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Ann-Helena Schlüter

Die Orgel ist ein himmlisches Farb- und Klangwunder.

Kommt Zeit, kommt Orgel. (AHS)

Morgen / heute fahre ich zum Fürstenrieder Schloss München, dort übernachte ich auch. Am Tag drauf Orgelkonzert. Ich werde morgen abgeholt und freue mich auf Flügel und Orgel.

Anbei die Schlösser, wo ich bisher spielte:

Schloss Elmau, Schloss Kranzbach, Schloss Gohlis Leipzig, Schloss Röhrsdorf Dohna, Schloss Weitenburg, Schloss Augustusburg Weißenfels, Schloss Halberg Funkhaus Saarbrücken, Wasserschloss Herrnhut, Schloss Schwanberg, Schloss Langenselbold, Schloss Dottenwil, Schloss Hurlach, Wasserschloss Ruppersdorf, Schlosskapelle Solitude Stuttgart, Heidecksburger Schloss, Schloss Werneck, Schloss Wusterhausen Berlin, Schloss Frohnburg Salzburg, Schloss Moritzburg Tafelsaal, Schloss Langenselbold, Residenzschloss Oettingen, Schloss Craheim, Schloss Gracht Köln, Schloss Büdingen, Orangerie Museum Schloss Hofgarten Wertheim, Schloss Raitelbach, Schloss Imbshausen, Schloss Sondershausen, Schloss Fürstenried München, Burg Wernfels Nürnberg.

Ich liebe Schlösser.

Dies ist auch hier auf der Seite Pianistin aufgelistet.

Von den Impressionisten mag ich am meisten Monet, Boudin, Mary Cassatt, Pissarro und Camille Corot. Manet mag ich nicht; seine direkte Art und Motive haben etwas Ordinäres. Kein Vergleich mit Monet. Seine Motive sind schüchtern, zurückhaltend, zart, beinahe scheu. Das liebe ich.

Sehr empfehlen kann ich das Buch „Bachs Pilgerfahrt nach Lübeck“ von Franck. Ich hatte Gänsehaut auf den letzten Seiten. Ich freue mich auf mein Konzert in Dornheim, wo der ledige Bach seine Maria Barbara heiratete (in Arnstadt hatte er es sich für immer mit den Geistlichen verdorben). Ob Bach romantisch war? Ich glaube schon.

Sehr empfehlen kann ich die Dichterin Gioconda Belli (spanisch). Und Meg Whitman, top Managerin. Und Carmen Thomas, Autorin cool und klug.

Früher, als Frischling in der Szene der Kirchenmusik, fand ich vieles seltsam, aber man sagte mir: Du kannst das noch nicht beurteilen, du musst da erst dies und jenes gemacht haben und können und wissen …

Nun habe ich diese und jene Dinge gemacht, gekonnt und gewusst, und ich bin noch der gleichen Meinung wie am Anfang: viele Männer haben Hornhaut auf der Seele. Viele dieser Männer meinen, es sei nicht bescheiden, wenn eine Frau auf sich aufmerksam macht und zeigt, was sie kann.

Aber die meisten dieser Männer erkennen den Wert begabter Frauen sowieso nicht. Ich bin eine der wenigen, die diese verkrustete Kirchenmusik durcheinander wirbelt und eindeutig anders und selten ist. Alle, die ich liebe und verehre, waren anders. Ich verstehe die, die anders sind als die Masse.

Es ist einfach seltsam, mit Kirchenmusikern zu tun zu haben, die den Unterschied zwischen Klais, Rieger, Ahrend, Schnitger, Walcker… nicht kennen wollen und kein Interesse an Orgeln haben, die nicht gläubig sind, die nicht wirklich spielen können.

18. Mai 2021

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Unsere Weltkugel ist so zerbrechlich wie die Orgel: Papierdünne Atmosphäre. Die Werke sind Kontinente. (AHS)

Nach 14 Orgeln in 3 Tagen bin ich wieder zuhause. Noch etwas erschöpft. Ich freue mich auf meine Konzerte in Berlin und München und die Glaubensgespräche in München. Ab Mittwoch bin ich wieder unterwegs. Zum ersten Mal konnte man gestern wieder draußen essen gehen. 

 Es ist schön, als Künstlerin auf Wanderschaft zu sein. Viele meinen, sie seien Meister, sie müssten nicht mehr auf Wanderschaft gehen. War Bach denn ein Leben lang nur Geselle, weil er stets auf Wanderschaft war? Nein, Meister gehen auf künstlerische Wanderschaft mit starker Sehnsucht nach mehr. Die Faulen bleiben zuhause. Diese Faulen interessieren sich nicht über den eigenen Tellerrand hinaus. Diese kennen nicht mal die Orgeln ihrer Umgebung. Geschweige denn die Orgeln im Umkreis von 200 km. Geschweige denn die Orgeln im Land. Manche können nicht mal die „eigene“ Orgel richtig beschreiben. Auch wenn sie schon 12 Jahre da sind. Sie arbeiten nur an ihrem Betrieb. Dieser heißt Kantorei. Sie kennen nicht die Orgel ihrer Nachbarschaft, aber reden von Paris. Das ist so dumm und oberflächlich, dass mir die Worte fehlen. Man sollte Bach als Vorbild nehmen. Er hat sich immer zuerst um das gekümmert, was direkt vor seiner Nase war, und das bestens, bevor er weiterschaute. Aber viele kennen kaum den Unterschied zwischen Trost, Ladegast, Beckerath und Sauer. Sie wollen auch nicht, dass es irgendwo anders interessanter sein könnte. Nichts außer dem eigenen Betrieb Aufmerksamkeit schenken. An diesen fällt mir auf: Sie wollen gar nichts mehr lernen. Sie sind abgestumpft. Sie waren nie Künstler. Bach selbst könnte ihren Betrieb besuchen, sie würden es nicht mal merken. Es ist keine Künstlergilde, eher sehr robust down to earth, wo das Skifahren und die Lederjacke wichtiger sind als Üben. Ich sehne mich nach Vorbildern in dieser Szene.

