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17. September 2009

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Rumänien

Ich bin nun in Brasov angekommen (Braschov ausgesprochen). Mit Lufthansa zu fliegen finde ich am schnellsten und sichersten. Ich fliege gerne nach Osteuropa. Nach Bucharest (Bukarescht ausgesprochen) sind es mindestens zwei Stunden, dazu kommt eine Stunde Zeitverschiebung. Zum ersten Mal bin ich ohne Flug-Ticket zum Frankfurter Flughafen gefahren, da ich mir bis zum Schluss nicht sicher war, ob ich wirklich zu dieser Musikerkonferenz fliegen sollte, ob es mir nicht vielleicht zu viel wird — aber ich bekam spontan den letzten Platz einer Lufthansa-Maschine, und dies noch sehr guenstig. Erst im Flugzeug fiel mir ein, dass ich auf jeden Fall zu spaet sein wuerde, um abgeholt zu werden nach Brasov. Wir wuerden gegen 18 Uhr landen, und um 15:30 war der Minibus der Teilnehmer bestellt. Eine junge Frau neben mir am Fenster sprach mich an. Sie hatte gerade 6 Monate in Los Angeles gearbeitet. Sie wohnt in Brasov und wurde von ihren Eltern abgeholt.

Ich konnte es nicht fassen; ich sagte, ich muesse nach Brasov, ob es denn weit waere, ob man mit Taxi hinkaeme. Ich dachte, vielleicht ist Brasov ein Vorort von Bucharest. Sie sagte, es sei weit nach Brasov, drei Stunden mit dem Auto, sie wuerden mich mitnehmen. Ich habe oft das Gefuehl, sobald ich reise, so beschuetzt zu sein. Gott hat mich noch nie im Stich gelassen. Wo ich einen Fuss hinsetze, bin ich behuetet. Ich hatte kaum Gepaeck, und dies wurde mir zum Glueck, da Cristin 4 riesige Koffer aus den USA vom Band zog und wir alle samt ihren Eltern irgendwie ins Auto passen mussten in Bucharest.

16. September 2009

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Brücke sein

Es ist schön, eine Brücke zwischen eigenen Songs und klassischer Musik zu sein, dabei Texte und Lyrik zu lesen, die aus meinem Herzen kommen. Wenn ich Musik spiele und singe, komme ich mir selbst ein großes Stück näher, was ich sonst durch keine andere Art schaffe. Wer mir also die Musik oder die Kunst wegnimmt, verbaut mir einen ziemlich wichtigen Weg und Durchgang zu mir. Denn wenn ich Musik mache und dabei lerne, mich selbst zu spüren, desto mehr haben auch die anderen etwas davon. Es ist eben nicht nur professionelle Leistung oder ein Job. Es ist meine Berufung.
Nun bin ich wieder unterwegs zu Konzerten in Stuttgart, Frankfurt, Saarbrücken.

Begabte Kinder unterrichte ich gern. Kinder, die in der Hochbegabtenförderung ihrer Schule oder ihrer Stadt stehen oder Klassen übersprungen haben, sind im Klavierunterricht wach und interessiert. Das bedeutet nicht, dass diese automatisch Künstlerinnen oder Musiker sind, aber künstlerisch sind sie schon meistens, oder haben das Potential und das Interesse an künstlerischem Schaffen. Es ist oft sehr schön, mit Kindern zu arbeiten, da sie generell interessiert, vielseitig, ernsthaft sind. Es ist nicht allzu anstrengend, sie mit Musik zu anzurühren, aufzubrechen, zu trösten, sie zu verzaubern, sie zu begleiten. Sie lassen sich auch trösten durch Musik. Diese Kinder sind nicht aus intakten Familien, aber haben immer jemanden, der sich besonders um sie gekümmert hat. Sie sind aufmerksam, suchend, wach.

16. September 2009

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Schach und Klavier

Da liegen die neue Plakate auf meinem Flügel für die nächsten Konzerte. Jetzt bin ich erst mal unterwegs nach Bukarest.

Der Schach-Trainer trainiert mich momentan im Mittelfeld und Endspiel, dazu komponiert er Stellungen der Figuren, konkret, überlegt matt zu setzen und wie lange man den König halten kann. Fußball, Musik und Schach haben so viele Gemeinsamkeiten. Für alles drei, Schach, Fußball und Klavier, braucht man, zumindest ein wenig, eine Kämpfernatur. Es war schön, wieder die Gegend um Frankfurt anzusehen, Bad Soden, Bad Homburg, Königstein, und ihre Orgeln. Auch den Main-Kinzig-Kreis mit Schlüchtern, Langenselbold, Maintal…

14. September 2009

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Bechstein-Center Frankfurt am Main

Das Konzert in Frankfurt war sehr gut besucht, der Bechstein-Flügel in seiner hellen Akustik fast zu scharf gestimmt. Ich war die letzte Viertelstunde vor dem Konzert ruhig und abwartend. Ich ringe gern mit Klang. Bisher war ich nur Seele und verschmolzen mit Klang. Es ist erstaunlich, wie sehr man mit Musik Menschenherzen erreichen kann. Aber auch diese Facette der Liebe hat ihre Grenzen. Es gibt Dinge, die man außerhalb der Kunst suchen muss. Ich hätte nie gedacht, dass Liebe eine solche Macht und so viele Gesichter hat. Musik ist nur ein Gesicht der Liebe.

