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Tourblog

Ich hatte immer zu viel zu lernen, um etwas ganz zu lernen. (Caroline Herschel)

Deutsche Astronomin.

Oben: Vestenbergsgreuth, Hoffmann Orgel

Mein Bein ist abgeschwollen. Gott sei Dank! Danke für eure Gebete. Gott bringt mich zum Staunen. Noch am Abend gestern habe ich geübt, als ich vom Krankenhaus zurückkam. Die Ärzte waren deswegen so vorsichtig mit mir, weil sie gewusst haben, dass ich Musikerin bin. Es tut zwar noch weh, wo reingeschnitten wurde unter dem Knie, mein Fuß sieht aus wie ein kleiner Pumuckl-Fuß und mein Knie ist noch etwas dick. Aber alles kühl und weiß, es ist kein Vergleich zu gestern (rot und heiß). Das reimt sich…

Daraus habe ich gelernt: Auf Gott vertrauen, auf das eigene Herz hören ist manchmal mehr als auf Experten hören. Auch wenn die genial sind. Experten, egal ob Ärzte, Richter, Lehrer..  leben auch „nur in ihrer eigenen Welt“. So wie ich. Die Welt aber ist groß. Und vor allem Gott ist groß.
Er hat mir geholfen.
Am Freitag nehmen sie in der Hautklinik das Pflaster und die Fäden weg. Dann sehen sie ja selbst, ob alles ok ist. Wie es wohl unter dem Pflaster aussieht? Bin neugierig und darf nicht schauen. 
Dass ich nicht baden darf, ist schlimm. Wer hätte gedacht, dass ich so verletzlich bin und auf dumme Keime reagiere?

Es fällt mir immer mehr auf: Alles ist geistlich. Es gibt in diesem Leben nichts, was nicht geistlich ist. Das Leben ist nicht nur manchmal oder „ein bisschen“ geistlich oder nur in der Kirche oder wenn wir uns grad so fühlen oder im Abendmahl – nein. Es ist nie nicht geistlich, keine Entscheidung, kein Streit, jeder Atemzug, dass wir überhaupt existieren. 

Heute viel geübt. Morgen am Donnerstag fahre ich mit Pflasterbein zum Konzert Richtung Osnabrück, da werde ich abgeholt von den Veranstaltern.

Ich lese Eugen Fink. Er schreibt zwar recht blumig, wie es damals eben üblich war, aber gut. Er schreibt über „Spiel als Weltsymbol“.  Über „Abständigkeit“, über Philosophie. Ich mag ihn. 1960 waren „Gelehrte“ näher am Staunen und an der Demut als heute. Was gibt es nicht gerade in der Musikwissenschaft heutzutage für grässliche Gestalten, für die Staunen, Gott, Kunst und Demut Fremdwörter sind.
„Alles, was überhaupt ist, ist schon in seinem Seiendsein wunderbar und rätselhaft“ (Eugen Fink). Seiendsein. Wie schön. Wer schreibt heute solche Sätze in der Geisteswissenschaft, die unfassbar atheistisch geworden ist und die einfachsten Erkenntnisse nicht mehr hat?

Zwei neue Videos:

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Neu: Orgel-Information:

Ein Bilderbuch ist die erste Galerie, die ein Kind besucht. (Kveta Pacovska)

Tschechische Kinderbuchillustratorin.

Heute war alles total anders. Ich hatte eine entzündete Wunde am linken Bein (superinfiziert = Bakterien), und mein unteres Bein (Wade, Fuß) war angeschwollen! Die Hautärztin sandte mich in die Hautklinik = Uniklinik = Krankenhaus!! Das zerstörte komplett meinen Tag. Und auch nicht. Ich habe so viel gesehen und erlebt und gelernt. Es wurde mir Blut abgenommen, um meine Entzündungswerte zu messen (Horror – aber die machten das top!) – meine Werte waren sehr gut, dennoch wollten sie mich dabehalten. Ich sollte 5 Tage mit Antibiotikum über die Vene bleiben! Ich sagte, das geht gar nicht. Also bekam ich Antibiotikum als Tabletten, oral bei weitem nicht so stark. Wird es nicht besser, muss ich kommen und bleiben. Bitte betet für mich, dass ich sehr schnell ganz gesund werde. Und sie öffneten den Entzündungsherd, eine kleine rote Fläche unter dem Knie. Das ist eine kleine OP ohne Narkose (mit Eisspray-Narkose). Es kam aber kein Eiter, nur Flüssigkeit, das ist gut. (Deswegen ließen sie mich (ungern) gehen.) Das sind nur Hautkeime. Das Bein war dadurch sofort entlastet und kühlte ab. Aber die Infektion ist dadurch nicht sofort weg. Bitte betet, dass mein Bein abschwillt. Worst Case: Blutvergiftung. Sehr gefährlich. Der Schnitt in die Entzündung wurde in der chirurgischen Notfall-Station gemacht! Da die Hautklinik kein Risiko eingehen wollte (Knie). Das ärgerte die Ärzte in der Notfallaufnahme, in der die Hölle los war. Ich passte da gar nicht hin. Aber die machten das perfekt und waren lieb zu mir. Bitte betet, dass keine Narbe zurückbleibt.
Ich habe noch nie eine Unfall-Chirurgie erlebt. Ich stand da mit offenem Mund. Was die leisten. Enorm. Was das für Menschen sind. Absolut bewundernswert. Völlig andere Welt. Ich saß nicht im Wartezimmer, sondern stand einfach innen und sah mir alles an. Es war wie im Film. Ich stellte viele Fragen. Es war so interessant.

