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Tourblog

11. September 2022: We cannot deal with guilt. Our response to guilt and sin therefore really matters. The depth of salvation is to surrender. (AHS)

Wir wissen nicht, wie groß wir sind, bis sie uns zum Aufstehen zwingen. Und wenn wir es dann wirklich tun, wird unser Kopf durch die Wolken dringen. (Emily Dickinson)

Geniale Dichterin aus den USA, 1830. Heute erinnere ich an Agnes Pockels, Chemikerin, 1862. Und an Elfriede Jelinek, auch wenn ich ihre Werke unheimlich finde.

Ich höre eine alte Platte „Musikalisches Opfer“.

Foto: Bouxwiller

Krieg ist männlich

Man sagt immer: Menschen töten, führen Krieg… etc. Falsch. Männer führen Krieg. Erster Weltkrieg. Zweiter Weltkrieg usw. : Frauen haben nichts damit zu tun. Frauen und Kinder haben nur darunter gelitten. Man sollte nicht „Menschen“ sagen, wenn man Männer meint (was sehr oft passiert, auch in der Geschichtsschreibung, vor allem bei Versagen und Bosheit), sonst werden Frauen und Kinder manipuliert, sie wären mit dabei oder schuld gewesen. Es ist nicht die Menschheit, die Kriege führt, angreift, mordet, attackiert, einmarschiert, vergewaltigt, böse ist etc. Es ist die Mannheit. Wenn Männern etwas gelingt, sagen sie ja auch nicht „Menschen“, sondern Männer. So sollte es auch sein, wenn sie zerstören.

Heute habe ich gleich drei (völlig unterschiedliche) Klangweiden für Euch! Orgeln sind Klangweiden. Ohrweiden.

Neu: Orgel-Information Marmoutier, Elsass:

Gravitätisch, monumental, majestätisch in perfekt (mit)singender Akustik. Andreas Silbermann hat hier Geniales geleistet. Die Orgel ist optisch, handwerklich, klanglich eine Meisterleistung, sie ist Spitzenreiterin aller Orgeln der Welt. Sie ist rein, echt, historisch, demütig, fehlerfrei, zart, fern aller Brüsterei, obwohl sie auf einer Brüstung steht. Ihr Klang berührt das Herz und versetzt in Ehrfurcht vor Gott.

Silbermann Orgel Marmoutier

Neu: Orgel-Information Bonn:

Klais Orgel Schlosskirche Bonn

Cologne

Die beiden ältesten Orgeln heute in Köln hatten beide ein ähnliches Schicksal:

Jacob Engelbert Teschemacher (1711-1782) baute diese aussergewöhnliche, liebliche Orgel in Elberfeld. Sie stand zuerst in Grefrath, dann in Kaldenkirchen, dann im Schnütgen-Museum Köln. Dort wurde sie schließlich zerlegt und deponiert und vergessen bis 2004! Hans-Wolfgang Theobald entdeckte sie zufällig 2005, restaurierte sie unter Klais und stellte sie in Köln-Rondorf auf. Sie steht ebenerdig rechts in dieser hellen kleinen modernen Kirche gegenüber der schönen Gerhardt Orgel von 1880. Die West-Empore ist frei.

Der Orgelbauer Teschemacher war gläubiger Pietist und stellte seine Instrumente in den Dienst Gottes. Er war zudem Biograph von Tersteegen.

Friedrich Gerhardt

Friedrich Gerhardt aus Bonn Bad Godesberg baute 1880 die zweite Orgel dieser Kirche, eine romantische Orgel (2 M) für die Erlöserkirche in Bad Godesberg, doch sie musste weichen und lag lange auf einem Dachboden, doch Orgelbau Klais entdeckte sie, renovierte sie (opus 1688) und brachte sie nach Köln. Ähnlich erging es also beiden Orgeln dieser Kirche:


Neu: Orgel-Information Köln

Gerhardt Orgel Köln-Rondorf

10. September 2022: Kunst ist die frühe und späte Schwinge des Ausdrucks, die erste und letzte. (AHS)

Wahre Schönheit und Weiblichkeit sind alterslos. (Marilyn Monroe)

Eine sehr besondere Frau. Was man ihr wohl angetan hat? Weil sie so besonders war? Schönheit ist nicht künstlich herstellbar. Heute erinnere ich auch an Germaine de Stael, 1766.

Ich höre die alte Platte Jan Hora mit Brahms an der Orgel. Schön!

