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Ann-Helena Schlüter

12. Oktober 2021

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Willst du eine Raketenfrau kennenlernen? Dann AHS. So was gibt es kein zweites Mal. (Volker Hege)

Ich bin noch gar nicht hinterhergekommen, was ich noch alles erzählen möchte von den letzten vollen Tagen: 9 Orgeln in 3 Tagen! Pickepackevolle Tage! Alles evangelische Kirchen. Von Bielefeld habe ich einen sehr guten Eindruck gewonnen: Eine sehr hübsche große Stadt mit wunderbaren Orgeln und Kirchen und einer sehr netten Innenstadt. Alle reden von der großen Beckerath in Hamburg (war ich auch), dabei hat Bielefeld eine mindestens genauso schöne und große Beckerath, sogar zwei, und Albert Schweitzer spielte an beiden! Von wegen, Bielefeld gibt es nicht. Albert Schweitzer war sogar hier ❤️. Und wer weiß das? NRW darf ruhig mehr Werbung für sich machen. Ich fühlte mich von Albert Schweitzer jedenfalls umhüllt, als ich an der mächtigen (französisch angehauchten) Beckerath 1965 in der ev. Altstädter Nicolaikirche spielte – drei Manuale, das RP über mir (!) – mit dem wertvoll alten Gold-Altar 1554 (Antwerpen, Belgien) hinter mir. Die Klänge des SWs sind wunderbar. Der Schweller selbst ist schwergängig. Super Setzer-Anlage. An dieser Orgel ist alles spielbar. Ich liebe Beckerath. Schon immer. (Seitdem ich Organistin bin.)

Eine Wucht ist auch die kleine Chororgel Beckerath 1954, Schweitzer-Orgel, 2 M. Eine sehr süße und besondere Harfen-Form, zum Knutschen. Obwohl klein, hat sie enormen Wumms. Sehr direkt, sehr glockig, beinahe scharf. Wäre sie größer als die große Schwester gegenüber, sie wäre eine Granate. Eine Klangwaffe. Danke an Daniel Debrow, Volker Hege und Martin Rieker. Schön, wenn man mindestens zu zweit ist in Orgeltouren. Denn ich will nicht nur spielen, sondern auch hören. Warum? Das Hören ist mindestens genauso wichtig wie das Spielen. Nur durch das Hören (viel Hören) erfährt und begreift man Raum und Instrument. Das Wunder Orgel. Und ich bin froh, dass es zumindest ein paar Kantoren gibt, die das begreifen. Man kann gar nicht genug hören. Die Orgel klingt bei jedem anders. (Viele Kantoren kennen ja nicht die Orgel im Nachbarort, kennen keine Zahlen zu ihrer eigenen Orgel und wissen nicht, was Hören ist. Die Orgel ist nur für den Dienst im Gottesdienst da, mehr schlecht als recht, es gibt kein/kaum Literaturspiel. Und wenn, dann kein gutes Niveau. Nur dem Chorleiten gilt das Interesse (Niveau Sonderpädagogik/Sozialarbeit). Kein Interesse, Talent oder Ehrgeiz für Orgel, Registrieren, Klänge, Virtuosität, Üben, Reisen, solistisches oder künstlerisches Instrumentalspiel. Kurz: Das totale Gegenteil zu mir.)

Dann waren wir im Bernstein essen – über den Dächern Bielefelds. Ich sah die Tauben auf der Nicolaikirche und die Sparrenburg erleuchtet. Ich erinnere mich, wie wir auf den Turm der Sparrenburg gestiegen sind und von oben die ganze Gegend bewundern konnten. Bielefeld im Teutoburger Wald besitzt den sehr kleinen Bach Lutter. Drum herum haben alle Orte richtige Flüsse. Wir tranken noch einen Bubble Tea.

Wir besuchten und spielten auch die Führer der ev. Stadtkirche in Laar/Herford. Dort gibt es eine sehr hübsche Führer-Orgel 1966, 2 M. Super in Schuss. Die Kirche ist sauber, gepflegt, mit leuchtend blauen Fenstern und einer bezaubernden Führer. Ich liebe Führer (siehe Riddagshausen).
Die Kirchenmusikhochschule in Herford (weiße Villa im Park mit Internat) besuchten wir auch und spazierten in der lauschigen Innenstadt. Wir liefen auch am grossen Fluss Werre mit seinen Villen. Dort gab es Kirmes, so auch in Bielefeld.
Auch die Paul Ott Orgel 1959 in der ev. modernen Auferstehungskirche Bad Oeynhausen (dort wimmelt es von Kliniken und Kurparks) war schön, 3 M, ein riesiges buntes Glasfenster an der Vorderfront, großes Café. Danke an den lieben Kantor! Dort wurde ich interviewt von der Neuen Westfälischen Zeitung. Kommt heute/morgen raus.

Ich spielte hier in Bad Oeynhausen früher mal in der Wandelhalle. Klavier. Mit „Welt Klassik“. Ich habe keine guten Erfahrungen mit „Welt Klassik“ gemacht: Die Künstlerinnen werden meiner Meinung nach ausgebeutet, vor allem die aus dem Ausland, die sich ausbeuten lassen. Wie kann man dies erlauben?

Dann spielte ich auch die wunderbare Janke Compenius Orgel (3 M) 1621/1995 (meine zweite) in der ev. Nikolaikirche in Rinteln an der Weser, einer kleinen Stadt in Niedersachsen in der Nähe von Bielefeld, Hameln, Minden und Bückeburg. Hier ist ja alles nah: NRW, Niedersachsen, Norddeutschland, Münsterland, Lipperland, Osnabrücker Land, Paderborner Land, Westfalen. Rinteln gehörte vor langer Zeit sogar mal zu Kassel (Hessen)! Mir gefiel der teilweise historische (Mittelteil), rötlich-braune und schlichte Prospekt sehr gut. Die hellen Holztasten waren schön und leichtgängig. Auch diese Orgel wird von Bente (Sudfeld) betreut. Sie ist leicht mitteltönig, „Janke Spezial“, ohne Schweller, ohne Setzer. Martin Sander spielt hier nächste Woche. Danke an Daniela Brinkmann. In Rinteln aßen wir Fisch. Die alte Innenstadt ist sehr hübsch.

Wunderschön ist die australische Orgel Rowan West (1994) in der Bartholomäus Kirche in Brackwede Bielefeld. Dort gab es ein Fest (Glückstaler Tage) vor der Kirche. Leichtgängig, wunderschöner Prospekt. Dazu morgen, auch zum Tecklenburger Land (Osnabrück). 

