Man glaubt es kaum, aber Unterricht geht tatsächlich über Skype 🙂 Wahrscheinlich habe ich mit meiner Hauptwerk-Orgel C-19 vorhergesehen. Es ist zwar nicht das gleiche, aber…
Und man glaubt es auch kaum: Durch diese Zeit bin ich wieder an der Diss dran. Webex-Meetings statt Leipzig, Salzburg und Innsbruck. Hat auch was.
Und in der Leiste auf der Frontseite ist nun auch Spotify drin. Liked mich dort :).
Und nun mal etwas ganz anderes: Lyrik und elektronische Musik, für alle Nachtschwärmer und Frühaufsteher schon jetzt zu sehen, ansonsten wird es morgen veröffentlicht für alle:
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Es ist schade, dass man als Musikerin immer neutral sein muss, dass es MusikerInnen nicht “erlaubt” ist, sich politisch oder überhaupt zu etwas zu äußern, was nicht Musik, Luft und Liebe ist, zumindest nicht negativ, nicht in Frage stellend, nicht kritisierend, nicht anders, nur bejahend. Dabei sind gerade musikalische Menschen sensibel genug, nicht der Masse konform zu sein, sondern zu anderen Schlussfolgerungen zu kommen als das Grand. Ich merke nur immer wieder, dass man es gerade mir als öffentliche Musikerin übel nimmt, wenn ich nicht die Meinung der Masse teile. Dass das manche scheinbar sehr verunsichert. Das darf ich in der Musik, da wird es gestattet, manchmal. Es ist schon schwer, sich außerhalb der Norm in der “Musiker”-Szene zu bewegen, aber gar ein wenig außerhalb der gesellschaftlichen Norm? Immer zurückhaltend sein – manche Menschen sind da Profis drin, knallharte Profis. Aber sie sind auch irgendwie abgestorben. Man sieht es ihnen an. Das spürt man dann auch in der Musik. Absterben möchte ich nicht.
2020. Meinungsfreiheit etc. …. …
Insgesamt unterscheide ich meine Fans mittlerweile so:
Ich habe die klaren Hass-Fans: Sie würden nie etwas liken, im Gegenteil, sie dissliken, stänkern und lästern, “verfolgen” mich dennoch durchaus leidenschaftlich digital.
Ich habe die ambivalenten Hass-Fans, sie dissliken nicht, aber liken auch nicht, “stalken” mich stumm digital.
Ich habe die labilen Fans. Sie lieben mich nur, wenn ich so bin, wie sie mich haben wollen oder wenn die Sonne scheint. Manchmal werden aus labilen Fans ambivalente Hass-Fans.
Ich habe die stabilen Fans. Sie stehen meist immer zu mir; auch dann, wenn andere lästern – es ist eine Art Respekt, Achtung und Grundbewunderung da. Diese ermutigen mich oft sehr, auch in schweren Zeiten.
Ich habe Freunde-Fans, die beides (geworden) sind. Meist andere Musiker, Veranstalter, Freunde, Vorbilder etc.
Ich habe die Freak-Fans, die es übertreiben und mich pausenlos anschreiben.
Und die Nicht-Fans. Das können sogar Familienmitglieder sein.
UND DIE GRÖSSTEN FANS YIPPIEH
Natürlich ist immer die Frage, was “Fans” eigentlich genau sind und ob man solche braucht als Musikerin oder nicht.
Ich könnte zu mir selbst eine Studie erstellen.
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Gibt es denn ein sinnlicheres Instrument als die Orgel? Schöpft nicht jeder Ton sein Leben aus der Luft, die wir atmen? Sie lebt! (Jean Guillou)
Ja, sie lebt, schwingt, obertönt – und ist doch ein Symbol für etwas Ewiges, dass Leben ohne Atmen ist, dass ist, weil es ist, dass Schwingung und Liebe ist, denn Liebe schwingt. Symbol dafür, dass Leben Vereinigung ist. Geist ist.
Mein neues Orgel-Werk Pandemic Dance: Teil 2 von APOKALYPTIKA.
Unheimliche Erwartung, unvorhersehbare Entwicklung, überraschender Ausbruch von Entsetzen, Panik und ungewisses Ende.
