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Ann-Helena Schlüter

Wie verletzlich die mächtigen, tonnenschweren Orgeln sind, sieht man erst oben. (AHS)

Weil sich viele Sorgen machen oder wundern: Ich bin wieder daheim. Die fränkisch-bayerische Corona-Ausgangssperre hat mich verschluckt, yeah.

Die letzte Orgel dieser wunderbaren, besonderen Orgeltour war die große Walcker-Orgel opus 1609 in Ilmenau in Thüringen in der gelben Jakobuskirche mit seinen wunderschönen Farben für Messiaen, Liszt, Reger und Bach und seiner Walze und dem “umgekehrten” Schweller, die mir Hans-Jürgen zeigte. Danke!

Wir fuhren über die L1025. Diese schöne, elektro-pneumatische, symphonisch angelegte, spätromantische Walcker-Orgel von 1911 bekam 1917 neue Pfeifen, ebenso 1929, und besitzt nun über 65 Register. Das Ziel war hier, Deutsches und Französisches zu vereinen, eine Vermählung dieser beiden, und auch eine Vermählung von Barock und Romantik.

Das Pneumatische ersetzt das Sostenuto-Pedal und kommt mir als Pianistin gut gelegen, man muss dennoch bei Fugen sehr aufpassen. Die Orgel besitzt zudem Appelle wie in Frankreich: Damit werden Zungen, vor allem helle, und sogar Mixturen (also alles, was “Lärm” macht) per Tritt hinzugesetzt und abgesetzt, um klangliche Brüche zu vermeiden.

Das Arbeiten mit der Walze macht mir Spaß; sonst ist ja auch ein Spielen von Reger nicht wirklich möglich, wenn man das Spielen mit der Walze ablehnt. Koppeln und Zungen können zur Walze hinzugenommen oder hinausgeworfen werden. Diese Walcker-Orgel mit drei Manualen ist ganz und gar anders als beispielsweise die in Hoffenheim.

Ich liebe die Einzelstimmen der romantischen Ilmenauer Walcker-Orgel, der Ilmenauer Königin, die Große von E.F. Walcker & Cie Ludwigsburg von 1911, von Edwin Schmuck initiiert, mit starkem, französischem Einfluß, mit großem Schwellwerk und schönem Spieltisch, von der Firma Scheffler 1993 restauriert.

Ich liebe diesen symphonischen Klang, 4000 Pfeifen und mehr, perfekt für Liszt, Ritter, Reger, Messiaen, Mendelssohn, Bach und eigene Werke; die edlen Aliquoten und den typisch deutschen Klang der Zungen.

Die gelbe St. Jakobuskirche besitzt zudem eine sehr schöne Akustik. Mozart wurde hier noch nicht gespielt, dafür gibt es mich.

Ich liebte auch die Ladegast-Orgel in St. Jakob Köthen, an der ich am Tag zuvor viele Stunden abends übte – hier war Bach ebenfalls.

Zu fast all den bisher besuchten Orgeln hatte Johann Sebastian Bezug, auch in Gotha zu allen Orgeln, auch zur Schuke-Orgel dort in der Margarethenkirche (historisches Gehäuse). Bisher spielte ich Ladegast in Schwerin, Leipzig, Köthen, Rudolstadt und gesehen von unten in Merseburg.

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Der Schönheit bis in ihre Schlupfwinkel folgen, an den traurigsten Orten Freude finden, wach hinsehen und verstehen. (Arundhati Roy)

Es war sehr schön, nach der wunderbaren Schuke-Orgel in der Bachkirche Mühlhausen (Thüringen), wo Bach Stadtorganist war, nach Ammern (ein Dorf fünf Kilometer von Mühlhausen entfernt) zu fahren und dort in der entzückenden, evangelischen Dorfkirche St. Vitus mit Turm die Wenderorgel zu besuchen und einige Zeit zu spielen, die Bach abgenommen haben soll laut Christoph Wolff. Die Unstrut fließt unten vorbei. Ein alter Baum mit weiten Zweigen verdeckt das Tor.

