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Organistin

Orgelkonzert Zülpich bei Köln (Weimbs-Orgel)

Die besondere und große, moderne, romantische dreimanualige Weimbs-Orgel mit 47 Registern von 2014, Schleiflade (mit sehr geringem Druckpunkt), elektrische Traktur, Automatikpedal, Tuba, Doppel-Orgel (3. Manual Chororgel rechts), frei verschiebbarem Spieltisch, auch versteckten Pedalpfeifen, Tastenfesseln, Winddrossel, freien Koppeln, Windregler ist das ganze Gegenteil von der Walcker-Orgel Hoffenheim, die frühromantisch und historisch ist. Der Vergleich haute mich um!

An beiden habe ich Liszt B-A-C-H gespielt – und es kam mir vor, als spielte ich ein völlig anderes Stück! Bei dem einen konnte ich in kurzer Zeit alles selbst „einstellen“, vor allem durch das teilbare Pedal und die Schweller, bei dem anderen sind Stunden von Einregistrierung nötig und mind. zwei Registranten.

Dennoch oder gerade WEIL muss ich sagen, lebt bei historischen Orgeln ein anderer Wind, als würden die Pfeifen das Stück erküssen. Bei dem einen kann ich durch Setzer alles automatisieren, bei dem anderen muss ich in Zusammenarbeit mit den Pfeifen und sehr viel Geschick (allein, dass man den Physharmonik-Schweller immer einklappen muss, um an das Pedal zu kommen) das Instrument sehr gut kennen, um zu einem Ergebnis zu kommen. Diese Intimität mit der Orgel ist in Hoffenheim auf eine geradezu mystische Art und Weise da. Sie ist ja auch direkt hinter dir, du sitzt in ihr. 

Jedoch, jede Orgel ist faszinierend, vielleicht bin ich ein Orgel-Junkie geworden. Jedenfalls bin ich eine Art Konzert-Junkie. 

Schön waren auch Messiaen, Mozart, Bach und meine eigenen Werke. An dieser Orgel konnte ich wirklich wild sein. Ich habe fast alles genutzt, „was geht“. Holger Weimbs sagte, es hätte Klänge gehört, die würde er von seiner Orgel noch gar nicht kennen. Ich komme mir vor wie eine Malerin mit einem riesigen Farbkasten, und hinterher bin ich und alles andere und alle anderen bunt und vollgespritzt.  

Hinterher waren wir im Rathaus essen. Zülpich mit seiner Stadtmauer, der römischen Strasse und mitten im Karneval ist ein sehr hübscher Ort. 

10. November 2019

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Hoffenheim: Romantische, historische Walcker-Orgel (1846)

Ich bin begeistert von dem Denkmal der Frühromantik, der Walcker-Orgel in Hoffenheim (bei Heidelberg). Eine schöne durchlässige Kegelladenorgel von Eberhard Friedrich Walcker in der evangelischen Kirche Hoffenheim (die sogar einen kleinen Flügel besitzt),  opus 62 von 1846 (Restaurierung 2012 von Orgelbau Lenter, Sachsenheim). Sie besitzt eine schöne brüchige, exotische Holzharmonika (offener Streicher aus Holz) im zweiten Manual, die dem Gedackt, Dolce und der Flute d’amour besondere Würze und Helligkeit gibt, und eine Physharmonika mit Windschweller (durchschlagene Zunge) – mit Akkordeon oder Mundharmonika haben beide nichts zu tun. Es geht eher um die Harmonie, um Idealklänge, um neu erfundene, kreative, eigene Instrumente. Besonders die Physharmonika ist eine eigene kleine „Maschine“ mit Klangplättchen. Beide sind sehr zart im Klang und im Pianobereich. Sehr schön ist auch die Gambe im ersten Manual. Calcant (Windmotor).

Die Orgel ist ein Wunder. Sie vermittelt einen pianistischen und dynamischen Klang, ihre Klänge und Register blühen nach oben auf und wechseln innerhalb einer Tonleiter von Flöte zu Streicher. Albertibässe sind absolut möglich, wie beim Flügel. Hier ist also der Flügel in der Orgel. Das, was man mir sagte, dass es nicht ginge. Ja, es geht: mit Flöten und Streichern.

