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Tourblog

28. September 2021

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Orgeln sind wie Wein, so unterschiedlich wie Wein. (AHS)
Heute Nordhausen. Lutherstadt. In der Kreisstadt Nordhausen (ehemalige Kaiserpfalz und freie Reichsstadt) sind zwar bei den Bombenangriffen in den letzten Kriegstagen fast alle Orgeln zerstört worden, aber in den beiden größten Kirchen gibt es gute neue Orgeln: In St. Blasii eine dreimanualige Orgel der Fa. Schuster, Zittau 1995, 3 Manuale, 37 Register; im tausendjährigen Dom eine Orgel von Johannes Klais (1996, 3 Manuale, 56 Register).
Heute besuchte und spielte ich die schöne große  Schuster-Orgel (Zittau) von St. Blasii Nordhausen: Die größte evangelische Orgel in Nordhausen (eine sehr hübsche Stadt mit Fachwerkhäusern voll Efeu „im Osten“). St. Nikolai wurde zerstört. Rückpositiv, Schwellwerk. Neobarock, jedoch weich, neu: mit romantischer Gambe und Schweller. Drei Manuale, 2. M ist HW, unten RP, schwarze „Lacktasten“, leichtgängig, doch hohe Obertasten, sehr lange Registerzüge, glitzernde Akustik. Die Kirche von 1234 (2004 saniert) ist hell mit steinernen Gurtbögen. Auf der grünen Empore steht die Orgel in Holz. Lutherweg Nordhausen. 
Jede Orgel hat ihr eigenes Gesicht. Die einen sind schrill, trocken, die anderen fruchtig, manche weich. Und zur Musikalität muss man ein Cockpit-Gedächtnis haben: Wie ist die Bank eingestellt, habe ich die richtigen Schuhe, Noten, Hose… wo ist was, wie weit weg ist was, kann ich es noch erreichen, wo ist das SW, wie ist die Anordnung … Der Spieltisch ist nicht die Orgel. Der Spieltisch ist nur das Cockpit.
Man kann hier an der gereinigten Schuster von 1995 wunderbar Bach spielen, aber auch Mendelssohn, sogar Liszt (jedoch Vorsicht, es gibt keine Setzeranlage, das hätte 50.000 € mehr gekostet. Das heißt, wenn man es alleine machen will, dann muss man sich beschränken). Ich mag jeden Tag einen anderen Wein. Warum sollte ich wie Kirchenmusiker 18 oder 24 Jahre lang den gleichen Wein trinken? Manche Orgeln haben etwas „Verstaubtes“, was aber total sympathisch ist. Andere sind etwas kalt und kühl von ihrer modernen Eleganz her. Wieder anders sind teure Oldtimer, die mehr „Sprit“ kosten als sich die Leute leisten können. Da kostet die Reinigung schon 100.000 €. Wie hier an der Klais Orgel im Dom. Immer spannend.
Die Kirche hat rotglitzernde Fenster.
Nordhausen besitzt tolle alte „Villen“ wie die Post und das Rathaus, vor dem „der Roland“ steht, der das Reichswappen mit dem Adler hält. Barfüßer Tor. Nordhausen wurde drei Wochen vor Kriegsende von den Amerikanern und Engländern total zerbombt, und es wurden dabei auch Zivilsten und Kinder ermordet.
Die Ossis sind ganz lieb und lustig.
Nach der Schuster spielte ich die große Klais Orgel im katholischen Dom Nordhausen, die größte Orgel in Nordhausen. Völlig andere Orgel, Johannes Klais 1964/1996. Der Dom ist wunderschön, helle Pfeiler, geschmückte Decke, wertvoller Altarbereich mit Holzschnitzereien. Krypta, Chorraum, Sandsteinfiguren, Wappen-Schlusssteine an der Decke. Enormer Nachhall (7 Sekunden). Die Orgel ist eine Wucht! Sie stammt aus Kassel und wurde nach Nordhausen verkauft. Sie ist eigentlich eine Konzert-Orgel. Oben ist das Oberwerk. Sie thront wie eine extra kleine Orgel oben auf der Orgel. Und eine extra Orgel sie ist, eine kleine extra Orgel. Sie wirkt süß da oben, aber hat enorme Power. Klein, aber oho. 3. Manual. Sie schallt direkt und ohne Abdeckung an die Decke und ist oft lauter als das Schwellwerk (1. Manual). Sie mischt sich nicht ganz so gut mit dem Rest der Orgel und hat erstaunlich wenig leise 8-Füße.
Der Prospekt ist sehr kreativ: Unter der kleinen süßen OW-Orgel zeigt sich das HW, darunter das rote Schwellwerk mit den 16-Füßen davor, und rechts und links das Pedal, die großen vorne und die kleinen Solostimmen dahinter. Die Orgel hat einen schönen sanften Schwung durch diese Aufteilung. Sie wurde sehr gut angepasst an die schwarzen Bänke hinten an die Hinterfront. Sie hängt tief, und der Spieltisch ist ebenerdig und exponiert. Daran sieht man deutlich den enormen Unterschied zwischen großer Orgel und dem kleinen braunen Spieltisch (dem Cockpit). Mein erster Gedanke war: Schneewittchen-Orgel: Schwarz wie Ebenholz ist die Zierdeleiste und die Bank, rot wie Blut das Schwellwerk, auch die Zierdefarbe, und „weiß wie Schnee“ die silbernen Pfeifen. Aufgrund des Nachhalls ist es wichtig, langsam und ruhig und „bodenständig“ zu spielen. Stretta geht hier gar nicht, vor allem nicht bei Fugen. Die „romantischen“ und ruhigen Werke Bachs klappen gut, Fugen und Virtuoses können anstrengend sein. Alle Läufe müssen mit Bedacht gespielt werden. Es gibt Walze und Schweller und 64 Setzer. Auch das Mischen der Farben braucht hier viel Erfahrung. Alle Register sind links, weiße Kippschalter. Dazu Vorpleno, Pleno, Zungen-Pleno, Tutti für jedes Werk. Morgen berichte ich weiter.
Die fluffigen Klangfarben sind mit zeichnenden schön zu mischen, das ist wichtig. Die Orgel besitzt trotz ihrer reichen Palette wenige (leise) 8-Füße. Das Pedal zeichnet schön und kann ohne Koppeln gut verwendet werden. Vorsicht vor Tutti-Knöpfen im Allgemeinen, besonders in starker Akustik. Lieber ein ausgewähltes Plenum nehmen. Es gibt auch eine Walze, die jedoch etwas springt und neu programmiert werden muss, da scharfe Register zu früh und zu abrupt gezogen werden und sich manche Register beißen. Erstaunlich finde ich, dass man wenig Walzen antrifft, die schön programmiert sind. An jeder Orgel muss man neu denken. Selbst wenn man kommt und seine Werke kann, ist damit oft nur die Hälfte geschafft, da eine Passacaglia von Bach hier ganz anders gespielt werden muss in starker ebenerdiger Akustik (ruhig, durchsichtig, aber nicht spitz) als in trockener Akustik. Kippschalter sind anders als lange Züge, die Anordnung sehr unterschiedlich…  
Nach dem Dom „Heiliges Kreuz“ besuchten wir das Haus von Christian Gottlieb Schroeter, Organist, der Bach verteidigt hat. Es wird renoviert. Lutherplatz.
Die Kantoren waren sehr nett. Danke auch an Manfred Machlitt und Team!
Die dritte Orgel heute hier im Südharz ist die kleine einmanualige Heinrich Deppe Orgel (Zweibrücken/Nordhausen, 19. Jahrhundert) in Obersachswerfen: St. Marien.