Eule Orgel Bielefeld

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11. Oktober 2021

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Mir geht es auch ohne Barker gut. (AHS)

Foto oben: Schöne Strebel Orgel Thüringen (Liebenrode)

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Wunderschöne Janke Orgel in Bückeburg

Wer hätte gedacht, dass in Bielefeld, das es gar nicht gibt, eine der besten Orgeln der Welt steht? Die großartige neue Eule Orgel (3 M) in der evangelischen Neustädter St. Marien- Kirche Bielefeld City (NRW): Eule-Orgel Neustädter Marienkirche Bielefeld, betreut von einer tollen Frau: Ruth. Wunderschöner schlichter Prospekt ohne Gehäuse, ebenerdig, in leuchtender (starker) Akustik. Wundervoller Klang. Dadurch, dass die Orgel ebenerdig steht, fängt sie die starke Akustik geschickt auf. Es ist die erste Orgel, die wie ein Steinway klingt, finde ich.

Eine Steinway-Orgel im besten Sinne. Wo sonst kann man Beethoven so spielen? Eine Mischung aus Ladegast und Steinway. Leichtgängig, gleichmäßig, HW auf 1. M. Süßer Zimbelstern. Eine auffällig schöne Hallen-Kirche mit hohen schönen Zwillingstürmen und Marienaltar, dreischiffig, die man schon von weitem sieht, auch von der Sparrenburg aus, der Sparrenburg-Promenade Bielefeld. Von hier hat man auch eine phantastische Aussicht auf das Weser Bergland, Herford, Bielefeld. Die Kanzel ist von 1683. Wunderschöne Altarinsel. In der Kapelle steht noch eine hübsche Kapellen-Orgel aus Österreich. Danke an Ruth Seiler, Daniel Debrow und Volker Hege. Zuvor stand hier eine Furtwängler-Orgel, die leider zerstört wurde, und dann eine Kleuker. Nun diese wunderbare Konzertorgel. Eine der klanglich schönsten Orgeln, die ich je gespielt habe. Königlich zeigen die Pfeifen in den Himmel. Patronatskirche von NRW. Wer hätte gedacht, dass in Bielefeld, das es gar nicht gibt, eine der besten Orgeln der Welt steht und dass es so eine schöne Stadt im Grünen ist? Super Aufstellungsort der Eule. Hier wird die Überhalligkeit überlistet. Eine top neue Orgel für unter eine Million.
Danke an Volker Hege, Ruth Seiler und Daniel Debrow. Tolle Fotos geworden! Hier ist sie:

Neu: Orgel-Information: Eule Orgel Bielefeld

https://www.ann-helena.de/orgelinfo/eule-orgel-bielefeld/

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Waldstein-Sonate auf Eule Orgel Bielefeld

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Bach auf der Eule Orgel Bielefeld 

Wir besuchten und ich spielte auch die wunderschöne Rowan West Orgel 1994 in Brackwede Bielefeld. Ein genialer australischer Orgelbauer. Die vierte Orgel hier war die Ott Orgel in Bad Oeynhausen. Von den beiden berichte ich morgen. 5 Orgeln in zwei Tagen: Schulte, Rowan West, Eule, Janke und Ott. Absolut spannend! So enorm unterschiedlich! Alle Leute waren super und lieb. Besonders der sehr freundliche Daniel Debrow und Siebelt Meyer. Unfreundlich aber fand ich Johannes Vetter aus Herford, unhöflich, eingebildet und autoritär. Ich habe zuvor weder von ihm noch von dieser Marienkirche gehört. Dennoch plusterte er sich auf wie ein Hahn, sein Verhalten fand ich konservativ und frauenfeindlich: Er lästerte, grinste spöttisch und verstellte mir bewusst die Sicht mit seiner Masse, als würde er jedem Passanten die Orgel zeigen, aber nicht mir, Konzertorganistin. Wenn da mal nicht Neid eine Rolle spielt? Erstaunlich finde ich, dass sich Menschen wie Wolfgang Adam solchen lästernden „Kirchenmusikern“ fügen. Aber so sind Männer oft, die eine 15 bis 20 Jahre jüngere Frau haben, die ihre komplette Karriere auf Eis gelegt hat, um ihm zu folgen. (Warum machen Frauen so etwas? Die meisten Männer wären ohne ihre Ehefrauen nicht viel, bekämen wenig auf die Reihe. Aber Caring wird nicht bezahlt. Der Anteil Geld der Welt gehört daher meist den Männern auf Kosten der Frauen: Geld = Macht = Mann will es.) 

Aufgrund von „Kirchenmusikern“, die nur in ihrer eigenen kleinen Welt zu leben scheinen, vom großen Umfeld wenig mitbekommen und hauptsächlich Männer fördern, muss man sich nicht wundern, dass es kaum noch Nachwuchs für die Orgel gibt und Kirchen schließen. Nur weil sie oft selbst keine Leidenschaft mehr haben, wollen sie andere verbrämen und hindern. Sie erscheinen mir oft faul und wenig talentiert, so dass sie nichts oder kaum etwas auf YouTube posten und ihre Orgeln nicht präsentieren können, aber auch niemand anderen ranlassen, die es können.

Gott hasst Frauenfeindlichkeit, glaube ich, in allen Schattierungen. Daher bringe ich solches Verhalten deutlich ans Licht und halte es fest für die Ewigkeit.

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St. Petri Liebenrode

8. Oktober 2021

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Charme ersetzt keinen Charakter. (AHS) 

Es war wieder eine Top-Stunde bei Kay Johannsen mit Liszt. Es macht immer Spaß an der Mühleisen in Stuttgart. Und über Artikulation zu reden. Vorher durfte ich die hübsche Diethelm Berner Orgel (1980, Stuttgart) in der Schlosskirche des alten Schlosses Stuttgart (Landesmuseum Württemberg) bei der Stiftskirche (Stiftsmusik) spielen. Sie wird jedoch bald ausgetauscht werden.
Es waren viele Türen und Gänge, bis ich die Orgelempore fand (kleines Labyrinth). Aber wer kann mich stoppen, wenn ich eine Orgel suche? Wenn die Orgelvampirin das Blut einer Orgel gerochen hat? Niemand.

Oberes Foto: Schuster Orgel St. Blasii Nordhausen. 