Kunst ist die frühe und späte Schwinge des Ausdrucks, die erste und letzte. Ihre Grundlage aber ist Gott. (AHS)

Queen Elisabeth ❤️ 😥

Ihr glaubt es nicht, heute habe ich… Lebkuchen gekauft. Ahh! Im September! (schäm)

Übrigens haben mich Leute nach meinem Spitznamen (Kosenamen) gefragt: Ann. Andlen. Der Kosename meiner Mutter ist Ami. Aber natürlich nenne ich sie so nicht. 😊

Neu: Orgel-Information Stumm Orgel Bad Sobernheim:

Stumm Orgel Bad Sobernheim

Bad Sobernheim

Vor 1000 gebaut, 1259 dem Domstift übertragen in Mainz, romanischer Nordturm, 1484 fertiger Neubau, 1500 Bau des Westturms, renoviert 1900 und 1959.

Sehr schöner, brillanter Klang, besonders schön ist das Rückpositiv und die 19 Töne im Pedal. Wunderschöne zweimanualige Orgel, dreifache Keilbalganlage (rekonstruiert). Orgelbau Müller restaurierte und rekonstruierte die Orgel 2003-2005. Orgelbau Müller (Merxheim) hat sehr viele Stumm-Orgeln restauriert mit viel Erfahrung.

9. September 2022: Manche Männer haben einen so dünnen Hintern, sie könnten keine Ameise gebären.

(AHS)

Die ganze Ausrichtung der Natur verweist auf eine Vorwärtsbewegung, auf ein höheres Leben. (Helena Petrovna Blavatsky)

Russische Schriftstellerin, 1831. Heute erinnere ich auch an Dorothea Schlegel, 1764. Kluge Frauen haben unsere Welt verändert, haben sie erst möglich gemacht, denn sie bringen das Leben. Männer dagegen bringen oft den Tod durch Krieg, Waffen, Haß und Egoismus.
Und erinnere an den von Nazis verfolgten Kölner Künstler Franz Seiwert (1894-1933). Sein Vater war Pfarrer, der ebenfalls von Nazis attackiert wurde.

Ich höre Werner Jacob an “meinen“ Silbermann Orgeln (alte Platten). Frischer als Wachowski, finde ich.

Platten sind soo viel besser als iTunes, Leute! Schallplatten it is ❤️ Das spontane Knacken, das Drehen, der warme Sound.

Foto: Riesenland Bad Sobernheim


Ich freue mich auf mein Konzert beim Heinrich-Schütz-Fest (350. Todestag).

Bouxwiller

Ich vermisse Bouxwiller. Warum?

Galant, monumental, majestätisch. 1968 hat Alfred Kern die Orgel von Jean André Silbermann (Sohn vom berühmten Andreas Silbermann) hier in Alsace, Frankreich „wiederhergestellt“, nachdem sie 1914 Opfer eines Umbaus wurde.

Der Prospekt ist reich verziert und denkmalgeschützt, Rundtürme wechseln sich mit Flachfeldern ab. Vor der Silbermann Orgel gab es hier eine kleine Baldner-Orgel von 1668, die nun in der katholischen St. Leodegarkirche in Buchsweiler steht und die ebenfalls sehr schön ist. Jean André befand sich beim Umbau auf dem Höhepunkt seiner Karriere.

2015 restaurierte Quentin Blumenroeder aus Haguenau die prächtige Orgel. 

Besonders mochte ich die Voix humaine und die warmen Montre und die Farben des Rückpositiv. Und die wunderschönen Zungen. Die Bank ist recht hoch und unbequem, aber man gewöhnt sich daran. 

Die Kanzel ist aus den Jahren 1579 und 1614, ein Kunstwerk aus Sandstein, mit spätgotischen Figuren (Engel, Löwen). Die Renaissance-Säule, geschmückt und mit Geländer im spätgotischen Stil; der Altar ist von 1914, die 27 Tafeln mit Szenen aus der Bibel sind denkmalgeschützt.

Die ursprünglich gotische Marienkirche wird nach der Reformation 1544 evangelisch als eine der ersten Kirchen im Elsass.

Wie immer hoffe ich, mit diesem Blog die Richtigen zu erreichen. Ich möchte meine Reichweite dazu nutzen, auf bestimme Dinge aufmerksam zu machen. Eure Ann!

Neu: Bouxwiller Silbermann Orgel

8. September 2022: Früher wurde mit der Vergänglichkeit christlicher umgegangen als heute. (AHS)

Männliche Dummheit bereitet mir größtes Vergnügen. Es ist eine unerschöpfliche Quelle der Unterhaltung. (Mary Wortley Montagen)

Britische Schriftstellerin, 1689. Heute erinnere ich auch an Brigitte Bardot, eine unfassbar interessante Frau.

