Startseite Nach oben

Gedanken, Gedichte, Gebete

Lyrik und Dichtkunst. Lyrisches Miteinander: Gedanken, Gedichte und Poesie. Momente der Kommunikation und der Vertrautheit. Wortgemälde. Lyrische Beute. Schwedisch-deutsche Klangimpressionen.

Lyrikbände: Piano Lyrik op. 1, Flügelworte op. 2 und Keine Wolke fällt tiefer als blau op.  3 (Periplaneta Verlag Berlin / Glaré Verlag Frankfurt am Main). Romane: Frei wie die Vögel (SCM); Flügel auf Reisen (Fontis / Brunnen).

Wissenschaftliche Bücher: Bachvermittlung (kopaed)
Neu: Gesungene Sehnsucht op. 4 (Glaré Verlag Frankfurt) 2023

Anthologien mit Lyrik 2024 (u.a. Literaturpodium)

Take some time to do Art

Gibt es künstlerische Mathematik in Form und Zeit? Sie ist in der Zeit, wie wir sie im Vergehen empfinden. Wie schnell, wie langsam sie vergeht. Die Musik ist ein Archiv. Wie Menschen durch alle Zeiten Zeit empfunden haben — Zeit vergehen empfunden haben. Zeit hat mit Mathematik zu tun, Kunst und Musik mit Zeit, die Sprache und die Rhetorik mit Mathematik — im Atmen. Kunst, Mathematik, Philosophie – Universal-Sprache.

Weimar

Gedanke 31: Ergeben.

Schlagwörter: , ,

Kommentar verfassen

Johann Sebastian Bach war ein musikalischer Philosoph.
Kein anderer hat Todessehnsucht geistlicher Art so in Musik verpackt wie er, in Zahlen, in Intervallen.

Im geordneten Kontext seines Gesamtwerks ein musikalischer Wissenschaftler, einer, der sie mit gegründet hat. Zu seiner Zeit (und auch heute für manche) waren Musiker ‘Praktiker’, ‘Musikanten’. Damals ging man in die Lehre, in die Musik-Lehre, heute Studium. Musikerinnen und Musiker: Forscher besonderer Art.

Oberösterreich

Was Newton als Weltweiser war, war Sebastian Bach als Tonkünstler. (C. F. D. Schubart, 1785)

Isaac Newton, der Inbegriff des Wissenschaftlers als Genie, nach dessen Tod sich der ‚Newtonianismus‘ entwickelte, der die modernde Naturwissenschaft begründet hatte, führte Methoden ein, fand Erklärungen, formulierte Gesetze; niemand würde sagen, er hätte sie erschaffen. Genauso entdeckt ein Künstler; er schafft Neues im Entdecken.

Bach war genauso wie Newton auf der Suche nach der Wahrheit. Ob musikalischer Wissenschaftler oder Naturwissenschaftler (beide in vieler Hinsicht Philosophen), sie entdeckten beide, “das ihre Entdeckungen auf das Wirken Gottes” zeigten. Wie kann man bei solch begabten und weisen Menschen auf die Idee kommen, sie lägen ausgerechnet darin falsch? In diesem, was ihr Endziel war, die Zusammenfassung ihres Lebens, ihrer Arbeit und Weisheit.

Behaupten, dies sei darauf zurückzuführen, Bach und Newton seien nicht aufgeklärt genug gewesen oder gebunden an die Traditionen ihrer Zeit? Es gab es auch damals genügend Menschen, die nicht an Gott glaubten; welche Tradition also? Wirklich zu glauben ist nie eine Tradition gewesen, im Gegenteil.

Salzkammergut

Nur 1 bis 2 Prozent sind professionelle Musikerinnen und Künstler in der Weltbevölkerung. Und kaum welche davon in den Kirchen.

Früher wurde es den Künstlerinnen und Künstlern in der Kirche vorgeworfen, in Konkurrenz zu Gott zu treten. (Je genialer, desto geächteter.)

Heute trifft ebenfalls die Subkultur “Christsein” auf die Subkultur “künstlerisch sein.”

Washington und Basel

Nach-Schöpfer

Es ist wichtig, Mangel künstlerisch Ausdruck zu verleihen. Wichtig für Kreativität ist die Motivation. Viele Menschen haben Angst vor Melancholie und verwechseln diese mit Depression. Ich glaube, Melancholie in Verbindung mit Ruhe und Ernsthaftigkeit ist ein wichtiger Schlüssel für Kreativität, die zugelassen und erlaubt werden darf. Heutzutage muss jeder Mensch stets fröhlich sein, was zu Fassaden und Oberflächlichkeiten führt.