Ich mag Melchior Schildt (1592-1667). Und Joseph Kelemen.

Merci, dass ihr meine Kunstwerke, besonders Achtelnote, mögt, kommentiert und bestellt.

Anbei die Seite meiner live-streams von Thüringen: live-Streams Ann-Helena – noch ein ganz neuer Kanal, von Hiob Stiftung Schop.

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17. Mai 2021

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Demokratie besteht nicht nur einer Wahl, sie ist unser tägliches Leben. (Tsai Ing-wen)

Oder eben leider nicht, wie man auf unserer Erde sehen kann.

Die vorletzte Orgel auf unserer Orgel-Tour Thüringen Tag 3 war die unglaublich schöne große Eilert-Köhler-Orgel, die letzte ihrer Art, sein Meisterstück, in der Kreuzkirche Suhl. Sie ist besonders. Die schöne gelbe Bürgerkirche aus der Barockzeit von 1739, evangelisch, groß, innen schlicht, lang, weiße Decke mit Decken-Uhr, mit einem gewaltigen Altar mit riesiger Heilig-Geist-Sonne, hinter dem die Orgel hervorbricht, beinahe verdeckt vom Altar und ihrer Sonne, ist beeindruckend. Man muss weit hinten bleiben unten, um sie zu sehen. In voller Pracht ist sie nur direkt oder oben zu sehen. Eilert Köhler stammt aus der norddeutschen Orgellandschaft, aus der Tradition Arp Schnitger. Es ist eine norddeutsch-mitteldeutsche Orgel, eine feine, besondere, spezielle Kombination (Symbiose): Das Pastellfarbene des Mitteldeutschen und das Durchdringende, Selbstbewusste des Norddeutschen. Das weite Pedal erinnert mich an die Trost-Orgel in Waltershausen. Ich spürte, dass Eilert Köhler von Trost inspiriert worden sein muss farblich. Zudem die langen Flammen an den Pedaltürmen. Typisch Trost. Wunderbare Barockorgel. Erneut.

Die mächtige Köhler-Orgel mit dem wunderschönen Spieltisch hat tatsächlich nur zwei Manuale. Aber durch die grundtönige Wärme und die schönen 8-Füße wirkt sie wie eine Orgel mit vier Manualen. Sie hat 39 klingende Stimmen, Glockenspiel, Koppeln (MK oben mittig), dicke schwarz umrandete Knöpfe mit dunkelrotem Schriftzug, die mich an meine Arnstadt-Orgel-Tour vom letzten Jahr erinnerten. Das Klang-Fundament ist süffig, reich und warm, volle Prinzipalpyramide, kraftvolle Zungen, Mixtur mit Terz und auf 16-Fuß-Basis, dennoch strahlend, thüringisch. Nach Waltershausen erneut eine wunderbare Barockorgel aus Thüringen, beinahe einen Ganzton nach oben gestimmt, glaube ich.

Gewölbtes braunes Holz und glänzende Holzeinlegearbeiten, Intarsien, rotbraun Nußbaum und Mahagoni über dem Spieltisch. Pedal, Gesicht (Prospekt), Disposition, Spieltisch (Manuale) sind mir neben dem aktuellen Klang das Wichtigste an einer Orgel.

Schuke Potsdam hat die Orgel 2007 restauriert.
Danke an Philipp Christ und Hiob Stiftung Schop. Die Orgel taucht hier in meinem Orgel-Verzeichnis auf meiner Webseite auf. Stream ging hier leider nicht, denn diese Orgel ist nicht leicht aufzunehmen.

Ein absolutes Überraschungs-Geschenk war meine 12. Ladegast-Orgel, hier in der Kreuzkirche in Suhl. Sie steht auf der Empore darunter in der Winterkirche. Zwar nur ein Manual, aber Power ohne Ende und das typische Ladegast-Manual in glänzend Schwarz und Lack, sein Markenzeichen. Ladegast ist lieblich, besonders seine Flöten, aber die Kraft insgesamt dahinter ist immer wieder berührend. Klein, aber oho. Fehlt nur noch Tiefthal.

Danach noch rasch zur Magdalenenkirche (Schönefeld).

