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Ann-Helena Schlüter

7. Oktober 2020

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I break together. (…)

Ich breche zusammen 🙂

Ich liebe den Schluss von der Passacaglia c-Moll. Im Grunde ein Schluss der 10.000 Schlüsse, der 10.000 Schlenker, diese Art, die Beethoven übernommen hat, 5 Schlüsse in der Tonika, 12 Schlüsse insgesamt, wenn man die Schlüsse in der Dominante mit dazu nimmt. Die Immitationen wie ein dichtes, elastisches Band, das sehr stabil und ausgeglichen ist. Ein Schwalbennest. Eine Kathedrale, deren Oberstimme leuchtet, wenn das Fundament durch Pedal und linker Hand steht. Steht das Fundament nicht, versinkt die Kathedrale im Moor. Dann gibt es nur vertikale Akkorde nebeneinander. Wenn aber die intensive Polyphonie wie horizontale Bausteine geschichtet sind in dieser Permutationsfuge, dann schimmert die Kathedrale wie Perlmutt. Dann leuchtet Bachs Kombinatorik. Dann hat jeder Ton Richtung und Größe.

Gerade an der schönen Ladegast-Orgel in Hohenmölsen, ca. 45 km von Leipzig entfernt, macht sie besonders viel Spaß.

Diese enorme Unterschiedlichkeit der Insel-Orgeln an der Ostsee mit den Ladegast-Orgeln in Ostdeutschland und der pneumatischen Sauer-Orgel in Mönchengladbach innerhalb von wenigen Tagen – das fasziniert mich. Vor allem, wenn man überall die gleiche Passacaglia spielt. Die ersten 10 Minuten an  einer neuen Orgel sind dabei entscheidend, die ersten, empfindlichen Momente an einer noch fremden Orgel.

An der einen Orgel kann man die Passacaglia in einem formbaren Plenum spielen, eventuell ohne 2-Füße, vor allem, wenn sie zu aggressiv sind, mit (kleiner) Mixtur, wenn sie relativ warm ist. Beispielsweise in einem Rückpositiv-Plenum. An einer anderen Orgel wiederum ganz anders, zarter.

Das Besondere der Ladegast sind die vielen Achtfüße und auch Vierfüße, die vielen neuen Farben. Das Satte, das er auch in seinen kleinen Orgeln eingebaut hat – als Bonus zur Streichern und Flöten.

Hohenmölsen war meine sechste Ladegast-Orgel, an der ich spielte. Liebte sie alle.

An der herrlichen Sauer-Orgel habe ich Bach warm und in jeder Variation neu registriert. Die Fuge ist die krönende Abschluss-Variation. Romantic Style.

Bald kommt Liszt Ad nos an der Sauer als Video.

Unterwegs zum Konzert heute Abend nach Kolbermoor bei Rosenheim.

Neu: Bach Passacaglia und Fuge c-Moll BWV 582 an der romantischen Sauer-Orgel Mönchengladbach-Rheydt: Soli Deo Gloria! Danke an Udo Witt und Team, Cornelia Sandig und Michael Beier! Wunderschöne Kameraführung. Ich breche zusammen… 🙂

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6. Oktober 2020

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Loben heilt. Und Kraft ist Leuchten und Frieden. (AHS)

Was ist Kraft? Das oben. Kurz, das Gegenteil davon, was die meisten „Menschen“ (für viele sind Menschen = Männer) unter Kraft verstehen und mit ihrer Kraft machen. Vielleicht, weil sie so „intellent“ sind.

Dennoch meinen viele, sogar Pfarrer und Diakone, „Gott könne nicht überall gleichzeitig sein.“ Haben sie nie die Bibel gelesen? Für Gott ist es eine Kleinigkeit, überall gleichzeitig zu sein.

Manchmal macht es mir Spaß, über dunkle und unheimliche Gelände zu gehen (abends am Hafen), mit jemand zusammen, und dann Gruselgeschichten zu erzählen oder sich welche vorzustellen. Einmal habe ich selbst eine Gruselgeschichte erzählt und mich dabei selbst fürchterlich gegruselt.

5. Oktober 2020

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Ich habe jeden Tag mein Reservoire an Lustigkeiten. Ich erinnere mich und lache mich kaputt – beim Üben, unter der Dusche, egal, wo. (AHS)

Am sympathischsten sind mir übrigens die Autos, die nicht meckern, wenn man den Gurt nicht angelegt hat.