Die Orgel ist das lauteste und leiseste Instrument. (Spielerinnen gesucht)

Keine „Spielertypen“.
Diese kleine Dorf bei Liebenrode besitzt eine Kirche aus Bruchsteinen ohne Turm mit einer absolut niedlichen Dorforgel, 2000 restauriert. In den Dörfern ringsum gibt es manch reizvolle, meist einmanualige Orgel, oft kaum mehr spielbar.
Ich übernachtete beim Ritter von Lievenroth. Die Kirche St. Petri ist auf einem Hügel erbaut,
auf dem sich wahrscheinlich ein Heiligtum für den germanischen Gott Donar (Thor) befand. Im Pfarrhaus wurde um 1535 der Dichter Johannes Mylius geboren. Er wirkte später in Krakau, Litauen, Wien und an der Universität Jena. Außerdem die Gelehrten Martin und Johann Friedrich Schweser (17. Jh.). Letzterer war auch Lautenspieler, lebte später als Berater des Markgrafen Christian Ernst von Brandenburg in Bayreuth.
Knauf-Orgeln sind toll! Seit 1835 besaß die Petri-Kirche Liebenrode eine zweimanualige Orgel von Friedrich Christian Knauf (Groß-Tabarz/Gotha), die 1926 von Georg Kiessling (Bleicherode) umgebaut wurde und in den 1980er Jahren völlig verfiel. Das Dorf lag im Grenzgebiet, das Kirchendach stürzte ein, die Orgelpfeifen wurden geklaut. Nur Gehäuse und Prospekt blieben halbwegs erhalten, in die Thomas Hübener 2019 die Königsberger Strebel Orgel aus der Oberpfalz mühevoll einpasste. Er musste dabei einiges an der Strebel-Orgel verändern. Die Kirche ist von einer Mauer umgeben, eine Art Kirchenburg. Aber man kann über die nicht mehr sehr hohe Mauer in die Landschaft sehen, auf die Hainleite, ins Ohmgebirge (Eichsfeld).
Die Kirche ist innen schlicht, barocke Kanzel und Altar sind in den Nachkriegswirren
verschwunden. Mir gefällt sie so. Nichts lenkt ab, die Akustik ist angenehm, nicht zu hallig. Schnelle und filigrane Passagen verwischen nicht.
Es gibt hier einige interessante Orgeln, etwa in
Eichsfeld (St. Marien Heiligenstadt, Gebr. Späth, Fulda 1941), in Bleicherode (Friedr. Knauf, 1837;
erneuert von Robert Knauf, 1898, restauriert 2013 durch Fa. Brode, Heiligenstadt); dann die klassizistische Orgel in der Welfenstadt Herzberg (Nicolaikirche, Joh. Andreas Engelhardt, 1845; steht unter Denkmalschutz), die wunderbare Orgel von Christoph Junge (1681) in der Trinitatis-Kirche Sondershausen, der einstigen Hofkirche der Fürsten von Schwarzburg-Sondershausen, einst von Andreas Werckmeister abgenommen
(3 Register aus der Bachzeit existieren noch, 1997 wurde die Orgel von der Fa. Hey (Rhön) modernisiert, 3 Manuale, 40 Register, Schwellwerk.
Im Kloster Walkenried (4 km von Liebenrode) gibt es eine neue Orgel (2017) von Jörg Bente (2 Manuale, 29 Register).
In Nordhausen gab es vom 17. – 19. Jh. mehrere Orgelbauer-Dynastien. Auch der Miterfinder des Hammerklaviers Christoph Gottlieb Schröter (1699 – 1782) lebte in der Stadt als Organist der Hauptkirche St Nicolai. Er war auchKomponist, Musiktheoretiker, Schriftsteller und Instrumentenbauer, entwickelte um 1717 nicht nur eine eigene Hammerklaviatur, die er am sächsischen Hof vorführte, sondern auch 1740 das Modell eines Schwellwerks für die Orgel. Er war mit Bach bekannt, schrieb für ihn 1749 eine Verteidigungsschrift im Streit mit Rektor Bidermann. Schröter ist leider fast vergessen.
Christoph Brückner möchte hier auch gleich konzertieren und schrieb meine Veranstalter an.