Oben: Bittner Orgel

Neu:

Orgel Vlog AHS – Hey Orgel Burghaslach, Franken, ev. St. Ägidius

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Burghaslach

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Contrapunctus 1 KUNST DER FUGE

zu meiner CD

Entscheidungen zur Interpretation:

Moderner Flügel

– Pedaleinsatz: Ja (für Brillanz) oder grundsätzlich Nein oder Zwischenvarianten: An gewissen Stellen „erlaubt“ (Sprüngen, großen Griffen, Betonung, singuläre Momente, Hervorhebung… ).

Gerade Männereinspielungen mit großen Händen können leichter auf Pedal verzichten. Zudem spielen Akustik und Instrument eine große Rolle.

– Artikulation: Wie soll bereits das allererste Thema (Contrapunctus 1) artikuliert werden? Deutlich abgesetzt, weich abgesetzt? Oder eher portato? Denn so muß das Thema durch den gesamten Contrapunctus, im Grunde durch das ganze Werk eingehalten werden. Wie werden demzufolge die Viertelnoten, wie die Achtelnoten artikuliert? Nonlegato? Gebunden? Eher spitz? Wie die Gegenstimmen im Dialog oder Kontrast zum Thema? Wie die Themeneinsätze und Gegenmotive? Wie werden Punktierungen, Synkopen und Triolen artikuliert? Was ist leggiero, was luftig?

– Themeneinsätze

Wie und in welcher Klangschattierung werden die neuen Themeneinsätze in allen Stimmen wiedergegeben (Dynamik)? Wie werden did. einzelneren „Gestalten“ interpretiert? 

– Tempo

Welches Grundtempo wird gewählt? Dieses muss durch das Werk im Groben eingehalten werden, ohne massive Schwankungen, Accelerando, Ritardandi.

– Spielen Zahlensymbolik oder vertonte Bibelverse bei der Interpretation eine Rolle? Wird das Werk als geistliche oder absolute Musik aufgefasst? 

– Fingersätze und Klang

Die Fingersätze sind extrem wichtig, und sie entscheiden viel über den Klang und Gleichmäßigkeit: Wird Fingerwechsel bevorzugt, viel oder wenig Daumeneinsatz, für Klang der vierte Finger?

Wird sogenannter „alter Fingersatz“ verwendet?

Mit welchen Fingern wird getrillert? Wie Sechzehntelläufe besetzt?

– Triller mit oder ohne Nachschlag?

– Puls und Schwingung 

Wie schwingt das Werk in seinen Werkgrößen, was Diminutionem, Augmentationen, Vorwegnahmen, Spiegelungen, Climax, Rhetorik?

– Wie geht man insgesamt mit der stetig wachsenden Komplexität und Chromatik um? Wie wird gesteigert? Wie interpretiert man hier selbst? (Nachwehen, Abbruch, Kanon, Parallelen, Abbruch)

Für mich waren Herausforderungen immer Anstöße für Leistung. (Angela Titzrath)

Deutsche Managerin.
Oben: Hoffmann Orgel Vestenbergsgreuth, Mittelfranken

Ich freue mich auf Luzern mit Vierne, und auf das Konzert am 6.1., es findet statt. Wenn schon so viel wegen Corona ausfiel, freue ich mich, wenn etwas stattfindet.

Die zweimanualige, kleine Fa. Hoffmann-Orgel im mittelfränkischen Vestenbergsgreuth (oder einfach Greuth genannt) in der Nähe von Neustadt/Aisch, eine kleine, reiche, eigenständige Gemeinde mit eigenem Bürgermeister, ein reiches Dorf, besitzt eine sehr hübsche evangelische Kirche. Es ist die Schwestergemeinde von Schornweisach (Muttergemeinde). Hier gibt es wie in Schornweisach ca. 400 Einwohnerinnen. Der Ort ist bekannt durch den Fußball (Greuther Fürth) und die große Teefabrik, die wie eine Stadt in einem Dorf wirkt. Unter anderem ist dort Meßmer Tee. Es gab in der Gegend folgenden Beschluss: Cuius regio eius religia. Jedes Dorf musste also die entsprechende Religion annehmen, hier meist evangelisch. Aber um Scheinfeld, Breitenlohe und Geiselwind herum kommen auch katholische Dörfer hinzu. Wir haben hier im Gottesdienst gespielt.

Kleinweisach: Fränkisches Dorf bei Neustadt/Aisch, Mittelfranken. Die hübsche, original erhaltene Orgel besitzt zwei Manuale, auf der Westempore der Kirche dicht unter der Decke, freistehender Spieltisch, fünfteiliger Prospekt, reich verziert, nur ein Teil mit klingenden Pfeifen (sonst Blindpfeifen, die nicht klingen), aber um einiges größer als die Strebel Orgel in Altershausen. Gleich ist, dass die Blickrichtung vor dem Gehäuse zum Altar führt, der 2013 renoviert wurde.

Wenn man mich fragt, warum ich die Landeskirche mehr schätze als die Freikirchen: In den Freikirchen wird pausenlos über Jesus geredet und die Bibel zitiert, inflationär, aber die Leute sind oft hartherzig, heidnisch und unberührt. In der Landeskirche wird viel zu selten von Jesus geredet. Viele Menschen wissen gar nichts von Jesus. Es wird alles mögliche gepredigt. Aber wenn dann eine Bibelstelle vorgelesen sind, beinahe nur wegen der Tradition, dann trifft die Wahrheit jedesmal mein Herz, es zucken wie „geistliche Blitze“ durch die Kirche – denn alles, was Gutes in der Landeskirche geschieht, kann gar nicht durch Menschen geschehen, es geschieht durch Gott.

