Wiegleb Orgel Ansbach

in St. Gumbertus

Orgelbauer:

Johann Christoph Wiegleb

Baujahr:

1739/2007

Datum des Erstbesuchs:

2020/2021 (10.9.21)

Disposition und Spielhilfen

Wiegleb-Orgel der evangelischen ehemaligen Hof- und Stiftskirche St. Gumbertus in Ansbach: Größte historische Orgel Frankens

Flair, Tradition, Niveau.

Die historische Barock-Bach-Orgel Wiegleb, die einzigartig ist: Gambenchor, 2-Fuß-Gambe, Echo im Schwellkasten, Flagiolett 2 im Prospekt (Mittelding aus Flöte und Prinzipal), Prospekt Abbild des reinen Absolutismus ohne Engel und Lobpreis. Geschweifte Anlage und Muscheln. Keine Atlanten. Auf den Schleierbrettern (dienend zum Klang, der Klang wird gebündelt, „sortiert“ durch das Gehäuse) sind Horn, Businen (Trompeten sind Nachfolger), Klarinetten als Schmuck angebracht. Es ist die erste bildliche Darstellung von Klarinetten. Der Carl Wilhelm Friedrich (1749) war wohl ein Paradebeispiel von männlichem Machtdenken: 5 gedoppelte Hinweise auf den Markgrafen: Absolutismus. Dass eine so wunderschöne Orgel im Prospekt ohne Gott und Anbetung ist, sondern idealtypisch für männlichen Absolutismus – das ist erschreckend. Nur die Musik und doch die Musik werden Gott preisen. Denn der Markgraf ist trotz seiner Monogramme längst im Totenreich.

Schwellbares Echo

Historische Barockorgel, Bach-Orgel in Mittelfranken (bei Nürnberg), 2007 neu rekonstruiert von Orgelbau Reil (Niederlande)

3 Manuale, historischer Prospekt, Schleierbretter mit Horn und Klarinette

Zuvor befand sich im alten Prospekt eine schöne süffige Steinmeyer Orgel

Danke an Kantor Carl Friedrich Meyer, Dekanat Ansbach, Mittelfranken, Bayern, Germany

Wieglebs größter Orgelbau

Und besonders vielen Dank an Rainer Goede, der diese wunderbare Orgel seit über 18 Jahren betreut und begleitet

Orgelbauer Johann Christoph Wiegleb, 1738 eingeweiht, gebaut 1736-1739, 2007 frisch und fertig rekonstruiert: Es ist eine Rekonstruktion der Wiegleborgel mit altem Pfeifenmaterial.

Bügeleisen-Schweller (kam nachträglich hinzu)

Die Register sind gut angeordnet nach dem Aufbau und der Länge der Pfeifen

Innen rechts und links:

Unteres Werk C-d3 (I) (HW):

Reihenfolge nach ihrer Stellung auf der Lade, nicht nach den Registerfeldern, Registerbezeichnung nach 1750, rechts und links

Stimmtonhöhe 465 Hz

Temperatur: Wiegleb

Winddruck: Manuale 66 mm Ws

Pedal 68 mm Ws

Principal 8‘

Cijmbel 2’ 2fach

Sesquialtera 1 1/2’ 2-3fach

Mixtur 2’ 8–9-10fach

Superoctava 2‘

Quinta 3‘

Octava 4‘

Flöth 4‘

Grobgedackt 8‘

Flaut travers 8‘

Gembshorn 8‘

Viola di Gamba 8‘

Salacional 8‘

Quintatön 16‘

Trompete 16‘

Oboe d‘amour 8‘

Außen: Oberes Werk (II): C-d3

Principal 4‘

Flaschiolet 2‘

Mixtur 1‘ 4fach

Quinta 1 1/2‘

Octava 2‘

Waldflöthen 2‘

Rohrflöthen 4‘

Blockflöthen 4‘

Quintatön 8‘

Grobgedackt 8‘

Fugara 8‘

Fagott 16‘

Vox humana 8‘

In der Mitte bis zur Hälfte: Mittleres Werk ganz oben (III): C-d3

Principal 4‘

Nassat 3‘

Sallicinet 2‘

Nachthorn 2‘

Petitt 4‘

Spitzflöth 4‘

Quintaten 8‘

Echo: 8‘, 4‘, 3‘, 2‘, 1 3/5‘ (ab C)