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Johann Heinrich Deppeé Orgel 1824/2000 in Obersachswerfen

27. September 2021

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Flöte spiel ich mit links und mit den Füßen Posaune. (Spielertypen an der Orgel)

Heute schönes Konzert 19 Uhr an der Weigle Orgel Echterdingen 1954 Opus 995 in der evangelischen  Markuskirche Mannheim-Zentrum (helle, warme Holzkirche), 2021 von Orgelbau Popp renoviert, festliches Einweihungskonzert mit Sekt heute, gut besucht trotz Wahl und Regen. Blumen. CDs verkauft. Pandemic Dance kam gut an. Meine vierte Weigle. 
Eine liebe Pfarrerin, die Indien liebt und mir richtig Lust auf Indien gemacht hat. Zudem hat sie indisch gekocht. Die pneumatische dreimanualige Orgel, wie ein großer Kamm aufgefächert, besitzt Walze und Schweller, freie Kombinationen, Absteller, hat gewisse „neobarocke“ Schrillheit hier und da, was ich jedoch gut abfedern konnte. Zudem macht sie Holz-Nebengeräusche, die ich oben kaum gehört habe, und pfeift etwas beim Treten von Tutti. Ich informiere Popp.
Mitte Oktober spielt hier Johannes Michel – dessen Stücke mir nicht gefallen, zu gefällig, weniger originell, nach dem Zeitgeist mit einer Prise „Jazz“, U. Pop an der Orgel ist nicht so meins. Die meiste sogenannte neue „Klassik“ heute in Kirchen ist U. Vor allem Chor und Orgel. Gefälliges.

Ich stehe auf E. Auf Neue Musik.

Die Weigle ist völlig anders als die Strebel Orgel gestern. Es macht großen Spaß, als Konzertorganistin Orgeln zu bereisen und zu erobern. Es gibt ja kaum Konzertorganistinnen. Ich bin eine absolute Rarität. Jedes Mal ein Abenteuer: Diesmal heute habe ich neu Liszt Weinen, Klagen, Sorgen, Zagen (WKSZ) das zweite Mal gespielt, heute komplett mit Walze. Auch Ritter d-Moll zum ersten Mal komplett mit Walze. Und Schweller.
Walze ist ja eine Welt für sich. Es ist wirklich interessant, es zu trainieren. Wichtig ist hier, alle Koppeln und Register vorher zu entfernen. Die Walze ist schwergängig, sie visuell beobachten und mit der Ferse betätigen, sonst tut sich da nichts. Man muss mit der Walze eins werden. Nach unten wird es lauter. Man muss ein Gespür bekommen, unsichtbar dafür, wo die Nähte und Brüche der Klänge sind. Man muss mit der Walze atmen.

Ich achte meist darauf während eines Konzerts, alle Register hervorgehoben präsentiert verwendet zu haben. Ausnahmslos. Keines soll vergessen werden. Das gelingt mir besonders durch Pandemic Dance, bei dem ich ganz neu mische.
Danach Käseplatte und jetzt dringend schlafen. 

Sind Sie eigentlich schwul? (AHS)

Konzert Mannheim AHS

AHS

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Weigle Orgel Mannheim

15. September 2021

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Heute ist der No-Pants-Day. Endlich haben auch Exhibitionisten ihren Feiertag. (Czech/Domzalski)

Jemand sagte mir gestern, meine Homepage würde mindestens 3 Frauen zeigen. Wie ich das alles in einer Person sein kann?

Ich freue mich auf das Konzert in Rothenburg/Tauber. Es ist am 29.10. an der Steinmeyer Orgel in Heilig Geist.

Die Konzerte 28. und 29.9. sind auf 30. und 31.10. gelegt. Rudolstadt ist ebenfalls im Oktober.

„Die Verwandlung“ von Kafka ist hervorragend. Klug, ironisch, sehr witzig, verrückt, psychologisch, sarkastisch. Und vor allem originell. Das Besondere und Originelle ist der sagenhafte Humor, der natürlich bissige Kritik ist. Jedoch solch einen genialen Umgang mit Kritik habe ich selten so klug und witzig erlebt. Denn es ist ganz ernst und erschreckend und doch so lustig, dass man den Kopf schütteln muss. Gleichzeitig traurig. Es ist eine unfassbare Mischung. Kafka schreibt viel aggressiver, wilder und sarkastischer als Zweig, der wehmütig und lyrisch ist. Kafka bleibt bis zum Schluss „böse“ und beißend. „In der Strafkolonie“ – sehr gut komponiert. Beide schreiben keineswegs politisch und doch sehr politisch. Besonders in Zweigs Essays.

Apropos Kompositionen. Meine neuen Werke sind eingetroffen. In DIN A 3 vor mir liegend – wunderbar. Furore und Stringendo.

NEU: Wiegleb Orgel Ansbach:

Wegen Lazy Load werden alle neuen Fotos und Texte bei Orgel Infos jeweils erst nach ca. 24 Stunden online zu sehen sein. Dadurch läuft die Webseite schnell.