Man muss den Anschlag jedoch stets sehr anpassen. Nie zu hart sein. Eher sehr zurückhaltend. Ihre leisen Klänge sind die inspirierenden. Nicht das laute Plenum. Es ist ja eine verhältnismäßig kleine Orgel, zwei Manuale, die Pedalpfeifen versteckt, ohne Schweller, ohne Setzer. Den Holzschweller zur Physharmonika muss man hochklappen, sonst kann man das Pedal drunter nicht mehr gut erwischen.

Liszt B-A-C-H hier zu spielen eine Herausforderung, um nicht zu sagen, sehr schwer. Jede Pfeife, jedes „Pult“ muss man im Blick haben, wo was ist, auswendig kennen. Auch, dass das Pedal oben ist. Man braucht zudem sehr fite Registranten auf beiden Seiten und saubere, frische Noten. Warum? Die Registerzüge sind aufgrund der Kegellade komplex, sie machen Lärm, müssen sanft gezogen und eingehängt werden, verhalten sich bei jedem Register anders, und beim Abregistrieren noch mal anders. Zudem müssen sie in einer Art Griff gezogen werden, da man oft 3 oder mehr gleichzeitig braucht. Es ist ganz schön Arbeit. Die Holzharmonika und die Physharmonika (und die Traversflöte) waren ebenfalls Vorbild für die Bossert-Klais-Orgel im Saal Würzburg. Andreas Saage wurde von Christoph Bossert nach Hoffenheim geschickt. Viele kennen Hoffenheim gar nicht, außer vom Fußball. Auch die Orgelfirma Lenter wird von Herrn Bossert unterstützt. Ich muss sagen, dass ich die Lenterorgeln mit Kegellade ebenfalls sehr mag. Sie haben sogar eine labiale Klarinette. An der Walcker-Orgel in Hoffenheim kann man Klarinetten- und Hornklang herstellen – auf kreative Art und Weise. Es ist schön, wenn man Flöten, Streicher, Zungen, Prinzipalchor, Schwebung, konische Pfeifen vorfindet. Die Unterscheidlichen. Die Ehrlich-Orgel in Bad Wimpfen besitzt sogar eine konische Pfeife aus Holz, eine Spitzflöte. Wo sind in heutigen Orgeln solche Besonderheiten?

Wie wichtig Streicher sind, war mir lange nicht bewusst. Bach liebte wohl Gambe und Quintatön. Rieger (aus Österreich) und andere heutige Orgelbauer scheinen oft nicht die exotischen schönen Flöten- und Streicherstimmen mehr zu treffen. Es ist natürlich traurig, dass manche aus der Orgelbewegung meinten oder noch immer irrtümlicherweise meinen, Walcker-Orgeln seien „Fabrik-Orgeln“ gewesen. Das ganze Gegenteil ist der Fall. Das Poetische der Orgel ist wichtig, nicht so sehr das Kühle, Professionelle. Den Keysound finden. Früher hatte Walcker Orgeln mit 100 Registern gebaut – alles zerstört.

Die Orgel ist sehr schön geeignet für Brahms, Mendelssohn, Schubert, Schumann, Ritter, sogar für Bach und Liszt.

Wunderschöne Hoffenheim Orgel Walcker

6. November 2019

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Orgelbau Ahrend Ostfriesland

Die Werkstatt hängt voller Fotos schöner Orgeln (bald ist Jubiläum). Hendrik Ahrend zeigte mir die Pfeifenwerkstatt (Kernstück, Geheimnisse….), die Orgel, die für die Hochschule in Tübingen gebaut wird (man kann diese mitteltönig und wohltemperiert einstellen, Klaviaturteilung auf die Windladenteilung anhand einer Welle, um die Abstrakten dranzuhängen; die Regler gehen hierzu nach rechts und links; eine schöne Jugendstilorgel mit Blattgold-Verzierung) mit schöner Hohlflöte. Eine Orgel mit zwei Stimmsystemen ist eine absolute Ausnahme (nur noch Fisk in den USA und Wegscheider in Ostdeutschland). Realisiert mit 18 Pfeifen statt 12 pro Oktave. Daraus ergibt sich, dass 6 Pfeifen pro Oktave doppelt genutzt werde, also in beiden Stimmsystemen. Es sind im Grunde zwei Orgeln in einer. Der Manualumfang in der Mitteltönigkeit nur bis c3. 

