Meine letzte Schwedisch-Klausur fällt genau in die Zeit, in der ich in Stockholm bin. Nun muss ich alleine nachschreiben Ende Februar, dann: Akademisches Arbeiten und Schwedische Literatur.
Heute habe ich gehört, dass ich eine Art Synästhetikerin sei, das heißt, ich kann verschiedene Sinnesebenen koppeln und mischen, konkret: Wort, Ton und Farbe. Das kann auch sehr belastend sein und anstrengend. Ich merke zum Beispiel, dass die Kreativität nicht als Muse kommt bei mir, sondern fordernd. Ich übe, und plötzlich weiß ich das poetische Bild zu einem Gedanken. Ich laufe dann oft zwischen Flügel und Laptop hin und her und kann nach zwei Stunden ins Bett gehen, so müde bin ich, was ich nicht tue. Ich habe Angst vor meiner Kreativität.
Ich habe auch in Kombination von Musik ganz klare Erkenntnisse und ein Wissen über Dinge, als würde mir die Musik das konkret als Schriftzug sagen, was in der Luft liegt. So auch mit Farben und Bilder, nicht ganz so ausgeprägt, da ich es nicht so häufig tue. Meine Antennen sind immer ausgefahren, was mich viel Kraft kostet. Ich muss erstmal lange erklären, warum ich was wie sage. Aber es gibt auch Leute, die sagen, dass das eine Gabe ist, eine Hochbegabung.
Vernunft ist eine kostbare Gabe. Vernunft kommt von Vernehmen. Von Hören. Sprachlich sein.
Heute badete ich mit einem Duschherzen; ich wollte die rote Flüssigkeit aus der Öffnung drücken, was natürlich nicht ging, aber plötzlich bekam das große Herz einen Riss mittendurch und die komplette rote Creme war in meinem Gesicht und an den Kacheln und überall auf mir. Irgendwie fand ich das sehr symbolisch und schön.
Ich freue mich auf den Suezkanal, Port Said, Luxor, Korinth.
Schlagzeug macht sehr viel Spaß, in kann meine Energie verwandeln in Rhythmus. Manchmal kann ich bei Bernd Kremling üben. Ich bewege mich manchmal mit Leidenschaft außerhalb der Klassik. Zur Zeit höre ich wieder sehr gerne Björk, die isländische Künstlerin, sie ist eine besondere Persönlichkeit und Komponistin.
Es war eine seltsame Erfahrung, im ‚Elefantentreffen‘ (Leitertreffen) von Nordhelle dabei gewesen zu sein. Die Elefanten tragen Verantwortung. Einer sagte, ich wäre ihm vorgekommen wie ein Flamingo, bunt und künstlerisch. Aber ein Flamingo trägt anders, kommt dahin, wo ein Elefant nicht hinkommt, er ist schön, sensibel, kann schwimmen und fliegen, er ist nicht so träge wie ein Elefant. Dennoch bin ich oft sprachlos und entsetzt über den ‚Wald an Männern‘, den ich vorfinde, kaum eine Frau.
Spannend fand ich den Persönlichkeitstest für Künstler, und ich bin ENFP, das ist extrovertierte Intuition mit introvertiertem Fühlen (manchmal introvertiertem Denken, das ist dann ENTP). Ich war da etwas hin- und her gerissen zwischen beiden Typen. Der Test hieß MBTI. Die ENFPs oder ENTPs sind schlau, kreativ, phantasievoll, energiegeladen, spontan, begeistert, bestimmend, hinterfragend und neugierig — und normalerweise kooperativ, freundlich, warm und unterstützend. Werden sie aber verletzt, können sie rebellisch, übermäßig nonkonformistisch und frustriert werden. Na, das ist doch erstaunlich. Es gäbe viele berühmte ENFPs und ENTPs. Sie müssen lernen, Intuition, Denken und Fühlen besonders zu entwickeln. Ich kann leider nicht wirklich sagen, ob ich eine Denkerin oder eine Fühlerin bin. Ich bin eine Kämpferin und clever, das spricht wohl für den Denker, aber so viele Dinge treffen ganz klar auf den Fühlmenschen bei mir. Jetzt ist die Frage, wer ich im Kern bin und was antrainiert wurde. Der Denker ist scharfsinnig und kann gut mit Worten umgehen, bei mir ist das Analytische vom Gefühl geprägt. Wenn ich aber darüber nachdenke, bin ich aber wahrscheinlich doch tatsächlich eher der ENTP, der Denker. Daher sind Gefühle für mich oft doch ziemlicher Stress. Manchmal bin ich eindeutig ENFP, der Herzmensch, ich treffe Entscheidungen mit dem Herzen.
