Ich freue mich auf die nächsten Konzerte und auf die Orgel im Dom Essen.
„Die Finger machen, was der Kopf will, nicht umgekehrt.“ (Schumann)
Ich schätze gerade sehr den Roman Anna Karenina von Tolstoij – obwohl die Rolle der Frau doch sehr bedenklich ist. Aber wunderschön geschrieben. Ich gehe mein Leben in beständigen Kreisen.
Es wundert mich, dass so viele Orgeltage keine Frauen präsentieren. Gehören nicht schöne Frauen an schöne Orgeln? Jede Frau ist schön. Gehören nicht Königinnen an die Königin? Der weibliche Orgelklang. Der Sexismus in der Orgelwelt macht mich tief betroffen – noch 2019 in einer patriarchalen Angelegenheit kämpfen zu müssen, in der nur Männer Orgel bauen, Orgel spielen, für Orgel komponieren.
Ich freue mich auf eine neue Übe-Orgel in Würzburg, eine Klais-Orgel, einer der fünf der Stadt (Dom, Hochschule, Augustinus, Neumünster, Stift Haug, Heilig Kreuz), zwar keine vier Manuale, aber drei, mit spanischen Trompeten und schönen französischen Klängen, angenehmen Zungen und weichen Prinzipalen, ca. 21 Jahre alt. Das Pedal ist etwas leise, man kann ja koppeln, und ich bin nicht mehr auf hauptsächlich Beckerath angewiesen. Und habe die einzige Frau des Bistums in der Stadt getroffen, eine sehr gute (die von Männern auf die andere Mainseite „verbannt“ wurde).
Der Algorithmus der männlichen Kirchenmusik und Orgelwelt wird sich hoffentlich bald ändern, ich werde mein Bestes dafür geben. Dass nicht nur Männer immer die Vorteile erhalten.
Ich habe einen neuen Lieblings-Wrap: Wrap mit Erdnuss-Soße (gemischt mit scharfer) und Grillkäse, Halloumi. Lecker!
Ich freue mich auf die Orgel in der Solitude Stuttgart und auf den 9. Deutschen Orgeltag (Konzert Schriesheim bei Heidelberg) und die anderen Konzerte im September. Habe bisher fast immer auf den Orgeltagen konzertiert.
Heute war ich endlich nach zwei Wochen orgelbedingter Pause wieder Springreiten. Ich merke richtig, wie mich die Pferde entspannen. Sie sehen mich mit ihren großen braunen Augen lieb und bescheiden an und schnauben. Den Vorteil, den sie wollen, ist nur altes Brot, Heu und Relaxen.
Was mir immer noch sehr zu denken gibt, ist die Voreingenommenheit, der unreflektierte Frauenhass in der Komponisten- und Orgelwelt, die die Männerstrukturen verfestigen durch sich gegenseitiges „Beerben“ und Zuschieben. Sie sind so gewöhnt darin, dass sie darin nicht mal Unrecht sehen! Erstaunt sind, wenn eine Frau etwas sagt!
In professionellen Musik-Wettbewerben sollte wie beim Sport zwischen Männern und Frauen getrennt werden. Sonst schustern sich die Männer politisch alles zu, da es Vorteile bringt, eitle und selbstherrliche. Zudem ist es für kleine Frauen schwerer, Orgel zu spielen. Selbst kleinere Männer haben längere Beine, sind vom Körperbau ganz anders. Von großen ganz zu schweigen, sie müssen sich nicht mal drehen im Pedalspiel. Und: Frauen reagieren auf Stress ganz anders als Männer, besonders was die Konzentration angeht. Ich nehme alles wahr, viele Männer haben Tunnelblick. Das heißt noch lange nicht, dass Männer besser sind. Dennoch wird Frauen vieles nicht zugetraut, nicht Hervorragendes, vor allem nicht, wenn sie ganz anders als Männer sind, auftreten, angezogen sind, gern lachen, kindlich, fröhlich, klein sind, kleine Hände haben, Rock tragen, quirlig sind. Natürlich kann man Männer nicht verallgemeinern. Es gibt auch sehr nette. Aber wir leben noch in einer Männerwelt. Viele Frauen müssen wie Männer sein, um in dieser Männerwelt „hervorragend“ zu sein. Noch 1974 benötigten Ehefrauen die Erlaubnis ihrer Männer, wenn sie arbeiten wollten, habe ich erfahren. Bei ISAM durfte ich nicht den großen Mercedesbus fahren, dabei fahre ich auch Motorrad und bin schon viele Strecken mit dem Auto gefahren, aber ein Mann, der noch kein Jahr den Führerschein hatte, noch nie auf einer zweispurigen Fahrbahn abgebogen ist, der durfte – sogar ohne Erlaubnis. Wenn man für unterschiedsbedingte Gleichberechtigung spricht, denken manche, ich sei feministisch – als sei jemand, der sich für Gleichberechtigung zwischen Schwarz und Weiß einsetzt, ein Schwarzist.