Die Wender-Orgel oben sieht aus wie ein Schmuckstück, die Registerzüge sind schwarzweiße, dicke, runde, unschuldige Kegel wie Gesichtchen, die man küssen möchte, vor allem die Gambe. Die ganze Orgel, so niedlich sie aussieht, hat eine klanglich majestätische und erwachsene Wucht und Fülle. Sie ist vom Umfang verhalten, aber Bach, Homilius etc., sogar Mozart sind hübsch zu spielen, wenn man gut abwägt und entscheidet.

Mühlhausens Divi Blasii, eine gotische Hallenkirche, besaß zuvor auch eine Wenderorgel, wurde aber von Schuke nach Bachs Dispositionsentwurf von 1708 neu gebaut und erweitert; das historische Gehäuse blieb.

Ich bin wirklich nun Fan von diesem Johann Friedrich Wender aus Dörna. Mühlhausen, Dörna, Ammern, Arnstadt – allein die wunderschöne Wender-Orgel in der Georgenkirche zu Dörna ist klanglich himmlisch, obwohl so klein. Ich habe auch dort einige Stunden geübt. Zuvor stand diese Wender in der Brückenkirche Mühlhausen.

Und die unglaublich schöne Wenderorgel von 1703, 2000 rekonstruiert, in der Saalkirche Arnstadt der Neuen Kirche Arnstadt mit seinen schönen weißen Emporen. Bach war in Arnstadt von 1703-1707. Unter der Wenderorgel steht die schöne und sanierte Steinmeyer-Orgel von 1913, die Pfeifen hinter der Gitterung. Insgesamt eine erstaunliche Westwand der Kirche. Natürlich ist die “Bach-Orgel” nicht mehr das, was sie zu Bachs Zeiten war. Allerdings besitzt sie noch Pfeifen und Klänge, die Bach gekannt  und benutzt hat.

Aber auch die große, dreimanualige Schuke-Orgel von 1979 in der Basilika Liebfrauenkirche Arnstadt ist sehr schön, sie steht nun unten und ist sehr angenehm und sinnlich motorisch im Spielgefühl an den Tasten. Diese beeindruckende Kirche mit Türmen, Langhaus, Kanzel von 1589, Schnitzaltar von 1498, Madonna und gotischem Hallenchor gefiel mir trotz Kälte sehr gut.

Ich liebe Orgeln von Walcker, Wender, Schuke, Ahrend, Ladegast, Schnitger, Beckerath, Ehrlich, Stellwagen, Lenter, Silbermann, Steinmeyer und Klais. Und alle mitteltönigen Orgeln.

Bach muss auf jeden Fall romantisch gewesen sein, das sieht man am Datum seiner Hochzeit mit Maria Barbara: 17.10.1707!

Anbei meine neue Top-Liste von Orgeln, die sich sicher noch ergänzen wird:

Sehr schöne Orgeln, Lieblingsorgeln 

Man darf von der Dummheit anderer profitieren, aber nicht von deren Unglück. (AHS)

Bachs 335. Geburtstag 🙂 Und ich bin in Bachs World.

Sehr schön ist die Traukirche Bachs in Dornheim. Ich liebte es, dort heute zu üben. Das kleine Dorf freut sich, dass JSB damals Zerwürfnisse in Arnstadt und Mühlhausen hatte und lieber bei einem befreundeten Pfarrer in Dornheim getraut werden wollte. So kommt dieses Dorf zu Ehren.

Auf dem Stadtschild ist ein Wappen mit den Noten B-A-C-H. Die Kirche St. Bartholomäus wird vom Förderverein und Freundeskreis liebevoll und sehr gut erhalten. Auf den weißen Bänken liegen dunkelrote Samtkissen.

Die weißen barocken und gotischen Altäre sind noch von damals, viele Kunstwerke und Kruzifixe noch viel älter. Die originale Orgel ist leider zerfallen. So kam die schöne Schönefeld-Orgel mit 18 Registern und zwei Manualen von Erfurt nach Dornheim.

Sie sieht ähnlich einer kleinen, edlen, zweimanualigen Silbermann-Orgel aus, weiß-golden mit Trompeten und Schleifen. Ihr Umfang ist nicht sonderlich gross, aber das Pedal recht bequem, und sie ist insgesamt angenehm zu spielen. Ich habe dort ca. drei Stunden geübt.