Klangfarben der Orgel

Bei Klangfarben bin ich altmodisch. Ich mag gern alte Instrumente: Rankett (auch Würstelfagott genannt!), ein langes Blasinstrument, Trumscheit (Nonnengeige), ein längliches Streichinstrument, Krummhorn: gekrümmtes Doppelrohrblatt, Gemshorn: eine Art Horn, Tierhorn oder Pfeife, gekrümmt; Pochette (Geige): kleine Taschengeige, und Drehleier (Bettlerleier), auch als Lyra bekannt. Es gibt noch Schalmey, Pommern, Grossbass, alte Oboen und Posaunen, Gerle-Laute, Tripel-Harfe, Chitarrone, Tintinabulum…

Früher wurde die Vergänglichkeit des Irdischen viel mehr begriffen als heute, oder anders gesagt, es wurde christlicher damit umgegangen als heute.

Ich höre die alte Platte Arthur Eger in Freiberg. Und Wachowski. An ihm, der sehr langsam und geradeaus spielt (etwas langweilig), merke ich, was für eine „Flirrende“ ich bin an der Orgel und dass ich vom Gravitätischen der Orgel noch mehr aufgesaugt werden möchte. Vom Monumentalen der Orgel möchte ich noch mehr profitieren. Ich komme mir trotz allem oft winzig vor.

Foto: Lorenzkirche Nürnberg

Meine Orgel-Entwicklung

Ich spiele jetzt 5 Jahre Orgel, das ist bei Professionalität eine sehr kurze Zeit, eigentlich nichts. Ich habe so viel gelernt in diesen 5 Jahren. Ich erkenne Orgeln beim bloßen Ansehen und weiß von Hunderten Orgeln Zahlen, Dispo und Namen, während viele sich nicht an den Orgelbauer der eigenen Orgel erinnern können, geschweige denn an Zahlen und Dispo. Ich habe Hunderte unterschiedlichster Orgeln gespielt und komme schnell mit ihnen zurecht. Ich kenne viele, die spielen 10 oder 15 Jahre lang Orgel und kennen kaum andere Orgeln und spielen viel schlechter. Mir hat jemand gestern gesagt, er hätte noch nie jemanden getroffen, der seiner Weiterentwicklung alles unterordnen würde wie ich. Nun, ich hoffe, ganz so drastisch ist es nicht. Außerdem bin ich eine „die“. 😊 Die Zeit war extrem, intensiv, und ich habe mit die eindrücklichsten Erlebnisse meines Lebens gehabt und mich ganz neu kennengelernt.

Neu: Hater, Follower und Fans im Internet – wie geht man damit um? Teil 1

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Neu: Orgel-Information Bouxwiller, Frankreich:

Silbermann Orgel Bouxwiller

7. September 2022: Ich sehe und höre ein Mixtürchen. (AHS)

Die Ausübung der Kunst ist ein großer Teil meines Ichs, mehr als die Luft, die ich atme. (Clara Schumann)

Heute erinnere ich auch an Berthe Morison, Malerin 1841, die das gleiche sagte, an Marianne Bachmann und an Elisabeth von Braunschweig-Wolfenbüttel, die „prominenteste Schülerin“ von Heinrich Schütz.

Foto: Silbermann Orgel Strasbourg

Ich höre die Platte Schreier und Richter mit Schemelli.

Den Witzemann Heinz Erhardt (eine alte Platte, geschenkt bekommen) finde ich nicht witzig. Ich verstehe nicht, wie andere Frauen darüber lachen können, wenn ein Mann Witze über Frauen macht. So war das früher, früher war das normal. Manchmal denke ich, der Grund, warum Leute Komödianten mögen ist, weil sie ansonsten nicht genug lachen.

Schön: Albert Schweizer findet es schlimm, wenn man sich „sterbende Blumen“ (= Schnittblumen) als Dekoration ins Zimmer stellt. „Wie kann man sich an sterbenden Blumen erfreuen?“ Leider kann ich das auch, teilweise. Obwohl ich lebende Blumen noch viel schöner finde.

Wenn mich Leute beobachten, wie schnell ich (immer nur mit dem linken Daumen tippend) ins iPhone schreibe, sind sie verblüfft.
Ich habe viele Linkshänder-Tendenzen.

Interessant ist Keplers Mysterium cosmographicum: Auf der Suche nach der Harmonie der Welt.

Harmonie der Welt seit 1595

Die Bibel, aber auch der heidnische Goethe berichten von singenden Planeten, von der Harmonie und den harmonischen Proportionen im All. Als erster versuchte Kepler, dies um 1590 zu ergründen. Wo Heiden von „Mutter Natur“ sprechen, von „Göttern“ usw. – sprechen gläubige Musiker wie Heinrich Schütz von der Harmonie in Gottes Welt.