Ich konnte auch die durchschobene Lade sehen, die Ventile gehen zum selben Ton.

Gesellen arbeiteten in einem Nebenraum, in dem es nach Holz duftete. Hier sah ich viele Skizzen und Pläne an den Wänden, die Hendrik mir erklärte, Werkzeug, Poster, auch die Schleifladen, die ausgebreitet dalagen (das Prinzip), die Pfeifen in einem extra Raum – sie sind das Herzstück, hier braucht es Geschick, Ruhe, Erfahrung, Kunst und Klangidee; die breiteren Gedeckte und die schmaleren Quintadena… 

Die Firma liegt in weiter Natur idyllisch inmitten roter Schwedenhäuser und Herbstbäumen.

Ich kann gar nicht genug hören von Klangfarben und Pfeifen und Registern, von den verschiedenen Orgelbewegungen und ihren Zielen, Irrtümern und Motiven, von Wind und Farben. Habe Ideen für neue Pfeifenformen. 

5. November 2019

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St. Marien Leer, Ostfriesland: Ahrend-Brunzema-Orgel

The Red Organ – die wunderschöne, dreimanualige Schleifladen-Orgel in perfekter Akustik, nachträglich bemalt (vorher Holz), besitzt zart-brillante Prinzipale, „spanische Trompeten“ und Mixturen, eine Schalmei (Zunge), Bourdon (gedackt), ästhetische, griffige Manubrien, etwa lauten Wind, gold verzierte Prospektpfeifen, schönes Rückpositiv mit den Manubrien direkt hinter mir. Man kann hier ein wunderschönes Cornett (Hornklang) bauen. Leider keine Klarinette, da es keine Streicher gibt. Obwohl doch die Kegellade (ohne Druckpunkt, durchlässig) dem Klavier näher ist, muss ich sagen, dass ich die Schleiflade mit Druckpunkt auch sehr gerne spiele. Ich mag den Widerstand. Zudem ist jede Schleiflade anders; machmal ist der Druckpunkt stark (Maihingen), manchmal sehr leicht (Klais). Man muss auch an der Kegellade (Lenter) den Ton formen, vor allem beim Weggehen. Alles resoniert nun mal anders als beim Klavier. Die Pfeifen dürfen ja nicht einfach nur spucken. Das Cembalo hilft, dieses neue Formen herzustellen und schnell zu switchen.

3. November 2019

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Grosse Kirche Leer, Ostfriesland: größte, prachtvolle Stadtorgel Ostfrieslands

Die wunderschön restaurierte (historische) weiße, dreimanualige Orgel (Ahrend Hendrik und sein Vater Jürgen) mit den zwei Rückpositiven rechts und links besitzt sehr schöne Zungenstimmen, besonders die kleinen pfiffigen Regale, tragende und zart-brillante Prinzipale – und edel und gebildet präsentiert sie sich, so dass man unbedingt auf ihr spielen möchte. Die Decke der Kirche ist dunkelgrün und spiegelt sich bei schrägem Sonnenlicht auf den Zinnprospektpfeifen wider. Die gesamte Kirche ist dem Altar, also dem Word Gottes zugerichtet. Dieser leuchtete uns weiß-rot im Abendlicht an, als wir eintraten. Ostfriesland ist mit seinen roten Steinen überall ohnehin so wunderschön und reich. Ich liebe die norddeutsche Orgelwelt. Und die süddeutsche auch. Muffat passt hier nicht her in die ostfriesische Luft vielleicht, aber Bruhns, Buxtehude.

