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Ann-Helena Schlüter

Geschafft 🙂 Rekorde 

Es kommt mir auch manchmal erstaunlich vor, dass ich in einem Jahr Künstlerisches Orgelspiel mit Eins studiert und absolviert habe, dazu viele Fächer und Wahlfächer freiwillig und mit Leidenschaft belegt, die ich nicht mehr hätte belegen müssen, daneben einen Roman geschrieben, meine ersten Orgelnoten veröffentlicht, eine neue Hänssler-Klavier-Bach-CD eingespielt und meine erste Orgel-CD veröffentlicht habe und noch bis zum Tag vor der Orgel-Prüfung regelmäßig Klavierabende gespielt. 

Dennoch gab es immer noch Kirchenmusiker, die so taten, als wären sie kreativer und breiter aufgestellt als ich! Dabei spielten sie so schlecht Klavier und sangen so schlecht, wie ich es von Musikschulschülern nicht kenne.

Und es gibt immer noch sehr viel mehr männliche Profs in den Hochschulen Frankfurt, Stuttgart, Regensburg und Heidelberg – qualifizierte Frauen werden hier oft nicht einmal eingeladen. Das klassische Rollendenken und die Hierarchie im Denken dieser Profs ist noch sehr stark. 

Daher hatte ich auch schwere Zeiten. Da ich nicht der Norm entspreche und die hierarchische klassische Rollenverteilung immer noch unter den Professoren klebt, bei denen die sehr viel jüngere Ehefrau zuhause sitzt und Konzerthemden bügelt, bin ich diesem Rollendenken auf den Schlips getreten. In den Musikhochschulen Frankfurt und in Heidelberg ist die Männerdominanz noch sehr mächtig. Anstatt stolz zu sein auf erfolgreiche Frauen, die anders sind, bin ich dort viel Neid und Ignoranz begegnet.

Aber auch ganz wundervollen Leuten, die unterstützen und fördern.

Der männliche Ton. Wikipedia & Co

Erstaunlich finde ich, dass viele Frauen in akademischen Kreisen eine Art männlichen Ton anschlagen. Kurz, knapp, kühl, sachlich. Vor allem schriftlich. Dazu ganz modern gerade: “Beste Grüße”. Die ganze Wissenschaft trägt diesen maskulinen Ton. Sogar Wikipedia. Als wäre dies dann korrekter, stimmiger, objektiver. Wenn Frauen einen anderen Ton anschlagen, heißt es, es wäre Selbstdarstellung oder emotional. Und das, obwohl Wikipedia bei Männern ellenlange Artikel hat und viele Frauen gar nicht erst listet.

Bei Frauen entdeckte ich auf der anderen Seite oft eine Art “Opferrolle”: Als wären sie ausreichend beglückt, überhaupt registriert und wahrgenommen und manchmal gar zum Thema gemacht zu werden in dieser Männerwelt. In der von Männern erfundenen money culture. Nach dem Motto (verlegen): “Ach, uns Frauen braucht man nicht zu erwähnen. Wir tuen alles für die Ehre.”

Würzburg liest ein Buch 

Jahr für Jahr werden bei “Würzburg liest” nur Männer gelesen. Die Regeln sind so, dass Frauen hier nicht gelesen werden können, da Männer nur Männer in der Literaturgeschichte finden und feiern. Ich habe auf diese frauenfeindlichen Regeln und das frauenfeindliche Format hingewiesen, bei denen Frauen keine Chance haben. Sexismus in der Literatur ist immer noch “ganz normal”. Das ist traurig. Die Regeln werden von Männern gemacht. Noch dazu werden Bücher von Männern gelesen, die in ihrem Inhalt sexistisch sind, bei denen schon im Titel Frauen schlecht wegkommen. 

Musikerausbildung

Ein Musikerinterview bei Natascha Wegelin:

“In der Musikerausbildung gewöhnt man sich daran, für nichts als Ruhm und Ehre aufzutreten. Auf das Umdenken nach dem Studium – also sich des Wertes für Veranstalter, Publikum, Gesellschaft bewusst zu werden und sich richtig zu verkaufen – bereitet dich niemand vor. Und das bei viel Konkurrenz und recht verschlafenen Entscheidern bei Labels und Konzerthäusern.”