White Panic
Vielen Dank an klenkfilm Stuttgart und an die tolle Drohne! Ich freue mich auf die große Resonanz und auf das tolle Video und meine Stücke:
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Wissen und nicht danach handeln heißt: noch nicht wissen. (Anonym)
Es war schwerer als gedacht, als autarke Künstlerin ein neues Instrument wie die Orgel zu erlernen.
Hauptsächlich wegen des (menschlichen) Widerstands von außen. Viele der Kirchenmusiker haben es mir nicht gegönnt, da es eine Art männliche Lobby ist, die Orgel spielt. Orgelmänner eben. Dabei gehört klar erwiesen Lernen zu unseren wichtigsten menschlichen Grundbedürfnissen. Warum bin ich dann auf so viel Widerstand gestoßen? Gerade bei denen, die es besser wissen müssten? Haltet durch, wenn ihr eine Berufung habt. Je größer der Widerstand, desto größer die Berufung. Auf geht’s, Orgelfrauen!
Anbei ein ganz neues Stück von mir: APOKALYPTIKA 2020. Inneres Zwiegespräch.
Es ist schon auf viel Wind gestoßen :).
Freu mich über Eure Abos auf YouTube.
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Federn lassen und dennoch schweben – das ist das Geheimnis des Lebens. (Hilde Domin)
Dem kann ich nur voll zustimmen! Schweben, auch wenn manche Eisenkugel an den Fußgelenken hindern will.
Reger und Mendelssohn. Komponieren. Schreiben.
Im gelben Anti-Stress-Gedichte-Buch von Herder sind nur Gedichte von Männern (immer den gleichen). Innen Männerbildchen im Sonnnstuhl dazu. Ich empfinde das als Betrug, denn das Buch ist von außen so aufgemacht mit Blumen etc., dass es für Frauen zu sein scheint. Statt einem Mann liegt draußen auf dem Cover ein Pinguin im Sonnenstuhl. Tarnung.
Ich bezweifle, dass Männer solche Bücher kaufen. Noch dazu kommen in den Männergedichten Frauen seltsam vor – als “Girls”, “Damen mit Hinterteilen” etc. – ein sexistisches Buch, nett und unschuldig getarnt.
Stile brauchen Zeit, bis man sie erkennt und versteht, man muss sie üben und trainieren. Stile sind Handwerk und Sprache. (AHS)
Ich liebe es, verschiedene Stile zu können und zu beherrschen. In jeder Kunstrichtung. Ich liebe diese Vielfältigkeit, Wahl, Entscheidung und Freiheit. Und die Verbindung Literatur und Musik. Denn Stil ist eine Sprache, wie ein Text, den man erkennen und verstehen muss (siehe auch Meueler).
Es ist schön, wie die kreativen Köpfe jetzt zusammen halten in der Krise, Musiker, Unternehmer, Selbständige… Ich denke, die kreativen Köpfe werden aus dieser Krise besser hervorgehen als die meisten: mit neuen Top-Ideen. Ich habe mich jetzt auch mal an das herangewagt, was ich noch nicht machen konnte. Das Leben ist mehr als Reisen und Konzertieren.
Ich war nun in allen wichtigen Bachorten: Eisenach, Arnstadt (leider war letzte Woche dort alles zu wegen der Krise, auch das Bachhaus, aber ich war schon mal drin), Ohrdruf, Köthen, Dornheim, Leipzig, Wechmar, Erfurt, Hamburg, Berlin, Mühlhausen, Lüneburg, Dornheim, Ammern, Weimar.
Es gibt natürlich auch in Arnstadt und Umgebung wundervolle Frauen und Prinzessinnen der Geschichte: Katharina, Auguste Dorothea, Elisabeth Albertine, Fürstenmutter Wilhelmine, Schriftstellerin Friederike Eugenie John, Stiftsgründerin Marie von Schwarzburg und viele andere.
Man möge mir verzeihen, dass ich ab und zu gern Rosamunde Pilcher lese. Vielleicht weil ich weiß, dass es gar nicht so leicht ist, so zu schreiben, wie sie schreibt. Das muss man erst mal können.
