharf. Wäre sie größer als die große Schwester gegenüber, sie wäre eine Granate. Eine Klangwaffe. Danke an Daniel Debrow, Volker Hege und Martin Rieker. Schön, wenn man mindestens zu zweit ist in Orgeltouren. Denn ich will nicht nur spielen, sondern auch hören. Warum? Das Hören ist mindestens genauso wichtig wie das Spielen. Nur durch das Hören (viel Hören) erfährt und begreift man Raum und Instrument. Das Wunder Orgel. Und ich bin froh, dass es zumindest ein paar Kantoren gibt, die das begreifen. Man kann gar nicht genug hören. Die Orgel klingt bei jedem anders. (Viele Kantoren kennen ja nicht die Orgel im Nachbarort, kennen keine Zahlen zu ihrer eigenen Orgel und wissen nicht, was Hören ist. Die Orgel ist nur für den Dienst im Gottesdienst da, mehr schlecht als recht, es gibt kein/kaum Literaturspiel. Und wenn, dann kein gutes Niveau. Nur dem Chorleiten gilt das Interesse (Niveau Sonderpädagogik/Sozialarbeit). Kein Interesse, Talent oder Ehrgeiz für Orgel, Registrieren, Klänge, Virtuosität, Üben, Reisen, solistisches oder künstlerisches Instrumentalspiel. Kurz: Das totale Gegenteil zu mir.)

Dann waren wir im Bernstein essen – über den Dächern Bielefelds. Ich sah die Tauben auf der Nicolaikirche und die Sparrenburg erleuchtet. Ich erinnere mich, wie wir auf den Turm der Sparrenburg gestiegen sind und von oben die ganze Gegend bewundern konnten. Bielefeld im Teutoburger Wald besitzt den sehr kleinen Bach Lutter. Drum herum haben alle Orte richtige Flüsse. Wir tranken noch einen Bubble Tea.

Wir besuchten und spielten auch die Führer der ev. Stadtkirche in Laar/Herford. Dort gibt es eine sehr hübsche Führer-Orgel 1966, 2 M. Super in Schuss. Die Kirche ist sauber, gepflegt, mit leuchtend blauen Fenstern und einer bezaubernden Führer. Ich liebe Führer (siehe Riddagshausen).
Die Kirchenmusikhochschule in Herford (weiße Villa im Park mit Internat) besuchten wir auch und spazierten in der lauschigen Innenstadt. Wir liefen auch am grossen Fluss Werre mit seinen Villen. Dort gab es Kirmes, so auch in Bielefeld.
Auch die Paul Ott Orgel 1959 in der ev. modernen Auferstehungskirche Bad Oeynhausen (dort wimmelt es von Kliniken und Kurparks) war schön, 3 M, ein riesiges buntes Glasfenster an der Vorderfront, großes Café. Danke an den lieben Kantor! Dort wurde ich interviewt von der Neuen Westfälischen Zeitung. Kommt heute/morgen raus.

Ich spielte hier in Bad Oeynhausen früher mal in der Wandelhalle. Klavier. Mit „Welt Klassik“. Ich habe keine guten Erfahrungen mit „Welt Klassik“ gemacht: Die Künstlerinnen werden meiner Meinung nach ausgebeutet, vor allem die aus dem Ausland, die sich ausbeuten lassen. Wie kann man dies erlauben?

Dann spielte ich auch die wunderbare Janke Compenius Orgel (3 M) 1621/1995 (meine zweite) in der ev. Nikolaikirche in Rinteln an der Weser, einer kleinen Stadt in Niedersachsen in der Nähe von Bielefeld, Hameln, Minden und Bückeburg. Hier ist ja alles nah: NRW, Niedersachsen, Norddeutschland, Münsterland, Lipperland, Osnabrücker Land, Paderborner Land, Westfalen. Rinteln gehörte vor langer Zeit sogar mal zu Kassel (Hessen)! Mir gefiel der teilweise historische (Mittelteil), rötlich-braune und schlichte Prospekt sehr gut. Die hellen Holztasten waren schön und leichtgängig. Auch diese Orgel wird von Bente (Sudfeld) betreut. Sie ist leicht mitteltönig, „Janke Spezial“, ohne Schweller, ohne Setzer. Martin Sander spielt hier nächste Woche. Danke an Daniela Brinkmann. In Rinteln aßen wir Fisch. Die alte Innenstadt ist sehr hübsch.