Es kann gern kommentiert werden:

Wiegleb Orgel Ansbach

Rainer Goede erzählte mir, Architekten können manchmal durchaus auch ein Problem sein beim Orgelbau. Das hätte ich nie vermutet. Die grünen Schleier innerhalb der Stiftskirche Stuttgart dienen dem Klang. Denn Orgelbau Mühleisen wollte keinen Freipfeifenprospekt. Gehäuse und Schleier helfen, Klang zu bündeln, zu sammeln, zu sortieren. Aber die Architekten suchen nicht die Organisten und Orgelbauer aus, sondern Juristen und Theologen im Amt. Da wird oft der Hausarchitekt ausgesucht. Einen hervorragenden Freipfeifenprospekt (Werke übereinander) zu bauen, der dem Klang nicht schadet, ist schwer und viel Arbeit. Um dem Klang zu helfen, gab es zumindest ein Rückpositiv und die grünen Schleier. Das Zusammenspiel von Kirche, Klang, Orgelbauer, Gewölbe, Architekt, Sachverständiger, Organist – ist enorm! Als Organistin ist man also auch Akustikerin. Es gibt viel zu wissen und zu kennen. Und dann muss man noch diplomatisch sein, denn der Bau einer Orgel oder die Rekonstruktion ziehen sich Jahre hin, man muss mit den unglaublichsten, widersprüchlichsten Leuten zu tun haben.

Ich bin verblüfft, dass die Bälge in der Decke über der Wiegleb Orgel liegen (fallender Wind, Schwerkraft). Der mächtige 32-Fuß (offen, Holz) hinter der Orgel ist begeisternd.

Dass eine so wunderschöne Orgel im Prospekt ohne Gott und Anbetung ist, sondern idealtypisch für männlichen Absolutismus – das ist erschreckend. Nur die Musik und doch die Musik werden Gott preisen. Denn der Markgraf ist trotz seiner Monogramme längst im Totenreich. Gott aber wird nie sterben. Kann er gar nicht.

Heute habe ich mit Hans-Ola Ericsson (er ist gerade in Linköping) gesprochen, das Haus in Schweden nehme ich leider nicht , zu weit weg, und wegen Registrierung:

  • immer aufschreiben in die Noten (nicht spontan und mündlich die Orgel inhalieren), was wo will
  • auch wenn es keine Nummern gibt, sich im Kopf Nummern (er hat mir eine immer gleiche Strategie genannt) „notieren“ (=merken)
  • jedes Register EINZELN durchgehen, dann mischen, die Chöre usw., erst dann in die NOTEN SCHREIBEN (auch wenn meine „awful“ wären )- nicht spontan
  • sollte was schief gehen, gleich korrigieren (den FlOW stoppen!) – sollte aber nur 3 x im Leben passieren (was bedeutet, dass es mir nie mehr passieren darf)

Ich mag Manualschiebekoppeln und Sperrventile wie bei Ladegast. Wiegleb hat dies „edler“ gelöst.

Ps:

In den Lektürevorschlägen der Lehrpläne für Deutsch in Bayern sind immer noch viel zu wenige Autorinnen erwähnt, meistens max. 2-3, aber es überwiegt immer noch der Eindruck, dass hauptsächlich (ältere) Männer schrieben, erst recht gute Literatur/ Weltliteratur. In einer Diskussion darüber bemerkte letztens ein Mann, dass das wohl daran liegt, dass Frauen eben anders und insbesondere nicht so gut schrieben wie Männer und deshalb in Vergessenheit geraten wären und auch nicht in der Schule gelesen werden. Ich finde jedoch, dass dies genauer untersucht werden müsste und heutige Schülerinnen unbedingt auch viel mehr Texte von Autorinnen lesen sollten. Es geht mir dabei vor allem um eine Balance, kein entwederoder. Erst dann entzerren wir auch diesen doch noch immer sehr patriarchalen Blick auf Literatur, Geschichte und Kunst. Das Bild ist aber viel bunter, und die Kenntnis dieser Autorinnen würde uns alle sicher bereichern. Zudem bestimmen nach wie vor Männer, was „gut“ sei. Der einzige Lichtblick: Männer schreiben über Frauen. Es geht in der Literatur zu 90 Prozent um Frauen.


Aber auch Frauen können Weltliteratur schreiben.

Ebenfalls neu Ladegast: Es kann gern kommentiert werden:

Ladegast Orgel Weißenfels

Ladegast Orgel Marienkirche

Wiegleb Orgel Ansbach

Dortmund Konzert

14. September 2021

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Die Erde ist ein atmendes Lebewesen. Ob sie fühlen und hören kann? (AHS)

Wenn man selbst registriert, ist es wichtig, dass man registriert. Also nicht zu wenig. Sondern farbig. Dass einem dabei Fehler unterlaufen können, sollte nicht abschrecken davor, farbig und viel zu registrieren, so als hätte man zwei Registranten oder als gäbe es eine Setzeranlage oder Nummern. Inhaliere die Registernamen!
Was ich bisher jedoch noch nicht wusste: Wenn man beim Selbstregistrieren einen Fehler macht, zB eine Mixtur vergisst oder im Pedal plötzlich zu viel oder zu wenig hat – was tun? Soll man stoppen und sofort korrigieren? Oder so tun, als wäre alles gewollt so und erst bei der nächsten Chance korrigieren? Im Studium lernt man so etwas nicht, denn wer konzertiert schon viel im Studium? (Außer mir) Rainer Goede aber gab mir darauf eine Antwort, ohne dass ich fragte: Zum Fehler stehen und sofort oder bei der nächsten Eins korrigieren. Dies würde auch ein Dirigent tun. Ich war erstaunt. Am Klavier ist es eine Todsünde, stehen zu bleiben.
Wunderbar war auch, dass er mir eine lange private Orgelführung gab zu dieser wundervollen Wiegleb Orgel, die er seit über 18 Jahre betreut. Und auch zur Rieger-Orgel in der Nachbarkirche St. Johannis. Die Rieger-Orgel ist im Stil eines entwickelten Neobarocks, hell, aber nicht grell und scharf. Sie ist ganz anders als die historische Barock-Bach-Orgel Wiegleb, die einzigartig ist: Gambenchor, 2-Fuß-Gambe, Echo im Schwellkasten, Flagiolett 2 im Prospekt, ein Prospekt des reinen Absolutismus.