Anschließend fuhr ich nach Dortmund. Der ICE fährt durch. Ich schlief. Schlafe zu wenig. Schlafen scheint meine Zeit zu rauben. Danke, Gott, dass du mich wieder versorgt hast. Meine CD und mein Clavichord gehen in die Endrunden. ❤️ Danke an alle! Gott ist der Reichste! Und GEMA… 

In Dortmund wurde ich abgeholt. Wir liefen am Fußballmuseum vorbei. Sorry, Fußball ⚽️, bist nicht meine Leidenschaft. Keine Ahnung, welcher Fuß oder welcher Schuh von welchem Namen welchen Ball berührt hat… „Das solltest du hier in Dortmund lieber nicht zu laut sagen…“

Das Hotel Grey ist schön, die Kirche St. Petri ist direkt daneben ganz zentral. Morgen um 8 darf ich hinein. Die Orgelvampirin… wie gesagt. Wir aßen lecker in der Pfeffermühle. Morgen wird wieder ein voller Tag.

Incredible Schulte Orgel St. Petri Dortmund Today Stream und reales Konzert heute 16 Uhr:

Stream: http://YouTube.com/user/stadtdortmund

Stream Konzert Dortmund heute 16 Uhr

Foto: Strebel Orgel Hohenstein 

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Berner Orgel

Neu:

Berner Orgel

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Schulte Orgel Dortmund 

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Berner Orgel Stuttgart 

7. Oktober 2021

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Ach wie flüchtig, ach wie nichtig ist der Menschen Leben! (BWV 26)

Neu:

Strebel Knauf Orgel St. Petrus Kirche Liebenrode

Schulze Orgel 1843 in Heringen: Eine klassizistisch wirkende romantische Orgel mit den von Schulze berühmten breiten und sinnlichen Registerknöpfen, die zur Seite abstehen (siehe Knauf). Es sind richtige Gesichter, weich und griffig. Obwohl die Orgel „nur“ zwei Manuale besitzt, wirkt sie füllig und warm grundtönig im Klang, in helle Ton-Spitzen auslaufend. Die schöne Orgel in Auleben wird leider gerade renoviert.

Neu: Orgel-Information

Schulze Orgel Heringen

Tante Emma Laden

Engelhardt Orgel

Reubke Orgel in St. Mauritius Kirche Görsbach, Südharz, Nordthüringen, Goldene Aue.

Größte erhaltene Reubke Orgel 1878, mit Original-Bestand, 2018 von Orgelbau Hüfken aus Halberstadt renoviert.

Schwergängige Kegelladen-Orgel, beinahe so schwergängig wie in Waltershausen (Schleiflade Trost-Orgel). Auf dem SW kann oben mit dem Löffeltritt (Schnappfalle) schwellen.

Die Kirche ist schummrig, rot-dunkel, schwarze Bänke, rotes Gewölbe.

Süffig, warm, dunkel.

Sehr trockene und samtige Akustik.

Man kann hier schön singen auf der Orgel und Romantik und Barock spielen. Mit Schweller wird es leiser, wenn man nach oben geht. Schöne Flute, Harmonika, sehr schwergängig mit MK. Süffig, warm, dunkel. Sie wirkt vom Prospekt her wie eine Ladegast Orgel, spielt sich jedoch anders.

Die Orgelbau-Dynastie Reubke aus dem Harz aus Hausneindorf, wo ich war, ist sehr genial. Emils Bruder Julius Reubke kommt ebenfalls von hier.

Schuster Orgel

Bey einer andächtig Musiq ist allezeit Gott mit seiner Gnaden Gegenwart. (JSB)

Wieder daheim. Ob ich mit meinem Blog aufrütteln und verändern möchte? Bestimmt. Ich glaube, Gott ist über den Abfall der Kirche viel mehr erschüttert als über den Abfall der Welt. Daher sind meine Improvisationen eigentlich Prophetien. Kennt ihr die Propheten aus der Bibel, die Gericht verkündet haben und deswegen Ärger bekamen? Mein Pandemic Dance Zyklus ist eigentlich ein Cycle des Gerichtsrufes, der Endzeit. Pandemie steht hier symbolisch für den Abfall. Es ist eine Art Gerichts-Tanz. Eine Art „Tanz in die Hölle“. Pandemie ist hier nur ein Bild und hat mit Covid nicht in erster Linie zu tun, sondern…  der Pandemische Tanz und seine Variationen sind eine Art Sendschreiben. Siehe Offenbarung. Die Sendschreiben an die Kirche: Warnung vor dem Gericht. Eine letzte Zurechtweisung. Also eigentlich ein letztes Werben Gottes. Pandemie steht hier für Apokalypse einer ganz anderen Art. Daher klingt der Tanz auch drastisch und spirituell. Ich finde ihn selbst manchmal unheimlich. Meist läuten die Glocken danach, egal, wo oder wann ich ihn spiele. So auch in Mannheim. Ich sende noch das Video. Dabei ist es eher die Glocke des Todes oder des Gerichts. Aber nicht böse gemeint. Eher heilsam. Wie nach einer Diagnose die Therapie. Die man auch ablehnen kann. 9 Minuten lang fließt es, ich bin wie in Trance. Ich komme mir vor wie Gottes Axt, die er ansetzt, um zu fällen. Ob deswegen manche, weil sie das spüren, feindlich sind? Weil mein musikalischer Gerichtsruf sie betrifft? Aber selbst wenn nicht, der Gerichts-Zyklus rüttelt auf.

Aber erst mal etwas Schönes:

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Werner Orgel, Orgel Date AHS

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Sendschreiben für Orgel

Hindere die Spielleute nicht. Und wenn man lauscht, so schwatzt nicht dazwischen… (Martin Luther)

Kluger Mann, dieser Luther. Ich glaube, das ist das Schlimmste, wenn bei armen Kirchenmusikern im Gottesdienst das Volk einfach quatscht, wenn er spielt. Ob deswegen manche so sauertöpfisch sind? Aber das ist auch gemein.

Ich mag es auch nicht, wenn man mich hindert.

Das Konzert war schön. Die Barker-Maschine seufzte manchmal, aber ansonsten liegt sie mir gut in der Hand, die Ladegast.
Es geht mir auch gut ohne Barker. Ladegast pur. 

Übrigens letzte Woche, da lief noch nebenbei mein AMPF = Doktorandennetzwerk. Ich hatte auch Vortrag. Ich beobachte mich selbst manchmal kopfschüttelnd, während ich zwischen Orgeln, Reisen, Videos noch eben mal meine Doktorarbeit vortrage. Und dafür mein MacBook hervorkrame – und es doch ganz gut mache. Während die anderen über Musikpädagogik philosophieren, habe ich via Handy das Zoom am Ohr und diskutiere mit, während wir auf der Autobahn oder durch Wiesen zur nächsten Orgel brausen. Der nächste Kantor kommt, und ich stelle das Zoom auf leise.

Genauso wie ich jetzt auf der Autobahn Blog schreibe, nachdem ich „Vitello tonnato“ gegessen habe. Während im Bayern 1 Lovesongs laufen. Waltzing Matilda. Ob Rod Stewart schon tot ist? 