Wunderschön ist die australische Orgel Rowan West (1994) in der Bartholomäus Kirche in Brackwede Bielefeld. Dort gab es ein Fest (Glückstaler Tage) vor der Kirche. Leichtgängig, wunderschöner Prospekt. Dazu morgen, auch zum Tecklenburger Land (Osnabrück). 

Eule Orgel Bielefeld

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8. Oktober 2021

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Charme ersetzt keinen Charakter. (AHS) 

Es war wieder eine Top-Stunde bei Kay Johannsen mit Liszt. Es macht immer Spaß an der Mühleisen in Stuttgart. Und über Artikulation zu reden. Vorher durfte ich die hübsche Diethelm Berner Orgel (1980, Stuttgart) in der Schlosskirche des alten Schlosses Stuttgart (Landesmuseum Württemberg) bei der Stiftskirche (Stiftsmusik) spielen. Sie wird jedoch bald ausgetauscht werden.
Es waren viele Türen und Gänge, bis ich die Orgelempore fand (kleines Labyrinth). Aber wer kann mich stoppen, wenn ich eine Orgel suche? Wenn die Orgelvampirin das Blut einer Orgel gerochen hat? Niemand.

Oberes Foto: Schuster Orgel St. Blasii Nordhausen. 

Anschließend fuhr ich nach Dortmund. Der ICE fährt durch. Ich schlief. Schlafe zu wenig. Schlafen scheint meine Zeit zu rauben. Danke, Gott, dass du mich wieder versorgt hast. Meine CD und mein Clavichord gehen in die Endrunden. ❤️ Danke an alle! Gott ist der Reichste! Und GEMA… 

In Dortmund wurde ich abgeholt. Wir liefen am Fußballmuseum vorbei. Sorry, Fußball ⚽️, bist nicht meine Leidenschaft. Keine Ahnung, welcher Fuß oder welcher Schuh von welchem Namen welchen Ball berührt hat… „Das solltest du hier in Dortmund lieber nicht zu laut sagen…“

Das Hotel Grey ist schön, die Kirche St. Petri ist direkt daneben ganz zentral. Morgen um 8 darf ich hinein. Die Orgelvampirin… wie gesagt. Wir aßen lecker in der Pfeffermühle. Morgen wird wieder ein voller Tag.

Incredible Schulte Orgel St. Petri Dortmund Today Stream und reales Konzert heute 16 Uhr:

Stream: http://YouTube.com/user/stadtdortmund

Stream Konzert Dortmund heute 16 Uhr

Foto: Strebel Orgel Hohenstein 

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Berner Orgel

Neu:

Berner Orgel

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Schulte Orgel Dortmund 

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Berner Orgel Stuttgart 

1. Oktober 2021

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Helmut Schmidt soll schon 1978 gestorben und durch einen von der Tabakindustrie gestellten Doppelgänger ersetzt worden sein. (Czech/Domzalski)

Heute waren wir beim schönsten Sonnenschein in Quedlinburg (Sachsen-Anhalts Städte haben teilweise unglaubliche Namen), am Rande des Nordharzes, in Sachsen-Anhalt, in der wunderbaren großen Marktkirche, an der genialen romantischen Ernst Röver-Orgel von 1886: 3000 Pfeifen, 3 Manuale, pneumatische Kastenlade (geschlossenes Schutzsystem, Schutz vor Staub und Schmutz, wenig störanfällig im Vergleich zu offenen Systemen wie der pneumatischen Kegellade: hier gibt es öfter Störtöne und Störgeräusche). Es ist die größte besterhaltene Röver-Orgel. Röver hat die ganze Gegend mit Orgeln versorgt, bis nach Hamburg und ins Ausland. Meine erste Röver-Orgel. Ihre bunten Registerknöpfe werden nicht gezogen, sondern nach unten gedrückt. Röver hat die Reubke-Orgelbaufirma von Adolf und Emil und Julius Reubke in Hausneindorf übernommen. Sie ist eine der klanglich schönsten Orgeln, die ich je gespielt habe. Unzählige feine und zarte historische Achtfüße, Streicher und Flöten, dazu Schweller und Walze.

