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Organistin

18. Juli 2019

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Ostsee-Orgeln

Die Dinse-Orgel (Berlin) in Sassnitz St. Johannis (pneumatische Traktur) gefällt mir. Die Kirche ist wegen der See genordet, nicht geostet. Wenn ich oben an der Orgel übe, höre ich kein Dolby Surround, von C bis Cis,  aber unten, vor allem, wenn man ein Engel in der Luft wäre. Mc=Manualkoppel, Pc= Pedalkoppel. Dann gibt es das Forte für Tutti, auch Mf. Und eine Glocke, die nicht mehr funktioniert. Die Kirchen auf Rügen sind in letzter Zeit oft verwüstet worden. Dennoch sind sie geöffnet, was ich schön finde. Ich freue mich, die Grüneberg-Orgel in Bergen kennenzulernen. Man spürt, dass Schweden ganz nah ist, nur vier Stunden Fähre. Die Fähren fahren vor meinem Fenster vorbei und tuten. „Schillerlocken“ vom Dorn-Hai, Dorsch, Hornfisch, Heilbutt und Lachs gegessen. Das Klavier in Sassnitz ist ein Köslin-Klavier. Das Konzert war sehr schön.

Bei Bach kommt es mir vor, als wäre hinter seinem schönen, weißen „Putz“ festes rotes Mauerwerk, stabiles Gestein, Rahmen.

17. Juli 2019

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Sassnitz, Rügen

Ich freue mich sehr, dass mein Roman Frei wie die Vögel auf der EKD.de (Deutsche Evangelische Landeskirche) als Buchtipp für Friedenskultur neben Margot Käßmann empfohlen wird. Ich freue mich auch, dass eine Frau EU-Chefin geworden ist – da mögen manche (Frauen leider auch) noch so neidisch lästern. Das, was Frauen lernen können, ist, zusammenzuhalten in der Männerwelt und Seilschaften zu bilden, wie es unter Männern Gang und Gäbe ist. Man muss leider sagen: Das, was in islamischen Ländern in Frauendiskriminierung offensichtlich geschieht, dies geschieht in westliche Ländern subtil. Ich frage mich manchmal, warum Männer Frauen auf der einen Seite lieben und begehren, und auf der anderen Seite kleinhalten wollen. Das passt nicht zusammen. Und wer wären sie ohne ihre Mütter? Erstaunlich ist nicht nur der Frauenhass, sondern auch, dass Deutschland Deutschland nicht wählt. Mir fällt dies auch in der Kunst- und Kulturszene Deutschlands auf: Man fördert alles, nur den deutschen Nachwuchs nicht. Denn dann ist man ein Nazi?

Ich freue mich auf mein Konzert heute Abend in Sassnitz an der romantischen Orgel.

Orgel: Spiegelbild der Seele. Technik an der Orgel 

Es ist wichtig, das Pedal wirklich zu hören. Der Bass setzt die Zeit. Das Mass. Durch meine Geschichte bin ich daran gewöhnt, das Helle, Obere als Lead-Voice wahrzunehmen. Der Bass war höchstens der Butler, der den Tee bringen durfte.  Jedoch ist er ein wahrer Gentleman, ein eleganter Diener, der eigentlich der Boss ist, aber gern dienend und tragend ist, wie ein Hirte die hellen Stimmen zusammenhält, zu edel, um sich wichtig zu tun.

Es ist sehr wichtig, ihn wahrzunehmen und zu formen.

Es gibt nicht viele gute Orgelpädagogen. Das Pedalspiel ist zunächst vom Sitz her eine rein pragmatische, sehr körperliche Angelegenheit, die nichts mit Musikalität zu tun hat. Das mag großen Männern nicht so vorkommen, die autodidaktisch Orgel gelernt haben. Aber zunächst mal ist es körperlich ungewohnt, gerade und mittig und nicht zu weit nach hinten zu sitzen und dennoch frei mit den Fußgelenken, mit den Beinen zu sein, gerade außerhalb der Comfort-Zone – ohne ein schwer arbeitender Hampelmann zu werden, oder besser eine kleine Hampelfrau. Das heißt, Bauchmuskeln sind hier angesagt. Was haben Bauchmuskeln mit Musikalität zu tun? Nichts.