Oliver Duymel aus Zweibrücken war auch extrem unzuverlässig, für die Konzerte zu zahlen. Es gibt solche Leute, die einen einfach dreist anlügen und scheinbar zu geizig sind, sich an Abmachungen zu halten. Glücklicherweise hat der Pfarrer dann reagiert und ist eingesprungen. Gut, dass so etwas sehr selten ist, dass jemand das Blaue vom Himmel verspricht und dann bewusst nicht überweist. Sonst könnte ich keine Konzerte spielen.

Ich bin nicht die erste Frau, die mehrere Aufgaben hat, die arbeitet und ein Baby bekommt. (Jacinda Ardern)

Bin wieder daheim.
Oben: Neuseeländische Politikerin.
Heute erinnere ich auch an Elizabeth Warren, Politikerin, und Isabel Mundry, deutsche Komponistin.

Neu: César Franck an der Strebel Orgel

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Ein ganzes Jahr wieder durchgeschrieben. 

Alte Kalender weg. Neue aufgehängt. Ich schaue jeden Tag eine Folge von The Chosen. Mir fiel heute auf: Jesus liebt die Dummen und die Klugen. Er meidet die Dummen nicht. In seiner Nähe bleibt niemand dumm. Judas wird hervorragend dargestellt. Jesus wird als sehr unabhängig dargestellt. Das gefällt mir. 

Ich habe auch Hape Kerkerlings Buch „Ich bin dann mal weg“ gelesen. Der Gute hat geistlich nun gar nichts dazu gelernt. 

Wenn man mehr über Registrierung lernen möchte, empfehle ich jedem: Registrierungen aufzuschreiben. Per Hand. Oder per Computer. Es hilft so, wie wenn man Texte in einer fremden Sprache einfach abschreibt. Oder Noten. Das hat ja Bach ebenfalls sehr geholfen. 

1.1.2022, fränkische Orgelreise. Ich finde es wichtig, die Orgeln in ihre Geschichte mit der Kirche und dem Ort einzuflechten. Pretzdorf ist ein ruhiger, kleiner Ort in Franken bei Neustadt/Aisch. Orgelbau Bittner war in Nürnberg und Eichstätt sehr bekannt und war von 1800 bis 1990 tätig. Die kleine süße Bittner-Orgel (1 M) auf der Westempore von Ferdinand August II, unter der Decke mit kleinem, schlichten, dreiteiligen Prospekt, Schnitzwerk und freiem Spieltisch mit Gesicht zum Altar, ist oho. Sehr klingende Register, kräftig und fein, mechanische Schleifladen-Orgel, auf dem Dachboden der Doppelkeilbalg. Unverbaut, authentisch und direkt im Klang. August Ferdinand II hatte die Firma von seinem Bruder Johann Michael 1871 übernommen. Schwarzer besonderer Schiebedeckel an der Orgel (klemmt etwas), schöne Schweif-Schrift (erinnert mich sehr an die Schrift Blüthner auf den Flügeln), sehr natürlich behauene Steinbänke und alte, historische, gefährliche Treppen mit glatten, ausgedienten und engen Stufen. Die Kirche wurde Mitte des 19. Jahrhunderts renoviert: Drei gotische Fenster, Fenster vergrößert, der Bogen erweitert. 1984-1989 wurde die Kirche renoviert. Seit 1988 gibt es ein schönes Eichenholzrelief von Clemens Heinl: Kreuzigung, die Evangelisten, Martin Luther.

1250 begann die Kirche, 1250 und 1282 erste Erwähnung, 1486 wurde sie (“ewige Pfründe”) so errichtet, wie wir sie heute kennen. Kanzel und Taufstein stammen aus dem Jahr 1606. Im Schiff der Kirche befinden sich gemauerte Grüfte. Der blaue Taufstein ist wunderschön mit biblischen Schnitzereien (Das Leben Jesu).

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Dann die geniale Strebel-Orgel in Altershausen:

Oben: Bittner Orgel Pretzdorf

Neu: Orgel-Information: Alle drei sind jetzt fertig:

Bittner Orgel Pretzdorf, Franken

Strebel Orgel Altershausen, Franken

Phantastische Strebel-Orgel, meine fünfte Strebel: Wunderschöne evangelische Kirche (Urkirche aus dem 15. Jahrhundert) mit historischer, einmanualiger Strebel-Orgel hier in Franken bei Neustadt/Aisch. Es ist eine schöne halbpneumatische Strebel-Orgel. Manual: Mechanische Kegellade. Pedal: Pneumatische Taschenlade. Das ist sehr besonders. 1730 gab es die erste Orgel: eine Münchsteinacher Kirchenorgel. 1896 wurde die Strebel-Orgel angekauft.

Ich liebe den Klang der süddeutschen Orgeln. 1986 wurde die Orgel von der Firma Thonius aus Roßtal restauriert. Ein schöner Altarraum mit barocker Kreuzigungsgruppe, an der Wand Reste der ehemaligen Chorraumbemalung. Neues Holz-Lesepult. Die ganze Kirche ist eine der niedlichsten, drolligsten in Franken überhaupt. Ein sehr lieblicher, kleiner Weihnachtsbaum nur mit Strohfiguren geziert, ohne Kugeln. Sehr geschmackvoll. Daneben eine Krippe wie von Kindern gemacht, mit kleinen dicken, weichen Puppenfiguren, wie aus einem Bilderbuch, absolut adorable. Man muss lächeln. Alles wirkt wie eine Kirche aus Bullerbü.

