Startseite Nach oben

Tourblog

  1. September 2022

Musik wird oft nicht schön gefunden, weil sie stets mit Geräusch verbunden. (Wilhelm Busch) Das war hoffentlich ironisch gemeint.

Heute erinnere ich an Bianca Jagger, die nicht mit Geschlecht und Status diskriminiert werden wollte. Human Rights.

Empfehlen kann ich das rosa Duschgel „Paint the Sky“ von Mary Kay.

Foto: Dalstein und Haerpfer Orgel Gunsbach, Elsass (Albert-Schweitzer-Orgel)

Großhotels

Ich vermisse das Kloster Notre Dame in Reinacker. Wir wurden zwar von Mücken zerstochen. Aber alles war hell, Gemüse aus dem Garten, nebenan gekocht, christlich, liebevoll, herzliche Nonnen. Die modernen Hotelzimmer sind oft dunkel, kahl, düster gestrichen, wie das im H2-Hotel in Leipzig, wo wir gestern übernachteten. Unsere letzte Nacht auf der Reise. Keine schöne Aussicht aus dem Zimmer. Hier gibt es keine Mücken, da es keine Natur gibt. Das Essen ist nicht aus dem Garten. Ist alles finster, Gänge, Lift, Zimmer, damit man nicht sieht, dass alles Stein und Fassade ist? Ich empfinde den Sprung einer auf und mit Schöpfung arbeitenden christlichen Gemeinschaft wie die Schwestern im Foyer Notre Dame de Reinacker und einem säkularen Großhotel in Leipzig gewaltig. Im Kloster sitzt man an kleinen Tischen. Die Luft ist gefüllt mit Gebet. In den großen Hotels gibt es riesige Buffet-Tische, es läuft eine grässliche, nichtssagende Musik im Hintergrund. Die Luft ist gefüllt mit Einsamkeit, Business und Selbstbefriedigung.

Traurig ist nur, dass das Nonnenkloster Notre Dame de Reinacker in ihrer Kirche keine Orgel besitzt, nur eine elektronische. Glaubt der französische Katholizismus, dass Nonnen keine Orgel spielen können, nur Mönche? Denn die Männerkloster besitzen große Orgeln.

Maursmünster

Was ist das Besondere der genialen Silbermann Orgel in Marmoutier? Das Kloster Marmoutier (Maursmünster) ist eine ehemalige Benediktinerabtei in der französischen Bas-Rhin-Region. Das merowingische Kloster (um 590) war ein Reichskloster und wurde in den Kriegen immer wieder attackiert, die Abteikirche aber blieb stets unversehrt. Abbatiale St. Etienne. 1707 bekam Silbermann den Auftrag zum Orgelbau. 1789 kam die Orgel vom Lettner (Lesepult oder Schranke, trennt die Gemeinde von den Mönchen) in das südliche Querschiff und wurde erst 1840 auf die West-Empore gestellt. Andreas‘ Sohn Jean Andre besetzte dann die freien Stöcke mit Cromorne, Echo- und Pedalregistern.

Klang

Trotz zwei Standortwechsel ist die barocke Orgel hervorragend erhalten. Zuerst stand sie auf der raumhohen Doxale, der Trennung zum Kirchenraum. Diesen Lettner (Blütezeit Gotik) gibt es nicht mehr, aber man sieht noch die Markierungen im Stein. 2010 wurde der Magazinbalg ersetzt durch drei Keilbälge, die Windlagen wurden durch Blumenroeder (Haguenau) repariert. Zuvor 1955 wurde die Königin durch Kern und Schwager Muhleisen restauriert. Andreas Silbermann ist in Strasbourg gestorben.

Diese Orgel in Marmoutier liebte ich von allen am meisten. Sie ist Majestät pur. Andreas, der ältere Bruder des sächsischen Orgelbauers Gottfried Silbermann, den ich ebenfalls sehr schätze (mit dem Bach allerdings hin und wieder nicht so zufrieden war, da JSB schon Neues im Sinne hatte), ist also ebenso ein absolut genialer Orgelbauer. Ich mag Andreas noch mehr als seinen Sohn Johann Andreas Silbermann.

An den Seitenwänden des Langschiffes sieht man die Passion Christi in Bildern dargestellt mit deutschen Untertiteln.

Pomßen, Leipzig, Nürnberg 

Wir fuhren weiter nach Leipzig über Nürnberg. In meiner Geburtsstadt machten wir 2 h Zwischenstopp und aßen mexikanisch an der Lorenzkirche und besuchten auch diese. Es war schön, wieder in Nürnberg zu sein. Hier bin ich geboren und zur Schule gegangen. Das Musikgymnasium, die Stadtmauer und das Opernhaus und der Bahnhof erinnern mich an früher. Meine Schwester ist Geigerin hier im Opernhaus und ist in Elternzeit. Die große Stadt war voller Menschen. Ich war schon lange nicht mehr da gewesen. Wir bummelten die Breite Gasse entlang. Mexikanisch essen erinnert mich an meine Zeit in den USA, an Arizona nahe der mexikanischen Grenze. Die mexikanischen Restaurants dort waren einfach unglaublich lecker! Avocado, Käse, Sour Creme…

Lorenzkirche Nürnberg

Nürnberg ist ja meine Zeit vor der Orgel. Meine Leidenschaft für die Orgel kam ja später in Leipzig dazu. Daher war es spannend, beide großen Städte an einem Tag zu besuchen. Die große Lorenzkirche besitzt eine der größten evangelischen Orgeln in Deutschland, da sie eine Orgel-Anlage hat. Mittlerweile ist es so, dass ich Orgeln oft allein durch das Ansehen erkenne, sowohl Orgelbauer als auch Klang und Akustik. Hier wusste ich sofort: Aha, Steinmeyer. Ich habe so viele Steinmeyer Orgeln gespielt, dass ich das sofort erkannt habe am Prospekt. Und ich wusste sofort, dass die kleine kompakte Schwalbennest-Orgel nebenan Klais ist. 