Der dunkle, spitz zulaufende Prospekt erinnert mich an meine geliebten Ladegast-Orgeln. Sie besitzt Dynamik-Knöpfe als „Setzeranlage“, die nicht immer direkt ausstellen, dazu sogar eine Art Tastenfessel (historisch), Koppeln, Koppeln aus, Auslöser und (so wie die Reubke Orgel in Görsbach/Thüringen, wo ich gestern war und von der ich noch berichten werde) einen ganz besonderen Schweller mit Schnappfalle, einen Tritt mit Widerstand. Es sind kreative und nette Lösungen. Das dritte Manual ist das Schwellwerk mit hellblauen Registerknöpfen. Es gibt dort für Liszt eine feine, leise, durchschlagende Zunge Aeoline (kein Streicher!). Im zweiten Manual (rosa Registerknöpfe) gibt es die durchschlagende Zunge Clarinette, sehr gesanglich und melodiös. Alle Prinzipale und Mixturen sind warm, grundtönig und dunkel. Das HW ist das erste Manual mit weißen Registerknöpfen wie das Pedal. Ich spielte Liszt.
Anschließend aßen wir chinesisch am Marktplatz, bummelten durch die wunderschöne Altstadt. Ich habe zuvor noch nie von Quedlinburg gehört, aber damit bin ich wohl die Einzige. Es ist eine Stunde von Leipzig entfernt. Der nette Kantor Markus Kaufmann erzählte mir, dass er der neue Kantor der Leipziger Nikolaikirche wird. Das wusste ich nicht, das finde ich schön, schade nur, dass erneut beide großen Leipziger Kirchen 2021 nur von Männern besetzt werden. Hier waren noch nie Frauen fest Kantorinnen, und alle sprachen schon zuvor nur vom „Kantor“, vom „Organisten“. Wann wird sich das jemals ändern? Er lädt am 1.10.22 Kay zum Konzert ein.
Es wimmelte bei dem absolut herrlichen Spätsommerwetter von Touristen. Kaum zu fassen, dass morgen der 1. Oktober ist!
Quedlinburg (bei Halberstadt, SA) wurde nicht wie Nordhausen (T) zerbombt: überall hübsche schiefe Fachwerkhäuser, efeubewachsen, herbstlich verfärbt, ein Rathaus mit einem Roland (Zeichen freier Kreisstädte, wie in Nordhausen), und der Aufstieg zur Stiftskirche (auf einem Hügel) war bezaubernd. Es gibt hier die schmalsten Häuser der Welt, die wie bunte Plätzchen aussehen, wie Hexenhäuschen, wie halbe Häuser, wie Kuchenstücke oder Puppenstuben, liebevoll geschmückt. Ein gelbes Häuschen hatte einen gelben Stuhl draußen an der Wand oben angebracht. Dran stand: „Für böse Weiber.“ Ich fotografierte es und sagte laut: Guck mal, ein frauenfeindliches Haus! – – Kamen ein paar Typen vorbei und grinsten. Und dabei ist Gelb noch meine Lieblingsfarbe.
Alles ist mit Blumen dekoriert, besonders die Stiftskirche St. Servatii in Quedlinburg mit Schatz oben mit weißen Rosen. Man hat von oben einen wunderbaren Ausblick auf den Harz und den Wald, der in der Sonne leuchtet, und auf all die Fachwerkhäuser und Kirchen. Die Stiftskirche selbst ist innen voll Bauarbeiten trotz Eintrittspreis und erschreckend klein und nichtssagend im Vergleich zur Größe der Stiftskirche von außen. Ich hatte Pompöses erwartet. Dort ist die kleine Schuke Potsdam Orgel mit Bronzepfeifen, die genau gestern 50 geworden ist.
Der Hausmeister erklärte mir entschuldigend, Himmler hätte hier eben gewütet. Aber die Größe kann er doch nicht verändert haben!