Nun fällt mein Geburtstag am 14.2. mitten in das Rad-Treffen. Naja, es ist Sonntag, es ist Fasching, es ist Valentinstag, es ist das Rad. Zwei Tage vor meinem Geburtstag erscheint die neue klassische CD PianoLyrik bei cap-music. Am 16. Januar ist erst mal das CVJM Treffen für die Kreuzfahrt, anschliessend bin ich bei Jonny und seiner Familie in Nürnberg. Ich war noch nie bei der Planung einer Schifffahrt dabei. Hoffentlich werde ich nicht seekrank. Ich kenne bisher nur die Fähren über die Ostsee, in Deutschland und Skandinavien, und die Fähre nach Griechenland. Ich mag Schiffe sehr. Mein Vater spielte regelmäßig auf der MS Europa.
Nach dem Konzert heute kam ein älterer Herr auf mich zu. Er erzählte mir, dass er mit seiner Frau schon zehnmal in Verona gewesen wäre, auf Opernreise, und plötzlich fing er an zu weinen und sagte, seine Frau sei vor zehn Jahren tödlich in seinem Haus verunglückt. Sie war auf dem Marmorboden ausgerutscht und mit dem Kopf gegen eine Truhe gefallen. Als er sie fand, war sie bereits im Koma. Ich war so tief erschüttert und berührt von seiner Art, vor mir seine Gefühle zu zeigen, sein zerbrochenes Herz. Die meisten Männer heiraten sofort wieder, kaum ist die Frau gestorben, manche noch im selben Jahr, weil sie nicht allein sein können. Und da ist ein Mann, der in einer ganz kontrollierten Art und doch ohnmächtig und ohne Bitterkeit Gefühle gezeigt hat. Ich dachte mir, diese Welt ist schwer. Und Flo mit zerschmetterten Beinen von einem Motorradunfall. Aber er ist eine so starke Persönlichkeit. Er war mal zwei Meter groß. Seine Hände sind schier fünfmal so groß wie meine. Auch im Rollstuhl könnte er mich zerquetschen. Sein Lächeln und seine Augen sind voller Freundschaft und Zuversicht. Nach so einer Not überhaupt so schauen zu können.
Freue mich auf Schweden. Das viele verschiedene Wasser um Schweden und auch um Stockholm herum mit den vielen Inseln sind, finde ich einfach köstlich. Da ist die Östersjön, sind die Mälaren. Wir besuchen Riddarholmen, Skansen, Skärgården, die Hochschule für Musik. Das Häuschen meiner Verwandtschaft liegt am Skagerack Meer, dann gibt es das Wasser am Öresund, und Umeå liegt am Bottenhavet, und auf der anderen Seite liegt das Bottniska Viken. Da oben ist dann schon wieder Norwegen.
Heute geht es Richtung Köln zum Musikertreffen. Die Musikerwelt ist manchmal eine kleine Mafia.
Das Konzert in Hohenroth bei Gemünden/ Würzburg war sehr gut besucht, über 250 Leute. Davor kam meine neue CD per Paketservice an, sie sieht wunderschön aus, wie Seide, in einem riesigen Paket, ich habe es mit einer Freundin aufgeschnitten, fuhr dann zum Konzert, die erste 25-Box ging schon direkt vor dem Konzert weg. Das Künstlerzimmer war eine Art Kostümzimmer mit alten, schönen Theaterkleidern. Es war nicht unanstrengend, klassische Musik mit eigenen Liedern zu mischen zwischendurch. Ich hatte ein Mikrofron an meinen Rock angeklickt, das in einer Schnur nach vorne ging, und hatte als Kleidung eine Art Damenfrack gewählt, den ich in Rumänien gekauft habe. Es gefällt mir sehr, in einer Art Mantel zu spielen. Ich hatte heute 900 clicks auf youtube; bin erst seit gestern dort aktiv.