Besonderheiten sind und gelernt habe ich:

Kirchen und Klang einschätzen können:

  1. Teppich 
  2. Putz (glatt ode rau)
  3. Farbe (körnig oder glatt)
  4. Bögen, Rippen, Gewölbe (Gleichmäßigkeit, Höhe)


Feinde“ von Orgeln:

  1. Schmutz, Wurm, Feuchtigkeit (oder Trockenheit)
  2. Klanghinderer (siehe obiger Hauptpunkt Kirche)
  3. Gewisse Architekten und Orgelsachverständige

Orgelbau und Komponieren:

  1. Kapieren
  2. Kopieren
  3. Eigenes machen 


Man kann auch 1 und 2 tauschen: Solange kopieren, bis man kapiert. Denn Kapieren ist der Knackpunkt, finde ich.

Die Professionalität der GEMA hinterfrage ich manchmal, die die Schlagerbranche ehrt und eher primitive Musikdigitalisierungen fördert.

Ich lese/höre Kafka. Anstrengender Stil.

Was mir an den (schwedischen) Märchen und Sagen nicht gefällt, sind die „Magie“ (oder Trolle im Schwedischen), dass alles „vertrollt“ ist, witchcraft und Hexerei. Muß das wirklich sein? Es gibt doch auch eine gute, heilige Spiritualität. Muß es denn die gottlose Magie sein? Oft wird sie romantisch gefärbt (Disney).
Überhaupt gefällt mir in angeblich romantischen Märchen die angeblich romantische Rolle der Frau nicht: Sie muß stets schön und bescheiden sein und sich alles gefallen lassen (siehe Aschenputtel). Ihr einziges Ansinnen: Ball, König und Heirat, anstatt sich gegen Stiefmutter und (komplett schweigenden, devoten) Vater durchzusetzen oder davon zu gehen in die Welt. Nur Magie und Aussehen helfen ihr, den König zu heiraten. Katastrophales Rollenbild. Zudem sind es immer die bösen anderen Frauen, die Frauen das Leben schwer machen (Schneeweiß, Aschenputtel…). Man muss bedenken, dass alle diese Märchen von Männern beeinflusst wurden und dass die Könige in den Märchen meist schweigen.
Selbst jetzt, 2021, gibt es eine Shampoo-Werbung, die behauptet, das Haar gäbe Frauen Selbstbewusstsein! Frauen sollen wohl mit solcher Werbung verdummt und in ihre Rolle verwiesen werden. Glaubt mir, Frauen, es ist nicht euer Haar, was euch Selbstbewusstsein gibt. Das ist eine Lüge der Männerbranche.

Aber es gibt auch Männer, die verstehen, was Sache ist. Neben Stefan Zweig auch Moa Martinson. Er schreibt darüber, dass Frauen, die von Männern verführt, belogen und geschwängert wurden (ehelos), bestraft und verachtet wurden, auch von der Kirche, während nach den Männern niemand fragte und diese logen, dass sich die Balken bogen. Bei Männern konnte man ja die weiteren Folgen von Sex nicht sehen.
Es gibt selten aufrichtige und mutige Männer. Die meisten sind leider eher schwach, weich und feige.

ps: „Süßsein“ scheint für viele Männer gleich mit Antikönnen zu sein. Süß und Können ist für viele Männer schwer zu kombinieren. Scheint sich für sie geradezu zu widersprechen. Man und besonders frau darf nicht süß (oder unschuldig) sein und doch mehr können.

The Beatles – Yesterday – Piano and Voice (mit Gesang und Klavier) in Berlin. Ann-Helena

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Yesterday mit Gesang

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Pandemic Dance

13. September 2021

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Niedrigkeiten und pöbelnde Männer entlarven sich von selbst. (Alice Schwarzer)

Die schwedischen musischen „Klassiker“ sind interessant: Roman, Bellmann, Kraus, Berwald, Rangström, Nilsson, Attenberg, Hallström…

Schön ist, dass St. Gumbertus Ansbach, evangelische Stifts- und Hofkirche, auf einem Johann Sebastian Bach– Platz steht… mitten in der Innenstadt, am Schloss, in der sich die Regierung Mittelfrankens befindet. Nah der Orangerie. Und dass das kleine Ansbach (bei Nürnberg) ein eigenes feines Theater hat.
Ich fragte den Taxifahrer, wo St. Gumbertus sei. (Wir waren zwar schon mal mit Christoph Bossert da, ist aber schon lange her). Der Taxifahrer sagte, am besten mit Taxi. Ich antwortete, es sei doch nur 7 min zu Fuß entfernt. Er sagte: Wer verrät denn so was?
Ich lachte: Sie hätten wahrscheinlich mit dem Taxi 30 min gebraucht. Klar, lachte er.