Gestaltung und Klanggebung einer Orgel finde ich schön.

Gedankensprung.

Habe heute nebenbei an der Ladegast eine neue Gruppe auf facebook gegründet:
Neben „Orgel Prospekte“. Sie heißt „Musik in der Kirche. Kirchenmusik in der Welt“ – poetisch, finde ich. Hier ist der Link dazu: 

Neue Kirchenmusik-Gruppe facebook

Warum eine neue? Sie soll dazu dienen, ohne Lästern, Mobbing und Schmähkritik Musik in der Kirche zu diskutieren und zu präsentieren.
Kurz: Das Gegenteil zur Ansgar Kreutz-Kirchenmusik-Gruppe, wie ich finde, in der gehässige Kritik und Hetze durch Leute und „Administratoren“ wie – wie hieß er noch mal – Benjamin Frensel beinahe „normal“ zu sein scheinen.

Ein Lob für die Gruppe Organisten-Forum – da landete Hetze von Thomas Anschütz, von dem ich gar nicht weiß, wer das ist, der unter Frauennamen stänkert und Gruppen benutzt, seinen persönlichen Haß abzuladen, bei weitem nicht so, wie es in der Ansgar Kreutz-Gruppe gelandet wäre. Dort hätten sich Hater wie Köter auf Fleisch geworfen, es sind immer die gleichen, während Ansgar Kreutz und „Kirchenmusiker“ schweigend zugesehen hätten. Vorbilder für die Läster-Bengel sind die lästernden Altherren.

So wird dieses Haß-Verhalten an die nächste Generation weitergegeben, während Kirchenmusik, Gottesdienst und Kirchen weiter absterben. Überall werden Kirchen geschlossen, zusammengelegt, Orgeln verkauft. Und was weiß man über die Kirchenmusik? Sie brüstet sich weiter nach außen als gehässiger Männer-Verein, anstatt aufzuhalten und zu retten, was hier unter ihrer eigenen Regie immer weiter abgestorben ist: Gottesdienst.

Allein in Mannheim schließen über 10 Kirchen. Tragödie. Wer traut sich das schon zu sagen?

Oder könnt ihr euch vorstellen, dass solche Leute Choräle spielen und Gottesdienst halten können, wo sie doch das Gegenteil von Gottesdienst tun und präsentieren? Wen werden sie in die Kirche locken? Wieviele? 
Der Fokus der Kirchenmusik sollte auf die Anbetung Gottes ausgerichtet sein. Wie können wir uns neu ausrichten? 

Ich frage mich allgemein immer, was das eigentlich für – Abschaum darf man ja nicht sagen – Menschen sind, die zusehen, wie andere fertig gemacht werden und noch treten. Oho! Ist ihnen die „Macht“ (einer Gruppe) zu Kopf gestiegen?

Ich habe schon 4 eigene Gruppen, die teilweise größer sind, aber Macht kam mir nie in den Sinn: Gruppen zu benutzen, um andere schlecht zu machen, weil sie selbst keine Konzerte oder Videos oder Fotos oder Ideen präsentieren können und voller Neid sind.

Es sind Gender-based Attacken, denn die meisten dieser Gruppen bestehen fast nur aus Männern. Es gibt eine Art digitalen Femizid, finde ich: Ehrgeizige Frauen wie ich sollen digital ermordet oder „ausgelöscht“ oder vertrieben werden, aus Berufsgruppen, aus Gruppen…

Über Femizid gibt es einiges auf YouTube. Hört es euch an. Das war für mich auch neu. Digitaler Femizid – den Begriff habe ich gegründet bzw. erfunden.
Leider sind die wenigen Frauen auch nicht gerade hilfreich, sondern eher mit Männern verbündet.

Ich weiß, dass mein Blog provozierend empfunden werden kann und dass getroffene Hunde bellen, aber ich halte meine Kritik für sehr wichtig und notwendig (gerade als Frau in der Männer-Domäne Kirchenmusik). Wahrscheinlich muss man meinen Blog im Ganzen lesen, um ihn zu verstehen. 

Das Heuchlerische ist: Johannes Richter und andere setzen sich angeblich für vergessene Orgeln ein, attackieren mich aber, die genau das Gleiche macht – weil es ihnen gar nicht um vergessene Orgeln geht, sondern um sich selbst und um Konkurrenz. Wer mehr Aufmerksamkeit, Views, Likes und Kommentare bekommt. Und dass ich wage, ebenfalls in Mitteldeutschland zu sein.  Sonst würden sie doch jeden unterstützen, wenn es ihnen wirklich um die Sache und die Orgel gehen würde, jeden, der sich ebenfalls um kleine Orgeln kümmert. Und eben nicht attackieren.

Da ich aber mehr Views, Kommentare, Aufmerksamkeit bekomme, egal, ob ich an großen oder kleinen Orgeln sitze, egal wo, zeigt sich deren wahres Gesicht: Attacken. Damit graben sie sich selbst das Wasser ab und zeigen, dass es ihnen nur um sich selbst geht und um Selbstverwirklichung. Mir aber geht es wirklich um die Orgeln. 

J.S. Bach – WTK I BWV 850 Präludium und Fuge D-Dur, neue Jörg Bente Orgel Kloster Walkenried Harz

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Aria Deppeé Orgel

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Orgelvorstellung

3. Oktober 2021

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Es ist ein Wunder vor unseren Augen. (Psalm 118,23)

Tag der deutschen Einheit!

Es ist sehr schön in Rudolstadt, ich habe hier jetzt schon das 5. Mal gespielt, auch im Schloss bzw. der Burg. Der sonnige Marktplatz ist voller Brunnen, Stände, Fachwerkhäuser, und ich übernachte im Hotel Adler. Es ist ein sehr schönes, romantisches Zimmer mit dicken, schweren, hellen Vorhängen, was ich liebe. Die große Ladegast-Orgel in der evangelischen St. Andreas mit ihrer schön programmierten Walze (von Frank), Barker und ihrem besonderen originellen Schwellertritt rechts für das dritte Manual liebe ich. Die hohe Kirche mit dem Lebensbaum ist für Erntedank geschmückt. Morgen um 19 Uhr ist das Konzert.