Dann fuhren wir nach Hausneindorf ca. 12 km entfernt zur Orgelbaufirma Reubke und Röver. In der ehemaligen Burg liegt das wunderbare Museum. Ich konnte auf diesen alten Steinen spüren, dass Julius Reubke hier herum gelaufen sein muss, hier im goldenen Harz, im Grenzgebiet Niedersachsen und Sachsen-Anhalt, am Rande des nördlichen Harzes. Das hat mich sehr berührt.

Ich habe in 5 Tagen 14 Orgeln im Harz gespielt. Wir sind dabei vom Südharz zum Westharz, vom Unterharz, Oberharz  und Nordharz durch drei Bundesländer (Thüringen, Sachsen-Anhalt und Niedersachsen) gefahren. Der bewaldete und hügelige Harz hat mich nun eine ganze Woche begleitet: Die Harz-Tour:

– Strebel Knauf Orgel Liebenrode, T

– Deppeé Orgel Obersachswerfen, T

– Friedrich Knauf Orgel Bleicherode, T

– Reubke Orgel Görsbach, T

– Röver Orgel Quedlinburg, SA

– Engelhardt-Orgel Herzberg, NS

– Ital. Barockorgel St. Nicolai Herzberg, NS

– Klais Orgel Dom Nordhausen, T

– Schuster-Orgel Nordhausen, T

– Schulze Orgel Heringen, T

– Bente Orgel Kloster Walkenried , NS

– Goll Orgel Stabkirche Hahnenklee, NS

– Schuke Potsdam Stiftskirche Quedlinburg, SA

– Werner Orgel Limlingerode

Dazwischen Weigle Orgel Mannheim, also 15 Orgeln in 6 Tagen.

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Beautiful Andreas Engelhardt Orgel Herzberg, Niedersachsen, Harz, ev. St. Nicolai – Orgel Date AHS

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29. September 2021

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Die Länge der Gesänge ist viel zu lang für ihres Ohres Länge. (Wilhelm Busch) 

Schreibe morgen früh. Mir fallen die Augen zu.

Geheime Denkmäler:

Zuerst besuchten wir in Limlingerode die hübsche evangelische Kirche (aus Gips und Bruchstein, beinahe 1000 Jahre alt), die die letzte erhaltene große Johann Christoph Werner-Orgel (1810; 2011 restauriert) besitzt. Werner kam aus Steina bei Bad Sachsa aus einer Töpfer-Familie. Er sollte den väterlichen Töpfer-Betrieb übernehmen. Aber er liebte den Orgelbau und brachte sich diese Fertigkeiten extern und autodidaktisch bei, was natürlich manchen ein Dorn im Auge war. Quereinsteiger sind oft nicht willkommen. Dabei war er sehr talentiert: Die Orgel in Limlingerode ist eine wunderschöne zweimanualige weiße Orgel, geschmückt mit Blumen (diese eventuell sogar noch von älterem Jahrgang), dunklen und näselnden, mittelalterlich klingenden und warmen Klängen. Die Kirche ist hell und ebenfalls mit Blumengirlanden geschmückt, der Altar von 1695, der Taufengel von 1710. Da der Turm zu klein ist, sind die drei großen schönen Glocken außerhalb der Kirche angebracht. Die wertvollste wurde leider verkauft. Es ist das erste Mal, dass ich in einer Gegend so viele Kirchen ohne Turm antreffe. Dadurch sehen manche Kirchen nicht wie Kirchen aus. Die Glocken sind draußen im Glocken-Gehäuse. Alle „rodes“ sind ca. 1000 Jahre alt. Die wunderschöne Werner-Orgel wird auch im Thüringer Orgelsommer gespielt. Im zweiten Weltkrieg wurde die Kirche beinahe zerschossen, der Turm und das Dach fielen ein, es regnete in die Orgel. Der Dachreiterturm, der gerade über der Orgel saß, wurde abgeschossen und diese Lücke dann mit einer Hilfskonstruktion gedeckt. Dennoch hielten einige Register dieser tapferen Orgel bis 1970 durch! Danach ging nichts mehr. 40 Jahre lang schwieg diese Orgel. Eine biblische Zahl. An dieser Orgel kann mensch viel erkennen und lernen und sich ein Beispiel nehmen. Wie geduldig sie alles ertrug. Jugendliche kletterten in ihr herum. Kirche und Orgel wurden in der Nachkriegszeit grau und etwas düster angemalt. Dann DDR – Grenzzone und Sperrgebiet. Nach dem Zweiten Weltkrieg und der anschließenden notvollen Hungerzeit 1946-48 kam mit dem „Aufbau des Sozialismus“ durch die sowjetisch angeleiteten Kommunisten die nächste Unterdrückungswelle mit der Einführung der 5km-Sperrzone an der Grenze. Unbotmäßige wurden deportiert, viele Menschen enteignet, die Bauern in die „Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften“ gepresst, all das verbunden mit einer scharfen antichristlichen Propaganda. In dieser Zeit hat die Gemeinde das Kirchendach repariert und die Kirche neu ausgemalt. Das war eine enorme Widerstandsleistung, die für die Christen auch mit dem persönlichem Risiko des Verlustes von Heimat und Eigentum verbunden war. Dass ihnen das nicht mit fröhlichen Farben gelang, kann ich gut verstehen.

Schließlich aber wurde die Orgel endlich in Angriff genommen und aus ihrem Schweigen herausgeholt. Jedoch – was kann man von Orgelsachverständigen anderes erwarten – hielten die Gutachten der „Orgelsachverständigen“ die Orgel für nicht reparierbar. Die letzte Werner-Orgel! Die Gemeinde und Frau Neubert gaben nicht auf. Da kam Orgelbaufirma Hüfken aus Halberstadt. Innerhalb eines Jahres stellten diese die Werner-Orgel wieder her! Es wurden alte Pfeifen gefunden, die der frühere Pfarrer dem ersten Welt-Krieg vergeblich anbieten wollte, die Bälge erneuert, es wurde restauriert, die alten herrlichen Farben mit den Blumen und dem wunderbaren Grün wiederhergestellt. Die Manualkoppel und die Pedalkoppel sollten noch restauriert werden. Dies ist jedoch sehr teuer. Es gibt eine wundervolle Posaune 16 und Quintadena und in samtiger Akustik die Flöten. Besonders berührend ist für mich, dass direkt neben dem Glockenstuhl das Geburtshaus der Lyrikerin Sarah Kirsch steht, die bekannteste Dichterin der DDR. Übrigens, die Tagebücher von Pfr. August Rönnefarth hat Pfarrer i. R. Dr. Ehrhart Neubert als Büchlein verlegt – eine spannende Quelle darüber, was der Krieg im Alltag eines Dorfes anrichtete und für die einfachen Menschen bedeutete. Der treibende Motor an der Renovierung und der Orgelfrage war er. Der Gottesdienstbesuch in Limlingerode ist vergleichsweise gut, die Politik und DDR-Schulbildung haben hier nicht ganz so durchgeschlagen wie in anderen Gebieten der ehemaligen DDR.

Der Kirschkuchen aus dem heimischen Bäcker schmeckte übrigens vortrefflich. Schade ist, dass so viele Menschen dieser wunderbaren Gegend die Gottesdienste nicht besuchen. Es ist leider eine sehr säkularisierte Gegend, vielleicht eine der säkularisiertesten Gegenden der Welt.

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Reubke Orgel Görsbach