Von der Tiefe bis hoch zu den Sternen durchflutet Liebe das All. (Hildegard von Bingen)
Ich werde hin und wieder gefragt, woher ich die Zitate habe. Nun, sie fliegen mir geradezu in den Schoß.
Die oben genannte Liebe ist in meinen Augen keine anonyme Macht, sondern eine persönliche, denn alles, was kreativ und schöpferisch ist, kann nicht anonym sein, sondern hat eine Persönlichkeit – wer Gasplaneten schafft, besitzt eine starke Persönlichkeit, Willen, Leidenschaft, Humor und Durchsetzungsvermögen. Gott. The Great. Der größte Künstler. Noch dazu einer, der liebt. Einer, der nicht eitel ist. Wo findet man das sonst schon? Kunst und Liebe?
Ich mag die Musik von Corelli und Pachelbel sehr.
Manchmal wundern sich meine Füße, was ich an der Orgel von ihnen will. Und Leute wundern sich, warum ich meine Fingersätze in die Noten angeblich “reinritze”. :). Ich bin zwar eine Flüsterin, eine Orgelflüsterin, eine Flügelflüsterin, aber die Fingersätze müssen für mich schon deutlich sein, damit sie in mein Inneres übergehen.
Schön ist, wenn die Orgel nicht atemlos klingt, natürlich auch der Flügel nicht.
Ich freue mich auf die Konzertwoche in Schweden bei Göteborg. Aber jetzt bin ich bald erst mal unterwegs nach Hamm. Kaum zu glauben, dass ich Jubiläum habe: Seit 2010 bin ich nun mit Konzerten weltweit unterwegs.
Anbei mein erstes richtiges Orgel-Video von 2018:
Ich freue mich auf viele Abonnenten auf YouTube.
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Und dann muss man ja auch noch Zeit haben, da zu sitzen, vor sich hinzuschauen. (Astrid Lindgren)
Was ist das Besondere beim Musizieren? (Auch wenn ich dies Wort in meinem Kopf kaum verwende.) Ich denke, das Besondere ist, durch Musik nah an die Gefühle, Ängste, Seele heranzukommen und diese “unter Kontrolle” zu bekommen, mein Denken und Fühlen.
Bach war virtuos mit Füßen. Das inspiriert mich.
Ich freue mich auf die Beethoven Klavierabende.
Und auf die Pfeifen-Saiten-Konzerte, also Orgel und Klavier, jetzt am Sonntag in Hamm.
Der Film Tschaikowsky von Ken Russell fällt von der anderen Seite vom Pferd als der von Talankin – der erste Tschaik ein Wilder, Lotterlebenführender, Erfolgsbadender inmitten von übertrieben dargestellten homosexuellen Gestalten, ein Mann im Spektakel, die wunderschöne Musik unterlegt mit Vorstellungen von Kunstbanausen, der zweite ein in Melancholie versunkendes Opfer. Empfehlen kann ich beide nicht. Zu viele Klischees.
Erzeuge, aber nimm nicht in Besitz. Fördere, ohne zu beherrschen. (Lao-Tse)
Das Konzert gestern war sehr schön, wieder hatte ich Standing Ovations. Die Leute sind begeistert und schauen mich von oben bis unten an, als würden sie sich wundern, dass ich die große Orgel gespielt habe. Ich gebe zu, ich wundere mich selbst darüber. Ein von Mozart durchwebtes Programm von 75 Minuten. Beide Fantasien f-Moll und das Andante. Der März hat sehr gut begonnen.
Man hätte in einem Päuschen Mozartkugeln anbieten können, ganz recht. Es war ein Frauenpower-Konzert: Thalea ist die beste Blätterin, oder Blätteresse, die ich je hatte, und Anke eine der tollsten und bescheidenste Kantorin. Man erkennt am Blättern, wie musikalisch jemand ist. Ich habe bei Thalea gar nicht gemerkt, dass sie blättert, so gut war es, samtig und unsichtbar. Da die Orgel etwas auf einem Podest steht, musste sie um mich herum springen, da meine Noten besonders geklebt sind, lange Bandwürmer, da ich immer darauf gefasst sein muss, allein blättern zu können. Ich bin froh, dass Tobias auf die Idee kam, die Noten als Kompaktes, Ganzes zu blättern, indem man sie übereinander legt, vor allem bei Mozart und Liszt B-A-C-H.