Das HW der Orgel befindet sich im 2. Manual. Rechts sind die Register für HW und SW, links für das 1. Manual, Pedal und die Koppeln. Die Walze kann man anhand eines „Thermometers“ links beobachten. Wenn dieses oben anschlägt, ist auch die Mixtur Progressio in Kraft getreten. Zuvor Zungen. Die Setzer pp, p, mf, f und ff sind recht stabil, nur manchmal kann es passieren, dass sie nicht richtig auslösen. Register können sowohl bei diesen Setzern als auch bei der Walze additiv hinzugenommen werden, was gut ist, was man aber planen muss, und so auch bei der historischen Tastenfessel. Die Walze ist leichtgängig, da sie in Metall gelagert ist. Die Walze der Weigle Orgel Mannheim ist wohl in Holz gelagert, dadurch eventuell gequollen und schwergängig geworden. Wichtig beim Walzen ist, präzise und langsam zu walzen, mit ihr zu schwingen. Denn auch die beste „Programmierung“ einer Walze bringt nichts ohne gut gehörtes Walzen. Natürlich ist keine Walze komplett ohne Sprünge, weil es vielleicht keine Orgeldynamik ohne Sprünge gibt? Vielleicht sind Sprünge typisch für Orgel? Eigentlich schade. Aber die Nahtstellen gut hören.

Im SW sind Aeoline und die Gedackten besonders schön. Die breiten weißen Tasten erinnern mich an alte Klaviere. An der Weigle habe ich tatsächlich die Walze unten beobachtet, was natürlich mühsam und Unsinn ist. Denn es gibt immer einen visuellen Anzeiger oben, eine Uhr, ein Thermometer, Zahlen oder Lichter. Das hilft. Einen tutti-Knopf gibt es natürlich nicht. Das ist auch nicht nötig. Wichtig ist – trotz der historischen pneumatischen Setzer – alle Klangfarben und ihre Verortungen zu kennen: wo welches Register ist.

Was mir beim neuen James Bond-Film besonders gefallen hat, ist, dass es der mit Abstand am wenigsten sexistische Bondfilm war, der sogar Werte vermittelt hat.

Neu: Orgel-Information:

Deppeé Orgel Obersachswerfen

Orgel Date AHS- Johann Heinrich Deppeé Orgel St. Marien Obersachswerfen, Südharz, Thüringen

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Obersachswerfen Orgelführung

1. Oktober 2021

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Helmut Schmidt soll schon 1978 gestorben und durch einen von der Tabakindustrie gestellten Doppelgänger ersetzt worden sein. (Czech/Domzalski)

Heute waren wir beim schönsten Sonnenschein in Quedlinburg (Sachsen-Anhalts Städte haben teilweise unglaubliche Namen), am Rande des Nordharzes, in Sachsen-Anhalt, in der wunderbaren großen Marktkirche, an der genialen romantischen Ernst Röver-Orgel von 1886: 3000 Pfeifen, 3 Manuale, pneumatische Kastenlade (geschlossenes Schutzsystem, Schutz vor Staub und Schmutz, wenig störanfällig im Vergleich zu offenen Systemen wie der pneumatischen Kegellade: hier gibt es öfter Störtöne und Störgeräusche). Es ist die größte besterhaltene Röver-Orgel. Röver hat die ganze Gegend mit Orgeln versorgt, bis nach Hamburg und ins Ausland. Meine erste Röver-Orgel. Ihre bunten Registerknöpfe werden nicht gezogen, sondern nach unten gedrückt. Röver hat die Reubke-Orgelbaufirma von Adolf und Emil und Julius Reubke in Hausneindorf übernommen. Sie ist eine der klanglich schönsten Orgeln, die ich je gespielt habe. Unzählige feine und zarte historische Achtfüße, Streicher und Flöten, dazu Schweller und Walze.

Der dunkle, spitz zulaufende Prospekt erinnert mich an meine geliebten Ladegast-Orgeln. Sie besitzt Dynamik-Knöpfe als „Setzeranlage“, die nicht immer direkt ausstellen, dazu sogar eine Art Tastenfessel (historisch), Koppeln, Koppeln aus, Auslöser und (so wie die Reubke Orgel in Görsbach/Thüringen, wo ich gestern war und von der ich noch berichten werde) einen ganz besonderen Schweller mit Schnappfalle, einen Tritt mit Widerstand. Es sind kreative und nette Lösungen. Das dritte Manual ist das Schwellwerk mit hellblauen Registerknöpfen. Es gibt dort für Liszt eine feine, leise, durchschlagende Zunge Aeoline (kein Streicher!). Im zweiten Manual (rosa Registerknöpfe) gibt es die durchschlagende Zunge Clarinette, sehr gesanglich und melodiös. Alle Prinzipale und Mixturen sind warm, grundtönig und dunkel. Das HW ist das erste Manual mit weißen Registerknöpfen wie das Pedal. Ich spielte Liszt.
Anschließend aßen wir chinesisch am Marktplatz, bummelten durch die wunderschöne Altstadt. Ich habe zuvor noch nie von Quedlinburg gehört, aber damit bin ich wohl die Einzige. Es ist eine Stunde von Leipzig entfernt. Der nette Kantor Markus Kaufmann erzählte mir, dass er der neue Kantor der Leipziger Nikolaikirche wird. Das wusste ich nicht, das finde ich schön, schade nur, dass erneut beide großen Leipziger Kirchen 2021 nur von Männern besetzt werden. Hier waren noch nie Frauen fest Kantorinnen, und alle sprachen schon zuvor nur vom „Kantor“, vom „Organisten“. Wann wird sich das jemals ändern? Er lädt am 1.10.22 Kay zum Konzert ein.
Es wimmelte bei dem absolut herrlichen Spätsommerwetter von Touristen. Kaum zu fassen, dass morgen der 1. Oktober ist!
Quedlinburg (bei Halberstadt, SA) wurde nicht wie Nordhausen (T) zerbombt: überall hübsche schiefe Fachwerkhäuser, efeubewachsen, herbstlich verfärbt, ein Rathaus mit einem Roland (Zeichen freier Kreisstädte, wie in Nordhausen), und der Aufstieg zur Stiftskirche (auf einem Hügel) war bezaubernd. Es gibt hier die schmalsten Häuser der Welt, die wie bunte Plätzchen aussehen, wie Hexenhäuschen, wie halbe Häuser, wie Kuchenstücke oder Puppenstuben, liebevoll geschmückt. Ein gelbes Häuschen hatte einen gelben Stuhl draußen an der Wand oben angebracht. Dran stand: „Für böse Weiber.“ Ich fotografierte es und sagte laut: Guck mal, ein frauenfeindliches Haus! – – Kamen ein paar Typen vorbei und grinsten. Und dabei ist Gelb noch meine Lieblingsfarbe.
Alles ist mit Blumen dekoriert, besonders die Stiftskirche St. Servatii in Quedlinburg mit Schatz oben mit weißen Rosen. Man hat von oben einen wunderbaren Ausblick auf den Harz und den Wald, der in der Sonne leuchtet, und auf all die Fachwerkhäuser und Kirchen. Die Stiftskirche selbst ist innen voll Bauarbeiten trotz Eintrittspreis und erschreckend klein und nichtssagend im Vergleich zur Größe der Stiftskirche von außen. Ich hatte Pompöses erwartet. Dort ist die kleine Schuke Potsdam Orgel mit Bronzepfeifen, die genau gestern 50 geworden ist.
Der Hausmeister erklärte mir entschuldigend, Himmler hätte hier eben gewütet. Aber die Größe kann er doch nicht verändert haben!

