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Organistin

25. April 2023: Viele Menschen haben ein kaltes, verkrüppeltes, gefangenes oder abhängiges Herz. (AHS)

Foto: Erlangen

Ich habe eine Notenständer-Phobie, da ich mir schon mal die Finger eingezwickt habe. Seitdem mache ich, wenn es geht, einen Bogen darum, sie aufzubauen, aufzuklappen etc. Sie scheinen nach mir zu schnappen. Die dünnen faltbaren sind die schlimmsten. Halten tun sie alle sowieso nicht.

Heute erinnere ich an die Komponistin Rachel Portman, erster weiblicher Oscar für Filmmusik, Claudine Gay, erste schwarze weibliche Präsidentin an Harvard, an Stritt Marie, 1855, Frauenrechtlerin. Und an Dr. Else Beil, eine der ersten Frauen, die sich in den Hörsälen für die Rechte der Frauen einsetzte.

Ich liebe Leipzig, die Stadt, in der ich mich als Pianistin völlig überraschend in die Orgel verliebte. Als ich durch die Stadt mit dem Auto fuhr und mich verfuhr, dachte ich, ich hätte eine Erscheinung, als ich das erste Mal das mir völlig unbekannte Völkerschlachtdenkmal sah. Ich mag den Mendebrunnen, den Augustusplatz, die Uni, die Alte Börse, die Museen usw.

Schuke Orgel Detwang (Dettwang), Rothenburg/Tauber

Fortsetzung zum fiktiven Konzert, Teil 2, Dvorak Cellokonzert:

Dvořák schrieb es in den USA zwischen dem 8. November 1894 und dem 9. Februar 1895, obwohl er sich zunächst für das Instrument nicht erwärmen konnte. Zudem war sein erstes Cellokonzert von1865 in A-Dur (ohne opus) nicht erfolgreich – oder jedenfalls nicht gut genug in seinen Augen, denn er veröffentlichte es nie.

Der klassisch gegliederte erste Satz Allegro dauert ca. 16 Minuten mit dem eindrücklichen, süffigen und bekannten Hauptthema und dem darauffolgenden ruhigen Seitenthema mit Horn solo. Das sehr spät einsetzende Cello entwickelt schließlich einen eigenständigen und eigenwilligen Dialog mit dem Orchester als Soloinstrument. Der ganze Satz ist strahlend, fulminant.

Wenn das Cello einsetzt, später nur von zarten Flöten begleitet, ist man von der Wucht und Leidenschaft erstaunt. In diesem Konzert kann das Cello alles zeigen, was es kann: Es singt, kratzt, schreit, kitzelt alle Extreme aus, jammert, klagt und weist zurecht. Es behauptet sich gegenüber dem Orchester, ohne aufdringlich zu sein. Es bleibt in allem, was es tut, lyrisch. Auch ist dieser Satz kein typisches Allegro, sondern ähnelt eher einem Lied voll Sehnsucht.

Jacqueline du Pre ist auch in ihren begleitenden Linien fulminant und wild im authentischsten, schönsten Sinne.

Im zweiten ruhigen Satz, dem Adagio, ma non troppo von ca. 12 Minuten Länge, erklingt Dvořáks Lied „Lasst mich allein“ op. 82. Nr. 1. Es soll der Legende nach ein heimliches Liebeslied für seine 1895 verstorbene Schwägerin gewesen sein.

Jacqueline du Pre ist in ihrem Spiel so eindringlich wie ein Feuer spuckender frisch geschliffener Diamant, beinahe noch raw – mit einem Ton, der tief durch die Knochen dringt. In ihrem Spiel glitzert die menschliche Seele mit all ihrem Kummer und ihrer Sehnsucht.

Der schnelle dritte Satz, der Schlusssatz, das Finale. Allegro moderato von 13 Minuten Länge, beginnt ebenfalls ruhig, aber steigert sich immer mehr, zusammen mit dem Cello, das das Thema zum ersten Mal ganz spielt. Das Lied „Lasst mich allein“ erscheint in der Coda wieder. Daher wollte der Komponist auch keine Kadenz mehr haben.