09. September 2009

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St. Stephan Würzburg

Am Sonntag ist das Emporen-Konzert in Würzburg, ich freue mich, 45 Minuten lang Bach zu spielen: eine Welt für sich, eine Welt voller Ruhe und Meditation und tiefen Gedanken, die neu auftanken lassen, entspannen und entführen in ein Gebiet des Übernatürlichen. Die ersten Minuten eines Konzertabends zählen, das Jetzt und Diesseitige zu verlassen, ungefähr so, als würde man das Bewusste abstreifen, ins Unbewusste gehen. Wie die Minuten vor dem Einschlafen, das Loslassen, so empfinde ich das. In dieses Loslassen soll und möchte ich das Publikum führen. Bach oder Beethoven sind oft rocky starts, doch bei Bachs Goldberg-Variationen wird man durch die wunderschöne Aria und die Energie der ersten Variationen sofort abgeholt, eingetaucht in tiefere Ebenen.

Bei klassischer Musik braucht man viel Loslassen, Freiwerden. Das Abholen des Publikums ist jedenfalls entscheidend. Es ist für mich als Pianistin anstrengend und neu, die Menschen durch Worte, Einleitungen oder gar durch andere Dinge abzuholen, da ein Konzert für den Musiker eine äußerst anstrengende Angelegenheit ist, kognitiv, mental durch das Auswendig-Spielen, aber auch körperlich, emotional, motorisch, geistig, geistlich.

Jemand sagte mir, das Publikum sei die große Mutter Publikum, die mich mit hungrigen, erwartungsvollen Augen betrachtet, von der ich nichts erwarten kann, also eher ein großes Baby. Ich höre dann von anderen, dass ich charismatisch spiele, mit meinem ganzen Sein und Körper, ganzheitlich mit einem Seltenheitswert — es kommt mir vor, als würde meine Seele über meinen Wasserwogen schweben, über meine Seele. Aber nicht nur über meine Seele allein, sondern auch über die Seelen des Publikums. Brauche Urlaub.

07. September 2009

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Meine Hände

gehören im Moment des Konzertes nicht mehr mir. Wem gehören sie? Ich habe mich dennoch bewusst bemüht, meine Hände als Teil von mir anzusehen. Es kam mir vor, als würden sie ab Berührung der Tasten in eine andere Welt getaucht werden, als wäre meine Gabe nicht mehr meine, ich selbst wundere mich, andere auch. Sie betrachten anschliessend meine Hände und sehen nichts, was ihnen eine Erklärung bieten könnte, im Gegenteil. Meine Hände sind klein und weich. „10 Finger. Mehr nicht?“

Meine Hände gehören nicht mir. Was ich einsetze, sind meine Arme und mein Rücken, aber wenn ich lange genug spiele, passiert es, dass irgendwann mein gesamter Körper und auch meine Seele in die Musik getaucht sind. Wenn die Musik eine Welt der verschwommenen heißen Farben ist, dann verschwinde und zerschmelze ich darin, und eine Frau in Flammen spielt am Flügel. Neu ist, dass ich beim Auswendig-Spielen in der Gegend herumschaue, auch Leuten ins Gesicht, und nicht mehr nur mit geschlossenen Augen spiele.

05. September 2009

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Intuition hat weniger mit Impulsivität zu tun als mit Strategie

Kunst ist nur eine Facette von Liebe, eine wichtige zwar, aber nur eine. Tiefer als all das ist doch das Sein, und dazu gehören vor allem Beziehungen. Es ist sowieso immer eine neue Definitionsfrage, was Kunst, Literatur und Musik eigentlich genau sind. Dazu gehört die Aussage von Goethe, erst in der Beschränkung zeige sich der Meister. Das stimmt. Oder das es eben zwei Dinge (zwei Gaben) sind:der Verstand und sich seiner bedienen zu können.

Der wichtigste Teil beim Schach ist doch das Ende, wie im Leben, und dort kann man am meisten lernen. Die Eröffnungen und das Mittelspiel sind gut, aber eine Partie gut zu Ende zu führen, ist noch mal eine ganz andere Sache. Dazu gehört auch, dass man überhaupt verlieren kann. So auch im Leben.

Die nächsten zwei Wochen werde ich die Andachten allein leiten, das hat sich so ergeben, morgen ist mein Konzert hier. Die Andachten werden auch in der ganzen Umgebung hier gesendet.