31. August 2022: You cannot hate matter and love form. (Louise Glück)

Stimmt. Auch ich liebe Form.
Wenn Exzellenz und Genialität aufeinandertreffen: Exzellenz entsteht nur durch harte Arbeit. (AHS)

Und Leidenschaft natürlich. Im Grunde setzt die harte Arbeit der Exzellenz auch automatisch einen gewissen Grad von Demut voraus. Das soll als Ermutigung dienen denen, besonders den Frauen, die von Neidischen und Faulen als undemütig und unbescheiden betitelt oder beschimpft werden.

Heute erinnere ich an Jeanine Anez, Politikerin, die dafür kämpft, dass nicht nur Testosteron unsere Welt regiert.

Foto: Französische J.A. Silbermann Orgel in Buchsweiler 1778 (Ende 2. Generation)

Marmoutier, Abteikirche Sankt-Martin

Abbatiale Saint Martin in Alsace. Die geniale frühe, große, französische Andreas Silbermann-Orgel, 3 M, von 1710 in der kath. Abtei zu Marmoutier im Elsass, Frankreich: Von seinem Sohn Johann Andreas wurde sie 1746 erweitert. Restauriert wurde sie von Alfred Kern 1955, dem Jürgen Ahrend Frankreichs, und auch von Mühleisen.

Silbermann Orgel Marmoutier

Während die J.A. Silbermann Orgel in Bouxwiller (Eglise prot.) für eher galante Klänge bestimmt ist, in einer beinahe quadratischen Kirche, am Ende seiner Karriere vom Sohn Johann Andreas (2. Generation) gebaut, Sohn von Andreas, und von Alfred Kern 1968 restauriert, ist in Marmoutier  im Vergleich zu dieser späten 2. Generation eine frühe 1. Generations-Orgel von Vater Andreas Silbermann: Erhaben, gravitätisch in großer Akustik. Eine ganz andere Ästhetik in einer ganz anderen Akustik. Die riesige Kirche in Form eines Kreuzes mit sehr langem Langschiff besitzt mindestens 4 Sekunden Nachhall. Diese Orgel ist für mich die Königin dieser ganzen Orgelreise. Früher stand sie vorn an der Südseite, bevor sie 80 Jahre später auf die Westempore kam. Was für eine Form! Was für ein Klang! Unglaublich gravitätisch. Pure klangliche Autorität.

In 10 Tagen habe ich 21 Orgeln kennengelernt. Davon ist diese hier die Schönste. Ich musste weinen vor Staunen. Staunen, Ehrfurcht und Bewunderung –  Staunen ist ein wunderschönes Gefühl.

You cannot hate matter and love form. (Louise Glück)

Königin Marmoutier:

Silbermann-Orgel-Saint-Martin-Marmoutier

Strasbourg, Frankreich

Die wunderschöne Großstadt Strasbourg (Hauptstadt Elsass) ist mehr als doppelt so groß als Würzburg mit 270.000 Einwohnerinnen. Überall elegant gekleidete Frauen auf Fahrrädern wie in Paris. Es war mein drittes Mal in Strasbourg. Wir aßen lecker Risotto in der Nähe von St. Thomas am Wasser, begrüßten Albert Schweitzer (Statue), kühlten unsere Füße am Brunnen, tranken starken Kaffee und aßen sehr teures Eis (eine Kugel hieß Violett). Wir waren auch im Käseladen in der Nähe vom Münster, in dem es verführerisch duftete und schmeckte, aber jeder Slice Käse teuer, besonders Ziegenkäse mit Trüffel. Es erinnerte mich an Holland: Alkmaar.

Ich kaufte mir ein rotes Strasbourg-T-Shirt. Dann spielten wir die geniale Silbermann-Orgel in St. Thomas.

Eine Zeitlang war Elsass deutsch, was man überall sehen kann an den Strassenschildern zu den Gassen – aber seit dem Zweiten Weltkrieg spätestens wieder französisch.

Silbermann Orgel St. Thomas Strasbourg

Die große 1741 gebaute J.A. Silbermann Orgel, 3 M, 42 Register, also ebenfalls vom Sohn (2. G) aus hellem Lindenholz mit Engelsköpfen und Blumensträussen, angestrahlt, recht tief stehend auf der Westempore, gilt als eine der best erhaltensten der 13 Silbermann Orgeln im Elsass. Sie wurde von Alfred Kern 1979 /2009 (Blumenroeder) restauriert und von Albert Schweitzer in dem Sinn gerettet, dass er einen kompletten Neubau 5 vor 12 verhinderte. Rechts unten steht der alte Spieltisch der Orgel (ebenfalls 3 M), auf dem Schweitzer gespielt hat und zuvor Mozart. Die Kirche ist gut besucht von Touristen und vorn im Chor zwischen der alten Kunst geschmückt mit einem modernen Kreuz, das eher wie ein weißes T-Shirt aussieht. Rechts vorne steht die hübsche Chororgel von Dalstein und Haerpfer, die Orgelbauer von Schweitzers Orgel in Gunsbach.

Ich spielte Scheidemann, Bach und Henry du Mont.

Der alte Spieltisch 1778 Saint-Thomas Strasbourg

Spieltisch-Albert-Schweitzer-Mozart-Strasbourg

Theologie und Theodizee

Gott denken, wie geht das? Ist hierbei der “Gottesgedanke” der postmodernen Neuzeit entscheidend? Existiert Gott nur, weil oder wenn wir ihn denken? Die Theologie hadert immer noch: Weder Kant noch Schleiermacher noch Buber noch Luther etc. scheinen die berühmte “Theodizee”-Frage beantwortet zu haben?  Wie können Menschen Gott den Vorwurf machen, dass er “Leid zulasse.” Menschen haben kein Problem damit, für andere Leid zuzulassen, mehr noch, bewusst anderen Leid zuzufügen. Aber vermutlich ist auch daran Gott schuld. Ist Gott schuld an der Bosheit und dem Egoismus des Menschen? Was mich wundert: Die Theologie zitiert noch immer Thomas von Aquin, der behauptet, Gott könne nicht definiert werden (hat er schon mal die Bibel gelesen?), oder Johannes von Damaskus, der behauptet, wir können nicht wissen, was Gott ist (Gott ist auch nicht was, sondern wer, und wer er ist, können wir wissen). Das moderne Denken und der absurde Streit (Historizität) über Gott ist fern von der Primärquelle, der Bibel.