PAUSE

(Getränke, Eis und Snacks im Foyer)

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Video: „Bin ich Künstlerin? Nein. Ich bin Kunst.“

Florence Beatrice Price: Symphonie Nr. 1 e-Moll (1931-1932) ca. 40 Minuten

Die erste afroamerikanische, schwarze Komponistin, die Beachtung mit „klassischer Musik“ fand, war Florence Price, am 9. April 1887 geboren in Little Rock, Arkansas, USA. Sie komponierte bereits als Kind und studierte Orgel und Klavier am New England Konservatorium.

Sie war eine der wenigen, die in beiden Konzertfächern einen Abschluss erzielte, sowohl in Orgel als auch in Klavier. Sie unterrichtete anschließend beide Instrumente, jedoch litt unter dem andauernden Rassenkonflikt in ihrem Land.

In Chicago fühlte sie sich sicherer, daher zog sie 1927 in diese Stadt, in der ihre Kompositionen erstmals von Verlagen entdeckt und veröffentlicht wurden, unter anderem vom G. Schirmer Verlag.

Sie wurde in ihrer Musik von Antonin Dvořák beeinflusst und ließ auch die Inspiration von afrikanischen Trommeln mit Upbeat in ihre Werke mit einfließen, so im dritten Satz „Juba Dance“ ihrer ersten Symphonie.

Ebenso zitierte sie Spirituals in vielen Kompositionen, so auch in der ersten Symphonie. Der majestätische, süffige erste Satz mit 18 Minuten Länge lässt schon eine Ahnung von klagenden, verträumten Negro Spirituals anmuten, so auch im Bläsersatz ihres Largos. Florence Price hat mit ihrem „Juba Dance“ den Stil Bernsteins bereits vorweggenommen.

Als Price ihre erste Symphonie schrieb, hatte sie sich ihren Fuß gebrochen. Es ist ein vierteiliges Werk, und Price stilistische Merkmale sind die Anklänge und Arrangements von Spirituals in ihrer Orchestrierung, die an Gottesdienst, Andacht und Kirchenmusik erinnern, jedoch auch an Schmerz und Ausbeutung der Schwarzen in ihrer Zeit.

Die beiden Schlusssätze 3 und 4 sind kurze tänzerische Sätze, der dritte „Juba Dance“ scheint Bernstein vorwegzunehmen, frech, mild-jazzig, Upbeat, der vierte ist ein kurzer, filigraner Tanz.

Mit dieser ihrer ersten Symphonie in e-Moll gewann sie den berühmten Rodman Wanamaker Kompositions-Wettbewerb mit einem 500 Dollar-Preis und war damit auch die erste schwarze Komponistin, die mit einem großen symphonischen Werk mit einem großen Orchester national Anerkennung fand.

Der Dirigent Frederick Stock mit den Chicago Symphonikern führte ihre Symphonie am 15. Juni 1933 auf. Es war ein großes Orchester gefragt: zwei Flöten, zwei Piccoli, zwei Oboen, zwei Klarinetten, zwei Fagott, vier Hörner, zwei Trompeten, drei Posaunen, Tuba, Pauken, Schlagwerk und der Streicher-Apparat.

Diese Aufführung verhalf ihr zum Durchbruch, und sie konnte ihre Werke, darunter Lieder, Orgelwerke, Klavierwerke sowie Chor-, Kammermusik- und Orchesterwerke, in Verlagen unterbringen und zur Aufführung bringen.

Ihre Musik galt lange als verloren, vergessen, bevor sie vor kurzem wiederentdeckt wurde. Mittlerweile gibt es Plattformen, Vereine und Gruppen, die ihre Musik bewusst der Öffentlichkeit zugänglich machen, damit in Konzertprogrammen nicht nur zu 99 Prozent Männernamen auftauchen. Viele Dirigentinnen und auch schwarze Dirigenten nehmen sich ihrer Musik an.

Karen Walayn beispielsweise sammelte Geld, um ihr Gesamtwerk einzuspielen. Es ist tragisch, dass Price viel zu selten auf großen Konzertprogrammen erscheint, besonders in Europa. Es muss aufhören, dass nur Männer gespielt werden. Dies ist eine absurde Tradition, die durchbrochen gehört.