Wir hatten den Windhund Fly  dabei, ein scheuer, süßer Rumäne mit Miepfaktor, der immer genau weiß, wann wir ankommen und dann natürlich mitmöchte. Die Straßen mit Basalt, Granit, siehe Vulkaneifel, Häuser mit Fachwerk und Schiefer (verschieferte Dächer). Ausschlagende Bäume, Kirchen mit Schiefer-Zwiebeltürmen und innen Stuck. Die H I O B Stiftung SCHOP hat eine beeindruckende Covid-19-Kerzen-Wiese angelegt, für die noch nicht genügend Spenden eingegangen sind. Aufruf zum Spenden! 

Das letzte Stream-Konzert war dann wieder in St. Sigismund in Plaue bei Arnstadt, von deren schöner Nußbücker-Orgel ich schon berichtet habe: Ein Ort der Ruhe und der Andacht mit einem herrlichen Ausblick auf Thüringen. Thüringen lässt ein Musikerherz höher schlagen. 

In Walldorf wurde u.a. auch mit einer Go Pro Action-Cam gefilmt (MDR), ein winziges Gerät, das man auf das Notenpult legen kann. Super!

Kirchen und Orgeln in Not

Deutschlandfunk Radio Interview

Und wieder zuhause! Bei der Barmer gibt es eine Gesundheitskarte, wenn man sie ausfüllen kann, bekommt man extra Punkte. Habe ich gemacht. Allerdings ist Blutabnehmen immer noch ein Drama bei mir selbst für erfahrene Ärzte. Meine Venen liegen tief, versteckt, klein und eng. Selbst wenn man sie findet, kommt kaum Blut. Mein Arm sieht hinterher aus, als käme ich aus einem Straßenkampf, und ich wie ein Gespenst.

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MDR Thüringen Journal

Ich begann Filme zu machen, weil ich mich äußern wollte; ich wollte nicht politisch sein oder die erste Regisseurin, sondern mich selbst verwirklichen. (Haifaa Al-Mansour)

Genauso bei mir. Es ist nicht leicht, Pionierin zu sein.

Anbei der Link:

MDR Beitrag Orgel

Im kleinen Dorf Großneuhausen bei Sömmerda, ca. 25 Minuten von Weimar, steht die älteste Rokoko-Kirche Thüringens: St. Georg, groß, gelb, elegant. Innen rosa-hellblau-babyfarben. Nach der ältesten Kirche Thüringens und der ältesten Barockorgel saß ich nun hier spielend an der wunderbaren Thielemann-Orgel. Sie ist gut erhalten, zwei Manuale, lässt sich gut spielen. Es gab ein paar Mängel, u.a. die hängende Pedalkoppel, diese habe ich adressiert und auch ins Orgelbuch geschrieben. Vielen Dank an Herrn Köther und Herrn Günther und an die Hiob Stiftung Schop. Kaum zu glauben, dass die Musikhochschulen Weimar und Erfurt kaum hierher fahren und die Orgeln in ihrer nahen Umgebung nicht anreisen, obwohl sie kontaktiert wurden. Dabei ist diese Kirche ein Kleinod, Barock Rokoko einheitlich aus einem Guss innerhalb von einem Jahr fertig gebaut, hell und von Richter, der auch das Schloss Belvedere Weimar baute.

Es war eine Stände-Kirche, sexistisch, die Männer saßen oben, die Frauen weiter unten. Aber deswegen können wir nun wenigstens die Frauennamen mit ihren festen Plätzen sehen.

Die Winterkirche duftet frisch renoviert nach Holz. Wie gewünscht schrieb ich mich in das Gästebuch. Die Orgel ist etwas ganz Besonderes.

Anschließend fuhren wir nach Greußen, St. Martini.
Eine mächtige riesige Kirche mit renoviertem Altar und wunderschöner Decke. Es müsste noch viel an den Wänden gemacht werden. In Millionenhöhe. Vielen Dank an Pfarrerin Theresa Hauser. Kaum zu glauben, dass es Evangelische gibt, die meinen, Frauen dürften nicht ordiniert werden. In Thüringen gibt es nur ca. 7 Prozent Kirchenmitglieder. Die Frage hierbei  ist, was ist eigentlich Christsein? Ohne Pfarrerinnen hätten viele Kirchen auf dem Lande niemanden mehr. Es ist keine leichte Aufgabe, hier draußen. Ich bewundere jede und jeden hier, denn es ist geistliche Wüste, im Lutherland, im Orgelland. Wir kauften etwas zu essen, und die Menschen dort hatten Hakenkreuze auf dem Hals tätowiert. Ohne Frauen könnten fast alle Kirchen in Deutschland einpacken.

Die wunderbare, vielseitige Trost-Hesse-Orgel in Greußen gefällt mir sehr. Schwergängig, typisch Trost. Trost 1701-1704:

Flammen. Weites Pedal. Schwergängige Manuale. Die Omen der Schönheit: Trost. Selbst wenn nur noch Symbole übrig sind. Hesse und Schönefeld bauten um. Liebliche und volle Klänge. Charisma. Geschichte. Keine ist so wie Trost.

Anschließend fuhren wir nach Greußen-Großenehrich an die letzte wundervolle große Witzmann-Orgel in St. Crucis, die dringend gemacht werden muss. Ihre Klänge sind lieblich. Sie passt genau in die Kirche. Aufruf zum Spenden! Mind. 100.000 €. Vielen Dank an Ingrid Senebald und Team.