Schönes Zitat:

“Ich habe niemanden gezwungen, dass er das Neue Testament lese, das ich übersetzte, und es ist niemandem verboten, es besser zu machen. Wer es nicht lesen will, der lasse es liegen.” 

(Martin Luther)

Ann-Helena Schlüter Herzton

Orgelsachverständige

“Nie haben die Massen nach Wahrheit gedürstet. Von den Tatsachen, die ihnen missfallen, wenden sie sich ab. Und ziehen es vor, den Irrtum zu vergöttern, wenn er sie zu verführen vermag. Wer sie zu täuschen versteht, wird leicht ihr Anführer, wer sie aufzuklären sucht, stets ihr Opfer.”

(Gustave Le Bon 1895)

Es ist erstaunlich, dass unter der Zielgruppe der Kurse zu Orgelsachverständigen der Kirchenmusikhochschule Heidelberg seit Jahren Organistinnen und Organisten überhaupt nicht erwähnt werden. Ist es nicht besonders wichtig für Organistinnen und Organisten, die mit den verschiedensten Instrumenten zu tun haben, genau zu wissen, wie eine Orgel funktioniert und gebaut ist? Es werden alle möglichen Leute in der Zielgruppe erwähnt, nur die wichtigste wurde vergessen oder bewusst ignoriert.

Für viele rund um die Orgel scheint der Beruf der Konzertorganistin und des Konzertorganisten nicht real. Dabei ist er real.

Die Orgel wird von Traditionen her oft eingeschränkt – eingeschränkt gedacht, gebaut, gespielt. Die Orgel jedoch ist sinnlich, braucht Tiefe, Entfaltung, Querverbindungen, Befruchtung.

Da Frauen so selten an der Orgel gefördert werden und offenbar nicht gleichgestellt sind, führen manche Kirchenmusiker extra “Frauen-Orgel-Tage” ein. Anstatt sie ganz normal zu integrieren. Als wären sie etwas Exotisches. 

Kirchenmusiker wie in dem Sinne der Zielgruppe hier gemeint sind Konzertorganisten jedoch wiederum nicht. (Dabei sind Organisten natürlich immer auch Kirchenmusikerinnen. Was sonst? Nicht-Kirchenmusiker?)

Genauso wie Pianisten, die über Klaviere und Flügel viel wissen, sollten auch Organisten zum Bau und zur Planung von Orgeln im künstlerischen Sinne hinzugerufen werden (können).

Weiterhin ist die Frauenfeindlichkeit in dieser Branche schlimmer als in anderen sogenannten “Männerberufen”. Da kommen auf Tagungen dieser Art (zB. in der Elphi) auf 300 Männer vielleicht 10 Frauen. 

Ich kann mir zudem vorstellen, dass es kaum Organistinnen gibt, die auch Orgelsachverständige sind. Wann wurden schon mal künstlerische Frauen zur Planung von Orgeln hinzugerufen?

Mich schreckt diese Frauenfeindlichkeit ab und nicht ab. Ab und zu. Aber das 2019!

Erstaunlich ist: Frauen bringen das Leben in die Welt, und gehen doch oft finanziell leer aus, jedenfalls laut den Rechnungen vieler Autoren und Autorinnen in Finanzbüchern, siehe Natascha Wegelin. Selbst der frauenfeindlichste Mann ist eventuell gut zu seiner Ehefrau (oder auch nicht), die ihm kocht, putzt und bügelt. Aber zu Frauen in Job und Karriere sind sie oft frauenfeindlich (da Konkurrenz); und werden Frauen schlechter bezahlt, weniger ausgewählt, müssen mehr kämpfen, geradezu genial sein. 

21. August 2019

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Beethoven-Jahr 2020

“Musik ist die Kunst, die göttliche Ordnung mittels Klangfarben an den Himmel zu malen.” (Christa Schyboll)

Ich übe gern opus 129 Beethoven und hoffe, ich finde den verlorenen Groschen. 🙂 Für Elise. Im Mondschein.