Manchmal singe oder lache ich in der Kirche und habe immer gleich das Gefühl, man muss sich entschuldigen. „Oh, man darf ja nicht singen“ (lach). „Oh, man darf ja auch nicht lachen.“ (seufz)

Wichtig finde ich beim Orgelspiel, insgesamt nicht hektisch zu spielen, weich und klein in der Bewegung zu bleiben, auch im Knie.

Wenn mir eine Person mehrmals am Tag zufällig begegnet, weiß ich, dass ich für diese Person beten soll, egal, ob ich sie mag, kenne oder nicht.

4. Oktober 2020

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Ich bin ein (Orgel-) Seismograph. (AHS)

Ich stelle mir vor, einmal eine eigene Orgel zu bauen. Ich würde beispielsweise das Register Klavier einbauen. Ich weiß, es ist eine konstruktionstechnische Herausforderung und auch eine Frage des Geldes und des Platzes. Im Grunde müssten Saiten in die Orgeln eingebaut werden. Aber da auch andere Instrumente und Glockenspiele (ebenfalls angeschlagen) simuliert oder echt eingesetzt werden können, müsste dies theoretisch möglich sein. Es gäbe wohl auch das Register Regen, vielleicht sogar Tina Turner, was ich super finde.

In den USA gibt es viele tolle Organistinnen. Scheinbar wird es dort mehr gefördert. Ich habe auch schon ein paar kleine Mädchen an der Orgel unterrichtet.

Auf facebook freue ich mich auf über 11.600 Follower, merci!

Ich habe entdeckt, dass ich den altmodischen Namen Mildred schön finde. Doch heute werden Kinder eher Dustin genannt. Das ist übersetzt Staub-in, oder Staub-ihn-ab.

Ostsee für Orgel:

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3. Oktober 2020

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Die Orgel hat ein Alleinstellungsmerkmal. (AHS)

Wenn ich reise und Orgeln kennenlerne, habe ich tatsächlich das Gefühl, ich erobere ein Stück weit die Welt: Habe ich die Orgel (oder eine der Orgeln) der Stadt oder Gegend kennengelernt und gespielt, kommt es mir vor, als hätte ich die Stadt oder die Gegend kennengelernt, ein Gespür für das Umfeld und deren Stimmung erhalten, als wären die Orgel und ich ein Stimmungsbarometer. Die Orgel hier, die einzige Pfeifenorgel Heiligenhafens, atmet die Luft, die Seeluft, und gibt mir ihre Gedanken weiter. Ich komme mir vor wie ein Seismograf.

Die Sauer-Orgel in Mönchengladbach, an der ich jetzt aufgenommen habe, meine erste Aufnahme an einer romantischen, pneumatischen Orgel – eine eigene Welt, eine Orgel ohne Gehäuse, mit Pfeifen von 1902, samten, romantisch, süffig. Ob man Bach an einer neobarocken, an einer neobarock-französischen (Steinmeyerin), an einer (historischen) Universalorgel wie Ladegast oder an einer romantischen Orgel aufnimmt, so wie ich es die letzten Tage und Wochen tat, in jeweils völlig anderer Akustik – das ist sehr faszinierend. Je nachdem wie groß Orgel, Kirche und Empore sind, so anders wird die Aufnahme. Je nachdem, ob mit oder ohne Rückpositiv, ob Kegellade wie die Sauer-Orgel oder Schleiflade wie in St. Josef Würzburg… ein Traum. Danke an alle Unterstützer. Ich freue mich auf die Videos.

Ich freue mich, den Dom in Xanten kennenzulernen.

Neue Noten im Shop unter „Noten“.

Die Reubke-Sonate ist schön. Wie können so viele Organisten Pianisten hassen, wo doch ihre wichtigen Komponisten Liszt und Reubke Pianisten waren? „Wir haben alle mal Klavier gespielt“, sagte ein Organist. „Ich spiele heute noch Klavier“, antwortete ein anderer.

Ich als Pianistin muss mich natürlich noch immer an gewisse Orgelklänge gewöhnen. Aber ich habe so oft das Gefühl, dass manche Organisten Angst vor mir haben, weil ich ganz anders und künstlerisch ausgebildet worden bin.