Silbermann Orgel St. Thomas Strasbourg:

Ich merke, dass es in der heutigen Theologie humanistisch zugeht: “Die Grundmetapher des Christentums offen halten” – als ob der christliche Glaube und die Bibel nur Metaphern sind. So denken Pfarrer und Theologen heute? … unter der “neueren Theologie”, als Ersatzbegriff für Glauben.

Man kann sagen, dass diese Theologie der Atheismus ist, der in die Kirche eingezogen ist.

Die Chororgel St. Thomas Strasbourg:

Dalstein-Haerpfer-Chororgel-Strasbourg

30. August 2022: Bekomme ein aufmerksames Herz. (AHS)

Je tiefer jemand in Gott hineingezogen wird… (Edith Stein)

Foto: Späte Jean André Silbermann Orgue in Bouxwiller, Elsass, Frankreich, 1778

Gunsbach, Albert Schweitzer Haus

Wir waren in Gunsbach (Günsbach) im Albert Schweitzer Haus und in der ev. Kirche Eglise Saint Himere, in der sein Vater 50 Jahre lang als Pastor  gearbeitet hat. An dieser Orgel hat Albert Orgel gespielt, auch als Kind. In diesem kleinen (unscheinbaren) Dorf Gunsbach inmitten von Weinbergen wuchs der Nobelpreisträger auf. In der Schule wurde der kleine Albert gehänselt, weil seine Kameraden neidisch waren. Deswegen ging der gute Schüler nicht gern zur Schule; Mathe mochte er nicht.

Seine Kindheits- Orgel in Eglise Saint Himere wurde später restauriert und erst nach seinem Tod fertiggestellt, eine Dalstein und Karl Haerpfer Orgel (1880/1830). Heute Dalstein € Erman. Leider konnte Albert das nicht miterleben.

Es ist sehr berührend, die Kirche zu betreten und die Orgel zu genießen. Franzosen üben dort Bachs vokale Musik auf Deutsch. Alte, goldige Männer singen und spielen Geige. Alle können irgendwie Deutsch sprechen. Man möchte alle knutschen. Wie stolz sie sind auf ihren Albert Schweitzer. Zurecht! Ich bin dankbar, dass wir dort waren.

Und besonders sein Haus ist faszinierend. Zugewachsen mit Efeu, daneben ein Garten mit Gemüse, in dem ich fast einschlief. In den Zimmern zu sein, in denen er gearbeitet und gedacht hat und Leute betreut und empfangen. Dort ist auch sein Tropenklavier mit Pedal, das in Lambarene war und das ich spielen durfte. Die Führung und der Film waren auch sehr spannend. Irgendwie habe ich mich manchmal so sehr mit ihm identifiziert – ich hoffe, das klingt nicht verrückt.

Albert hat Jahre seines Lebens mit Reisen verbracht. Genau wie ich. Er hat wahnsinnig viel schriftlich kommuniziert und geschrieben. Wie ich. Er hat 150.000 Briefe geschrieben. Das nenne ich mein Vorbild.

Orgelsachverständig

Albert hat die Silbermann Orgel in St. Thomas Strasbourg gerettet. So ist orgelsachverständig: Das Richtige aus Liebe entscheiden – und „aus dem Bauch heraus“, weil man Ohren hat, zu hören (wie bereits in der Bibel steht). Nicht, um anderen zu gefallen. Albert hatte sich bei gewissen Dingen geirrt, was die Pfeifen der Orgel anging – irrelevant. Er traf die richtige Entscheidung! Ohne ihn gäbe es heute nicht die best erhaltenste J.A. Silbermann im Elsass, sondern eine fette Orgel nach dem damals neuesten Schrei. Der Vertrag war schon fast unterschrieben.

Es gibt so viele Bücher dieses Mannes, von ihm und über ihn. Ich habe einiges gekauft im Shop, hätte am liebsten alles gekauft – hatte aber schon einiges, Gott sei Dank.

Albert aber hatte sich nicht (nur) entschieden, Orgeln zu retten. Er wollte Menschen retten! A higher goal. Es riefen in diesem Haus die Wände zu mir: Menschen sind wichtiger als Orgeln und Musik. Ich lief geflashed durch dieses Haus. Irgendwie hat Albert mit mir gesprochen. Ich habe nur keine Ahnung, wie ich das umsetzen soll.

Albert war Arzt, Organist, Philosoph, Nobelpreisträger, Theologe, Wissenschaftler, Vater, Ehemann. Sein Lebenswerk und seine größte Liebe war Lambarene. Ich bewundere seine Frau Helene.

Helene Schweitzer

Daher: Heute erinnere ich besonders an die Ärztin Helene Schweitzer, geborene Bresslau. Die Initialen der beiden sind ASB. Auf den Gepäckstücken, Koffern und Truhen. Bei mir ist es AHS. Und bei Albert und Helene: ASB. Schweitzer-Bresslau. ASB soll mein Vorbild sein. Eigentlich müsste es AHSB sein.

Helene gab genauso wie Albert alles für Lambarene. Ihr Leben. Alles. Trotzdem bekam nur er den Nobelpreis. Wann kommt die Zeit, in der ein Ehepaar gemeinsam den Preis bekommt? Albert schreibt: Ohne seine Frau Helene wäre nichts von seinen Plänen umgesetzt worden. Die Pläne haben sie gemeinsam geschmiedet.

ABS und das Tropenklavier

Albert Schweitzer hat nicht so viele Konzerte gegeben wie ich, aber mit 500 Konzerten doch sehr viele. Zuerst war ich darüber irritiert, wie er all diese Dinge und Gaben unter einen Hut bekommen hat (ausgerechnet ich!). Aber diese Konzerte hat er deswegen gespielt, um Geld für Lambarene zu sammeln. Er war also darauf fixiert und ist auch dort gestorben. Seine Frau starb ohne ihn allein. Traurig.

Vogesen

Zuvor waren wir wandern in den Vogesen hoch zum See Lac Vert und Lac du Forlet und zum See Lac de Longermer. Dort im Ferme Auberge Lac du Forlet aßen wir Bergkaas, Munster Kaas, Fleischpasteten und Salat. Die Wälder und duftenden Kiefern, die Luft und Klüfte sind atemberaubend.