Wie Johann Sebastian Bach sein Bekennen in das Gemäuer seiner Musik eingebaut, verborgen und als Fundament gelegt hat, zeigt mir: Es ist der Sinn und die Aufgabe der Forschung: den Schlüssel der Wahrheit zu finden, und die Aufgabe der Künstlerinnen, Wahrheit zu bekennen.

Erfurt

Brahms, Bruckner —  ihre Dichtung und Sprache ist die Musik. Wo sind meine Vorbilder? Ich kann nicht eben Martin Luther anrufen und fragen, was er von gewissen Dingen halten würde. Und die Frauen? Der, der aus dem Rahmen fällt als Schreibender ist umso mehr Bach, der für mich stets in Richtung Musikdrama und Dichtung, Psychologie, Theologie und Philosophie Vorbild ist.

Die Nach-Schöpfer, die Interpretinnen, schreiben auch, aber für mich sind eben die Neuschöpfenden wichtig, die, die eine Muse brauchen. Was für eine habe ich? Wagner wiederum in all seiner Ambivalenz ist für mich Dichter, Schriftsteller, Gesamtkunstwerk, er war ein Komponistendichter.

Es gibt schreibende Künstlerkomponisten wie Liszt, Schumann, E.T.A Hoffmann, Mahler, Schönberg — aber sie schreiben fast ausschließlich theoretische Schriften, keine Lyrik oder Dramen oder Romane. Ein Schriftsteller ist philologisch tätig. Musik ist Wort.

Musik

Musiker sind seit jeher, zumindest seit 1600 ein fahrendes Volk. Viel anders ist es heute nicht. Doch gleichzeitig sind wir Historiker. Durch Musik und Kunst kann ich Geschichte und geschichtliche Utopien nachempfinden. Ich spüre, dass ich eine lange Geschichte plötzlich aufrolle, wenn ich Musik mache.

Es ist manchmal kaum erträglich und schmerzlich, da diese lange Geschichte meine eigene berührt. Ich spüre die Wunden des Missverstandenseins, die so vielen Musikerinnen zugefügt worden sind durch alle Jahrhunderte hindurch — und meine dazu, die mich persönlich betreffen. Musikersein ist ein Seins-Zustand.

Wie viele Räume können sich in der vierten Dimension öffnen? Konvergieren und Divergieren, auch wenn sie Gegensätze sind, sind letztendlich das Gleiche im Bereich der Unendlichkeit, konkret nur an der Unendlichkeit interessiert.

Divergiert etwas nach Null? Nein. Konvergieren braucht erst eine Aufgabe und ist sehr abhängig von der Funktion, vom Verhältnis. Aber Divergieren ist davon freier, da Unendlichkeit keine Richtung kennt.

Der Kopf und die Seele des Menschen ist auch ein Raum, auch da gibt es Verhältnisse und Gesetzmäßigkeiten, Grenzwerte. Besitzt eine Folge, also ein Denkprozess, eine Summe und einen Grenzwert, eine Funktion, eine Abhängigkeit, so wird sie konvergent.

Es mag sein, dass Divergenz und Denken nicht wirklich kongruent sind, aber ich finde dies ein schönes Bild, sie in Verbindung zu stellen. Konvergiert eine Kurve, wird sie oder das Ergebnis immer kleiner, obwohl die Zahl ins Unendliche geht. Divergenz hat keinen Grenzwert und ist auch nicht abhängig von einem solchen Grenzwert, einen Sinn ist zu finden. Divergent zu denken hat für mich nur eine Grenze: die Wahrheit, und was oder wer ist die Grenze der Unendlichkeit?

Polen

Kreativität ist intuitives, innovatives, divergentes Denken. Denken mit Geist. Divergent bedeutet, dass man aus anderen Bereichen Erkenntnisse und Lösungen auf neue Probleme überträgt. Eigentlich kommt dieser Begriff divergent aus der Mathematik, aus der Kurvendiskussion, und bedeutet auseinanderdriftend.

Konvergent und divergent sind hier Annäherungsbegriffe in der Analysis. Eine Kurve nähert sich Null an, wird nie Null, wird unendlich klein. Oder sie driftet von Null weg, divergiert ins Unendliche. Ist dies nicht sehr symbolisch? Sie bedingen einander, sind eine Einheit, auch wenn sie Gegensätze sind. Kreativität braucht auch beides. Man müsste neue Begriffe erfinden und definieren. Was bedeutet der Begriff Kunst? Beim Divergenten wird aus Begrenzung ausgebrochen, es geht um Neues schaffen.