Man sagt zwar, sie sei nicht so sexy zu spielen wie die Orgeln in Arnstadt, das mag sein, und die Orgeln in Arnstadt sind wirklich wunderschön, aber allein schon in Bachs malerischer Traukirche zu sitzen und zu spielen ist für mich “sexy” genug.

Zudem ist die Akustik wunderschön, und die Orgel gefällt mir sehr gut. Auch heute noch kommen Leute von außerhalb, um dort getraut zu werden. Letztes Jahr haben über 2000 Leute von außerhalb die Kirche besucht. Ich bin dort in Dornheim noch ein wenig spazieren gegangen, obwohl es kalt war, am Friedhof vorbei – alles schön gepflegt.

Die Oberkirche mit ihrer Orgel in Arnstadt wird bald eingeweiht. Ich liebe die Wiesen und die Weite dieser Gegend. Das romantische Datum Bachs Hochzeit mit seiner Maria Barbara: 17.10.1707! Johann Sebastian war romantisch.

Abends haben wir dann die dreimanualige Ladegast-Orgel von 1636 in Rudolstadt besucht, ich habe auf ihr noch mal ca. drei Stunden geübt. Nach Schuke liebe ich Ladegast mit am meisten.

Schuke-Orgeln sind für mich meist weibliche und Ladegast meist männliche Orgeln. Jedoch die Ladegast in Rudolstadt ist ein Zwitter. Man kann sie nicht als rein männlich bezeichnen. Ingesamt fällt mir auf: Die Orgeln, so fern und mächtig sie von unten aussehen (sollen), so zerbrechlich sind sie von oben. Schnell ist dort mal etwas abgerissen oder zerbrochen. Schnell muss sie gereinigt und gepflegt werden. Orgeln muss man von Herzen lieb haben.

Die evangelische Stadtkirche St. Andreas in Rudolstadt ist herrlich. Ein riesiger Lebensbaum mit Wappen (zuerst dachte ich, es seien Bienen) rankt sich nach oben, und die Orgel mit ihren bemalten Pfeifen passt sich farblich und förmlich perfekt ein zu den Gemälden auf den Tribünen.

Die Posaune im Pedal und die vielen schönen Achtfüße und auch die Walze gefielen mir sehr, perfekt ist die Orgel für Mendelssohn, Mozart, Liszt, Reger, aber auch für Bach. Vielen Dank, Frank!

Ich habe mich aufgerafft, zu schmollen, dann konnte ich schon einen Blues schreiben. (Duke Ellington)

Die Wender-Orgel in der Bachkirche Arnstadt ist wunderschön. Das Pedal ist aufgrund der weiten Abstände nicht leicht zu spielen. Auch die Manuale sind, wenn man sie koppelt, nicht leicht – aber insgesamt eine klangliche Schönheit, an die man sich schnell auch motorisch und spieltechnisch gewöhnt. Besonders schön ist die Quinte 6 zusammen mit Gedackt als Solostimme, sehr schöne Gambe, wunderschöne Zungen. Sehr passend und glockig für Bachs Triosonaten. Schade, dass es Orgelbau Wender nicht mehr gibt, der in Dörna gewohnt hat, wo ich auch war. Er hat sehr schöne Orgeln hergestellt. Die ganze Bach-Orgel glänzt weiß und golden mit Engeln und Putten in einer hellen, weißen, beinahe durchsichtigen Kirche. Ich bin nicht nur ein Orgel-, sondern auch ein Kirchenfan. Zur Zeiten Bachs war alles braun wie in einer überdimensionalen Zigarrenschachtel. Die Fenster glitzern heute türkis-silber wie Opale. Die Logen sind noch wie damals, auch Taufbecken und das Gestein von außen. Die Akustik ist klar und fein, besonders wenn man unten die Steinmeyer-Orgel spielt.

