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Malerei

Die innere Haltung macht die Musik

Es ist nicht möglich, zu schweigen.

Musik aber kann glücklicherweise gegen das Misstrauen Wahrheit konkret und auch abstrakt definieren. Sie ist eine flammende Rede mit ungeheuchelter Gestik und Mimik, perfekt in den Übergängen, rund, zärtlich, auch bitter, voll Küsse, Einladung und Warnung, wie ein Rausch und doch klar zu Herzen gehend, zu Tränen, Lächeln und Lachen rührend.

Eine so gute Rede wie Musik habe ich noch nie gehört. Die Sprache der Musik muss man dabei erst lernen: jeder kann sie hören, aber nicht jeder gleich verstehen, nicht einmal die Ausführenden selbst.

„Was vor uns liegt und was hinter uns liegt, sind Kleinigkeiten im Vergleich zu dem, was in uns liegt.“ (H. Thorau)

Ich bin heute eine Flügel-Zigeunerin. Meine Geige ist das Klavier.

  

Köln und Aachen

Auf einer Tour, Musik unter das Volk zu mischen, den Menschen Musik zu bringen, die in keinen Konzertsaal gehen, wie zum Beispiel auf der Kölner Domplatte — Musik ist grenzenlos. So spielte ich auf dem Dreiländerpunkt Belgien/Deutschland/Holland.

Musik ist sinnlicher Intellekt. Ein Künstler ist inspiriert von Geist, auf der ernsthaften Suche nach Wahrheit, mit Sinnlichkeit (mit den Sinnen zu erfahren).

Ein Künstler kann durchaus eine tickende Zeitbombe sein, wenn sie sich nicht mehr auszudrücken wissen. Daher ist Charakter wichtig.

Ballade

Gedichte sind Balladen mit Musik im Klang und werden manchmal von mir vertont. Musik heute kommt mir heute oft nicht wie Musik, sondern wie Unterhaltung oder eine Art Spiegel des gesellschaftlichen oder individuellen Herzens vor.

Aber Musik ist mehr: sie ist eine Sprache für und aus einer anderen Welt, einer Welt in uns und einer, die gleichzeitig nicht von dieser Welt ist, von einer Welt, nach der wir uns so sehr sehnen. Musik ist für mich die eindrücklichste Form von Literatur und Sprache.

Was werden will, muss man sein lassen.

Köln

Was ist positiver Zerbruch?

„Die meisten betrachten die Victoria Fälle von Zambia aus. Aber um ihre volle Pracht erleben zu können, muss man ganz nach unten, nach Zimbabwe.“(Stefanie Flamm)

Loszulassen, nach unten zu gehen, ins Nichts, ins Tal – doch im Verborgenen entdeckt man endlich die Tiefe, die man braucht für alles.

„Und wenn du nichts getan hast in deinem Leben, außer dein Herz immer wieder zurückzubringen, nachdem es wanderte und litt, nachdem es fortlief, so hast du doch dein Leben wohl erfüllt.“ (Franz von Sales)

Langeoog

Leben und Wahrheit gehören zusammen. Franz Werfel schreibt in seinem Roman über Verdi: „Die Wahrheit nachbilden mag gut sein, aber die Wahrheit erfinden ist besser, viel besser…“

Nun, es geht nicht darum, Wahrheit zu erfinden, sondern sie überhaupt erst zu erkennen und zu erforschen. Beim Erfinden von Wahrheit kommt oft nur etwas Verdrehtes heraus. Es gibt genügend Gerüchte, dass es nicht noch mehr Clichés und Halbwahrheiten braucht.

Ein Beispiel hier ist Thomas Bernhards Roman „Der Untergeher“: Für die normale Gesellschaft kann sich so das Bild des „seltsamen, verrückten Musikers“ noch mehr verankern.

Das Leben begabter Menschen als Mittel zum Zweck für Lebensforschungen, Lebensphilosophien und Imagination herzunehmen, zu fälschen, zu übertreiben, Neid und kindlich blinde Bewunderung, finde ich verantwortungslos. Ist es nicht viel wichtiger und hilfreicher, zuerst die Realität, dann die Wahrheit zu erkennen? Musik dient dazu, Wahrheit widerzuspiegeln.

Hören ist Denken und Wahrnehmen

„Hätte ich früher erkannt, dass der winzige Palast meiner Seele einen so großen König beherbergt, dann hätte ich ihn nicht so oft allein gelassen.“(Terese von Avila)

Es ist interessant, sich mit horizontalem und vertikalem Hören zu beschäftigen: Melodische Linien, Artikulation im Detail-Kontext zu hören, nicht nur vertikal Charakter, Klang, Tempi insgesamt.