Lydia Tar ist die erste Chefdirigentin eines großen internationalen Orchesters, der Berliner. Sie ist bekannt dafür, sämtliche große Zyklen der Romantik für die Deutsche Grammophon aufgenommen zu haben. Aufgrund ihrer einzigartigen Stellung war sie so umstritten, so dass sie eine Zeitlang auf die Philippinen flüchten und sich in vielen Intrigen verantworten musste, nachdem sie von ihrer Position gestürzt wurde.

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16. April 2023: Manche meinen, über Orgeln urteilen und entscheiden zu können, ohne sie je gespielt zu haben. (AHS)

Schwemmend legt Gedankenband den Ton.
An schwarzen Samtbändern Klang hinunter
in den Abgrund von Seelen.
Die Antwort summt aus der Tiefe:
Singt frei, singt frei! (AHS)

Heute erinnere ich an Eugenie Marlitt.

Foto: Halberstadt

Orgel & Klavier: Orgel plus by One

Sehnsuchtsort Orgel

Das Konzert in Frechen bei Köln gestern war sehr schön, Eintritt 15 €. Das Konzert war in zwei Teile gegliedert. Vor der Pause spielte ich einen Klavierabend (auswendig) mit Chopin Etüden und Balladen, Beethoven Waldstein-Sonate und meinen Himmelsliedern auch mit Gesang, nach der Pause ein Orgelkonzert mit Bach, Mozart, Reubke und Schlüter. Die roten Stühle wurden dementsprechend für das Publikum drapiert.

Es wurde aufgenommen. Es gab eine schöne kleine Anlage und gute Mikros. Die hübsche Kirche wurde mit großen Strahlern und silbernen hohen Kerzenständern beautiful ausgeleuchtet, in der ersten Hälfte mit rosa Farben, in der zweiten Hälfte rot. Eine liebe ukrainische Dirigentin hat mir oben an der Orgel geblättert.

Es war das erste Orgelkonzert in dieser Reihe. Premiere! Und ich habe diese schöne Orgel auch zum ersten Mal ins Netz gestellt.

Das Konzert wurde sehr schön moderiert, in der Pause gab es Sekt, ich habe viele CDs verkauft. Ich habe auch moderiert, da ich es liebe, mit dem Publikum zu interagieren. Ich erzählte von meiner Familie, von meinen Komposition und meinem Leben. Es gab Standing Ovations.

Es sind auch ein paar meiner „Edelfans“ gekommen, wie der Veranstalter sie nannte, einer fuhr 700 km, um mich zu hören, dann kam auch ein seltsames Grüppchen, ein alter Riese mit Sonnenbrille, um unerkannt zu bleiben, und einer Neo-Windjacke in Orange. Sein Kumpel trug Vollglatze und wirkte verlegen. Die Dritte im Bunde wirkte eher im Schatten der restlichen Edelfans.

Für mich ist es nicht immer einfach, von Klavier  direkt zur Orgel zu wechseln. Der Switch ist doch immer noch enorm, obwohl es besser geworden ist. Es ist eine Mind-Sache. Da ich aber in der Pause mit dem Publikum und den CDs beschäftigt war, konnte ich mich nicht genug auf die Orgel umstellen mindmässig.

Was ist der größte Unterschied? Am Klavier bin ich ein virtuoses Rennpferd, völlig abgetaucht. Ich schließe viel die Augen. Ich spiele auswendig usw. An der Orgel muss ich mich massiv an die Kandare nehmen. Für die Orgel bracht man eine ganz andere, eine stoische Konzentration, ein anderes Gehirn.

Ich teile ja ohnehin mein Gehirn so oft auf: Lyrik, Klavier, Komposition, Schreiben, Orgel… Und Üben.

Am Klavier habe ich ein total anderes Gehirn. Ich spiele so schnell, dass es direkt an meinem Gehirn vorbei geht, ich weiß selber nicht, was ich da mache. Aber an der Orgel muss ich mich zügeln. Denn die Orgel macht das nicht mit. Viele Organisten sind ja so stoisch, dass es zum Davonlaufen langweilig ist. Daher ist es gut, dass jemand Wildes die Orgel erobert. Aber ungezügelt geht es absolut nicht!

Zudem wenn die Akustik durch das Publikum sehr trocken wird.