Diese große und dennoch zarte Orgel (Schleiflade, Druckpunkt, mechanische Traktur) wirkt wie aus einem Märchen und besitzt wunderschöne Quintadena. Hendrik zeigte mir auch die Orgel von innen, auch die Bälge. Besonders interessant waren der Tremulant im zweiten Stock (Oberwerk) und die großen Holzpfeifen im ersten Stock (Hauptwerk). Die Leiter waren weniger gefährlich als in Wolfenbüttel an der Schukeorgel. Ich traute mich langsam etwas weiter hinauf. Die beiden Positive waren ebenfalls schön, von innen zu sehen, die schönen zugelöteten Pfeifen und ihre Seitenbärte. Das Rückpositiv links ist fest mit dem ersten Manual verbunden, das rechte kann mit dem dritten Manual gespielt werden, wenn das Oberwerk über ein Ventil vom Wind getrennt wird. Beide Positive haben wunderschöne Gedeckte und Flöten. Wunderschönes Crumhorn und Sordun im linken Positiv. Die Schönen schwarzen Registerknöpfe (Manubrien) erinnern mich an die Stellwagenorgel St. Katharinen Hamburg (für mich Bach-Orgel).

Der Wind ist ganz leise, der Windrücken flach.

Bellingwolde-Stimmung (Vorbild Schnitger-Orgel in Bellingwolde). Schönes Dulzian (Fagottklang).

29. Oktober 2019

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Registrierungen

Es gefällt mir besonders, eine Orgel mit Druckpunkt (Schleiflade) zu spielen. Und ich mag es, Registrierungen zu finden: von Dolce (G) zu Salicional (S) zu Gemshorn (P) zu Gambe (S) zu den Gedeckten und Flöten, zu den Vierfüßen, zu den Achtfüßen. Eine Klangwolke um den Keysound zu bilden, beispielsweise um die Konzertflöte in Giengen oder um die Gambe in Maihingen oder um das Gemshorn in Fährbrück, diesen Keysound aufbauen und zu stärken, nicht zu unterwandern oder zu zerstören.

28. Oktober 2019

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Süddeutsche Martin-Schlimbach-Orgel Fährbrück Wallfahrtskirche, Franken

Die schöne romantische, zweimanualige Orgel von 1900 mit Streichern und Flöten ohne Zungen, mechanische Kegellade ohne Druckpunkt (Lenter-Orgel), empfindlich und mit 16 klingenden Registern, kein Schweller, keine Setzer, in der hübschen Mariä-Himmelfahrtskirche, besitzt ein außergewöhnliches Gehäuse mit Wappen und Engeln. Mir gefallen die Farben der Gambe, des Gemshorns, der dunklen Hohlflöte sehr. Und Bourdon, dunkles Flötenregister. Auch die Das prinzipalische Gemshorn eignet sich als Brücke in alle farblichen Richtungen und Schattierungen. Größere Kegelladenorgeln wie Walckerorgeln haben meist einen Barker (zum Hauptwerk). Dieser jedoch macht meist Lärm, wenn er fälschlicherweise auf alle Manuale angewendet wird.

Jede Orgel besitzt eine andere Gambe, die eine eine fauchende, die andere eine milde; mal eine, die wie eine Zunge klingt. Eine schöne Solostimme und auch sehr schön zum Kombinieren. Es gefällt mir, die Klänge wie Farben zu mischen. Eine Gambe mit Hohlflöte oder mit einem lieblich Gedackt ergibt eine Klarinette, so wie Blau und Gelb Grün ergeben. So hat man an einer kleinen Orgel, die kein Grün besitzt, das Grün durch Blau und Gelb. Aber die Gambe dient auch anderen Kombinationen oder als Solostimme. Auch durch Manualwechsel lassen sich Farben immer wieder neu präsentieren. Aus vier Registern viele machen. Ergänzungen und Komplementärfarben, Echo und Gegenüberstellungen, Verstärkungen und Abschwächungen.

