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Jean-André-Silbermann-Orgel-Bouxwiller-Frankreich

Silbermann Orgel Bouxwiller

ev. luth. Kirche Buchsweiler, Elsass (1614)

Orgelbauer:

J. A. Silbermann

Baujahr:

1778

Datum des Erstbesuchs:

August 2022

Disposition und Spielhilfen

Register-Silbermann-Orgel-BouxwillerJean-André-Silbermann-Orgel-Bouxwiller-Frankreich

Jean André Silbermann

Positif I C-d3

1 Bourdon 8‘

2 Prestant 4‘

3 Flutte 4‘

4 Nazard 3‘

5 Doublette 2‘

6 Tierce 1,3 / 5‘

7 Fourniture 3fach

8 Cromhorne 8‘

Pedal C-g

22 Supbass 16’

23 Octavbass 8’

24 Bompartte 16’

25 Trompette 8’

Tremblant doux

Tremblant fort

Manualschiebekoppel

 

Manual II C-d3

9 Bourdon 16‘

10 Montre 8‘

11 Bourdon 8‘

12 Prestant 4‘

13 Nazard 3‘

14 Doublette 2‘

15 Tierce 1  3 / 5‘

16 Sifflet 1‘

17 Cornet 5fach

18 Fourniture 3fach

19 Cimbale 2fach

(ausgeführt 3fach)

20 Trompette B/D 8‘

21 Voix humaine 8‘

Johann Andreas Silbermann (1712-1783) mit Pedal und zwei Manualen (unten Rückpositiv), Pedal, Manualschiebekoppel, Tremblant doux, Tremblant fort

Klang und Akustik

Galant, monumental, majestätisch. 1968 hat Alfred Kern die Orgel von Jean André Silbermann (Sohn vom berühmten Andreas Silbermann) hier in Alsace, Frankreich „wiederhergestellt“, nachdem sie 1914 Opfer eines Umbaus wurde.

Der Prospekt ist reich verziert, Rundtürme wechseln sich mit Flachfeldern ab und ist denkmalgeschützt. Vor der Silbermann Orgel gab es hier eine kleine Baldner-Orgel von 1668, die nun in der katholischen St. Leodegarkirche in Buchsweiler steht und die ebenfalls sehr schön ist. Jean André befand sich beim Umbau auf dem Höhepunkt seiner Karriere.

2015 restaurierte Quentin Blumenroeder aus Haguenau die prächtige Orgel.
Besonders mochte ich die Voix humaine und die warmen Montre und die Farben des Rückpositiv. Und die wunderschönen Zungen. Die Bank ist recht hoch und unbequem, aber man gewöhnt sich daran.

Persönliche Note

Die Kanzel ist aus den Jahren 1579 und 1614, ein Kunstwerk aus Sandstein, mit spätgotischen Figuren (Engel, Löwen). Die Renaissance-Säule, geschmückt und mit Geländer im spätgotischen Stil; der Altar ist von 1914, die 27 Tafeln mit Szenen aus der Bibel sind denkmalgeschützt.

Die ursprünglich gotische Marienkirche wird nach der Reformation 1544 evangelisch als eine der ersten Kirchen im französischen Elsass.

Bouxwiller

Bouxwiller ist eine schöne Kleinstadt mit ca. 3500 Einwohnerinnen. Überall schöne Fachwerkhäuser, schiefe und krumme, und niedliche Gassen. Viele sprechen Deutsch mit süßem Akzent. Und viele deutsche Straßennamen: Judengasse. Herrengasse. (Beides Namen, die heute undenkbar wären.) Elsass steht für Wein, Käse, wunderschöne Natur, gutes Essen, liebliche Orgeln, Vogesen, Eis. Tomaten leuchten in der Sonne.

Und die evangelische Kirche hält mit ihrer berühmten späten Jean André Silbermann Orgel von 1778, 2 M, das Fähnchen hoch und kümmert sich um die Gemeinde, das ist toll.

Die Silbermänner

Was ist das Besondere dieser Silbermann Orgel? Sie singt. Sie ist ein wirkliches Instrument! Wie eine Geige. Keine Plastik-Universal-Orgel. Mit warmen, handgemachten, authentischen Klängen, zart, präsent, egal, ob Zungen, Aliquoten oder prinzipalische Klänge. Ihr Rückpositiv mit den Registern hinter mir spiegelt das große Werk, volles Pedal – oben thront ein Adler auf dem Holz.

Eine Orgel für galante Klänge in einer quadratischen Kirche, am Ende seiner Karriere vom Sohn Johann Andreas (2. Generation) gebaut, Sohn von Andreas, von Alfred Kern 1968 restauriert. In Marmoutier werden wir im Vergleich zu dieser späten 2. Generation eine frühe 1. Generation von Andreas Silbermann erleben: Erhaben, gravitätisch.

Keine neue zeitgenössische Orgel darf abfallen von diesem Maßstab. Es ist nicht akzeptabel, dass es heute etwas Schlechteres gibt oder gebaut wird, da man ja sieht, dass und was geht.

Man darf Orgeln als Organistin natürlich nicht überfordern. Aber die meisten Orgeln sind eher unterfordert.

Während die J.A. Silbermann Orgel in Bouxwiller (Eglise prot.) für eher galante Klänge bestimmt ist, in einer beinahe quadratischen Kirche, am Ende seiner Karriere vom Sohn Johann Andreas (2. Generation) gebaut, Sohn von Andreas, und von Alfred Kern 1968 restauriert, ist in Marmoutier  im Vergleich zu dieser späten 2. Generation eine frühe 1. Generations-Orgel von Vater Andreas Silbermann: Erhaben, gravitätisch in großer Akustik.

Eine ganz andere Ästhetik in einer ganz anderen Akustik. Die riesige Kirche in Form eines Kreuzes mit sehr langem Langschiff besitzt mindestens 4 Sekunden Nachhall.


4 Antworten auf “Silbermann Orgel Bouxwiller”

  1. Karl Ackerman

    Great organ.. I could imagine it being warm sounds, the pedal section could have more though.

  2. Andreas Friedrich

    Persönlich; sehr ausführlich und informativ mit anschaulichen Bildern. Die Info bestätigt eindrucksvoll, dass es auch in Frankreich prachtvolle Kirchen und Orgeln gibt. Vielen Dank!

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