Aber bei meiner eigenen Komposition konnte ich mich wieder verausgaben. Das machte enorm Spaß. Mein „Schlüter“ kam sehr gut beim Publikum an. Danke an alle! I love you! ❤️❤️

Barbara Dennerlein on Hammond

76. Greifswalder Bachwoche „Bach illuminiert“, Samstag 18. Juni 2022, 20 Uhr, ev. St. Jacobi

Es war ein bewegender Moment, Barbara Dennerlein das erste Mal live im Konzert zu erleben, und noch dazu von der ersten Reihe aus.

Die Kirche war ungewöhnlich beleuchtet in rosa und violetten Farben und mit abendlich-gemütlichen Strahlern, beinahe heimelig. Mit Blick nach vorn, auf die kleine erbaute Bühne, ähnlich wie die eines Jazzkellers, stand zierlich im Rampenlicht die Hammondorgel und zog alle Blicke auf sich.

Die Orgel wurde extra für dieses Konzert geliehen. Die schmale und extrovertierte, sehr authentische, kaum gealterte Barbara Dennerlein eroberte dieses wackelig wirkende Podest majestätisch, ihre großen, schmalen Füße in extravaganten Orgelschuhen steckend.

Vor jedem ihrer Songs gab sie ein kleines Intro, berichtete, wie das Stück entstanden ist, wie es heißt und warum (es gab kein Programm), und schmückte stets, spontan wirkend, ohne Zettel oder Notizen, private Randbemerkungen aus ihrem Leben hinzu, meist in witziger Art, so dass das Publikum schmunzeln und auch gedämpft lachen musste.

Was jedoch besonders bemerkenswert war, war die Tatsache, dass sie auch sehr authentische, beinahe „peinliche“ Dinge dabei preisgab und sich dafür nicht zu schade war. Dadurch gab sie einen bescheidenen Eindruck, so als würde sie daheim im Wohnzimmer für Freunde spielen.

Ihr Spiel war natürlich, besonders anfangs, optisch sehr interessant, zu betrachten, wie ihre großen Hände und Füße stets schwingend und rhythmisch akkurat und virtuos die Hammond Orgel zum Singen brachten.

Jazzig und virtuos improvisiert spielte sie solo, wie eine Band, was eine enorme Leistung und sehr anstrengend ist, als Solo-Entertainerin, Bass und Schlagzeug und Melodie, alles auf einmal allein auf einem doch recht limitierten Instrument zu verkörpern.

Ihre Füße waren das Schlagzeug, die Dirigentin. Sie gaben den Puls, den Drive vor, peitschten sie vorwärts. Es wirkte jedoch immer verspielt und „easy going“, sehr relaxed. Nach einer gewissen Weile jedoch (das Konzert war sehr lang), wiederholten sich die Klänge und ähnelte sich der Stil so sehr, so dass die Lieder, egal, wie sie hießen, miteinander verschwammen zu einem sehr langen Lied, das einschläfernd wirkte, vielleicht auch der späten Stunde und dem entspannten Licht geschuldet: Bach illuminiert. Wobei Bach gar nicht gespielt wurde.

Es wurde eine Art Hintergrundmusik, man wünschte sich ein Glas Martini oder etwas zu knabbern. Dieser Art Musik über eineinhalb Stunden allein als Musikgenuss zu inhalieren, war trotz aller Improvisation, Verspieltheit und Jazz anstrengender als gedacht.

15. April 2023: Die Grundlage aller Demut ist Geduld. (Christa Franze)

Es ist schön hier in Frechen, wir waren lecker griechisch essen (Bifteki), die Leute sind alle so nett und lieb. Die Orgel hier in der Kulturkirche ist eine W. Peter-Orgel aus Köln (1992), 2. M.

Willi Peter Orgel Kulturkirche Frechen bei Köln

Da ich sehr kontaktfreudig auf meinen Konzerten bin, werde ich mit vielen Leuten sehr schnell sehr nah, weil Gott erstaunliche Netzwerke unbeirrt weiter baut, wie ein kunstvolles Spinnennetz. Heute lernte ich eine Dirigentin kennen, und wir hatten so tiefe Gespräche über Musik und das Leben. Wir waren beide zu Tränen gerührt.