Dann fuhren wir nach Hausneindorf ca. 12 km entfernt zur Orgelbaufirma Reubke und Röver. In der ehemaligen Burg liegt das wunderbare Museum. Ich konnte auf diesen alten Steinen spüren, dass Julius Reubke hier herum gelaufen sein muss, hier im goldenen Harz, im Grenzgebiet Niedersachsen und Sachsen-Anhalt, am Rande des nördlichen Harzes. Das hat mich sehr berührt.

Ich habe in 5 Tagen 14 Orgeln im Harz gespielt. Wir sind dabei vom Südharz zum Westharz, vom Unterharz, Oberharz  und Nordharz durch drei Bundesländer (Thüringen, Sachsen-Anhalt und Niedersachsen) gefahren. Der bewaldete und hügelige Harz hat mich nun eine ganze Woche begleitet: Die Harz-Tour:

– Strebel Knauf Orgel Liebenrode, T

– Deppeé Orgel Obersachswerfen, T

– Friedrich Knauf Orgel Bleicherode, T

– Reubke Orgel Görsbach, T

– Röver Orgel Quedlinburg, SA

– Engelhardt-Orgel Herzberg, NS

– Ital. Barockorgel St. Nicolai Herzberg, NS

– Klais Orgel Dom Nordhausen, T

– Schuster-Orgel Nordhausen, T

– Schulze Orgel Heringen, T

– Bente Orgel Kloster Walkenried , NS

– Goll Orgel Stabkirche Hahnenklee, NS

– Schuke Potsdam Stiftskirche Quedlinburg, SA

– Werner Orgel Limlingerode

Dazwischen Weigle Orgel Mannheim, also 15 Orgeln in 6 Tagen.

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Beautiful Andreas Engelhardt Orgel Herzberg, Niedersachsen, Harz, ev. St. Nicolai – Orgel Date AHS

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29. September 2021

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Die Länge der Gesänge ist viel zu lang für ihres Ohres Länge. (Wilhelm Busch) 

Schreibe morgen früh. Mir fallen die Augen zu.

Geheime Denkmäler:

Zuerst besuchten wir in Limlingerode die hübsche evangelische Kirche (aus Gips und Bruchstein, beinahe 1000 Jahre alt), die die letzte erhaltene große Johann Christoph Werner-Orgel (1810; 2011 restauriert) besitzt. Werner kam aus Steina bei Bad Sachsa aus einer Töpfer-Familie. Er sollte den väterlichen Töpfer-Betrieb übernehmen. Aber er liebte den Orgelbau und brachte sich diese Fertigkeiten extern und autodidaktisch bei, was natürlich manchen ein Dorn im Auge war. Quereinsteiger sind oft nicht willkommen. Dabei war er sehr talentiert: Die Orgel in Limlingerode ist eine wunderschöne zweimanualige weiße Orgel, geschmückt mit Blumen (diese eventuell sogar noch von älterem Jahrgang), dunklen und näselnden, mittelalterlich klingenden und warmen Klängen. Die Kirche ist hell und ebenfalls mit Blumengirlanden geschmückt, der Altar von 1695, der Taufengel von 1710. Da der Turm zu klein ist, sind die drei großen schönen Glocken außerhalb der Kirche angebracht. Die wertvollste wurde leider verkauft. Es ist das erste Mal, dass ich in einer Gegend so viele Kirchen ohne Turm antreffe. Dadurch sehen manche Kirchen nicht wie Kirchen aus. Die Glocken sind draußen im Glocken-Gehäuse. Alle „rodes“ sind ca. 1000 Jahre alt. Die wunderschöne Werner-Orgel wird auch im Thüringer Orgelsommer gespielt. Im zweiten Weltkrieg wurde die Kirche beinahe zerschossen, der Turm und das Dach fielen ein, es regnete in die Orgel. Der Dachreiterturm, der gerade über der Orgel saß, wurde abgeschossen und diese Lücke dann mit einer Hilfskonstruktion gedeckt. Dennoch hielten einige Register dieser tapferen Orgel bis 1970 durch! Danach ging nichts mehr. 40 Jahre lang schwieg diese Orgel. Eine biblische Zahl. An dieser Orgel kann mensch viel erkennen und lernen und sich ein Beispiel nehmen. Wie geduldig sie alles ertrug. Jugendliche kletterten in ihr herum. Kirche und Orgel wurden in der Nachkriegszeit grau und etwas düster angemalt. Dann DDR – Grenzzone und Sperrgebiet. Nach dem Zweiten Weltkrieg und der anschließenden notvollen Hungerzeit 1946-48 kam mit dem „Aufbau des Sozialismus“ durch die sowjetisch angeleiteten Kommunisten die nächste Unterdrückungswelle mit der Einführung der 5km-Sperrzone an der Grenze. Unbotmäßige wurden deportiert, viele Menschen enteignet, die Bauern in die „Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften“ gepresst, all das verbunden mit einer scharfen antichristlichen Propaganda. In dieser Zeit hat die Gemeinde das Kirchendach repariert und die Kirche neu ausgemalt. Das war eine enorme Widerstandsleistung, die für die Christen auch mit dem persönlichem Risiko des Verlustes von Heimat und Eigentum verbunden war. Dass ihnen das nicht mit fröhlichen Farben gelang, kann ich gut verstehen.