Was mir an den romantischen süddeutschen Orgeln dieser Art gefällt ist, dass die Prinzipale nach oben hin aufblühen, wie der Diskant eines Steinways. Der Steinway ist unten auch voller Brillanz, an dieser Orgel aber werden die Farben nach unten milder und leiser. Die mächtige Mixtur, die die Orgel zu verdoppeln scheint, leuchtet ihre Terz erst ab dem mittleren C. Bach lässt sich hier mit Oktave 4, Prinzipal 8, Gemshorn 8, Mixtur und Gedeckten sehr schön spielen. Man muss nur die barocken Farben suchen, den Barocksound, nicht zu dick. Diese Orgel ist sehr schön für Reger, Mendelssohn, Schubert (B-Dur, A-Dur), Schumann, Ritter geeignet. Ich liebe die vierte Mendelssohn-Sonate. Schubert zu registrieren und zu bearbeiten dauert sehr lange, vor allem auch, weil das Pedal klappert und daher im Pianissimo nicht sehr verwendbar ist. Jedoch die Alberti-Bässe flirren wunderschön. Die vielen Farben sind nur mit Registranten möglich und vor allem mit schönem Farbgefühl und schönem, weichen, dynamischen Anschlag und einem Gefühl für das Wechseln der Manuale und Hände.

Durch die schöne Akustik lassen sich Klänge werfen, schieben und fangen; der Kirchenraum packt die Klänge, fängt sie auf, lässt sie erblühen – als würde man in einem Flügelbauch oder in einem Kontrabass sitzen.

24. Oktober 2019

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Klosterkirche Maihingen: Muffat, Steigleder, Knecht, Frescobaldi, Froberger, Mozart, Sweelinck, Pachelbel, Bach, Mendelssohn

Die perfekte Muffat-Orgel. Sie ist eine klanglich und optisch wunderschöne, zweimanualige, süddeutsche Barockorgel, 1737 Baumeister, mit Holzpfeifen im Prospekt. Sie ist mit Engeln verziert, groß, Schleiflade mit Druckpunkt, ohne Zungen, und besitzt ein französisches Positiv.

Ihr Quintatön, ihre Spitzflöte, ihre Gambe, Coppula, Flaute und Cythara sind herrlich. Ich liebe schöne Solostimmen, Flötenregister, Streicher und Schattierungen, die sogenannten Unterscheidlichen. Sie besitzt einen Abzug (eine Windkoppel) mit Pedal, die einzige Koppel.

Sie hat eine kurze gebrochene Oktave im Pedal und in den Manualen.  Besonders ihre Gambe gefällt mir, sie ist fauchend, kratzend, küssend, knirschend, rauchend, und eine Chyterra (Gitarre). Zu den Streichern kann man gut die Schwebung einsetzen.

Ich mag es sehr, wenn Orgeln Nebengeräusche macht, die Körperlichkeit von musikalischem Ausdruck. Ich verstehe die Gleichschaltung nicht, wenn Orgeln heute nur noch edel sind, aber keinen individuellen Charakter mehr haben. Es wirkt so leblos und synthetisch, was neu gebaut wird. Viele Orgelsachverständige reißen alte Orgeln ab, anstatt den Charakter und die Phänomene der Klänge zu verstehen: Erregte Klänge, mal matt, mal rund, mal bauchig, mal kratzig mit Krallen und Biss. Es braucht Orgelkunstverständige. Das Problem ist, dass die Fehler, die OSV machen, nicht mehr umzukehren sind: Ist die alte Orgel erst einmal weggerissen, ist sie weg. Damit zerstören diese Menschen Geschichte. Die Orgel ist Geschichtetes. Zudem muss man auf jeder Orgel spielen können, nicht nur auf den edlen. Wenn Organisten nur einen Typ Orgel spielen können (den, den sie haben), sind sie keine Künstler. Das Umgehen mit den Teiltönen. Die Aliquoten sind das Innere.

Ich schätze süddeutsche Orgeln sehr, auch wenn sie vielleicht nicht so berühmt sind wie die norddeutschen und deren berühmte Komponisten.