Dann übten wir beide stundenlang simultan. Sie studierte unten Partituren auf dem iPad, ich übte oben die Orgel. Im selben Kirchenraum Draußen schien die Sonne. So muss das Leben schön sein. Zusammen üben. So möchte ich das.

Im Sprinter hatte ich übrigens Probleme mit der Deutschen Bahn App. Das hat einer gesehen. Wie sich herausstellte, ein muskulöser Arzt. Der hat dann mein Ticket gekauft mit seiner App. Einfach so. Sachen gibts. Ich habe es ihm natürlich gleich wiedergegeben.


Julius Reubke

Ich mag es, spielt jemand diese komplexe Sonate des früh verstorbenen hochromantischen Komponisten und Lisztschüler selbständig ohne Registranten und Blätterer oder sonst einen Helfer und hat sich somit per Setzeranlage und notentechnisch das Orgelwerk so arrangiert, dass sie dieses virtuose Werk von ca. 20-30 Minuten mit seinen vier Sätzen allein bewerkstelligen kann.

Dies geht nur, wenn die Orgel eine umfangreiche Setzeranlage besitzt und er diese sowohl per Fuß als auch per Hand bedient.

Reubke muss, was das Umgehen mit den Schwellern angeht, so eingerichtet sein, dass sie genau weiß, wann sie wo schwellen kann, ohne in Konflikt zu geraten mit dem Fußsatz.

Insgesamt schwingt das mächtige Werk und wirkt keine Sekunde langweilig, da man sowohl in den schnellen Sätzen in Satz 3 und 4 als auch in den langsamen Stellen in Satz 1 und 2 Extreme wählt und es dadurch spannend und abwechslungsreich gestaltet ist, wie aus einem Guss gespielt, ohne Brüche.

Die Tempi mancher sind viel schneller als die anderer mit demselben Werk auf youtube. Natürlich spielt hierbei immer eine Rolle, was für eine Orgel man unter den Fingern hat und wie die Akustik der jeweiligen Kirche interagiert.

In manchem Fall ist man aufgrund der großen Akustik gezwungen, alle Läufe leggiero zu spielen, damit nichts verschwimmt, während ein anderer in der dumpferen, trockeneren Akustik viel mehr legato spielt. Die Registrierung muss dabei sehr gut gewählt sein.

Die Dynamik spielt bei Reubke eine sehr große Rolle. In fast jedem Takt passiert etwas Neues, in Extremen, ständig Crescendo und Decrescendo, was nur durch Registerwechsel und durch die Schweller zu erreichen ist.

Es muss entschieden werden, welche Farben man verwendet, ob Tremulanten oder nicht, welche Streicher und Zungen. Frau hat ihre Farben passend und überzeugend zu wählen, besonders wenn sie nur drei Manuale zu Verfügung hat und nicht wie Gowers, der einen Blätterer und Helfer hat, vier Manuale, was Farbwechsel erheblich erleichtert bei einem solchen Werk.

Bei drei Manualen muss man konzentrierter arbeiten und kann nicht in klangliche Extreme ausweichen. Wichtig: Man verwendet die Schweller in hervorragender Weise, dass diese nicht zu spät, nicht verzögert oder zu früh agieren, wie dies oft bei Wiebusch der Fall ist und dadurch der Klang gestört wirkt.

Man könnte manchen vorwerfen, dass durch seine schwingende kompakte Art des Spielens das schwere, süffige Werk etwas zu verspielt wirkt, zu leicht, zu angenehm.

Denn das Werk basiert auf verstörende Passagen der Bibel, auf den 94. Psalm, der nichts Leichtfüßiges, nichts Verspieltes hat, im Gegenteil. Es fehlt durch die behände, lächelnde Art mancher Spieler manchmal das Schmerzvolle, Gravitätische als tragender Grundgedanke.

Es ist ein Balance-Akt, dass das Werk auf der einen Seite nicht als sportliche Etüde verkommt, besonders in der zweiten Hälfte der Komposition, und auf der anderen Seite nicht schleppt oder auseinanderfällt.