Unter der Wender-Orgel thront der Spieltisch der romantischen Steinmeyer-Orgel (Spieltisch Laukhuff) mit Pfeifen u.a. von Hesse. Die Pfeifen sind versteckt in der weißen Wand. Hier klingen Werke von Liszt und Messiaen wunderschön, habe hier gleich ich Liszt B-A-C-H gespielt, Jörg hat geblättert. So kann man hier in der Bachkirche wunderschön alte und neue und romantische Musik spielen, beinahe alles. Auf den begrenzten Umfang der Bach-Orgel Arnstadt muss man sich einstellen, da oben im Pedal (und auch im Manual) cis und d  fehlen, die ja in Bachs Werken fast immer auftauchen. So muss man diese Stellen anders spielen und bearbeiten, nach unten versetzen, so auch bei der Trio-Sonate d-Moll und bei Bach 542, sogar Bach 543. Es war schön, Mittagsmusik zu spielen für die vereinzelten Menschen, die noch in der Krise Zuflucht suchen dürfen in der Kirche und andächtig lauschen. Den “lümmelnden Bach” auf dem Vorplatz mag ich nicht so gern.

Sehr schön ist auch die Schuke-Orgel (Potsdam) in der Liebfrauenkirche. Wenn es dort auch sehr kalt war. Ich bin wirklich ein absoluter Schuke-Fan, war ich von Anfang an, auch wenn mir manche Menschen das “austreiben” wollten. Aber alle drei Schuke-Orgeln der letzten drei Tage – in Gotha, Arnstadt und Mühlhausen, waren jede für sich einzigartig und wunderschön. Eine klangliche Wucht. Vielen Dank, Jörg!

Schlimm finde ich, dass unser Land dabei ist, alle Unternehmen, Selbständigen zu zerstören – alle diese Menschen haben sich viel aufgebaut. Diejenigen, die die Läden leer kaufen und jammern, sie würden sterben, sind hysterische Angestellte, die nichts zu verlieren haben. Da Homeoffice viel gemütlicher ist, plädieren sie darauf, dass alles still steht und zerstören damit das Land.

Ann-Helena Youtube

Menschen sind für das Jenseitige geschaffen, für das Erhabene. (Desmond Tutu)

Es war sehr schön, gestern an der wunderschönen Wender-Schuke-Orgel in Mühlhausen zu spielen (historisches Gehäuse). Für mich ist dies heiliges Gemäuer, fast ein wenig wie in Israel zu sein, wo ich schon zweimal war, obwohl der Vergleich natürlich hinkt. Aber immerhin war hier der, der in meinen Augen die schönste Musik der Welt geschrieben hat. Und er hatte es nicht leicht hier. Bach.

Der Altar und der Taufstein sind noch original aus Bachs Zeit. Die Orgel samt Prospekt wurde von Schuke nach Plänen Schweitzers rekonstruiert.

Einer der Kantoren hat dort eine schöne selbstgebastelte Wärmewand aufgestellt, und eine Orgel aus Strohhalmen lächelt vom Schrank herunter, sehr kreativ. Da es warm war, brauchten wir diese Schutzschleuse nicht.

Die Menschen feiern dort Andacht, was ich sehr gut finde, sie lassen sich nicht von heidnischen Verboten abhalten, während überall anders säkulare Privatparties gefeiert werden und Ostern näher rückt. Ich habe gespürt, dass Gott daran Wohlgefallen hat, wenn eine kleine Schar, ca. zehn  Menschen zusammenkommen und beten.

Es liegt letztendlich in seiner Hand, was passiert. Ich habe ein Passionslied mit ihnen gespielt und hatte Gänsehaut. Und Bach natürlich. Das Pedal ist anfangs nicht ganz leicht an dieser Orgel, aber nach einer Weile zieht sie einen hinein in den Klang, und alles gewinnt an automatischer Gravität.

Ich habe sehr genossen, an ihr zu spielen, und am Schluss war die Orgel “leicht”, so soll es sein. Gravität und Leichtigkeit, Klang, Fülle und zarte Verspieltheit. Ich liebe es, wenn ich spüre, dass auch meine Füße virtuos werden. Die Divi-Blasii-Kirche lag majestätisch in der Sonne auf dem Bach-Platz. Die Tür zum Orgelaufgang zu öffnen und zu schließen brachte mehr Übung als das Orgelspielen an sich.

Anbei von meinem 1. Semester damals in HfMT Hochschule für Musik Köln Cologne:

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19. März 2020

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Was ist also die Zeit? Wenn mich niemand fragt, weiß ich es; aber wenn ich dem Fragenden antworten möchte, weiß ich es nicht. (Augustinus)

Heute wieder viel geübt. Das musikalische Lernen und die musikalische Intelligenz sind manchmal anstrengend. Doch auch ein böser Virus kann den Frühling nicht aufhalten. Alles duftet und singt.