Vielleicht bin ich Mittsommer in Schweden bei meiner Tante. Es gibt das schwedische Spiel Brännboll und darin sogar Meisterschaften, das wäre mal ein Teamspiel für mich, da man dort nicht auf seine Hände aufpassen, sondern einfach nur schnell und rhythmisch laufen können muss. In so was bin ich gut, auch in Völkerball, aber das spielt ja leider keiner mehr, aber da gewinne ich immer mit meinem Team, keiner schafft es, mich abzuschiessen :-). Nach dem RAD treffe ich mich in Berlin mit Donata Wenders, sie macht Kunst in Fotos und schöne Fotos von mir.
Ich freue mich, meine Verwandtschaft väterlicherseits in Osnabrück zu besuchen. Ich spiele dort und unterrichte. Gabi schreibt auch Lyrik. Sie hat mich in ihr Literatur-Radioprogramm eingeladen. Es wird wohl ein intensives ZwanzigZehn.
Ich freue mich darauf, in den Osterferien die Pyramiden und Kairo zu sehen. Wir baden zuvor einige Tage im Roten Meer, da war ich schon mal, in einer anderen Ecke, in Eilat, an der israelischen Küste. Nun ist es das Rote Meer in Hurghada, Ägypten. Ich freue mich auf mein schwedisches Gesangbuch, das ich geschenkt bekommen habe.
Manchmal, wenn ich zuhause übe oder schreibe (meistens beides gleichzeitig), komme ich mir vor wie unter einer Art Glocke, einer künstlerischen Glocke, einer positiven Zauberzone, als wäre die Luft anders. Es war für mich nicht leicht, künstlerisch tätig zu sein, ohne mich eingesperrt zu fühlen. Erst wenn ich locker lassen, spüre ich, wie sich dieser Widerwille für Verantwortung, Kunst, Disziplin und auch gegen Leitung in irgendeiner Art legt. Eigentlich leite ich sehr gern. Noch immer ist es für mich emotional, meine Verwandtschaft nach 15 Jahren kennen zu lernen, manche habe ich noch nie gesehen. Und plötzlich so viel Kontakt. Da spüre ich bereits eine große Verantwortung. Überhaupt spüre ich das überall. Und wenn ich nur eine Taste berühre. Ich möchte mit meinem ganzen Leben ein Zeugnis sein. Wenn ich gegen den Widerwillen, was Leitung angeht, ankämpfe, hilft das nicht, sondern erst wenn ich mich entspanne. Niemand kann seine Berufung bekämpfen. Es ist für mich wichtig und gesund, kreativ zu sein. Es ist eine ganz andere Art, wenn man in Freiheit und Entspannung kreativ ist.
Die Altstadt von Fürth ist urig, vor allem im Schnee. Ich bin erstaunt, wie sehr sich Fürth gemausert hat, vor allem für mich als Nürnberger Kind. Früher war Fürth für uns nur ein kleiner Vorort von Nürnberg gewesen, aber eigentlich ist Fürth fast so groß wie Würzburg. Es war seltsam und schön, in einer verrauchten Kneipe Beethoven und Worship zu spielen und von seinem Leben zu erzählen. Es kamen immer mehr Leute dazu, vor allem, als das Stage Piano bei Chopin beinahe umfiel. Zuerst hatte ich Probleme mit dem Pedal: es funktionierte genau umgekehrt und beruhigte sich erst, als ich erst einmal den Stecker zog. Es kamen viele interessante Fragen. Aber es ist anstrengend für mich, aus meinem Leben zu erzählen, es sind für mich noch so viele Fragen offen.
Auch die Chefin der Kaffeebohne kam dazu, sie hatte an dem Tag Geburtstag. Die evangelische Allianz oder überhaupt die evangelische Landeskirche ist sehr aktiv in Fürth in Zusammenarbeit mit den Freikirchen und sogar der katholischen Kirche, ich bin begeistert, wie fit alle sind, vor allem die Frauen. Sie haben Kontakte zu den Kneipenbesitzern und möchten 20.000 Jugendliche erreichen: so viele Jugendliche sind in ganz Fürth. Jeden Monat kommen nun Redner in die verschiedensten Kneipen, zum Beispiel in den Blauen Affen im März, da spricht der Oberbürgermeister und dann ein Polizeichef über junge Menschen in Verantwortung.