Heinrich Schütz ist viel gereist. In allen Städten und Orten, wo er war, war auch ich, außer in Telgte und Teplitz.

Schütz wurde 87 (!) Jahre alt und starb in Dresden nach einem Schlaganfall. Ich möchte 129 Jahre alt werden. Ich war übrigens eine Hausgeburt – zu einer Zeit, in der es maximal ein Prozent Hausgeburten gab. Mittlerweile sind es zwei Prozent.

ps: im Papierkorb meiner Webseite liegen Zehntausende von Kommentaren, die ich nicht freischalte, weil sie meistens …. nun ja, dämlich sind. Ich hoffe, mein Blog wird von klugen Menschen gelesen, von Menschen, die mich verstehen. Das ist meine Hoffnung und Zielgruppe. Hallo, ihr da draußen, gibt es euch? Wie geht es euch? ❤️

Neu: Pachelbel – Praeludium, Ladegast Orgel Braunsbedra bei Merseburg – dramatisch, wild

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6. September 2022: Dieses ganze kleine Gemüse im Echowerk. (AHS)

Durch die Gasse der Vorurteile muss die Wahrheit ständig Spießruten laufen. (Indira Gandhi)

Und das 1917. Als Frau ist es nicht so leicht, gegen männlichen Vorurteile anzugehen. Ich habe überlegt: Wie kommt es, wo haben Frauen es gelernt, sich gegenseitig abzuwerten? Es ist die Sprache der Männer, die Sicht der Männer über Frauen. Und Frauen erlernen diese Sicht gegen andere Frauen, von Männern abgeguckt, und wiederholen sie. Es ist also angelernte männliche Abwertung, die sie anderen Frauen entgegenbringen, und auch die Sprache, die sie von Männern gelernt haben. Sie verwenden dabei typisch männliche Abwertungsworte. Wann wachen Frauen auf?

Heute erinnere ich an die ermordete Edith Stein und an Marie Antoinette. Und an Matthias Claudius‘ Frau. Wie schreibt der Biograph Hans-Jürgen Benedict „Mit seiner Frau bekam er 12 Kinder…“ Er. (Er, der übrigens eine Zeitlang bei den Freimaurern war.) Ich denke, die 12 Kinder bekam vor allem seine Frau.
Und ich erinnere an „Johanna, die Schwachsinnige“, die reiche Erbin, die von ihrem sie betrügenden Mann verstoßen wurde.

Foto: Pomssen, Gottfried Richter Orgel 1671

Empfehlen kann ich „The Chosen“ Staffel 2, jetzt auch auf Deutsch. Eine Serie über Jesus, sensibel gefilmt.

Ich wurde gefragt, ob ich Filmmusik mag. Ja, höre ich manchmal zur Entspannung, zB beim Blog schreiben, da brauche ich manchmal etwas „Theatralisches“ 😊. Hans Zimmer etc.

Hans Zimmer ist für mich „Klassik für Dummies“. Aber ich möchte auch manchmal ein Dummie sein dürfen und Kaffeehausmusik hören. Wie jetzt gerade. 😇

Apropos Kaffeehausmusik. Mir fällt auf, dass Kirchenmusiker oft von „gediegen“ sprechen im Zusammenhang mit Musik. Was nicht „gediegen“ klingt, wird zum Teil abgewertet. Dass es manchen Komponistinnen und Komponisten überhaupt nicht darum geht, gediegen zu komponieren, ganz im Gegenteil – darauf kommen Gewisse gar nicht.

Übrigens, im Vorwort des Orgelbuchs des Klosters Walburg zu Eichstätt geht Raimund Schächer davon aus, dass Anna Maria Barbara Schmaus (1653-1730) nichts selbst komponiert habe. Begründung: keine. Weil sie eine Frau war? Es muss Mann alles komponiert haben. Welcher? Hm. Der oder der vielleicht. Das weiß man nicht so genau. Eine Frau jedenfalls nicht. Dazu ist die Musik zu „gediegen“? zu betulich… ?

Neu: Pachelbel – Choralvorspiel „Durch Adams Fall ist ganz verderbt“, Ladegast Orgel

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5. September 2022: Mit einer Fliege klappen. (AHS)

Profis müssen sich ihrer Vorbildfunktion stärker bewusst sein. Egoismus und Menschenfurcht sind oft zu stark. (AHS)

Heute erinnere ich an Luise Zietz, mutige Politikerin.