Denn:

Ein feste Burg ist unser Gott, Lied von Martin Luther:

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18. März 2020

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Wenn Sie nicht zurück können, brauchen Sie nur darüber nachzudenken, wie Sie am besten vorankommen. (Paul Coelho)

Ich mag die Filmmusik zu The Artist. Und den Film Brassed off. Dieser Klang von Flügelhorn…so schön. Schade, dass ich nicht alles, nicht jedes Instrument lernen kann.

Was ist eigentlich die Arbeit beim Üben? Ich glaube, die Arbeit ist, das jeweilige neue Werk zum Fließen zu bringen. Dabei kann mir auch keiner helfen, das ist intrinsische Motivation und manchmal eiserne Disziplin. Andere können helfen, dass es schneller geht. Aber ich bin dafür verantwortlich, dass jedes Werk fließt und schwingt. Wenn ich neue Werke übe, kommt es mir so vor, als seien manche Stücke sperriger als andere, zu fließen. Es ist, als wäre der Motor noch kalt und der Wagen stolpert und humpelt. Das kann sehr anstrengend sein. Ich lege dann manchmal Abwehrverhalten an den Tag. Plötzlich fällt mir ein, dass ich noch Blumen gießen, Wäsche waschen und den Badezimmerschrank aufräumen muss. Man muss sich selbst gut kennenlernen. Ich muss mir Zeit nehmen dürfen, bis etwas fließt und wächst, ohne Druck. Ein Bambusbaum wächst vier Jahre unter der Erde. Im fünften Jahr wächst er dreißig Meter hoch. Es muss bei mir freiwillig sein. Sonst bleibt der Motor kalt. Man hat mich schon mal gezwungen, ein Stück zu spielen. Es wurde nie warm. Später übte ich dieses Werk freiwillig. Ganz anders, alles. Alles, was ich erarbeite, bleibt mein Können und Wissen, es ist wie Gold an der Börse, ich erarbeite sie nicht für einen Chef oder ein fremdes Unternehmen, das mir nicht gehört. Das Depot ist in mir.

Manche Stücke sind “nur” nett; wenn sie dennoch schwer sind, was meist der Fall ist, bleibt meine Motivation verhalten, aber auch das muss gekonnt sein. Anders bei Bach. Selbst wenn das Stück noch neu ist und es noch nicht fließt, so fließt bei Bach schon der erste Takt. Ich kenne das bei keinem anderen Komponisten. Etwas an dieser Musik ist an sich Fließen, entspringt schon an sich aus einer tiefen Quelle. Das liebe ich.

Sehr schön ist auch der alte Film Die Blechtrommel.

Anbei Fotos vom Wettbewerb in Frankfurt und zum Entspannen in dieser bizarren Welt ein Engelslied:

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Wettbewerb Berner-Stiftung Frankfurt

17. März 2020

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Kunst ist Poesie und Technik. (Ann Schlüter)

Obsessive Kreativität fühlt sich auch manchmal an wie eine Krankheit oder ein Virus: Zwischendurch wird einem kurz schlecht oder schwindlig. Ich freue mich, dass meine Noten Stille och Snö auch in den Musikläden Weimars ausliegen, wie mir heute Wolf Leidel erzählte.

Lustig, wenn manche Musikpädagogen “Üben ist Handeln” in ihren Büchern deklarieren. Als ob das nun eine Neuigkeit wäre. Aufs Klo gehen ist auch Handeln. Warum wird darüber nicht musikpädagogisch reflektiert. Ich denke, in diesem bizarren Definitionskampf um “musikalisches Üben und Lernen” und musikpädagogische Begriffe weiterer Art stehen besonders die, die nie üben. Sonst hätten sie für Derartiges keine Zeit.

Mein Beethoven-Klavierkonzert vom Januar mit der Deutschen Radio Philharmonie (Ausschnitt):

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16. März 2020

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Er hat uns allen wohlgetan, den Blinden gab er das Gesicht, die Lahmen macht er gehend, er sagt uns seines Vaters Wort, er trieb die Teufel fort. (Aus der Matthäus-Passion von J.S. Bach)

Wer mag, kann jeden Tag mit mir um 21 Uhr (jeder für sich) für Italien beten. Es tut mir so leid, was ich von dort höre und sehe. Wo bleiben die Beatmungsgeräte? Hilft da niemand? Und bald ist Ostern.