Anschließend fuhren wir zu meiner 11. Ladegast-Orgel, diesmal in Gangloffsömmern. Ein Dorf mitten in Feldern, die große alte Kirche mitten im blühenden Nichts und in einem gepflegten Friedhof. Es war eine Überraschung! Zwei Manuale, Ladegast, glänzender schwarzer Spieltisch, Lack und Holz, typisches Ladegast-Omen, Omen für Klang, wundervoll restauriert und gepflegt, in einer duftenden Stein-und Holzkirche. Außen Stein, innen Holz. Danke an Pfarrer Bernhard Schilling und an Lisa, die filmt! Ich bekam u.a. griechischen Wein. Es wurde gestreamt. Ich bin die erste Frau im Orgel-Gästebuch. Bewundernswert, wie ein beliebter Pfarrer seine große Stelle verlässt, um hier auf dem Land neu anzufangen und Menschen für Gott zu begeistern. Gott wird das sehr belohnen, glaube ich.

Ganz besonders ist die wunderbare Rommel-Orgel in St. Blasii in Zella. Dies war die erste Orgel an Tag 3 unserer wunderbaren Thüringer Orgelfahrt. Die Kirche ist aus einem einheitlichen Gesamtkonzept. Ich mag die Kanzel-Altare in Thüringen, mit Vorhang. Manche Kirchen haben bereits etwas Mainfränkisches. Danke an Sebastian Schmuck und Hiob Stiftung Schop. Es ist eine zweimanualige Orgel mit Thüringer Farben, der Prospekt nicht überbordend, das Pedal beinahe so weitdimensioniert wie die Trost-Orgel in Waltershausen. Ich mag das. Zudem besitzt das Pedal Obertasten in Schnabel-Ausführung und führt schräg nach oben, was das Spielgefühl verzerrt. Die Außenpedale wirken so weit weg wie das ewige Eis. Aber nur in den ersten Momenten. Ich mag die Herausforderung. Dann fliegt man. Schuke Potsdam hat die Orgel 1988-90 restauriert. 

Die Orgel ist mindestens einen Ton höher gestimmt.

Besonders schön ist die Hohlflöte und die Traversflöte. Wie eine Harfe wölben sich die Pedal-Ecktürme nach außen. Dadurch bekommt der Prospekt Schwung und wirkt nicht klobig. (Was man tatsächlich manchmal Orgeln „vorwerfen“ kann, dass manche etwas klobig aussehen bzw. sich klobig spielen lassen.) Wunderschöne Einzelstimmen, füllige Farben wie die einer Gospelsängerin. Schöner Zimbelstern. Johann Caspar Rommel, der Erbauer der Orgel in Zella-Mehlis, wurde 1721 in Roßdorf geboren. Sein erstes Instrument ist die Orgel in Herpf; mit 21 Registern auf zwei Manualen und Pedal bereits groß. Im Juni 1755 wurde der Vertrag über den Neubau in Kaltenlengsfeld geschlossen, und zugleich mit dem Orgelbau in Kaltenlengsfeld arbeitete er an der in 1756 fertiggestellten Orgel in Hümpfershausen und Wohlmutshausen. Meist handelt es sich bei Rommels Werken um zweimanualige Orgeln mit ca. 20 Registern. 1779 erstellte Rommel seine bedeutendste Orgel hier in Zella-Mehlis, 25 Register. Die letzte Orgel aus seiner Werkstatt steht in der Kapelle des Dorfes Geba, 1793 vollendet. Eine schöne große Rotbuche steht direkt vor der gelben Kirche, an der ein Schild prangt, dass der Schüler von Bach, Zang, hier getauft wurde.

Der Stream wurde wieder direkt ins Netz gestellt.

Wir fuhren also die ganze Gegend Meiningen, Suhl, Zella Mehlis, Schmalkalden, Arnstadt bis Sömmerda ab. Leute unterwegs waren stets fasziniert-erschrocken von meinen Noten.


SchIosskirche WeißenfeIs, Förner-OrgeI

15. Mai 2021

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Es gibt keine Formel, großartig auszusehen, es ist eine Frage der Persönlichkeit. (Isabel Marant)

Nach der Voigt-Orgel in Walldorf und der Rühlmann-Orgel in Rohr fuhren wir zur ev. Stadtkirche Meiningen zur Schlimbach-Walcker-Hey-Orgel: Große Orgel, nackte Pfeifen vor einer leuchtenden Rosette in einer großen Marktkirche. Danke an Sebastian Fuhrmann und Hiob Stiftung Schop! Hier konzertierte Max Reger und organisierte die Schlimbach-Orgel, bevor Walcker kam. Nun hat Hey Orgelbau sie neu und schön umgefärbt. Die romantische Orgel mit 3 Manualen und Walze und Schweller ist zum farblichen Austoben gedacht, perfekt für Reger, Liszt, Mendelssohn, Ritter… Ich habe auch meine eigenen Werke gespielt. Frau Schop meinte, man sieht dabei, dass ich völlig versunken bin, „gar nicht mehr da“, so dass sie eigentlich gar nicht filmen, sondern nur zusehen wollte, weil es wie ein intimer Moment war. Zu intim, um zu filmen.