Es war sehr schön, eine der ältesten Orgeln Sachsens kennenzulernen (eine Woche zuvor die älteste Baden-Württembergs) und zu spielen, die Richter-Orgel, Renaissance-Orgel mit einem Manual, kurzer Oktave, von Engeln und Notentafeln umgeben und geschmückt in der Wehrkiche Pomßen, ca 30 km entfernt von Leipzig. Auch die Sauer-Orgel in der Michaeliskirche in Leipzig hat mich mit ihrem Klang sehr beeindruckt, die „kleine Schwester“ der großen Sauer-Orgel der Thomaskirche, perfekt für Schumann, Reger… Auch die Orgeln der Musikhochschule, besonders der französischen kleinen aus dem Kammermusik-Saal. Die Kurse mit Cea Galan (spanische Orgelmusik), Fairs und Jacobs waren sehr interessant mit Messiaen, Durufle, Bach, Correa etc,, und die Konzerte. Ich bin immer noch sehr verliebt in Bach, der den Choral als Eckstein seiner Musik ausgewählt hat. Bach-Schemelli und die Choräle zu hören (zum Beispiel live oder auf Schallplatte), auch die Texte, sind für mich Gottesdienst, viel mehr als irgendwo sitzen und sich politische Predigten anzuhören.
Auch die enorme Ladegastorgel im Merseburger Dom hat mich sehr begeistert. Merseburg ist eine der ältesten Städte der Welt, und diese Kirche ist sehr kostbar mit ihren Schätzen, Schriftstücken, 900 Jahre alten Türmen, der Bibel, ihrer Geschichte, der Saale und den Figuren und Kunstwerken mit ihren bewegenden Gesichtsausdrücken.
Die Texte, die Bach vertont hat, sind wie Medizin, vor allem, wenn man Ermutigung braucht:
„Sprecht Gottes Taten aus mit neu erweckten Zungen.“
„Dass wir lieben für und für.“
Bach vermittelt so viel Erkenntnis und Weisheit. Dass zwischen Sterben und Verderben ein großer Unterschied ist.
Mit offenem Verdeck nach Hause gefahren. Sonnenbrand. Obwohl ich zwei Wochen nicht zuhause war, blühten meine Pflanzen.
Nun bin ich schon seit über einer Woche in der Landesakademie in Ochsenhausen in Oberschwaben mit ISAM-Masterclasses Komposition und Orgel. Es macht sehr viel Spaß. Gestern Abend habe ich den Pianistin Grigory Sokolov mit Beethoven und Brahms gehört; an diesem Steinway im Bibliothekssaal spielte ich auch meine Komposition Snö (Schnee). Jeden Tag lernen wir andere Orgeln kennen. Am schönsten ist natürlich die Gabler-Orgel hier in St. Georg mit vier Manualen, aber auch die Barockorgel Holzhey in St. Verena in Rot an der Rot ist wunderschön (drei Manuale). Geübt habe ich aber auch in Heilig Geist und Dreifaltigkeit Biberach, in Ringschnait, an der schönen Sandtner-Orgel in der erstaunlichen Klosterkirche Gutenzell und in Hürbel, auch in Schloss Zell mit der schönen, alten, schwarzen Chor-Orgel, umarmt von Engeln. Jede Orgel ist ganz anders und sehr interessant, jede hat eine andere Windversorgung, einen anderen Touch, andere Klänge. Besonders gern mag ich hier an der Gabler-Orgel im Kloster die Vox Humana (im dritten Manual) im Tenor zusammen mit dem Tremulanten. Muffat, Knecht, Klassik, italienische, spanische, süddeutsche und norddeutsche Musik und auch Bach klingen hier sehr schön. Auch Improvisation und Contemporary Classical Music. Man ist sehr inspiriert von den vielen Kunstwerken an den Decken und Seiten, dazu Skulpturen, Schnörkel und Engel (teilweise in Rosa). Es ist viel zu tun, so dass wir kaum Zeit haben, die schöne Gegend mit Wiesen und Wäldern zu erkunden. Jedoch habe ich schon Rehe und Hirsche gesehen. Und Pferde.