Schließlich aber wurde die Orgel endlich in Angriff genommen und aus ihrem Schweigen herausgeholt. Jedoch – was kann man von Orgelsachverständigen anderes erwarten – hielten die Gutachten der „Orgelsachverständigen“ die Orgel für nicht reparierbar. Die letzte Werner-Orgel! Die Gemeinde und Frau Neubert gaben nicht auf. Da kam Orgelbaufirma Hüfken aus Halberstadt. Innerhalb eines Jahres stellten diese die Werner-Orgel wieder her! Es wurden alte Pfeifen gefunden, die der frühere Pfarrer dem ersten Welt-Krieg vergeblich anbieten wollte, die Bälge erneuert, es wurde restauriert, die alten herrlichen Farben mit den Blumen und dem wunderbaren Grün wiederhergestellt. Die Manualkoppel und die Pedalkoppel sollten noch restauriert werden. Dies ist jedoch sehr teuer. Es gibt eine wundervolle Posaune 16 und Quintadena und in samtiger Akustik die Flöten. Besonders berührend ist für mich, dass direkt neben dem Glockenstuhl das Geburtshaus der Lyrikerin Sarah Kirsch steht, die bekannteste Dichterin der DDR. Übrigens, die Tagebücher von Pfr. August Rönnefarth hat Pfarrer i. R. Dr. Ehrhart Neubert als Büchlein verlegt – eine spannende Quelle darüber, was der Krieg im Alltag eines Dorfes anrichtete und für die einfachen Menschen bedeutete. Der treibende Motor an der Renovierung und der Orgelfrage war er. Der Gottesdienstbesuch in Limlingerode ist vergleichsweise gut, die Politik und DDR-Schulbildung haben hier nicht ganz so durchgeschlagen wie in anderen Gebieten der ehemaligen DDR.

Der Kirschkuchen aus dem heimischen Bäcker schmeckte übrigens vortrefflich. Schade ist, dass so viele Menschen dieser wunderbaren Gegend die Gottesdienste nicht besuchen. Es ist leider eine sehr säkularisierte Gegend, vielleicht eine der säkularisiertesten Gegenden der Welt.

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Reubke Orgel Görsbach

28. September 2021

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Orgeln sind wie Wein, so unterschiedlich wie Wein. (AHS)
Heute Nordhausen. Lutherstadt. In der Kreisstadt Nordhausen (ehemalige Kaiserpfalz und freie Reichsstadt) sind zwar bei den Bombenangriffen in den letzten Kriegstagen fast alle Orgeln zerstört worden, aber in den beiden größten Kirchen gibt es gute neue Orgeln: In St. Blasii eine dreimanualige Orgel der Fa. Schuster, Zittau 1995, 3 Manuale, 37 Register; im tausendjährigen Dom eine Orgel von Johannes Klais (1996, 3 Manuale, 56 Register).
Heute besuchte und spielte ich die schöne große  Schuster-Orgel (Zittau) von St. Blasii Nordhausen: Die größte evangelische Orgel in Nordhausen (eine sehr hübsche Stadt mit Fachwerkhäusern voll Efeu „im Osten“). St. Nikolai wurde zerstört. Rückpositiv, Schwellwerk. Neobarock, jedoch weich, neu: mit romantischer Gambe und Schweller. Drei Manuale, 2. M ist HW, unten RP, schwarze „Lacktasten“, leichtgängig, doch hohe Obertasten, sehr lange Registerzüge, glitzernde Akustik. Die Kirche von 1234 (2004 saniert) ist hell mit steinernen Gurtbögen. Auf der grünen Empore steht die Orgel in Holz. Lutherweg Nordhausen. 
Jede Orgel hat ihr eigenes Gesicht. Die einen sind schrill, trocken, die anderen fruchtig, manche weich. Und zur Musikalität muss man ein Cockpit-Gedächtnis haben: Wie ist die Bank eingestellt, habe ich die richtigen Schuhe, Noten, Hose… wo ist was, wie weit weg ist was, kann ich es noch erreichen, wo ist das SW, wie ist die Anordnung … Der Spieltisch ist nicht die Orgel. Der Spieltisch ist nur das Cockpit.
Man kann hier an der gereinigten Schuster von 1995 wunderbar Bach spielen, aber auch Mendelssohn, sogar Liszt (jedoch Vorsicht, es gibt keine Setzeranlage, das hätte 50.000 € mehr gekostet. Das heißt, wenn man es alleine machen will, dann muss man sich beschränken). Ich mag jeden Tag einen anderen Wein. Warum sollte ich wie Kirchenmusiker 18 oder 24 Jahre lang den gleichen Wein trinken? Manche Orgeln haben etwas „Verstaubtes“, was aber total sympathisch ist. Andere sind etwas kalt und kühl von ihrer modernen Eleganz her. Wieder anders sind teure Oldtimer, die mehr „Sprit“ kosten als sich die Leute leisten können. Da kostet die Reinigung schon 100.000 €. Wie hier an der Klais Orgel im Dom. Immer spannend.
Die Kirche hat rotglitzernde Fenster.
Nordhausen besitzt tolle alte „Villen“ wie die Post und das Rathaus, vor dem „der Roland“ steht, der das Reichswappen mit dem Adler hält. Barfüßer Tor. Nordhausen wurde drei Wochen vor Kriegsende von den Amerikanern und Engländern total zerbombt, und es wurden dabei auch Zivilsten und Kinder ermordet.
Die Ossis sind ganz lieb und lustig.
Nach der Schuster spielte ich die große Klais Orgel im katholischen Dom Nordhausen, die größte Orgel in Nordhausen. Völlig andere Orgel, Johannes Klais 1964/1996. Der Dom ist wunderschön, helle Pfeiler, geschmückte Decke, wertvoller Altarbereich mit Holzschnitzereien. Krypta, Chorraum, Sandsteinfiguren, Wappen-Schlusssteine an der Decke. Enormer Nachhall (7 Sekunden). Die Orgel ist eine Wucht! Sie stammt aus Kassel und wurde nach Nordhausen verkauft. Sie ist eigentlich eine Konzert-Orgel. Oben ist das Oberwerk. Sie thront wie eine extra kleine Orgel oben auf der Orgel. Und eine extra Orgel sie ist, eine kleine extra Orgel. Sie wirkt süß da oben, aber hat enorme Power. Klein, aber oho. 3. Manual. Sie schallt direkt und ohne Abdeckung an die Decke und ist oft lauter als das Schwellwerk (1. Manual). Sie mischt sich nicht ganz so gut mit dem Rest der Orgel und hat erstaunlich wenig leise 8-Füße.
Der Prospekt ist sehr kreativ: Unter der kleinen süßen OW-Orgel zeigt sich das HW, darunter das rote Schwellwerk mit den 16-Füßen davor, und rechts und links das Pedal, die großen vorne und die kleinen Solostimmen dahinter. Die Orgel hat einen schönen sanften Schwung durch diese Aufteilung. Sie wurde sehr gut angepasst an die schwarzen Bänke hinten an die Hinterfront. Sie hängt tief, und der Spieltisch ist ebenerdig und exponiert. Daran sieht man deutlich den enormen Unterschied zwischen großer Orgel und dem kleinen braunen Spieltisch (dem Cockpit). Mein erster Gedanke war: Schneewittchen-Orgel: Schwarz wie Ebenholz ist die Zierdeleiste und die Bank, rot wie Blut das Schwellwerk, auch die Zierdefarbe, und „weiß wie Schnee“ die silbernen Pfeifen. Aufgrund des Nachhalls ist es wichtig, langsam und ruhig und „bodenständig“ zu spielen. Stretta geht hier gar nicht, vor allem nicht bei Fugen. Die „romantischen“ und ruhigen Werke Bachs klappen gut, Fugen und Virtuoses können anstrengend sein. Alle Läufe müssen mit Bedacht gespielt werden. Es gibt Walze und Schweller und 64 Setzer. Auch das Mischen der Farben braucht hier viel Erfahrung. Alle Register sind links, weiße Kippschalter. Dazu Vorpleno, Pleno, Zungen-Pleno, Tutti für jedes Werk. Morgen berichte ich weiter.
Die fluffigen Klangfarben sind mit zeichnenden schön zu mischen, das ist wichtig. Die Orgel besitzt trotz ihrer reichen Palette wenige (leise) 8-Füße. Das Pedal zeichnet schön und kann ohne Koppeln gut verwendet werden. Vorsicht vor Tutti-Knöpfen im Allgemeinen, besonders in starker Akustik. Lieber ein ausgewähltes Plenum nehmen. Es gibt auch eine Walze, die jedoch etwas springt und neu programmiert werden muss, da scharfe Register zu früh und zu abrupt gezogen werden und sich manche Register beißen. Erstaunlich finde ich, dass man wenig Walzen antrifft, die schön programmiert sind. An jeder Orgel muss man neu denken. Selbst wenn man kommt und seine Werke kann, ist damit oft nur die Hälfte geschafft, da eine Passacaglia von Bach hier ganz anders gespielt werden muss in starker ebenerdiger Akustik (ruhig, durchsichtig, aber nicht spitz) als in trockener Akustik. Kippschalter sind anders als lange Züge, die Anordnung sehr unterschiedlich…  
Nach dem Dom „Heiliges Kreuz“ besuchten wir das Haus von Christian Gottlieb Schroeter, Organist, der Bach verteidigt hat. Es wird renoviert. Lutherplatz.
Die Kantoren waren sehr nett. Danke auch an Manfred Machlitt und Team!
Die dritte Orgel heute hier im Südharz ist die kleine einmanualige Heinrich Deppe Orgel (Zweibrücken/Nordhausen, 19. Jahrhundert) in Obersachswerfen: St. Marien.