Die Setzer habe ich alle selbst bedient, das ist mir sicherer. Dennoch habe ich das Gefühl, es gibt Heinzelmännchen (böse) in Orgeln: Es ist oft mindestens ein Setzer spurlos verschwunden. Ich habe sogar das Gefühl, es sind Heinzelmännchen in Noten: Plötzlich sind Fingersätze verschwunden. Es ist immer ein spannendes Abenteuer.
Was macht denn so Spaß an einem Orgelkonzert? Das Unberechenbare, das Bedienen der Tasten, Schweller und Setzer mit Händen und Füßen, das Glücksgefühl, wenn eine Setzerkombination noch da ist und funktioniert, das Einregistrieren, ja, das Verstehen der Orgel und des Raumes und das Sich-Verbinden mit Orgel und Raum, denn der wichtigste Registerzug ist die Akustik, die Artikulation, die Frage, wie es den Zungen geht und ob etwas verstimmt ist, das Verschmelzen und Kommunizieren und Aufeinanderabstimmen der Werke, das Mischen der Farben –
Kurz, das Technische und Komplexe an der Orgel, und dass Leute hin und wieder gern ohrenbetäubend gerauscht sein wollen inklusive mir. Ja, der Klangrausch. Nach fünf Stunden Einregistrieren höre ich auch nichts mehr. Ersetzt jede Disco und jedes Rockkonzert.
Empfehlen kann ich die Heizdecke stoov – sie ist relativ kabellos. Zum Üben gut zu verwenden (jedoch nicht im Konzert. Im Konzert geht auch keine Miniheizung. Aber das braucht man dann auch nicht mehr). Meine Stücke Snö und Längtan kamen auch gut an.
Was schrieb Mozart? “Als ich Herrn Stein sagte, ich möchte gern auf seiner Orgel spielen, denn die Orgel sei meine Passion, so verwunderte er sich groß und sagte: Was, ein solcher Mensch wie Sie, ein großer Clavierist und Pianist, will auf einem Instrument spielen, wo keine Expression ist?” So ähnlich sprechen Leute auch zu mir. Aber die Orgel hat Expression. Man muss sie nur zu beherrschen wissen.
Das Leben ist zu kurz, um Deutsch zu lernen. (Oscar Wilde)
Wie labil das Männergemachte und ihre Wirtschaft ist, sieht man nun spätestens am Virus.
Und die Leute haben sofort Angst. Wenn ich lese, dass manche davon reden, dass “deren Waschmittel aus Kastanien für zwei Jahre ausreicht und dass sie Angst haben, dass es keinen Strom mehr gibt”, denke ich mir: Klar, der Strom ist auch vom Virus befallen, aber es gibt Kastanien-Strom, der reicht für zwei Jahre.
Oder diese Hysterie mit Aktien. Ich glaube, viele haben die Börse nicht verstanden. Nichts von Warten, Aushalten und Disziplin gehört. Da lobe ich mir das Üben. Das bereitet auf Krisen vor.
Für mich aber ist klar, ich werde lieber krank, als ein Konzert nicht zu spielen. Zudem fühle ich mich beschützt. Ich habe noch nie erlebt, dass Gott nicht auf mich aufgepasst hat. Vor langer Zeit, als ich am letzten Tag eines Meisterkurses Klavier in Salzburg kein WG-Zimmer mehr hatte, es aber schon spät war und dunkel wurde, kamen zwei Nonnen auf mich zu, als ich etwas ängstlich durch die Straße lief, und quartierten mich im Kloster ein. Sie kamen wie Engel aus der Dunkelheit.
Heute habe ich gelesen, dass für Frauen das Immunsystem eines Mannes attraktiv ist. Dass Frauen in den ersten drei Minuten spüren, ob ein Mann ein starkes Immunsystem hat oder nicht. So was! Sachen gibt es. Doch heutzutage ziehen hasenfüßige Männer eine Banane und eine Unterhose im Rollköfferchen hinter sich her und erleiden, wenn die Sonne etwas stärker scheint, einen Kreislaufzusammenbruch. Das Einzige, was stark zu sein scheint, sind die Füße so groß wie Schiffe. Die Füße dieser Männer werden immer länger und ihr Immunsystem immer kürzer.
Ach, wenn ich bedenke, dass Männer früher edle Ritter waren… Oder zumindest in meiner Vorstellung.