Auch Komposition ist sehr spannend. Wir haben jeden Tag Unterricht, dazu Gruppenunterricht und Überzeiten. Da ich zwei Klassen managen muss, schlafe ich kaum, da ich ja komponiere jeden Tag. Dazu kommen noch viele Abend-Konzerte und Matineen und Gottesdienste, die alle spannend sind, eines davon im Ulmer Münster und Kunsthalle Weishaupt.
In Komposition habe ich sehr viel über die Instrumentierung von Percussion, Body Percussion und die vielen Klänge der Querflöte gelernt (Romantic Flute, Traverso, Modern Flute, Alto, Piccolo…) mit Flutter Tongue, Jet etc. Sehr spannend, große Scores zu schreiben.
Ansonsten ist es hier sehr international, was schön und lehrreich ist: Iran, Indien, USA, Türkei, Serbien, Kolumbien, Ukraine, Russland… So viele verschiedene Rhythmen! Ich finde, die Scores sagen bereits viel über jemanden aus. Ich schreibe oft am liebsten handschriftlich. Die Männer hier schreiben mit Note Performer Sibelius.
Jedoch gehen die Frauen immer noch massivst unter. Es wundert mich: In Schule und Studium sind Frauen meist die Besten und werden dann im „richtigen Leben“ von Männern beiseite gedrängt. Und niemand sagt etwas. Es ist „ganz normale“ Diskriminierung und im Grunde viel eingefleischter und schlimmer (da subtil) als die Diskriminierung zwischen Schwarz und Weiß. Ob ich dagegen kämpfen kann? Es wirkt wie ein riesiger Berg. Zudem: Die Frauenrolle in der Männerwelt haben Homosexuelle übernommen.
Bald geht es nach ISAM Ochsenhausen und Orgelakademie Leipzig, ich hoffe, vorher trifft der neue Lyrikband ein. Ich freue mich sehr auf Master Orgel. Der Player auf meiner Startseite ist auch fertig. Mein Orgelstück Längtan kommt sehr gut an. Ja, die Orgel braucht vor allem eines: sehr viel Zeit und Erfahrung. Sie muss mit einem zusammen wachsen, um sie zu verstehen.
Ach, ich liebe die Geschichten von Selma Lagerlöf! Könnte ich so schreiben wie sie. Mein Herz quillt über, wenn ich sie lese. Wie kann jemand so wundervoll und zeitlos über Freiheit, Schönheit, Verlust und Werte schreiben.
Es war sehr schön, an der voll-pneumatischen Grüneberg-Orgel zu üben. Habe die Geschichte von Störtebeker gehört. Rügen-Fisch, Sanddorn-Saft und Sanddorn-Badeöl. Das nächste Mal in Rügen: Rasender Roland von Putbus ins schöne Sellin, Möhren. Auch wieder Altenkirchen. Und Wandern bis Königsstuhl. Gesehen habe ich Gingst, Binz, Kap Arkona, Sagard, Sassnitz, Bergen, Lohme, Altenkirchen.
Meine neue Bach-CD ist auch im JPC-Courier (Ausgabe Mai): JPC Courier. Im August besuche ich den Dom Essen. Im Herbst Konzert Berlin-Heiligensee.