Engelhardt Orgel Herzberg

in Herzberg, Niedersachsen

Orgelbauer:

Andreas Engelhardt

Baujahr:

1845

Datum des Erstbesuchs:

26. September 2021

Disposition und Spielhilfen

Auch die Kirche St. Nicolai ist wie die Orgel von 1845. Mit italienischer Barockorgel von 1743 (von Orgelbau Janke restauriert).

Hauptwerk I C-f’’’

 

01​ Principal 16‘

02​ Octave  8‘

03​ Gemshorn  8‘

04​ Viola da Gamba  8‘

05​ Hohlflöte  8‘

06​ Doppelgedackt  8‘

07​ Octave  4‘

08​ Gemshorn  4‘

09​ Fugara  4‘

10​ Quintflöte  3‘

11​ Octave  2‘

12​ Tertia 1 3/5‘

13​ Mixtur 4f.  2‘

14​ Trompete  8‘

Oberwerk II C-f‘‘‘

 

15​ Quintatön​ 16’

16​ Principal  8’

17​ Salicional  8’

18​ Doppelflöte  8’

19​ Flöte Travers  8’

20​ Octave  4’

21​ Fernflöte  4’

22​ Rohrflöte  4’

23​ Octave  2’

24​ Mixtur 4f.​ 1 1/3’

25​ Cornett 4f.  8’

26​ Trompete  8’

Pedal C-f

 

27​ Untersatz 32‘

28​ Principal 16‘

29​ Violon 16‘

30​ Subbaß 16‘

31​ Octave  8‘

32​ Violon  8‘

33​ Bourdon  8‘

34​ Octave  4‘

35​ Posaune16‘

36​ Trompete  8‘

Nebenregister

 

Koppel HW-Ped

(Ventilkoppel)

Schiebekoppel II/I


Tremulant auf Manualwerke

Forte/Piano-Pedal

(Sperrventil)

Sperrventile OW und HW

1843 -1845​ Orgelbau Johann Andreas Engelhardt

1992​​ Restaurierung durch Orgelbaufirma Rudolf Janke Bovenden

Klang & Akustik

Brillant, leichter Nachhall, samtig. Der Klang ist eine wunderbare Mischung aus Romantik und glitzernder Vorzeit.

Persönliche Note

Ich spielte dann ebenfalls die große, schöne, klassizistische und dennoch auch romantische Andreas Engelhardt-Orgel von 1845 mit 36 Registern in der evangelischen Nicolaikirche (ebenfalls 1845) in Herzberg im Südwestharz in Niedersachsen. Sie ist eine der wenigen klassizistischen Orgeln der Welt. Die große Kirche St. Nicolai ist hell, weiß, sauber, weiträumig, mit zarten Goldornamenten verziert. Dabei wirkt sie sehr edel, keineswegs kitschig, so auch die Orgel, die perfekt hineinpasst. Um die Orgel wurde ein Gitter zum Schutz gebaut, weil die Empore früher schmaler war und der Weg der Organisten nicht ungefährlich. Dieses weiße, filigrane Gitter blieb historisch erhalten. Zudem besitzt die zweimanualige Engelhardt-Orgel, die größte besterhaltenste (die große dreimanualige in Goslar (Niedersachsen) wurde leider als „abgängig“ bewertet und zerstört, was ich persönlich unmöglich finde; jedoch bekam diese Kirche dann eine schöne Schuke Potsdam Orgel) zwei Tritte beim Pedal, die die linke Seite der Register samt Koppeln und Zungen „abstellen“ kann. Dies ist besonders, ich habe so etwas noch nie gesehen. Obwohl auch diese Orgel keinen Schweller besitzt und zudem wenig leise Achtfüße, kann man sehr schön hier Mendelssohn und Liszt, aber auch süffigen Bach spielen. Die Akustik ist nicht zu trocken. Der Klang ist ausgewogen, warm, füllig und sehr angenehm. Die Tasten waren nicht immer ausgeglichen.
Im Museum des Welfen-Schlosses Herzberg ist Engelhardt ein eigener Museumsraum gewidmet und eingerichtet.
Dies war meine erste Engelhardt-Orgel. Danke an alle sehr netten Kantoren.

Unten im Saal steht auch eine sehr feine, italienisch anmutende Barockorgel von 1743 (Orgelbauer unbekannt), frisch renoviert und bemalt, ein wunderschönes Schmückstück, von Orgelbau Janke hervorragend betreut und restauriert. Ahrend und Janke sind geniale Firmen, was Restaurierung von Orgeln angeht. Hierzu braucht man enormes Geschick und Wissen. Ich bin froh, dass Orgelbau Ahrend vom Sohn Hendrik weitergeführt wird. Dieser weiß alles. Auch das singende Prinzipal der Schnitger-Orgel von Hamburg ist eine Glanzleistung von Hendrik Ahrend.

Niedersachsen ist ja sehr nah am heutigen thüringischen Harz, von dem wir gekommen sind. Hier im Westen (Westharz) ist viel Geld für Orgeln vorhanden. Jedoch im Südharz Thüringen/Sachsen-Anhalt sind viele Orgeln (annähernd die Hälfte aller Orgeln) zerstört oder unspielbar. Dies ist nicht hinnehmbar, finde ich. Ich hoffe, dass sich die jeweiligen Gemeinden (trotz massiver Säkularisierung) dazu entscheiden, das Geld zusammenzutrommeln, das für die Restaurierungen benötigt wird. Dazu braucht es Kraft, Zeit, Enthusiasmus, Ausdauer und vor allem Glaube.

Auf dem Weg nach Herzberg besichtigte ich auch die Schlosskirche von Klettenberg (Thüringen). Auch dort gab es einmal eine Orgel von Friedrich Knauf, die leider aufgrund von Baufälligkeit der Kirche (eingestürztes Dach) zerstört wurde, was einem in der Seele weh tut. Stattdessen steht nun ein Notbehelf (Keyboard) dort. Der Verein aber konnte zumindest einiges andere Wertvolle erhalten und die Kirche instandsetzen. Die ehemalige achthundertjährige Grafenburg wurde leider auch zerstört. Dort ist nicht mal mehr ein Schild des Denkmalschutzes aufgestellt, was eigentlich eine Schande ist.

In Klettenberg gibt es auch ein Gehege mit Rehen, Hirschen, Enten, Gänsen, Albinorehen, Muffelböcken etc. Die Gegend insgesamt ist von Karst geprägt (verwittertes Gipsgestein) mit romantischen Senken und kleinen Seen. Überall sind Pferde und Kühe glücklich auf sehr großzügigen Weiden.

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