Nun, das war ein etwas ironischer Beitrag. Jetzt registriere ich für heute Abend ein. Konzert 18 Uhr. Ich mag die Klais-Orgel in Heiligkreuz, sie ist nur ein wenig trompetig insgesamt.
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Ein Tropfen Liebe ist mehr als ein Ozean Verstand. (Blaise Pascal)
Es ist ja eigentlich seltsam, dass manche meinen, es sei schwer, beides, Orgel und Klavier, gut unterzubringen. Nun, zeitlich sicher. Aber war nicht auch Marcel Dupré Pianist gewesen, Organist und Komponist? Natürlich lernt man erst mit der Zeit, welche Orgel und welche Klänge zu welchem Stück passen. Aber noch später kommt man, wie ich hörte, dahin, dass man gerade das, was traditionell nicht passt, passend macht oder gerade deswegen schön findet, weil es anders und nicht-traditionell ist – ich habe sozusagen das Normale übersprungen und bin schon dort :).
Was mir auffällt: Viele Organisten sind eher gemütlich, eher langsam und haben es gern gemütlich. Ich komme mir vor wie ein Rennwagen, der mit 250 um die Ecke schießt, oder ein Rennpferd, und die Organisten springen empört zur Seite. Anfangs hat mich das irritiert, dieses Langsame. Ich scharrte mit den Hufen. Aber jetzt merke ich, dass es mir und meinem Spiel gut tut, wenn etwas Ruhiges hineinkommt. Wie wichtig das für mich ist. Ich bin dankbar für die geduldige Ruhe, die manche ausstrahlen, immer wieder – es erreicht mich seltsamerweise vor allem zuerst durch die Ohren – ich muss es hören, dass das Ruhige anders klingt. Ich bin ein Sample-Set, ein Schwamm, ein Spiegel, ein Stempelkissen.
Ich habe ein neues Stück an der Orgel kreiert: Tempelruf. Eigentlich krass, ein Muezzin auf der Orgel. Aber ich meine es eigentlich anders: Ich meine ein jüdisches Tempelgebet.
Empfehlen kann ich (bin dort neu) Pipes and Posts – eine Community für Organistinnen, MusikerInnen und Liebhaber der Musik.
Am Sonntag um 18 Uhr ist mein Konzert in Heiligkreuz Würzburg.
Anbei das neue Video vom SR-Sendesaal Saabrücken: Beethoven “Für Elise”.
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Ich werde unfähig sein zu Halbwahrheiten. Wo meine Erkenntnis ist, da ist mein Herz. (Luise Rinser)
Nun, es geht wohl darum, die eigene Bestimmung zu finden, nicht um persönliche Wünsche. Es ist nicht immer das, was einen inspiriert, was man tun soll.
Sehr schön finde ich, diese verschiedenen Stile in der Tastenwelt zu spielen: Froberger (der den Rhythmus genau notierte) ganz anders als Couperin, wieder ganz anders als Sweelinck und Reincken (der beinahe hundert Jahre alt wurde, und dies zu seiner Zeit! Sein Vorgänger Scheidemann starb früh an der Pest…) und ihre alten Fingersätze – aus Holland, aus Norddeutschland… Ich liebe Reinckens (oder Buttstetts?) Fuge g-Moll, mal 4-Fuß, mal 8-Fuß. Wiederum völlig anders Vierne und seine Schwebeklänge und Legato: der chromatische Debussy. Wieder ganz anders Muffat und sein Sohn. Und dann ganz anders Bruhns (der früh starb) und Scheidemann mit dem Choral Heiliger Geist. Die Filmmusik zu Titanic wurde definitiv von Scheidemann geklaut. Ja, das Empfinden der Stile auf Cembalo, Orgel und Clavichord. Von Bachs Trio-Sonaten ganz zu schweigen. Dazu kommt natürlich das Spannende der völlig unterschiedlichsten Instrumente, beispielsweise von Ahrend, Kuhn, Klais, Schuke, Walcker, Beckerath…. dazu all die Cembali…
Sehr schön ist das große Buch Die bemalten Orgelflügel in Europa. Orgelflügel. Allein das Wort. Perfekt. Es ist voll schöner Farbfotos und Informationen zu Orgeln aus Belgien, Holland, Italien, Frankreich, Deutschland, Orgeln mit flämischer Kunst – was für grandiose Orgeln, auch in bescheidenen Dorfkirchen.