Früher mochte ich Rheinberger und Böhm nicht. Aber plötzlich ist da ein Zugang, wie durch ein Wunder geht eine Tür auf: Wow, Präludium d-Moll von Böhm, Sonate Nr. 18 Rheinberger. Nur Pepping mag ich nach wie vor nicht.

2. Oktober 2020

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An(n) ist es. Aber noch nicht Helena. (anonym? Nein.)

Letzter Tag an der Ostsee für diese Zeit. Abends im Hafen und am Binnensee entlang gewandert, überall Lichter und erleuchtete Skulpturen, (erinnerte mich an Greifswald), Popeye-Wurst gegessen (innen mit heißem Käse, denn wenn man hungrig ist, wird man grantig), aber auch zum Essen eingeladen bei sehr netten Gemeindegliedern und intensiv über Politik geredet, und so manches mehr, und schöne Aufnahmen in der Kirche gemacht. Auch auf den Turm der Kirche in Heiligenhafen sind wir gestiegen. Vor den Leitern hatte ich dieses Mal nicht so viel Angst, und der Ausblick war sehr schön, über Hafen, Markt und Binnensee. Zudem konnte man die laute, mechanische Turm-Uhr sehen, die einmal in der Woche gestellt werden muss, was recht anstrengend ist. Und die drei wunderschönen, großen Glocken, elektrisch angesteuert. Was für ein Klang! Er geht durch den ganzen Körper.

Schön ist, dass es hier überall Segelschiffe oder Segeln gibt: Auf Kerzen, auf Roundabouts, als Blumenschmuck, auf Strassenschildern… Singen ist in den Gottesdiensten noch immer nicht erlaubt.

Es ist interessant, Muffat im kühlen, silbrigen, etwas „quäkigen“, norddeutschen Stil eher zungig zu hören, obwohl er eigentlich einen weichen, warmen, süddeutschen, streichigen Klang bedarf.

Wieder neues Bach-Video:

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1. Oktober 2020

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My hands are of your colour; but I shame to wear a heart so white. (Shakespeare)

Wenn man eine hervorragende Organistin oder Organist sein möchte, muss man sich (außer mit vielem Üben) viel mit Reisen, Geschichte, Mentalität, Orgelbau, Klängen und Akustik beschäftigen. Wenn man nur an der eigenen Orgel hockt, wird man keinen Zugang zur Exzellenz finden. Warum? Weil Orgelspiel viel mehr ist als fehlerloses Spiel oder Üben. Es ist Wissen, Kennen, Wachstum, Reife und Musikalität. Es gehört viel Leidenschaft dazu, dieses Instrument zu erkennen. Man muss eine Beziehung zu diesem Instrument im Allgemeinen aufbauen. Das kostet Kraft und Zeit, weil die Orgel eine enorme Persönlichkeit ist. Das ist das, was ich am meisten an der Orgel mag: Ihre Persönlichkeit.

Man muss Dispositionen auf dem Papier analysieren, blind registrieren können, Klänge, Frequenzen und Klangbilder auf CDs erkennen, Stile und Kirchenstile wissen, Akustik und Raumgrößen abschätzen können, also alles Fähigkeiten und Interessen, die man nicht über Nacht erwirbt und die man auch nicht „büffeln“ kann, sondern die durch Erfahrung und Herzblut entstehen: Wie klingt eine durchschlagende Klarinette, wie ein weicher 32-Fuß, welche 2-Füße? Es ist theoretisches Wissen, das im Grunde aktives Wissen ist, künstlerisches.

Man braucht ein Bauchgefühl und ein Verständnis für die Orgel. Und dabei muss man innen flexibel und weich bleiben, nicht starr und in Regeln verhaftet. Man muss Regeln kennen, um sie brechen zu können. Wenn man Regeln nicht kennt und sie bricht, ist dies naiv. Aber wenn man Regeln kennt und bewusst bricht, dann entsteht Kunst. Viele sind zu ängstlich für wahre Kunst. Ich glaube, dass die, die Regeln zu hochhalten, meist die sind, die eben nicht gereist sind, die eben nicht so viel kennen, die die Ausnahme der Norm nicht kennen, die Regeln missverstehen, die im Grunde kunstfeindlich und experimentenfeindlich sind und massive Angst vor Fehlern haben, Theoretiker, Lehrer. Bach konnte nicht viel reisen, aber er ist „gereist“ durch seine Abschriften, durch sein Interesse an der Vergangenheit, durch sein Kennen der Stile, durch seine Vorstellungskraft. Dadurch hat er noch viel mehr geleistet und noch viel mehr Türen geöffnet.