(im Schwellkasten)

Die andere Hälfte: Pedal

Bässe C-d1:

Principal Bass 16‘

Cimpel Bass 2‘ 2fach

Mixtur Bass 4‘ 6fach

Bassettgen 4‘

Quint Baß 6‘

Octav Baß 8‘

Violon Baß 16‘

Quintadena Baß 16‘

Posaunen Baß 16‘

Subbass 32‘ (Holz offen)

Siehe auch die kleinen Wiegleb-Orgeln:

Kleine Wiegleb Orgeln

10 Bälge 9×4

4 Sperrventile

Tremulant

Accordstern

Maschinenzug zum Echo

Manual-Schiebekoppeln III/II, II/I

Calcant

Der wunderbare Prospekt ist Abbild des reinen Absolutismus (Markgrafen), idealtypisch, ohne Engel, ohne Soli Deo Gloria, 5 Symbole auf den Markgrafen eingeflochten

Wunderschöne, dezente Kanzel, Georgskapelle,  Schwanenritterkapelle, Fürstengruft mit Krypta und Prunksärgen. Romanisches Seitenschiff,  Kanzlei drüber 1. Stock.

Im Jahr 1961 wurde eine Steinmeyer Orgel eingesetzt ins Gehäuse, entwickelt und entschärft neobarock, pneumatisch, noch romantisch intoniert.

Klang und Akustik

In perfekt „abgemessener“ Akustik (weder zu stark noch zu trocken) im schlichten und hellen Raum klingt die Orgel majestätisch. Besonders schön sind der Prinzipal 8, die Traversflöte, Petitt, Gambenchor, 2-Fuß-Gambe, Zimbelstern, Echo im Schwellkasten, Flagiolett 2 im Prospekt. Das Pedal klingt auch ohne Pedalkoppel wunderschön. Die Pedalkoppel kam erst später hinzu. Im Mittelwerk (3. Manual) ist das Quintatön 8 sehr schön. In meinem Konzert waren alle Zungen schön gestimmt, besonders auch natürlich die Posaune 16 im Pedal. Reiche Fülle der Streicher, der wunderbare offene mächtige Subbass 32. Quintadena als Grundregister https://www.youtube.com/watch? v=n55apUe6swA&list=PLBYnHDp65NIjXRzRFhWTopNFOhKuxe2VM&index=1

Persönliche Note

47 Stimmen auf drei Manualen (thüringisch-fränkisch), edel, singend

Wunderschönes Hauptportal mit Turmvorhalle, Barocksaal mit Fürstenstand, hell, blau, schlicht

Die Bälge sind oberhalb und über der Orgel in der Decke (Schwerkraft, fallender Wind). Der offene Subbass 32 in Holz „gefaltet“ und aufgestellt direkt hinter der Orgel

Register rechts und links:

Innen: Unteres Werk (HW oder I)

Außen: Oberes Werk (II)

In der Mitte bis zur Hälfte: Mittleres Werk ganz oben (III)

Die andere Hälfte: Pedal

Kommentare:

4 Antworten auf “Wiegleb Orgel Ansbach”

  1. Volker Hege

    Eine großartige Einführung von der Wiegleb-Orgel in der Kirche St. Gumbertus in Arnstadt erfährt der Leser hier in diesem profunden Beitrag von der Konzertorganistin Ann-Helena Schlüter. Raum und Klang erzeugen eine fantastische Gegebenheit für die Wiegleb-Orgel und verleihen ihr ein besonderes herausragendes Prädikat.

  2. Eine großartige Einführung von der Wiegleb-Orgel in der Kirche St. Gumbertus in Arnstadt erfährt der Leser in diesem profunden Beitrag von der Konzertorganisti Ann-Helena Schlüter. Raum und Klang erzeugen eine fantastische Gegebenheit für die Wiegleb-Orgel und verleihen ihr ein besonderes herausragendes Prädikat.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.