01. September 2009

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Annahme ist wichtiger als Anerkennung

Es wird ein schöner Herbst, eine warme, dunkle, zarte Sonne bringt viel Ruhe. Meine Konzertplakate hängen überall. Sonntag ist das Konzert.

Heute morgen wurde eins meiner Lieder gesungen und geübt. Am Montag begleite ich eine Sängerin. Ich merke, dass ich mich neu mit Musik anfreunden muss. Meine negativen Assoziationen mit Leistung, Druck, Einsamkeit und Üben haben mich nicht erkennen lassen, was Musik eigentlich ist. Schönheit ist sie.

Meine Liebe und Zärtlichkeit allerdings steckten nur in einer unsichtbaren Welt, verschluckt in Leere, und nur in einem Körperteil: in den Händen. Manchmal hatte ich das Gefühl, meine Seele läuft auf meinen Beinen. Jemand sagte mir, ich sei eine empfindliche Denkerin. Es ist schön, wenn Menschen meine Lieder summen, ohne dass sie wissen, dass sie von mir sind und ohne zu merken, dass sie sie summen.

30. August 2009

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Darmstadt

Es war schön, in Darmstadt zu spielen. Es war ein kleiner, aber guter Yamaha-Flügel in schöner Akustik. Roh Kudus. Es ist erstaunlich, was eine Sprache über sein Land aussagt. Ich habe ein Angebot, in Jakarta zu spielen, der Hauptstadt Indonesiens. Dabei kann ich sicher einen Abstecher oder Urlaub in Bali machen. Aber zuerst werde ich in Ägypten sein auf der Kreuzfahrt, dann auf den Philippinen. Ich mag die asiatischen, indonesischen, thailändischen, feinen Menschen, sie haben so etwas Zartes und Feinfühliges, ich fühle mich wohl und bekomme bei ihrer Feinheit Gänsehaut, wohlfühlend, obwohl ich vom Aussehen völlig heraussteche.

In den USA habe ich sehr viel mit Asiaten zu tun gehabt. Aber es ist sicher anders, sie in ihrer ursprünglichen Heimat zu erleben. Viele von ihnen sind auch hin- und hergerissen zwischen Welten, sogar zwischen Kontinenten. Ich traf auch einige kleine Kinder und Erwachsene, die ‚Halbe‘ sind wie ich, halb afrikanisch oder halb indonesisch; vielleicht fühlen sich Halbe instinktiv zueinander hingezogen. Mit einem Amerikaner habe ich anschließend Schach gespielt. Er hat an der Arizona State University gearbeitet, dort, wo ich 2 Jahre studiert habe. Er kommt sogar aus Arizona, aus der Wüste, hat auch an der Arizona State studiert, arbeitet nun in Deutschland. Ich habe das erste Mal auf Englisch Schach gespielt. Er hat mich während des Spiels über alles mögliche ausgefragt, über mein Leben, und Schach lief bei ihm nebenbei, nur als Mittel zum Zweck, während ich mein 31. Schachspiel gewinnen wollte. Er verlor im Gespräch viele wichtige Figuren, zumindest im Tausch, aber es war ihm egal. Ich habe niemanden so schnell spielen sehen. Plötzlich aber war seine Dame ungeschützt in dem empfindlichsten und gefährlichsten Teil meines Spielfeldes direkt an meinem König, es war Abzugs-Schach in Greifweite, und ich bekam seine lästige Dame nicht weg, während er sich einfach weiter mit mir unterhielt und völlig nebenbei gewann. Ich dachte mir, es ist unfassbar, wie manche Menschen Schach spielen. Irgendetwas mache ich verkehrt. Es läuft alles sehr gut, bis ich plötzlich eingekeilt bin. Ich spiele noch zu defensiv, ich vergesse symbolischerweise oft, dass es um den König geht. Ich bin zu sehr mit der Dame beschäftigt, mit der ich mich identifiziere.

Roh KudusBagi Mu Tuhan, Penuhi kami dengan RohMu. Kurindu kan selalu dalam hidup ku.

23. August 2009

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Viele Stunden geübt

Schach ist ein sehr ästhetisches und künstlerisches Spiel. Zu kombinieren ist für mich Sprache. Auch beim Schach heißt es Notation, durch sie kann eine Partie nachgespielt werden. Ob nun schnell oder langsam gespielt wird, beim Schach geht es immer um Zeit, um Timing, erst recht beim Blitz-Schach. Remis zu enden ist momentan für mich ein Erfolg. Die Bedeutungen der Türme, der Rochade und des Zuges en passant sind mir erst beim 20. Spiel aufgegangen. Es fällt mir schwer, schweigend Schach zu spielen. Heute habe ich gehört, dass mein Lachen ansteckend sei. Man muss sofort lächeln. Außerdem, dass ich Kunst studieren sollte. Ich kann nicht alles studieren.

Sitze in der Orgel