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10. Dezember 2009

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Lucia

Am Wochenende sind die Lucia-Feierlichkeiten in Würzburg — da die Universitätsstadt Würzburg eine schwedische Partnerstadt hat, nämlich Umeå hoch im Norden, 600 km von Stockholm entfernt, eine noch sehr junge Universitätsstadt, gibt es hier viele, die sich sehr für Schweden begeistern, hauptsächlich deutsche Studenten und Dozenten. Lucia kommt eigentlich aus Sizilien, hat dort das Christentum und Liebe verbreitet und wurde dafür getötet.

Privat und Beruf sind für mich oft eine Einheit. Das Lebenswerk, das ich arbeite, hat oft direkt mit mir zu tun, bin vielleicht ich. Wenn ich nicht glauben würde, dass das, was ich tue, außergewöhnlich ist, warum sollte ich es tun? Es wäre sinnlos und nicht authentisch. Aber genau dieses Denken stört manche Menschen an Künstlern, was ich verstehen kann.

Am 11.12. davor ist wieder Studioaufnahme, ich freue mich.

06. Dezember 2009

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Bach-Konzert

Das Bach-Konzert war sehr gut besucht, ein angenehmes, interessiertes Publikum, Prof. Zenck hat eine lange, ausführliche Einleitung gegeben. 30 Minuten vorne zu sitzen und zuzuhören mit dem Wissen, gleich zu spielen, und mal eben aus den schwierigsten Variationen kleine schnelle Eindrücke zu geben aus dem Nichts… die Menschen saßen sehr nah an mir, meine Hände und ich waren komplett präsentiert; ich musste die Bewegungen der Leute bewusst ausschalten: das Bewegen der Füsse und Köpfe. Aber trotzdem gelang es mir nach einer Weile, ruhig und konzentriert zu werden. Ich wollte mein eigenes Konzert geniessen und gelöst sein, und es gelang mir ab bei meiner Lieblingsvariation, der dreizehnten. Mit dem Wissen, dass mein Können und meine Hände verlässliche Werkzeuge sind, kann ich mein Herz viel entspannter zeigen. Anschliessend waren wir gemütlich essen. Prof. Zencks Frau ist Kunsthistorikerin und kam aus Paris.

Trinitatiskirche Würzburg

Heute abend ist das Konzert in der Trinitatiskirche Würzburg. Heute und gestern stand ich mit Foto in der Zeitung. Das Videodrehen gestern war spannend.

Durch die vielen schwedischen Filme träume ich schwedisch. Gestern Generalprobe mit Martin Zenck. Die Goldberg-Variationen begann ich in den USA zu studieren, in Phoenix an der Arizona State University. Dass ich dort studierte, war ein geführter Weg.

Die Waldstein-Sonate erinnert mich immer an meinen Papa. Meine pianistische ‚Haupttechnik‘ verdanke ich ihm. Das Herz einer Künstlerin hat mir Gott geschenkt, aber mein Vater und auch meine Mutter, die mich bis vom vierten bis zum sechsten Lebensjahr unterrichtet hat, haben dennoch einen großen Beitrag in mir dazu geleistet, ein künstlerisches Herz zu bekommen. Das Leben als Künstlerin ist nicht immer leicht, doch erstaunlich ist, dass man als Musikerin Beziehungen aufbaut zu den Stücken, die man spielt; zu diesem Werk, Beethovens Waldstein-Sonate, hat sich eine besondere Liebesbeziehung entwickelt.

Beethoven hatte eine schwere Kindheit gehabt, wurde dennoch ein Komponist voll Disziplin, Leidenschaft, Konzentration, Fleiß und Vision. Seine Sonate op. 53 ist für mich ein pulsierender, freundlicher, hoffnungsvoller Lichtblick in seinem Schaffen.

Der Drive dieser Musik weist weit voraus, ist in seinem drängenden, sehnsuchtsvollen, rhythmischen Streben nach vorne und nach innen prophetisch für die Einheit der Stile der Musik: die, die schon war und die, die ist und die, die noch kommen wird. Denn alle diese Musik ist schon da, sie muss nur noch entdeckt werden.