Eine schöne Stadtführung hätte ich da bekommen…

Ich finde, an jeder neuen (fremden) Orgel muss frau sich erst wieder neu eingrooven, Hüfte, Gelenke, Körper, sich strecken. Sich streckend dem jeweiligen Instrument entgegenbiegen und anpassen. Nicht zu schwungvoll sein. Anti-Stretta. Ruhe. Wissen, wo man die Ferse platziert. Die Hand merkt schon vorher, wenn und dass etwas unangenehm wird.
Man muss so vieles an der Orgel beachten: 

Frau muss das jeweilige Werk als Tastatur, aber auch als Register begreifen und auch als Klang, als Pfeifen. Dreifach! 

In Ansbach ist das Schließwerk ähnlich wie in Wiesbaden, ein Chip mit Doppelpieps.
Ich mag den schlichten, hellen Raum, in dem das Schmucke einzig und allein die Orgel ist.

In meinem eigenen Stück hatte ich im Mittelwerk (3. Manual) einen Heuler (evtl. wegen den Glissandi). Es war ein a und perfekt und passend, wie er weiterklang. Ich baute mein Stück um den Heuler herum. Man muss flexibel sein. Ich dachte mir nur: Ich muß zudem auch schauen, dass und wie ich ihn im Spiel kreativ wieder wegbekomme. Das ist mir gelungen. Ich war stolz auf mich selbst. Es war ein kreativer Heuler.
Ansonsten hat mir der Ritter besonders Spaß gemacht. Ich habe alles allein gemacht. Der Kantor sagte mir, es sei ein Horror für einen Registranten, hier zu registrieren. Der könne seitlich die Schilder kaum lesen. Setzer und Hilfen und Nummern gibt es nicht. Das finde ich auch schön.
Rainer Goede sagte mir hierzu: In der Bibel steht: Ich habe dich bei deinem Namen gerufen, nicht bei einer Nummer. – So ist es: Man muss alle Register vom Namen (und Klang) her kennen, nicht von einer Nummer. Gembshorn, Petitt, Oboe, Gambe… Ich bin das Register Ann-Helena.

High Risk SOS Pandemic Dance XIV – Wiegleb Orgel Ansbach live in Concert. Uraufführung AHS

 

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Wiegleb Orgel

9. September 2021

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Für meine Werke braucht man Ohren. (AHS)

Stockholm igen! Stockholm ist wunderschön, Venedig des Nordens. Hier zu wohnen ist eher mein Ding als „im Nirgendwo“, wie manche es verständlicherweise nennen, nämlich 23 Stunden Zugfahrt von Süddeutschland entfernt. Allerdings gehe ich noch in mich und denke nach über die schöne weiße Holzvilla im Ingenstans. Denn hier in Stockholm sind Häuser extrem teuer, sagte Hans-Ola. Es war wunderschönes Wetter in Stockholm. Warm, sonnig. Gamla Stan. Ich war in der „ältesten Konditori“ Stockholms, Sundbergs Konditori von 1785, und aß Shrimps auf Toast und schwedisches Marzipan auf grüner Prinzessinenrollentorte. Alle Regenter von Stockholm werden an den Wänden abgebildet. Dann spazierte ich wieder einmal an der deutschen Kirche und an all den süßen Shops vorbei und konnte nicht anders und etwas kaufen. Mit dem Nachtzug fahre ich heim, denn die Fähre startet erst im Oktober.

8. September 2021

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Leute haben keine Ohren am Gehirn. (AHS)

Orgelsommer Nürtingen

Ich bin in Bullandö, Yachthafen bei Stockholm. Bullandö Marina. Das kleine weißblaue Segelboot liegt bei U. Wir sind mit dem Wohnmobil Mercedes Karmann gekommen. Saugdiesel. Putzig. Und laut. Die Saison ist vorbei, die Sauna kalt, im Krog sitzen abends betrunkene Deutsche. Ich habe noch nie in einem Wohnmobil geschlafen. Es ruckelt alles ganz schön. Bullandö liegt in den Schären. 10.000 Inseln soll es hier geben. Wir fuhren über Gävle. Da beginnt der Norden.
Ich halte ja nicht so sehr viel von Til Schweiger, aber das Video hier gegen Kinder-“Impfungen“ ist mutig. Wie weit wird das Ganze noch gehen? Viele Leute lassen sich impfen, damit der Spuk aufhört und ein normales Leben wieder möglich ist. In Deutschland ist der Druck besonders. Das merkt man erst, wenn man Deutschland verlässt. Und das Drücken der scharfen Maske auf den Wangen – das muss man erst mal wieder vergessen. Das ist ja schon „normal“ geworden in Bayern. Man muss in Bayern mit scharfer Maske in den Bahnhof und ans Gleis, darf dann im Zug die weiche blaue nehmen und an der Grenze sie ganz abnehmen.

ps: Das Video wurde einfach gelöscht, in dem Til Schweiger eindrücklich sagt, wie entsetzlich er die Kinderimpfungen findet.

7. September 2021

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Man kann ja viel erzählen, Berlin ist nicht Bayreuth. Das muss man erst mal erleben, dass dem nicht so ist. (AHS)

