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11. Mai 2021

Musik ist Literatur, Sprache, Farbe und Gefühl. Jede Note trägt eine Botschaft. (AHS)

Ich durfte heute die große schöne Ladegast-Orgel in der wunderbaren Marienkirche Weißenfels kennenlernen. Sie wird von Eule restauriert für ca. 600.000 €. Der nette Mitarbeiter hatte alles Werkzeug auf langen Bänken aufgebahrt. Früher war die Orgel weiß, die Pfeifen aus Zink. Nun ist die Orgel braun, die Pfeifen aus Zinn-Blei. Völlig neues wunderschönes Pedal. Drei Manuale aus Elfenbein, wie die Tasten eines Flügels. Mensur und Disposition von Ladegast. Einige Register sind noch da. Die Orgel war lange nicht da gewesen und lag zunächst wie ein Marienkäfer auf dem Rücken. Nun ist sie zwar noch eingerüstet, aber schon fast fertig. Sie ist ein Geheimnis und wurde noch nicht von vielen gesehen. Sie wird ein Wunderwerk. Rechts ist der steile Schweller in der Ecke, der mich an meinen Vespa-Spiegel erinnert.

Ich bin stolz, dass ich sie schon jetzt gesehen habe. Die typischen Königsspitzen ragten in den Himmel. Nur der Turm muss dringend gemacht werden. Und was ich Wundervolles erfuhr: Endlich endlich wird Buttstädt gemacht, die einmalige Orgel dort!

Anschließend besuchten wir die kleine Ladegast in St. Laurentius. Sie ist schon fertig restauriert und einfach perfekt. Sie musste einen langen steinigen Weg gehen bis zu ihrer Restaurierung. Zweimal verstarb kurzfristig eine wichtige verantwortliche Person, was stets zu finanziellen Engpässen führte. Doch nun: Ihre drei Königsspitzen leuchten nun. Die kleine Kirche ist ein Orgelmuseum. Ein Ladegastmuseum. Ich bin dankbar, dass wir durch die Vordertür hineindurften und nicht von hinten durch das Seniorenheim. Denn dann hätten wir einen Test machen müssen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass mir jemand Stäbchen in die Kehle schiebt. Ich weiß nicht, ob ich es für Ladegast geschafft hätte. Ich bekomme ja schon beim Zahnarzt einen Würgereiz. Meine Zunge ist extrem empfindlich und wölbt sich sofort auf. Es wäre sonst ein Drama geworden. So aber war alles in Ordnung. Ich durfte die Orgel spielen, noch bevor es ein Eröffnungskonzert gab. Ich liebte es.

Nun bin ich wieder zuhause.

Dies verbindet meine Werke und Kompositionen: der schwedische Teil, das Luftige, Harrende, Wilde, und der deutsche Teil in mir, das Genaue, Starke. Der schwedische Traum und der deutsche. Mit meinen Kompositionen habe ich die Stimmung Schwedens eingefangen, Weite, Ruhe, Seen, nordische Melancholie. Meine Mutter kommt aus Småland, Südschweden, Jönköping, Vättern-See – aus dem Astrid-Lindgren-Schweden. Schon als Kind war ich oft dort, im Herbst, auch zu Weihnachten. Es gab so viel Schnee, dass wir kaum aus dem Haus kamen.

Die dunklen Wälder und Seen, die singende Sprache Schwedens, die lange frühe Dunkelheit im Winter, die unschuldig verspielten Beerensommer und ihre Farben und Sehnsucht – nach einerseits Freiheit, andererseits Geborgenheit. Meine pianistischen Fähigkeiten und Klangvorstellungen vom Flügel her sind auch in meinen Orgelwerken eingefangen und aufgefangen. Das virtuose Moment und Herausforderung kommen nicht zu kurz.

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