Neue Musik

Da ich viel unterwegs ist, sehe ich auch die vielen schönen Weihnachtsmärkte, die verschiedenen Kulissen, Kirchen, Riesenräder … Manchmal kam es mir vor, als wäre ich gefangen in einer Kiste Lärm. Glücklicherweise habe ich meine Ohren geschützt. Ich finde es doch seltsam, das Phänomen Bühne und Musik.

Ich bin bewegt von Nonos Musik, von Ligeti, Messiaen. Eine erstaunliche Tondichtung, wie ein Mensch mit jähem Temperament dennoch so konzentrierte Musik schreibt, die doch in seiner Zeit den Punkt trifft, mit Stille und Pausen, die voller Rhythmus sind, konzentrierte Impulse, eine konzentrierte Jähheit, eine Betrachtsmusik, die sogar visuell zeigt, dass Politik und Empfinden zusammengehören: Bleiben, Wiederholen, Gefühle, die unverfügbar sind und doch inniglichst verändern wollen.

22. November 2009

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Netzwerk

Mir liegen vor allem die Künstlerinnen im Netzwerk am Herzen… das leider hauptsächlich wirtschaftlich geprägt ist: Männer aus dem Business-Bereich (in Anzug und Krawatte)  — sehr wenig Frauen. Der Bereich Musik/Kunst/Theater hatte bei 170 LOIs gerade mal 6 Leute, da stand mein Herz schon in Flammen, dabei ist der Bereich so wichtig und ohnehin schon stark zusammengefasst. Ich merke, dass Wirtschaft und Kunst mehr zusammenarbeiten müssen und sich gegenseitig sehr befruchten könnten. Der LOI-Tag von xpand in Stuttgart in der Geno-Akademie war intensiv. Die Redner und Referenten (meist Männer) aus ganz Deutschland zeigen viel Erfahrung in Leitung, Berufungsfragen, Lebenswerken, Lebensträume und Führung.

Diesbezüglich habe ich viele gute Gespräche geführt und neue Gedanken gehabt. Ohne Ermutigung ist ein weiches Herz nicht möglich, und gerade das braucht Musik. Es ist schön, andere Frauen zu sprechen, die ebenfalls interessiert sind, ihre Gaben zu zeigen und nicht zu verstecken, dabei ehrlich zu sein ohne Angst. Manchmal spricht man sich gegenseitig aus dem Herzen. Eine junge Frau erzählte mir, sie würde gerne einmal ein Seminar besuchen mit dem Titel: How to read the Bible without getting aggressive. Dennoch war es gerade sie, die sagte, sie würde spüren, ich hätte eine ganz besondere Liebe und Kraft, auch wenn mir das vielleicht selber nicht bewusst wäre. Am Tag danach besuchte ich die City Chapel im Cinemaxx Stuttgart mit Freunden, zufällig zum zehnjährigen Jubliläum. Insgesamt merke ich, dass es mich erleichtert, einfach so mal in der Masse zu sein.

Für manche Musikerinnen und Musiker ist die Versöhnung mit der Vergangenheit wichtig. Für mich hat diese Versöhnung etwas zu tun mit Versöhnung mit Musik. Es ist erstaunlich, wie eng gekoppelt dies ist, Identität und Kunst. Für viele Menschen ist diese enge Verbundenheit zwischen Identität und künstlerischer Gabe nicht nachvollziehbar.

18. November 2009

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Neue Bach-CD

Abends und fast die ganze Nacht live aufgenommen, zuerst Bach, Beethoven, Chopin und Skriabin, dann meine Lieder, die ganze Nacht bis 16 Uhr, und auch die anderen waren große Teile der Zeit ebenfalls vor Ort, und natürlich Andreas Claus, der aufgenommen hat und mit seinem Equipment von Altensteig angefahren kam. Wir haben 15 Songs eingespielt in einer Nacht, von der Klassik-CD ganz zu schweigen, die ich auch aufgenommen habe, also 2 CDs in einer Nacht und am nächsten Tag gleich weiter. Es war trotz der enormen Arbeit auch sehr lehrreich und schön. Den Saal mit dem neuen Steinway hatten wir diese gewisse Zeit zur Verfügung, anschließend hatten wir alle Konzerte hinterher, es war also schön und anstrengend, und wir hätten nie gedacht, dass wir 15 alles tatsächlich schaffen. Zwischen 7 und 9 Uhr morgens war dann der richtig große tiefe Punkt; Daniel schlief im Bus, ich im Erste-Hilfe-Zimmer auf der Liege und Andreas auf den Stühlen im Saal, Lena zuhause. Philipp hatte noch einen Gottesdienst auf der Orgel zu spielen, Daniel unterrichtet noch am Siebold-Gymnasium Musik, und ich bin nach meinem nächsten Konzert eingeschlafen trotz Gans und Kaffee.