Diese Woche habe ich nun noch einige Konzerte und muss vor-unterrichten, da ich nächste Woche in Schweden spiele.
Das Konzert ist sehr gut gelaufen, der Moderator hielt ein Interview mit mir zwischendurch und danach. Das war nicht geplant, aber spannend.
Ich hatte die Sauna am nächsten Tag nach dem Konzert im Schwarzwald ganz für mich allein; man konnte auf das Dach der Anlage gehen, das ganz in Sonne und Schnee lag. Ich nahm Schnee mit in die Sauna. Der Bademeister kam extra, um nur für mich einen Aufguss zu machen. Im Schwarzwald hat es wiederum auch sehr geschneit.
Ich war recht spät dran, und so vergass ich, das Auto in die Tiefgarage des Hotels zu stellen. Als ich heute losfahren wollte, waren Schnee und Regen dick angeeist, Eisstangen, Eiszapfen hingen von meinem Auto, so etwas habe ich noch nie erlebt. Zuerst sagten ein paar Jungs zu mir, sie würden das Auto für mich freikratzen. Ich dachte, ach, das werde ich wohl alleine schaffen. Als ich zwei Stunden später losfahren wollte, merkte ich, dass ich es nicht schaffen würde. Also halfen mir einige Gäste, die stark waren. In der Zeit, in der ich ein kleines Loch in das Seitenfenster mit Mühe gekratzt hatte, hatte einer fast die ganze Frontscheibe freigekratzt.
Dazu hatte er seinen Kratzer aus dem Auto geholt, der Welten besser war als meiner. Der Bademeister sagte, nun würde mein Beetle mal einen richtigen Winter erleben. Er schenkte mir einen kleinen Besen für die Schneemassen auf dem Autodach. Es war lustig, zusammen am Projekt Auto zu kratzen, während ein tief hängender, orangener Vollmond auf uns niederschien. Als ich losfuhr, begann es erneut zu schneien. Die Nachrichten sagten, man solle nicht fahren, überall 35 km Stau, man solle sich eine Übernachtung suchen. Ich wollte aber nach hause und nicht noch eine Nacht im Wellnesshotel bleiben, so schön es dort ist im verschneiten Schwarzwald mit Thermalbad und Mineralbad, mit Massage und Sauna und Wassergymnastik — aber die Strecke, die ich fuhr, war komplett frei. Ich kam sehr gut durch und sah vor mir stets den tief hängen orangenen riesigen Mond, der fast Adern hatte, so etwas Wunderschönes, ich dachte, ich träume, während ich durch den Winterwald fuhr. Ich kann dann nur eines denken: Wie wunderschön ist der Künstler dieses Mondes. Er hat ein Auge auf mich.
Ich freue mich, bald wieder nach Schweden zu fliegen. Meine Tante Mia (min moster = Tante) und meine Cousinen haben ein Sommarstuga in Falkenberg in Halland, in einem Badeort an der Westküste. Ich freue mich darauf, das zu sehen. Die meisten Schweden haben ein Sommerhäuschen, glaube ich.
Meine Tochter würde ich gern Björna nennen, die Bärin. Aber den Namen gibt es nicht. Stockholm ist so wunderschön, auch im tiefsten Winter. Der Mälaren ist ein See vor Stockholm, der eigentlich zur Ostsee dazugehört. Wenn man in Stockholm ist, denkt man, man ist in New York wegen den hohen Gebäuden und dem Meer. Ich stand am Meer, am Ufer, mitten in der Stadt im Schnee, umgeben von Inseln. Gamla Stan ist wie ein kleines Venedig, eine Insel. Die Schiffe legen an, Schwäne auf dem Wasser, Gänse in der Luft, als ich da stand, Wildgänse flogen über Schweden, fehlte nur noch Nils Holgersson. Die Stadt ist so gut erhalten, die Gässchen und Stadtteile und Inseln und Brücken und vielen hohen Kirchen, ein pittoreskes, edles Labyrinth. Erstaunlich, dass selbst Stadtteile Inseln sind!