Ja, bald ist Ostern, ich freue mich. Eigentlich haben nur Männer Jesus gekreuzigt. Frauen haben sogar versucht, es zu verhindern. Es meinen viele Kirchenmänner, Frauen unterdrücken zu können, dabei waren es ausschließlich Männer, die Jesus getötet haben. Ich hoffe, manche Kirchen, die in erster Linie Musik, Chorarbeit und Anerkennung anbeten, besinnen sich jetzt auf das, um was es eigentlich geht. Musik, so schön sie ist, rettet nicht. Nicht mal Bach. Das wusste auch er.

Ich mag die Filmmusik des Stummfilmes Der alte Fritz.

Heute war ich neben Üben, Komponieren und Sonne auch Wählen, ich habe mich erinnert.

ps: Nicht nur im Internet kaufen, denkt an die Wirtschaft.

Anbei meine Chromatische Fantasie und Fuge am Steinway B, morgen poste ich meinen neuen Beethoven und freue mich über Eure Likes.

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15. März 2020

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As an organist, practicing “social isolation” feels remarkably the same as ever. (Michael T.C. Hey)

So true. Und der lustigste facebook-Spruch so far. Das Wort remarkably gefällt mir hier besonders. Das gilt für PianistInnen natürlich genauso. Auch wenn ansonsten alles verrückt ist, lache ich mich über solche Dinge schlapp.

Der Klavier-Wettbewerb in Frankfurt heute in der Musterschule als Jurorin war sehr interessant, wenn auch anstrengend, 8-21 Uhr.

Es ist leider so, dass in Wettbewerben Politik eine viel zu große Dimension einnimmt. Männer sind sehr daran interessiert, Jungs mit Sonderpreisen zu versehen, vor allem dann, wenn Mädchen gewinnen. Da gewinnt ein Mädchen mit Höchstpunktzahl aufgrund einer hervorragenden Beethoven-Leistung, aber es wird dennoch ein “Beethoven-Preis” aus dem Hut gezaubert und jemand anderem gegeben, damit dieser “nicht zu kurz kommt”. (“Das Mädchen hat ja schon einen 1. Preis, sie wird schon genug Größe haben, ihm das zu gönnen.” (Zitat)

Wenn ich nicht dabei gewesen wäre, wäre es sicher noch viel drastischer dazu gekommen, Jungs zu bevorzugen. Besonders laute Showoff-Stücke wurden überdimensional bepunktet. Ich war die einzige aktive Pianistin in der Jury. Es wurde sich nie darüber Gedanken gemacht, einem Mädchen einen Sonderpreis zu geben.

Obwohl ich gelernt habe, dass man sich nicht darauf verlassen kann, bei der Förderung von Frauen andere Frauen mit im Boot zu haben (im Gegenteil, manche Frauen sind fixiert darauf, Männern zu gefallen), habe ich beschlossen, mit der Förderung von Mädchen und Frauen nicht nachzulassen. Auch wenn ich noch nicht genau weiß, wie dies aussehen wird.

Ansonsten waren alle jungen Musikerinnen und Musiker heute beachtlich. Ich denke, Frauen und Männer mit Söhnen wollen Mädchen und Frauen nichts gönnen. Und Männer, die in der Schule Lehrerinnen hatten, von denen sie sich unterdrückt fühlten. Man kann sich nun genau vorstellen, wie es in (Orgel)wettbewerben wie ISAM und Wiesbaden etc. zugeht, in denen nur Männer in der Jury sitzen bzw. eine Frau (die meist eine ist, die Männern gefallen möchte, um beliebt zu sein, sonst wäre sie nicht ausgewählt worden – oder eine, die schweigt und lächelt) – oder in denen Leute wie Lohmann, Essl etc. in der Jury sitzen, die meist ihre eigenen Schüler gewinnen lassen und die es überhaupt nicht stört, dass in den Eignungsprüfungen und Wettbewerben nur Männer in der Jury sitzen und hauptsächlich Männer gewinnen.

Dieses Stück wurde in der letzten Kategorie auch gespielt:

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