Colmar, Elsass

Abends spazierten wir durch Colmar, eine hübsche, malerische, französische Stadt, Weinstadt mit 70.000 Einwohnerinnen, Fachwerkhäusern und Kirchen.

Albert Schweitzer-Orgel Gunsbach: 

Albert-Schweitzer-Orgel-Gunsbach-Elsass

29. August 2022: Inneres Priestertum kann dir keiner nehmen. (AHS)

Attitude directs your life. (AHS)

Heute erinnere ich an Zora Neale Hurston, die die schwarze Geschichte festhielt wie nie zuvor. Und an William und Catherine Booth – Heilsarmee-Gründer.

Foto: Teschemacher-Orgel Köln Rondorf

Wir sind in Frankreich angekommen ❤️Alsace. Elsass. Mein 3. Ausland 2022 neben CH und A. Ich bin gespannt auf die französischen Silbermann-Orgeln, die kenne ich noch nicht, nur die deutschen, aber auch noch nicht alle.

Frankreich, Bouxwiller, Buchsweiler

Bouxwiller ist eine schöne Kleinstadt mit ca. 3500 Einwohnerinnen. Überall schöne Fachwerkhäuser, schiefe und krumme, und niedliche Gassen. Viele sprechen Deutsch mit süßem Akzent. Und viele deutsche Straßennamen: Judengasse. Herrengasse. (Beides Namen, die heute undenkbar wären.) Elsass steht für Wein, Käse, wunderschöne Natur, gutes Essen, liebliche Orgeln, Vogesen, Eis. Tomaten leuchten in der Sonne.

Leider ist die Schönheit etwas „heruntergekommen“, viele Cafés und Restaurants haben dichtgemacht. Irgendwie sehe ich daran, dass alles vertrocknet (das Geld, die Natur, die Wirtschaft), dass das Ende vom Ende nahe ist? Am meisten sieht man es daran, dass die Liebe erkaltet, so wie es in der Bibel steht.
Ich fand dennoch ein Café mit leckerem Eis und Kaffee.
Und die evangelische Kirche hält mit ihrer berühmten späten Jean André Silbermann Orgel von 1778, 2 M, das Fähnchen hoch und kümmert sich um die Gemeinde, das ist toll.

Silbermann Orgel Bouxwiller

Was ist das Besondere dieser Silbermann Orgel? Sie singt. Sie ist ein wirkliches Instrument! Wie eine Geige. Keine Plastik-Universal-Orgel. Mit warmen, handgemachten, authentischen Klängen, zart, präsent, egal, ob Zungen, Aliquoten oder prinzipalische Klänge. Ihr Rückpositiv mit den Registern hinter mir (ala Katharine) spiegelt das große Werk, volles Pedal – oben thront ein Adler auf dem Holz. Eine Orgel für galante Klänge in einer quadratischen Kirche, am Ende seiner Karriere vom Sohn Johann Andreas (2. Generation) gebaut, Sohn von Andreas, von Alfred Kern 1968 restauriert. In Marmoutier werden wir im Vergleich zu dieser späten 2. Generation eine frühe 1. Generation von Andreas Silbermann erleben: Erhaben, gravitätisch.

Keine neue zeitgenössische Orgel darf abfallen von diesem Maßstab. Es ist nicht akzeptabel, dass es heute etwas Schlechteres gibt oder gebaut wird, da man ja sieht, dass und was geht.

Man darf Orgeln als Organistin natürlich nicht überfordern. Aber die meisten Orgeln sind eher unterfordert.

Reinacker, Elsass (Reitenbourg)

Wir übernachteten im katholischen Kloster Notre Dame de Reinacker mit 11 Schwestern, die lecker für uns gekocht haben.

Leben wie Gott in Frankreich 😊

You are currently viewing a placeholder content from YouTube. To access the actual content, click the button below. Please note that doing so will share data with third-party providers.

More Information

28. August 2022: Freue dich an den Boten Gottes. (AHS)

In jede hohe Freude mischt sich eine Empfindung der Dankbarkeit. (Marie von Ebner-Eschenbach) Hohe Freude, was für schöne Worte.

Heute erinnere ich an Gioconda Belli, die Solidarität als Zärtlichkeit bezeichnet, Freiheitskämpferin aus Managua.

Foto: Stumm Orgel kath. Kirche Rhaunen, Hunsrück

Stumm-Orgelfahrt Hunsrück, Eifel

16 Orgeln in 5 Tagen: 10 Stumm-Orgeln, 3 Klais-Orgeln, 2 Teschemacher-Orgeln und eine Gerhardt-Orgel. Ich träume nachts von Orgeln. Stumm-Orgeln in Rhaunen (2x), Sulzbach, Merxheim, Altweidelbach, Simmern, Bad Sobernheim, Ober Kostenz, Karden und Treis waren besonders spannend. Ich war gestern auch zu weiteren Stumm-Orgeln eingeladen worden, aber habe es zeitlich nicht untergebracht, dieses Mal. Die meisten Stumm-Orgeln sind von Klais oder Müller restauriert worden (Müller hat bei Klais gelernt), oder von Orgelbau Förster-Nicolaus.

Wir waren in einem schönen Ferienhaus untergebracht. Hunsrück hat leider keine Fahrradwege, so weit ich es gesehen habe. Motorräder und Wanderwege: Traumschleifen. Die Gegend an der Mosel, an der Nahe, hier im Rheinland, in der Pfalz und im Saarland ist wunderschön. Wir hatten sonniges Wetter durchgehend.

Sehr schön war auch die kleine einmanualige Stumm-Orgel in Ober-Kostenz, seitenspielig, und die große zweimanualige in der katholischen Pfarrkirche in Rhaunen (brillante Akustik, vorderspielig, also man spielt von der Westempore oben mit Gesicht zum Altar, die Orgel im Rücken), beide romantisch, mit originalen Zungen, um 1890.

Stumm-Orgel Rhaunen – älteste erhaltene Stumm-Orgel

In der evangelischen Kirche in Rhaunen steht die geniale Stumm-Orgel von 1723, die älteste erhaltene. Sie steht vorn, seitlich beim Altar, als Gesamt-Kunstwerk auf einer Holz-Empore, auf Holzsäulen, wirkt dadurch ebenerdig, ist von außen verschlossen wie eine Muschel und deswegen hinterspielig. Ich habe so etwas noch nie gesehen.