Mittig. Ruhig. Fußgelenke. Wissen, was wo wann bewegt wird. Statik. Das stark machen, was noch schwach ist. 

Dann kommt die Musikalität: Die Orgel singt ganz anders als der Flügel. 60 Prozent der Orgelmusik ist wortbezogen. Ganz anders als beim Flügel. Die Orgel spricht. Sie singt sprechend! Der Flügel brilliert. Das geht so bei der Orgel nicht, im Gegenteil,  ist verheerend. Gewisse Vorteile vom Flügel helfen mir bei der Orgel nicht: Virtuose Finger, schnelle Triller („Sie trillern einfach zu gut“), Überlegato, meine „übergerüstete“ Technik, selbst meine Gabe, Obertöne am Flügel hervorzuheben und mit dem Handgelenk Klang zu schaffen – bei der Orgel sinnlos. Nicht nur sinnlos, sondern falsch. Diese unterschiedlichen Parameter muss man ganz genau kennen, die müssen ins Blut übergehen. Ganz pragmatisch. Das Singen an der Orgel erfolgt ganz anders. Es wird auch anders artikuliert.

Es mag widersprüchlich klingen: Auf der einen Seite nicht übergerüstet sein, sondern so wenig wie möglich geben, sich tragen lassen, auf der anderen Seite hoch aufgerüstet in allen Facetten der Artikulation sein, und wissen, wie. Das Ohr allein hilft nicht. Man braucht das ganz pragmatische Handwerkzeug, Zeit und Erfahrung. 

Daher ist das Orgelbüchlein so wichtig. Die Orgel kennt und spricht und verkündet, sie ‚tutet‘ und dröhnt nicht.

Bei ihr muss der Ton geschnitten und gelüftet werden, nicht wie beim Flügel möglichst gezogen. Gravierende, faszinierende Unterschiede. Bach wusste dies ganz genau. Er wusste, wie er durch seine introvertierte d-Moll-Triosonate lyrisch seufzen und Ton verpuffen lassen kann, um dennoch eine dramatische Linie zu halten bis zum Höhepunkt. Bei ihm ist nichts wie am Fließ band wie bei Händel, dem Könner (jedoch die Händel-Perahia-CD ist schön). Jede Triosonate Bachs ist anders vom Charakter.

Zudem ist die Orgel imitierend. Sie ist eine sprechend-singende, imitierende, predigende Frau. Vielleicht sogar eine schwarze Frau. Eine mit dem Blues.

Bach ist der Weg zur Orgel. Blues und Bach sind ganz nah. 

12. Juli 2019

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Poesie an der Orgel – meine Seelenverwandte

Die Orgel: She’s like the wind … 

Es ist doch erstaunlich, dass manche Organisten glauben, es ginge hauptsächlich um die Größe der Orgel. Ich finde, ein solches Denken ist das Gegenteil von Musikalität. Natürlich ist es eine Zeitlang sehr spannend und verlockend, die großen und größten Orgeln der Welt zu bestaunen und zu spielen. Aber irgendwann sollte man damit einigermaßen gesättigt sein und nicht dort stehenbleiben. Dann geht es schließlich wieder um die Musik. Hierbei geht es um den schöpferischen Klangwillen. Dabei ist die Größe der Orgel nicht entscheidend. Darum geht es nicht.

Bachs Trio-Sonaten haben mit „der Größe der Orgel“ nichts zu tun. Auch nicht mit „raffinierten“ Setzeranlagen oder „geschickten“ Registerkombinationen oder einem „Maschinendenken“. Immer neue Gebilde entwachsen aus den Triosonaten, Vereinigungen, Einheiten. Hier muss man einfach sehr gut spielen können, gut hören, musikalisch sein. Durch nichts wird der Mangel hier „verdeckt“ oder kompensiert.