Foto: Pomssen, Gottfried Richter Orgel 1671

Bad Köstritz

Heute waren wir in Bad Köstritz bei Gera (Kleinstadt im thüringischen Vogtland an der Weißen Elster) im Museum Geburtshaus Heinrich Schütz, Bad Köstritz. Wir fuhren von Braunsbedra ab. Es war schön und ist zu empfehlen: Viele alte, historische Instrumente und Nachbauten, dazu ein kleiner Saal, ein Pedal-Clavichord, eine Truhenorgel, ein zweimanualiges Cembalo, Blockflöten… Alles etwas kleiner als im Heinrich-Schütz-Haus in Weißenfels. Ach, ich liebe Schütz‘ Musik. Danach waren wir auf dem Markt vor Ort, auf dem eine Bläsergruppe spielte.

In der Nähe liegen Hermsdorf und Klosterlausnitz, da habe ich schon gespielt.

Nun bin ich wieder daheim, und der Lilien-Strauss duftet stark und hat bis jetzt überlebt.

Neu: Domenico Alberizi (1700) – Toccatina, Fuga inversa, Fuga | Ladegast Orgel Braunsbedra, Organ Vlog AHS

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Museum Heinrich Schütz Bad Köstritz:

Museum-Heinrich-Schuetz-Geburtshaus-Bad-Koestritz

4. September 2022

Wem Gott will rechte Gunst erweisen, den schickt er in die weite Welt. (Eichendorff)

Mich muss Gott sehr lieben, so oft, wie er mich in die weite Welt schickt. 😍 Jetzt bin ich wieder in Braunsbedra bei Merseburg in Sachsen-Anhalt, das Konzert war sehr schön, die Kirche mit Sonnenblumen geschmückt. Ich habe einen wunderschönen, duftenden Strauß danach geschenkt bekommen (keine Sonnenblumen). Das Wetter ist mild und sonnig. Die Erlöserkirche in Braunsdorf (Stadtteil von Braunsbedra) ist von wildem Wein bewachsen. Der Friedhof ist nicht bei der Kirche. Die Gastgeber sind sehr nette, lustige Menschen, danach haben wir gegrillt. Full House, Hunde, Babys, und die unfassbare Band Knorikator kennengelernt – so was …

Heute erinnere ich an Nina Mavis Brunner, Journalistin. Und an Helga Jung, Managerin, die ihrer eigenen Meinung vertraute.

Foto: Silbermann Orgel Marmoutier

 Neu: Video Toccata 8vi toni, Orgelbuch Kloster Walburg zu Eichstätt von Äbtissin Anna Maria Barbara Schmaus um 1700 ❤️

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Foto: Ladegast Orgel 2022

3. September 2022: Guds löften är som stjärnor. (Frost)

Man muss nicht alles an einem Tag erreichen wollen. (Teresa von Avila)

Heute erinnere ich an Adelheid Popp, 1869 geboren, die einer großen Sache mit Begeisterung diente, was ihrem Leben Wert gab, nämlich das Frauenwahlrecht zu fördern. Viele Frauen scheinen politisch unreif zu sein, schreibt sie, aufgrund der Erziehung, da sie nicht verstehen, dass unsere Welt von Basta und Testosteron regiert wird. „Schwimmen lernt nur die, die ins Wasser geht“, wie auch Lida Gustava Heymann feststellte, 1868 geboren, aus Hamburg, die sich ebenfalls für Frauenrechte als Menschenrechte einsetzte.

Foto: Silbermann Orgel Abteikirche Marmoutier

Heute Abend: Konzert an der Ladegast Orgel. Bin in Braunsbedra angekommen.

Gottfried Richter Orgel (13 Register) in der Wehrkirche zu Pomssen

Gottfried Richter aus Döbeln (Sachsen) baute diese wunderschöne Renaissance-Orgel (von Hildebrand und Wegscheider restauriert), auf der zweiten Empore mit verzierten Prospektpfeifen mit frühbarockem Klang, mitteltönig: herb eingetrübte und scharfe, helle Klänge, mit Zimbelstern und Vogelgesang (die Pfeifen stehen blubbernd umgekehrt in Wasser), Pedalkoppel (Tritt links unten), mit Tremulant (man muss sofort spielen, kaum dass man ihn gezogen hat, damit er wirkt), mit wunderschönen Flügeltüren mit Engeln, die musizieren, ockergelb, weiß-grau, direkt unter der flachen, verzierten Kassettendecke – die erste mitteltönige Orgel auf unserer Reise, die erste mit kurzer Oktave in Manual und Pedal. Sie ist doch leichtspieliger als ich es in Erinnerung hatte vom letzten Mal. Bach soll hier gesessen sein, aber es ist nicht hunderprozentig erwiesen. Aber ich glaube es schon. Wir sahen die 4 Keilbälge oben. Es machte Spaß, die alten Holzstiegen hochzulaufen. Oben ist der Spieltisch mit aufgeschlagenen Noten verziert.