Sehr empfehlen kann ich das Buch Mama Shekinah von Hedwig Rossow, ein Buch über eine Missionarin in Afrika, bewegend.
Wenn das Innenministerium auffordert, Masken zu nähen, sind damit auch Männer gemeint? Erstaunlich ist, dass erst ein dämonischer Virus Kriminalität (immer Männerkriminalität): Kindesmissbrauch, Vergewaltigung, Mord, Raub, Drogen, Luftverschmutzung und häusliche Gewalt eindämmt.
Ich bin auch auf Instagram und freue mich, wenn ihr mir dort folgt. Ich werde dort alle Videos meiner Orgelreise posten. Ich habe jede Orgel aufgenommen zum Vergleich. Merci! Ich gebe zu, dass mir die Konzerte und Reisen für mein Wohlgefühl fehlen und nichts Digitales dies ersetzen kann. Immerhin scheint auf dem Balkon die Sonne, und ich esse Fischstäbchen.
F.E. Walcker Scheffler Orgel 1913 Ilmenau, größte Orgel Thüringens
Gott ist mein Fels, meine Hilfe und mein Schutz, dass ich nicht fallen werde. (Psalm 62,7)
13 Orgeln in vier Tagen! Ich freute mich schon lange auf die sehr schöne Orgelzeit ab 18.3., schon seit Dezember. Für mich ist es ein Wunder, dass es geklappt hat trotz der bizarren Zeit gerade. Es ist so schön, die reiche Orgellandschaft Thüringens kennenzulernen. Es gibt in Thüringen über 200 Orgeln allein aus dem 18. Jahrhundert. In beinahe jedem Dorf steht eine wunderbare Orgel.
Wir sind über 1400 km gefahren und haben 13 Orgeln in 4 Tagen gespielt. Einmal waren wir auch in Sachsen-Anhalt (Köthen) und Sachsen (Leipzig). Organisiert habe ich die Reise seit Januar. Meine erste selbstorganisierte Orgelfahrt. Aufgrund von Corona ist zwar einiges durcheinander geraten, manches hat nicht geklappt, aber über die Hälfte schon, dafür bin ich sehr dankbar.
Allein die Zugfahrt mit dem Express über Neudietendorf war genial. Alles war still, friedlich, lag glitzernd in der Sonne. 10:57 kam ich an, wurde abgeholt, und ab dann ging es los. Danke an alle! Die orgelverrückte Sorglose aus der Brötchengasse on Tour.
Am 18.3. (Mittwoch) habe ich die Wender-Schuke-Orgel in der ev. Davi Blasii-Kirche (Bachkirche) Mühlhausen gespielt, die schön und friedlich in der Sonne lag, man sitzt dort als Organistin direkt unter dem Rückpositiv…
anschießend die wunderschöne Wender-Orgel (die Bach abgenommen haben soll) in St. Vitus Ammern (gefahren über die B247), und zuletzt an diesem Tag fuhren wir nach Buttstädt bei Sömmerda in Thüringen über die B84 und L1058. Dort steht die wunderschöne Heroldt-Orgel in der prunkvollen Michaeliskirche Buttstädt.
Diese große Heroldt-Orgel, die Bach, als sie neu war 1702, kennengelernt haben soll! Viele kennen diese beiden letztgenannten Orgeln und Kirchen nicht, kennen auch den Bach-Bezug zu diesen Orgeln nicht.
Dort in Buttstädt habe ich auch den wunderschönen Friedhof, der einzigartig nördlich der Alpen mit seinen Gräbern über 400 Jahre alt ist, im Abendlicht besucht. Erstaunlich, dass Buttstädt einen solchen Friedhof Campo Santo besitzt. Überall hier in Thüringen sind die Menschen so engagiert, ihre Kirchen, Orgeln und Friedhöfe wunderschön zu erhalten.
Hut ab! Dennoch brauche diese Menschen dringend Hilfe. Sowohl die Michaeliskirche als auch vor allem die Orgel brauchen dringend finanzielle Unterstützung zur Sanierung. Kirche, Turm und Orgel fallen sonst zusammen. Der Turm ist schief, die äußere Wand fällt ein und kann die tonnenschwere Orgel nicht mehr halten.