Es muss einen Spannungsbogen haben, der ca. 30 Minuten durchträgt und alle wiederkehrenden Motive und Themen vereint, denn es gibt keine Pause – darf aber auch nicht durchgetrieben oder durchgepeitscht werden.

Die Andacht in den sehr schmerzvollen Passagen des Werkes dürfen nicht zu schnell und zu leichtfüßig gespielt werden, als hätte die Orgel keinerlei Druckpunkt und wäre so leicht wie ein Keyboard zu spielen. Dieser Gefahr muss man sich bewusst sein.

Ich mag auch sehr das große, eineinhalbstündige Oratorium von Georg Friedrich Händel „Israel in Ägypten“ HWV 54: das Leben der Kinder Israels in der Gefangenschaft und Knechtschaft in Ägypten beschrieben und vertont, bis zum dramatischen Auszug aus der Not durch Mose und Aaron.

Diese bewegende Geschichte der Bibel, bis heute Kernpunkt des Glaubens, in Musik getaucht, lässt durch die Vertonung noch einmal neu und anders verstehen, was wir im Gottesdienst bekennen: Die Befreiung durch Gottes Gnade aus Elend und Kummer.

Bach Fuga g-Moll BWV 542 Shorts AltSanktUlrich Kulturkirche Frechen bei Köln, Willi Peter Orgel

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14. April 2023: Aber ich male lieber Menschenaugen als Kathedralen, denn in den Augen steckt etwas, was in den Kathedralen nicht steckt: die Seele eines Menschen. (van Gogh)

In Kölle

Heute erinnere ich an Lisa Bengtsson, schwedische Designerin und Formgeberin. Was für ein schönes Wort.

Neue Musik

Manche neuen Komponisten haben eine Art Bauform beim Komponieren, zB eine Reihe, mit Rotation und Permutation usw. Ich finde aber, die Form sollte bereits in einem sein, wie verdaut, und nicht erst mühsam und seriell „gebaut“ werden. Bei mir entsteht die Form wie von alleine, ist DNA der Musik.

In der Lyrik ist es bei mir ähnlich: Ich habe eine Schau der Form beim Schreiben. Das heißt nicht, dass das jeder gleich erkennt. Für manche mag es zufällig sein. Zu zufällig. Aber sogar Stockhausen schrieb am Ende seines Lebens, die sogenannte Zufallsmusik klinge letztendlich mehr oder weniger genauso wie seine streng serielle Musik der Ordnungsschemata.

Anders empfinde ich es bei Messiaens Modi. Die Verwendung seiner Skalen und Leiter ergeben eine Tonsprache, die eben nicht einfach nur „Ergebnisse“ sind oder etwas Durchdachtes, Gebautes. Das sind Farben. Himmlisch. Spontan. Musikalisch.

Heute aber ist neue Musik und Komposition oft Politik, Ideologie und Macht der Männer.

Mir tut Vincent Van Gogh so leid. Sein Kummer ist in seinen Selbstportraits, in seinem Gesicht so deutlich zu sehen. Es zerreißt mir das Herz. Mit seiner Kunst hat van Gogh das Gegenteil von facebook erreicht. Und eine Seelen-Kunst erschaffen, die mir den Atem nimmt. Danke Vincent!

Foto: ❤️

Reger:

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11. April 2023: Die Schöpfung ist eine Künstlerin. (AHS)

Foto: Schweden

Heute war ich endlich im Film TAR. Ich bin immer noch sehr mitgenommen. Der Film ist schockierend und ich muss erst mal drüber schlafen. Nur so viel: Er hatte Überlänge und ist sehr anstrengend zu sehen. Noch dazu war ich mit einer Freundin da, in einem kleinen Programmkino in „Katakomben“, sie, die keine Musikerin ist und daher nicht so viel verstanden hat.

Cate Blanchett als lesbische Dirigentin Lydia Tar, die jung aussieht (53!), hat phantastisch geschauspielert, und auch die Kameraführung: top! Aber der Film hat auch etwas Horrormäßiges, Absurdes.

Was habe ich daraus gelernt?
1. Auch und besonders ganz oben ist die Luft dünn und man kann niemandem trauen.