Wie früher Gottesdienst gefeiert wurde, ist erschreckend: Eine Pflichtveranstaltung, ein Event der Hierarchien, man musste sich Sitze unten mieten und bezahlen, ansonsten stundenlang stehen, die reiche Familie Ponickau saß in den Logen, die Armen standen unten. Gibt es nicht gewisse Hierarchien dieser Art noch immer, nur versteckter?

Es ist dennoch schön, wieder daheim zu sein. Jedoch nicht lange, es geht weiter zu den nächsten Konzerten.

Die Denker des Glaubens

Seltsam, dass die “Denker des Glaubens” (fast) nur Männer sein sollen? Mir kommt es vor, als seien Männer weiter vom Glauben entfernt als Frauen. Ähnlich formuliert es auch Albert Schweitzer, der zeit seines Lebens Frauen besonders schätzte und mit ihnen besonders befreundet war.
Ich stelle es mir schön vor, dass er “im Urwald” Bach gehört und von Jesus erzählt hat. Es könnte sicher noch mehr im Schweitzer-Archiv in Günsbach geforscht werden. Ich lese die vielen Briefe.

Gedanken erschaffen

Bewundernswert ist es, dass er bewusst die akademische Laufbahn (er hielt Dozieren für viel weniger erstrebenswert als Handeln) auf den Haufen warf und lächerlich machte und als “Privatdozent” noch mal spät studierte und Prüfungen ablegte (alle mit “sehr gut”) – irgendwie erinnert mich das durchaus auch an mich.

Wenn ich die vielen Briefe lese, die Schweitzer geschrieben hat, besonders die an Helene, dann merke ich, dass er mehr Philosoph war als Theologe – oder Christ (es ist ja nicht dasselbe: Es gibt sehr viele Theologen, die keine Christen sind, und noch viel mehr Philosophen, die keine Christen sind). Auf der einen Seite hat Albert Recht, dass es eine gewisse Denkfeindlichkeit gibt unter Christen (besonders in Freikirchen, finde ich, dazu eine falsche Unterwürfigkeit). Auf der anderen Seite finde ich Schweitzers philosophische Gedanken zu Jesus bedenklich unchristlich und entgegengesetzt zur Bibel: Er nennt Jesus den größten Philosophen und glaubt nicht, dass Gott eine Person ist. Er deutet den christlichen Glauben ethisch und philosophisch und ist damit oft fern der Bibel.

Die meisten sogenannten “Denker des Glaubens” waren Pfarrerssöhne oder Söhne von Theologen oder Philosophen. Das merkt man deutlich. Albert Schweitzer nennt Jesus im selben Atemzug wie Kant oder Sokrates und weiß, „dass dies Ketzerei ist“. Er bezeichnet sich in seinen Briefen an Helene sehr oft als Atheist und als Ketzer und macht Witze über Himmel und Hölle. Er redete lieber von Schicksal als von Gott. Ist das nicht erstaunlich? Er bezeichnet den Atheismus als Religion. Durchgehend ist zu spüren, dass er Gott sucht, wer er überhaupt ist. Seinen Gehorsam, seine Pflicht zu tun und Menschen zu dienen in Afrika, nannte er als Wiedergutmachung für seine Ketzerei und seinen Atheismus. Er wollte in Lambarene Gott finden. Ob er ihn gefunden hat? Wenn all diese Briefe bekannt wären oder in einem Blog ständen – was würden gewisse Leute von ihm denken, seine Neider und Feinde?

Was ich sehr sympathisch an Schweitzer finde, ist seine kindliche Art, die mich an mich erinnert. Ich kenne auch die Widersprüche, in einem, die wie eine Zange zwickt. Er nannte sich Heimwehkind (wie ich), immer auf der Suche – radikal, fast besessen von eigenen Gedanken und Ideen.

Heimwehkind

Vieles an ASB finde ich bemerkenswert. Dass er den Professoren vorwarf, dass sie “einen zu geschickten Handwerkern machen wollen, aber nicht höher mit einem hinauswollen.” Wie oft habe ich dies auch schon gedacht und denke es noch. Dass man auf diese Weise seinen eigenen Gedanken “entläuft”, von ihnen entfremdet wird. Das ist die größte Gefahr grundsätzlich im Studium. Es gibt neidische Lehrer und Kommilitonen, die gern alles kontrollieren. Denen es eine Plage ist, wenn jemand ein ganz anderes Level hat.