Wenn ich meine eigenen Stücke spiele, bin ich wirklich in meiner eigenen Welt. Ich zoome in die Orgel hinein. Ich spiele aus meinen Nieren und verarbeite den Tag. Anders, als wenn ich fremde Literatur interpretiere.

Oben steht noch eine Truhenorgel von Hoffmann. 

Die Stadtkirche ist momentan Gastgeber von klanglichen Installationen. 

Anschließend, nach einem Fischbrötchen auf dem Markt, fuhren wir zur Abendandacht in die katholische Marienkirche in Meiningen. Die im Gegensatz zur Stadtkirche unscheinbar aussehende Kirche, jedoch mit einem großen schönen Innenfenster, besitzt eine kleinere Kastenorgel, 2 Manuale, etwas in die Ecke gedrückt, Orgelbau Dresden. Es machte Spaß, wieder einen katholischen Gottesdienst zu begleiten. Man muss etwas jonglieren zwischen den vier großen Ringbüchern. 

Vier unterschiedliche Orgeln an einem Tag – toll!

An Tag 2 unserer Orgelfahrt fuhren wir nach Suhl nach St. Kilian, Schuke-Orgel, 2 Manuale, Messe Christi Himmelfahrt, in einer Kirche in einer Villengegend, die fast selbst wie ein rotes großes Wohnhaus aussieht. Die Schuke-Orgel war früher im Theater. Der katholische Gottesdienst war schön, mit mehreren Sängern, da unten nicht gesungen werden darf. Er war gut besucht. 

Dann fuhren wir nach Plaue bei Arnstadt. Dort gibt es die hübsche, kleine Nußbücker-Orgel opus 1 in St. Sigismund. Die kleine Kapelle steht ganz oben auf einem engen Berg. Dort kamen wir mit dem riesigen Bus gerade so hin. Eine verwunschene Tür führt zur Orgel über eine vermooste Brücke. Es duftet innen nach neuem Holz und altem Stein, schöne Kombination. Es wirkt wie eine jüdische Synagoge innen, schlicht, heilig. Die Orgel hat ein Manual, geteilt, und würde noch schöner klingen als sie ohnehin schon klingt, wenn die gewölbte Stein-Decke restauriert ist (momentan Holz). Wir retteten ein Rotkehlchen. Katholische Kapelle, profaniert.

Alle Gastgeber, Pfarrer und Kantoren waren nett und interessiert. 

Dann weiter nach Großneuhausen bei Sömmerda zur ältesten Rokoko-Kirche Thüringens. Dieses Dorf mit 600 Einwohnern Richtung Weimar kennen nicht mal eingefleischte Zella Mehliser. Dazu morgen mehr. Dabei steht dort eine Wahnsinns-Orgel: Thielemann.

Hochgehadert – neu erfundenes Wort.

Mein Beetle steht noch immer im Garten des Pfarrers in Walldorf. Ich wohne aber gerade im Hotel Stadt Suhl in Zella Mehlis.

Achtung: Nochmal: Konzert am Samstag Frankreich ist auf 2023 verschoben wegen Corona.

kIeine WeißenfeIs Ladegast frisch renoviert und große Ladegast in der Marienkirche Weißenfels

14. Mai 2021

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Die Kunst und die Bühne zeigen, erwecken zum Leben, was die Historie (bewusst) in der „realen Geschichte“ außen vor lässt: Das Wirken von Frauen. (AHS)

Daher sollen auch meine Kunst und Webseite zeigen, was sonst oft ausgespart wird.

Gestern und heute waren sehr volle Tage. Nach dem Live-Stream in der Kirchenburg Walldorf fuhren wir direkt nach Rohr in Südthüringen zur ältesten Kirche Thüringens: St. Michaelis. Es ist eine sehr schöne, sehr gut erhaltene Dorf-Kloster-Kirche in einem gepflegten Hof, einem Tor-Turm mit schwarzem Schiefer (Wehranlage), die Kirche selbst mit rotem Dach. Wir haben für die drei Tage Orgelfahrt einen großen Renault-Bus zur Verfügung, da neben der Film-Ausrüstung auch Hunde dabei sind. Überall sind wunderschöne, teilweise schiefe Fachwerkhäuser. Die Dörfer und riesigen duftenden Rapsfelder sind malerisch und eine Zierde. Die Reliefbilder und Doppelemporen und vor allem die hölzerne Kassettendecke der Kirche gefielen mir sehr. Ich liebe schöne Kirchendecken, vor allem Holzfelder, schön bemalt. Die jetzige wunderschöne Rühlmann-Orgel (1914) wurde wegen mir extra geputzt, da sie wegen Bauarbeiten in der Kirche längere Zeit nicht gespielt und daher eingepackt gewesen war. Dennoch hinterließen meine Pedalschuhe Spuren im Staub auf den Pedaltasten.