2. Man sollte nie ein Charakterschwein werden, wenn man oben angekommen ist – und überhaupt nie.

3. Es ist eine Tragödie, dass Chefdirigentinnen in großen deutschen Orchestern erfunden werden müssen, weil es sie real nicht gibt, weil „die bürgerlich elitäre Klassik“ (Frankfurter Rundschau) ein „männerdominierten Beruf“ ist – ganz zu schweigen von der „Kirchenmusik“ – darüber sollte man mal einen Film drehen, was da abgeht, wie sich da Stellen und Konzerte zugeschustert werden unter Männern und Machtmissbrauch an der Tagesordnung steht 

4. Frauen sind nicht besser als Männer, aber eben auch nicht schlechter – werden aber schlechter behandelt

5. Männer werden in der elitären Klassik oft als „Genies“ gefeiert (siehe Süddeutsche) – aber Frauen, in ihrer Vita, wenn sie genauso angeben wie Männer, werden attackiert

6. Dass man nicht vielfältig sein darf heutzutage – das weckt Missgunst und wird nicht gut geheißen in einer Welt der „Spezialisten“

7. Frauen werden bei exakt gleichen Fehlern,  die auch Männer machen und die Männer ihnen vorgemacht haben, viel drastischer abgestraft. So als dürften Frauen gar keine Fehler machen. Und schon gar nicht die der Männer, die tagtäglich ungestraft gemacht werden.

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Heute erinnere ich an die Tänzerin Valeria Kratina-Köhler, und an Marta Fraenkel, Ärztin, 1896.

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5. April 2023: Nicht daran, wie einer von Gott redet, erkenne ich, ob seine oder ihre Seele durch das Feuer der göttlichen Liebe gegangen ist, sondern daran, wie sie von irdischen Dingen spricht. (Simone Weil)

Lothar Zenetti schreibt, zu glauben macht nicht satt, im Gegenteil, es verhindert, dass man satt wird. Es macht sogar hungriger. Doch Hunger und Durst nach Gerechtigkeit ist Glaube und der beste Koch. Und wenn wir dann Wasser schöpfen, wird Wasser Wein.

Musik ist zu meinem Leben geworden, denn fast nichts von dem, was ich tue, hat nicht irgendwie mit Musik zu tun. Auch Stille ist Musik. Was ich gerade besonders gern höre zum Dirigat: Valse Triste und Beethovens 7. Welche ist eure Lieblings-Sinfonie?

Fotos: Luisengarten

Es ist nicht gut, mit geglückten Halbheiten zufrieden zu sein. Zwang zur Perfektion jedoch macht Kunst trotzig und nicht offen.

Nur im hungrigen Sattsein wird Musik weich und nicht gewaltsam in der Suche nach Sinn und Tiefe.

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Das Klavier und die Orgel sind wissenschaftliche Instrumente. Darauf übend zu forschen ist ein großer Teil jeder pianistischen Entwicklung. Denn Forschung und Wissen sind kreativ, jede Forschung.

Warum kommt es mir vor, als würde man in Instituten eine Subwelt fern der Realität betreten, eine geheimnisvolle Bibliothek der Geschichte, ein Archiv der Ideologie, aus der man Formeln und Regeln zusammenträgt, als würde man an den wirklich wichtigen Dingen vorbeiwissen, an der Musik vorbei?

Um nicht betriebsblind zu sein und um sich Kreativität zu erhalten, sollte man auch auf Reisen, im Ausland und in der freien Marktwirtschaft tätig sein, künstlerisch, selbständig. Viele Menschen scheinen ihr ganzes Leben in Schule und Uni zuzubringen und damit in einer umzäunten Welt der Anpassung, Abhängigkeit und Machtspielchen.

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Ich lese Effi Briest, ein Roman, der mich tief bewegt. Wie früh schon über haarsträubende Frauenfeindlichkeit geschrieben wurde, von Fontane! 1895! Nüchtern, klar, ohne Vorwürfe und doch bis zum letzten Buchstaben anklagend. Danke, Theodor! Ich liebe dich!

Ich lese auch gern über Palestrina von Eugen Schmitz.

Politik ist daneben immer grob.