Die Orgel wurde damals von Oberlinger verändert und pneumatisiert, mit eigenem Spieltisch. Dieser (kaputte) Oberlinger-Spieltisch steht nun einzeln einsam gegenüber auf der Empore. 2004 wurde die Orgel von Müller wieder in ihren ursprünglichen Zustand zurückgeführt. Oberlinger galt als Nachfolger von Stumm, ging jedoch insolvent. Die originale Windlade kam über Umwege von Neuwied zurück in die Orgel.

Stumm-Orgel Simmern

Die meisten seitenspieligen Stumm-Orgeln waren links-seitenspielig, außer in Altweidelbach, dort rechtsspielig. In Simmern, 2 M, links seitenspielig, spielten wir das Konzert. Ich liebe dort das Cornett, die Vox Humana, die Vox Angelica, die geteilt ist. Mit diesen Solostimmen kann man geschickt aus einer zweistimmigen eine vierstimmige Orgel machen. Das obere Manual singt vokal. Das untere Manual singt instrumental. Nach meinem Muffat setzte der sehr laute Posaunenchor ein.
Früher hatte Steinmeyer die Orgel stark verändert und vor allem das Pedal erweitert, bevor Müller die Orgel wieder zurückrestaurierte. Vorne steht noch eine kleine „Chororgel“ von Steinmeyer auf Rollen.

Orgel-Restaurierungen

Das Thema Orgel-Restaurierungen ist ein spannendes Thema für sich. Man hat auf diesem Gebiet viel dazu gelernt und tut es immer noch. Es wurden neue Maßstäbe gesetzt. Es gibt wichtige Vorbilder. Jedoch ist es immer ein Eingriff. Ich mag gern „jungfräuliche“ Original-Orgeln. Aber die gibt es kaum noch. Die meisten Orgeln wurden irgendwann umgebaut oder verändert, was ja auch zur Geschichte der Orgel dazugehört.

Schade ist, dass Eigenarten, Besonderheiten und Ungleichmäßigkeiten oft weg-„restauriert“ wurden (Kernstich etc.). Das ist oft klanglich fatal oder dumm. Trends haben vieles zerstört. Dumme Organisten, die sich einer Orgel nicht anpassen wollen. Die sich selbst verwirklichen wollen. Zu viel Geld. Unwissende oder unkünstlerische „Orgelsachverständige“.

Morgen geht es nach Frankreich. ❤️

Foto: Stumm Orgel Rhaunen ev. Kirche 1723: Älteste erhaltene Stumm-Orgel:

27. August 2022: Frühling ist Auferstehung und Unsterblichkeit. (Thoreau)

Wenn man sich von der Vernunft lange genug leiten lässt, kommt man zu ganz unvernünftigen Schlussfolgerungen. (Samuel Butler)

Stimmt. Manche Menschen hören nicht auf ihr Herz.

Stumm-Dynastie Rhaunen Sulzbach

Heute waren wir in der Stumm-Stube in Sulzbach (Museum Orgelbau Stumm). Es war sehr schön. Stumm Orgel Weg. Diese geniale Orgelbaudynastie existierte 6 Generationen lang! Das ist schon gewaltig. Eine enorme Bandbreite. Es gab früher große Stumm-Orgeln in Trier und Frankfurt am Main etc., Orgeln, an denen Mozart und Mendelssohn saßen, viele aber wurden über die Zeit leider zerstört. Unverzeihlich!

Aber es gibt noch ca. 400 Orgeln, meist kleinere auf dem Land. Das Museum zeigt einige Werkzeuge und Mensurtafeln 4-Fuß der Stumm Orgelbauer. Aber bevor sie ihre Dynastie beendeten, aufgrund von Familienstreit, Krieg usw., verbrannten sie alles, um keine Geheimnisse nach außen zu verraten. Schockierend! Warum nur?

6 Generationen Stumm

Die erste Generation Johannes Michael berührt mich besonders. Er war Schmied (da lernt man das Grobe), dann Goldschmied (da lernt man das Feine) und kam als Seiteneinsteiger zur Orgel – und niemand weiß, wo er gelernt hat! Selbst? Er sprach als Goldschmied viele Sprachen, hatte auch mit Kirchen und dadurch mit Orgeln zu tun, bekam eine alte kaputte Orgel geschenkt und – war ein Multitalent, Christ und ein ausgesprochen guter Geschäftsmann! Ich bin 3. Generation Musikerin.

Er baute auf komplett eigenes Risiko in einer schweren Zeit mit Familie ein Unternehmen aus dem Nichts auf! Und es gelang! Denn es gab im Hunsrück noch keine Orgelfirma! Es erinnert mich an den Uhrenmacher Furtwängler, der geniale Orgeln als Seiteneinsteiger aus dem Nichts baute. ❤️

Ich liebe es, wenn Menschen Dinge aus dem Nichts erschaffen, so wie Gott die Welt aus dem Nichts geschaffen hat. Und ich liebe es, wenn Menschen Risiken eingehen und belohnt werden und wenn sie durchhalten! Ihr ehrt uns!

Foto: Erinnerung Sonnenorgel Görlitz

Sulzbach Stumm-Orgel

Die Gegend war bekannt für ihre Salz-und Handelsstrassen und Schinderhannes und war früher unter dem Meer. Die Kirchen haben Hähne statt Kreuze auf dem Turm (reformiert). Wir spielten die Stumm-Orgel von 1746 in der ev. Kirche in Sulzbach. Die letzte der ersten Generation. Eine große Orgel in die Brüstung eingebaut, wieder, was ich als sehr ästhetisch empfinde. Doch diesmal: Prominent über dem Altarbogen. Vorn. Seitenspielig, wieder, herzallerliebst ist der Spieltisch, 2 M, direkt an der Wand an der mintfarbenen Brüstung, wieder lange Registerreihe über den Tasten, mit schöner, schwarzer Tusche, und wieder darüber sehr hoch das Pult. Wieder kleines Pedal, wenig Umfang.