Eine Pianistin ist meist gewissenhaft und diszipliniert; pedantisch war ich noch nie, eher Klang. Jetzt aber stelle ich fest, dass der Schlüssel Artikulation hilft, um von hinten sozusagen, vom Kleinen aus alle Räume aufzuschließen. Bisher arbeitete ich meist vom Großen ins Kleine.

Bonn

07. Mai 2010

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Kunst und Predigt

Wirkliche Kunst sagt den Menschen nicht, was sie glauben sollen, sondern sie versetzt die Menschen für eine Weile in die Lage, die Dinge anders zu betrachten.

Der gläubige Künstler kann es den Menschen ermöglichen, einen Moment die Welt durch Augen der Erlösten zu sehen. (Steve Turner)

In dem Fall schafft Kunst, was eine Predigt nicht schaffen kann, doch auch die Predigt ist Kunst. Es gibt wundervolle Künstlerinnen, zum Beispiel Joni Mitchell und Joana Newsom. Ich finde, durch Kunst wird sichtbar, wie es im Himmel sein wird. Frauen und ihre Kunst spielen eine große Rolle.

14. Februar 2010

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Das RAD im Schönblick

Mein Geburtstag ist schön gewesen. Es ist ein besonderer Tag, ein Sonntag, ein Tag der Herzen, wie immer ein Valentinstag voller Rosen und Lieder und Wein, und dann 250 Künstler auf einmal, die Musik machen und singen und liebevoll sind. Ich bekam ein Geburtstagslied von einem Streichquartett gespielt und von der Fachgruppe Musik der RAD-Tagung, um Mitternacht gesungen, ein Tag voller Segen und Umarmungen, Gebet und Konzert. Ich war etwas verletzlicher, wie es so ist an Geburtstagen, jedenfalls bei mir. Aber ich habe mich auch unabhängig von Kunst und Musik wohl gefühlt in ihrer Gemeinschaft.

Bei der RAD-Tagung haben mir einige wieder gesagt, ich würde sie an die Künstlerin björk erinnern, in der nordischen Art. Es war ein Tag voller Klang und Tönen.

Ich komme mir oft vor wie eine brennende Kerze, die hier auf Erden alles gibt, die sich ernährt von Kraftvergeudung im positivsten Sinne. Kunst sind ganz andere Kapitalströme als die, die wir so kennen.

01. Februar 2010

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Klang

Morgen fahre ich nach Nürnberg und Fürth und freue mich, zu sprechen und zu spielen, Tage voller Klang, ich möchte gern über Glauben und Leben als Künstlerin sprechen und wie schwer das oft ist. Bald werde ich auch als Sprecherin in Neubrandenburg und Leipzig sein im März. Ich spreche eigentlich auch gerne über das, was in mir ist, ich habe das Gefühl, ich habe so viel zu sagen, was anderen helfen kann. Heute habe ich den Film Mein linker Fuß gesehen (Christy Brown) — oft konnte ich mich teilweise identifizieren mit dem jungen Mann, der gleichzeitig hochbegabt und sehr klug war und doch in mancher Hinsicht wie ein Krüppel war. Ich glaube, Schriftsteller sind insgesamt sehr klug, da sie sehr sensibel zusammenfassen können müssen, wenn sie nicht gerade irgendwo schweben. Manchmal schwebe ich beim Bachspielen. Gerade Sensibilität macht oft zu einer Art ‚Krüppel‘.

21. Januar 2010

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Lyrische Bilder

Meine lyrischen Bilder und meine Malerei seien wunderschön, ein gigantisches Feuerwerk, aber Menschen würden noch draußen stehen, nicht wirklich verstehen, sagten mir heute Veranstalter und Publikum. Ich komme mir noch vor, als würde ich unter einem Schleier schreiben: Der lyrische Schlüssel bin ich, doch ich kenne ihn, mich selbst noch nicht gut genug. Das Erstaunliche ist, dass ich gerade von diesem Schlüssel schreibe in meinem Roman. Alles ist so eng verwoben, als würden so viele Teile meines Lebens verwoben sein. Allerdings manches passt so überhaupt nicht hinein und scheint so sinnlos zu sein. Ich liebe es, wenn jemand schreiben kann, weise, mutig, Dinge auf den Punkt bringend, verborgen und prophetisch. Es gibt kaum etwas Schöneres. Das kann man auch nicht studieren. Die meisten großen Schriftsteller haben etwas ganz anderes studiert, wenn sie studiert haben.