Übernachtet haben wir in Gotha, sind von Buttstädt aus über die A71 und B7 (175 km) gefahren.
Am 19.3. spielte ich zunächst einige Stunden auf der grossen, schönen Schuke-Orgel in der Margarethenkirche Gotha, Thüringen. Dann fuhren wir ins kleine, malerische, grüne Dörna über die B247 und L1006 zur schmucken Wender-Orgel in St. Georg, die früher in Mühlhausen stand.
Auch hier spielte ich einige Stunden. Wender stammte aus Dörna. Die Kirche und die Orgel werden liebevoll vom Freundeskreis vor Ort gepflegt und jeden Abend die Glocke aufgezogen. Gleichzeitig kümmern sich diese lieben Männer auch um Bienen. Viele kennen auch diese Orgel nicht, obwohl Bach diese Orgel kannte und schätzte!
Abends fuhren wir dann zur Ladegast-Orgel nach Köthen über die K201 und L145 zur Kirche St. Jakob.
Diese große Orgel mit Walze in Sachsen-Anhalt hat mich sehr beeindruckt. Ich habe schon einige herrliche Ladegast-Orgeln nun gespielt, in Schwerin, Rudolstadt, Leipzig. Merseburg nur von unten. Nur Buxtehude ist hier natürlich nichts. Wir fuhren zurück über Leipzig (Sachsen) nach Thüringen über die B183 und L3004. Wir übernachteten in Arnstadt.
Am 20.3. spielte ich ab 10 Uhr dann in der Bachkirche Arnstadt an Wender und Steinmeyer und an der Schuke in der Liebfrauenkirche, dann in der Bachkirche Dornheim an der Schönefeld (über L1048), abends 19 Uhr an der schönen, bemalten, dreimanualigen Ladegast-Orgel von 1636 der evangelischen Stadtkirche St. Andreas Rudolstadt (über die B90), Kantor der sehr nette Frank.
In Rudolstadt, Bad Blankenheim und Saalfeld habe ich schon oft gespielt, Orgelkonzerte und Klavierabende. Mir gefällt die bergige Gegend. Wir übernachteten in Rudolstadt. Überall schöne Schlaflunken in gemütlichen Spelunken.
Dann die super herrliche Trost- Orgel in Waltershausen, die wahrscheinlich meine Lieblingsorgel auf der gesamten Tour war. Sie hat den schönsten Spieltisch, den ich je gesehen habe.
Alle Windladen, Trakturen, Manualklaviaturen und fast alle Register wurden erhalten. Die Tasten sind sehr lang und schwarz, ähnlich lang wie an meiner Prüfungsorgel in Frankfurt am Main, und hätte ich nicht kleine Hände, würde man zwischen den schmalen, langen Tasten hängen bleiben.
Gottfried Trost hat die Orgel mustergültig gebaut. Hier war das Gute, dass es kein Geld gab, sonst hätte man sie – wie viele andere Orgeln – “umgebaut” (=zerstört), wie es Mode war. Nur leider wurde die Balganlage umgebaut, wurde aber von Stade sehr gut rekonstruiert. Wie verletzlich die mächtigen, tonnenschweren Orgeln sind, sieht man erst oben.
Die Kirche Zur Gotthilfe Waltershausen besitzt zudem eine wunderschöne Decke und Akustik, und der Verein Orgelsommer ist noch immer sehr aktiv. Ich habe alle Journale des Orgelsommers gelesen.
Dann fuhren wir von der größten Barockorgel Thüringens zur allgemeingrößten Orgel Thüringens: Die letzte Orgel der Reise war die große Walcker-Orgel in Ilmenau in der St. Jakobuskirche (weißer Schrickel-Prospekt).
Es ist ein Wunder, dass diese so wundervoll restauriert werden konnte, dass das Geld hierfür da war durch die Wende, sonst wäre die Orgel kaputt gegangen. Vor dieser Walckerorgel gab es noch viele andere schöne Orgeln in Ilmenau, die aber leider zerstört wurden. Die Walckerorgel besitzt einen Notspieltisch, so dass man im Duett spielen kann. Um sich warm zu halten, gibt es dort einen Fön, ein Heizkissen und einen Infrarot-Strahler.