She’s taking me to moonlight, only to burn me with the sun…

Natürlich muss man sich auch mit der Wucht und der Größe einer Orgel und ihrer enormen Komplexität identifizieren. Das tue ich. Ich habe oft das Gefühl, die Orgel ist mir sehr ähnlich: komplex, variierend, voller Power und Schönheit, in gewisser Weise geheimnisvoll, überbordend, sowohl introvertiert wie auch extrovertiert, gewaltig. Dennoch ist – und ich habe oft das Gefühl, danach lechzt die Orgel – der sanfte, lyrische, virtuose, pianistische, kammermusikalische Zugang sehr wichtig, die Poesie an der Orgel, das Weibliche.

Manche meinen, je größer und komplexer die Orgel ist, desto männlicher wäre sie. Ganz im Gegenteil. Frauen sind ja nun eindeutig wesentlich komplexer als Männer und auch viel runder :).

Einige traditionelle Kirchenmusiker blocken, wenn es um Organistinnen geht, tun sich selbst aber keinen Gefallen damit: Es geht um die Zukunft der Orgel.

She’s taking me to moonlight, only to burn me with the sun…

Die Orgel ist wie eine Freundin, eine Seelenverwandte für mich. Der Flügel ist wie ein scheuer, brillanter Liebhaber, ein Lover, oder besser, wie ein Ehemann, die Orgel wie meine große Schwester.

Sie ist eine sprechend-singende, imitierende Verkündigerin.

Im August wird meine neue Bach-CD bei Hänssler Classic im Saarländischen Rundfunk vorgestellt: am 6.8. um 11.20.

Gedanke 77: Musik trinken. (AHS)

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Musik trinken

Die Beflügelung der Angst, sie zu verlieren. Sound ist etwas Weibliches, Echo erst recht, etwas Schöpferisches, etwas, das aus Herz und Bauch kommt, aus Brust, Kehle und Tiefe. Die Kunst kommt aus den tiefen Regionen des Körpers, schwingt. Ist edel.

Es tut gut, Jazz zu hören. Tiefenentspannung. Kontrabass, Saxofon. Mehr nicht. Simpel. Augen schließen.

Wie ein Amen. Singen. Hören.

Konzert in Ostfriesland und Tropea, Süditalien 

Ich freue mich auf meine Konzertlesungen in Leer. Ich spielte bereits in Aurich, Rysum und der Gegend, Emden, Juist, Langeoog und Norderney. Borkum habe ich besucht. Vielleicht diesmal Baltrum?

Süditalien vermisse ich nun, das große Meer in allen Blautönen, das gezähmt und mit salziger weißer Salzrüsche als Dekoration sanft für uns an den Strand läuft, damit die kleinen Menschen mit ihren Babies im Wasser planschen können – und doch auf offener See wild und stark ist; Schönheit und Schrecklichkeit; die Felsen und den Sonnenuntergang, den Palmen- und Kakteen-Garten der Santuario di Santa Maria dell’Isola di Tropea. Dort liefen große Hasen und Kaninchen herum in allen Farben, miteinander schmusend, in Formen und Farben, die ich noch nie so gesehen habe, Kreuzungen zwischen Meerschweinchen und Kaninchen und zahm, ließen sich streicheln und fraßen Blätter vor meiner Nase. Die Aussicht dort ist unbeschreiblich, auch die Aussicht von der hohen Stadt Tropea selbst hinunter in die Bucht. Und die schöne Castello die Murat in Pizzo und Piedigrotta

Das Eis und das Sorbet ist himmlisch in Tropea und Pizzo Vibo, besonders das Mandel- Zitronen- und Orangensorbet. Aber auch Fisch, Meeresfrüchte und Muscheln direkt frisch aus dem Ionischen Meer und der Tyrrhenischen Küste. Leider reagiere ich auf zu starke Sonne oft mit Sonnenallergie (rote Punkte) seit Australien. 