Bewegend sind seine Briefe an Helenes Eltern, als er sie nach Jahren des Verzichts und des Wartens endlich heiratet. Und dass sie ihn “Beri” nennt und er sie “meine Große”. Etwas bedenklich finde ich jedoch, dass er sie so geformt hat, wie er es wollte. Sie war ihm trotz allem sehr untertan und ganz auf ihn ausgerichtet. Sie betete ihn an. Hielt ihn für den Privilegierten. Albert Schweitzer gibt selbst zu, er hatte Sorge um sie und hielt sich selbst nicht für bescheiden. Er hielt sich selbst immer für einen Großen.
Wehe, eine Frau hält sich für eine Große.

Albert Schweitzer über Deutschland

Das Urteil Schweitzers über Deutschland ist korrekt. Ich wünschte, man hätte an diesem Punkt mehr auf ihn gehört, nicht nur, wenn er über Orgeln urteilte. Er schätzt Deutschland sehr, sagt aber, Deutschland würde seine Berufung verfehlen, weil das Land mehr auf äußeren Ruhm und Ehre aus sei, als ein geistliches Vorbild zu sein, was es absolut wäre. Das sehe ich auch. Das Potential von Deutschland ist riesig, und das war es schon immer.

Lorenzkirche Nürnberg vorgestern:

Lorenzkirche-Nuernberg-Orgel-Anlage

2. September 2022

Leise flehen meine Lieder durch die Nacht zu dir. (Rellstab)

Heute erinnere ich an Alejandra Valencia, die sich für Frauenförderung einsetzte.

Foto: Albert Schweitzer Orgel Gunsbach, Alsace

Es ist schon September! Ich kann es kaum glauben. Ich habe in meinem Heinrich-Schütz-Haus-Kalender ein neues Blatt gewendet. Heute geht es um das ehemalige Gasthaus “Zum Schützen”. Die Familien Schütz waren nämlich Unternehmer und Geschäftsleute. Wie schade, dass ich nicht im Schützen übernachten kann, da das Gasthaus unverzeihlicherweise 1979 abgerissen wurde!

Auf unserer Orgelreise hatten wir durchgehend Sonne, Hitze und gutes Wetter. Einmal Regen in der Nacht.

Ich bin jetzt schon wieder daheim und habe über 10 Stunden durchgeschlafen, war erschöpft.

21 Orgeln der Exkursion Hunsrück und Elsass für mich zeitlich chronologisch:

– Klais Orgel Köln Rondorf kath. Kirche 1998

– Teschemacher Orgel Köln-Rondorf 1743

– Gerhardt Orgel Köln-Rondorf 1880

– Teschemacher Orgel Bonn 1775

– Klais Orgel Schlosskirche Bonn 2012

– Klais Orgel Franziskanerkirche Bonn 1966

– Stumm Orgel Karden 1728

– Stumm Orgel Treis 1836

– Stumm Orgel Stephanskirche Simmern 1782, größte Orgel im Hunsrück

– Stumm Orgel Bad Sobernheim 1739

– Stumm Orgel Merxheim 1886

– Stumm Orgel Altweidelbach 1796

– Stumm Orgel Sulzbach 1746

– Stumm Orgel ev. Kirche Rhaunen 1723 (älteste erhaltene)

– Stumm Orgel kath. Kirche Rhaunen 1893

– Stumm Orgel Ober-Kostenz 1891

– Dalstein und Haerpfer Orgel Gunsbach 1880/1930 (Albert Schweitzer-Orgel)

– Silbermann Orgel Bouxwiller 1778

– Silbermann L’Abbaye de Marmoutier 1710

– Silbermann Orgel Strasbourg 1741 (Spieltisch 1778)

– Chororgel Dalstein-Haerpfer 1905, heute Dalstein & Erman

– Richter-Orgel Pomssen 1671

Was waren für mich die Höhepunkte der Reise? Teschemacher-Orgel, Stumm-Stube, Maison Albert Schweitzer Gunsbach (2022 wiedereröffnet), Eglise Saint Himere Gunsbach, Notre Dame Kloster Reutenbourg, Silbermann Orgel Eglise abbatiale de Marmoutier (diese Kirche allein, romanisch und gotisch/neugotisch, unglaublich schönes dunkles Rokoko-Chorgestühl vorne im Chor), Stumm Orgel Rhaunen, Silbermann Orgel Bouxwiller und Strasbourg und Hans-Wolfgang Theobalds Erläuterungen.

Es war insgesamt sehr gut organisiert. Wir sind über 3000 Kilometer gefahren. Ich bewundere, wenn Menschen so lange Auto fahren können, ich schlafe immer gleich ein, sobald Räder drehen, da es mich so einschlummert, das Geräusch von Fahren.

