Strebel-Knauf Orgel St. Petri

in Liebenrode Hohenstein

Orgelbauer:

Johannes Strebel

Baujahr:

1904

Datum des Erstbesuchs:

24. September 2021

Disposition und Spielhilfen

Strebel-Orgel St. Petrus Hohenstein

Evangelisch St. Petri Liebenrode, ehemals Grafschaft Hohenstein in Nordthüringen, Vorharz, Südharz, Germany
Historisches Gehäuse Friedrich Knauf 1835, Johannes Strebel 1904 (aus Königsberg, Unterfranken), 2019 frisch restauriert eingesetzt von Thomas Hübener, mit Knaufpfeifen (stumm), also Pfeifen von Knauf stumm im Prospekt.
Soli Deo Gloria

Hauptwerk I

 

01​ Principal  8‘

02​ Gedeckt  8‘

03​ Gamba  8‘

04​ Octave  4‘

05​ Hohlflöte  4‘

06​ Octave  2‘

07​ Mixtur III2 2/3‘ + 1 3/5

Nebenwerk II

 

08​ Flauto amabile  8‘

09​ Salicional  8‘

10​ Quimtatön  8‘

11​ Gemshorn  4‘

Pedal C-d‘

 

12​ Subbaß 16‘

13​ Gedacktbaß 16‘

14​ Violon  8‘

Koppeln:

I – P , II – P , Sub II I

1904 Orgelneubau Orgelbaufirma Johannes Strebel Nürnberg am ursprünglichen Standort in Königstein (Oberpfalz) , St. Georg – 2019 Verlegung und Installation der Orgel nach Kirche St. Petrus Hohenstein, Liebenrode, und von Thomas Hübener restauriert. Orgelsachverständige wollten die Orgel zuerst ablehnen.

Die Kirche ist nicht im Krieg zerstört worden, sondern zu DDR-Zeiten zerfallen. Gottesdienste fanden nur noch im Pfarrhaus statt. In der Kirche lag teilweise über ein Meter hoch Schutt. Als die Pfarrerin Sabine Werner 1988 als junge Vikarin ins Grenzgebiet kam, sah die Kirche schlimm aus. Die Worte des damaligen Superintendenten an ihren Mann und sie waren damals: „Lasst euch nicht einfallen, an der Kirche etwas zu machen, wir wissen nicht, ob wir sie als Ruine erhalten können.“ Sie haben sich nicht daran gehalten, Gott sei Dank! Aber von der damaligen Knauf-Orgel war nur wenig übrig.

Klang & Akustik

Wunderbar klarer Klang in trockener Akustik. Ich bin wohlbehalten in Liebenrode/Thüringen gelandet. Nordthüringen, Grafschaft Hohenstein, Vorharz. Überall Pferde und Rehe und gute Luft. Nah ist die Grenze zu Niedersachsen und Bad Sachsa (Wander-Kurort), wo wir chinesisch essen waren. Und der weiße „Sachsenstein“ (Gipswand, auf denen dunkelgrüner Wald wächst). Früher gab es hier Stacheldraht und Hunde und Mienen zum Westen, und Leute durften ihre eigenen Verwandten nicht besuchen. So erzählte es mir der Einheimische, Manfred. Die Kirche St. Petri ist wunderschön. In das historische Gehäuse der Knauf-Orgel wurde vor kurzem die frisch renovierte Strebel-Orgel gesetzt. Ich wohne in der süßen Ferienwohnung direkt 30 m daneben. Die Gegend ist nett, unterwegs von Kassel sah man den mystischen „Brocken“ im Nebelglitzer. Knauf und Strebel, was für eine schöne Mischung, kenne und schätze beide sehr. 2 Manuale, bunte Registerkippschalter ala Späth und Walcker, eine malerische kleine Kirche mit samtiger Akustik.

Persönliche Note

Eine Fränkin an einer fränkischen Orgel in Thüringen! Nordthüringen, Südharz! Orgelbauer Strebel aus Nürnberg
Ich bin in Nürnberg geboren und spiele an einer Nürnberger Orgel mit original Nürnberg-Strebel-Spieltisch nun in Nordthüringen
Knauf ist aus Thüringen (bei Gotha).

Hier treffen Thüringen und Franken aufeinander, im wahrsten Sinne des Wortes!
(Die Ratsherren waren auch befreundet damals schon.)
Dohlen und Turmfalken sind zu hören
Romantische Orgel, Orgelführung, Orgelvorstellung.