Jetzt gehen die Aufnahmen erst mal vor Ort mit Jazz in Altensteig im Studio weiter, also Gesang, Synthi, Bass.

Aber dieses Wochenende ist dann erst mal frei, ich fahre nach Stuttgart zu meiner Nichte, zum LOI- und Mentorentreffen und zu einer Cocktailparty und Schachpartie mit Freunden.

16. November 2009

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Jazz

Ich bin solche Proben mit Jazzmusikern noch nicht gewöhnt. Meine Stücke sind meine Babys. Meine Lieder sind nun nicht so leicht zu spielen, weil ich viele Ideen habe, sie von der Struktur nicht typisch sind, sie komplexer aufgebaut, sind harmonisch, und trotzdem keine Sinfonien, sondern kurze, prägnante Lieder — es ist nicht so leicht, sich da erst einmal hinein zu fühlen, denke ich. Sie waren beide sehr vorsichtig, damit man mich noch hört am Flügel trotz Drum and Bass – bis sie mal richtig losgelegt haben, ich dachte, meine Ohren fliegen weg.

14. November 2009

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Calvi

Es ist nicht leicht, eine Gruppe guter Musiker zu führen, wenn wir alle etwas müde sind vom anstrengenden Alltag. Ich bekomme manchmal dann dieses Perfektionistische. Wir sind ein Quartett, 2 Jungs, 2 Mädchen, es braucht eigentlich keinen Leiter. Wir probten heute in der Mergentheimer Straße wegen dem Drumset. Es ist schön, zusammen mit Schlagzeug und Streichern, es klingt schön, zu proben, sich zu engagieren, wir hatten einige spontane Zuhörer. Die Planungen für Korsika 2010 stehen auch wieder, diesmal fahre ich zwei Wochen mit einer Musikerin, einer Freundin im Juni für die Musik, es baut sehr auf, dort zu sein, es ist einfach wohltuend, und schöne Konzerte.

Erfurt Concerts

Nächstes Wochenende fahre ich nach Erfurt. Am Sonntag zwischendrin spiele und singe ich im Hochschulgottesdienst der St Stephanskirche. Heute um 20 Uhr eine erste Generalprobe mit meiner kleinen Band im Bechtolsheimer Hof. Meine kleinen Schülerinnen sind extrovertiert, willig und begabt.

Das Ticket nach Schweden ist gebucht, wir fliegen am 19. mit SAS nach Stockholm, fahren später nach Norrköping, dann nach Vadstena an den zweitgrößten See Schwedens. Die Arbeit an der CD macht Spaß, aber ist vor allem neben all der künstlerischen Tätigkeit eine Organisationsfrage, wer wann wo probt und wann wo spielt, Cello, Geige, die Stimmen, Klavier, Percussion … Abläufe, Koordinierung usw. — und ich bin verantwortlich und manchmal etwas überfordert damit in der kurzen Zeit.

Aber ich bin froh, dass die meiste Arbeit bei mir selber liegt und dass ich nun zumindest (als Klassikerin) schon zwei Jahre Studio-Erfahrung habe. Beim Üben am Flügel purzeln bei mir Gedichte, Ideen und Lieder, ich komme kaum hinterher, sie aufzuschreiben. Wie Kerzenwachs. Und ich muss mich auf das normale Üben auch konzentrieren. Mit all meinem Herzen.

09. November 2009

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Doktorandenseminar

Als ich meine erste wissenschaftliche Arbeit abgab, sagte der Professor: „Sie wissen ja, die Wissenschaft ist emotions-los.“ Es war die sachlichste Arbeit meines Lebens. Ich verstehe nicht ganz, wie emotionale Menschen emotionslose Arbeiten schreiben sollen. Wissenschaft ist für mich in keiner Weise emotionslos.