Rhythmus bricht zusammen mit Kreativität aus mir heraus und wirft unsichtbare Farben in die Luft.
Bedingungslose Kreativität? Jedes Mal, wenn wir anfangen zu reflektieren, wollen wir Wahrheit. Musik ist ein Gesetzes des Maßes und des Gleichgewichtes. Ursprung ist Klang. Das Gefühl für Musik kommt von Gott. Unser innerstes Wesen ist Musik, ist Dichtung, Proportionen, Erhebung, Quelle. (AHS)
Spielte Orgelkonzert in St Johannes Kitzingen und Klavierabend in Bad Neuenahr. Die Presse sprach über mich als Orgeltalent. Bald ist das Konzert in Schloss Weitenburg. Die schöne Presse in Idea Spektrum freut mich.
Es ist anstrengend, mit einer noch ungeborenen Vision zu leben, an die ich nicht mehr denken will. Sie begegnet mir überall. Ich möchte mich entspannen, morgen ist das nächste Konzert. Stundenlang las ich begeistert Atemschaukel von Herta Müller. Sie schreibt mit purem, divergentem Denken in einer weichen, poetischen Art — erstaunlich, dass ich dies lese direkt nach meiner Reise nach Rumänien, als wäre es vorbereitet. Kreativität ist kein passender Ausdruck mehr, ich finde sie besser als Böll und Grass, wenn ich vergleichen muss, die mir zu provozierend im ekligen Sinne sind; denn Ästhetik ist Denken. Begriffe müssen klar sein, Kreativität ist mir ebenfalls zu schwammig, dies ist kein guter Begriff. Ich müsste neue Wörter erfinden und ihre Definitionen.
Als wir das Bonner Münster besuchten, in dem gerade die Gruft von Märtyrern geöffnet ist (das Rheinland wurde lange von Franzosen besiedelt), sah ich eine große Steinfigur mittig, eine Frau, die in Wildheit und Ruhe kniend im Kleid ein Kreuz trug.
Ich sagte: Schau, das bin ich! Als wir ringsum um die Kämpferin gingen, stand auf einer Tafel: Die Heilige Helena. Er sagte: Wow. Woher wusstest du das? Ich wusste es nicht. Ich fragte: Was macht sie da? Er sagte: Sie bittet um Kraft. Das gefiel mir.
Nachdem ich wieder neue Bilder bei Erwin Wiegele in Österreich im Atelier gemalt habe (Crayon, Coal, Acryl) bin ich nun im Mendelssohn-Haus in Leipzig.
Luther-Jahr mit Luthernudeln und Lutherol: „Personen mit päpstlichem Hintergrund sollten Lutherol nur in Rücksprache mit einem Beichtvater einnehmen…“ 🙂 Dann Konzerte in Döbeln in der Nikolaikirche, auch dort eine Luther-Statue. Thema Angeschlagen. Und ich an der Orgel.
Ich freue mich auf Künstlerfotos mit Silvia Gralla. Durch die Orgel und Bach komme ich kaum noch dazu, Jazz zu spielen, denke aber gern zurück an meine Jazzkonzerte auf dem Umsonst & Draussen-Festival, im Omnibus Würzburg…
Ein Stapel Noten fasziniert mich immer, ich muss hin und sie mir ansehen.
Dann hatte ich Konzert in München (Immanuelkirche) und dann in Rosenheim an der Reil-Orgel in der Nikolai-Kirche.
Meine neue Übe-Orgel Steinmeyer-Elenz (St. Josef) oder Beckarath-Orgel (St. Johannis). Trotz meiner Höhenangst bin ich ganz auf den Ulmer Münster gestiegen. #proud (es war etwas schlimm)
Bald ist Weihnachten. Nicht Rydbergs Tomte, sonders das Kind in der Krippe.
„Wer nichts verändern will, wird auch das verlieren, was er bewahren möchte. Ein ängstlicher Glaube bringt die Seele in den Himmel, mutiger Glaube aber bringt den Himmel in die Seelen.“ (Charles Spurgeon)
„Der höchste Lohn für unsere Bemühungen ist nicht das, was wir dafür bekommen, sondern das, was wir dadurch werden.“ (John Ruskin)
Köln
Leben und Werden gehören zusammen. Aber Leben und Überleben sind zwei verschiedene Dinge. Ich glaube, dass all diese Dinge, die wir tun müssen, um wirklich zu leben, symbolisch sind für eine viel größere Dimension: Symbole für unsere Rettung. Verstoßen wir gegen diese Symbole, verstoßen wir nicht nur gegen Regeln.