Das Quintatön ist wunderschön. Trockene Akustik, präsenter Klang. Schön für Bachs Neumeister Choräle. Johann Michael und Bach, beide gleiche Zeit, ehrten ihr Lebenswerk, indem sie es Gott widmeten.
Ich liebe Süddeutschland. Auch wenn die Welt über Silbermann, Schnitger etc redet.

Die evangelische Kirche hat die großen Orgeln mit ihrem großen Pedal berühmt gemacht im Norden und in Mitteldeutschland. Aber Süddeutschland war (ist) stark katholisch, daher das kleine Pedal – denn Orgeln und eigenständige Musik spielten hier lange keine große Rolle, wurden sogar verboten oder verachtet. Aber dennoch sind diese Orgeln genial!

Geliebtes Süddeutschland, du brauchst keine Komplexe haben! Im Gegenteil!

Morgen mehr. Müüüde.
Sulzbach: ❤️

26. August 2022: Man muss Neues machen, um Neues zu sehen. (Lichtenberg)

Jede angewandte Kunst ist beseelter Hände Werk. Auch die Musik, die in der Seele geboren wurde, braucht zu ihrer Lautwerdung des Menschen Hand. Sie braucht die Hand der Musiker, die wiederum beseelt sein muss, damit jene vollendet laut werde. (Schmitthenner, Architekt) Wie wunderschön formuliert!

Heute erinnere ich an Frieda Belinfante, Cellistin. Künstlerinnen müssen wagemutig sein.

Foto: Späth Orgel in der Pfalz

Bad Sobernheim, Hunsrück

Wir fuhren heute von Simmern nach Bad Sobernheim im Rheinland zur Stumm Orgel von 1939 in der besonderen, evangelischen Kirche dort. Dunkel, mit bunten leuchtenden, blauroten Fenstern, beinahe kindlich bemalter Decke mit Blumen und Insekten, und kleinem Flügel in der Ecke – und fast ebenerdig, sehr tief hängend die Wahnsinns-Orgel mit geschmücktem Rückpositiv, der Blickfang der Kirche. Kindlichkeit und Heiligkeit gehören zusammen.

Auch diese Stumm-Orgel besitzt ein sehr kleines Pedal, nach hinten abfallend, leicht versetzt, eng, kurze Tasten. Kurzum: nicht leicht zu spielen. Nur Spitze möglich, und es muss alles arrangiert und umgedacht werden, so auch in Simmern, wenn man große Bach-Werke spielen will. Hier aufgrund des Rückpositivs nicht seitenspielig. HW 2. M. Schöne Zungen, auch im Pedal. Jede Stumm hat Wumms.

Meist stehen die Pedalpfeifen und die Bälge direkt hinter dem Prospekt. Und man kann den Wind treten nahe bei den Stumm-Orgeln. Es ist schön, wenn kein Motor surrt. Und auch die Mixturen sind mit handgeschöpftem Wind weicher und milder. Aber eins ist klar: Wind schöpfen ist anstrengend. Ich schaffe das nicht, die Holzstangen runterzudrücken, schon gar nicht die per Hand bzw. per Arm. Man braucht viel Kraft.

Merxheim, Hunsrück

Dann fuhren wir zur Stumm Orgel in Merxheim von 1886, die bisher jüngste Stumm. Schlichte, evangelische Kirche. Es ist nicht so leicht, eine Handschrift bei Stumm-Orgeln zu erkennen, da diese Orgeln über viele Generationen gehen. Genauso bei Klais: 4 Generationen, sämtliche Trends mitgemacht. An den Prospekten erkennt man Stumm-Orgeln überhaupt nicht.

Diese 6 Stumm-Orgeln der letzten Tage sahen jeweils komplett anders aus und klangen auch ganz anders. Diese hier war klein, 2 Manuale, seitenspielig, und besitzt einen spitzen braunen Prospekt, mechanische Schleifladen, 3 Flachfelder mit 9 Pfeifen, alles Handwerk. Eine süffig-romantische Orgel, sehr schwergängig, besonders das 2. Manual. In einer langen Reihe die Registerzüge über den Tasten. Und was ich noch nie gesehen habe: Das Pult war oberhalb dieser Register-Reihe, also weit oben.

Recht häufig kam also vor: Seitenspieligkeit, Tremulant, Zunge, Traversflöte (wenn nicht verwurmt), HW im 2. Manual, sehr kleines Pedal.

Die Schwergängigkeit war schon bedenklich. Koppeln geradezu crazy. Jedoch: Warme Farben in wunderschöner Akustik. Ich habe nichts gegen schwergängige Orgeln. Im Gegenteil. Ich liebe schwergängige Orgeln. Und es müssen auch nicht immer zig besondere Farben sein. Warum? Es muss ja nicht immer bunt sein. Der Guss und der Fluss bestimmter ausgewählter romantischer Farben ist manchmal genau das, was es braucht, was ich will. ❤️

Altweidelbach, Hunsrück

Anschliessend spielten wir die seitenspielige Stumm-Orgel von 1796 in Altweidelbach, 1 Manual, kleines Pedal, kleine evangelische Kirche. Orgel: Wenig Umfang insgesamt, aber warme Klänge, fast komplett erhalten. Das Besondere hier: Der kleine, verschnörkelte Prospekt ist direkt in die Brüstung eingebaut! Das habe ich so noch nie gesehen. Diese kleine feine Orgel ist Teil der Brüstung, was typisch ist für Stumm, daher ist die Seitenspieligkeit natürlich unumgänglich. Diese ist nicht immer leicht, da manche Klänge von fern und andere von nah kommen und das klangliche Gesamtbild oben am Spieltisch ungleichmäßig wirken kann.

Und immer gibt es Trompete und Tremulant, egal, wie klein. Die Registerzüge befinden sich in einer langen Reihe oberhalb der Tastatur mit Handschrift. Und auch besonders: Man läuft durch die Orgel hindurch, an den in Ochsenblut getauchten, stehenden Pedalholzpfeifen und den Bälgen vorbei hin zum Spieltisch.

Haydn und Mozart sind hier schön zu spielen, aber auch alles manualiter oder Stücke für Positiv etc. – auch französische Musik.
Stumms wunderbare Traversflöten waren leider aus Obstholz, Birnenholz, was die Würmer lieben.

Ich liebe es, Konzerte zu spielen!