Dass Kreativität Denken ist, sogar Problemlösungs-Denken, mehr als traditionelles, menschliches, schulisches Denken. Die Gesetzmäßigkeit des Denkens ist die Sehnsucht, die Suche nach Wahrheit, für diese man bereit ist, anzuecken und zu leiden, daher kann man auch divergentes Suchen, Finden, Schaffen sagen.

Es geht dabei um Ästhetik, die für mich mit Denken und Wahrnehmen zu tun hat. Divergentes Denken ist in Ebenen verschachtelt und strebt nach außen, es ist ein Angriffsdenken, ein aus Systemen denkendes Denken, genauer, in Systembeziehungen denkend, ein Übertragungsdenken im positiven Sinne.

Es mag sein, dass das Wort divergent, seit 1967 von Joy Paul Guilford für Coachingszwecke und Intelligenzforschung genutzt, irreführend ist. Für mich nähert er sich gut an: Ein sich vergrößerndes, sich vermehrendes Denken.

Es stimmt, dass Menschen mit hohem divergenten Denken, also Künstlerische, oft Not haben mit Routine oder Schwierigkeiten mit Menschen, die unflexibel, ungerecht, altmodisch und pedantisch sind, klein halten, ausbremsen. Sie kreieren, konstruieren gerne, haben Mut, Neues auszuprobieren.

All diese Fähigkeiten braucht man auch in der Musik, in Wissenschaften, in der Schriftstellerei. Hohe Werte haben sie meist auch in symbolischen und semantischen Fähigkeiten, in abstrakter Symbolik. Ich bin immer noch fasziniert, dass Kreativität und Problemlösung eins sind, eng zusammengehören.

Doch viele konventionelle Leiter haben keinen Mut, Neues zu schaffen, zu kombinieren, nicht die Kreativität, das Umsetzen und Erkennen von neuen Wegen. Künstler gehören daher trotz ihrer Mängel dringend auch in Leiterschaft.

Sie sind an ganz neuen Problemlösungen dran. Konvergentes und divergentes Denken sind eine Einheit und gehören zusammen. Dadurch passen auch Kunst und Wissenschaft gut zusammen und sind nicht konträr. Sie sind Gegenstücke, aber im guten Sinn. Wie bringt man Künstlersein und Leitersein unter einen Hut? Wie Wissenschaft, Musik und Kunst?

Dazu kommt für mich noch Frausein in einer Leiter-Herrscher-Männerwelt. Es wundert mich, dass viele Gebiete oft Männerdomänen sind. Ich glaube, dass viele Frauen kreativ begabt und divergent denkend sind und sich einfach nicht trauen, sich dementsprechend einzusetzen.

Intelligenztests und Intelligenzforschung mögen umstritten sein, aber der SOI-Test hat meine Seele berührt, und Intelligenz hat viel mit Seele zu tun.

Improvisation

Ich ahne, dass Kreativität große Hände hat, auch wenn ich kleine habe.
Der Moment ist Kreativität. Denn auch der Alltag ist voll Poesie.

Brühl

Seitdem die ‚Gesetzestreue‘ der in Noten aufgeschriebenen Werke immer größere Ausmaße angenommen hat, ist die Improvisation (in der klassischen Musik) immer mehr verkümmert. Doch im 18. und 19. Jahrhundert bereits war die Improvisation ein großer Teil des künstlerischen Lebens.

Sie diente nicht zum Selbstzweck, sondern: Stimmung, Empfinden, Atmosphäre auszudrücken — besonders in den Opernhäusern. Die Bedeutung des Textes, die Bedeutung der Worte wurde durch Fülle von Noten ausgestattet, Momente herausgehoben — es war sogar so: ein Sänger, eine Sängerin wurde umso besser empfunden, desto weniger genau er sang, was da stand.

Das ist nun heute gerade umgekehrt. Früher war die Oper im besten Sinne ein Spektakel, die Improvisation öffnete musikalische Räume, unmittelbar auszudrücken. Ist heute das Konzert ein Abenteuer? Aus sich herausströmen zu lassen, was das Künstlerischste ist: den Moment. Den zeitlosen Moment. Heute ist es sogar in den Kirchen kaum erlaubt, frei zu spielen.

Velbert

Intuition ist eine Kraft

Eine Kraft aus Gesetzmäßigkeit und Gefühl. Es geht nicht um Frequenzen oder Mächte oder Synchronisierung. Allerdings kann man den Sinn des Lebens nicht auf die Art und Weise kennen lernen, wie eventuell süchtige Spieler einen Automaten, in dem sie vor ihm sitzen und sich die Reihenfolge der Lichter und Zahlen merken und die Abstände dazwischen oder Lehrende aus Büchern. Es braucht Beziehung.