Ruhe, Nahrung, Stillung, all das weist auf unsere Erlösung hin. Es gibt nichts, was uns nicht darauf hinweist, auch das Älterwerden, Verwelken, Verblassen, Verlieren, Sterben. Wir verlieren unsere Farbpigmente und unsere Kraft. Dass wir Rettung brauchen, ist nicht zu übersehen. Unsere Rettung ist nicht zu übersehen.
Jedes Gefühl von Hunger und Durst und der Wunsch nach Geborgenheit und Liebe sprechen Bände, erzählen von dem, was auf uns zukommt, was Sinn macht, warum wir sind, wofür bestimmt. Unsere Bedürfnisse und Ängste erzählen von dem, wer wir sind, wohin wir gehören.
lese ich gerne, da mir Humor, klug, lyrisch und nicht boshaft, gefällt; ich mag das weiche Zynische; ich muss schmunzeln; es ist dennoch aufrüttelnd, oder ich verstehe jedenfalls, dass es so gemeint ist.
Kunst hat mit Herkunft zu tun. Kunst ist Herkunft. Da gibt es für mich keinen Dilettantismus in Neuschöpfung. Es gibt natürlich einen Unterschied zwischen musikalischer Aktivität und Kunst — aber dieser Unterschied kann fließend sein. Die Kunst ist lebensnotwendig und nicht nur Luxus oder Schmuck.
Der Begriff ‚gute Musik‘ ist vielleicht schwierig, da wertend, wobei Wertung durchaus nicht immer etwas Schlechtes ist, im Gegenteil. Die Kunstmusik hat mit Klangvorstellung zu tun, die reifen muss. Dabei ist jede Klangvorstellung mit Vorsicht zu geniessen, da sie einengend werden kann. Eine Klangvorstellung sollte kein festes Prinzip sein. Kunst ist Revolution, Symbolwelt, Tiefe. Man muss jedoch vorsichtig sein, da alles Einseitige eine große manipulierende Macht werden kann.
Kreativ sein bedeutet Finden. Finden, was bereits da ist. Und doch erschaffen wir etwas, das vorher noch nicht da war, noch nicht ins Leben gerufen. Aus der Quelle, die um mich ist, erschaffe ich: sichtbar zu machen, was unsichtbar war.
Kreativität ist eine Person, die anklopft und darauf wartet, von mir entdeckt zu werden. Wenn ich etwas nicht entdecke, wird es vielleicht solange nicht da sein, bis ich es erkenne.
Denn auch Zeit ist ein Teil der Kreativität und des Prozesses. Jeder Augenblick dabei ist Kreativität. Anstrengend und arbeitsam ist es, das Gefundene zu behalten, zu formen, zu schmiergeln, zu bebauen. Struktur, Bescheidenheit, Konzentration und Demut sind Wegbegleiter von Kunst.
Kampala
Konvention und Norm: Übereinkünfte, dass etwas normal zu sein hat. Sobald etwas konventionalisiert wird, gebunden, systematisiert, können Begriffe und Inhalte kaputt gehen. In dem Sinne sind viele Traditionen verheerend, da sie lähmen und stoppen und an Generationen kleben bleiben. Beethoven hat sich nicht an die ‚Sonatenhauptsatzform gehalten‘, diese ‚Form‘ wurde erst nachträglich daraus gezogen.
Kein Wunder, dass die jungen Musiker an der Hochschule große Schwierigkeiten haben, in der Theorie mit Freude zu sitzen. Das Neue wird zur Routine. Theorie ist ja etwas sehr Spannendes, braucht Zeit zum Reifen. Ich sehne mich nach neuen Symphonien in unserem Jahrhundert.
Wenn Schubert Beethoven ‚überwinden‘ konnte — dann können wir auch überwinden und Neues schaffen. Beethoven komponierte dramatisch mit dem Endziel am Schluss, doch Schubert hatte seinen Höhepunkt in der Mitte seiner Symphonie. Neues umsetzen bedeutet oft Radikalität.