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Ich würde lieber einen sinnvollen Tod sterben, als ein bedeutungsloses Leben zu führen. (Corazon Aquino)

Beliebte und kluge Politikerin aus den Philippinen. Heute erinnere ich auch an Louise Bourgeois, Künstlerin aus New York City, die sich in Kunst-Lobby durchsetzte. (Ich muss ja nicht erwähnen, welches Geschlecht die Lobby bis heute dominiert.)

Oben: Steinmeyer Orgel Rothenburg/Tauber

Es war ein sehr schöner erster Tag der Jahres 2022: Ein Orgel-Tag läutete das neue Jahr ein. Was für eine schöne Zahl, 2022. 1.1.2022. Katharina, Kantorin in Schornweisach, die wie ich in Nürnberg geboren ist, hat mir folgende wunderbare Orgeln hier in Franken zwischen Würzburg und Nürnberg gezeigt:

Zuerst waren wir im fränkischen Uehlfeld an der Aisch in der ev. Jakobskirche (früher Gallus-Kapelle, Mönch Gallus 1550) an der schönen romantischen, historischen Strebel-Orgel (Nürnberg), zwei Manuale. Die Kirche liegt malerisch im Ort. Uehlfeld in der Nähe von Neustadt/Aisch ist bekannt für seine vielen Störche. Und tatsächlich, wir sahen direkt an der Kirche ein wunderschönes großes Storch-Ehepaar. Ich habe das symbolisch genommen. Sie haben auf dem Dach des Nachbarhauses zur Kirche ein großes Nest gebaut. Da die Aisch auch jetzt wieder über die Ufer getreten ist, liegt die Seenlandschaft perfekt mit Fröschen für die Störche da. Die hübsche Kirche hat hellblaue Emporen und rote Bänke. Sie ist wunderschön und liebevoll geschmückt mit Weihnachtsbaum, Krippe, Kerzen, Schmuck. Alle die (unter)fränkischen evangelischen Dorfkirchen sehen aus wie Schmuckstücke. Die Orgel besitzt die Form einer Ziehharmonika, weiß-gold-blau. Ihre schönen romantischen Farben habe ich für Cesar Franck genutzt. Obwohl sie keinen Schweller und natürlich keine Setzeranlage besitzt, singt die Orgel warm und flirrend in den oberen Lagen. Die vier Spielhilfen klemmten etwas, das ist oft das Problem mit historischen “Setzern” wie p, mf, f, und ff. Sie sind oft nicht verlässlich, klemmen und sperren sich, wenn man sie schnell hintereinander verwenden möchte. Man muss also sehr vorausschauend spielen. Es ist meine vierte Strebel-Orgel. Ich liebe die fränkischen Strebel-Orgeln.

Wunderschön sind die leisen, warmen Klänge, Dolce, aber auch die kräftige Rauschquinte. Alle Sounds sind lieblich, manchmal leicht heiser, was ihr etwas Sprechendes, Verletzliches, Zartes gibt, als wäre die Orgel ein Werk, ein Wesen mit Seele – was sie ist. What she exactly is.

Besondere rosa-weiße Registerknöpfe. Schöner Altar und Deckengemälde. Ganz gerades Holzpedal. Die Engel an der Orgel singen: Alles, was Odem hat, lobe den Herrn. Gepflegte Friedhöfe und Brunnen. Es war ein sehr schöner erster Tag der Jahres 2022.

Erster Tag des Jahres 2022: Wir fuhren dann nach Burghaslach an der Haslach nah bei Neustadt an der Aisch zur evangelischen St. Ägidius Kirche. 1903 wurde die Kirche umgestaltet. Dort ist eine schöne Wolfgang Hey-Orgel von 1982 mit zwei Manualen, ca. 28 Register, also etwas größer, ohne Schweller. Hier spielten wir Valentin Rathgeber mit zwei Altblockflöten und Orgel, es machte Spaß. Ich mag den Klang einer Altblockflöte, lieber als Querflöte. Altflöte ist irgendwie wärmer. Als Kind mochte ich Blockflöte nicht. Ich erinnere mich, dass wir einmal unsere Flötentasche in der S-Bahn vergaßen und das Drama danach – sie sind aber wieder aufgetaucht (niemand wollte sie leider). Aber jetzt mag ich den Klang von Blockflöten. Er hat so etwas Liebes, Unschuldiges. Die Luft in den unterfränkischen Dörfern ist irgendwie so ganz anders als in der Stadt. Es riecht nach Regen, Bauernhof, Blut und Weite.

In Neustadt/Aisch habe ich schon 5x Konzerte gespielt. Ich mag diese Gegend hier sehr.

Anschließend fuhren wir zu den Orgeln in Pretzdorf (Bittner Orgel), Altershausen (Strebel Orgel), Vestenbergsgreuth (Hoffmann Orgel 1963, Gottesdienst), Kleinweisach (Strebel) und noch mal Schornweisach (Wiegleb). Darüber berichte ich morgen.

Neu: Orgel-Information: Strebel Orgel Franken:

Strebel Orgel Jakobskirche Uehlfeld

Hey Orgel Burghaslach, Franken

Strebel Orgel 1907

Wir verschwenden zu viel Zeit damit, uns zu fürchten, während wir eher fürchten müssten, zu viel Zeit zu verschwenden. (Stephanie Shirley)

Willkommen, liebes Jahr 2022. Vielen Dank für allen Segen, alle Hilfe, Gebete, Geschenke und Sponsoring. Vor allem auch ganz überraschende. Merci! Gott segne euch und segne alles! Bitte betet für mich, ich kann es gebrauchen. Heinrich Schütz-Jahr 2022. Kultureller Gedächtnisort.