Neue Videos:

You are currently viewing a placeholder content from YouTube. To access the actual content, click the button below. Please note that doing so will share data with third-party providers.

More Information

Bad Sobernheim:

25. August 2022: Orgelvermittlerin. Unsere Ohren wieder auf 0 kriegen. (AHS)

Es ist unmöglich, in die Sonne zu schauen, ohne dass das Angesicht hell wird. (Friedrich von Bodelschwingh)

Heute erinnere ich an Elisabeth Lutyens, Komponistin. Sie wurde geliebt, verhöhnt, geehrt.

Es ist erschreckend: Immer mehr Mädchen wollen Jungs werden. Was sagt das über unsere Gesellschaft aus?

1992 wurden Petra Kelly und Gert Bastian tot aufgefunden. Es hieß „Doppelselbstmord“, obwohl er sie erschossen hatte im Schlaf – und dann sich. Es war also ein Femizid.
Wie oft wurde ein Femizid nicht richtig benannt? Tötete ein Mann seine Frau, hieß es „ein Familiendrama“ (siehe Fall Horst Witt) oder „Affekthandlung“ (Fall Ali C), und die Männer wurden nur minimal bestraft.
Wo sind Anwältinnen und Richterinnen, die die Welt verändern?

Moseltal, Hunsrück, Rheinland

Wir waren gestern in Karden Treis, Moseltal, in der kath. spätgotischen St. Castor, an der Stumm-Klais Orgel von 1728, 3 M, Rückpositiv. Prospekt wie Katharinen in Hamburg, nur klein. Menschengrosse Musikengel oben. Bach gespielt. Später gingen Hans-Wolfgang und ich Kaffee trinken.

Dann fuhren wir alle zusammen zur genialen Stumm-Orgel in Treis in kath. St. Johannes, eine romantische, süffige Orgel um 1837 mit 2 Manualen, 23 Registern, zischenden Streichern, getuschten Flöten, Zinnkehlen, seitenspielig. Nach Teschemacher hat mir diese bisher am besten gefallen. Ein runder Prospekt, ein Halbkreis in einer blauen neugotischen Kirche. Der phantastische Architekt Lassaulx hat alle Formen in dieser Kirche außen und innen aufeinander abgestimmt, runde und besondere Formen bei Treppe, Eingangshalle, Türen und Orgel.

Karden Treis oder Treis Karden

Die großen Pfeifen, die Holz-Prinzipale, hat Stumm nicht aufgestellt, sondern hingelegt, damit sie hineinpassen in das Rund, in den Bogen, den Schwibbogen oder Schwebebogen, leuchtender (erzgebirglicher) Lichterbogen, in den runden Prospekt – hat er die Pfeifen übereinander gestapelt! Um sie stapeln zu können, hat er sie aus Holz gebaut. Ich finde das so genial! Denn auf den Klang hat das Hinlegen erstaunlicherweise keinen Einfluss. Und noch schöner, wenn man den Wind selbst tritt. Dann wird der süffige Klang besonders mild, wie warmer Apfelsaft im Herbst.

Ober Kostenz und Simmern

Wir übernachteten in Ober Kostenz im Haus Stumm und fuhren am nächsten Tag nach Simmern im Rheinland, zwischen Mainz und Koblenz, südlich der Mosel, im Mittelgebirge, ca 40 km entfernt von der Lorelei (auch Loreley), Felsen am Rhein. Dort steht in der ev. schlichten Stephanskirche die wunderbare seitenspielige Stumm Orgel von 1782 aus der galanten Zeit, 2009 von Orgelbau Müller restauriert; goldene Barockohren, braun-beige-golden das Instrument. Hier verbrachten wir den ganzen Tag und genossen die Klänge und das sinnliche Gefühl. In 3 Tagen 9 Orgeln so far.

Bonn Schlosskirche:

24. August 2022: Ich bin eine talentierte Bedenkenträgerin. (AHS)

Wozu Orgelspiegel da sind? Zum Schminken. (AHS) 😊

Naja, das würde ich gern sagen. Nur, dass ich mich nicht schminke, schade. Oder sehr selten. Aber hier auf dem Foto schon. Was denkt ihr?

Heute erinnere ich an Sonja de Lennart, Modeschöpferin, für die viele lange nicht mutig genug waren, da es damals noch Mut brauchte, wenn Frauen Hosen anziehen wollten. Hosen für Frauen waren lange schlechtsitzende Männerhosen.

Kunst sind aber Kreationen.

Ich bewundere Jolanda Spiess-Hegglin, Schweizerin, die sich dafür eingesetzt hat, dass Medienhäuser und Zeitungen in Zukunft bei Mobbing, Hass und Häme teuer bezahlen müssen. Zuvor mussten sie und ihr Mann jahrelang durch die Hölle gehen. Pfui Medienhaus Ringier!

Bonn und Köln 

Bonn ist eine total schöne Stadt, doppelt so groß wie Würzburg. Wir haben ein hübsches Hotel etwas außerhalb, waren aber in der Innenstadt essen in der Nähe von Orgelbau Klais. Wir parkten auf dem Parkplatz von Klais. Hans-Wolfgang zeigte uns auch seine schöne Hausorgel von Teschemacher 1775 im Wohnzimmer. Hans Wolfgang, übrigens ein Würzburger, hat die Klais Orgeln im Kölner Dom konzipiert. Und noch viele mehr.

Mit ihm zusammen habe ich die Zungen der lieblichen Teschemacher in Köln Rondorf gestimmt, Fagott und Schalmey, die ziemlich verstimmt waren. Die Kirche dient auch als Musikschule. Das Kreuz wird mal ab, mal hin montiert… Links steht die schöne weiße Friedrich Gerhardt Orgel von 1880 (2 M) mit mildem Klang. Aber sie hat – leider – keine Chance gegen die herzallerliebste Teschemacher Orgel rechts. Gebaut vom Elberfelder Orgelbauer Jacob Engelbert Teschemacher, Pietist. Nur noch etwa 10 Instrumente ursprünglich erhalten, daher eine Rarität.

Auf der Westempore steht nichts. Hans-Wolfgang neckte mich und sagte, der „normale Glaube“ sei katholisch. Ich habe noch nie darüber gedacht, dass es „katholische und evangelische Orgeln“ gibt. Klais steht für katholisch, Jann zB für evangelisch. Gut, dass sich hier schon einiges verändert hat und Altes aufbricht. 