Dabei bin ich nun schon lange in Schweden. Das Wetter ist die ganze Zeit herrlich. Zum Baden aber ist es leider zu kalt. Badewanne. Kaffee und Gespräche auf den Terrassen. Es ist ganz ruhig hier. Keine Autos. Es wird traurig sein, Nordschweden morgen wieder zu verlassen. Man kann hier sehr zur Ruhe kommen und dennoch viel erleben.
Sehr empfehlen kann ich englische Filme mit schwedischen Untertiteln, so till exempel Flood.
Ich lese Moa Martinson (1890-1964). Eine sehr interessante schwedische Schriftstellerin. Kann man sich vorstellen, dass ein Land wie Deutschland Autorinnen ehrt, die Beziehungen unter Frauen thematisieren und sogar politische Texte als Journalistinnen schreiben? Mir fällt auf, dass Redakteurin, Journalistin und Autorin sein eine enge Beziehung haben kann und dass politische Ansichten und biographische Hintergründe ohne Probleme dazu gehören dürfen zu literarischen Texten. In Deutschland hatte ich das Gefühl, dass man dies nicht verbinden darf und überhaupt möglichst alles geheimhalten soll, wer man ist, sogar in Gedichten. Was eigentlich sehr schade für die Literatur ist. Es scheint mir langweilig zu sein, Figuren nur zu erfinden. Ich mochte immer schon, wenn Echtheit in irgendeiner Form dahintersteckt: Die Seele und Tiefe des Menschen hinter der Literatur.
Hier mein Schwedenfilm:

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Mein Schwedenfilm

Ich saz uf eime steine und dahte bein mit beine. (v.d.Vogelweide)

Ich bin in Västernorrland angekommen, es riecht nach Meer: Die Ostsee ist hier direkt. (Ich kann immer Meer schon in 2 Stunden Entfernung wittern und riechen.) Nordschweden. Lappland ist nicht weit.
Ich fuhr mit dem Snabbtåg von Stockholm nach Sundsvall über Gävle und Söderhamn (4 h) und wurde in Sundsvall abgeholt. Die Hafenstadt Sundsvall hat 60.000 Einwohner. Bis Umeå sind es noch 2 Stunden. Auch Haparanda am Meer ist nicht mehr weit weg.
Vi har varit i hotellet Södra Berget. Vi krossade stora brun över hamnet: Die Autobahnbrücke E4. Die Aussicht ist enorm und wunderschön. Der Himmel in Schweden ist groß und leuchtend wie in den USA. Wir haben einen unglaublichen Regenbogen gesehen. Die Luft ist so sauber und voller Sauerstoff, dass ich müde wurde anfangs und mich erst eingewöhnen musste. Wir sind am nördlichsten Ende Europas. Das fühlt sich schön an, kein Transitverkehr, alles ruhig und ohne Vermischung. Eben individuelle skandinavische Lebensart. Vi har varit i Birsta City bei Ikea und in der großen modernen Mall. Dann fuhren wir nach Smitingen (der bekannteste Badeort hier und Naturreservat und Sandstrand und Felsen). Wunderschöner Strand. Es gibt dort auch blaue Nurdachhäuser. Und Härnö Gin. Dann fuhren wir nach Östanvik und Gåltjärn, mitten im Wald. Und ratet, wer hier in der Nähe wohnt? Hans-Ola.

Wie ich allerdings ein Haus mit 10 Hektar Grundstück mit Wald, Wiese, Biber-Teich und Bach neben meiner Karriere bewirtschaften soll, ist mir ein Rätsel.

Heute besuchten wir Höga Kusten (Hohe Küste) und Höga Kusten Brun, das ist die drittgrößte Hängebrücke der Welt. Die größte ist die Golden Gate Bridge, da war ich schon zweimal, 2016 und 2006, und die zweitgrößte ist in Japan. Direkt an der Brücke gibt es das schöne große Höga Kusten Hotellet (Hotel). Unter der Brücke fließt der riesige Ängerman Älven (Fjord, Ausbuchtung des Meeres), der in die Ostsee fließt. Im Grunde ist dieser Älven schon Ostsee. Das Septemberwetter ist mild und sonnig, und so auch die Ostsee, keine einzige Welle.
Wir waren in der wunderschönen kleinen Hafenstadt Härnösand, in der die Leute Boote (Segelboote und Motorboote) und Chevys und schicke große Oldtimer haben. Es ist die Zeit der Elchjagd, man darf nicht ins Dickicht. Wir waren in Eriks Hjälpen und kauften einen weißen Schaukelstuhl für mich. Wir kauften in Hemköp einen Salat an der Salatbar und aßen diesen am Hafenbecken (Brackwasser). Die Ostsee ist nicht so salzig wie die Nordsee. Dann fuhren wir mit dem schönen alten VW T4-Bus mit Spüle und Vorhängen nach Sälsten an den Steinstrand (altes Fischerdorf), sahen aber leider keine Robben. Ich bildete mir ein, in Felsen Robben zu sehen. Überall gibt es noch vereinzelt Camper. Dann fuhren wir nach Vårdkasen: ein Rundumblick auf dem Turm (Vogelperspektive). Gretaland. Windräder.

Containerhafen Frachthafen Härnosand. Kramfors. Brunne. Byn. Gissjö…

In Gåltjärn (Waldsee) auf dem Grundstück gibt es einen riesigen Biberteich (Biotop). Biberfamilien fressen Rinde, große Bäume werden geknackt. Der Biber staut Wasser und baut Dämme. Von Damm zu Damm baut er, um seinen Lebensraum zu vergrößern. Er isst Birke. Er schält den Baum komplett ab. Ich habe die zerstören Birken gesehen. Wo ich doch Birken liebe. Er fällt die Birken nach dem Sanduhrprinzip. Er entrindet Laubbäume. Killer-Tier. Er verändert die Landschaft und Wälder massiv. Schweden muss sich momentan gegen die Biber so wehren. Manche werden erschossen.
Vor dem Fenster sind Schafe und Katzen, da es auch Mäuse gibt. Und Seven, der Australier (wuscheliger Hund). Und ganz viele riesige Pilze überall, Steinpilze und Fliegenpilze, richtige Oschis. Und Igel habe ich auch gesehen. Noch keine Elche. Noch keine Füchse. Wildschweine gibt es hier nicht, zu viel Schnee.