Das Jahr endete mit wunderschönem Sonnenuntergang, da es ein sonniger Tag war, und mit schönem Gottesdienst mit Kerzen und Schmuck und Beichte, womit das neue Jahr auch begann: Mit Wiegleb Orgel, Dankliedern, Glocken und Feuer. Feuer in einer alten Waschtrommel auf einem feuerfesten Platz im Garten. Durch die Löcher leuchtete das Feuer und bog sich wunderschön im Wind. Dazu gab es Blasmusik, Fackeln, liebe Menschen und Sekt. Zuvor leuchteten noch die Sterne über dem Friedhofs-Nachthimmel. Vereinzelt Feuerwerk. Sonst ruhig. Und Raclette ❤️ Die hübsche weiße Kirche in Schornweisach in einem gepflegten Friedhof wurde im Gottesdienst an Silvester 2021 in allen Farben angestrahlt bis zum nächsten Abend.

Stephanie Shirley (siehe Zitat) nannte sich “Steve”, um in der Männer-Branche IT schneller Fuß zu fassen. Wahrscheinlich würden Neider dies “Betrügen” nennen, genauso wie bei mir mein Kopftuch. Dabei ist völlig klar, dass es ein Armutszeugnis für die Männerwelt ist, dass Frauen zu solchen Mitteln greifen müssen. Und auf der anderen Seite ein Brillanz-Zeugnis für Frauen.

Sehr interessant ist das Buch “Unterwerfung der Frauen” von John und Harriet Mill  – das Ehepaar hat das Buch gemeinsam geschrieben, bei Reclam 2020 ganz neu erschienen. Es geht um die Geschlechterfrage. Früher wurden die Gedanken nur John zugeschrieben (wie oft in der Geschichte wird es so gewesen sein, dass wichtige Gedanken, Kunst, Ideen und Talente statt den entsprechenden Frauen allein Männern zugeschrieben wurden? Männern aus ihrem nahen Umfeld).

Meine Noten zu meinem Orchesterwerk LICHTUNG kommen 2022 heraus!

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31. Dezember 2021

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6 Kommentare
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Mögen Spötter ihrer Schlangenzungen, Zweifler ihres Flattersinns sich freun. (Hölderlin)

Gesegneten Rutsch ins 2022! Shalom 2022!

In den Kirchen leben nicht die Kirchenmäuse, sondern die Schlangen. Unbewaffnete Seelen beißen sie besonders gern.

Doch Gott segne das neue Jahr, 2022, so dass (unbewaffnete) Seelen mit seinem Geist bewaffnet sind und in Frieden leben können. 

Oben: Mühleisen Orgel Hamburg 

The Chosen bringt wunderbar rüber, wie die Bibel entstanden ist, mit klugen und weisen Rückblenden und Querverweisen zurück und vor. Es hilft, die Bibel zu kennen. Der Film macht Lust auf die Bibel. Jesus war auch in Syrien. Syrien ist heiliges Land. Wie hätte er wohl auf mich reagiert, wenn ich in seiner Zeit gelebt hätte? 3 Jahre ihm zu folgen, mit ihm zu reisen – es wäre das Schönste und Wichtigste auf der Welt gewesen. Jonathan Roumie  spielt Jesus, es ist 47 und aus den USA.

Ich lese weiter über Emilie Mayer. Ihre Werke sind noch immer kaum Bestandteil des männlich-dominierten Musikbetriebs. Warum? Woher kommt die Scheu und Furcht vor weiblichem Talent, vor weiblicher Konkurrenz? Warum suchen Männer Privilegien und Vorteile über Frauen? Fühlen sie sich nur dann wohl? Emilie wurde 1883 begraben; erst seit August 2021 (!) wurde ihr Grab als Ehrengrab in Berlin erklärt. Eine weitere Komponistin dieser Zeit: Aline Hundt, Dirigentin! 1872 in Berlin gestorben. 

Ich lese Martin Bubers “Stationen des Glaubens”. Glauben ist Vertrauen. Nicht blindes, sondern sehendes Vertrauen. Nicht passives, sondern kühnes Vertrauen. Er schreibt von Mose im Wunderfeuer. Ich möchte auch gern “Stationen des Glaubens” schreiben. Meine Stationen des Glaubens.  – Ich sammle die schönen Insel-Bücher mit ihren bunten Rücken.

Heute erinnere ich an Stephanie Hummer, 18, von einem Mann ermordet. Sandra Newton, 16, von einem Mann ermordet. Darlene Carlson, 23, von einem Mann ermordet. Ich werde 2022 die unheimliche, große Anzahl ermordeter Mädchen und Frauen (meist Sexualmorde), Femizide, weltweit durch Männer begangen, aufdecken.

Was auch immer das Fernsehen an Krimis bietet – es ist nichts gegen True Crime. Alle Krimihersteller im Fernsehen mit ihren unrealistischen Stories sollten sich mit True Crime beschäftigen.

Die Silvester-Konzerte fallen aus, aber der Gottesdienst um 18 Uhr findet statt. 

Neu: Das letzte spanische Video aus dieser Serie:

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Bach Fuga G minor
Winter. Vinterstämning. Öppen Spis – Späth Orgel, Konzertmitschnitt, Dank an Prof. Gerhard Schmidt 

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Wenn es Sie nicht geben würde, müsste man Sie erfinden. (Armin Langer)

Über mich.