Weigle Orgel Mannheim

29. März 2023: Wir müssen in der Musik raus aus der engen Formelhaftigkeit. (AHS)

Vergiss die Sicherheit. Lebe, wo du zu leben fürchtest. (Rumi) Hmmm…

Foto: Dom Greifswald

Heute erinnere ich an Annelise Pflugbeil, die unter schweren Bedingungen das Institut in Greifswald, für Kirchenmusik, zur Uni gehörend, gründete und, soweit ich weiß, dort nicht genug geehrt wird.

Frost und Schnee in Greifswald. Orgel-Prüfung in Kirchenmusik an der Buchholz-Orgel von 1842 ist sehr gut gelaufen. Die Dom-Orgel ist eingetütet in einen warmen Kokon, man hört sich kaum selbst.

Ich glaube, ich bin gerade der einzige Mensch in Deutschland, der einen Ohrwurm von Petr Eben hat. Der Zyklus Sonntagsmusik. Das ist nämlich für Zuhörende eher anstrengende, schwere und schwer zugängliche Musik. Was ich natürlich nicht so empfinde. ☺️

Mozart KV 608 habe ich mit Spaltklängen registriert. Reaktion: Sehr experimentell. Ach, ich liebe, wenn Leute diplomatisch sind. 😊

Meine 4 lieben Helferlein am „Registrierpult“ hatten heute extra schulfrei wegen mir bekommen. Danke! Als Dankeschön habe ich im Saal der Musikschule gespielt. Der war schön dekoriert für den Landeswettbewerb Jugend musiziert. Ja, an „Jugend musiziert“ erinnere ich mich auch noch gut..

Ich denke in meinem Kopf oft Code-Switching-mäßig in Deutsch, Schwedisch, Englisch gleichzeitig.

Danke für alle Gebete und Glückwünsche.

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Buchholz Jehmlich Orgel Dom Greifswald

 

9. März 2023: Unsere Welt ist seelenfeindlich. Aber Gott möchte unsere Seele formen. (AHS)

Foto: Kristalle für Orchester 2023

Die Tiefen Gottes sind hart für untrainierte Seelen. (AHS)

Heute erinnere ich an Lotte Cohn, israelische Architektin, 1893.

Entspannung

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6. März 2023: Für was steht bei Deutschen der Begriff „etc.“? „Mehr als zwei Beispiele fallen mir nicht ein.“ 

Foto: Bremen

Die beste Neuigkeit für alle Menschen steht in Johannes 3,16! (Marie Hünsing)

Heute erinnere ich an Paula Busch, Zirkusdirektorin, 1886. Und an die schwedische Schauspielerin Gizem Erdogan.

Wenn man nicht täglich, regelmässig like crazy übt, verliert man das Konzertante, Brillante. Schade, dass man das Brillante nicht einmalig konservieren kann. Aber es ist eben “Leistungssport“. Ich richte mein Leben, meinen Alltag danach aus.

Ich bin ja ein True Crime Fan beim Üben, wie ihr wisst. Wenn ihr in Zeitungen oder sonst wo „Familientragödie“, “Beziehungstat“, “Mord aus Leidenschaft“ oder “erweiterter Selbstmord/Suizid“ lest oder davon hört, lasst euch nicht davon veräppeln. Es sind Femizide und ihre Unterformen, heisst, Männer ermorden die Frau, die sie nicht mehr kontrollieren können, die gehen will. Dies kommt weltweit sehr oft vor und ist weltweit die verbreitetste Mordform.
Ich würde sagen, dieses Verhalten gibt es auch als digitale Variante.
Von häuslicher Gewalt ganz zu schweigen: Weltweit hohe Zahl, von der Justiz kaum verfolgt oder bestraft. Justiz wird von Männern gemacht. Frauen werden kaum geschützt. Femizide werden oft nur als “Totschlag“ oder “second degree murder“ bestraft, da “Mord aus Leidenschaft“ gar noch als mildernder Umstand gewertet wird. Nach dem Motto, er hat sie ganz spontan minutenlang gewürgt. Oder, der Arme war nur deswegen so kontrollierend und eifersüchtig, weil er sie ja so geliebt hat. Es sei eben eskaliert.

Ich habe übrigens jetzt die Apple Watch, sie ist größer als mein Handgelenk, was mir gefällt, mal sehen, wann ich sie anwende zum Sport.

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Liszt

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Tier Babys