Es gibt in Thüringen noch sehr viele wunderschöne Orgeln und sehr nette Kantoren.
An den netten Kantoren sieht man erst, wie unfassbar un-nett andere sind, die Orgeln interessierten Geistern und begabten Fingern vorenthalten, obwohl diese Orgeln nicht ihr Eigentum sind. Ich weiß, dass es auch in Frankreich, Italien usw. tolle Orgeln gibt, aber ich habe erst mal eine Leidenschaft für die Orgeln meines Landes. Erst mal möchte ich diese kennenlernen.
Dafür schlägt erst mal mein Herz. Und die neuen Bundesländer kennen viele “im Westen” noch immer nicht, sie fahren lieber nach Paris.
Dann zurück ins abgesperrte Bayern. Ich lasse mich ungern einsperren und war schon immer sehr freiheitsliebend. Ich glaube, das liegt daran, dass ich als Kind einmal aus Versehen eingesperrt war. Da war die Klinke eines Zimmers abgebrochen und ich kam nicht raus.
An jeder Orgel habe ich unglaublich viel gelernt. Jedoch Lernen bedeutet, immer weiter dazuzulernen.
Es hört nie auf. Die motorischen, kognitiven und klanglichen Erlebnisse haben sich in meinem Gedächtnis abgespeichert. Man kann sagen, dass eine Orgel träger ist als ein Flügel, das stimmt, jedoch liebe ich das Gravitätische der Orgel und das Farbenspiel. Die Orgel an sich ist mein Orgellehrer. Dazu Gott, der größte Organist.
Wunderschön ist das ganze Land: Thüringer Becken, das Harzvorland, der Thüringer Wald, die langen Tunnel und der Rinnstein-Tunnel (der längste mit über acht Kilometern, der den Hauptkamm des Thüringer Waldes durchquert), die DDR-Überbleibsel (Orte, in denen der Letzte das Licht noch ausmachen muss bzw. in denen nur noch “alte” Menschen leben) –
brillant Restauriertes, manches Zerfallene, das Nebeneinander von alt und neu (neue Autobahnen, der hell erleuchtete Frachtflughafen Leipzig, die Neubaustrecken der Bahn und auch Züge, die wie durch ein vergessenes Land rauschen), das Mansfelder Land und seine Bergbauhalden.
Ich glaube, die Eltern von Martin Luther hatten ein Bergwerk im Mansfelder Land. Auch an Wechmar fuhren wir an Bachs Geburtstag vorbei – dort fanden die lustigen Bach-Familienfeiern statt, hier entstammt die Familie Johann Sebastians.
Das Thüringer Burgenland ist einfach zum Anbeißen, an jeder Ecke eine Burg und eine Kirche, romantische Dörfer und Wanderrouten.
Es ist schade, die Reise unterbrechen zu müssen wegen der Corona-Krise, aber es war bis dahin wundervoll. Und nun bin ich in der Ausgangssperre, die mich heimtrieb.
Erinnerung: Orgeln in Not: Bitte helft! SOS-Orgel-Dörfer: Orgeln in Not
Lernen bedeutet jedoch, immer weiter dazuzulernen. Es hört nie auf. (AHS)
Orgeln in Not, SOS-Orgeldörfer, SOS für die wunderschöne Herold-Orgel in Buttstädt, Thüringen:
Die wunderschöne, große Michaeliskirche in Buttstädt bei Sömmerda braucht dringend finanzielle Hilfe. Der Turm ist schief, wird der neue Turm zu Pisa, die Mauern fallen ein, haben starke Risse.
Diese Kirche mit edlen, bemalten, geschmückten Emporen und ihren Skulpturen, in der man die dort aufgeführte Musik noch hören kann, eine Konzertkirche, ein Kunstwerk, die mit ihren Stockwerken an ein Theater erinnert, muss dringend erhalten werden.
Sie kann kaum mehr die tonnenschwere Orgel tragen, deren Pfeifen hinten ausgelagert worden sind und die ebenfalls dringend saniert werden muss, die nicht mehr spielbar ist. Auch der Prospekt dieser wundervollen Herold-Orgel ist ein Meisterwerk, passt farblich hervorragend zu den Emporen und muss dringend von Schnitzern und Künstlern saniert werden.