30. September 2020

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Fehmarn und Ostsee, Teil 2 – Orgelklang steht für mich für Geschichte. (AHS)

Nach der Kleuker-Orgel in Burg auf Fehmarn sind wir nach Bannesdorf gefahren. In der „kleinsten evangelischen Kirche Fehmarns“ gibt es drei große, hängende Holz-Logen, links eine hübsche rote. Die kleine, helle Orgel (sie wirkt silbrig-hellblau, Marcussenorgel) mit ihren wenigen Registern klingt rauchig und schön. Anschließend waren wir im Hof-Café von Klausdorf. Es ist interessant, wie viele hübsche Hof-Cafes es auf Fehmarn gibt, mit Sanddorn-Torten, warmen Getränken und Bioläden. Draußen tummeln sich Ziegen.

Zuletzt fuhren wir nach Landkirchen, einem hübschen Dorf mit einer unglaublichen, riesigen Kirche. Auch hier in Ostholstein sind die meisten alten Kirchen evangelisch. Die Petrikirche in roter Backsteingotik inmitten des grünen Friedhofs (der Glockenturm ist wie meist aus dunklem Holz) ist innen herrlich ausgestattet: Wertvolle Riesen-Segelschiffe baumeln von der Decke oder sind in Glaskästen ausgestellt. Große bunte Holz-Logen stehen auf beiden Seiten. Ein Mittelalter-Gefühl. Auf einer schönen roten Empore (leicht schief) steht die hell-silbrig-weiße Orgel, klein, aber oho, eine Marcussenorgel mit Wahnsinnsklängen. Weich, durchsichtig, authentisch, rund. Zwei Manuale, aber kraftvoller Sound.

Wenn man auf der Fehmarnsundbrücke fährt, ist auf der einen Seite das offene Meer. Man kommt dort nach Polen, Litauen, Russland. Natürlich sind da auch die Seebäder (ich liebe Seebäder seit Kindheit) und die Ostseeküste mit Sassnitz, Hiddensee, Jasmund und Usedom. Weiter oben kommen die schönen dänischen Dörfer wie Lolland und Maribo (nicht zu verwechseln mit Marabou, der schwedischen Schokolade).

Abends waren wir noch im historischen Salzspeicher Fisch essen. Früher ging der Hafen bis dorthin. Salz war wichtig, um Fisch zu konservieren. Man muss sich auch überlegen, dass all dies früher einmal dänisch war. Sogar große schwedische Segelschiffe baumeln von den Decken der Kirchen.

Sehr interessant und zu empfehlen ist die spannende Orgelseite von Martin Doering aus Berlin, ein Muss für Orgel-Fans: Die Orgelseite

Neues Bach-Video, diesmal 1. Satz:

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29. September 2020

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Fehmarn und Ostsee, Teil 1

Heute waren wir den ganzen Tag auf Fehmarn. Die große, schöne Ostsee-Insel Fehmarn, zu der Burg, Puttgarden, Landkirchen, Bannesdorf und Klausdorf gehören (dort waren wir) und die seit der Fehmarnsundbrücke leider eine Art Halbinsel für die Bewohner geworden ist (hier fährt auch der Zug darüber; es gibt keine Fähren mehr), hat viele besondere Kirchen und Orgeln, ähnlich wie die große Ostsee-Insel Rügen (Luftlinie ca. 150 km von hier, wo ich letzten und vorletzten Sommer spielte). Von Heiligenhafen kann man nach Fehmarn radeln; es gibt auch hier eine Steilküste, wenn auch keine Kreidefelsen. (Sund istgleich Meerenge).

Schleswig-Holstein ist ziemlich groß und sehr schön. Zudem sind hier überall dänische und schwedische Flaggen, so dass ich mich heimisch fühle.