Die Orgel in Rohr erhebt sich wie ein geschmückter Berg in Wellen hinter dem Altar. Ich liebe Orgeln, die hinter dem Altar und also vorne sind. Sie ist geschmückt mit Blumen, Früchten und Zimbeln. 1965 wurde die Orgel von Heinze aus Stadtilm umdisponiert. Sie ist, da ich direkt zuvor aus der Kirchenburg Walldorf von der neuen Voigt-Orgel kam, völlig anders im Spielen, was ich so interessant finde an Orgeln: Sie heißen zwar alle Orgeln, sind aber unterschiedlich wie Tag und Nacht. Diese Orgel war „unbequemer“ zu spielen, rustikal und griffig, aber das mag ich. Ich musste sie mehr erobern, vor allem in den Bach Trio-Sonaten. Der MDR war da und filmte. Ich habe meist keine 5 Minuten, die Orgel kennenzulernen. Es geht sofort los. Wegen Corona sehen die Filmer wie Mars-Menschen aus. Es war ein sehr nettes Ehepaar. Zudem wurde es von der Hiob Stiftung Schop live gestreamt (Youtube und Facebook). Ich konnte noch gar nicht hineinhören, habe aber den schönen MDR-Beitrag gesehen. Vielen Dank an Pfarrerin Carola Beck. Wilhelm Rühlmann wurde 1842 geboren, Geselle bei Ladegast, war auch in Paris.

Ich liebe diese Luther- und Storch-Gegend, fast alles evangelisch, überall scheint Luther gewesen zu sein, und Land und Luft, dazu diese tollen Kirchen mit schwarzen Schieferdächern (siehe auch Weißenfels). Fotos sind schon auf Facebook und kommen bald auch hier in den Tourblog. Den MDR-Link und von MKD Thüringen gebe ich noch durch. Der MDR wies auch auf mein Orgeltagebuch, also meinen Blog hier, hin. Manchmal korrigiere ich auch zwischendurch mal etwas oder ergänze.

Anschließend ging es direkt weiter nach Meiningen an die Reger-Orgel: Wieder eine völlig andere Orgel. Dazu morgen.
Ich weiß, ich bin etwas hinterher, zu erzählen, aber 14 Orgeln in 3 Tagen zu spielen ist selbst für mich heftig. Es wird sofort gestreamt, daher muss ich direkt mit der jeweiligen Orgel warm werden. Ich bin froh, wenn ich nachkomme, aber es macht Spaß!

Weißenfels, kIeine Ladegast, frisch restauriert

13. Mai 2021

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Was wir zu fürchten haben ist nicht nur die Unmoral der „großen“ Männer, sondern dass Unmoral oft zu „Größe“ führt. (de Tocqueville)

(Anführungsstrichchen von mir.) Und genau das zeigt, wie viele Männer „Größe“ definieren: Es ist das Gegenteil von dem, was Größe wirklich ist.

Heute war ein unglaublich voller Tag. Ich bin zu müde, das jetzt zu berichten. Bin im Hotel Zella Mehlis in Thüringen. Morgen früh berichte ich.

Guten Morgen!

zu gestern:

Zuerst habe ich den Zug verpasst, fuhr dann mit dem Auto, es war sehr regnerisch, ich habe die Ausfahrt verpasst, kam dann doch noch an mit Verspätung zur musikalischen Andacht. Und es war gleich schön! Es ist eine Kirchenburg Walldorf, eine Biotop-Kirche hier in Walldorf in Thüringen. Mit Bienen, Dohlen, Fledermäusen… 2012 brannte die schöne Kirche ab, wurde aber gleich erneuert. Die Böhm-Orgel mit ihrem schönen weißen alten Gehäuse wurde verbrannt, sie war über dem Altar. Jedoch nun gibt es eine ganz neue Voigt-Orgel 2019 (das i wird nicht gesprochen), sie steht hinten und ist wegen des Fensters geteilt. Es ist ein buntes Fenster, und die Farben fallen elegant auf die glänzenden Pfeifen der ebenerdigen Orgel mit zwei Manualen mit dunklen Tasten. Sie ist klein, aber oho, angenehm zu spielen und duftet neu nach Holz und hat Zungen und Flöten. Die Kirche hat herrliche Fensterbilder von Julian Plodek, ähnlich und doch völlig anders als in Tholey, das Besondere: das verbrannte Holz und die Balken wurden in die Fensterbilder mit integriert und eingedruckt, auch das vom Kreuz, das in der Asche lag. Der verbrannte Turm wurde aus den alten Balken wieder zusammengesetzt (ebenso der Altar), die hierfür extra nummeriert wurden. Die Dohlen kamen schon einen Tag nach dem Brand zurück. Das hat die Leute motiviert. Nun ist sie schöner als zuvor. Aber ganz anders. Die bunten Fenster leuchten wie in Tholey nach außen. Toller Künstler! Die Andacht wurde vom MDR, Hiob Stiftung Schop und MKD Thüringen aufgezeichnet. Ich sende euch dann die Links.

Sie haben auf mich gewartet, während ich mit meinem Beetle im Regen herumirrte. Ich bringe es selbst mit Navi fertig, mich zu verfahren.
Ich parkte den Beetle entnervt ins Gras und sprang in die Kirche. Ich kann mit Orgeln blitzschnell zurecht kommen. Wie mache ich das? Darüber kommt noch ein Video.
Ich spielte mit Socken in der Eile. Ebenerdige Orgel. 🙂

ps: viele Gedankensprünge

Bach-OrgeI Lüneburg

was ist spiel? spiel ist arbeit. arbeit (gern getan) ist spiel. (Alma Siedhoff-Buscher)

Ich freue mich, morgen Orgeltour Thüringen: Meiningen, Rohr, Walldorf, Suhl, Zella Mehlis und noch mehr. Christi Himmelfahrt!