Heute erinnere ich an Priyanka Chopra, indische Schauspielerin, und an Simone Young, Dirigentin aus Australien.

Oben: Basilika Saarbrücken

Heute war ich beim Frisör. 3 1/2 Stunden. So lange war ich noch nie beim Frisör. Ist ein guter Freund von jemand, den ich kenne. Nicht, dass ich eine Frisör-Phobie habe. Aber ich gehe nicht oft. Da hat er mit mir geschimpft, weil ich mich zu wenig um mein schönes, langes Haar kümmere. Er hat mich beraten. Jetzt sieht es wieder schön aus. Spitzen schneiden. Viel weg. Jetzt sind sie grad nur noch mal schulterlang. Gut, dass es schnell wächst. Kur drauf. Von einer schwedischen Marke. REF Stockholm. Duftet. (Hab ich jetzt daheim.) Schön geföhnt. Strähnchen: Erst mein 2. Mal, dass ich mich das getraut habe. Ich hatte sogar wegen den Schals und Teddypullis, die ich liebe, hinten etwas verfilzt gehabt. Also: Nicht waschen vor dem Schlafengehen. Schade. Irgendwie mag ich oft gerade das, was nicht geht. Abends baden und Haare waschen. Geht nicht. Mit nassen Haaren ins Bett. Geht nicht. Haare im Winter ohne Föhnen. Geht nicht. Chips essen. Geht nicht. Nachts aufbleiben. Geht nicht. Beim Frisör bin ich eingeschlafen, obwohl sie zu zweit an mir dran waren, er und seine Frau. Lustig, die zwei. Ich schlafe ganz still und leise und habe einfach die Augen zu. Und bin wirklich weg.

Zudem wurde ich eingeladen auf eine Spritztour durch Schweinfurt. Schweinfurt hat, obwohl leider total zerbombt worden, eine sehr hübsche Altstadt und noch alte Villen, Hinterhöfe, frühere Latein-Schulen, Kirchen, ein schönes Rathaus (1397, 1555, 1570-72), Friedrich Rückert- Denkmal. Es gibt sogar eine fränkische Bachlinie (Kantor Georg Christoph Bach, gestorben 1697). Das älteste Bauwerk, ev. St. Johannis, 12. Jahrhundert, besitzt ein wunderschönes Altarbild von Adolf Kleemann. Die Kirche ist hell, barocke Kanzel von 1694, Steinmeyer Orgel, vielfach verändert und zerstört worden. Sehr schön auch die ev. St. Salvator, mit dem Wetterengel oben: Bläst die Engelsposaune in die Stadt, gibt es gutes Wetter. Bläst die Engelsposaune aus der Stadt (dreht sich also der goldene Engel), gibt es schlechtes Wetter.

Hier im schönen unterfränkischen Schweinfurt bei Würzburg: Älteste bekannte Orgel in St. Johannis von 1570, von Hermann Raphael Rottenstein aus Zwickau. 1662 wurde sie abgelöst von einer Orgel von Matthias Tretzscher aus Kulmbach mit schönem, barockem Prospekt. 1867 komplett erneut durch Steinmeyer. 1911 gab es eine zweite Steinmeyer-Orgel, mit Rokoko-Prospekt aus Rothenfels am Main, nun auf der südlichen Querhausempore. Diese Orgel wurde im Zweiten Weltkrieg schwer beschädigt. Im Turm unter und neben der Uhr sind noch immer die Bombenkugeln-Einschlagslöcher zu sehen. So gab es 1951 eine dritte Steinmeyer-Orgel, die 1992 restauriert und vergrößert wurde.

Es war alles wie ausgestorben. Wir liefen an der alten Burgmauer entlang, am unteren Wall, am Main. Besuchten den alten schönen Schrotturm. Die Leute sagen: Wir sind zuerst in Unterfranken, dann in Bayern, dann erst in Deutschland. Warum ich so „preußisch hochdeutsch“ reden würde und nicht fränkisch? Hm. Ich kann schon. Aber meine Eltern sind ja keine Franken.

Wir besuchten auch ein Antiquariat. Es riecht dort so wundervoll nach alten Büchern. Ich liebe die Insel-Taschenbücher mit den bunten Rücken.
Am Ende waren wir viele Stunden im Georg Schäfer Museum. Hier habe ich mal vor Jahren gespielt am Flügel. Der steht noch da.
Das Museum ist toll. Es war 2+ oder geboostert. Wir haben den Test gemacht. Für Kunst schon.

Wir waren in der genialen Ausstellung über frühe Fotografie, genauer über Daguerreotypie. Der Franzose Louis Daguerre, 1851 gestorben, war ein interessanter Künstler, der herausfand, wie man Fotografie festhalten, also tatsächlich fixieren konnte. Vor dem Tageslicht retten. Er war zudem ein sehr guter Maler, aus armen Verhältnissen stammend. Er starb als sehr reicher Mensch. Diese alten Fotografien sind alle Kunstwerke. Wunderbar fand ich „Streetlife in London“ von John Thomson (Fotoserie), wie er das reale Leben abfotografierte als einer der ersten, Armut.
Es gab auch zwei wunderbare Malerinnen (ich suche immer nach weiblichen Namen). In dieser Zeit durften Frauen ja gar nicht lernen und malen. Daher findet man nur weibliche Ausnahmetalente. Nicht, dass es nicht genug weibliches Talent gab. Aber sie wurden beraubt und kleingehalten. Wie willst du mithalten können, wenn du das Handwerk nicht lernen darfst? Bin ich deswegen so sehnsüchtig, alles zu lernen, weil ich die Sehnsucht all dieser verflossenen Frauen in mir spüre, die beraubt worden sind?
Wie hätte ich ohne Wissen Organistin werden können? Talent alleine reicht nicht. Diese weiblichen Ausnahmetalente sind deswegen aussergewöhnlich, weil sie die Kraft hatten, sich gegen die Beraubung zu stellen. Das ist eine Extra-Gabe, zusätzlich zur Kunst. Manchmal muss dafür ein hoher Preis gezahlt werden. Diese Ausnahmetalente in dieser Show waren die wunderbaren Malerinnen Angelika Weiß (1797-1876, Kempten) und die Schweizerin Angelika Kauffmann (1741-1807) und Gabriele Münter (1877-1962, Berlin).