Die Orgel ist das lauteste und leiseste Instrument. (Spielerinnen gesucht)

Keine „Spielertypen“.
Diese kleine Dorf bei Liebenrode besitzt eine Kirche aus Bruchsteinen ohne Turm mit einer absolut niedlichen Dorforgel, 2000 restauriert. In den Dörfern ringsum gibt es manch reizvolle, meist einmanualige Orgel, oft kaum mehr spielbar.
Ich übernachtete beim Ritter von Lievenroth. Die Kirche St. Petri ist auf einem Hügel erbaut,
auf dem sich wahrscheinlich ein Heiligtum für den germanischen Gott Donar (Thor) befand. Im Pfarrhaus wurde um 1535 der Dichter Johannes Mylius geboren. Er wirkte später in Krakau, Litauen, Wien und an der Universität Jena. Außerdem die Gelehrten Martin und Johann Friedrich Schweser (17. Jh.). Letzterer war auch Lautenspieler, lebte später als Berater des Markgrafen Christian Ernst von Brandenburg in Bayreuth.
Knauf-Orgeln sind toll! Seit 1835 besaß die Petri-Kirche Liebenrode eine zweimanualige Orgel von Friedrich Christian Knauf (Groß-Tabarz/Gotha), die 1926 von Georg Kiessling (Bleicherode) umgebaut wurde und in den 1980er Jahren völlig verfiel. Das Dorf lag im Grenzgebiet, das Kirchendach stürzte ein, die Orgelpfeifen wurden geklaut. Nur Gehäuse und Prospekt blieben halbwegs erhalten, in die Thomas Hübener 2019 die Königsberger Strebel Orgel aus der Oberpfalz mühevoll einpasste. Er musste dabei einiges an der Strebel-Orgel verändern. Die Kirche ist von einer Mauer umgeben, eine Art Kirchenburg. Aber man kann über die nicht mehr sehr hohe Mauer in die Landschaft sehen, auf die Hainleite, ins Ohmgebirge (Eichsfeld).
Die Kirche ist innen schlicht, barocke Kanzel und Altar sind in den Nachkriegswirren
verschwunden. Mir gefällt sie so. Nichts lenkt ab, die Akustik ist angenehm, nicht zu hallig. Schnelle und filigrane Passagen verwischen nicht.
Es gibt hier einige interessante Orgeln, etwa in
Eichsfeld (St. Marien Heiligenstadt, Gebr. Späth, Fulda 1941), in Bleicherode (Friedr. Knauf, 1837;
erneuert von Robert Knauf, 1898, restauriert 2013 durch Fa. Brode, Heiligenstadt); dann die klassizistische Orgel in der Welfenstadt Herzberg (Nicolaikirche, Joh. Andreas Engelhardt, 1845; steht unter Denkmalschutz), die wunderbare Orgel von Christoph Junge (1681) in der Trinitatis-Kirche Sondershausen, der einstigen Hofkirche der Fürsten von Schwarzburg-Sondershausen, einst von Andreas Werckmeister abgenommen
(3 Register aus der Bachzeit existieren noch, 1997 wurde die Orgel von der Fa. Hey (Rhön) modernisiert, 3 Manuale, 40 Register, Schwellwerk.
Im Kloster Walkenried (4 km von Liebenrode) gibt es eine neue Orgel (2017) von Jörg Bente (2 Manuale, 29 Register).
In Nordhausen gab es vom 17. – 19. Jh. mehrere Orgelbauer-Dynastien. Auch der Miterfinder des Hammerklaviers Christoph Gottlieb Schröter (1699 – 1782) lebte in der Stadt als Organist der Hauptkirche St Nicolai. Er war auchKomponist, Musiktheoretiker, Schriftsteller und Instrumentenbauer, entwickelte um 1717 nicht nur eine eigene Hammerklaviatur, die er am sächsischen Hof vorführte, sondern auch 1740 das Modell eines Schwellwerks für die Orgel. Er war mit Bach bekannt, schrieb für ihn 1749 eine Verteidigungsschrift im Streit mit Rektor Bidermann. Schröter ist leider fast vergessen.
Christoph Brückner möchte hier auch gleich konzertieren und schrieb meine Veranstalter an.

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Johann Heinrich Deppeé Orgel 1824/2000 in Obersachswerfen