Elsass und Hunsrück

Das Elsass im Osten Frankreichs mit seiner Hauptstadt Strasbourg ist unglaublich schön. Als Kind war ich zweimal hier. Die Leute sind warmherzig und freundlich, besonders in den kleinen Städten. Nach dem Zweiten Weltkrieg war das Alemannische leider verpönt. Aber viele ältere Menschen sprechen noch sehr gut Deutsch. Die Silbermann-Orgeln von Andreas (wir wissen nicht, wo er in Strasbourg sein Handwerk gelernt hat) sind ein Genuss, sie sind handwerkliche Kunst mit klarer, stabiler, voller Klangvorstellung, mit dem Pedal als Bass-Klavier. Sehr zu empfehlen. Andreas Silbermann hat 34 Orgeln im Elsass gebaut. Die Form einer französischen Silbermann Orgel mit Rückpositiv, wie eine Mutter mit Kind. Diese Ortschaften im Elsass mit ihren roten Dächern, Burgen und Klöstern inmitten grüner Auen. Sehr schön soll auch die französische Stadt Munster sein. Wie schade, dass ich kein Französisch kann. Das muss ich noch lernen.

Auch der Hunsrück ist eine Gegend in Deutschland, die ich sehr empfehlen kann, ein Mittelgebirge zwischen Mosel und Nahe, in Rheinland-Pfalz und Saarland. 1717 gab es hier die erste Stumm-Orgel, um 1900 die letzte (traurig).

Stumm-Orgeln und Silbermann-Orgeln

Im Grunde sind Silbermann Orgeln im Elsass keine französischen Orgeln, sondern europäische. Sie verbinden deutsche Orgelkunst mit Pariser Tradition, eine perfekte Mischung, eine Synthese der Kunst.

Albert Schweitzer war natürlich auch hier und hat 1955 die Wiederherstellung der Orgel angeregt. Man kann ja von Albert Schweitzers Glauben halten, was man will. Er hatte stets starke Zweifel an Gott, was in seinen Briefen deutlich rüber kommt. Die Theologie alleine wäre nie sein Ding gewesen. Er war eben auch Pfarrerssohn. Kinder von Pfarrern haben es oft besonders schwer, Gott zu finden, habe ich festgestellt. Aber eindeutig war Schweitzers Autorität und seine starke charismatische Ausstrahlung. Die wurde, je älter er wurde, immer stärker. Die Fotos zeigen eine große Persönlichkeit. Er hatte die akademische Laufbahn bewusst verlassen, um im Urwald zu dienen. Das ist enorm.

Sehr berührend finde ich Familien-Dynastien. Ich gehöre ja auch zu einer, bin die dritte Generation väterlicherseits. Ich finde, man spürt das in sich, eine gewisse Verantwortung, einen gewissen Stolz oder eine gewisse “Überlegenheit”, die andere an einem manchmal nicht mögen. Mal sehen, wie weit sie gehen wird, meine Linie. Im Grunde gibt es schon die vierte Generation. Karl-Heinz, Sohn Michael, viel später Tochter Ann-Helena und Schwestern (und Halbgeschwister) und deren Kinder.

Was ich an Stumm-Orgeln besonders mochte, waren die Manualschiebekoppeln, das habe ich vorher so noch nie gesehen: Es sind keine aufrecht stehenden Kegeln, sondern man zieht an einer Art beweglichen Schraube. An allen Stumm- und Silbermann-Orgeln genoss ich besonders das Pedal. Ich finde, man erkennt am Handwerk des Pedals, wie handwerklich gut gemacht eine Orgel ist.

Pomssen bei Leipzig, Gottfried Richter Orgel 1671

Was für eine wunderschöne Orgel hier. Ich bin schon das 2. Mal hier, das erste Mal war 2020 bei den Leipziger Orgelmeisterkursen. Also, diesmal ging es von der Lorenzkirche Nürnberg nach Leipzig. Das Sakramentshaus von 1496 in der Lorenzkirche war sehr interessant, ein Kunstwerk aus sieben Ebenen. Und der Engelsgruß, zentral im Hallenchor, ist so typisch fränkisch.

In dieser weißen Wehrkirche zu Pomssen, Dorf bei Leipzig, steht die älteste erhaltene Orgel Sachsens, eine wunderschöne Renaissance Orgel von 1671, eine Orgel in einem Style, der verloren gegangen ist, eine Art “altmodischer Stil”. Restauriert wurde sie von Kristian Wegscheider 2006 aus Dresden.

Foto: Gottfried Richter Orgel Pomssen bei Leipzig, die älteste Orgel Sachsens – ich war zufällig farblich perfekt zur Orgel und zur Kirche passend gekleidet:

Gottfried-Richter-Orgel-Pomssen-bei-Leipzig