Wie viel Intuition braucht unser Land? Das Gegenteil von Intuition ist Unsicherheit. Viele Menschen leiden unter Dauer-Verunsicherung, unter chronischer Unsicherheit.

Musik sucht ja stets nach neuen Kombinationen und Wegen. Manchmal braucht es sehr lange, bis Menschen neue Wege in der Kunst überhaupt verstehen. Viele Künstlerinnen sind ihrer Zeit voraus.

Musik scheint mir wie Schach: es gibt eindeutige Regeln, eine Architektur, und doch Millionen Kombinationsmöglichkeiten: auf dem Fundament allerdings der Regeln. Diese Regeln haben viel mit Ästhetik zu tun: Ästhetik wiederum hat mit dem Herzen zu tun. Aus dem Herzen kommt heraus, wer man ist und was man denkt — im künstlerischen Schaffen mehr als im Interpretieren.

Ästhetik hat viel mit dem Herzen zu tun und damit mit Motivation, eine der wichtigsten Wurzeln von Kunst. Ästhetik ist wichtiger noch als Ethik, wie man allgemein andersherum denkt, mehr als die Kultur einer Nation, die wiederum oft eine Anhäufung von menschlichem Denken ist — denn es geht stets erst um das persönliche Herz, wer man ist.

Glaswürfel, Oberösterreich

Zippert zappt

lese ich gerne, da mir Humor, klug, lyrisch und nicht boshaft, gefällt; ich mag das weiche Zynische; ich muss schmunzeln; es ist dennoch aufrüttelnd, oder ich verstehe jedenfalls, dass es so gemeint ist.

Kunst hat mit Herkunft zu tun. Kunst ist Herkunft. Da gibt es für mich keinen Dilettantismus in Neuschöpfung. Es gibt natürlich einen Unterschied zwischen musikalischer Aktivität und Kunst — aber dieser Unterschied kann fließend sein. Die Kunst ist lebensnotwendig und nicht nur Luxus oder Schmuck.

Der Begriff ‚gute Musik‘ ist vielleicht schwierig, da wertend, wobei Wertung durchaus nicht immer etwas Schlechtes ist, im Gegenteil. Die Kunstmusik hat mit Klangvorstellung zu tun, die reifen muss. Dabei ist jede Klangvorstellung mit Vorsicht zu geniessen, da sie einengend werden kann. Eine Klangvorstellung sollte kein festes Prinzip sein. Kunst ist Revolution, Symbolwelt, Tiefe. Man muss jedoch vorsichtig sein, da alles Einseitige eine große manipulierende Macht werden kann.

Kreativ sein bedeutet Finden. Finden, was bereits da ist. Und doch erschaffen wir etwas, das vorher noch nicht da war, noch nicht ins Leben gerufen. Aus der Quelle, die um mich ist, erschaffe ich: sichtbar zu machen, was unsichtbar war.

Kreativität ist eine Person, die anklopft und darauf wartet, von mir entdeckt zu werden. Wenn ich etwas nicht entdecke, wird es vielleicht solange nicht da sein, bis ich es erkenne.

Denn auch Zeit ist ein Teil der Kreativität und des Prozesses. Jeder Augenblick dabei ist Kreativität. Anstrengend und arbeitsam ist es, das Gefundene zu behalten, zu formen, zu schmiergeln, zu bebauen. Struktur, Bescheidenheit, Konzentration und Demut sind Wegbegleiter von Kunst.

Kampala

Konvention und Norm: Übereinkünfte, dass etwas normal zu sein hat. Sobald etwas konventionalisiert wird, gebunden, systematisiert, können Begriffe und Inhalte kaputt gehen. In dem Sinne sind viele Traditionen verheerend, da sie lähmen und stoppen und an Generationen kleben bleiben. Beethoven hat sich nicht an die ‚Sonatenhauptsatzform gehalten’, diese ‘Form’ wurde erst nachträglich daraus gezogen.

Kein Wunder, dass die jungen Musiker an der Hochschule große Schwierigkeiten haben, in der Theorie mit Freude zu sitzen. Das Neue wird zur Routine. Theorie ist ja etwas sehr Spannendes, braucht Zeit zum Reifen. Ich sehne mich nach neuen Symphonien in unserem Jahrhundert.

Wenn Schubert Beethoven ‘überwinden‘ konnte — dann können wir auch überwinden und Neues schaffen. Beethoven komponierte dramatisch mit dem Endziel am Schluss, doch Schubert hatte seinen Höhepunkt in der Mitte seiner Symphonie. Neues umsetzen bedeutet oft Radikalität.

 

Calvi, Corse