Die Maihinger Barockorgel hat wellige Tasten vor Gebrauch, und man muss ihre Handhabung erst lernen wie bei einem neuen Pferd. Den Druckpunkt finden und ganz weich und ruhig spielen. Ist eine Orgel an sich schon impulsiv wie diese und ich komme auch noch mit Impulsivität an sie heran, dann wird sie ganz nervös und fängt an zu jammern. Ich muss merken, wenn meine Orgel jammert. Ist eine Orgel lahm, brauche ich mehr Energie. Es ist wie bei den Pferden. Ist ein Pferd nervös, fängt es an zu äpfeln und zu schwitzen. Ich muss ihre Sprache verstehen. Auch bei Orgeln muss ich die Gangart verstehen. Insgesamt lieber immer zärtlich und fühlend. Ich spiele Pfeifen, keine Tasten. Ich brauche bei der Orgel immer eine starke Beziehung zu meinen Fingern.

An der neuen Orgel immer fragend: Wer bist du? Den Klang führen, aber die Orgel nicht beherrschen, sich von ihr führen lassen.

Diese Orgeln sind immer phantastisch für Klavierwerke Bachs.

Anschlag und Touch

am Flügel sind bei mir im Blut, und es braucht Zeit, damit ich in meinem Gehirn switchen kann, wenn ich an der Orgel bin. Die Synapsen müssen gebildet werden, man muss den Unterschied VERSTEHEN, das ist das Wichtigste – früher dachte ich, das Pedal sei das Wichtigste – nein. Das ist nur Basic. Das liebe ich mittlerweile. Nein, es das WISSEN, das zählt: Mozart wird eben an der Orgel ganz anders gespielt, hier geht es um Routine und Wissen.

Am Flügel bin ich viel bewegt.

An der Orgel möglichst ruhig sitzend. Warum was wie ist muss mir einfach in Fleisch und Blut übergehen. Und das alles hilft mir auch noch sehr für das Klavierspielen. Beides sind zwei starke Aktien.

8. Oktober 2019

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Daniel Roth – französische symphonische Orgelmusik

Der Orgelmeisterkurs in Frankfurt mit Daniel Roth war sehr spannend, an „meiner“ Prüfungsorgel. Mir gefällt sein Akzent, es klingt beinahe fränkisch. Sein Konzert am Abend in Höchst war auch interessant.

Er ist ja an sich ernst beim Unterrichten, aber dabei auch sehr lustig. Es wirkt so, als würde er dauernd aus allen Wolken fallen. Mir gefiel sehr, dass er viel vorgespielt hat. Auf mich überträgt sich dann immer automatisch etwas, die Energie. Insgesamt war es leider sehr kalt in der Kirche, was es schwer machte, konzentriert zu bleiben. Das mit der Kälte ist für mich immer noch schwer zu akzeptieren.

Kälte und Musik sind einfach Widersprüche. Wie kuschelig sind dagegen die Klaviermeisterkurse.

Was mir noch aufgefallen ist, dass 80 Prozent aller Orgelteilnehmenden, abgesehen davon, dass es Männer sind, auch homosexuell zu sein scheinen. Ich komme mir oft vor wie in einer Ballettschule, wobei viele dieser Orgel-Männer sogar auch Ballettschläppchen als Orgelschuhe tragen. Die meisten sind groß, dürr, bestehen nur aus Muskeln, haben riesige Hände und Füße, keinen Hintern und ellenlange Beine und haben einen Neidstock verschluckt. Wenn ich mich auf die Orgelbank setze, geben meine Oberschenkel weich nach. Dadurch werden meine Beine noch kürzer (obwohl ich sehr schöne Beine habe, aber ich bin eben klein). Aber wenn diese Männer sich setzen, geben deren Oberschenkel nicht nach, sie sitzen wie auf Muskeln, was deren Beine noch länger macht. Seufz. Ich muss mich nach solchen Begegnungen immer irgendwie erholen. Früher war das nicht so in der Orgelwelt. Früher, in der guten alten Schule, da waren die Männer Gentlemen und mochten Frauen. Heute habe ich das Gefühl, ich habe mit lauter X und XX zu tun.