Die Ostsee war heute sehr ruhig und milchig, mit dem Lied der Möwen darüber. Zuerst waren wir an der Kleuker-Orgel in Burg auf Fehmarn. Burg ist eine hübsche Kleinstadt (6000 Einwohner) mit Restaurants, Jackengeschäften, guten Eisläden (Sanddorn-Eis) und wie Heiligenhafen voll unregelmäßiger Pflastersteine. Ich mag das.

Es war noch recht viel los, trotz Nebensaison. Viele Hunde. Die evangelische Hallenkirche St. Nikolai ist viel größer als die in Heiligenhafen und ebenfalls eine rote, bauchige, kurvige Kirche mit schwarzem Dach inmitten großer Herbstbäume und einer gepflegten Friedhofsanlage. Mir gefallen die Inselkirchen. Sie sind nun erntedankgeschmückt mit Kürbissen und Sonnenblumen, was ich immer mit am hübschesten im Jahr finde.

Draußen sind zudem überall Hagebutten- und Sanddornsträucher (noch nicht reif). Die Menschen sprechen teilweise plattdeutsch.

Die Inselorgeln sind sehr interessant: Oft sind sie Marcussen-Kemper-Orgeln. Kemper hat hübsche, romantische Orgeln gebaut, jedoch gibt es auch viele nicht so gute (nachkriegszeitbedingt). So gab es in Burg einen Neubau durch Kleuker (damals Detlef Kleuker, Bielefeld). Der herrliche Prospekt ist von 1664. Ich liebe es, kerzengerade in eine mir noch unbekannte Kirche hinein zu gehen, ohne mich umzudrehen, so weit wie möglich nach vorn zum Altar, bis ich es nicht mehr aushalten kann, um mich dann umzudrehen und überwältigt zu werden (oder enttäuscht, je nachdem). In Burg habe ich mich recht schnell umgedreht und sah, dass die Orgel tief, hell, groß und nah hängt, was mich entzückt hat, mit einem majestätischen Rückpositiv, perfekt passend inmitten der Säulen. Wir sind hochgestiegen und haben gespielt. Ich mag es, wenn Orgeln hell sind, keine dunklen Kästen.

Die neobarocke, zweimanualige Kleuker-Orgel in Burg auf Fehmarn mit einigen romantischen Stimmen hat eine schöne 16-Fuß Prinzipalflöte im Pedal (eine weit mensurierte Flöte), interessante Zungen, eine historische Quintade (die Quinte sticht hervor) und ein interessantes Solo-Register namens Obertöne mit ungewöhnlichen Zusammenstellungen (8/5, 8/7, 8/9) im HW, ein nettes Cornet. Der Registerapparat steht einzeln von der Orgel mit Einzelabdeckung. Es gibt noch einen zweiten, fahrbaren Spieltisch unten.

Nachdem ich dort zwei Stunden gespielt habe, sind wir noch am Meer spazieren gegangen. Es gibt hier unzählige Steine, feucht glänzend in allen Farben, sogar Bernstein darunter, wenn man Glück hat.

Die katholische Kirche in Burg dagegen ist klein, mit leuchtenden Fenstern.

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28. September 2020

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Malerei in Tönen

Die Weigle-Orgel ist eine süddeutsche Orgel in Norddeutschland, mit einem norddeutschen Prospekt. Oben klingt sie ganz anders; unten viel schöner.

Nach einem Konzert muss man alle Stücke erst einmal wieder „putzen“, vor allem bei Komplementärstellen.

Manchmal scheue ich mich vor der Konzentration, dabei ist Nicht-Konzentration letztendlich mehr Arbeit und genauso anstrengend. Denn das Träumen hat auch seinen Preis und ist im Grunde eine Flucht, die das Gehirn ungünstig programmiert. „Mal funktioniert mein Gehirn, mal nicht.“ „Na, Hauptsache, es funktioniert heute Abend.“ Die Scheu vor der Konzentration wird keine Zufriedenheit bringen. Auch Konzentration ist Entspannung.

Die für mich perfekte Orgel hat immer ein Koppel-Manual, aber nicht unten, sondern als drittes Manual; dann Schwellwerk, dann Fernwerk. Unten immer Rückpositiv.

Hier an der Ostsee haben wir Nordseekrimis geguckt und Ruhr-Krimis gelesen. Es ist schön, norddeutsche Musik in Norddeutschland zu spielen.