Ich bin froh, dass ich die Hausorgel habe, auch wenn sie digital ist. Da ich in kurzer Zeit so viel Repertoire und Technik und Noten “fressen” muss, wäre es anders schwer möglich. Ich liebe, dabei Socken aus Baumwolle zu tragen, sie sind viel bequemer in Orgelschuhen als welche mit Bündchen und Gummi. Ich bin froh, dass ich zu allem gut adapte – es ist natürlich viel Arbeit, nichts kommt dahergeflogen, aber die 28 Sample-Sets machen es mir schmackhafter. Allein das Geräusch der Registerzüge! In meiner Vorstellungskraft bin ich an einer der Orgeln im Orgelflügelbuch, noch dazu bequem und warm und mit Tee.
Ich freue mich auf mein Konzert in Freckenhorst und jetzt am Sonntag in Würzburg.
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Du weißt den Weg ja doch, du weißt die Zeit. Dein Plan, Gott, ist fertig schon und liegt bereit. (Hedwig von Redem)
Ich habe wieder einige neue Orgeln aus Europa, besonders aus Holland; es macht Spaß, die verschiedenen Konsolen mit ihren Schwellern und Koppeln etc. “schnell” zu verstehen, auch wenn es manchmal auf den ersten Blick unübersichtlich aussieht. Die Orgel ist eine Klangwelt, die man trainieren und verstehen muss, von allen Seiten. Erst dann machen gewisse (Artikulations-) Gesetze Sinn. Orgelklang ist für viele Menschen sicher noch fremd, was ich nachvollziehen kann. Ich freue mich, dass meine eigenen Stücke bei Organroxx Radio gespielt werden. Das Buch Orgelbewegung und Spätromantik ist interessant.
Den Film Tschaikowski von Talankin mochte ich nicht so gern, da über allem etwas übertrieben ein tragischer Schleier der Melancholie und des Verkennens liegt.
Anbei das zweite neue Mozart-Video, die Flötenuhr. Bald kommt noch die Orgelwalze Fantasie f-Moll.
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Nur wer seinen eigenen Weg geht, kann von niemandem überholt werden. (Marlon Brando)
Die Schauspieler der Salzburger Festspiele sind super. Die Jüdin von Toledo. Wobei das jüdische Volk etwas bedenklich dargestellt wird.
“Der Frieden gleicht dem Krieg um ein Haar”. (Grillparzer)
Das (menschliche) Leben ist ein Wunder: Jeder Mensch hat ca. 206 Knochen, fünf Liter Blut, kilometerlange Adern (zusammen dreimal so lang wie der Äquator) – aber noch viel schöner ist alles, was um ihn herum und für ihn herum geschaffen wurde: Jede Schönheit rings um den Menschen herum zeigt Leben und Vernetzung und Zusammenhang und Energie und Beziehung und Süßes: Die grünen Pflanzenblätter küssen die Sonne (und umgekehrt), produzieren aus Sonnenenergie und Luft Zucker (!) zum Leben und Wachstum. Und nicht nur das. Dieses süße und schöne Produzieren für Leben und Wachstum wiederum erschafft Sauerstoff, den wir alle brauchen. Und allein diese (für uns unsichtbare, kleine, demütige, alltägliche) Verbindung aus Schönheit, Kreativität, Energie, Süßigkeit, Produktivität und Synergie, dieses kleine Beispiel aus Schönheit und Leben, ist Zufall? So viele Zufälle aus Schönheit, Farbe, Energie, Verbindung und Leben?
Ich bin im Zug, und leider sind wir wegen einem Wildunfall wieder 40 Minuten verspätet. Hatte das Tier Stoßzähne? Die Lok fährt nicht mehr.
Was haben die unterschiedlichen Musikfilme Funny Lady, The Girl can’t help it und Carmen (der von Carlos Saura) alle gemeinsam? Es geht zwar im Titel und im Plot um Frauen, aber es sind Männerfilme. Die Schauspielerinnen werden namentlich weder im Cover noch in der Lobpreisung noch in den Preisen erwähnt, sondern nur die männlichen Schauspieler und Regisseure. Alle drei sind in meinen Augen frauenfeindliche Filme, deren männliche Hersteller Preise und Oscars gewonnen haben: Frauen sind Mittel zum Zweck, sie sind das Produkt in den klischeehaften Plots der Manipulation, in denen Frauen als Puppen bezeichnet oder dargestellt werden, für dumm und Sex-Appeal verkauft, von Männern im Plot bewertet und “erzogen”.