Es gibt hier massiv viel Schnee Dezember bis März. Er taut erst im April. Hier ist noch absolut kein Klimawandel. 1, 75 m hohen Schnee gibt es hier, den höchsten Schneestand Schwedens (war im Fernsehen). Ich wäre im Schnee ertrunken. Aber jetzt ist es warm, sonnig, samtig und angenehm. Man kann es sich nicht vorstellen. Aber wie ich 10 ha wildes Land und 4 Monate meterhohen Schnee mit meiner Karriere verbinden soll, ist mir ein Rätsel. Was denkt ihr?
Da ich hier bei lieben deutschen Freunden bin, spreche ich momentan leider kein Schwedisch. Aber lese.

Abends hörten wir Back to Black (LP) von Amy Winehouse. Ich lese Agnes von Krusenstjerna (1894-1940).

4. September 2021

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I‘ll sing you a song, ain‘t very long. (Bob Dylan)

Er hieß Robert Zimmermann, seine Eltern russische Juden. Aus Deutschland geflohen. Nach Stockholm kam er nicht. 🙂 Er ist Christ und Jude.

Meine Reise nach Stockholm heute war noch sehr abenteuerlich, wegen Problem mit dem Nachtzug (ich hatte mich so auf den Schlafwagen gefreut) und Schienenersatzverkehr bei Lund, weswegen ich einen Zug verpasste. Schließlich strandete ich dann, weil ein Zug auf einem anderen Gleis abfuhr Richtung Halmstadt. Daraufhin nahm mich, da es mittlerweile ein Uhr morgens war, eine Schwedin mit nach Hause in der Nähe Helsingborg, die im selben Zug saß. Eine sehr liebe. Sie wohnt mit ihrer Familie in einem sehr schönen (amerikanisch wirkendem) Neighbourhood mit Hybrid-Auto und Katze, die in meinem Bett blieb. Im Stil USA. Eine Familie, in der jeder perfekt Englisch sprach. Sogar die Katze. In mein Schwedisch muß ich erst wieder reinkommen, denn bin zu schüchtern, herum zu stottern. Ich verstehe viel besser, als ich spreche. Das ist anfangs immer so.

Um 6 Uhr früh ging es dann weiter. Snabbtåg Lund-Stockholm. Schwedischer ICE. Ich liebe die schwedischen Schnellzüge, hell, bequem und ein Bistro zum Träumen: Schwedisches Gebäck, schwedische Schokolade, Bilar, Oboy, Köttbullar ❤️ Man isst im Zug Köttbullar mit Kartoffelbrei. Das ist Ikea auf Schienen! Die Schaffnerinnen sind sehr nett, mein Ticket war ja eigentlich nicht mehr gültig, aber aufgrund der Probleme im Verkehr, für die ich nichts konnte, war alles ok. In Schweden sind die Sitze ja alle reservierungspflichtig. Im Bistro bekam ich sogar Kaffee spendiert. Schweden ist wie ein Garten Eden, ein Ort des Schutzes. Und Stockholm ist: ❤️.

Hier ist es so mit der Maske: Du kannst alles, wenn du willst. Aber du musst nicht. Das liebe ich. Daher gibt es hier auch keine Proteste oder Rebellen. Jeder akzeptiert den anderen. Weil man nicht gezwungen wird. Kontrollen sind auch eher pro forma. Der Wunsch nach Freiheit ist gross bei den Schweden. Bei mir auch.

Ach, ich liebe schwedische Frauen! Selbstbewusst. Da ist viel mehr Zusammenhalt, Kraft und Liebe unter Frauen. Und Männer sind automatisch Gentlemen. Das mag ich nämlich. Ich bin altmodisch. Zum Beispiel: Schwedische Männer warten, wenn es darum geht, aus- und einzusteigen (ICEs). Sie lassen mich vor. In Deutschland drängen sich die Männer vor die Frauen und wollen als erstes rein oder raus.

Ich habe mir die schwedischen Klassiker (Set) gekauft. Schweden liebt seine Frauen. Deutsche Klassiker würde wohl Frauen wenig bis kaum präsentieren. Bei den schwedischen Klassikern kommt als erstes Elin Wägner. De blå Silkesstrumporna (Die blauen Seidenstrümpfe). Die Verbindung von Dichtung und (diskreter) Politik oder Weltanschauung finde ich faszinierend. Den „Zeitgeist“ treffen ohne Zeitgeist. Unbemerkt. Diese Elin Wägner aus einem ganz anderen Jahrhundert ist/schreibt genauso „frech“ und raffiniert oder mutig wie ich, das muß etwas Schwedisches sein, etwas, das viele deutsche Männer überhaupt nicht verstehen und daher verurteilen.


Ein Land, das seine Frauen liebt, ist gesegnet. Zudem haben Frauen faszinierende Weltanschauungen und sehen Politik mit ganz anderen Augen, sind auch politisch gesehen eine absolut notwendige Brille. Elin Wägner (1882-1949) ist so etwas wie eine deutsche Alice Schwarzer, wenn auch ganz ganz anders. Und sie wird/wurde in Schweden hoch geehrt. Und was macht Deutschland mit seinen Frauen? Das Gegenteil. Damit beschmutzt ein Land sich selbst. Da Deutsche ihr Land aus historischen Gründen oft sowieso nicht lieben, fällt ihnen das nicht mal auf: Frauen im eigenen Land zu beschmutzen ist hochgradiger Selbsthass. Denn sie beschmutzen die Zierde des Landes. Hier in Schweden darf ich Frau und stark sein. Ich muß und will keine Mannfrau werden, um erfolgreich zu sein.