Dann opus 37. Pathetique opus 13.

“Als ich dieses Stück komponiert habe, war ich mir der Inspiration Gottes bewusst. Glauben Sie, ich kann auf Ihre kleine kümmerliche Geige Rücksicht nehmen, wenn ER zu mir spricht?”

(Ludwig van)

Upprörd Meditation

En storm får kvarnens vingar att vilt gå runt

i nattens mörker, malande intet.  – Du

hålls vaken utav samma lagar.

Gråhajens buk är din svaga lampa.

Diffusa minnen sjunker till havsens djup

och stelnar där till främmande stoder.  – Grön

av alger är din krycka. Den som

vandrar till havs vänder styvnad åter. 

(Thomas Tranströmer, 1954: Dikter)

Aufgewühlte Meditation

Ein Sturm lässt die Schwingen einer Mühle wild herumgehen

in das dunkle, antreibende Nichts der Nacht. – Du

wirst wach gehalten von dem gleichen Gesetz.

Nur der Bauch des Grauhais ist deine schwache Lampe.

Diffuse Erinnerungen sinken in die Tiefe des Meeres

und versteinern dort zu fremden Säulen. – Grün

von Algen ist deine Krücke. Die, die wandert,

bis das Meer sich steif wieder dreht.

(Ann-Helena Schlüter)

Dygnkantring 

Stilla vaktar skogsmyran, ser i intet

och intet hörs utom dropp från dunkla

lövverk och det nattliga sorlet djupt i sommarens canyon

Granen står som visaren på ett urverk,

taggig. Myran glöder i bergets skugga.

Fågel skrek! Och äntligen. Långsamt börjar molnforan rulla.

(Thomas Tranströmer)

Horizontlinie

Still wachen Waldameisen, sehen ins Nichts

hinein. Und nichts zu hören außer das Tropfen aus dem dunklen

Laubwerk und das nächtliche Säuseln tief im Canyon des Sommers.

Die Tannen stehen als Zeiger des Uhrwerks,

zackig. Die Ameisen glühen im Schatten des Berges.

Vogelschrei! Und endlich.

Langsam beginnt der Wolkendeich schräg zu rollen.

(Ann-Helena Schlüter)

Sammanhang

 Se det gråa trädet. Himlen runnit

genom dess fibrer ned i jorden –

bara en skrumpen sky är kvar när

jorden druckit. Stulen rymd

vrides i flätverket av rötter, tvinnas

till grönska.  – Det korta ögenblicken

av frihet stiger ur oss, virvlar

genom parcernas blod och vidare.

(Thomas Tranströmer, 1996: Dikter)

Zusammenhang

So der graue Baum. Der Himmel geflossen

durch dessen Rindstücke hinab tief in die Erde –

nur ein Stück Himmel ist übrig,

wenn die Erde trinkt. Gestohlener Raum

gedreht in ein Flechtwerk von Wurzeln, eingezwirbelt

ins Grün.  – Der kurze Augenblick

von Freiheit steigt auch aus uns, wirbelt

durch Zellen, Blut und weiter.

(Ann-Helena Schlüter)

Ich liebe die Gedichte Tranströmers! Es gibt Leute, die verstehen kein Wort. Dabei habe ich das Gefühl, mit jedem Gedicht erzählt er eine ganze Geschichte voller Weisheit und Gefühl.

Psalm 91

Sieben Mal am Tag singe ich dein Lob. (Psalm 119)

Psalmen sind mehr als ein Gedicht.

Ich freue mich über meine ersten eigenen Tomatenpflanzen und die große duftende Basilikumpflanze. Während ich wie in Bann Anna Karenina las und übte und auch zum ersten Mal die ältere Klais-Orgel, geformt wie ein Engel, wie aus Porzellan, die nur ein paar Schritte von mir entfernt direkt bei mir ist, besuchte, schrieb ich später neue Texte.

Meine neue Klais-Übe-Orgel in Heilig-Kreuz ist wunderbar.