Meine Sache ist das Sehen, das Malen und Zeichnen, nicht das Reden. (Gabriele Münter, 1952)

Eine wunderbare Malerin (1877-1962). Sie hat lange gelebt in dieser Zeit. Die Fotos, wie die mit ihren Malsachen um 1900 herumläuft, finde ich berührend. Ihre Gemälde sind bunt und klagend. Sie lernte privat, war aus reichem Hause, lebte in Dänemark, Bayern und Berlin und war verlobt mit Kandinsky. Dadurch war sie im Netzwerk involviert (die Künstler des Blauen Reiters), auch mit der Malerin Lulu Lazard.

Kunst der Fuge:

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Neu: Das letzte Video aus der spanischen Serie:

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Bach Fuga g-Moll

Standesämter gehen mit der Zeit: „Hiermit erkläre ich euch zu Person und Person.“ (Czech/Domzalski)

Heute erinnere ich an Sasha Waltz, Tänzerin – mit dem passenden Namen. Sie war für Gleichheit und Mitgefühl.

Hautarztcheck – TÜV ohne Mängel, sagte sie. 🙂

Daniel hat seiner Frau Annalena Baerbock zuliebe, um ihre Karriere zu unterstützen, seinen Job aufgegeben. Endlich mal anders herum. Schön. Das ermutigt mich.

Sehr gut in The Chosen ist das Weihnachts-Special: The Shepherd. Der Hirte. Es ist fast unmöglich, das anzusehen und nicht voll Anbetung zu sein. Es ist sehr geschickt und sensibel gemacht. Es geht um die Geburt Jesu.

Die Komponistinnen Sabine Lepsius und Louise Adolpha Le Beau (1850 geboren) bewundere ich, die in ihrer Lebenszeit komponierten und als Pianistinnen öffentlich auftraten, als Männer Frauen offiziell nicht in ihre Komponisten-Reihen aufnahmen (heute inoffiziell), die dennoch viele Symphonien komponierten. Emilie Mayer nahm die herablassende und gönnerhafte Kritik, “ihre Stücke seien gar so übel nicht”, mit Gleichmut hin und ging ihren Weg weiter. Solche Kritik kenne ich auch. Mit der Gleichmut allerdings hapert es bei mir.

Da Frauen Komposition nicht studieren durften, hatte Emilie Mayer Privatunterricht bei Carl Loewe genommen. Louise Adolpha nahm Privatunterricht, bei Joseph Rheinberger – der eigentlich nichts von komponierenden Frauen hielt; daher endete diese Beziehung letztendlich in einem Zerwürfnis. Das kenne ich auch. Louise Adolpha (schöner Name) lernte auf ihren Konzertreisen Liszt und Brahms kennen.
Selbst Malerei zu studieren war Frauen lange Zeit verboten, bis 1919. Jedoch die Komposition schien der schwerwiegendste Punkt des Verbots zu sein, was in vielen Frauen eine Opposition gegen die von Männern aufgestellte Ordnung aufsteigen ließ bis heute. Das traditionelle Frauenbild (schon damals schrieb man “die Dame” und “Fräulein” – das kenne ich auch, 2021) reichte so weit, dass der überhebliche Musikkritiker Wilhelm Tappert (oho, wir haben ihn schon kennengelernt) in der Allgemeinen Deutschen Musik-Zeitung 1880 ernsthaft über “Frl. Louise Adolpha” meinte, “die Mutter Natur (?) würde für gewöhnlich nicht so viel musikschaffende Töchter hervorbringen. Würden nicht viele Männer schlechte Musik schreiben, würde ich mein Lob in die Worte kleiden: Sie komponiert wie ein Mann.”

Weiter faselt er über die Schöpferkraft des Mannes. Louise Adolpha gründete bald darauf eine Musikschule für Mädchen und Frauen, Emilie hatte 8 Symphonien komponiert.

Nur ein Privatleben führen heißt, in einem Zustand leben, in dem man der Wirklichkeit, die durch das Gesehen- und Gehörtwerden entsteht, beraubt wird und der Möglichkeit, etwas zu leisten, das beständiger ist als das Leben. (Hannah Arendt, 2016)

Dies bedeutet, dass Frauen jahrhundertelang von Männern beraubt und zu einem Privatleben gezwungen wurden. Und ja, auch heute – wehe, eine Frau verlässt ihr Privatleben im großen Stil. Wehe, sie will gehört, gelesen und gesehen werden.

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Bach a-Moll 543

28. Dezember 2021

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Heute erinnere ich an Julia Hill, Umweltaktivistin, die mit ihrem Körper schützte, was sie konnte und was ihr wichtig war.