Aber am schönsten ist es, im Mittelmeer zu baden, wenn die Sonne untergeht und frau ganz allein ist. Das Wasser ist rotorange und türkis und golden und silber, leise und mysteriös, während die Planeten sich drehen und der Himmel rot ist, bevor er schwarz wird. Noch nie war mir das Universum so bewusst wie dann. Als würde das Meer direkt aus dem Universum kommen wie die Sonne und der Mond. 

Italienische Lasagne Ann-Helena Calabrese

7. Juni 2019

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Orgelakademie Stuttgart

Ich freue mich auf Daniel Roth und all das, was mir hilft, zu spüren, was ich mit der Orgel eigentlich unter den Fingern habe, zu spüren, wie Musik „funktioniert“ – auch wenn mir mein Gehör oft etwas anderes sagt, aber Bach wird schon wissen, was er mit seinen vierstimmigen Sätzen meinte. Wenn ich gewusst hätte, auf was ich mich einlasse mit der Orgel, ich hätte es nie noch gelernt.

Viele Kirchenmusiker können sich gar nicht vorstellen, dass man in beiden Instrumenten, Orgel und Klavier, wirklich künstlerisch tätig ist. „Von was lebst du eigentlich?“

Wenn man neue Gebiete betritt, kann man sich selbst noch nicht realistisch einschätzen und verantworten. Die Orgelwelt ist eine ganz eigene, eigenartige Welt, ein Rudel, ein Schwarm, und ich schwimme noch als fremdes, naives Wesen, als Alien, als Nemo. Dass ist wie damals, als ich ein ganz neues Stück lernte als Kind und schon nach zwei Wochen dachte: Das ist schon jetzt großartig – erst nach einer Weile erkannte ich dann den Weg. Und doch will ich das Unbeleckte, Unschuldige nicht verlieren. Ich möchte gar kein alter „Orgelhase“ sein. Es ist und bleibt ein Wunder. Ich sehe die Orgel als künstlerisch-virtuos-konzertantes Instrument.

16. Mai 2019

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Bamberger Dom

Von Heidelberg nach Bamberg: Es war sehr schön gestern, wieder an der Rieger-Goll-Orgel im Bamberger Dom zu spielen, eine Schwalbennest-Orgel an der Nordwand, mit spanischen Trompeten, die Chamade mag ich sehr, mein zweites Mal. Vierne-Ohrwurm. Danach spanische Tappas im Bolero Bamberg gegessen.

Von Philipp Klais bekam ich heute die erste Elphi-CD geschenkt, ich bin begeistert von Kalejs, Garuta und dem wundervollen Klang dieser Klais-Orgel. Die lettische Musik ist sehr interessant. Ich erinnere mich gern an meine Zeit in Riga. Ich liebe neue Musik an der Orgel. Wind, Haut, Klang, Strömen, Fließen, Reflektieren, Tafeln, Nusskern, Kissen, Federn – das alles ist die Elbphilharmonie, in der ich nun schon dreimal war. Ein Traum.

15. Mai 2019

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Presse Dom Wetzlar

Wetzlar war sehr schön, die große schöne Dom-Orgel mit ihren 3500 Pfeifen. Schöne Presse.

Ich freue mich, nun die neue Vleugels-Orgel in St. Peter Würzburg kennenzulernen. Wenn ich bald wieder in Köln bin, besuche ich gern mal wieder meine Baptistengemeinde dort, in die ich ging, als ich in Köln Klavier studiert habe.

10. Mai 2019

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Vierne

An der Orgel freue ich mich auf meinen ersten Vierne: 3. Sinfonie. Ich spiele zum ersten Mal eine Sinfonie!

Am Flügel habe ich Vierne und Widor natürlich nicht kennengelernt. Außerdem wird dort oft erst mit Bach „das Licht angeknipst“. Aber was ist mit Buxtehude, Bruhns, Muffat, Froberger, Sweelinck, Pachelbel, Frescobaldi, Couperin… ?

Gerne denke ich dabei an meine Konzerte in Korsika und Uganda und Ägypten zurück (Luxor und Petra und Kairo). Besonders Kampala und Matugga in Afrika, dort, wo ich überall Assiimwe genannt wurde.