Mein Lied/Bearbeitung „Geh aus mein Herz“ (Youtube) wird oft für Trauerfeiern ausgesucht.

Ist Komposition nicht etwas Verrücktes! Die einen wollen gar keine Melodie, sonst ist es keine Neue Musik. Die anderen wollen keine Musik, sondern eher Philosophie. Die nächsten wollen immer einen Höhepunkt, die nächsten keinen und keinerlei Takte, wieder die nächsten immer Takte oder immer Elekronik. Die einen sagen, es dürfe niemals gut klingen, sonst wäre es keine Neue Musik, die nächsten verachten alles, was nicht „gut“ klingt. GEMA definiert E-Musik/Neue Musik, wenn sie nicht gut klingt, und wiederum andere ertragen nichts, was nicht wohlig klingt und wohl wie zuvor etliches andere klingt. Und die meisten ahmen einfach nur nach, nach mit unzähligen Quartvorhalten. Der Rest bearbeitet. Oder schreibt U. Und die, die am meisten motzen, schreiben gar nichts.

Und ich? Ich spüre und kenne und suche ein wenig meinen eigenen Sound. Und ich möchte meine Farben für – großes Orchester. Ich bin unglaublich gespannt.

Und dennoch kann ich auch Lieder und Songs schreiben. U und E.

Ich befinde mich als Frau in einer Ausnahmesituation und habe Seltenheitswert. Eine Frau, die sich einzumischen weiß, die es versteht, ihre Meinung kundzutun, außerhalb der weiblichen Norm – was als Verurteilungssgrund für manche dient. Aber ich möchte einen Grundstein für die Rechte für Frauen legen, selbst noch 2021, zu meiner heutigen Lebzeit. Für mich ist es selbstverständlich. Die Namen von Frauen sind bewusst selten in Geschichtsbüchern zu finden. Gerade dann, wenn es danach schreit. Frauenfiguren werden in der Historie oft ausgespart, besonders bei bestimmten Weltanschauungen.

Geh aus mein Herz und suche Freud – Lied Paul Gerhardt Klavier Ann-Helena Schlüter Piano Mai

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11. Mai 2021

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Musik ist Literatur, Sprache, Farbe und Gefühl. Jede Note trägt eine Botschaft. (AHS)

Ich durfte heute die große schöne Ladegast-Orgel in der wunderbaren Marienkirche Weißenfels kennenlernen. Sie wird von Eule restauriert für ca. 600.000 €. Der nette Mitarbeiter hatte alles Werkzeug auf langen Bänken aufgebahrt. Früher war die Orgel weiß, die Pfeifen aus Zink. Nun ist die Orgel braun, die Pfeifen aus Zinn-Blei. Völlig neues wunderschönes Pedal. Drei Manuale aus Elfenbein, wie die Tasten eines Flügels. Mensur und Disposition von Ladegast. Einige Register sind noch da. Die Orgel war lange nicht da gewesen und lag zunächst wie ein Marienkäfer auf dem Rücken. Nun ist sie zwar noch eingerüstet, aber schon fast fertig. Sie ist ein Geheimnis und wurde noch nicht von vielen gesehen. Sie wird ein Wunderwerk. Rechts ist der steile Schweller in der Ecke, der mich an meinen Vespa-Spiegel erinnert.

Ich bin stolz, dass ich sie schon jetzt gesehen habe. Die typischen Königsspitzen ragten in den Himmel. Nur der Turm muss dringend gemacht werden. Und was ich Wundervolles erfuhr: Endlich endlich wird Buttstädt gemacht, die einmalige Orgel dort!

Anschließend besuchten wir die kleine Ladegast in St. Laurentius. Sie ist schon fertig restauriert und einfach perfekt. Sie musste einen langen steinigen Weg gehen bis zu ihrer Restaurierung. Zweimal verstarb kurzfristig eine wichtige verantwortliche Person, was stets zu finanziellen Engpässen führte. Doch nun: Ihre drei Königsspitzen leuchten nun. Die kleine Kirche ist ein Orgelmuseum. Ein Ladegastmuseum. Ich bin dankbar, dass wir durch die Vordertür hineindurften und nicht von hinten durch das Seniorenheim. Denn dann hätten wir einen Test machen müssen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass mir jemand Stäbchen in die Kehle schiebt. Ich weiß nicht, ob ich es für Ladegast geschafft hätte. Ich bekomme ja schon beim Zahnarzt einen Würgereiz. Meine Zunge ist extrem empfindlich und wölbt sich sofort auf. Es wäre sonst ein Drama geworden. So aber war alles in Ordnung. Ich durfte die Orgel spielen, noch bevor es ein Eröffnungskonzert gab. Ich liebte es.

Nun bin ich wieder zuhause.