Insgesamt ist dies, Kirche, Glocken, Turm und Orgel, ein millionenschweres Sanierprojekt, das dringend begonnen werden muss, bevor es zu spät ist und alles zerfällt. SOS!
Die Orgel wurde von Bach und Bachschüler Krebs und dessen Vater gespielt. Es ist eine geschichtsträchtige Kirche und Orgel in einem malerischen Ort in Thüringen.
Das kleine Dorf mit seinem Verein und dem sehr engagierten Horst Mey haben nicht das Geld, diese Sanierungen vorzunehmen. Da müssen Weimar, Leipzig, Erfurt und andere und Bachgesellschaften und Bundesgartenschaus und Privatpersonen einspringen.
Der einzigartige Camposanto-Friedhof mit Gräbern vierhundert Jahre alt neben der Kirche ist sehr gut erhalten und gepflegt. Bei Interesse und Ideen, dieser Orgel finanziell zu helfen, möge man sich wenden an das Pfarramt in Buttstädt und an Horst Mey.
Wunderschön ist auch die Wender-Orgel in Dörna; diese hat Bach gespielt. Es kommt nicht auf die Größe einer Orgel an, sondern auf ihre klangliche Schönheit und Stimmgewalt, und beides hat diese wunderbare Orgel zu bieten.
Sie muss ebenfalls dringend saniert werden; der Putz fällt auf die Tasten. Der Freundesverein in Dörna ist sehr lieb, engagiert und bemüht, die Orgel vollständig zu sanieren, hier bei Interesse, finanziell zu helfen, bitte an Herrn Forst in Dörna wenden.
Auch die große Ehrlich-Orgel in Bad Wimpfen in der Dominikanerkirche muss dringend restauriert werden, sich hier bitte an Herrn Astfalk und Frau Schreiber in Bad Wimpfen wenden.
Das Geld für unsere Kirchen, Orgeln, Kultur und Geschichte ist sehr gut eingesetzt. Ich möchte jeden motivieren, sich hier zu engagieren. Thüringen ist ein Kulturort, und ich freue mich auf die BUGA Erfurt 2021. Bis jetzt spielte ich auf BUGAs in Heilbronn, Schwäbisch Gmünd und Würzburg.
Man bewältigt ein Gebirge und stolpert über einen Stein. (Gertrud von Le Fort)
Ich gehe kaum ohne Orgelschuhe aus dem Haus. Noch vor drei Jahren undenkbar, wäre komisch gewesen. Doch jetzt: Schöne Normalheit. Normalzeit. In einer bizarren Zeit. Nun gehe ich aus dem Haus, wenn ich zum Zahnarzt gehe. Mit Orgelschuhen. Da man sonst nicht aus dem Haus gehen darf, gehe ich jetzt jeden Tag zum Zahnarzt. Nein. Ich mag Zahnarzt nicht.
Die vorletzte Orgel der Tour, am 21.3. dann spielte ich einige Stunden an der wundervollen, mächtigen, dreimanualigen Trost-Orgel von 1724 in Waltershausen, Thüringen, der größten Barockorgel Thüringens, an der man auch (mit zwei Bio-Setzern=Menschen) klanglich perfekt mit etwas Umarbeitung Liszts B-A-C-H spielen kann, und natürlich Bach, Mozart, Mendelssohn…
Die Fugara ist hier eine Flöte, normalerweise Streicher. Die Mixturen sind fett, groß und tief. Super Zungenbatterie. Die langen Register bestehen aus dicken, bunten Chiptalern wie aus dem Casino. Die grünen sind für das Hauptwerk in der Mitte und oberhalb des Spieltisches. Die braunen sind in der Mitte und für das Pedal. Die roten sind außen für Brustwerk und Oberwerk.
Wir fuhren über die A71 und A4 nach Waltershausen. Der Kantor Theo ist super. Ich bin, obwohl die Orgel schwer zu spielen ist, sofort sehr gut mit dieser zurecht gekommen. Theo sagte, es sei erstaunlich, wie schnell ich mit ihr zurecht gekommen wäre, das würden die wenigstens können. Die meisten haben Angst vor dieser Orgel.