Zuvor spielte ich die Klais Orgel in kath. Heilige Könige in Köln-Rondorf von 1998, die auch von Hans-Wolfgang konzipiert worden ist. 3 M. Sie mußte um einen Turm herumgebastelt werden. Hans-Wolfgang hatte die Idee eines aufgeschlagenen Buches als Prospekt. Das sieht auch echt gut aus. Freier Spieltisch. Die Kirche hat innen einen mystisch-zeltmässigen Charakter. Von außen lässt sie das nicht vermuten. 

Eine weitere Johannes Klais Orgel lernten wir in kath. St. Franziskus in Bonn Nordstadt kennen, von 1966. Die Kirche besitzt den größten Turm der Stadt – aber ohne Glocke?! Innen ist es ebenfalls mystisch-dunkel mit großen roten Glasfenstern und roten Blumengirlanden. Eine kleine Orgel mit spanischen Trompeten.
Foto: Klais in Heilige Könige Köln-Rondorf 

(ps: es waren keine Könige, sondern Weise) 

Bonn Schlosskirche 

Dann spielten wir die schöne neue Klais Orgel von 2012 in der weißen Schlosskirche (2 M) mit Glockenspiel und Zimbelstern. Ich habe also in 2 Tagen 6 Orgeln gespielt. 

Bonn Klais Orgelbau-Werkstatt 

Es war auch wieder toll in der Werkstatt, besonders in der Pfeifenwerkstatt und in der Präsenz-Bib. Mein zweites Mal. Aber man sieht immer wieder Neues. Es gibt 4 Intonateure.

Wir haben dort auch gegessen.

Moselfranken 

Dann fuhren wir von Bonn ins Moseltal durch die Vulkanklüfte, durch Serpentinen, Wald, an der Mosel, an Burgen und Schlössen vorbei, Eifel, Hunsrück – eine total schöne Gegend, die ich noch gar nicht kannte. Ich berichte morgen mehr! 

23. August 2022: Erfolg folgt der Entschiedenheit. (AHS)

Das größte Vergnügen ist, das zu tun, von dem die Leute sagen, du könntest es nicht. (Walter Bagehot)

Heute erinnere ich an Janni Hönscheid, Surferin, die sich gegen Vermüllung einsetzt.

Ich mag die schwedische Designerin Gudrun Sjöden.

Und die tolle Donna Leon wird 80!

Bin wieder unterwegs. Gesund und fit.

Köln

Wir spielten in Köln-Rondorf in der ev. Emmanuelkirche die geniale Teschemacher Orgel von 1743. Meine erste Teschemacher Orgel. Dann übernachteten wir in Bonn.

Köln ist nicht mehr wie früher, wie damals, als ich hier Klavier studiert habe. Jetzt: Verschmutzt. Der Dom völlig zugebaut, schwarz und dreckig. Alle schönen und freien Plätze vor und hinter dem Bahnhof zugestellt mit Zeugs: Toiletten, Bauwaggons, Bundespolizei. Die obdachlosen Männer sitzen davor. Überall Hektik, Gedrängel und Graffiti. Früher wirkte die Stadt so groß, wild und kultig auf mich.

Jetzt ist sie eng und crowded, nicht nur nach Erholung schreiend, sondern den Punkt längst überschritten habend. Eine kleine Restflamme meiner Köln-Verliebtheit ist dennoch übriggeblieben. Kölle ist ja immer noch cool. Cooler als Würzburg. Vor allem, wenn man Richtung Rodenkirchen rausfährt. Raus aus der Stadt, am Rhein entlang. Hier habe ich mal unterrichtet, u.a. Gerhard Richter. Schöne Villen, Brücken, Ruhe. Rondorf ist auch schön.

Und mitten im Nichts steht die kleine weiße ev. Emmanuelkirche, in der katholischen Welt, in der Diaspora. Hier wartet ein riesiger Steinway, und links und rechts unten ebenerdig jeweils eine wunderbare Orgel. Rechts die Jacob Engelbert Teschemacher (1711-1782) Orgel. ❤️

Jacob Engelbert Teschemacher

Gläubiger wunderbarer Orgelbauer! Die Orgel war lange verschütt im Off eines Museums. Und wer hat sie entdeckt und wieder restauriert? Der tolle Hans-Wolfgang Theobald von Klais. Eine kleine braune Orgel mit einem Manual und angehängtem winzigen süßen Pedal, und dennoch  eine Wucht!

Die Kirche hat eine brillante Akustik. Und in diese Akustik hinein leuchtet die kleine Orgel vollmundig und herzerwärmend. Besonders schön ist die rauchige, fauchende Traversflöte. Ratet mal, was mein neues Lieblingsregister ist?

Traversflöte ❤️

Sich selbst an einer neuen Orgel zuzuhören, ist wichtig. Sich selbst zu berühren.
Den Rest schreibe ich morgen! Gute Nacht!

Weltmeer Geschichte und „Evolution“

Wenn wir so betrachten, das sogenannte „Weltmeer“ der Geschichte, das Männer durchsteuert haben – so haben sie vor allem eines für uns geschaffen: Schiffbruch.

Menschen irren. Dennoch ist sich die Wissenschaft der Männer „sicher“? Ihre Theorien aber sind oft nur Vermutungen mit Hochschulbildung, besonders zur Entstehung der Erde. Gibt es nicht tausend Arten von Täuschungen?

Prostitution

In Spanien wird die Prostitution abgeschafft. ❤️
Es gibt jedoch eine noch viel größere Prostitution. Die ist weltweit bei Anwälten zu finden. Die meisten davon sind Männer.

AHS Buch Club

Heute empfehle ich Michael Herbst: Harte Fragen.

Der Film zu Alice Schwarzer kommt in die Kinos. Ich denke über viele Dinge ganz anders als sie (Abtreibung – natürlich hat jeder Mensch das „Recht“, Unrecht zu tun, und Frauen „dürfen“ genauso morden wie Männer, aber Abtreibung ist in meinen Augen Mord, genauso für den beteiligten Mann wie für die arme Frau), dennoch finde ich sie mutig. Sie bringt vieles auf den Punkt.