Ich übe Sigfrid Karg-Elert. Seine Musik wurde als angeblich jüdische lange Zeit eliminiert. Er war wie ich ein Jahr Klavierlehrer am Magdeburger Konservatorium. Offenbar hat es ihm da auch nicht sehr gefallen, mir auch nicht. Durch die ideologische Orgelbewegung hatte Karg-Elert mit seiner sinnlichen Tonsprache Schaden. Das tut mir sehr leid für ihn. Warum nur haben es manche Künstler so schwer? Die Orgelbewegung hat der deutschen Orgelwelt ebenso geschadet. Karg-Elert und andere ließen lange Zeit die Orgel links liegen. Menschen schaden sich leider gegenseitig.

Ich hätte nicht gedacht, dass ein Harmonium, gut gespielt und ein schönes, zweimanualiges Kunstharmonium, so gut klingen kann. Es hat so etwas Klagendes, „Altes“ im guten Sinne, etwas Weiches, Romantisches.

Es ist traurig, wie Männer komponierenden Frauen das Leben schwer gemacht haben bis heute. Kein Vergleich hier mit allen Schwierigkeiten, die künstlerische Männer hatten. Da ist das Leben von Karg-Elert etc. noch ein Zuckerlecken dagegen. Und zwar spreche ich hier von akademischen Männern ab dem 17. und besonders dem 18. Jahrhundert, von Theologen, Philosophen, Kritikern in Musikzeitungen, Historikern, Juristen, Medizinern, Musikwissenschaftlern; sie versuchten, die “Frauenfrage” lächerlich zu machen, als sich Frauen ab 1850 zu wehren begannen. Ein Prof. Heinrich von Treitschke schrieb, das “zweite Geschlecht dürfe nicht studieren” und ” die germanischen Vorfahren seien von gesundem Sinne, wenn sie Frauen von der Regierung ausschlossen”. Prof. Heinrich von Sybel schrieb, “die Frau sei im häuslichen Leben aktiv, der Mann habe seine Domäne in der weiten Welt da draußen, in der Wissenschaft, der Rechtsordnung, dem Staat.” In solchen Aussagen sehe ich der Kern unserer bis heute frauenfeindlichen Gesetze. Ein Dr. Hermann Zopff schrieb, dass sich “Frauen nicht zu so hervorragenden Leistungen aufzuschwingen vermochten in der Komposition wie in anderen Künsten.” Wie auch, wenn es ihnen verboten war? Diese Namen dieser sogenannten Gelehrten möchte ich hier lächerlich machen, so wie sie Frauen lächerlich gemacht haben, die wie Emilie Mayer in dieser Zeit Komponistinnen waren. Auch heute noch nennen sogenannte Professoren Frauen “begabt”, wenn sie bereits Künstlerinnen sind und künstlerischer als sie selbst.” Begabt” ist so gerade das Äußerste, was eine Frau sein darf. John Stuart Mill aus England jedoch half den Frauen, weil er seine Frau Harriet liebte, und er schrieb 1869 “Subjection of Women” (Die Unterwerfung von Frauen, Neuausgabe 2012, ich lese es). Gesegnet seien alle Männer, die Frauen helfen, aus was für Gründen auch immer. Ich rate allen Frauen, sich mit solchen Dingen zu beschäftigen, um die Zusammenhänge der Geschlechterpolarität bis heute zu verstehen. Sehr hilfreich ist hier das neue Buch “Emilie Mayer” von Dr. Barbara Beuys, 2021, Historikerin.

Frau braucht geradezu ein eisernes, unbeugsames Wollen in einer Männerwelt, vor allem in der Komposition. Es ist sicher kein Zufall, dass die Musik nicht “der Musik” heißt. Dass die Kunst nicht “der Kunst” heißt. Dass sie weiblich sind.

The Chosen Staffel 2 etc. gibt es bereits auf Englisch auf der App. Der Dialekt wirkt zwar etwas künstlich und gestelzt auf mich. Aber die Art und Weise, wie die Gleichnisse und das Evangelium durch neue Seiten, Zusammenhänge und Perspektiven gezeigt wird, ist hervorragend gelungen, zum Beispiel „Der barmherzige Samariter“, aus der Sicht eines der Verbrecher berichtet. Es sind definitiv Gläubige, die die Bibel kennen und atmen, die diese Serie hergestellt haben. Heute habe ich gelernt, Staffel 2 Teil 1, dass Jesus nicht das gebracht hat, was alle erwartet hatten vom Messias. Das war das Problem. Ist es oft bis heute. Und dass seine größte Gabe nicht die der Heilung ist, obwohl die allein schon pur Gott und unfassbar ist – sondern die der Vergebung und Versöhnung, die noch viel unbegreiflicher und sogar noch größer ist. Hervorragend gelungen ist auch, dass bisher nicht die Spur von Frauenabwertung zu bemerken ist (ich bin da ja ein sehr empfindlicher Gradmesser (ich hatte mir da schon Sorgen gemacht), wenn ich das also sage, bedeutet das was), und dass ein insgesamt großer biblischer Zusammenhang und Bezug aller Evangelien (und deren Abweichungen) bis zum Anfang und zum AT gemacht wird. Wo sind solche Predigten in den Kirchen zu hören? Ich kann das nicht anschauen, ohne von Jesus bewegt zu sein. Ich befürchte, Jesus ist der einzige und erste Mann auf Erden, der Frauen wirklich liebte und achtete. Er ist so anderes als alle anderen Männer. Wenn Gott so ist, dann ist es schon mal gut bei ihm im Himmel. Ich vermisse ihn.

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