Cembalisten kämen gar nicht mit ihr klar. Das Hauptwerk ist sehr schwergängig, alles sehr weit auseinander gezogen, man muss als kleine Frau die Arme enorm strecken, vor allem das oberste dritte Manual ist weit weg (mit den herrlichen Farben), und das Pedal ist doppelt so breit und weit als bei “normalen” Orgeln – und dazu lässt sich die Bank nicht verstellen, ist viel zu hoch für kleine Frauen. Um zu D und C im Pedal zu kommen, muss man sich zu beiden Seiten enorm strecken wie auf einer Streckbank.
Dazu kommt, dass man die Töne des Pedals mit ziemlichem Gewicht drücken muss – beim kleinsten Nachgeben des Beines lässt der Ton sofort nach. Und die tiefsten Töne, die so unendlich weit weg sind, kommen klanglich auch noch verspätet. Ob der wundervolle Trost dies alles absichtlich gemacht hat? Nicht um Frauen zu ärgern, denn damals gab es wohl keine Frauen an den Orgeln, aber er haßte den Organisten Ritz, für den er bauen sollte.
Dieser Ritz hat ihm das Leben zur Hölle gemacht. An der Orgel hat er kaum etwas verdient. Ritz wollte Trost sogar an den Galgen bringen. Daher ließ der liebe Trost auch zwei schwarze Teufel an die Seiten des Spieltisches bauen. Früher hatten diese Teufelsgesichter weiß blitzende Zähne und Augen und lange Hörner, dass sich Organist Ritz sehr schnell ritzte beim Spielen.
Nun sehen diese schwarzen Gesichter eher mahnend aus, dass man Orgelbauer gut behandeln sollte, denn diese sind Künstler. Ritz hat vergessen, dass man ihn nicht mehr kennen wird, Trost aber schon. Mir gefielen sehr die Flammen zwischen den Pfeifen, auch bei den Pedalpfeifen.
Die Trost-Orgel ist ein experimentelles Wunder. Die erste Orgel mit so vielen Grundtönen und Achtfüßen – sieben Achtfüße und drei Sechzehnfüße (!), dazu überblasene Flöten: Die Vorlage zu allen romantischen Orgeln.
Ich spielte überall meine Bach-Trio-Sonate d-Moll und Bach 542 und Piece d’Orgue, so konnte ich die Unterschiedlichkeit der Orgeln am besten spüren. Denn jede Orgel ist völlig anders. Wie ganz anders zur Trost-Orgel dann eine Stunde später die Walcker-Orgel in Ilmenau!
Es ist erstaunlich, dass die Trost-Orgel jünger ist als die Ladegast-Orgel in Rudolstadt, das wirkt nicht so. Das liegt natürlich an der Restaurierung der Ladegast 1882. Nur die Vorgänger-Orgel ist von 1636.
Bach liebte nachweislich Trost-Orgeln. Es gibt nur vier erhaltene Trost-Orgeln überhaupt: Altenburg, Großengottern, Eisenberg und Waltershausen. Ich bin nun auch Fan von diesem Tobias Heinrich Gottfried Trost.
Auch die Ladegast-Orgel in Köthen liebte ich, an der ich abends am 19. spielte. Sie ist männlich, tief, dunkel, aus braunem Holz geschnitzt und mit brausenden Klängen. Ganz anders die helle und weibliche Schuke-Orgel in der Margarethenkirche in Gotha am Morgen, in der auch Bach war.
Diese ist glockig brillant, lächelnd, fein und ganz anders mächtig. Mir wurde sogar Tee und Kaffee nach oben gebracht, es war eine wundervolle Zeit in dieser Kirche, in der unten der Chorraum und das Pfarrbüro direkt in der Kirche sind, durchsichtig in Glaswänden, was ich sehr schön und einladend finde. Jede Kirche hat ihr Bonbon.
Ich mag die alte Platten, von Perahia, vom Evangeliums-Rundfunk… – so nett und beruhigend. Ich mag auch von Janacek die Glagolitische Messe (Platte).