Das Konzert in Nordthüringen war schön heute und gut besucht. Es wurde aufgenommen, Blumen, Zugabe, sonniges Wetter, danach für alle leckere Happen zu essen und Sekt. Das historische Gehäuse von Friedrich Knauf (1835) wurde (wie die Kirche) im Krieg zerstört, und die Orgel von Johannes Strebel von 1904 (Königsberg, Unterfranken) wurde 2019 frisch restauriert eingesetzt von Thomas Hübener, mit Knaufpfeifen (stumm), also Pfeifen von Knauf stumm im Prospekt. Thomas Hübener war heute auch da im Konzert. Er hat bei Orgelbau Schulze gearbeitet (gibt es leider nicht mehr), sein Gesellenstück ist in der Schulze Orgel in der evangelischen Kirche St. Marien in Torgau zu finden. Mein Papa kommt aus Torgau.
Orgelbauer Johannes Strebel (eine Orgelbau-Dynastie) aus Nürnberg hat sehr gute Qualität geliefert. Das malerische Königsberg hat eine neue große Mühleisen bekommen.
Ich bin in Nürnberg geboren und spiele an einer Nürnberger Orgel mit original Nürnberg-Strebel-Spieltisch, aber in Nordthüringen.

Die Orgel-Dynastie Knauf ist aus Thüringen (bei Gotha). Hier treffen Thüringen und Franken aufeinander, im wahrsten Sinne des Wortes. Ich finde die unterfränkischen Dörfer ähnlich malerisch wie die  thüringischen Dörfer. Matthias Grünert (Frauenkirche Dresden) spielt hier nächste Woche und übernachtet in der gleichen Pension wie ich. Die Pension ist ein ehemaliges Rittergut. Ich habe die Tiere auf dem Land des Ritterguts gleich ins Herz geschlossen: Nele (Labrador), hübsch gescheckte kleine Mamakühe mit Kälbchen (erst eine Woche alt), direkt neben meinem Schlafzimmer, Hühner mit Riesenhähnen, Kätzchen; habe selten so schöne Kühe gesehen. Sie sehen aus wie aus dem Bilderbuch.

Dohlen und Turmfalken sind zu hören, wenn man die schöne Kirche St. Petri betritt.
Ihre romantische Orgel ist auch sehr gut geeignet für Bach.
Der Südharz mit seinen Eichen, Wiesen, Seen, Bauernhöfern und Hügeln gefällt mir gut. Mylius (Dichter) kommt von hier.
Natürlich war die Orgel sehr überrascht, mich zu treffen. Dort hat noch nie jemand Liszt oder den Thüringer Ritter oder „Pandemic Dance“ gespielt. Erst durch solch eine „Feuertaufe“ kommen Dinge bei der Orgel ans Licht, die noch nicht stimmen, gut, dass der Orgelbauer da war. Die Orgel muß erst wieder repariert werden nach meinem Konzert. Mal sehen, ob sie rechtzeitig fertig werden, bis Matthias Grünert kommt. Sie haben gleich angefangen nach meinem Konzert.
Solche Orgeln in direkter Akustik (wenn Publikum da sitzt, ist die Akustik so direkt wie im Wohnzimmer, man hört alles – kein Nachhall) sind schwerer zu spielen als große Orgeln in großen Kirchen mit Nachhall. Die Klais-Orgel in Neckarsulm oder die Walcker Orgel im Ulmer Münster sind im Vergleich dazu so angenehm wie Honig zu spielen, denn die mächtige Akustik umschmeichelt jeden deiner Klänge. Man kann da gar nicht schlecht spielen.

Doch in einem Wohnzimmer zu spielen ohne Nachhall, ohne Setzer, ohne Nummern, ohne Schweller, das ist Kunst, eine Kunst für sich. Denn es gibt ja kein Pedal wie am Flügel.
Manches klingt auch etwas kautzig. Aber ich liebe Herausforderungen und sowohl die großen als auch die kleineren Orgeln. Ich habe Liszt Weinen, Klagen, Sorgen, Zagen hier zum ersten Mal gespielt (vor drei Tagen begonnen). Sicher eine Revolution.
Heute in Nordthüringen.
Morgen in Nordbaden. Morgen muss ich wieder früh aufstehen: Konzert in Mannheim.

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