Dies verbindet meine Werke und Kompositionen: der schwedische Teil, das Luftige, Harrende, Wilde, und der deutsche Teil in mir, das Genaue, Starke. Der schwedische Traum und der deutsche. Mit meinen Kompositionen habe ich die Stimmung Schwedens eingefangen, Weite, Ruhe, Seen, nordische Melancholie. Meine Mutter kommt aus Småland, Südschweden, Jönköping, Vättern-See – aus dem Astrid-Lindgren-Schweden. Schon als Kind war ich oft dort, im Herbst, auch zu Weihnachten. Es gab so viel Schnee, dass wir kaum aus dem Haus kamen.

Die dunklen Wälder und Seen, die singende Sprache Schwedens, die lange frühe Dunkelheit im Winter, die unschuldig verspielten Beerensommer und ihre Farben und Sehnsucht – nach einerseits Freiheit, andererseits Geborgenheit. Meine pianistischen Fähigkeiten und Klangvorstellungen vom Flügel her sind auch in meinen Orgelwerken eingefangen und aufgefangen. Das virtuose Moment und Herausforderung kommen nicht zu kurz.

Schnee wiederzugeben, wie klingt er? Wie klingt Sehnsucht? Licht, Schmerz, helle und dunkle Sehnsucht und Stille, wie ausgedrückt? (AHS)

Heute waren wir in Weißenfels in Sachsen-Anhalt. Sachsen-Anhalt ist zwar ein unkünstlerischer Name. Aber die Gegend ist eine WUCHT. Ich liebe Ostdeutschland. Alles. Was für eine wunderschöne Stadt, eine Stadt Bachs, Telemanns, Händels, Ladegasts, Schützs. Ich liebe vor allem Bach und Schütz. Händel ist nicht so meine Welt, war er noch nie.

Wunderschönes  Wetter. Einen solch blauen Himmel gibt es nur im Mai, solch ein Grün, ein Rosa der Kirschbäume, solch ein Gelb, solch glitzernde Farben, und ich liebe es vor allem, wenn an gestutzten, kahlen Bäumen dicke Knospen aufbrechen. Und die Vögel singen, und alles ist leer und frei, das schätze ich besonders bei Reisen in Coronazeiten, man hat alles für sich, es gibt keine Touristen, keinen Lärm.

Nur Vögel, Sonne, Himmel und Duft des Frühlings. Heute war der erste warme Tag im Jahr. Und ich habe mir gleich einen Sonnenbrand geholt und es nicht mal gemerkt. Die uralte evangelische Marienkirche 1465 ist genau nach meinem Geschmack, solche Kirchen liebe ich, spätgotisch, ein helles Schmuckstück mit weißem Turm und dunklem Dach, und genau in dieser Gasse an der Kirche vorbei zum Markt, wo auch das Rathaus steht, lief Schütz, der hier seinen Lebensabend verbrachte, lief Bach. Leider wird die Ladegastorgel noch restauriert.

Wir besuchten das Schütz-Haus, die Jüdenstrasse, die weiße Schlosskirche. Rechts ist das besondere Latrinenhaus, und durch den Torborgen tritt man in das Schloss Augustusburg, zunächst in den Schlosshof.

Versteckt und in das Schloss integriert ist die Kirche, wunderschön verziert mit Terracotta und Apfelgrün, frühbarock, alles erhalten wie damals. Auf der dritten Empore steht oben die schöne kleine Christian-Förner-Orgel mit zwei Manualen.

Das Gehäuse ist noch genau erhalten wie damals, jedoch innen ist es nun eine moderne, elektro-pneumatische Voigt-Orgel mit Compressor, was ein wenig schade ist. Doch die Klänge sind dennoch sehr schön. Ich durfte sie spielen.

Wir nahmen am evangelischen Rogate-Gottesdienst mit Abendmahl teil. Ich war die erste, die vorging und kannte das Ritual dort nicht. Der Pfarrer legte nur bei mir segnend die Hand auf den Kopf. Die Decke ist voll Engel, der Altar geschmückt.

Draußen: ein Schild angebracht, dass Johann Sebastian Bach sich um die Orgel kümmerte, und dazu steht, er sei der bedeutendste Musiker des 18. Jahrhunderts. Das ist falsch.

Er ist der bedeutendste Musiker überhaupt. Das Schild muss dringend geändert werden.
Wir liefen an Novalis‘ Haus vorbei, durch den Stadtpark mit seinen alten Gräbern und schönen Bäumen, an dem Musikerbrunnen in der Jüdenstraße, an dem ich mit Bach und seinen Kollegen vierhändig spielte.

Dort, wo Ladegasts Wohnhaus stand, ist leider kein Schild angebracht. Das ist eine Schande. Es wird immer wieder vergessen, dass es Orgelbauer gibt, die absolut geniale KÜNSTLER waren/sind; es ist mehr als nur ein Kunsthandwerk.

Dann besuchten wir die kleine Laurentiuskirche, die ebenfalls eine Ladegast-Orgel besitzt. (Wir lagen später auf der Wiese mit Spargel und Wein, und ich holte mir endgültig einen Sonnenbrand.) Wir fuhren nach Heidelberg.

Das Konzert heute wurde verlegt auf Ende Mai.

Mir kommt es so vor: Je kleiner eine Orgel von unten, desto größer wirkt sie oben. Je größer eine Orgel von unten, desto zerbrechlicher oben.