Wenn ich durch die Stadt laufe, sehe ich fast nur Männergemachtes: Häuser, Autos, Straßen… Wäre eine andere Welt nicht viel schöner? Würden wir Frauen es uns nicht gesünder auf der Erde gemacht haben? Mit viel mehr Grün?
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Folge nicht den Fußspuren der Meister. Suche, was sie gesucht haben. (Basho)
Diese Erde scheint am Ende, überall Horror-Nachrichten, und was mache ich? Ich spiele Orgel und Klavier. Ist schon seltsam. Aber solange noch Vögel singen?
Früher mussten die Organisten genau lernen, wie man mit Walze spielt. Heute nicht mehr. Viele mögen Walze nicht so gern. Ich schon. Man muss eben darauf achten, dass die Walze meist auf alles greift, auf die Lichter, die helfen, weil sie anzeigen, wo sie sich befindet, und ganz genau und vorsichtig abwägen können – auch wissen, wie sensibel sie zu bewegen ist (meist nach unten laut und nach oben leise). Früher wurde auch gelehrt, wie man völlig selbständig blättert und ohne Hilfe registriert. Das mache ich meist ohnehin schon selbst.
Ich mag meine alten Noten gern, sie sind wie ein altes Nachthemd, in dessen vertrautem Duft man selbst im fremdesten Hotelzimmer gut schläft, oder wie mein altes Konzertkleid, das mir selbst in der kältesten Kirche oder an der fremdesten Orgel vertraute Gefühle weckt.
Ich habe festgestellt, dass manche Menschen recht ruppig mit ihren Instrumenten umgehen, Kameras oder Handys auf den Flügellack knallen etc. Das würde ich nie tun. Mit Sorge lass ich nur Samtenes in die Nähe meines Flügels.
Schade, dass sich Künstler und Kantoren manchmal wenig verstehen. (Manchmal aber sehr gut. Es gibt ja auch wirklich nette, besonders dann, wenn Kantoren selbst Künstler sind.) Ich erlebe leider, dass manche langjährigen und erfahrenen Kantoren nicht wissen, was ich meine, wenn ich von Orgeln spreche. Die nicht kennen, was ich fühle, die nie diese Leidenschaft kannten, die nach Schema F klingen, als wären sie von gestern; die leider nicht außerhalb der Box denken gelernt haben. Kantor ist Kontor?
Auf manchen Orgelreihen haben noch nie Frauen gespielt, wurden noch nie Frauen eingeladen. Und das, obwohl “hochkarätige” Leute sie betreuen. Auch das Kessel-Festival (wenn auch ganz andere Sparte von Musik, eher Rock, Pop, Jazz) hat als Haupt-Acts 2020 zu 90 Prozent erneut nur Männer eingeladen. Als ob die Bühne nur Männern gehört. Und Männer nur Männern etwas zutrauen. Ein Hauptproblem sind auch frauenfeindliche Frauen. Warum gönnen viele Frauen Frauen keinen Erfolg?
Katastrophal sind in meinen Augen sogenannte Kirchenmusikausbildungsstätten, in denen sich bewusst hauptsächlich männliche Dozenten tummeln. Und von denen kein kleiner Teil ihre Ehefrauen (und Kinder) sitzenlassen oder den Ruf haben, Affären mit Studentinnen zu haben oder in wilder Ehe leben. Wo Frauen flüchten, weggemobbt werden, sich umbringen oder kaum eine Position von Macht erhalten. Was für charakterlich zerstörte, unglückliche Absolventen werden wohl später als Kirchenmusiker oder Lehrer eingesetzt, die gelernt haben, hintenrum zu sein, dass Lästern “zum guten Ton” gehört, dass Männer die erste Geige spielen, die andere ablehnen und mobben und die meinen, dass man mit dem Strom schwimmen muss, weil man sonst keine Chance hat, sonst nicht dazugehört. Diese (frisch gebackenen) KantorInnen können Gift und Höllenkandidaten für die Kirchen werden und bringen eher den Teufel mit.
Leider kann ich den Film Die Polizistin nicht empfehlen. Ich war entsetzt.